Die fetten Jahre sind vorbei (2004)

Es gibt wenige Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich als Patriot sehe. Film gehört definitiv dazu. Meiner Meinung nach ist der deutsche Film weit besser, als sein Ruf. Es fehlt oft einzig und allein an Geld und Mut – zwei Faktoren, die leider untrennbar miteinander verknüpft sind. Das Ergebnis sind daher meist uninspirierte Komödien oder zu schwere Dramen. Umso mehr freue ich mich daher über Filme, wie Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Filme, die Mut beweisen. Die anders sind. Die aktuell und aufwühlend sind – und sich in kein vorgegebenes Genre pressen lassen. So sollte der junge, deutsche Film aussehen.

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ handelt im Grunde von einer Idee. Zwar verpackt in Revolution, Freundschaft und Liebe. Letztendlich bleibt nach dem Film aber vor allem eines bestehen: eine Idee. Ein Gedanke. Ein Anstoß. Der Film präsentiert keine Lösung. Er ist nur in zweiter Instanz als Kapitalismuskritik zu verstehen – wenn überhaupt. Es werden hier Argumente für beide Parteien präsentiert. Es entsteht ein Dialog. Ideen werden ausgetauscht. Ideale vehement verteidigt. Hier liegt auch die wahre Stärke von Weingartners Film. Der Zuschauer wird zum Mitdiskutieren eingeladen. Zum Finden seines Standpunkts. Zum aktiven Denken. Am Ende bleibt eine Idee. Eine Vorstellung. Zumindest mich hat der Film immer noch nicht losgelassen.

Auch vom inszenatorischen Standpunkt her gesehen, fand ich den Film sehr gelungen. Durch die Verwendung von digitalem Video und Handkameras fühlt man sich mittendrin. Unmittelbar dabei. Ein sehr gelungenes Beispiel für die Art der dokumentarischen Inszenierung. Ebenso frisch und lebensecht wirkt das Spiel der Darsteller. Das Ensemble (Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg und Burghart Klaußner) ist grandios und vermittelt die verschiedenen Stimmungen absolut glaubwürdig. Auch die Musikuntermalung kann voll und ganz überzeugen. Der Einsatz von HALLELUJAH – in der schönen Cover-Version von JEFF BUCKLEY – mag etwas berechnend erscheinen, doch letztendlich passt der Song hier wie die Faust aufs Auge. Man wird die Szenen der inneren Umbrüche nicht so schnell vergessen.

Kritik muss ich etwas am Ende üben. Es war zu losgelöst. Zu aufgesetzt. Zu einfach. Ich hätte es vermutlich am besten gefunden man wäre a) mit Eintreten der Türe aus dem Film gegangen – auch wenn hier die Charaktere der Erziehungsberechtigten etwas gelitten hätten – oder b) mit dem Auffinden der letzten Botschaft. Variante b) stellt übrigens das Ende der internationalen Fassung (Titel: „The Edukators“) dar. Das deutsche Ende ist erst in einem Nachdreh entstanden, den ich – zumindest meiner Meinung nach – als unnötig erachte.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ ist sicherlich einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre. Ich bin nun neugierig auf die weiteren Werke Hans Weingartners geworden und werde meine Augen nach „Das weiße Rauschen“ offen halten. Ein – trotz nicht perfektem Ende – wahrlich beeindruckender Film: 9/10 Punkte.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass

Für Fantasy-Freunde sind seit Peter Jacksons grandioser Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie wahrlich bessere Zeiten angebrochen. Stellte das Genre für Filmstudios zuvor nur ein unkalkulierbares Risiko dar, so scheint heute jeder Fantasyfilm das große Geld abzuwerfen. Auch wenn die Qualität häufig auf der Strecke bleibt und auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird, so freue ich mich dennoch über jeden neuen Film des Genres. Mit „Der Goldene Kompass“  ist Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) ein überzeugender Auftakt zur Verfilmung von Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie gelungen.

