Findet Nemo – OT: Finding Nemo (2003)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 30. August 2018 veröffentlicht.

Auch wenn in meinem Regal bestimmt noch ein gutes Dutzend ungesehener DVDs steht, habe ich mich gestern Abend einmal wieder für Pixars „Findet Nemo“ entschieden – und es hat sich erneut voll und ganz gelohnt.

nemo03.jpg

Selbst in der inwzischen dritten oder vierten Sichtung des Films entdecke ich immer noch neue Details. Es ist einfach unglaublich, wie lebendig Pixar die Unterwasserwelt dargestellt hat. Ein Meer von Farben. Überall Bewegung. Licht und Schatten. Ein grandioses Erlebnis. Viele Gags laufen beinahe unbemerkt im Hintergrund ab und im Korallenriff weiß man anfangs gar nicht, wohin man nun schauen soll um nichts zu verpassen. Ein wahrer Augenschmaus.

Die Geschichte des Films ist relativ einfach. „Finding Nemo“ eben. Doch aufgrund der Fülle an Eindrücken und der wirklich urkomischen Charaktere, fällt dieser Aspekt nicht sonderlich negativ auf. Dadurch, dass die Geschichte zwei Handlungsstränge – Marlin und Dory sowie Nemo – besitzt, wird jegliche Langeweile vermieden. Beide Schauplätze ergänzen sich grandios und werten die Geschichte meiner Meinung nach deutlich auf.

Ich mag Buddy-Movies, ich mag Road-Movies und ich liebe Filme, die das Meer zum Thema haben. In „Findet Nemo“ werden diese Genres so kombiniert, wie man es noch nie gesehen hat. In erster Linie natürlich kindgerecht, doch mit unzähligen Witzen und Anspielungen angereichert, die mir ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Hinzu kommt eine herausragende Animation, die auf wirklich komischen Figuren basiert – dabei stelle ich es mir gar nicht so einfach vor, einem Fisch wirklichen Charakter zu geben. So ganz ohne Arme und Beine. Eine weitere Meisterleistung Pixars.

Für mich reiht sich „Findet Nemo“ nahtlos ins qualitativ hochwertige Portfolio der Animationsschmiede ein. Minimale Schwächen in der Geschichte werden mit fantastischen Einfällen und Charakteren ausgeglichen. Die grandiose Animation ist natürlich die Krönung. Genial: 10/10 Punkte.

V wie Vendetta – OT: V for Vendetta (2006)

Nach „From Hell“ habe ich mit „V wie Vendetta“ die zweite Verfilmung einer Graphic Novel von Alan Moore gesehen. Im Gegensatz zur Geschichte um Jack the Ripper kenne hier die Vorlage allerdings nicht. Vielleicht macht es mir dieser Umstand so einfach, den Film – wie bereits bei der Erstsichtung im Kino – wirklich gut zu finden.

vendetta01.jpg

In „V wie Vendetta“ wird keine neue Geschichte erzählt. Seit George Orwells „1984“ sind fiktive totalitäre Systeme in Literatur und Film ein beliebtes Thema. Ihren Höhepunkt dürfte dieses Genre im Film wohl mit Terry Gilliams „Brazil“ gefunden haben. Der von den Wachowskis („The Matrix“) produzierte Film um den an klassische Superhelden erinnernden V (Hugo Weaving) ist einfacher. Geradliniger. Glatter. Und doch steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick meinen mag.

Für mich ist der Film gerade durch seinen Platz zwischen den Welten interessant. Die düstere Darstellung eines Überwachungsstaats wird mit klassischen Comic-Motiven durchsetzt. Zudem werden einige interessante Fragen zum Thema Terrorismus angeschnitten. Würde das Umfeld ernsthafter sein und die erhöhte Realität – die den Charakter umgibt – wegfallen, dann hätte der Film meiner Meinung nach weniger Wirkung erziehlt. Durch die Augen von Evey sehen wir hinter den Fanatismus. Erkennen persönliche Motive. Sehen auch den Menschen hinter der Idee.

„V wie Vendetta“ für einen politisch anspruchsvollen und erleuchtenden Film zu halten wäre falsch. Dem Zuschauer werden allerdings auf äußerst unterhaltsame Weise ein paar Ideen, Möglichkeiten und Vorschläge – ganz gleich ob richtig oder falsch – zugespielt, die tiefer blicken lassen. Dank Comicwelt unaufdringlich und unterhaltsam.

