Zweiohrküken (2009)

Auch wenn ich den Vorgänger äußerst unterhaltsam fand, hat mich die Fortsetzung von Til Schweigers 2007er Erfolgskomödie nicht wirklich gereizt. Somit hätte ich „Zweiohrküken“ wohl auch nie zu Gesicht bekommen, wenn meine Schwester mir nicht die Blu-ray mit den Worten ‚Willst du den Film noch sehen, bevor ich ihn wieder verkaufe?‘ überlassen hätte. Keine gute Werbung, doch ich wollte mir selbst eine Meinung bilden…

Meine damalige Kritik zu „Keinohrhasen“ ist wohl einer der Gründe, warum ich es nie unter die angesehenen Filmblogger schaffen werde. Ich hatte den Film damals am Startwochenende lange vor dem Hype gesehen und war begeistert vom inszenatorischen Können mit dem Schweiger seine – so dachte ich zumindest – kleine Komödie inszeniert hatte. Danach explodierte die Medienpräsenz des Films und spätestens ab diesem Zeitpunkt durfte man sich als Filmfreund nicht mehr positiv über den Film äußern. Auch wenn meine damalige Kritik – zugegebenermaßen – zum Überschwang neigt, habe ich den Film auch heute noch in sehr guter Erinnerung.

An „Zweiohrküken“ wollte ich – wenn ich ihn denn schon sehe – ebenso unvoreingenommen herangehen. Dennoch bin ich im Vorfeld über unzählige vernichtende Kritiken gestolpert, welche mir einerseits die Lust auf den Film nahmen, andererseits aber auch eine kleine Protestwelle in mir auslösten. Zu gern hätte ich mich folglich gegen die düstere Schar der Kritiker gestellt, um den Film mit wehenden Fahnen zu verteidigen. Leider jedoch musste ich die Fahnen schon nach ein paar Minuten enttäuscht sinken lassen. Da gibt es einfach nichts zu verteidigen.

„Zweiohrküken“ krankt daran eine Fortsetzung zu sein und schlingert auf seiner durch den Vorgänger vordefinierten Bahn entlang, ohne auch nur den geringsten Funken an Inspiration zu zeigen. Eine interessante Geschichte geht dem Film völlig ab, seine müden Gags lassen sich kilometerweit im Voraus erahnen und seine Charaktere verblassen in ihren Rollenklischees. Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist der Film damit vor allem eins, und zwar langweilig. Hatte ich bei der Sichtung von „Keinohrhasen“ einen cineastischen Aussetzer oder ist die Fortsetzung wirklich um so viel schlechter?

Tatsächlich sehenswert ist dagegen erneut die Inszenierung. Auch „Zweiohrküken“ ist wunderschön photographiert und sieht einfach nach Kino aus. Der muffige TV-Look vieler deutscher Komödien geht dem Film glücklicherweise ab. Nett fand ich auch das Kasperletheater, welches mit viel Liebe zum Detail inszeniert wurde. Leider jedoch bleiben die netten Szenen beinahe völlig auf der Strecke und neben plattestem Humor und öden Gastauftritten (wo bitte ist der herrlich selbstironische Jürgen Vogel des ersten Teils?) gibt es am Ende nur übermäßigen Kitsch zu sehen.

Leider wird „Zweiohrküken“ seinen Kritiken absolut gerecht. Dem Film mangelt es an erzählerischer Finesse, glaubwürdigen Charakteren und vor allem an Humor. Nett anzuschauen ist der Film dennoch, was aber auch nicht über die gähnende Langeweile hinwegtäuscht. Nein Herr Schweiger, das war ja wohl ein – und das ist auf ihrem Mist gewachsen – Griff ins Klo: 3/10 Punkte. Nun müsste ich mir ja fast noch einmal den ersten Teil ansehen…

Better Off Ted – Season 2

Nach 13 Episoden ist auch mit „Better Off Ted – Season 2“ unweigerlich Schluss. Nachdem der Erfolg bereits letztes Jahr auf sich warten ließ, war es sowieso schon ein kleines Wunder, dass der Serie eine zweite Staffel vergönnt war. Somit bleibt mir die Serie als äußerst kurzweiliger Ausflug in die Welt der Großkonzerne in Erinnerung.

