Vergebung – OT: Luftslottet som sprängdes

Nachdem ich mich nun schon seit einem dreiviertel Jahr immer wieder mit Stieg Larssons „Millennium“-Triliogie beschäftige, habe ich diese mit der Sichtung von „Vergebung“ nun auch filmisch erst einmal abgeschlossen. Es war ein rundum lohnenswerter Ausflug in die düstere Schattenwelt Schwedens, der mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Die Verfilmung des finalen Teils erinnert in seiner Inszenierung stark an den Vorgänger „Verdammnis“, was auch kein Wunder ist, wurden beide Teile doch vom selben Regisseur ursprünglich für das Fernsehen umgesetzt. Insofern leidet auch der Abschluss der Trilogie unter dem TV-Look, der bereits den Vorgänger visuell bestimmte. Dies ist wirklich schade, denn die Geschichte hätte durchaus das Potential für größere Bilder.

Inhaltlich konzentriert sich der Film auf die wesentlichen Elemente der Romanvorlage. Natürlich gibt es Kürzungen, welchen ich in diesem Fall auch nicht abgeneigt war. So wurde der gesamte Nebenhandlungsstrang um Erika Bergers Weggang von Millennium gestrichen und auch die Verschwörung wurde auf ein Minimum reduziert. Da mir diese Elemente bereits im Buch zu ausschweifend waren, empfand ich die inhaltlichen Anpassungen hier als weniger schwerwiegend, als in den Vorgängern.

Nach dem Ende dieses Films komme ich nicht umhin zu glauben, dass eine stringter erzählte Version der Geschichte dem Filmerlebnis gut getan hätte. Diese hätte selbstverständlich aufwendiger inszeniert werden müssen, was mit dem Budget aber wohl nicht möglich gewesen ist. Insofern habe ich durchaus große Hoffnungen für David Finchers Remake.  Andererseits bietet der Stoff auch genug Material für eine ausschweifendere, gemächlichere Erzählweise in Form einer TV-Serie. In Schweden hat man dies durch die jeweils 90-minütige, sechsteilige TV-Fassung der Kinofilme auch umgesetzt, was für die Geschichte wiederum nur gut sein kann.

Wenn man sich die geplanten bzw. bereits produzierten Umsetzungen des Stoffs ansieht, kommt man nicht umhin den Hype hinter der Trilogie zu sehen. Lässt man diesen außen vor, bleibt eine äußerst spannend erzählte Geschichte, die in ihrer ursprünglichen Form auf jeden Fall lesenswert ist und auch auf der Leinwand zu überzeugen weiß. Das Finale bekommt von mir 7/10 Punkte und ich bin tatsächlich gespannt, wie sich die anderen Auswertungen der Geschichte im Vergleich schlagen werden.

(500) Days of Summer (2009)

Es gibt diese Filme. Filme, die sich einem sofort ins Herz spielen. Als wären sie schon immer Teil des persönlichen, filmischen Mikrokosmos gewesen. Marc Webbs „(500) Days of Summer“ gehört ohne Zweifel zu diesen Filmen. Gerade erst gesehen und schon das Gefühl einen neuen Freund gewonnen zu haben. Was den Film so besonders macht? Findet es heraus…

Zunächst einmal muss ich die formalen Aspekte loben: Der Aufbau des Films ist zwar nicht unbedingt brandneu, aber im Rahmen doch Genres doch wunderbar erfrischend. Aufgrund der mäandernden Darstellung der Beziehung bekommt man als Zuschauer all die widersprüchlichen Gefühle präsentiert, die eine Beziehung eben so mit sich bringt. Wunderbar. Des Weiteren ist der Film wunderschön photographiert und besitzt den besten Soundtrack seit „Garden State“ – was ich als absolutes Kompliment verstanden haben will.

