Risk (Scott Frost)

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Es ist schon faszinierend, wie schnell man sich durch ein Buch frisst, wenn man nur ans Bett gefesselt ist. Scott Frosts  „Risk“ kam eindeutig die Grippe zugute, mit der ich in den letzten Tagen zu kämpfen hatte. Trotz Kopfschmerzen und beständiger Müdigkeit habe ich den Thriller verschlungen, wie schon lange nichts mehr.

Die Geschichte ist an sich recht konventionell. Konventionell erzählt, konventionelle Figuren, konventionelle Handlung. Im Grunde nichts besonderes. Doch irgendwas hat die Geschichte um den bombenlegenden Serienkiller, der eine Polizistin aus L.A. an ihrer verwundbarsten Stelle trifft. Die ersten 100 Seiten lesen sich noch recht schleppend, doch sobald sich die ersten Puzzleteile zusammenfügen, entwickelt die Geschichte eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Allein das Ende fällt wieder etwas ab. Hier hätte ich mir mehr – bzw. weniger – gewünscht.

Anzukreiden ist dem Roman zudem der plumpe Twist, den ich bereits bei nach einigen Seiten durchschaut hatte. Ansich zwar eine nette Idee, doch viel zu offensichtlich und breitgetreten beschrieben. Vermutlich bin ich auch einfach schon zu sehr darauf bedacht solche Wendungen zu entlarfen – vielleicht ist dieser Punkt aus Scott Frosts Geschichte aber auch zu sehr nach Schema F geschrieben. Man merkt hier deutlich seine Wurzeln als Drehbuchautor (u.a. „Twin Peaks“), die er nicht abschütteln kann.

Alles in allem bietet „Risk“ gute Unterhaltung für lange Nachmittage. Zwar kein Überflieger, aber teils äußerst spannende Thrillerkost, die zudem noch gut geschrieben ist: 7/10 Punkte.

Tintentod (Cornelia Funke)

tintentod.jpgUnglaubliche fünf Monate sind ins Land gezogen, seit ich angefangen habe Cornelia Funkes Roman „Tintentod“ zu lesen. So lange habe ich selten für ein Buch gebraucht – besonders nicht für eines, auf das ich so sehnlichst gewartet habe, wie auf den Abschluss der fantastischen Tintenwelt-Trilogie. Mein neuer Job und diverse andere Tätigkeiten/Interessen haben jedoch nicht mehr Spielraum zugelassen. Letztes Wochenende habe mir schließlich die Zeit genommen und die letzten 200 Seiten auf einen Rutsch zu verschlungen. Es hat sich gelohnt.

Schon am Anfang des Romans fällt auf, dass ein deutlich düsterer Ton angeschlagen wird. Weit düsterer als im direkten Vorgänger „Tintenblut“ und selbst „Harry Potter and the Deathly Hallows“ wirkt im Vergleich zu „Tintentod“ wie ein waschechtes Kinderbuch. Hier wird geblutet, gemordet und gestorben. Auch der psychologische Horror nimmt zu und es gibt für die Hauptfiguren kaum mehr die Aussicht auf ein glückliches Ende.

Man merkt, dass Cornelia Funke hier wohl den Tod ihres Mannes verarbeitet hat. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Auch generell ist „Tintentod“ über weite Strecken eine Auseinandersetzung mit dem Sterben. Nicht ohne Hoffnung, aber oft doch tragisch und unausweichlich. Besonders in den letzten Kapiteln kann man sich kaum mehr vorstellen, wie diese Geschichte jemals glücklich enden könnte. Cornelia Funke schafft es jedoch auch hier zu bezaubern und schreibt ein Ende, mit dem bestimmt auch Meggie und Mo zufrieden gewesen wären. Ich für meinen Teil hätte mir allerdings etwas mehr Rückbesinnung zum Anfang der Trilogie gewünscht, wenngleich auch das tatsächliche Ende eine entsprechende Weiterentwicklung nahe legt.