Wie bereits im Vorjahr stehen absurde Geschäftsideen und beinahe schon an Hysterie grenzende Forschungsprojekte im Mittelpunkt. Die titelgebende Figur Ted muss sich mit einer durchgeknallten Entwicklungsabteilung, einer egomanischen Chefin und weiteren überzeichneten Archetypen aus der Geschäftswelt herumschlagen. Der Humor der Serie ist dabei weiterhin ziemlich comichaft und präsentiert den Großkonzern Veridian Dynamics als Sammelbecken für Verrückte.

Die gesamte Staffel ist wirklich sehr unterhaltsam. Sie hat mir über weite Strecken sogar besser gefallen, als die erste Staffel der Serie. Dennoch erschienen mir die Charaktere wieder seltsam distanziert und ich hatte stets das Gefühl nur Karikaturen zu sehen. Dadurch fehlt das letzte Quentchen Bindung, das die Serie auch bei mir zu einem größeren Erfolg hätte werden lassen können. Ein positives Beispiel aus letzter Zeit ist übrigens die Serie „Community“, bei der die Charaktere trotz ihrer Überzeichnung irgendwie näher am Zuschauer sind.

Wenn man einmal von der seltsamen Distanz absieht, bietet „Better Off Ted“ wieder einen fast schon schmerzhaft treffenden Blick hinter die Kulissen eines Großkonzerns. In dieser seltsamen Welt ist es teils wirklich so und somit kann ich die Darstellung der Figuren als Karikaturen ihrer selbst durchaus akzeptieren. Vermutlich vermisse ich einfach die soapigen Elemente anderer Serien und kann deshalb die wunderbare Satire nicht so schätzen, wie sie es verdient hätte.

Auch wenn „Better Off Ted“ nie in meinen Serienolymp aufgestiegen ist, so tut es mir doch leid um die Serie. Eine teils urkomische Show, die den Finger oft genug in die Wunde legt und mich dabei an meine eigenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Großkonzernen denken lässt. Für mich schon alleine deshalb sehr sehenswert: 8/10 Punkte.

Surface – Season 1

Es ist sehr selten, dass ich mir TV-Serien mehrmals ansehe. Besonders bei einstündigen Drama-Serien bleibt es meist bei der einmaligen Sichtung. Egal wie gut die Serie ist. Warum? Ganz einfach aufgrund von Zeitmangel. Das schon vorzeitig abgesetzte Mysterydrama „Surface – Season 1“ dagegen habe ich nun schon zum zweiten Mal gesehen. Dies mag an der knappen Episodenzahl liegen, hat aber durchaus auch andere Gründe.

Für mich ist „Surface“ die perfekte Unterhaltungsserie. Zwar ist sie nicht besonders tiefgründig, dafür aber einfach zu verstehen und inhaltlich exakt auf mein Interessenradar eingestellt. Naturwissenschaften, riesige Monster und das Meer als Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Hinzu kommt ein Spannungsaufbau, der an die großen Unterhaltungsfilme Spielbergs erinnert und ebenso seine Familienthematik aufgreift. Oft wähnt man sich folglich tatsächlich in einer Serie des Regisseurs und zumindest sein Einfluss ist allgegenwärtig.

Die verschiedenen Handlungsstränge werden schön verknüpft und jeder einzelne ist auf seine Weise interessant. Hinzu kommt, dass der Handlungsstrang meist im spannendsten Moment gewechselt wird und es somit unzählige, kleine Cliffhanger gibt. Eine Technik, die man bisher besonders aus der populären Unterhaltungsliteratur kennt. Nicht umsonst erinnert die Handlung über weite Strecken an Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“, welcher ähnlich erzählt ist.