Auch inhaltlich ist der Film ganz groß. Selten habe ich solch eine natürliche Chemie zwischen zwei Schauspielern erlebt. Großartige Leistungen von Joseph Gorden-Levitt („Brick“, „Inception“) und Zooey Deschanel. Auch die Drehbuchautoren haben ihren Teil zum Gelingen der Geschichte beigetragen, wirken die Dialoge doch wunderbar aus dem Leben gegriffen. Gewürzt mit unzähligen popkulturellen Referenzen und der stilsicheren Inszenierung ergibt sich ein ganz besonderer, kleiner Film. Ein Film der es leicht unter meine Lieblingsfilme schaffen könnte.

Müsste ich einen Kritikpunkt nennen, dann eventuell die Erzählstimme, die doch ab und zu an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder auch die TV-Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Glücklicherweise wird sie in „(500) Days of Summer“ nur sehr gezielt eingesetzt und auch die anderen inszenatorischen Kniffe wirken nicht aufgesetzt, sondern fügen sich relativ nahtlos in die Geschichte ein.

Marc Webbs „(500) Days of Summer“ hat etwas in mir berührt, wohin es nur wenigen Filmen gelingt vorzudringen. Bereits nach ein paar Minuten fühlten sich die Charaktere wie alte Bekannte an. Vermutlich ist der Film aber nicht für jeden Zuschauertyp geeignet. Man muss wohl – zumindest zu geringen Teilen – ein Träumer oder zumindest mit britischer Popmusik aufgewachsen sein. Fantastisch: 9/10 Punkte.

Life Unexpected – Season 1

Mit der relativ unaufregenden Familienserie „Life Unexpected – Season 1“ habe ich eine weitere Show der vergangenen TV-Saison nachgeholt. Wie in meiner letzten Neuentdeckung „Parenthood“ wird auch hier das Thema Elternschaft in der heutigen Gesellschaft behandelt – doch das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Im Gegensatz zu „Parenthood“ stützt sich „Life Unexpected“ viel mehr auf eine bestimmte Prämisse und versucht daraus ihr Drama zu entwicklen: Zwei selbst noch sehr unreife Personen werden plötzlich mit ihrer 16-jährigen Tochter konfrontiert, woraufhin sich die drei sehr individuellen Charaktere miteinander arrangieren müssen. Nahezu jede einzelne Episode nimmt wieder Bezug auf diese Ausgangslage, wobei meist die noch recht brüchige Familiengemeinschaft auf eine harte Probe gestellt wird.

In „Life Unexpected“ gibt es viel Drama, viel Humor und viel Romantik. Die Charaktere sind nett geschrieben und die Chemie stimmt. Leider jedoch ist die Handlung unglaublich vorhersehbar, was die Serie in meinen Augen deutlich abwertet. Da wird oft eimerweise in die die Klischeekiste gegriffen, weshalb die Serie anderen Vertretern ihres Genres – wie z.B. den atmosphärisch recht ähnlichen „Gilmore Girls“ – leider nicht das Wasser reichen kann. Dennoch macht die Serie viel richtig, was mich stets die nächste Episode anschauen ließ.

Zunächst einmal sind die Dialoge ziemlich schmissig. Zwar noch nicht mit den Wortschlachten aus Stars Hollow zu vergleichen, doch muss man teils schon zweimal hinhören, um jede Anspielung zu erfassen. Weiterhin sind die Charakte und ihre Schauspieler (u.a. Kerr Smith aus „Dawson’s Creek“) ziemlich liebenswert. Da macht es einem die Serie aber auch nicht leicht abzuschalten – trotz der oft redundanten Handlung.

Wenn man nicht immer Action, Thrill oder durchdachtes Drama braucht, dann bietet „Life Unexpected“ seichte, aber stets sehenswerte Unterhaltung. Ich habe immer gerne reingeschaut und werde das wohl auch in Zukunft so beibehalten: 7/10 Punkte. Definately a show that grows on you…

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010)

Manche Filme sieht man sich an, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Auch Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ wurde von der Kritik übelst verrissen, doch als ich den Trailer damals im Kino sah, wusste ich: Das wird bestimmt ein großer Spaß! Alleine schon aufgrund des Kraken. Eine böse Fehleinschätzung meinerseits?