Mit „Tintentod“ geht eine der gelungensten Fantasy-Trilogien der letzten Jahre zu Ende. Auch der dritte Teil lebt von der bildhaften und wirklich reichen Sprache der Autorin. Man wird in die Tintenwelt hineingesogen und auch mir als Leser fällt es schwer ihr zu entrinnen. Ich für meinen Teil werde mit „Tintenherz“ nahezu nahtlos wieder in diese zauberhafte Welt abtauchen – dieses Mal mit dem Hörbuch, wodurch ich auch bei häuslichen Tätigkeiten o.ä. der Geschichte lauschen kann.

Insgesamt gesehen kommt auch der dritte Teil nicht an den zauberhaften ersten Teil der Geschichte heran und bekommt von mir daher nur 9/10 Punkte. Die gesamte Trilogie verdient in meinen Augen jedoch die volle Punktzahl.

Tripods – Die dreibeinigen Monster (John Christopher) / Hörbuch

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Innerhalb des letzten halben Jahres habe ich John Christophers berühmte Trilogie „Tripods – Die dreibeinigen Monster“ in der Hörbuchfassung gehört. Nicht immer lange an einem Stück (meist beim Frühstücken, Bügeln etc.) und leider auch nicht regelmäßig. Die letzten freien Tage habe ich nun dazu genutzt, meinen Aufenthalt in der fantastischen Welt der dreibeinigen Herrscher zu beenden. Die hohe Qualität des Hörbuchs führt nun auch zur Aufnahme des Mediums in meine Kategorieliste.

In „Dreibeinige Monster auf Erdenkurs“ werden wir in die Welt der Tripods eingeführt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Hauptfigur, was mich als Zuhörer die Distanz völlig vergessen ließ. Die ersten Schritte in dieser Welt, die von Dreibeinern beherrscht wird und in der die Menschen Kappen tragen, fühlen sich bereits vertraut an. Vermutlich habe ich damals die TV-Serie gesehen oder die Geschichte anderswo gehört. Zudem erinnern die Dreibeiner sehr an „Krieg der Welten“.

Weiter geht es mit „Das Geheimnis der dreibeinigen Monster“. Hier erfahren wir mehr über die Herrscher und erleben großartige Abenteuer in der Stadt der Tripods. Durch die tolle Erzählstimme von Thorsten Michaelis werden die verschiedenen Personen perfekt dargestellt und man wird als Zuhörer regelrecht in die Geschichte hinein gesogen.

„Der Untergang der dreibeinigen Monster“ beschreibt letztendlich – wie der Titel bereits andeutet – das finale Kapitel im Aufstand gegen die Herrscher. Hier merkt man besonders deutlich, wie sich die Charaktere weiterentwickelt haben und welch enorme Reise man als Zuhörer mit ihnen unternommen hat. Ich hatte hier öfter das epische Gefühl, welches mir zuletzt bei „Der Herr der Ringe“ begegnet ist. Der Abschied ist dementsprechend schwer gefallen.

Ich habe bisher einige Hörbücher gehört. Meist irgendwelche Dan Brown-Geschichten zur Berieselung bei stupiden Haushaltstätigkeiten. Auch wollte ich nie ein Buch hören, welches ich unbedingt lesen wollte, da die Aufmerksamkeit (bei mir) beim Zuhören nicht so hoch ist, wie beim aktiven Lesen. „Tripods – Die dreibeinigen Monster“ habe ich jedoch aktiv gehört und es hat sich jede Sekunde gelohnt: 10/10 Punkte.

Creepers (David Morrell)

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Bei David Morrells „Creepers“ hat mich zunächst die schöne Aufmachung angesprochen. Nettes Cover und eine vielversprechende Beschreibung auf der Rückseite. Der Roman versprach äußerst spannend zu werden. Leider habe ich ihn dann nicht so schnell gelesen, wie ich es gewollt hätte. Die Spannung der Geschichte wurde dadurch leider etwas verwässert. Wie es eben oft passiert, wenn man nur abends bzw. nachts zum lesen kommt.