Kritisieren kann man die teils wirklich billig wirkenden Effekte, welche jedoch nur in seltensten Fällen von der eigentlichen Handlung ablenken. Das größte Budget dürfte wohl ins Kreaturendesign geflossen sein, was man auch sieht. Nimrod ist – für eine TV-Serie – wirklich toll animiert und auch seine großen Brüder und Schwestern weisen enorme Schauwerte auf. Alles in allem durchaus sehenswert.

Enttäuschend ist – wie nicht anders zu erwarten – das offene Ende, welches die Serie im Moment der größten Umwälzung ereilt. Das wäre ein perfekter Cliffhanger gewesen. Wirklich schade, zumal die Serie bisher ein schönes Gleichgewicht aus neuen Rätseln und Lösungen alter Fragen gefunden hat. Da wäre wirklich noch Potential für weitere Staffeln vorhanden gewesen, doch es ist eben, wie es ist und wäre „Surface“ über fünf Staffeln gelaufen, hätte ich die Serie bestimmt kein zweites Mal gesichtet.

Für Spielberg-, Verschwörungsthriller- und Abenteuerfreunde ist „Surface“ ein absolut lohnenswerter Ausflug in die Unterwasserwelt. Wer mit Geschichten dieser Art nicht viel anfangen kann, ist woanders vielleicht besser aufgehoben. Bei mir hat die Serie jedoch einen Nerv getroffen und ich werde sie stets in sehr guter Erinnerung behalten: 8/10 Punkte.

Inception (2010)

Gestern Abend haben wir unser Zappelinchen zum ersten Mal in treusorgende Hände gegeben, um einmal wieder einen Abend in trauter Zweisamkeit zu genießen. Was lag da näher, als mit Christopher Nolans „Inception“ einmal wieder den Zauber der großen Leinwand zu spüren? Nicht nur das große Medienecho hatte mich neugierig gemacht. Was ist also dran am neuen Überfilm des gefeierten Regisseurs?

Natürlich ist bei solch einem Hype immer Vorsicht geboten, besonders wenn man sich erst bei dessem Abflachen seine eigene Meinung bilden kann. Mich jedoch hatte „Inception“ bereits in seinen Bann gezogen, als die ersten Informationen über die Handlung an die Öffenlichkeit drangen. Ein weiterer Traumfilm. Endlich! Dazu ein mehr als nur fähiger Regisseur und ein großes Budget. Ich mochte ja schon Tarsem Singhs unterbewerteten Bilderrausch „The Cell“ und Bernard Roses „Paperhouse“, in dem ein Kind durch düstere Albtraumlandschaften durchstreift.

„Inception“ geht das Thema Traum sehr technisch an. Es wird ein komplexes Regelwerk aufgebaut, an das sich unsere Helden halten müssen, um ihren Auftrag – ein mehr oder minder simpler Heist – zu erfüllen. Im Gegensatz zu den zuvor von mir genannten Filmen gibt es in Nolans Traumlandschaften keine surrealen Elemente. Selbst die jetzt schon berühmte Faltszene entspringt eher einem technischen Hintegrund: Traumarchitekten bauen Traumlabyrinthe und genau so mechanisch, wie man sich das vorstellt, sieht das letztendlich auch aus. Auch wenn ich gerne weitere Traumeigenschaften (spontane Zeit- und Ortswechsel usw.) gesehen hätte, so hat der eher realistische Traumstil doch auch zur Stringenz der Geschichte beigetragen, denn wie sagte Cobb so schön? Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually strange.

Die Handlung des Films macht wirklich Spaß. Man ist immer am Ball und gespannt, was wohl als nächstes passieren mag. Als der Film zu Ende war hatte ich zudem nicht das Gefühl zweieinhalb Stunden im Kino gesessen zu haben, doch Traumzeit vergeht eben viel schneller. Überhaupt nicht verstehen kann ich allerdings, wie man den Film als zu komplex wahrnehmen kann. Sicher gibt es am Ende vier Handlungsebenen, doch diese sind in der Montage so klar voneinander getrennt, dass es eigentlich überhaupt nicht zu Missverständnissen kommen kann. Mitdenken schadet natürlich nicht, doch wer „Inception“ schon zu kompliziert findet, der sollte tunlichst die Finger von Cronenberg, Lynch und Co. lassen.