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Anders als bei „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ besuchen wir in „Der Goldene Kompass“ kein klassisches Fantasy-Universum. Die Welt erinnert an das Zeitalter der Aufklärung. Große Universitäten prägen das Bild. Forschung und die Verneinung derselben sind ein zentrales Thema. Eine regierungsähnliche Einrichtung – das Magisterium – versucht den freien Willen der Menschen einzuschränken. Die Menschen in dieser Welt sind zudem anders. Ihre Seele wohnt in Dæmonen. Tieren. Vertrauten. Untrennbar verbunden.

In dieser Welt wird die Geschichte von Lyra – einem selbstbewussten, kleinen Mädchen – erzählt. Anscheinend gibt es eine Prophezeiung, die ihr einen besonderen Stellenwert in diesem Universum einräumt. Und nicht nur in diesem. Durch sogenannten Staub scheint eine Reise in Paralleluniversen möglich. Das Magisterium versucht jedoch dessen Existenz zu verheimlichen. Viel mehr Licht wird in diesem ersten Teil der Trilogie jedoch nicht ins Dunkel gebracht. Die Geschichte konzentriert sich vorerst darauf, die verschiedenen Völker der Welt vorzustellen und Lyra auf ihrer Suche nach ihren verschwunden Freunden zu begleiten.

Für mich als Zuschauer, dem die Vorlage unbekannt ist, ist es anfangs schwierig sich in der Welt mit ihren Regeln zurecht zu finden. Zudem schien mir vieles etwas gehetzt und vernachlässigt. So muss es auch dem Teil des Publikums ergangen sein, das die Vorlage zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht kannte. Da ich generell jedoch empfänglich für Fantasy bin, konnte ich mir einige Zusammenhänge selbst erklären und die Lücken somit auffüllen.

Besonders gut hat mir diese andere Welt gefallen, die ihre ganz eigenen Regeln besitzt und so gar nicht in typische Schemas passen will. Leider jedoch ist der Aufbau des Films umso mehr nach Schema F gestrickt: Die bedeutungsschwangere Stimme, die uns in die Welt einführt. Die lange Reise. Und der obligatorische Schlusskampf. Hier hat sich New Line leider zu sehr an bekannte Strukturen geklammert. Natürlich kann das auch an der Vorlage liegen, doch hätte ich mir hier etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

Insgesamt kann ich „Der Goldene Kompass“ allen Fantasy-Freunden empfehlen. Für die kommenden Teile hege ich große Hoffnungen. Ein durchaus gelungener Auftakt: 7/10 Punkte.

Der letzte König von Schottland – OT: The Last King of Scotland (2006)

Vor einiger Zeit habe ich auf der Arbeit in irgend einem Manager-Magazin etwas über Idi Amin gelesen. Ich war zugleich fasziniert und abgestoßen. Zwar war mir die Terrorherrschaft Amins auch davor ein Begriff, doch rückte hier erstmals die Person in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Zur gleichen Zeit war die DVD von „Der letzte König von Schottland“ im Angebot, was mir als gute Möglichkeit erschien, mich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen – wenn auch nicht sonderlich zeitnah. Immerhin bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir den Film anzusehen.

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Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giles Folden. Idi Amin wird hier durch die Augen eines schottischen Arztes gezeigt. Eines fiktiven schottischen Arztes, der eine fiktive Geschichte in einem nur zu realen Umfeld erlebt. Die Figur des ugandischen Präsidenten umgeben viele Legenden. Grausamkeiten. Unvorstellbare Grausamkeiten. Doch hat ihn das Volk geliebt und teils liebt es ihn auch heute noch. Der im Film gezeigte Idi Amin scheint ziemlich nah an der Realität, wenngleich einige Details seiner Persönlichkeit auch der Spekulation und der Auslegung von Zeitzeugenberichten entsprungen sind.

