Saving Mr. Banks (2013)

Pünktlich zum Wochenende, das wir eigentlich schon verplant hatten, quält unseren Zwergofant bei fast 40 °C Fieber eine fiese Erkältung. Die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für einen Film – und dennoch hat „Saving Mr. Banks“ den Weg auf den Bildschirm gefunden. Trotz unzähliger Unterbrechungen und der Vorahnung einer Nacht ohne Schlaf, hat John Lee Hancocks Film einen Nerv bei mir getroffen…

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Ich mag Walt Disneys Version von „Mary Poppins“, deren Produktion in „Saving Mr. Banks“ nacherzählt wird. Sehr sogar. Dies mag unter anderem auch damit zusammenhängen, dass ich das Broadway-Musical tatsächlich am Broadway in New York City gesehen habe. Eine wahrhaft magische Erfahrung. Hinzu kommt, dass ich ohnehin ein großes Interesse an der Entstehungsgeschichte von mir wichtigen Filmen sowie ein Faible für Walt Disney habe. Wahrlich gute Voraussetzungen also, um den Film zu einem vollen Erfolg bei mir werden zu lassen.

John Lee Hancock hat sich wahrlich Mühe gegeben, sein nacherzähltes Zeitdokument authentisch wirken zu lassen. Mit Emma Thompson als „Mary Poppins“-Autorin P. L. Travers und Tom Hanks als Walt Disney ist die Besetzung der Hauptfiguren perfekt, welche durch die von Paul Giamatti, Bradley Whitford (Josh Lyman, „The West Wing“), Jason Schwartzman (Jonathan Ames, „Bored to Death“) und B. J. Novak (Ryan Howard, „The Office“) hochwertig besetzten Nebenrollen großartig ergänzt werden. Selbst Colin Farrell konnte mich schauspielerisch überzeugen, was wahrlich nicht immer der Fall ist.

Neben den Schauspielern überzeugt speziell die liebevolle Ausstattung sowie der an Technicolor erinnernde Look des Films. Auch Fans der Musical-Songs werden ihre wahre Freude haben, denn man erlebt deren Entstehungsgeschichte live mit. Von den audiovisuellen Reizen abgesehen, ist die Handlung recht geradlinig und ohne große Überraschungen. Ich hätte mir teils ein wenig mehr Tiefe in der Figurenzeichnung gewünscht und fordere in diesem Zuge sogleich eine verfilmte Walt Disney-Biographie mit Tom Hanks in der Hauptrolle!

Auch wenn „Saving Mr. Banks“ nicht perfekt durcherzählt ist, so gibt er einen guten Eindruck von der turbulenten und anstrengenden Entstehungsgeschichte samt ihrer angespannten Beziehungen. Das Schicksal der jungen P. L. Trevors hat mich zudem sehr berührt, was bei der Thematik auch kein Wunder ist. Oft hätte Hancock den Film ein wenig subtiler erzählen können, doch dann wäre es eben kein opulenter Disney-Film geworden. Und ein solcher hat ja schließlich auch seine Vorzüge: 8/10 Punkte.

One Tree Hill – Season 9

Vor einem knappen halben Jahr sagten mir die Namen Brooke Davis, Nathan Scott, Haley James usw. noch überhaupt nichts. Doch dann kam ich in den Sog dieser Serie, die mit „One Tree Hill – Season 9“ nun ihr mehr oder weniger rühmliches Ende fand. Warum ich letztendlich so lange durchgehalten habe und warum sich dies trotz aller qualitativen Defizite gelohnt hat, erfahrt ihr in dieser folgenden, abschließenden Besprechung…

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Mir scheint es so, als hätten die Autoren mit diesen letzten 13 Episoden noch einmal alles, was „One Tree Hill“ in den vergangenen Jahren ausgemacht hat, in einen Topf geworfen, mit bewusstseinserweiternden Substanzen gewürzt und auf uns Zuschauer losgelassen. Es ist wirklich der pure Wahnsinn, was alles in dieser halben Staffel passiert. Viele Handlungsstränge sind völlig hanebüchen und lächerlich, andere funktionieren dagegen erstaunlich gut. Es ist jedoch zuviel von allem und wird in zu kurzer Zeit erzählt, doch als Zuschauer dieser Serie ist man ja bereits so einiges gewohnt…

Wie es sich für eine finale Staffel gehört, gibt es einige Gastauftritte von Schauspielern bzw. Charakteren, die Tree Hill bereits verlassen hatten, zu bewundern. Mit Dan Scott und Chris Keller kehren zwei herrlich schräge Figuren zurück, deren Handlungsstränge mir auch mit am meisten Freude bereitet haben. Den obligatorischen Gastauftritt des ehemaligen Hauptdarstellers Chad Michael Murray (Lucas Scott) hätte man sich dagegen sparen können: zu aufgesetzt, zu gewollt, zu nichtssagend. Wirklich schade, da man somit auf die Gelegenheit verzichtet hat, den gegangenen Charakteren tatsächlich eine Bedeutung für die weiterlaufene Handlung zu geben.