Über die Originalität der Geschichte kann man sich natürlich streiten. Wie bereits mehrfach in der Blogosphäre zu lesen war, gibt es die Grundidee von „Inception“ bereits in Don Rosas „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ zu lesen. Genauer gesagt in der Geschichte „Lebensträume“, in der die Panzerknacker mithilfe eines Geräts von Daniel Düsentrieb in die Träume von Onkel Dagobert eindringen und versuchen seine Safekombination in Erfahrung zu bringen (die gesamte Geschichte gibt es hier nachzulesen). Was das nun bedeutet? Was ich schon immer wusste: Die Duck-Comics – insbesondere Carl Barks‘ und Don Rosas Werke – stecken voller famoser Ideen, die auch auf der großen Leinwand Bestand hätten.

Einen weiteren Vergleich muss sich „Inception“ nun von mir gefallen lassen – und zwar den Vergleich zu Martin Scorseses jüngsten Film. Wenn ihr euch nun fragt, was der simple Thriller „Shutter Island“ – Leonardo DiCaprio einmal außen vor gelassen – denn mit Christopher Nolans gepriesenem Meisterwerk zu schaffen haben soll, dann schaut einmal genau hin: Beide Filme handeln von nicht verarbeiteten Schuldgefühlen, in beiden Filmen flüchtet sich die Hauptfigur deshalb in eine Traumwelt und beide Filme enden äußerst ambivalent. Und die vielleicht wichtigste Parallele: Beide Filme haben bei mir ähnliche Emotionen hervorgerufen. Denkt einmal darüber nach.

Um mit meinen Ausführungen zu einem Ende zu finden, muss ich noch festhalten, dass ich „Inception“ zwar unglaublich mitreißend und unterhaltsam fand, jedoch den Hype um den Film nicht so recht verstehen kann. Doch das ging mir bereits bei Nolans „The Dark Knight“ so. So gut „Inception“ auch ist, er ist nicht Nolans bester Film. „Memento“ war innovativer und „The Prestige“ einfach faszinierender, doch das ist vielleicht nur meine Meinung. So oder so lohnt es sich auf jeden Fall diesem Traumlabyrinth einen ausführlichen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

Zombieland (2009)

Auch wenn es lange nicht so aussah, habe ich es im späteren Verlauf des Abends doch noch geschafft einen Film zu sehen. Auf Ruben Fleischers „Zombieland“ hatte ich mich schon lange gefreut. Nach „Braindead“ und „Shaun of the Dead“ endlich eine weitere Zombiekomödie mit Kultpotential. Doch kann sie zu ihren Brüdern im Geiste aufschließen?

Wenn man von „Zombieland“ liest, wird stets automatisch der Vergleich zu Edgar Wrigths „Shaun of the Dead“ gezogen. Ein Vergleich der Nahe liegt, aber auch ein Vergleich der nicht so richtig funktionieren will. Wrights Film ist eine liebevolle Hommage an den klassischen Zombiefilm. Die typischen Klischees werden aufgegriffen und mit eine Twist erzählt, wodurch der Film zu einem Fest für Genrefreunde wurde. Ruben Fleischer dagegen erzählt in „Zombieland“ eine recht beliebige Episode aus einem recht beliebigen postmodernen Zombieszenario – inklusive rennender Zombies. Der Humor ist eher platt und offenbart sich in überdrehten Actionsequenzen. Durchaus unterhaltsam, aber absolut kein Vergleich zur fantastischen RomZomCom von der Insel.