Glücklicherweise nicht. Leterriers Remake des 1981er Stop-Motion-Fantasyhits hat durchaus seine Momente. Natürlich sollte man als geneigter Zuschauer weder gigantischen Monstern noch überproduziertem Fantasy-Quatsch abgeneigt sein. Egal ob „Der Herr der Ringe“ oder „Fluch der Karibik“ – es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Genrefilm der letzten 10 Jahre, aus dem hier nicht beliebig geklaut wurde. Doch das fällt angesichts der hanebüchen erzählten Geschichte glücklicherweise kaum noch ins Gewicht.

Richtig Spaß macht der Film in seinen überbordenden Actionsequenzen. Wenn Perseus mit seinen Kumpanen gegen fliegende Monster, riesige Skorpione oder den Kraken kämpft, dann bleibt kein Auge trocken. In diesen Szenen hat mein kleines Monsterfilmherz aufgeregt geklopft, nur um während der Szenen im Olymp kräftig ins Stolpern zu kommen. Natürlich ist auch diese himmlische Soap Teil des Films, doch musste man unbedingt Liam Neeson und Ralph Fiennes in albernen Kostümen so unmotiviert chargieren lassen?

Inszenatorisch hat die 2010er Version von „Clash of the Titans“ – einmal abgesehen von den irritierenden Szenen im Olymp – durchaus einiges zu bieten. Die Action ist wirklich schön anzusehen und auch die diversen Wanderungen unserer mutigen Recken sind wunderbar in Szene gesetzt. Insofern hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, wenngleich er mir auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Großer Fantasy-Quatsch eben: 6/10 Punkte.

Wo die wilden Kerle wohnen – OT: Where the Wild Things Are (2009)

Nach viel zu vielen Unterbrechungen, habe ich gerade Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle wohnen“ beendet. Einen Film während der Einschlafphase unseres Zappelinchens zu schauen ist doch stets ein Abenteuer. Dennoch hat die Verfilmung des berühmten Kinderbuchs von Maurice Sendak genau in mein filmisches Herz getroffen: Let the wild rumpus start!

Nach unzähligen Sichtungen des Trailers war ich einerseits wirklich heiß auf den Film, andererseits hatte ich auch Angst, dass die naturalistische Darstellung von Max‘ Königreich samt seine Bewohner auf Dauer doch zu anstrengend sein würde. Doch weit gefehlt! Spike Jonze vermeidet CGI-Effekte wo es nur geht – bzw. versteckt diese ausgezeichnet – und lässt seine Charaktere tatsächlich miteinander agieren. Unterstützt wird dies durch verstärkten Handkamera-Einsatz, was für das Genre zunächst ungewohnt erscheint, letztendlich aber das surreale Mittendrin-Gefühl nur noch umso mehr unterstreicht.

Neben der audiovisuellen Ausgestaltung (ja, auch Score und Soundtrack sind famos), kann „Where the Wild Things Are“ besonders durch seine Geschichte überzeugen. Auf den ersten Blick mag sie simpel erscheinen, doch schon bald begreift man hier das komplexe Abbild von Max‘ Emotionen und Projektionen seiner Umwelt miteinander agieren zu sehen. Oft wirklich herzergreifend und einfach nur wunderschön erzählt.

Neben Inszenierung und Drehbuch, darf man natürlich auch die fantastische Ausstattung und die grandiosen Darsteller nicht vergessen. Der 9-jährige Max Records scheint wie geschaffen für die Rolle seines Namensvetters. Toll gespielt, ohne Frage. James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) spricht die Projektion von Max‘ wilder Seite – ein zotteliges Monster namens Carol – und haucht ihm so viel unbändige Wildheit ein, dass es eine wahre Freude ist. Auch der restliche (Voice-)Cast ist perfekt gewählt und trägt den Film bis zur letzten Sekunde.

Spike Jonze ist mit „Where the Wild Things Are“ einer der wunderbarsten Filme über die Kindheit gelungen, den ich je sehen durfte. Ein Kinderfilm ist es allerdings nicht und ich kann nur einmal mehr meinen Kopf aufgrund der Freigabe unserer geliebten FSK schütteln. Für alle Erwachsenen da draußen, die sich noch gerne an ihre Kindheit erinnern, gibt es aber wohl kaum einen schöneren Film: 9/10 Punkte.