Jedem einzelnen Hauptcharakter (und von diesen gibt es inzwischen einige) hat man tatsächlich ein eigenes überdramatisches Problem vor die Nase gesetzt. Dies fängt bei einer Entführung durch die osteuropäische Mafia(!) an, geht über die Einweisung in eine psychiatrische Klinik bis hin zu Stalker-Terror durch einen Ex-Häftling. Natürlich darf man auch nicht Marvin McFaddens Gewichtsprobleme vergessen. Und das ist nur ein Bruchteil der aufgemachten Handlungsstränge! Zeit zum Durchatmen bleibt somit nicht – und für gute Drehbücher war sie anscheinend auch zu knapp. Unterhaltsam ist dieses dramaturgische Chaos dennoch zu jeder Zeit, wenn auch weit davon entfernt stringent oder wirklich gut zu sein.

Insgesamt reiht sich die finale Staffel von „One Tree Hill“ also am unteren Spektrum der Serie ein. Die ersten vier Staffeln, d.h. die Highschool-Jahre, zählen eindeutig zu den Highlights, doch auch danach bietet das Coming-of-Age-Drama noch gute Unterhaltung:

  1. „One Tree Hill – Season 3“ (8.1 Punkte)
  2. „One Tree Hill – Season 4“ (8.0 Punkte)
  3. „One Tree Hill – Season 2“ (7.9 Punkte)
  4. „One Tree Hill – Season 1“ (7.8 Punkte)
  5. „One Tree Hill – Season 5“ (7.8 Punkte)
  6. „One Tree Hill – Season 6“ (7.4 Punkte)
  7. „One Tree Hill – Season 8“ (7.4 Punkte)
  8. „One Tree Hill – Season 9“ (6.9 Punkte)
  9. „One Tree Hill – Season 7“ (6.9 Punkte)

So schwach ich manche Aspekte der Serie auch fand, so viel Spaß hat mir die Sichtung doch bereitet. Ich hatte zudem stets das Gefühl die Autoren waren sich der absurden Situationen bewusst, welche meine Frau und mich oft in schallendes Gelächter ausbrechen ließen. Gibt es einen großartigeren Charakter als Dan Scott? Herrlich! Neben all der Albernheit, hat mich „One Tree Hill“ aber auch emotional gepackt. Coming-of-Age eben. Speziell das Serienfinale hat diese Qualitäten noch einmal ausgespielt: Als plötzlich die nächste Generation auf dem Basketballfeld steht und sich Nathan bewusst wird, dass dieser Lebensabschnitt der Vergangenheit angehört, dann ist dies erstaunlich wahrhaftig. 

Auch wenn man die Serie bestimmt nicht gesehen haben muss, so bereue ich die Sichtung keinesfalls. Sie hatte tolle Momente, alberne Momente und absurde Momente. Durch „One Tree Hill“ habe ich Fall Out Boy kennengelernt und nochmals ein Konzert von Jimmy Eat World erleben dürfen. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und stressige Phasen des Hausbaus waren für 42 Minuten vergessen. It’s the oldest story in the world. One day you’re seventeen and planning for someday. And then quietly and without you ever really noticing, someday is today. And then someday is yesterday. And this is your life: 7/10 (6.9) Punkte.

Run, Fatboy, Run (321)

Ein langer Arbeitstag liegt hinter mir, nach dem ich mich irgendwie ausgelaugt fühle. Eigentlich hätte ich am liebsten nur noch kurz mit den Kindern gespielt, etwas gefuttert und dann ab aufs Sofa. Doch man hat ja einen Plan. Also in die Laufklamotten gequält und bei exakt 0 °C raus in die Kälte. Motivation sieht anders aus.