Inszenatorisch wirkt der Film sehr dokumentarisch, was kein Wunder ist hat Regisseur Kevin Macdonald doch zuvor große Erfolge mit den Dokumentarfilmen „Ein Tag im September“ und „Sturz ins Leere“ gefeiert. Zugleich wähnt man sich tatsächlich in den 70ern. Nicht nur Kleidung, Musik und Architektur lassen die Zeit auferstehen, auch die Inszenierung – starke Zooms, Farbgebung und Montage – sind typisch für die Zeit von Amins Herrschaft.

Neben der gelungenen Inszenierung stechen besonders die famosen Darsteller hervor. Allen voran Forest Whitaker, der hier wirklich eine herausragende Darbietung liefert. Fein nuanciert und mit einer Präsenz, die der des echten Idi Amin in nichts nachsteht. Wahrlich famos und zu Recht mit einem Oscar gewürdigt.

Probleme hatte ich – um es einmal drastisch auszudrücken – etwas mit der Erzählweise. Durch die Sicht aus den Augen seines Leibarztes (James McAvoy, „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“) wirkt die Beziehung zu Amin sehr persönlich. Fast schon zu persönlich. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Fokus auf Amin und seine innere Gedankenwelt gewünscht. Auch seine Greueltaten gehen beinahe etwas unter. Zwar werden sehr persönliche Grausamkeiten gezeigt, doch das Verbrechen am ugandischen Volk wird in ein paar Sätzen abgehandelt. Die Ausmaße seines Terrorregimes werden somit etwas abgeschwächt. Vielleicht wäre ein klassischer rise and fall Ansatz hier effektiver gewesen.

Trotz meiner Kritikpunkte ist „The Last King of Scotland“ ein äußerst sehenswerter Film, der dem Schrecken ein menschliches Gesicht gibt. Sicherlich einer der besseren Oscar-Filme. Erschreckend und faszinierend zugleich. Grandios gespielt, fantastisch inszeniert und toll erzählt: 8/10 Punkte.

Species

Als Jugendlicher habe ich viele Filme gesehen. Besonders Horror-, Sci-Fi- und Actionfilme standen damals auf dem Programm. Die meisten habe ich heute wieder vergessen, doch einige haben im Freundeskreis größere Popularität erlangt. So auch „Species“, der mit seiner Mischung aus Sex, Splatter und Science-Fiction genau die richtigen Zutaten enthielt. Ob der Film nach knapp 10 Jahren immer noch überzeugen kann?

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Die Geschichte um den männermordenden Alien-Mensch-Klon hat durchaus seine Momente. Natasha Henstridge hat macht immer noch eine gute Figur und die etwas andere Monsterhatz birgt durchaus Unterhaltungswert. Leider fallen mir die Schwächen des B-Movies – und nichts anderes ist „Species“ – heute umso deutlicher auf: Das Expertenteam handelt teils so dämlich, dass man sich beinahe in einer Parodie wähnt. Die Charaktere bleiben blass und fallen dem Zuschauer unglaublich auf die Nerven. Was bitte sollte das mit Forest Whitakers Figur? Alles Zutaten für einen höchstenfalls durchschnittlichen B-Movie.

Nett fand ich dagegen Schauspieler zu sehen, die mir damals noch nichts sagten. Michelle Williams („Dawson’s Creek“, „Brokeback Mountain“) spielt beispielsweise das junge Alien und Marge Helgenberger („CSI: Las Vegas“) ist als Biologin zu sehen. Das Spiel mit geschlechtsspezifischen Klischees fand ich auch unterhaltsam, doch leider wird hier viel dem reinen Effekt geopfert. Schade.

Am Ende bleibt ein Monsterfilm mit netter Grundidee und effekthascherischer Umsetzung. Durchaus unterhaltsam, aber einfach zu durchschnittlich um heute noch wirklich überzeugen zu können. Dann lieber zum dutzendsten Male „ALIEN“. Mit großem Nostalgiebonus: 6/10 Punkte.

