Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Panic Room (2002)

(Es gibt wohl kaum einen Regisseur, dessen gesamte Filmografie so sehenswert ist, wie die von David Fincher. Zumindest in meinen Augen. Nach seinem Ausnahmefilm „Fight Club“ inszenierte er mit „Panic Room“ einen schnörkellosen Thriller, welcher bei den Kritikern unverständlicherweise nicht sonderlich gut angekommen ist. Für mich jedoch eine weitere Glanzleistung im Schaffen Finchers.

Zunächst einmal möchte ich die formalen Aspekte des Films hervorheben. Der Thriller ist unglaublich schön fotografiert. Die Kamerafahrten sind fantastisch. Minutiös geplant und entsprechend ausgeführt. Ohne jeden Zweifel ein audiovisuelles Meisterwerk. Bereits die Eröffnungstitel wirken bedeutungsschwanger und stellen die unterschwellige Bedrohung des urbanen Umfelds gekonnt dar. Hinzu kommt ein eindringlicher Score, der mich mehrmals an die Filme Hitchcocks denken ließ.

Auch von seinem erzählerischen Aufbau erinnert „Panic Room“ an den Großmeister des Genres. Ein begrenzter Zeitraum, eine klar abgesteckte Location und eine düstere Bedrohung, welche urplötzlich in das Privatleben der Charaktere einfällt. Hinzu kommt ein solch gezielter Einsatz von Suspense, als hätte Fincher Hitchcocks Definition stets im Hinterkopf gehabt. Selten durfte ich solch einem spannenden Film beiwohnen. Selbst bei der gestrigen Zweitsichtung konnte ich die Spannung körperlich zu spüren.

An die von den Kritikern oft bemängelten Logiklöcher habe ich bei der gestrigen Sichtung keinen einzigen Gedanken verschwendet, zu sehr nahm mich die Handlung gefangen. Auch die Kritik am angeblich so verdammenswerten einfachen Aufbau der Geschichte kann ich absolut nicht nachvollziehen. Was bitte braucht diese Geschichte mehr? Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und die Handlung peitscht förmlich voran. Besonders die Dynamik zwischen den Bösewichten fand ich grandios. Sicher kein zweiter „Fight Club“, doch hat solch eine verzwickte Handlung in diesem extrem dichten Thriller auch gar keinen Platz.

Für mich ist „Panic Room“ ein weiterer Volltreffer in Finchers Gesamtwerk. Sicher nicht sein bester Film, doch wohl einer meiner liebsten Spannungsfilme. Zudem ist er audiovisuell so perfekt gestaltet, dass jeder Filminteressierte alleine Stunden mit seiner formalen Analyse verbringen könnte. Ein unglaublich intensiver Film, den jeder Thrillerfreund mindestens einmal gesehen haben sollte: 9/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 1

An manchen Serien merkt man, wie die Zeit vergeht bzw. wie alt man tatsächlich schon geworden ist. So sind seit meiner Erstsichtung der Sitcom „That ’70s Show – Season 1“ inzwischen schon gut und gerne 10 Jahre vergangen. Unglaublich. Damals kannte ich die Serie natürlich nur unter dem Titel „Die wilden Siebziger!“ und war auf die Synchro angewiesen, dennoch gehörte die Show schon damals zu meinen absoluten Favoriten.

Aufgrund der doch recht sporadischen Ausstrahlung wurde ich der Serie damals nie überdrüssig und sie bot deshalb – im Vergleich zu täglich ausgestrahlten Sitcoms, wie z.B. „The King of Queens“ – immer ein besonderes Erlebnis. Heute verbinde ich mit der Serie lange Nächte während der Zivildienstzeit und entspannte Nachmittage. Ein Gefühl des Aufbruchs und der Selbstfindung, welches sich durchaus in den Geschichten rund um Eric Forman wiederfinden lässt.

Bei meiner nun ersten Sichtung von „That ’70s Show“ im englischen Originalton fiel mir sofort auf, wie unglaublich frisch die Serie auch heute noch wirkt. Wirklich fantastisch. Kein Vergleich zu sonstigen Sitcoms aus dieser Zeit. Der Humor der Serie ist teils zwar sehr auf die Jugendabenteur unserer Helden angelegt, doch das stört nicht wirklich, begleitet man die Charaktere doch beim Erwachsenwerden. Coming-of-Age als Sitcom. Wunderbar!