Distance: 5.51 km
Duration: 00:31:43
Avg Speed: 10.42 km/h
Avg Pace: 5:45 min/km
Energy: 436 kcal

Nach dem Lauf bin ich doch ganz froh, mich aufgerafft zu haben. Es war ziemlich kalt und mein GPS wollte auch wieder nicht. Warum ist das immer bei Läufen in der Dunkelheit so? Gibt es dafür eine Begründung? Da ich nicht durch diverse Vorgärten gelaufen bin oder Pferdekoppeln überquert habe, musste ich die Strecke abermals manuell anpassen. Noch ein Grund mehr, warum ich die Zeit herbeisehne, während der es abends wieder länger hell ist…

Im Ohr: FatBoysRun – Episode 7: Tighte Tights, Steak-Träume und Herbstwetter

Girls – Season 2

Dank des rapiden Preisverfalls bin ich nun doch schneller zu „Girls – Season 2“ gekommen, als ich nach der Sichtung der ersten Staffel vermutet hatte. Konnte mich Lena Dunhams Serie auch in ihrem zweiten Jahr begeistern oder hatte sich der frech-frivole und doch authentische Stil inzwischen abgenutzt?

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Lag der Fokus der ersten Staffel noch darauf, die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander zu zeigen, so gehen die vier Freundinnen über weite Teile der zweiten Staffel getrennte Wege. Dies sorgt teils für eine neue Dynamik, ist aber auch manchmal ein wenig anstrengend, zumal nicht alle Handlungsstränge auf Dauer überzeugen können. Speziell die von Showrunnerin Lena Dunham gespielte Hannah empfand ich im späteren Verlauf der Staffel als ein wenig anstrengend. Natürlich ist dies Kalkül, doch hier wäre weniger mehr gewesen, denn so tritt dieser an sich interessante Charakter ein wenig auf der Stelle.

Am meisten Entwicklung erfährt wohl gerade die in der ersten Staffel noch relativ unbedeutende Shoshanna, was ich wirklich nett fand. Auch die meisten anderen Handlungsstränge machen Spaß, im Detail haben mich die ein wenig losgelösten Episoden „One Man’s Trash“ (in dieser fand ich auch Hannah toll!) und „Video Games“ wohl am meisten begeistert. Am Ende der Staffel stehen alle Charaktere irgendwie wieder da, wo sie zu Beginn des Jahres angefangen hatten – wenig befriedigend, jedoch im Rahmen dieses Generationenportraits auch konsequent. Dennoch wünsche ich mir von der kommenden Staffel ein wenig mehr Entwicklung.

Stilistisch ist „Girls“ weiterhin der Instagram- bzw. Retro-Indie-Ästhetik verhaftet, was gut funktioniert. Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit den Mädels, doch ist die Leichtigkeit der ersten Staffel ein wenig abhanden gekommen. Das kommende Jahr dürfte entscheidend sein, was die Entwicklung der Serie betrifft. Hoffen wir mal, dass Lena Dunham – anders als ihre Figur Hannah – keine Schreibblockade erleidet: 8/10 (8.4) Punkte.

Media Monday #186

Nach einem anstrengenden aber schönen Wochenende, inklusive Puppentheater und Kinderfasching, war der Start in die neue Woche ein wenig holprig bzw. anstrengend. Zum Glück bieten die Fragen des Medienjournals ein wenig Zerstreuung und lenken vom stagnierenden Hausbau und weiteren nicht so lustigen Themen ab…

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  1. Arnold Schwarzenegger ist ja mittlerweile echt in die Jahre gekommen, dennoch werde ich nicht müde mir seine Werke anzuschauen, denn er hat mit Filmen wie „Total Recall“ meine Jugend geprägt – meist kommen jedoch nur müde Versuche wie „Escape Plan“ dabei heraus.
  2. Die Oscar-Nominierungen sind da! Thema oder eher nicht und wieso? Seid ihr, so es euch denn interessiert, zufrieden oder könnt ihr euch gar nicht mit den Nominierungen anfreunden?
    Ich habe zwar Listen gesehen, doch mich nicht näher damit befasst. Falls der Film Nominierungen in den wichtigen Kategorien erhalten hat, würde ich mich über Auszeichnungen für „Boyhood“ freuen!
  3. Star Wars oder Star Trek und warum?
    Eigentlich beides, doch wenn ich mich entscheiden müsste, dann wohl „Star Wars“, weil die Filme meine Jugend stark geprägt haben. Heute ist es eigentlich egal, da beide Franchises in den Händen von J. J. Abrams sind und sich auch stilistisch immer mehr annähern werden.
  4. Größter Fehlgriff in den letzten Monaten war für mich das Mediabook zu „Invasion vom Mars“, das leider für den Preis wirklich schlecht verarbeitet ist. Die Qualität der Blu-ray ist dagegen klasse, wofür aber auch die Standardausgabe gereicht hätte…
  5. Eine regelrecht tragische Figur, die sich in jeder Szene mehr um Kopf und Kragen redet, ist Jerry Lundegaard (William H. Macy) aus dem wunderbaren „Fargo“ der Coen-Brüder.
  6. Die dämlichste Plattitüde findet sich garantiert auf einem DVD-Cover und liest sich so ähnlich: Von dem Assistenten des Beleuchters des Kameramanns der Second Unit von „x-beliebiger Erfolgsfilm“.
  7. Zuletzt gesehen habe ich den frischgebackenen Golden Globe-Gewinner „Boyhood“ und das war ein gar wunderbares Filmerlebnis, weil Regisseur Richard Linklater damit den ultimativen Coming-of-Age-Film geschaffen hat.