Ursprünglich war „Zombieland“ als Pilot für eine TV-Serie geplant und diesen Umstand sieht man dem Film leider in vielerlei Hinsicht an. Nicht unbedingt was Produktionswerte oder Schauspieler angeht – da stehen aktuelle TV-Produktionen ihren Leinwandbrüdern ohnehin kaum mehr nach – sondern was die Dramaturgie angeht. Der gesamte Film wirkt wie der Epilog zu etwas Größerem, wie eben einer gesamten Serienstaffel. Am Ende des Films hat man die Charaktere endlich kennen und lieben gelernt und könnte sich mit ihnen nun in weitere Abenteuer begeben. Doch dann war der nahezu handlungslose Film bereits zu Ende und ließ mich demzufolge etwas unbefriedigt zurück.

Trotz Schwächen in der Handlung und Dramaturgie weiß „Zombieland“ durchaus mit netten Ideen zu überzeugen. Die Regeln nach denen Columbus (Jesse Eisenberg) sein Überleben in der Apocalypse gestaltet erinnern dabei sehr an Max Brooks‘ Zombiesatire „World War Z“ und werden auf sehenswerte Art und Weise in den Film integriert. Getragen wird die schon unzählige Male erzählte Geschichte von ihren Darstellern. Besonders Woody Harrelsons Portrait  von Tallahassee ist ein Genuss. Jesse Eisenberg kam mir dagegen zu oft wie ein Michael Cera-Verschnitt vor und konnte dem Original in meinen Augen nicht das Wasser reichen. Gegen Ende hat sich das Ensemble jedoch zusammengerauft, was für mich erneut den Pilotfilmaspekt unterstreicht. Erwähnen sollte ich vermutlich auch noch Bill Murrays Gastauftritt, den ich sehr gelungen fand – wenngleich sein Abgang jedoch viel zu vorhersehbar war.

Für alle Zombiefreunde bietet „Zombieland“ natürlich astreine Unterhaltung. Ich habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt und war gegen Ende enttäuscht, dass es das schon wieder gewesen sein soll. Für mich hätte die Geschichte als Serie wohl auch besser funktioniert, insofern freue ich mich wenn mit „The Walking Dead“ kommende TV-Saison tatsächlich eine Zombieserie unsere Bildschirme heimsucht. Nicht die erwartete Offenbarung, aber immerhin äußerst kurzweiliges Genrekino: 7/10 Punkte.

Burn Notice – Season 1

Vor geraumer Zeit las ich von einer Serie, in der Bruce Campbell eine der Hauptrollen spielen sollte. Danach verschwand die Show jedoch von meinem Radar und tauchte erst kürzlich wieder darauf auf. Dank günstigem DVD-Preis habe ich mir also „Burn Notice – Season 1“ zugelegt und hoffte auf eine unterhaltsame Geheimdienstserie à la „ALIAS“ oder „Chuck“. Leider jedoch kommt die Show in keinster Weise an ihre Vorbilder heran.

Die Prämisse der Serie ist simpel: Ein Agent wurde unehrenhaft entlassen – ihm wurde eine Burn Notice zugestellt – und seitdem muss er sich in Miami mit Gelegenheitsjobs durchschlagen, bis er die große Verschwörung hinter seiner Entlassung aufdecken kann. Diese Ausgangslage dient der Serie, um sonnendurchflutete Bilder samt Urlaubsflair mit relativ unspektakulären Detektivgeschichten zu verbinden. Hinzu kommen leidlich interessante Figuren aus dem Geheimdienstumfeld und fertig ist der Sommerserienhit nach nur allzu bekannter Formel.

Vielleicht liegt es an der parallel geschauten und sehr stilvoll inszenierten Serie „Mad Men“, dass mich die Montage von „Burn Notice“ so unglaublich nervt. Unzählige Schnittspielerein werden unterlegt mit treibenden Beats. Aufdringlichste Videoclipästhetik, welche teils einfach nur irritierend wirkt. Nein, das ist wahrlich nicht schön anzuschauen und erinnert in seiner Einfallslosigkeit an „CSI: Miami“ und Konsorten. Vielleicht bin ich inzwischen aber auch nur zu alt für diesen Look.