Die Schauspieler sind über jeden Zweifel erhaben und füllen ihre Rollen mehr als nur perfekt aus. Mein Liebling ist wohl Kurtwood Smith (Bösewicht Boddicker aus „RoboCop“) als mürrischer Vater mit Herz. Ganz großes Kino. Doch auch die restliche Bande um Topher Grace hat alle Sympathien auf ihrer Seite. Absolut perfekt gecastet.

Eine wirkliche Rahmenhandlung – außer der aufkeimenden Beziehung zwischen Eric und Donna – besitzt diese erste Staffel nicht wirklich, doch das ist für solch eine Sitcom auch nicht wirklich nötig. Jede Episode kann für sich alleine stehen und überzeugt auf ganz spezielle Art und Weise. Erwähnen sollte man auch noch den wunderbar rockigen Soundtrack, der es glücklicherweise über Lizenzhürden hinweg auf die DVDs geschafft hat.

Fazit

Ich kann die Serie jedem Sitcom-Freund nur empfehlen, dem so langsam der altbekannte Stoff ausgeht. Man fühlt sich (auch wenn diese nicht in den 70ern stattfand) an seine eigene Jugend zurückerinnert und kann durch den ironischen Unterton herzhaft über so manche Dummheit lachen. Eine großartige erste Staffel einer fantastischen Serie: 9/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

Firefly – Season 1 (WS1)

In den letzten Wochen stand wieder einmal meine fast schon jährliche Sichtung von „Firefly“ auf dem Programm. Joss Whedons leider viel zu früh abgesetztes Meisterwerk ist wohl die einzige Serie, die ich wirklich regelmäßig und wiederholt konsumiere. Erstmals auf Blu-ray und und in Gesellschaft meiner besserer Hälfte war es dieses Mal jedoch ein ganz neues Erlebnis.

Bereits bei den ersten Tönen des herrlichen Westernscores musste ich ganz automatisch lächeln. Als Browncoat fühlt man sich einfach sofort zu Hause auf der Serenity. Auch wenn dies die inzwischen dritte Sichtung innerhalb nur weniger Jahre war (so oft habe ich in diesem Zeitraum kaum einen Film gesehen), gibt es für mich doch immer noch neue Details zu entdecken und seien dies nur neue Dialogschnippsel, die mir bisher entgangen waren.

„Firefly“ ist wohl das Paradebeispiel für eine vorzeitig abgesetzte Serie. Auch bei der aktuellen Sichtung konnte ich einfach nicht begreifen, wie FOX nur so ignorant sein konnte. Das von Whedon erschaffene Universum birgt so viele potentielle Geschichten und Abenteuer, dass man als fallengelassener Fan gar nicht an die schier unendlichen Möglichkeiten denken möchte. Der nachgeschobene Kinofilm „Serenity“ ist da – trotz seiner wirklich wunderbaren Qualitäten – leider nur ein Trostpflaster.

Wer mehr über den detaillierten Inhalt dieses famosen Weltraumwesterns erfahren möchte, dem kann ich nur meinen ersten Eintrag zu „Firefly“ ans Herz legen, in dem ich auch die einzelnen Episoden ausführlich beschrieben habe. Ansonsten bleibt mir nur noch die perfekte Besetzung, Inszenierung und audiovisuelle Gestaltung dieses Serienmeisterwerks zu loben. Und selbst dann wird dieser Eintrag der Serie absolut nicht gerecht. Deshalb dringendst selbst anschauen! Bis zum nächsten Wiedersehen auf der Serenity: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

2012 (2009)

Was für ein Trash! Das waren wohl die Worte, die mir bei der Sichtung von Roland Emmerichs „2012“ am häufigsten durch den Kopf gegangen sind. Bei seiner Kinoauswertung hat mich der Film nicht sonderlich interessiert, doch da die Effektszenen im Trailer durchaus beeindruckend sind und ich zudem John Cusack recht gerne sehe, habe ich mich dennoch auf den Film eingelassen.