Inszenatorisch ist der Film überraschend ruhig und gemäßigt. Bis auf ein paar nett choreographierte Actionszenen erinnert nicht viel an die Produzenten. Der Score ist einprägsam und die Besetzung ist wahrlich famos – und das nicht nur wegen Natalie Portman („Garden State“).

Auch bei der zweiten Sichtung konnte mich der Film – bis auf kleinere Schwächen – voll und ganz überzeugen. Für tiefschürfendere Auseinandersetzungen mit der Thematik gibt es andere Werke. Hier wird man einfach nur gut unterhalten – und das ohne das Gehirn ganz abschalten zu müssen: 8/10 Punkte.

V: ‚Remember, remember the 5th of November.‘

Auf die harte Tour – OT: The Hard Way

Gestern Abend habe ich die seltsamerweise recht unbekannte Actionkomödie „Auf die harte Tour“ von John Badham gesehen. Wenn der Preis nicht so verlockend gewesen wäre und mich Michael J. Fox nicht vom Cover herab angegrinst hätte, dann wäre der Film wohl auch an mir vorbeigegangen. Nach der Sichtung kann ich mir den niedrigen Bekanntheitsgrad nun nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht kann ich ja hiermit etwas für mehr Popularität sorgen.

hartetour2.jpg

„The Hard Way“ handelt von Nick Lang (Michael J. Fox), einem erfolgreichen Hollywoodstar, der für eine neue Rolle im Cop-Millieu recherchiert und dabei Detective Lt. John Moss (James Woods) zugewiesen wird. Dieser ist ein knallharter Cop, der gerade in einem verdrehten Serienkiller-Fall ermittelt. Aus dieser Prämisse entwickelt sich ein Buddy-Movie, wie er im Buche steht. Die ungleichen Partner müssen sich folglich erst einmal zusammen raufen. Dabei kommt es zu Reibereien, es fliegen die Fetzen und es hagelt schmissige Oneliner.

Michael J. Fox und James Woods harmonieren perfekt miteinander. Da stimmt die Chemie. Die Rahmenhandlung um den Partykiller ist dagegen etwas durchsichtig und ohne große Überraschungen. Sei es drum. Viel mehr Story ist hier auch nicht nötig. In seinen besten Momenten erinnert der Film an die „Lethal Weapon“-Reihe oder auch an Tony Scotts „Last Boy Scout“. Eine Actionkomödie, wie sie typisch für die späten 80er bzw. frühen 90er ist. Hart. Komisch. Reich an Action und angereicht mit Figuren, die larger than life sind.

Im Netz habe ich kaum Informationen zu dem Film gefunden und selbst auf der IMDB sieht es mau aus. So ganz kann ich es nicht verstehen, da der Film nicht viel schlechter ist, als die restlichen Actionkracher der 80er/90er Jahre. Ich habe mich auf jeden Fall wirklich gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Der Zauberer von Oz/Das zauberhafte Land – OT: The Wizard of Oz (1939)

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmhistorische Lücke geschlossen. Ich habe „Der Zauberer von Oz“ gesehen. Ausschließen, dass irgendwann in meiner Kindheit bereits eine Sichtung erfolgt ist, kann ich allerdings nicht. Wie sollte ich das auch? Die Geschichte um Dorothy ist bereits so im kollektiven popkulturellen Bewusstsein verankert, dass ich nicht mehr sagen könnte, wo und wann ich bestimmte Ausdrücke, Musikstücke, Szenen, Figuren etc. schon einmal gesehen habe.

oz.jpg

Oft sieht man sich sogenannte Klassiker an und denkt: Schön und gut. Ist ja alles ganz nett, aber wenn dies kein Klassiker wäre, dann hätte ich mich da niemals durchgequält. Dann wiederum gibt es Klassiker, in denen man sich sofort zu Hause fühlt. Man versteht instinktiv, warum sich dieser spezielle Film im Bewusstsein der Zuschauer festgesetzt hat. Zu dieser Art von Film gehört „Der Zauberer von Oz“. Ein naives, unglaublich charmantes und grandios inszeniertes Märchen.