The Prestige (2006)

Nach der verpassten Sichtung im Kino und dem letzten erfolglosen Versuch auf DVD, bin ich gestern endlich dazu gekommen mir Christopher Nolans „The Prestige“ anzusehen. Neben Nolans Meisterwerk „Memento“ und der sehenswerten Comicverflimung „Batman Begins“ reiht sich nun ein weiterer Pflichtfilm in die Filmographie des Regisseurs. Ein Pflichtfilm für all jene, die an die Magie des Kinos glauben.

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Die Geschichte um zwei rivalisierende Magier wird wunderbar erzählt. Es gibt Rückblenden innerhalb von Rückblenden, Zeitsprünge und alternative Handlungsabläufe. Man muss schon dabei bleiben, wenn man der Handlung folgen will. Ist man aufmerksam, so wird man mit einer äußerst interessanten Erzählstruktur belohnt, die einem zum Mitdenken und Mitraten einlädt. Die jedoch nie aufgesetzt und bewusst verwirrend wirkt. Obwohl sie das ist. Sie leitet bewusst in die Irre. Lenkt vom Wesentlichen ab. Zeigt das Offensichtliche. Film. Eine Illusion.

Neben der nicht chronologisch erzählten Geschichte überzeugt vor allem die Inszenierung. Düstere Bilder des viktorianischen Londons beschwören eine unheilsschwangere Atmosphäre herauf. Trotz der bewusst klassischen Inszenierung wirkt der Film seltsam modern. Nicht wie ein typischer Kostümfilm. Ist er auch nicht. Doch unterstützt die Atmosphäre die Geschichte auf perfekte Art und Weise. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass hier jede eingesetzte Technik – ob narrativ oder audiovisuell – der Geschichte zugute kommt. Dem Trick. Der Illusion.

Wenn ich einen Kritikpunkt habe, dann den dass der aufmerksame Zuschauer die Illusion zu leicht durchschaut. Die letzte Kamerafahrt wirkt so, als wollte Nolan noch eine großartige Enthüllung vornehmen. Eine Enthüllung, die jedoch spätestens seit dem zweiten Besuch bei Tesla (gespielt von David Bowie) offensichtlich ist. Vielleicht fällt das aber auch gar nicht so sehr ins Gewicht, denn die Morbidität der Geschehnisse wächst vermutlich mit dem Wissen um sie.

Christpher Nolan ist mit „The Prestige“ – nach „Memento“ – ein weiteres Meisterwerk gelungen. Fantastisch gespielt, toll ausgestattet und grandios erzählt. Absolut sehenswert: 9/10 Punkte.

Hot Fuzz (2007)

Gestern Abend ist die Filmwahl eigentlich auf Christpher Nolans „Prestige“ gefallen. Nach ca. 30 Sekunden hat mein DVD-Player unter undefinierbaren Geräuschen jedoch das Abspielen verweigert. Nach weiteren erfolglosen Versuchen habe ich sofort zu Simon Peggs und Edgar Wrights „Hot Fuzz“ gegriffen. Somit habe ich nach diversen Ankündigungen auch endlich den neuesten Film der „Spaced“-Crew gesehen.

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Die Erwartungen waren hoch – unendlich hoch, was immer gefährlich ist. Ich bin zwar nicht direkt enttäuscht vom Film, hätte mir aber nach dem grandiosen „Shaun of the Dead“ doch etwas mehr erwartet. Aber so eng will ich das einmal nicht sehen, schließlich ist der inoffizielle Vorgänger auch mit jeder Sichtung gewachsen. Bevor ich nun die Lobeshymnen starte, will ich auch gleich erklären, was mir nicht so gut gefallen hat: Der etwas gewollt wirkende Aufbau der Geschichte.