Die erste Stunde ist auch richtig gute Unterhaltung, wenn man in der Lage ist sich auf den Film einzulassen. Wer mehr erwartet, als ein monströses Effektspektakel, darf sich eigentlich sowieso nicht beschweren. Die Prämisse ist zugeschnitten auf eine Genereration von Zuschauern, welche „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ als hochwissenschaftliche Sendungen sehen. Wohl unterhaltsam, aber eben auch nicht konsumierbar ohne sich stets zu denken: Was für ein Trash!

Der pseudowissenschaftliche Hintergrund ist für den Spannungsaufbau durchaus ausreichend und die Charaktere werden – typisch für dieses Genre – in episodenhaften Szenarien vorgestellt. Soweit, so gut. Als dann das Chaos losbricht gibt es unglaubliche Schauwerte zu bewundern. Beinahe schon zu viel für die Rezeptoren. Reizüberflutung deluxe. Mit „2012“ hat Emmerich wohl tatsächlich die obere Fahnenstange des Gigantismus im Katastrophenfilm erreicht. Mehr wird – zumindest in den kommenden Jahren – einfacht nicht gehen.

Ungefähr ab der Hälfte – und nachdem man mit Woody Harrelsons Charakter die unterhaltsamste Figur des Films vorzeitig hat aussteigen lassen – gibt es die ersten wirklich dramatischen Szenen zu sehen und mit diesen fällt der Film in sich zusammen. Die Charaktere sind viel zu blass, um echtes Drama transportieren zu können. Das Drehbuch ist zu flach und schlecht konstruiert, um das Interesse über die viel zu langen zweieinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Selbst den tollen Effektszenen wurde ich irgendwann überdrüssig.

Das Finale auf der Arche ist zudem wirklich öde. Es mag daran liegen, dass ich gestern auch schon ziemlich müde war, doch die pseudo-humanitären Diskussionen um den Wert eines Menschenlebens waren einfach nur nervtötend und zudem schlecht geschrieben und langweilig inszeniert. Wer will so etwas in einem Film wie „2012“ schon sehen? Hier konnte sich der Film nicht einmal mehr auf seinen Trashfaktor berufen, der ihn in den vorherigen zwei Stunden über Wasser gehalten hat.

Auch wenn ich als CGI-Freund die Effekte ziemlich gelungen und beeindruckend fand, so muss ich doch sagen, dass der restliche Look des Films doch sehr an meinen Nerven gezerrt hat: Liebe Regisseure (und besonders Michael Mann), bitte lasst die Finger von diesem scheußlichen Videolook! Das will im Kino wirklich niemand sehen. Glücklicherweise fällt dieser Look nur in wenigen Szenen auf, doch das reichte aus, um mich immer wieder aus dem Film zu reißen.

Insgesamt hat Emmerich mit „2012“ zum dutzendsten Mal die gleiche Geschichte erzählt. Dieses Mal nur mit noch mehr Wumms und noch weniger Drehbuch. Visuell teils atemberaubend, doch inhaltlich einfach nur mau. Kann man sich als VFX-Freund durchaus anschauen und als solcher wird man ein absolut durchschnittliches Effektespektakel bis zu einem gewissen Grad auch zu schätzen wissen: 5/10 Punkte. Was für ein Trash!

Two and a Half Men – Season 3

Sitcoms sind das Fastfood unter den TV-Serien. Kein anderes Genre lässt sich so schön verschlingen und hinterlässt dabei einen Hunger nach mehr. Kein Wunder also, dass auch „Two and a Half Men – Season 3“ in Rekordzeit durchgeschaut wurde. Und was soll ich sagen? Her mit der nächsten Staffel!

Im Vergleich zur zweiten Staffel werden die Eigenheiten der Charaktere teils immer mehr auf die Spitze getrieben, teils aber auch komplett umgekehrt. So geht z.B. Charlie eine Beziehung ein, in der er lange Zeit auf Sex verzichten muss. Sein Bruder Alan dagegen findet sich in einer oberflächlichen und rein körperlichen Beziehung wieder. Am Ende sind jedoch (fast) alle Charaktere wieder dort angekommen, wo sie zu Beginn der Staffel standen und ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend in der kommenden Staffel fortsetzten wird.