Allein im filmhistorischen Kontext ist der Film höchst interessant. Ein Technicolor-Film, dessen kompletter erster Akt in Sepia gehalten wird. Damals bestimmt eine gewagte Entscheidung, die das Betreten der zauberhaften Welt von Oz für Millionen von Zuschauern unvergesslich gemacht hat – eine Szene, die ihre Entsprechung in Mamoru Oshiis „Avalon“ (2001) fand. Der Einsatz von leinwandfüllenden Matte Paintings und anderen tricktechnische Meisterleistungen (z.B. der Tornado) macht den Film heute für SFX/VFX-Interessierte zu einem wahren Fundus an umgesetzten Innovationen. Von Masken, Kostümen, Kamerafahrten und und und einmal gar nicht zu reden. Allein diese Aspekte machen „Der Zauberer von Oz“ – zumindest filmhistorisch gesehen – zu einem Klassiker.

Die erzählte Geschichte ist inzwischen so in unserem Bewusstsein verankert, dass sie sich nicht mehr so leicht objektiv beurteilen lässt. Aber das muss sie auch nicht werden. Die Bilder und die Musik sprechen direkt unsere Emotionen an. Man taucht ein in dieses fremde, bunte Land und lässt die Eindrücke auf sich einwirken. Man betritt die Yellow Brick Road und begibt sich auf die Reise in das fremde und doch so bekannte Oz. Eine zauberhafte Reise mit zauberhafter Musik. Mit Witz und viel naivem Charme, der dem Film aber zugute kommt.

Ob ich nun bereits in Oz gewesen bin oder nicht. Für mich war die gestrige Sichtung ein echtes Erlebnis und ich kann jedem, der nun neugierig geworden ist, nur die grandios restaurierte Warner Special Edition empfehlen. Ein Klassiker, der diese Bezeichnung wirklich verdient hat: 10/10 Punkte.

Ratatouille (2007)

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten habe ich gestern nun endlich das neueste Werk von Disney/Pixar gesehen: Brad Birds „Ratatouille“. Nachdem mich der famose Kurzfilm „Lifted“ bereits in die richtige Stimmung versetzt hatte, ging es dann auch schon los. Bereits nach den ersten paar Szenen war mir auch schon klar, dass die überaus positiven Kritiken mehr als gerechtfertigt sind.

ratatouille03.jpg

Bevor ich anfange die Geschichte und die Charaktere in den höchsten Tönen zu loben, will ich kurz auf die technische Seite eingehen: Wow! Unglaublich was hier abgefeuert wird. Alleine das Fell. Trocken. Nass. Flauschig. Verdreckt. Glänzend. Es sieht einfach verdammt real aus. Hinzu kommen die unglaublich detailgetreuen Aufnahmen von allen möglichen Lebensmitteln. Da möchte man einfach zubeißen. Der Film bewegt sich teils schon verdächtig nahe am Fotorealismus. Dennoch wirkt es nie störend, da immer noch der Cartoontouch vorhanden ist. Die Charaktere gehören in diese Welt. In ein Paris, das in den wärmsten Farbtönen erstrahlt. In eine Welt des Essens. Des Genusses. Der Küche. Der Köche. Der Ratten.

Die Charaktere und deren Geschichte ist letztendlich das, was den Film so typisch für Pixar macht. Man befindet sich sofort in dieser Welt. Man zweifelt nicht an ihren Regeln. Man geht mit den Figuren mit. Leidet mit ihnen. Lacht mit ihnen. Sicherlich gibt es auch hier eine Botschaft. Die Geschichte ist nicht zu komplex. Und doch lässt sie die von Animationsfilmen wie „Ice Age“ oder „Madagascar“ meilenweit hinter sich. Geschichten erzählen. Das ist es, worin Pixar wahrlich meisterhaft sind.

„Ratatouille“ ist außerdem wirklich lustig. Ich habe mehr als einmal laut lachen müssen. Dies zudem meist an Stellen, an denen das restliche Publikum komplett still war: Als Colette bei Linguinis – bzw. Remys – ersten Annäherungsversuch das Pfefferspray hinter ihrem Rücken bereit hielt oder bei der Sargform von Anton Egos Arbeitszimmer. Solche eher subtilen Details erfreuen mein kleines Filmherz ungemein – und ich bin mir sicher, dass es bei weiteren Sichtungen noch einiges zu entdecken gibt.