Bei „Shaun of the Dead“ wurde die Handlung straight forward erzählt. Zwar konnte man die auftauchenden Zombies als Allegorie auf Shauns Leben sehen, doch hat dies nie den Fluss der Geschichte gestört. „Hot Fuzz“ wirkt hier holpriger. Der Aufbau als Whodunnit ist grundsätzlich eine nette Idee, doch nimmt sich die Geschichte hier etwas zu ernst und ist dafür viel zu leicht zu durschauen. Bereits nach Vorstellung der NWA, der Erwähung des Wettbewerbs und nach dem ersten Unfall, wusste ich was hier gespielt wird. Insofern waren all die Szenen, die in die Irre führen sollten bzw. die eigentliche Lösung des Falls gezeigt haben, zu langatmig. Mir hat hier das hohe Tempo der romantischen Komödie mit Zombies gefehlt.

Wenn man von den Schwächen in der Handlung absieht, bleibt jedoch ein unglaublich unterhaltsamer Film übrig. Simon Pegg und Nick Frost harmonieren einmal wieder tadellos zusammen. Die Gags sind – für Freunde des kreativen Trios – einfach himmlisch. Es gibt dutzende Anspielungen auf Actionfilme – wenngleich ich mir hier ein paar mehr Klassiker des Genres (z.B. „Die Hard“ oder „Lethal Weapon“) gewünscht hätte. Vielleicht ein rechtliches Problem. Fantastisch war auch wieder einmal die Besetzung der Nebendarsteller. Besonders Ex-James Bond Timothy Dalton weiß als schmieriger Supermarktbesitzer zu gefallen. Auch beim Rest des Casts haben Pegg und Wright erneut grandiose britische Schauspieler aus dem Ärmel gezaubert.

Insgesamt hat mir „Hot Fuzz“ sehr gut gefallen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass er in den nächsten Sichtungen noch wächst. Dann steht nicht mehr die etwas zu konstruierte Geschichte im Vordergrund und ich kann mich vollkommen auf die versteckten Gags und Anspielungen konzentrieren. Für Pegg/Wright/Frost-Fans unbedingt empfehlenswert: 8/10 Punkte. Was kommt eigentlich als nächstes?

Shaun of the Dead (2004) (WS1)

Entgegen meiner ursprünglichen Planung für die Gruselfilmnacht gab es nicht „Der Exorzist“, sondern auf vielfachen Wunsch etwas Lustiges – folglich haben wir uns für „Shaun of the Dead“ entschieden. Was sonst würde unter diesen Voraussetzungen auch näher liegen?

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Auch wenn ich den Film nun zum inzwischen schon dritten Mal gesehen habe, gab es auch für mich noch so einiges an Details zu entdecken. Kann es sein, dass der Film von Sichtung zu Sichtung besser wird? So gut wie gestern hat er mir noch nie gefallen. Der Film hat für mich auf all seinen Ebenen funktioniert: Als reine Komödie, als Satire und als Zombiefilm. Unglaublich wie viele Ebenen Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost in ihrem Kinodebüt untergebracht haben. Noch erstaunlicher ist allerdings, wie gut diese miteinander funktionieren.

Auch ist mir dieses Mal besonders aufgefallen, wie übertrieben und doch genial das Foreshadowing der kommenden Ereignisse eingesetzt wird. Fantastisch. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Neben der lockeren Genialität, die das kreative Trio umweht, sammelt der Film vor allem durch Insidergags bei mir Sympathiepunkte – was in mir den unbezwingbaren Drang weckt, einmal wieder „Spaced“ anschauen zu wollen.

„Shaun of the Dead“ hat es auf meiner persönlichen Rangliste nun ganz nach oben unter meine Lieblingsfilme geschafft – und ich versinke beinahe vor Schande im Boden, wenn ich bedenke, dass ich „Hot Fuzz“ immer noch nicht gesehen habe. Wie auch immer: Diese romantische Komödie mit Zombies wird einer der wenigen aktuellen Zombiefilme sein, die ihre Zeit überdauern. Und eine der wenigen romantischen Komödien. Ein waschechter Kultfilm: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Silent Hill (2006)

Da ich an Halloween anderweitig unterwegs war, gab es gestern Abend mit etwas Verspätung meine diesjährige Gruselfilmnacht. Aufgrund aktiver Beteiligung meiner Mitseher bei der Filmwahl, hat sich das Programm etwas anders gestaltet, als ursprünglich geplant. Den Anfang machte die Videospielverfilmung „Silent Hill“ – ein Film, der mir damals im Kino besonders durch seine eindringliche Atmosphäre im Gedächtnis geblieben ist.