Parenthood – Season 1

Auf der Suche nach Seriennachschub, bin ich durch eine Empfehlung von sab auf „Parenthood – Season 1“ gestoßen. An der Serie reizte mich zunächst nur das Mitwirken von Lauren Graham (Lorelei Gilmore, „Gilmore Girls“) sowie natürlich das Grundthema der Elternschaft. Inzwischen hat sich die Serie jedoch bereits unzweifelhaft in mein Herz gespielt.

Wenn es um klassische Familienserien geht, kann ich nur wenig Erfahrung vorweisen. Bisher hat es mich auch eher zu den Genres Thriller und Mystery gezogen, doch dank unserer familiären Weiterentwicklung, ist das Thema Elternschaft zurzeit natürlich brandaktuell. Erwartet hatte ich mir zunächst nicht sonderlich viel. Eine Familienserie eben. Im schlimmsten Falle „Eine himmlische Familie“ und im besten „Gilmore Girls“ – viel mehr Erfahrung kann ich in diesem Genre nicht vorweisen.

Was soll ich sagen? „Parenthood“ hat meine Erwartungen meilenweit übertroffen. Qualitativ kann die Serie auf jeden Fall mit den Mädels aus Stars Hollow mithalten. Warum dieser Vergleich? Die Dialoge sind teils ebenso schnell und es gibt einige popkulturelle Anspielungen. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. „Parenthood“ stellt das Thema Elternschaft – mit allen Freuden und allem Leiden – in den Mittelpunkt und überzeugt dabei auf ganzer Linie. Selten hat mich eine Serie emotional so gepackt, wie dieses großartige Portrait der Familie Braverman.

Vermutlich muss man bis zu einem gewissen Grad ein Familienmensch sein, um das volle Potential dieser Serie auszuschöpfen. Manche Momente mögen kitschig erscheinen, doch für mich waren sie stets herzerwärmend. Daneben gibt es genügend ernste Themen und Konflikte, welche die Geschichten (oft gibt es bis zu fünf Handlungsstränge in einer Episode) am Laufen halten. Den moralischen Zeigefinger gibt es sogut wie überhaupt nicht und man hat das Gefühl echten Menschen zuzuschauen und nicht nur Serienabziehbildern. Dennoch wohnt der Serie eine gewisse Magie inne und genau das macht „Parenthood“ so wunderbar.

Für mich stellt die Serie unzweifelhaft die Neuentdeckung der vergangenen TV-Saison im Bereich Drama dar. Man könnte auch sagen „Parenthood“ ist das dramatische Gegenstück zu „Modern Family“. Ebenso großartig, nur eben anders. Wer sich auch nur etwas vom Inhalt angesprochen fühlt, der sollte wenigstens einmal reinschauen. Es wird definitiv belohnt werden – von einem herausragenden Cast, fantastischen Drehbüchern und einer gefühlvollen Inszenierung. Einfach nur wunderbar: 9/10 Punkte.

The Book of Eli

Es gibt Genres, die eine große Anziehungskraft auf mich ausüben. Zu diesen gehören alle Unterarten des Endzeitfilms. Das Leben nach der Apocalypse. Wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis mir „The Book of Eli“ der Hughes-Brüder über den Weg läuft. Der Trailer sah interessant aus und so erhoffte ich mir neue Aspekte trotz der nur allzu bekannten Prämisse.

Audiovisuell ist der Film absolut beeindruckend. Stilisierte Endzeitbilder, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Entsättigte Landschaftsbilder werden von einem eindringlich wummernden Score begleitet. Unzählige Farbfilter geben der Wanderung unseres Helden einen surrealen Touch. Nein, diese Welt ist nicht mehr die unsrige. So wunderbar Elis Streifzug durch das wüstenartige Amerika auch anzusehen ist, so sehr hält uns diese überstilisierte Form der Inszenierung auch auf Distanz. Es fällt schwer Zugang zu dieser Welt zu finden.