Vom Unterhaltungswert her gesehen macht die Serie teils jedoch richtig Spaß. Bruce Campbell gibt den abgehalfteter Ex-Agenten Sam Axe so lässig, dass es eine wahre Freude ist. Leider jedoch ist sein Charakter nicht die Hauptfigur und so müssen wir uns mit Michael Westen abfinden, der weder die spannendste Figur der Serie ist, noch sonderlich gut gespielt wird. Jeffrey Donovan agiert leider viel zu hölzern, als dass man seinen Charakter wirklich ins Herz schließen könnte. Wirklich schade.

Letztendlich kann man sich „Burn Notice“ als Genrefreund durchaus einmal ansehen. Die Serie läuft ja auch erfolgreich genug, doch ist sie durch ihr starres Fall-der-Woche-Konzept und die aufgesetzte Montage wohl sowieso eher für Gelegenheitszuschauer gedacht. Auch wenn das Staffelfinale qualitativ wirklich noch einmal einen großen Sprung nach vorne macht, so werde ich Miami wohl erst wieder mit der nächsten Staffel von „Dexter“ besuchen: 6/10 Punkte.

Teilweise wolkig – OT: Partly Cloudy

Wie es bei Pixar schon seit Jahren üblich ist, gibt es auch zu „Oben“ einen zugehörigen Kurzfilm. Oft werden in diesen animated shorts neue Techniken ausprobiert, was auch auf „Teilweise wolkig“ zutrifft. Wie es der Titel schon andeutet, darf man sich auf viele fluffige Wolkeneffekte freuen, die wirklich einen Augenschmaus darstellen. Doch wie sieht es mit der Handlung aus?

Die Idee für „Teilweise wolkig“ ist durchaus amüsant: Wolken sorgen für den Nachwuchs und Störche bringen diesen zu Mensch und allerlei Getier. Ein spezieller Storch hat es dabei nicht besonders leicht und darf die etwas schwierigeren Fälle austragen. Aus dieser Prämisse ergeben sich allerlei lustige Animationen, welche wirklich schön anzusehen sind. Allerdings verpufft die Geschichte gegen Ende etwas, da der Schlussgag nicht wirklich zünden mag. Absolut kein Vergleich zum Gagfeuerwerk, das im vorjährigen „Presto“ abgefeuert wurde.

Letztendlich ist Pixar auch mit „Teilweise wolkig“ ein sehenswerter Kurzfilm gelungen, der allerdings vor allem visuell zu überzeugen weiß. Kurzweilige fünf Minuten, die jedoch etwas mehr Feinschliff in der Handlung hätten vertragen können: 7/10 Punkte.

Oben – OT: Up (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Oben“ am 21. Mai 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich meinen ersten Film gesehen seit das Zappelinchen in unser Leben getreten ist. Der erste Film seit sieben Wochen. Ich glaube das ist ein neuer Rekord. Was lag also näher, als mit „Oben“ einen kinderfreundlichen (dazu später mehr) Pixarfilm zu sichten? Im Kino hatte ich das Werk meiner liebsten Animationsschmiede leider verpasst und somit war die Vorfreude auf die Heimkinopremiere umso größer.

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich den audiovisuellen Genuss herausstellen, den dieser Film bietet. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Allein dafür hat sich die Anschaffung eines Blu-ray-Players gelohnt. Die Detailverliebtheit Pixars ist abermals unglaublich und ich hätte den Film am liebsten alle paar Minuten angehalten, nur um die Bilder zu bestaunen. Tatsächlich habe ich das auch getan, was allerdings weniger dem Film, als dem Töchterchen geschuldet ist. Filmschauen mit einem nicht schlafen wollendem Kind im Nebenzimmer ist eine ganz neue Erfahrung.