Die Geschichte handelt von einer Gruppe von Leuten – „Creepers“ oder Infiltratoren – die alte, verfallene Gebäude erkunden. Als wäre dies alleine nicht gefährlich genug, stoßen sie bei ihrer aktuellen Expedition in das aufgegebene Paragon Hotel auf eine Gruppe von Kriminellen, die hinter einem verschollenen Schatz her sind. Nebenbei macht noch ein verrückter Serienkiller den Ort unsicher. Das labyrinthartig angelegte Hotel, das von einem exzentrischen Millionär gebaut wurde, macht das Überleben dabei zum reinen Glücksspiel.

„Creepers“ ist für einen doch recht reißerischen Thriller erstaunlich gut geschrieben. Die Geschichte ist nicht neu, jedoch wirklich mitreißend – und aufgrund der Location oft einfach nur unheimlich. Ich musste beim Lesen öfter an Davin Finchers „Panic Room“ denken. Die Prämisse ist ähnlich und auch die Interaktion zwischen den Figuren erinnert etwas an Finchers Spannungskino.

Großartige Überraschungen sollte man nicht erwarten. Der Roman lebt von seiner Atmosphäre und den relativ gut ausgearbeiteten Figuren. Für Thrillerfreunde auf jeden Fall empfehlenswert: 7/10 Punkte. Eine Fortsetzung ist meines Wissens nach auch schon geplant bzw. bald erhältlich.

Timeline (Michael Crichton)

timline_buch.jpgDank eines freien Montags habe ich nun Michael Crichtons „Timeline“ endlich zuende gelesen. Begonnen hatte ich bereits im Urlaub, doch dann bin ich einmal wieder nur Abends zum Lesen gekommen, was stets viel von der Qualität des Lesevergnügens nimmt.

„Timeline“ ist ein Wissenschaftsthriller mit Anklängen an den Historienroman. Stets interessant und flott zu lesen. Besonders der Spannungsaufbau im ersten Teil weiß zu überzeugen. Man wird in die Welt eingeführt und betrachtet die Vergangenheit durch die Augen von Historikern. Im zweiten Teil geht es dann direkt ins 14. Jahrhundert und da sich der Handlungsort nicht ändert, kommt es zu einigen nett eingestreuten Déjà-vus. In der Vergangenheit ist die Geschichte dann nicht mehr sonderlich ausgereift und teils überschlagen sich die Handlungsstränge etwas. Unterhaltsam bleibt das Buch jedoch allemal.

Das Ende konnte mich dann wieder voll und ganz überzeugen. Sicher nicht sonderlich überraschend, aber absolut passend. „Timeline“ ist wahrlich nicht Crichtons bester Roman – weder vom Inhalt noch von der Sprache – doch er erlaubt sich keine wirklichen Schwächen. Ich bin nun schon einmal auf die Verfilmung gespannt und kann guten Gewissens 8/10 Punkte geben. Die 3,00 € für das Mängelexemplar haben sich auf jeden Fall voll und ganz bezahlt gemacht.

Harry Potter and the Deathly Hallows (J. K. Rowling)

deathlyhollows.jpgDank urlaubsbedingter Freizeit habe ich nun endlich J. K. Rowlings langerwarteten „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gelesen. Mein Verhältnis zu den Büchern der britischen Schriftstellerin habe ich hier ja schon einmal dargelegt. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass ich auch den finalen Teil ihres Fantasyepos mit großer Hoffnung erwartet hatte. Im Folgenden sind Spoiler zu finden. Weiterlesen sollte folglich nur, wer bereits in alle Geheimnisse des Potterschen Universums eingeweiht ist.