Die Handlung des Films ist von Anfang auf mysteriös getrimmt. Der einsame, wortkarge Held mit undurchsichtiger Mission. Leider jedoch wirkt gerade dieser Mystery-Aspekt seltsam fehl am Platz. Eli scheint unverwundbar und was es mit dem Buch auf sich hat, erschließt sich schon alleine aufgrund des Filmtitels. Besonders das Ende des Films wirkt hier extrem aufgesetzt und gezwungen. Ja, man kann religiöse Schriften so oder so auslegen. Gutes oder Schlechtes mit ihnen bewirken. Keine Frage. Mich stört nicht der Grundgedanke des Films, sondern das reichlich platte Drehbuch. Ein fähigerer Autor hätte da wahrlich mehr herausholen können.

Richtig gut gefallen hat mir das westernartige Duell zwischen Eli (Denzel Washington) und Carnegie (Gary Oldman). Hier wird eine schöne Atmosphäre heraufbeschworen, die in ihren besten Momenten an die „Mad Max“-Trilogie erinnert, deren Qualität jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Trotz teils völlig überzeichneter Charaktere nimmt sich der Film viel zu ernst, was natürlich auch in seiner Thematik begründet ist. Dennoch hätte man da – nein, das Drehbuch ist wirklich nicht gelungen – etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Endzeitfans dürften, trotz seiner Schwächen, Spaß an dem Film haben. Die spärlich eingesetzte Action ist zwar fragwürdig, aber stets gut inszeniert. Leider ist die Geschichte größtenteils recht hanebüchen, was – besonders gegen Ende – ziemlich viel kaputt macht. Zum einmal Schauen kann man jedoch durchaus eine Empfehlung aussprechen. Man sollte sich nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Heat Wave (Richard Castle)

Zu meinem letzten Ausflug in die Welt der geschriebenen Wörter hat mich eine TV-Serie verleitet. Richard Castles „Heat Wave“ entspringt der ersten Staffel der humorvollen Krimiserie „Castle“, welche mir besonders in ihrer zweiten Staffel sehr ans Herz gewachsen ist. Was lag also näher, als mich nach meinem Stieg Larsson-Marathon diesem kleinen, aber doch sehr feinen Krimi zu widmen?

Das Buch liest sich wie eine Episode der Serie, nur dass die Charaktere nicht denen der Show entsprechen. Der Roman „Heat Wave“ entspringt direkt der Serienhandlung und wurde darin von dessen Hauptcharakter Richard Castle geschrieben. In dieser fiktiven Welt funktioniert das Buch tadellos. Richard Castle würde wohl genau so schreiben, wie der ungenannte Autor des vorliegenden Romans.

Da die Figuren und Ereignisse von „Heat Wave“ jedoch von Richard Castle auf den Serienfiguren rund im Detective Kate Beckett basieren, könnte man einfach die Namen der Charaktere austauschen und hätte ein astreines Drehbuch für eine Episode der Serie vorliegen. Einzig und allein die Beziehung von James Rook (Richard Castle) und Nikki Heat (Kate Beckett) hat im Roman schon eine andere Ebene erreicht – wenn auch nur körperlich. Der verbale Schlagabtausch bleibt glücklicherweise erhalten.

Für Fans der Serie ist „Heat Wave“ ein großes Lesevergnügen. Ich hatte enorm viel Spaß mit dem Buch und freue mich nun umso mehr auf die dritte Staffel. So etwas nenne ich einmal gelungenes crossmediales Marketing. Gut geschrieben, äußerst kurzweilig und im Geiste der Serie. Bitte mehr davon: 8/10 Punkte. Der Nachfolger „Naked Heat“ steht übrigens bereits in den Startlöchern…

Rizzoli & Isles – Season 1

Meist informiere ich mich selbst, was es denn Sehenswertes im Bereich Film oder Serien gibt. Auf „Rizzoli & Isles – Season 1“ wäre ich jedoch nie ohne meine Frau gestoßen. Diese liest nämlich mit Begeisterung die literarische Vorlage der amerikanischen Autorin Tess Gerritsen, was die Serie automatisch in unser Pflichtprorgramm katapultiert hat.