Insgesamt gesehen fand ich die episodenübergreifende Handlung der dritten Staffel bisher am ausgewogensten und auch unterhaltsamsten. Trotz teils veränderter Grundsituation haben die Charaktere ihre bekannten Eigenschaften beibehalten und teils neue errungen, wodurch sich die Autoren weitere Humorpotentiale erschlossen haben.

„Two and a Half Men“ ist die nahezu perfekte Sitcom für Zwischendurch. Selbst mit größerem Abstand zwischen den einzelnen Episoden muss man nicht befürchten wichtige Details zu vergessen. Fastfood eben. Nicht sonderlich nachhaltig, aber doch irgendwie immer lecker: 8/10 Punkte.

Verdammnis (Stieg Larsson)

Wie bereits den Vorgänger habe ich auch Stieg Larssons „Verdammnis“ in Rekordzeit verschlungen. Ein tolles Buch und ein absolut würdiger zweiter Teil der „Millenium“-Trilogie. Nun bleibt nur noch das große Finale, von dem ich mir auch noch so einiges erwarte.

Im Vergleich zu „Verblendung“ steht die eigentliche Kriminalhandlung nicht so sehr im Vordergrund, auch wenn die Geschichte um das Aufdecken einer grausamen Vergangenheit durchaus Parallelen zum Vorgänger aufweist. Lisbeth Salander rückt mit enormer Kraft ins Zentrum der Geschichte.  Zuvor fallengelassene Handlungsstränge werden wieder aufgenommen und schon bald entspinnt sich ein dichtes Netz aus Verschwörung und blanker Gewalt.

Auch wenn ich im Vergleich zum Vorgänger das Gefühl hatte, dass nicht sonderlich viel passiert, so wurde ich doch schnell wieder in die Geschichte hineingesogen. Die aufgedeckten Geheimnisse sind teils schockierend, teils einfach nur spannend, doch immer glaubwürdig und mit interessanten Charakteren ausgestattet. Einzig das Finale fand ich etwas unbefriedigend, was aber durchaus daran liegen kann, dass „Verdammnis“ nur der Mittelteil einer Trilogie ist.

Qualitativ gibt es zwischen den beiden ersten Romanen kaum Unterschiede und alle begeisterten Leser des ersten Teils dürfen sich über eine gelungene Fortführung der Geschichte rund um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist freuen. Ich selbst freue mich nun auf ein hoffentlich gelungenes Finale und – wie bereits beim ersten Teil – die Verfilmung des Bestsellers: 9/10 Punkte.

Fanboys (2009)

Zum 30. Jubiläum von „Star Wars“ wurden zwei Filme angekündigt, die sich dem Thema aus Sicht der Fans annehmen sollten. Der erste war Patrick Read Johnsons – bisher immer noch unveröffentlicher – „77“ (ehemals „25-5-77“) und der zweite Kyle Newmans „Fanboys“, welcher eine äußerst turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Sieht man diese dem Film an?

Zum Hintergrund: Kurz bevor der Film veröffentlicht werden sollte, wurde dieser von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company umgeschnitten und um einen der Haupthandlungsstränge erleichtert. Nach schlechter Publicity aufgrund dieser Kürzung wurde letztendlich entschieden eben diesen gekürzten Handlungsstrang doch wieder in den finalen Schnitt des Films aufzunehmen. Ob mit der aktuellen Version nun ein echter Director’s Cut vorliegt oder nur eine annähernd rekonstruierte Fassung scheint jedoch niemand so genau zu wissen. Ob es das Drama überhaupt wert war?

In meinen Augen nicht. Ich kann durchaus verstehen, warum den Weinsteins der Handlungsstrang um die tödliche Krebserkrankung nicht ins Konzept passte. Er fügt sich einfach nicht in den restlichen Film ein. Emotional passiert da nichts. Die Geschichte geht im restlichen Klamauk völlig unter und man hätte die Schwerpunkte von Grund auf anders verteilen müssen. Dann jedoch wäre der Film in Richtung emotionales Drama gekippt und so wie „Fanboys“ vermarktet wurde, wäre dies wohl auch keine Lösung gewesen. Ich möchte die Praktiken der Weinsteins hiermit nicht gutheißen – und offensichtlich war deren nachbearbeitete Version noch inkonsistenter – doch hier haperte es einfach bereits am Drehbuch.