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Vorausschicken muss ich, dass ich das Videospiel nie gespielt habe – und dennoch beschleicht mich das Gefühl, es hier mit einer äußerst akuraten Umsetzung zu tun zu haben. Kameraeinstellungen, Handlungen der Hauptfigur, das Lösen von Rätseln. All das scheint einem Spiel entsprungen. Für Kenner muss das ein wahres Fest sein und ich wünschte mir „Resident Evil“ wäre in einer ähnlichen Form verfilmt worden.

Wie bei der ersten Sichtung, hat mich die Atmosphäre in der Stadt auch dieses Mal wieder in ihren Bann gezogen. Der Film wirkt unglaublich dicht. Ein audiovisuelles Meisterwerk. Der Score ist gut – richtig gut. Besonders für einen Horrorfilm. Besonders für eine Videospielverfilmung. Das Design von Stadt und Monstern ist ebenso grandios. Ich habe selten einen visuell beeindruckenderen Horrorfilm gesehen. Hier überzeugt das Werk von Christophe Gans auf ganzer Linie.

Inhaltlich offenbaren sich dagegen einige Schwächen. Der Handlungsstrang um den Vater ist etwas ablenkend und oft nutzlos. Sein Erscheinen macht einzig und allein Sinn, um die Idee der verschiedenen Dimensionen zu etablieren. Den Rest hätte man sich sparen können. Die endgültige Auflösung ist mir immer noch etwas zu plump. Letztendlich handelt es sich bei dem großen Mysterium um Hölle und Vorhölle einzig und allein um eine simple Rachegeschichte. Aber gut. Das gibt es in jedem Geisterfilm irgendwie – und „Silent Hill“ schlägt davor wenigsten einen anderen Weg ein. Die Darstellung der dunklen Seelenwelt Alessas macht nämlich erst wirklich Sinn, wenn man ihre Geschichte kennt.

Den blutrünstigen Racheengel in der Kirche fand ich am Ende beinahe etwas zu viel des Guten. Zu viel Splatter um des Splatters willen. Aber nun gut, gehört vielleicht in diese Welt. Umso gelungener fand ich die letzten Szenen. Irgendwie untypisch.

„Silent Hill“ hat mir auch dieses Mal sehr gut gefallen. Besonders die Atmosphäre ist grandios und ich wünschte mir, die Videospiele gespielt zu haben. Kein gewöhnlicher Horror- oder Gruselstreifen. Eher ein düsteres Fantasyabenteuer – und als solches funktioniert der Film für mich überraschend gut: 7/10 Punkte.

Krieg der Welten – OT: War of the Worlds (2005)

Normalerweise bin ich über aktuelle Kinofilme stets mehr als nur ausführlich informiert. Besonders wenn es sich um große Hollywoodproduktionen handelt. Bei Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ war das anders. Ich hatte keine Artikel darüber gelesen, keine Trailer gesehen, keine Plakate oder ähnliches. Erst als der Film im Kinoprogramm aufgetaucht ist habe ich ihn wahrgenommen. Die Sichtung erfolgte somit ziemlich spontan und ich war schwer begeistert.

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„Krieg der Welten“ ist ein typisches Spielberg-Vehikel. Dies mag vielen Leuten bitter aufstoßen. Für mich dagegen – als bekennender Spielberg-Freund – zeigt der Film einmal wieder eine ausgewogene Mischung aus Familiendrama und bombastischem Actionkino. Die klassische Geschichte von H.G. Wells wurde in die heutige Zeit verlegt, ansonsten bleibt alles beim Alten. Selbst die etwas angestaubte Auflösung wurde übernommen. Für mich ergibt sich daraus eine gelungene Interpretation des Klassikers.