Da auch ich mit Teilen der Vorlage vertraut bin, waren wir beide folglich sehr neugierig, was man aus dem uns bekannten Stoff gemacht hat. Die Pilotepisode basiert auf dem Roman „Der Meister“ und man darf sich als Kenner der Bücher auf einige vertraute Szenen freuen. Nach der ersten Episode waren wir – trotz offensichtlichen Unterschieden zur Vorlage – also recht angetan, wenngleich ich auch nicht verstehen kann, warum man mit „Die Chirurgin“ den äußerst spannenden Beginn der Krimireihe außen vor gelassen hat.

Neben ein paar wenigen handlungsübergreifenden Episoden rund um den Serienmörder Charles Hoyt (in den Büchern Warren Hoyt), gibt es hauptsächlich Einzelepisoden zu bewundern, die von der Handlung an Serien wie „Bones“ oder „Castle“ erinnern. Nette und fast immer recht spannende Krimigeschichten, die von ihren Charakteren leben. Das titelgebende Gespann funktioniert gut als weibliche Variation der typischen Buddy-Movie-Konstellation und Jane Rizzolis Familie bildet einen ausreichend farbenfrohen Hintergrund für die Krimifälle.

Krimifreunde werden auf jeden Fall ihren Spaß mit der Serie haben, die den üblichen Verdächtigen des Genres in nahezu nichts nachsteht. Teils hatte ich den Eindruck, die Autoren müssten erst den richtigen Ton finden, denn oft ist die Serie realistisch und brutal, dann wiederum soapig und eher humorvoll. Doch insgesamt kann ich keine gröberen Schnitzer erkennen. Nicht wirklich mein Genre, doch für den Krimisnack zwischendurch allemal besser als „CSI“ und Konsorten: 7/10 Punkte.

True Blood – Season 3

Wo ist der aktuell angesagteste Treffpunkt für übernatürliches Getier? Natürlich in Bon Temps. Mit Alan Balls „True Blood – Season 3“ geht die schwüle Südstaatensaga rund um Sookie Stackhouse in die nächste Runde und findet zu alter Stärke zurück. Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und Co. Hier wird dem Zuschauer wirklich alles geboten.

Im direkten Vergleich zur zweiten Staffel macht „True Blood“ im dritten Jahr wieder einiges besser. Hatte mich der Handlungsstrang rund um Maryann doch eher genervt, konzentriert sich die Geschichte nun wieder mehr auf seine Hauptfiguren. Es gibt weitere Einblicke in die Gesellschaftsstruktur der Vampire und das Geheimnis um Sookies Fähigkeiten wird weitgehend aufgedeckt. Hinzu kommen schöne charakterbildende Szenen, welche uns z.B. an der Vampirwerdung Eric Northmans teilhaben lassen.

Die neu eingeführten Figuren machen Spaß und ergänzen „True Blood“ um frische Aspekte. Besonders Russell Edgington hätte manchmal Szenenapplaus verdient, da er gezielt den oftmal trashigen Charme der Serie unterstreicht. Sein TV-Auftritt wird wohl unvergessen bleiben. Ansonsten öffnen die Charaktere einmal mehr die übernatürliche Büchse der Pandora, was natürlich allerlei Komplikationen nach sich zieht – besonders für Jason Stackhouse (was für ein Trottel), aber das ist ja nichts Neues.

Im Gegensatz zu den vorhergehenden Staffeln ist das diesjährige Finale eher schwach ausgefallen und endet ohne den beinahe schon obligatorischen bombastischen Cliffhanger. Zwar würde ich ohne Frage direkt weiterschauen, doch hat man schon spannendere Staffelfinale erlebt. Wenigstens war der letzte Auftritt von Eric Northman schon wirklich lässig. Freunde der Serie werden so oder so auch im dritten Jahr wieder viel Spaß mit den schrulligen Bewohnern der übernatürlichen Südstaaten haben: 8/10 Punkte.