Für mich ist „Ratatouille“ das bisherige Highlight in diesem Kinojahr. Die perfekte Unterhaltung für groß und klein. Nach „Toy Story“, dessen Nachfolger und „Monster AG“ wohl mein neuer Liebling im Pixaruniversum: 10/10 Punkte.

The Abyss – Special Edition (1989)

Aktualisierung: Ich habe „The Abyss“ am 30. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Wie bereits unzählige Male erwähnt liebe ich Filme die am, im oder unter Wasser spielen. Nicht nur deshalb ist James Camerons „The Abyss – Special Edition“ einer meiner ältesten und beständigsten Lieblingsfilme. An die Erstsichtung erinnere ich mich noch ganz genau: Es war während der Schulzeit, meine Eltern waren verreist und ich hatte sturmfrei. Folglich waren einige Freunde im Haus und es wurden bis in die Nacht Filme geschaut, es wurde gegessen, getrunken und gelacht. Eine Erinnerung aus einer völlig sorgenfreien Zeit, in der man noch die ganze Zukunft vor sich hatte. Vielleicht schaue ich „The Abyss“ deshalb oft, bevor ein einschneidendes Erlebnis stattfindet.

The Abyss (1989) | © Walt Disney / LEONINE

The Abyss (1989) | © Walt Disney / LEONINE

Der Film gewinnt bei mir schon alleine aufgrund seines Settings. Im Wasser. Mitten im Meer. Tiefseegräben. Was will man mehr? Hinzu kommt ein sehr gelungener Spannungsaufbau und eine Inszenierung, wie sie nur von James Cameron kommen kann. Alles wirkt sehr realistisch und authentisch, wenngleich man sich doch klar darüber ist, dass es sich um einen Sci-Fi-Film handelt. Dies ist Cameron – in meinen Augen – bereits bei „ALIENS“ gelungen und trägt viel dazu bei, dass man in die Geschichte hineingesogen wird. Die perfekte Unterhaltung.

Große Pluspunkte sammelt der Film durch seine beinahe schon epischen Unterwasserszenen. Man merkt einfach, dass hier wirklich im Wasser gedreht wurde. Alles wirkt handgemacht und irgendwie natürlich. Doch auch in Sachen VFX kann der Film überzeugen: Der Wassertentakel war damals (1989) absolut state of the art – „Terminator 2“ kam mit seiner metallischen Fluidsimulation erst ca. zwei Jahre später!

Die Geschichte ist absolut packend – selbst bei der dutzendsten Sichtung – und kann selbst am Ende voll und ganz überzeugen. Manche Zuschauer mögen sich ja an dem überglücklichen Ende stören, doch für mich passt das sehr gut zum restlichen Film. Auch die Botschaft finde ich schön – zwar nicht sonderlich innovativ, aber schön. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich den Film nur in der längeren Special Edition kenne und die Kinofassung bisher nicht angeschaut habe – vermutlich würden mir zu viele Szenen einfach fehlen.

Die Schauspieler sind allesamt gut gewählt. Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio harmonieren erstklassig miteinander und spielen auch die Extremsituationen absolut glaubwürdig. Der Cameron-Spezi Michael Biehn darf dieses Mal den Bösewicht mimen, wobei er auch recht erfolgreich ist. Der bombastische Score trägt viel zur epischen Atmosphäre bei und unterstützt die Handlung, wo er nur kann.

Fazit

„The Abyss“ ist bei mir über jeden Zweifel erhaben. Einer meiner ewigen Lieblingsfilme. Für Wasserratten – auch wenn nur filmische – besteht Sichtungspflicht: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Napoleon Dynamite (2004)

Mit der Erstsichtung von sogenannten Kultfilmen ist es schwierig. Besonders wenn man den Film anscheinend nur lieben oder hassen kann. Ein solcher Fall ist auch der Überraschungshit „Napoleon Dynamite“ von Jared Hess. Die Erwartungen waren extrem hoch und konnten leider nur bedingt erfüllt werden – und das obwohl der Film eigentlich alles hat was es braucht, um mir zu gefallen.

napoleondynamite.jpg

Die grundlegende Idee macht mir den Film schon einmal sympathisch. Außenseiter werden in ihrer eigenen Welt gezeigt. Anders als sonst strotzen sie geradezu vor Selbstvertrauen. Sie ziehen ihr Ding durch und lassen sich durch nichts und niemanden beeindrucken. Ein netter Ansatz. Ihre Umwelt reagiert meist natürlich befremdlich und die Highschoolwelt wird einmal mehr als Klassengesellschaft gezeigt. Anders als im thematisch ähnlichen – und meiner Meinung nach gelungeneren – „Willkommen im Tollhaus“ von Todd Solondz ignorieren die Außenseiter die Anfeindungen ihrer Umwelt und zeigen auch keinerlei emotionale Reaktion.