Nachdem mich der Film ästhetisch auf jeden Fall schon für sich gewinnen konnte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Inhalt und diesbezüglich hat „Oben“ durchaus gemischte Kritiken bekommen. Alle Kritiker sind sich jedoch einig, dass die ersten zwanzig Minuten des Films das Anrührendste sind, was man je in einem Animationsfilm zu sehen bekam. Auch ich war zutiefst ergriffen und musste die eine oder andere Träne verdrücken. So unglaublich schön. Ich gehe sogar noch weiter und attestiere der gesamten ersten Filmhälfte unwahrscheinliche emotionale Reife, denn auch – oder sogar besonders – nach der Rückblende kann man für Carl Frederickson einfach nur tiefste Verbundenheit empfinden.

Auch die Reise gehört für mich unabdingbar zu den wichtigen Elementen des Films. Das Abenteuer steht für eine tiefe Sehnsucht und treibt unseren Helden unablässig voran. Für mich kam der Bruch mit dem Erscheinen der sprechenden Hunde. Ähnlich wie in „WALL·E“ fällt die zweite Filmhälfte etwas ab, da die neuen Handlungselemente doch etwas fremd in dem bisher eher emotional geprägten Film wirken. Doch nach einer gewissen Zeit machen auch diese Ansätze durchaus Sinn, wenngleich ich mir hier oft eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht hätte. Die Szenen in denen Carl die fehlenden Seiten in Ellies Abenteuerbuch entdeckt und er endlich loslassen kann, sind dann einfach wieder nur zutiefst ergreifend.

Aufgrund seines Themas muss ich mich über die Freigabe des Films doch stark wundern. Kein Kind unter 6 Jahren wird die emotionale Tragweite des Films begreifen, geschweige denn verkraften können. Für mich ist „Oben“ – sieht man einmal von den sprechenden Hunden ab – bisher der reifste Film Pixars. Auch der Gewaltlevel hinterlässt bei jüngeren Kindern bestimmt Eindruck, da die bösen Hunde durchaus bedrohlich wirken und auch der Antagonist des Films dieses Mal – im Gegensatz zu den meisten anderen Animationsfilmen – nicht ungeschoren davon kommt.

Fazit

Insgesamt reiht sich „Oben“ für mich nahtlos in die makellose Filmographie Pixars ein. Einige Szenen haben sich sofort in mein Herz gespielt und zählen ab sofort zu meinen Animationsfavoriten. Daneben wirkt der Film teils etwas inkonsequent inszeniert, was jedoch dem Gesamtwerk kaum schadet. Wieder einmal ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Mad Men – Season 2

Nach längerer Babypause geht es endlich weiter mit meiner aktuellen Lieblingsserie. Umso mehr freue ich mich natürlich, dass Matthew Weiner „Mad Men – Season 2“ im Vergleich zur Prämierenstaffel tatsächlich noch einmal einen Qualitätsschub geben konnte. Absolut grandios. Ich bin immer noch völlig verzaubert von der liebevollen Perfektion, mit der die Macher ihre Serie auf den Bildschirm zaubern.

Auf die Handlung möchte ich zunächst nicht eingehen, sondern lieber die wunderbaren Details herausarbeiten, die diese Serie so sehenswert machen. In letzter Zeit halten viele Serien den Banner des Charakterdramas hoch. Selten jedoch wurden die Charaktere so perfekt ausgearbeitet, wie hier von Matthew Weiner und seinem Team. Wie in vielen anderen Serien gibt es auch in „Mad Men“ ein recht großes Ensemble. Wie soll man da jedem Charakter gerecht werden? In den meisten anderen Serien – wie z.B. „Lost“ – wird deshalb jede Episode ein Charakter besonders herausgestellt. Dies hat dann meist den Nebeneffekt, dass die anderen Charaktere ins Hintertreffen geraten und somit nur alle paar Episoden eine Weiterentwicklung erfahren. In „Mad Men“ hat man jedoch stets das Gefühl, dass jeder einzelne Charakter essentiell für die Serie ist. Wenngleich es auch hier durchaus episodenabhängige Gewichtungen einzelner Handlungsstränge gibt, werden den anderen Charaktere dennoch einzigartige Szenen geschenkt, die ihren Charakter bilden und auch ihren Handlungsstrang vorantreiben.