Wie erwartet ist das Buch teils sehr düster. Es fehlt die heimelige Atmosphäre von Hogwarts, es fehlen bekannterweise diverse Bezugspersonen und bereits auf den ersten Seiten wird die Truppe um Harry und Co. weiter dezimiert. Trotz aller Probleme und Widrigkeiten, mit denen die Charaktere in ihrer finalen Schlacht zu kämpfen haben, schafft es J. K. Rowling dennoch ihrem Stil treu zu bleiben und die Geschichte auf bekannte Art und Weise mit unzähligen, liebevollen Details zu erzählen. Es gibt sicherlich ab und an etwas Leerlauf, die diversen Rückblenden kennt der Leser inzwischen schon zu gut und auch wirkt die Geschichte über große Teile sehr konstruiert. Aber in welchem Teil der erfolgreichen Fantasyreihe war das nicht so? Insofern wurde ich in keinster Weise enttäuscht.

Das vielberedete Ende finde ich nun sehr gelungen. So irgendwie. Nach der letzten Wendung hatte ich einen Kloß im Hals. Der Ende des jugendlichen Helden schien besiegelt. Unausweichlich. So kam es dann auch. Der Endkampf war schnell und ohne großes Bramborium vorbei. Hier hat sich die Geschichte fast ausschließlich auf das Innenleben ihrer titelgebenden Figur konzentriert, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Ich war wirklich begeistert und beeindruckt von Rowlings Konsequenz. Doch wie so oft im Potterschen Universum ist nichts so wie es scheint. Das wirkliche Ende wirkt etwas weichgespült. Leider. Hier hätte ich die drastischere Variante bevorzugt – das denkt zumindest ein Teil von mir. Der andere freut sich über das Happy End. Der Epilog hat mich zudem fast schon etwas wehmütig gemacht. Es waren schon tolle 7 Jahre.

Letztendlich ist „Harry Potter and the Deathly Hallows“ für mich ein sehr gelungener Abschluss der Reihe. Es werden alle Fragen beantwortet und das Ende lässt mich nicht unbefriedigt zurück, wenngleich es in seiner letzten Konsequenz auch etwas enttäuscht – zumindest mein erwachsenes Ich. Als Gesamtwerk – und als dieses sehe ich die Geschichte um den jungen Zauberer – ist J. K. Rowling Fantastisches gelungen. Das sage ich als Freund der Magie. Als Freund der Bücher. Als Junggebliebener. Als solcher kann ich „Harry Potter“ wirklich jedem Fantasyfreund empfehlen: 10/10 Punkte. Danke für 7 äußerst kurzweilige Jahre.

Creature (Dave Freedman)

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Da ich heute ca. 30 DVDs zu brennen hatte, habe ich endlich Zeit gefunden Dave Freedmans Debütroman „Creature“ zu Ende zu lesen. Angesprochen hat mich einmal wieder das maritime Thema: Eine neue Rochenart verlässt ihren ursprünglichen Lebensraum, um sich an Land auf die Suche nach einer neuen Nahrungsquelle zu machen. Ein typischer Naturwissenschaftsthriller eben.

Bis ca. zur Hälfte war die Geschichte auch äußerst vielversprechend. Sicher muss man sich erst einmal an den Gedanken der fliegenden Mantas gewöhnen, doch dank Freedmans überzeugendem Stil hatte ich diese Prämisse schnell gekauft. Das Forscherteam konnte zudem einige nette Figuren aufweisen und die Handlung auf See hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Wenngleich auch Sprache und Dramaturgie nicht immer perfekt waren, so war ich doch überzeugt ein recht gelungenes Erstlingswerk vor mir zu haben.

Ab der Hälfte verwandelt sich „Creature“ leider in eine 08/15-Monstergeschichte. In einem Naturpark jagt unser Forscherteam nun eines der Monster. Schon tausendmal dagewesen und auch nicht wirklich aufregend präsentiert. Gegen Ende bekommt die Geschichte zwar wieder etwas Fahrt und die globale Bedrohung der neuen Art wird erkennbar, doch zuvor wurden mindestens 200 Seiten verschenkt. Wirklich schade, besonders da Anfang und Ende so gelungen sind, dass ich beinahe auf eine Fortsetzung hoffe, die sich der umfassenderen Thematik annimmt.