Selbst wenn man „Napoleon Dynamite“ als reine Komödie ohne tieferen Sinn sieht, offenbaren sich durch die distanzierten Verhaltensweisen der Charaktere einige Schwächen. Man sieht nie wirklich was in den Figuren vorgeht. Ihnen – besonders Napoleon und Pedro – scheint alles egal zu sein. Dies zeigt sich auch im Schauspiel: Jon Heder (Napoleon) sieht den gesamten Film über so aus, als würde er schlafen. Selbst bei den seltenen Gefühlsausbrüchen wirkt er wie auf Beruhigungsmitteln. Mir ist durchaus bewusst, dass dies so gewollt ist, doch fällt es mir dadurch sehr schwer mich mit der Figur zu identifizieren.

Der Humor des Films ist teils wirklich gelungen, teils nicht. Zumindest nicht für mich. Über weite Strecken plätschert die Handlung vor sich hin und es passiert nichts, was man nicht schon zu genüge in anderen Highschool-Komödien gesehen hätte. Da helfen auch die außergewöhnlichen Charaktere nichts. In der weiblichen Hauptrolle gibt es übrigens Tina Majorino (Mac aus „Veronica Mars“) zu sehen.

„Napoleon Dynamite“ ist einer der Kultfilme, bei denen ich den Hype zwar bis zu einem gewissen Maße nachvollziehen kann, der mich persönlich aber einfach nicht packt. Die Grundidee ist nett, die Umsetzung dagegen nicht nach meinem Geschmack. Für mich kein Fall von lieben oder hassen. Für mich einfach nur nett: 6/10 Punkte.

Living in Oblivion (1995)

Tom DiCillos „Living in Oblivion“ habe ich zum ersten Mal gesehen als ich selbst noch keine Ahnung vom Filmemachen hatte. Damals hat mich der Film recht gut unterhalten und ich war von der dynamischen Atmosphäre und der ungewöhnlichen Erzählstruktur angetan. In der Zwischenzeit habe ich selbst etwas praktische Erfahrung sammeln können, was die Satire auf die Arbeitsweise bei einem Filmdreh noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

„Living in Oblivion“ ist eine absolute Low-Budget-Produktion. Mit der Unterstützung von Freunden und Bekannten ist es Tom DeCillo gelungen, ein Budget von 500.000 Dollar zusammenzukratzen. Man merkt dem Film seine unabhängige Produktionsweise an. Aber nicht, weil er weniger professionell wäre, sondern weil das Thema in keiner großen Hollywood-Produktion Platz gefunden hätte. Es gibt unzählige Anspielungen auf den Starwahn der Traumfabrik und diverse andere Spitzen gegen Big-Budget-Produktionen. Dabei wird der unabhängige Film jedoch keinesfalls verschont, was das Werk unglaublich sympathisch erscheinen lässt.

Die Dynamik am Set ist – neben diversen technischen Hürden – das Hauptthema des Films. Man merkt deutlich, dass sich DeCillo in seiner Branche auskennt. Jede Nebensächlichkeit wird auf die Spitze getrieben – und sei es nur das Mikro, das einmal wieder ins Bild hängt. Starallüren sind an der Tagesordnung und bringen den Regisseur an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Durch die Erzählstruktur des Films wird die übertriebende Darstellung etwas abgeschwächt, was der Glaubwürdigkeit letztendlich zugute kommt.

„Living in Oblivion“ macht verdammt viel Spaß. Die Darsteller (u.a. Steve Buscemi und Catherine Keener) sind pefekt gecastet und liefern – im Rahmen der Handlung – eine absolut glaubwürdige Leistung. Für Leute, die auch nur annähernd mit der Film- bzw. Videoproduktion vertraut sind – und sei es nur im Amateurbereich – bietet die Satire noch einmal einen deutlichen Mehrwert. Eine kleine Perle des Independant-Kinos: 9/10 Punkte.