Abgesehen von der Unstimmigkeit in der Prämisse (man hätte wahrlich irgendeinen Grund zwischen tödlicher Krankheit und reiner Schnapsidee finden können) bietet der Film teils wirklich fantastische Unterhaltung. Die Gags werden zwar oft mit der Brechstange präsentiert, doch treffen sie fast immer ins Schwarze. Die Helden sind genau so nerdig, wie sie eben sein müssen und werden zudem von einer wunderbaren Kristen Bell („Veronica Mars“) unterstützt. Herrlich sind ebenso die Cameos, allen voran William Shatner.

Am Ende lässt mich der Film – obwohl ich im Mittelteil wirklich viel Spaß mit ihm hatte – doch etwas unbefriedigt zurück, was zum größten Teil an der emotional unstimmigen Rahmenhandlung liegt. Auch wenn der Film für echte Fanboys durchaus den einen oder anderen Blick wert ist, hätte ich mir insgesamt irgendwie mehr erwartet: 6/10 Punkte. Nun wäre es an der Zeit, dass „77“ einmal zeigt, wie man es besser macht…

Star Trek (2009)

Auch wenn ich als Jugendlicher unzählige Episoden der ersten beiden TV-Serien gesehen habe, würde ich mich nicht als Fan, geschweige denn Trekkie oder Trekker bezeichnen. Dennoch habe ich mich sehr auf J.J. Abrams Neuinterpretation von „Star Trek“ gefreut. Zum einen weil ich Abrams Art Geschichten zu erzählen mag und zum anderen, weil es sowieso viel zu wenig gelungene Space Operas da draußen gibt.

Wenn ich an „Star Trek“ denke, dann sehe ich Pappkulissen, Mr. Spocks Ohren und Uhuras kurzen Rock. Jede Episode war nahezu identisch aufgebaut, doch bereits damals wusste ich den trashigen Charme der Serie zu schätzen. Was hatte man in den frühen 90ern auf für eine Wahl? Mein letztes Zusammentreffen mit der Crew der Enterprise dürfte bei einem der Kinofilme gewesen sein, doch die Erinnerungen daran sind bestenfalls schemenhaft. Trotz – oder gerade wegen – meiner nur rudimentären Kenntnisse des „Star Trek“-Universums konnte ich die Neuauflage wirklich genießen.

Zunächst einmal muss ich Abrams für die Besetzung der Hauptrollen loben. Zachary Quinto (bekannt als Sylar aus der TV-Serie „Heroes“) ist wirklich die perfekte Besetzung des jungen Mr. Spock, was sich besonders im Zusammenspiel mit Leonard Nimoy offenbart. Chris Pine gibt einen rebellischen James T. Kirk und ist in meinen Augen ein guter Ersatz für William Shatner. Auch der restliche Cast ist perfekt gewählt, wobei mir natürlich besonders Simon Peggs („Shaun of the Dead“) Scotty ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Auch wenn die Geschichte an sich nicht sonderlich innovativ oder wendungsreich ist, liegt in dieser die wahre Genialität von Abrams Neuinterpretation. Durch einen kleinen, aber umso geschickteren Kniff gelingt es ihm seine Version von „Star Trek“ sowohl bei Hardcorefans als auch Gelegenheitszuschauern zu etablieren und die Reihe dennoch offen für völlig neue Geschichten zu halten. Fabelhaft!

Insgesamt wirkt der 2009er „Star Trek“ tatsächlich nur wie das erste Kapitel einer größeren Geschichte. Man hungert bereits beim Abspann nach mehr. So ging es zumindest mir. Die Geschichte des Films ist zu dünn, um die Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen. Dafür gibt es ausführliche Charakter- und Actionszenen, was – wie es typisch für Abrams ist – glücklicherweise keinen Widerspruch darstellt.

Ich für meinen Teil bin äußerst zufrieden mit der Neugestaltung des Franchise. Hardcorefans werden sich wohl darüber ärgern, dass Abrams sich an „Star Wars“ angenähert hat, doch dürfte das der Reihe neue Zuschauergruppen erschlossen haben. Ich persönlich habe nun sogar wieder Lust auf die ursprüngliche TV-Serie und die Kinofilme bekommen. Ein Neustart, der unglaublich viel Spaß macht: 8/10 Punkte.