„Creature“ ist ein typischer Fast-Food-Thriller, der leider nicht über die gesamte Seitenzahl zu überzeugen weiß. Für Liebhaber maritimer Monster ist der Roman dennoch zu empfehlen: 7/10 Punkte. Jetzt freue ich mich erst einmal auf „Harry Potter and the Deathly Hallows“.

Panic (Mark T. Sullivan)

Es hat auch Vorteile, wenn die Arbeit durch einen rendernden Computer vorübergehend blockiert wird. Man kommt immer mal wieder dazu ein paar Seiten zu lesen. So habe ich Mark T. Sullivans Thriller „Panic“ in knapp zwei Wochen verschlungen. Im Moment eine fast schon rekordverdächtige Zeit, die auch für den Roman spricht.

„Panic“ ist ein klassischer Thriller, mit gekonntem Spannungsaufbau und einer interessanten Hauptfigur. Die Ausgangssituation ist dabei nicht wirklich neu: Eine Gruppe von Menschen wird in der eisigen Wildnis von der Außenwelt abgeschnitten und von einem Unbekannten gejagt. Interessant wird die Geschichte durch die stets eingestreuten Erinnerungen – im Film wären es Flashbacks – der Ich-Erzählerin. Diese stehen in engem Kontext mit der eigentlichen Handlung und tragen eindeutig zur dichten Atmosphäre bei.

Einen besonderen Stellenwert nehmen in „Panic“ Jagdrituale und Naturverbundenheit ein. Der Unterschied in der Sichtweise naturverbundener Völker und der des modernen Menschen, bildet – nicht immer ganz frei von Klischees – eines der Hauptthemen des Romans. Da mein Großvater selbst Förster war, konnte ich – selbst wenn ich persönlich nicht viel von der Jagd halte – durchaus viele der Grundgedanken nachvollziehen.

Schwächen des Romans sind meiner Meinung nach die vielen Figuren. Weniger wäre hier mehr gewesen, zudem einige einzig als Kanonenfutter zu dienen scheinen. Des Weiteren fand ich die Auflösung furchtbar vorhersehbar. Die Geschichte des Killers wird bereits auf den ersten Seiten erwähnt und mir war sofort klar, was im Folgenden passieren wird. Vielleicht habe ich auch nur schon zu viel Übung in solchen Dingen, doch ist mir durch dieses frühe Wissen einiges an Spannung verloren gegangen.

„Panic“ ist ein äußerst kurzweiliges Lesevergnügen. Sicher nicht frei von Fehlern, aber höchst unterhaltsam. Dies war wohl nicht mein letzter Roman von Mark T. Sullivan: 7/10 Punkte.

Die Anstalt (John Katzenbach)

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Nach über vier Monaten habe ich nun endlich meinen aktuellen Lesestoff – John Katzenbachs „Die Anstalt“ – beendet. Ich glaube damit habe ich einen neuen Nekativrekord erreicht. Aber was soll man auch machen, wenn man nur abends zum Lesen kommt und das Spannendste am Buch das Cover ist?

Die Geschichte um den Geisteskranken Francis „C-Bird“ Petrel, der in einen Mordfall verstrickt wird, ist interessant und stimmig erzählt. Leider verliert sich der Autor in unzähligen Einzelheiten und Beschreibungen, die die Geschichte um keinen Deut voranbringen. Somit wird die Handlung auf 750 Seiten gestreckt, was sich oftmals leider in ziemlicher Langeweile äußert. Auf 400 Seiten – und das ist für die Geschichte noch hoch gegriffen – komprimiert, wäre bestimmt eine spannende Sache daraus geworden. So habe ich mich leider über viele Seiten weiterquälen müssen.

Hervorheben muss man klar den Schreibstil. Dieser ist ungewöhnlich gut. Die Sätze ziehen sich teils über eine halbe Seite und entsprechen irgendwie dem verworrenen Klinikleben, das die Hauptfiguren durchleben müssen. Auch die Struktur des Romans (Francis erzählt die Geschichte und wird in der Gegenwart von den Geistern seiner Vergangenheit gequält) kann man durchaus als gelungen bezeichnen.