Split Second

In meiner Jugend habe ich mir ganz gerne B-Movies angeschaut. Man hatte (zu) viel Zeit und neue Entdeckungen wurden im Freundeskreis schnell als Kultfilm gehandelt. Aus dieser Zeit stammt auch „Split Second“ – ein spaßiger B-Movie mit dem stets sympathischen Rutger Hauer. Die letzte Sichtung liegt nun bestimmt schon 10 Jahre zurück und dementsprechend hat sich auch meine Sichtweise geändert.

Den ersten Teil finde ich nach wie vor wirklich gut. Im London des fiktiven Jahres 2008 herrscht eine bedrückende Atmosphäre. Durch die Klimaerwärmung ist die Themse über ihre Ufer getreten und London befindet sich unter ständigem Hochwasser. In dieser düsteren Welt spielt Rutger Hauer einen zynischen Cop, der einen brutalen Serienkiller verfolgt. Unterstützt wird er dabei von einem neuen Kollegen. Im Verlauf des Films wandelt sich die Handlung zu einem „ALIEN“-Ripoff, was den Film heute eher etwas lächerlich erscheinen lässt.

Die Geschichte bewegt sich irgendwo zwischen „Bladerunner“ und „ALIEN“. Die Figuren agieren dabei wie in einem Buddy-Movie, was dem Film einen humorigen Unterton gibt. All das wirkt leider sehr uneigenständig und zusammengeklaut, wobei der Film – für einen B-Movie – durchaus gut geschriebene Figuren zu bieten hat. Das Set-Design gefällt mir auch sehr gut. Man sieht den Locations das niedrige Budget nicht zwangsweise an. Bei der Kreatur merkt man es dafür mehr als deutlich, wodurch der Film für mich am Ende auch nicht mehr so recht funktionieren will.

Der Kultfilm aus meiner Jugend ist heute leider wirklich nur noch ein nett anzusehender B-Movie. Ich mag die düstere Atmosphäre, die Charaktere und natürlich Rutger Hauer. Übrigens spielt Kim Cattrall („Sex and the City“) die weibliche Hauptrolle. Netter Sci-Fi-Trash, den man jedoch nicht zu ernst nehmen sollte: 5/10 Punkte.

Lost in Translation (2003)

Die Sichtung von Sofia Coppolas „Lost in Translation“ habe ich lange hinausgeschoben. Viel zu lange. Ich hatte befürchtet, dass der Film übermäßig gehypt wurde, da er das neue Projekt von Francis Ford Coppolas Tochter war. Gestern jedoch war es endlich soweit und ich muss mich den Lobeshymnen anschließen: Ganz großes Kino!

Bei manchen Filmen kann man nicht wirklich erklären, warum man sie so gut findet. Meist sind das Filme, die über den reinen gut finden Status hinaus gehen. Man liebt diese Filme. Oft ist die Geschichte eines Films besonders beeindruckend oder die Inszenierung oder die visuelle Kraft oder etwas ganz anderes. In seltenen Fällen passt das alles zusammen und ergibt ein grandioses Gesamtbild. Und in noch selteneren Fällen packt einen der Film emotional. Man fühlt sich – auch wenn es nun kitschig klingt – tief berührt und irgendwie verstanden. Zu diesen Filmen gehört für mich z.B. „Garden State“ – und seid gestern nun auch „Lost in Translation“.

Der Film handelt von zwei Personen in einer fremden Umgebung. Zwei Personen die sich finden. Die sich brauchen. Die mehr für einander sind als nur Freunde. Mehr als nur eine Affäre. Sofia Coppola gelingt die Darstellung dieser zerbrechlichen Beziehung ganz wunderbar. Ich denke es ist nicht einfach ganau das einzufangen, was hier gezeigt wird. Es funktioniert. Sehr gut sogar. Dies liegt selbstverständlich auch an den tollen Darstellern: Bill Murray („Die Tiefseetaucher“) und Scarlett Johansson. Unglaubliche Leistungen. Absolut glaubhaft gespielt. Wunderschön.

Für mich hat sich „Lost in Translation“ unter meinen Lieblingsfilmen etabliert. Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Sichtung und ich werde oft an den Film denken. Sehr oft. Schön, wenn solch herausragende Sichtungen so überraschend kommen. Unbedingt sehenswert: 10/10 Punkte.