Die Qualitäten des Films liegen für mich zum einen in den eher ruhigen Szenen innerhalb der zerrütteten Familie mit all den zwischenmenschlichen Spannungen sowie in den grandios inszenierten Weltuntergangsszenarien. Die Flucht mit dem Auto bis zur Fähre ist wahrlich erschütternd und absolut mitreißend. Die Dreibeiner wirken beinahe lebendig und stets bedrohlich. Mehr als einmal kommt Endzeitstimmung auf – wobei wir auch schon bei den Kritikpunkten angelangt wären.

Spielbergs Film wirkt für mich über weite Strecken einfach zu gehetzt. Zu komprimiert. Die Geschichte schreit gerade zu nach einer epischen Umsetzung. Durch die ausführliche – und absolut gelungene – Einführung der Charaktere und der knappen Laufzeit von nicht einmal zwei Stunden bleibt zu wenig Zeit vom Aufstieg bis zum Fall der Tripoden. Hier wäre meiner Meinung nach weit mehr drin gewesen – auch was Charaktertiefe und -entwicklung angeht.

Für mich ist „Krieg der Welten“ ein ausgezeichneter Unterhaltungsfilm. Natürlich sollte man Spielbergs Art Geschichten zu erzählen mögen – aber das gilt ja für jeden Regisseur. Einer der wenigen Filme, bei denen ich auf einen Extended bzw. Director’s Cut gehofft hätte: 8/10 Punkte.

Mathilde: Eine große Liebe – OT: Un long dimanche de fiançailles

Ich muss zugeben, dass ich von Jean-Pierre Jeunets „Die fabelhafte Welt der Amelie“ beim ersten Mal nicht sonderlich begeistert war. Da ich allerdings „Die Stadt der verlorenen Kinder“ für sehr gelungen halte, habe ich dem Pariser Märchen eine zweite Chance gegeben – und dieses Mal ist auch bei mir die Magie übergesprungen. Warum ich das erzähle? Vermutlich um meinen gemischten Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die mich vor der Sichtung von „Mathilde: Eine große Liebe“ beschlichen haben. Gemischt sind nun auch meine Eindrücke von dem Film. Wenngleich es sich größtenteils um eine gelungene Mischung handelt.

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Die Geschichte um die große Liebe von Mathilde und Manech ist typisch für Jeunet. Mit typisch meine ich allerdings weniger die Handlung, sondern eher deren Umsetzung. Man begibt sich als Zuschauer in eine fast schon surreale Welt. An Orte wie aus Träumen. Man trifft auf Personen, die teils einem Cartoon entsprungen scheinen. Im Vergleich zu „Delicatessen“ oder „Die Stadt der verlorenen Kinder“ wurden diese Elemente zwar deutlich zurück gefahren, sie dominieren dennoch die Atmosphäre des Films – und das meine ich nicht nur auf die audiovisuelle Wahrnehmung bezogen.

„Un long dimanche de fiançailles“ bietet fantastische Bilder und grandiose skurille Einfälle. Optische Spielereien und verrückte Parallelhandlungen. Typisch Jeunet eben. Und hier habe ich Probleme mit dem Film: Die fundamentale Liebesgeschichte packt mich nicht wirklich. Emotional bin ich eher kalt gelassen. Zu sehr stehen die surrealen Elemente – so gelungen diese auch sind – im Vordergrund. Das Grauen des Krieges kämpft zudem um die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier wirkt der Film auf mich etwas holprig. Zwischen einer sehr persönlichen Reise und fast schon phantastisch anmutenden Erzählungen der Kriegskameraden hin und her gerissen.

Der Film ist – so man Jeunet mag – auf jeden Fall eine Sichtung wert. Zumindest beim ersten Mal, bei dem man noch mit Mathilde jedes Puzzleteil neu entdeckt. Ich habe mich wahrlich famos unterhalten, bin mir aber sicher, dass die Anzahl der Folgesichtungen begrenzt sein wird: 8/10 Punkte.