Gegen Ende habe ich einen großen Knall erwartet. Es wird soviel mit Geisteskrankheit und Wahrnehmung gespielt, zudem heißt das erste Kapitel „Der unzuverlässige Erzähler“ – ich hätte schwören können, dass letztendlich die Hauptperson selbst – oder zumindest ein Teil seiner schizophrenen Persönlichkeit – der Killer ist. Die eigentliche Auflösung ist dagegen unendlich schwach und langweilig. Schade, denn hier wurde wirklich Potential verschenkt.

Insgesamt ist „Die Anstalt“ ein gut geschriebener Roman, dessen Inhalt es leider nicht mit der Form aufnehmen kann. Mit viel gutem Willen vergebe ich 6/10 Punkte. Ob ich noch einmal etwas von John Katzenbach lesen werde: Ich wage es zu bezweifeln.

Die Insel (Richard Laymon)

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Richard Laymons „Die Insel“ habe ich geschenkt bekommen, als ich mich auf dem Höhepunkt meiner „Lost“-Euphorie befunden habe. Die Inhaltsangabe auf dem Backcover kam mir deshalb äußerst vielversprechend vor: Eine Gruppe von Menschen strandet auf einer einsamen Insel, auf der es zu mysteriösen Todesfällen kommt. Das klingt – für den Fan – doch schon einmal klasse. Doch bereits nach einigen Seiten hat sich Ernüchterung eingestellt.

Der Roman ist im Tagebuchstil geschrieben. Eine Erzählform, die zwar nicht neu ist, aber dennoch interessant. Man bekommt zudem tiefe Einsichten in die Gedankenwelt des schreibenden Charakters. Bei diesem handelt es sich leider einem pubertierenden Jungen. Die Beschreibungen seiner Gefährten – allesamt Frauen (welch Wunder!) – gleitet dementsprechend häufig ins Schlüpfrige ab, was mich bereits nach ein paar Seiten gelangweilt hat. Dennoch muss ich zugeben, dass dass mir der Tagebuchschreibers durch die Darlegung seiner Gedankengänge häufig ziemlich real erschienen ist. Die Struktur war teils nämlich wirklich konfus, es gab Zeitsprünge, Abschweifungen und vieles mehr, was den Eindruck, ein wirkliches Tagebuch zu lesen, verstärkt hat.

Leider befindet sich durch die äußere Form auch die Sprache auf Tagebuchniveau. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und äußerst flüssig zu lesen, aber leider nicht sonderlich elegant. Eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest passt sich das sprachliche Niveau dem Inhalt an, der sich – besonders gegen Ende – auch immer häufiger in Niveaulosigkeit verliert. Dort nehmen sadistische und sexistische Beschreibungen immer mehr zu, die Handlungen der Figuren werden irrationaler und der Blutgehalt steigt. Gibt es eigentlich eine Alterskontrolle für Bücher? Wahrscheinlich nicht. Es sind ja schließlich – zumindest im Moment – die bösen Computerspiele, die alle zu wahnsinnigen Amokläufern machen. Aber ich schweife ab.

Das Ende stimmt mich dann wieder halbwegs versöhnlich. Es ist eigentlich sogar ziemlich gelungen. Mit irgend solch einer Wendung hatte ich ja gerechnet. Ich habe mir – aufgrund der Tagebuchform – sogar noch ganz andere Szenarien ausgemalt. Da hätte man viel Manipulation betreiben können. Genutzt wird jedoch nur das halbe Potential. Dennoch ist der Schluss konsequent und lässt die sexuellen Phantasien des Erzählers nicht mehr ganz so sinnlos im Raum stehen.

Insgesamt kann man „Die Insel“ durchaus lesen. Auf der Habenseite stehen die interessante Ausgangssituation, eine teils gelungene Atmosphäre, das Ende und der Tagebuchstil. Enttäuschend sind dagegen der Tagebuchstil, der plumpe Verlauf der Geschichte, die schwache Charakterzeichnung und die effekthascherischen Beschreibungen: 5/10 Punkte.