Überhaupt lebt die Serie von der großen Sorgfalt mit der die Autoren die Welt ihrer Serie gestalten. Jede Szene hat eine Bedeutung, welche sich oft jedoch erst später offenbart. Dabei trauen die Macher ihren Zuschauern sogar eine gewisse Grundintelligenz zu und lassen den Holzhammer öfter einmal im Schrank. So gibt es zum Beispiel eine Szene, in der Don Draper eine seiner Affären verlässt, weil diese nicht aufhören mag während des Vorspiels mit ihm zu reden. In der letzten Einstellung dieser Episode wird diese Szene auf wunderbare Weise gespiegelt, als Don seine Tochter – während er sich rasiert – darauf hinweist, dass sie doch bitte aufhören möge mit ihm zu reden, da er sich sonst schneiden werde. Nachdem seine Tochter das Badezimmer verlassen hat, bemerkt auch Don die Dualität seiner Worte, was uns als Zuschauer einzig und allein durch einen wissenden Blick gezeigt wird. Dann fährt die Kamera langsam zurück und lässt Don mit seiner Erkenntnis alleine zurück.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Wie bereits in der grandiosen ersten Staffel zeigt „Mad Men“ erneut einen beißenden Blick hinter die Kulissen der Werbewelt und hält unserer modernen Konsumgesellschaft damit einen Spiegel vor, der oft ein hässliches Bild zeichnet. Weiterhin kann ich wieder nur den fantastischen Look der Serie loben. Selten sah eine Fernsehproduktion so unglaublich gut aus.

Für mich hat „Mad Men“ den Serienolymp schon längst erklommen und ich kann es kaum abwarten die dritte Staffel zu sichten. Da die Serie aber so gut aussieht, werde ich wohl oder übel auf die Blu-ray warten müssen, was mir wirklich nicht leicht fallen wird. Sollte mich jemand nach der perfekten Serie fragen, so würde ich ohne mit der Wimper zu zucken „Mad Men“ nennen: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Two and a Half Men – Season 5

Mit „Two and a Half Men – Season 5“ geht die Serie rund um die dysfunktionale Familie Harper inzwischen schon ins fünfte Jahr. So langsam fällt es es wirklich schwer neue Aspekte zu finden, unter denen ich die Serie betrachten kann. Zu sehr gleichen sich die Inhalte der bisherigen fünf Staffeln. Dem Unterhaltungswert schadet das bisher glücklicherweise kaum.

Was gibt es an Neuerungen? Jake wird älter und bietet dadurch ein ganz neues Humorpotential. Zweideutige Anspielungen werden von ihm nun wenigstens ansatzweise verstanden, wodurch sich die Serie langsam aber sicher in Richtung „Three Men“ entwickelt. Ansonsten bleibt nahezu alles beim Alten. Die Gags erschienen mir noch etwas zotiger, als noch in der vorhergehenden Staffel und auch Redundanzen in der Handlung fallen inzwischen immer stärker auf.

Das groß angekündigte Crossover mit „CSI“ bildet eine nette Abwechslung, reiht sich jedoch sowohl qualitativ als auch inhaltlich relativ nahtlos in die restliche Staffel ein – und ist damit durchaus nett anzusehen. Doch so langsam wäre es an der Zeit für ein paar wirklich neue Ideen.

Da ich mich in letzter Zeit sowieso nicht allzu gut auf komplexere Geschichten konzentrieren kann bzw. nur noch sehr sporadisch vor den Bildschirm komme, haben mich die Wiederholungen in der Erzählstruktur und der Charakterzeichnung nicht sonderlich gestört. Dennoch sind diese selbst mir verstärkt aufgefallen, weshalb die fünfte Staffel um eine Abwertung auch nicht herumkommt: 7/10 Punkte.