Die Insel (Richard Laymon)

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Richard Laymons „Die Insel“ habe ich geschenkt bekommen, als ich mich auf dem Höhepunkt meiner „Lost“-Euphorie befunden habe. Die Inhaltsangabe auf dem Backcover kam mir deshalb äußerst vielversprechend vor: Eine Gruppe von Menschen strandet auf einer einsamen Insel, auf der es zu mysteriösen Todesfällen kommt. Das klingt – für den Fan – doch schon einmal klasse. Doch bereits nach einigen Seiten hat sich Ernüchterung eingestellt.

Der Roman ist im Tagebuchstil geschrieben. Eine Erzählform, die zwar nicht neu ist, aber dennoch interessant. Man bekommt zudem tiefe Einsichten in die Gedankenwelt des schreibenden Charakters. Bei diesem handelt es sich leider einem pubertierenden Jungen. Die Beschreibungen seiner Gefährten – allesamt Frauen (welch Wunder!) – gleitet dementsprechend häufig ins Schlüpfrige ab, was mich bereits nach ein paar Seiten gelangweilt hat. Dennoch muss ich zugeben, dass dass mir der Tagebuchschreibers durch die Darlegung seiner Gedankengänge häufig ziemlich real erschienen ist. Die Struktur war teils nämlich wirklich konfus, es gab Zeitsprünge, Abschweifungen und vieles mehr, was den Eindruck, ein wirkliches Tagebuch zu lesen, verstärkt hat.

Leider befindet sich durch die äußere Form auch die Sprache auf Tagebuchniveau. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und äußerst flüssig zu lesen, aber leider nicht sonderlich elegant. Eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest passt sich das sprachliche Niveau dem Inhalt an, der sich – besonders gegen Ende – auch immer häufiger in Niveaulosigkeit verliert. Dort nehmen sadistische und sexistische Beschreibungen immer mehr zu, die Handlungen der Figuren werden irrationaler und der Blutgehalt steigt. Gibt es eigentlich eine Alterskontrolle für Bücher? Wahrscheinlich nicht. Es sind ja schließlich – zumindest im Moment – die bösen Computerspiele, die alle zu wahnsinnigen Amokläufern machen. Aber ich schweife ab.

Das Ende stimmt mich dann wieder halbwegs versöhnlich. Es ist eigentlich sogar ziemlich gelungen. Mit irgend solch einer Wendung hatte ich ja gerechnet. Ich habe mir – aufgrund der Tagebuchform – sogar noch ganz andere Szenarien ausgemalt. Da hätte man viel Manipulation betreiben können. Genutzt wird jedoch nur das halbe Potential. Dennoch ist der Schluss konsequent und lässt die sexuellen Phantasien des Erzählers nicht mehr ganz so sinnlos im Raum stehen.

Insgesamt kann man „Die Insel“ durchaus lesen. Auf der Habenseite stehen die interessante Ausgangssituation, eine teils gelungene Atmosphäre, das Ende und der Tagebuchstil. Enttäuschend sind dagegen der Tagebuchstil, der plumpe Verlauf der Geschichte, die schwache Charakterzeichnung und die effekthascherischen Beschreibungen: 5/10 Punkte.

Ein Gedanke zu “Die Insel (Richard Laymon)

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