Run, Fatboy, Run (320)

Auch wenn ich mir die Nacht mit Bloggen um die Ohren geschlagen habe, so war ich dank meiner lieben Kinder schon wieder früh auf den Beinen – und da der heutige Nachmittag bereits mit wortwörtlichem Kinderfasching verplant ist, habe ich mich sogleich aufgemacht und bin laufen gegangen. Nachdem sich der Frühnebel verzogen hatte, ließ sich auch die Sonne blicken, was für einen zusätzlichen Motivationsschub sorgte. Der Januar lässt sich bisher gar nicht so schlecht an…

Distance: 7.58 km
Duration: 00:45:15
Avg Speed: 10.05 km/h
Avg Pace: 5:58 min/km
Energy: 606 kcal

Was die Zeit angeht, so bin ich sehr zufrieden. Speziell wenn ich die lange Laufpause bedenke, so hätte ich nicht gedacht, dass es mir gelingt meinen Schnitt so schnell wieder auf unter 6 min/km zu heben. Das nächste Ziel ist ganz klar wieder einmal die 10 Kilometer anzupacken, doch das wird wohl erst kommendes Wochenende möglich sein. Immerhin kann ich heute Nachmittag nun guten Gewissens ein paar Krapfen verdrücken… 😉

Im Ohr: Radio Nukular – Episode 9: Nukular 64 – der, die, das

Boyhood (2014)

Es gibt wohl kaum einen Film, auf den ich in letzter Zeit so heiß war – und das nicht erst seit dem Gewinn des Golden Globes. Schon als ich zum ersten Mal von Richard Linklaters „Boyhood“ las, war ich fasziniert. Nicht nur liebe ich Coming-of-Age-Geschichten, ich weiß seit dem grandiosen „Dazed and Confused“ auch, dass Linklater ein Händchen dafür hat. Zudem hat mich natürlich die ungewöhnliche Produktionsphase fasziniert. Konnte der Film meinen Erwartungen letztendlich gerecht werden?

boyhood

Die Sichtung ist gerade ein paar Minuten vorbei und Arcade Fires „Deep Blue“ hat mich sanft aus dem Film entlassen. Nun sitze ich da und frage mich: ‚War es das?‘ Nicht, weil ich mir etwas anderes erwartet hatte, sondern weil ich gerne mehr gesehen hätte. Noch mehr. Selbst nach langen 165 Minuten habe ich das Gefühl gerne mehr von den unterschiedlichen Stationen dieses Lebens sehe zu wollen. Mason weiter dabei zu begleiten aufzuwachsen, denn erwachsen ist er noch lange nicht. Richard Linklater hat uns über 12 Jahre am Leben dieses Jungen, dieser Familie teilhaben lassen – und der Abschied schmerzt. Ein schöneres Kompliment kann es wohl nicht geben, selbst wenn die Kunst des Auslassens wohl bewusst von Linklater inszeniert wurde…

Anders als zunächst von mir vermutet, zeigt der Regisseur eben nicht alle typischen Stationen des Erwachsenwerdens: kein erstes Mal Alkohol, kein erster Kuss, kein erster Todesfall. Durch diese bewussten Auslassungen lässt uns Linklater diese Lücken selbst auffüllen und verknüpft „Boyhood“ mit unseren eigenen Erinnerungen. Ähnlich funktioniert auch der Soundtrack des Films, der bekannte Songs der jeweiligen Zeit oft nur ein paar Sekunden lang anspielt – und uns Zuschauer den kompletten Song selbst ergänzen lässt. Das Kaleidoskop der tatsächlich gezeigten Szenen reicht von trivial bis bedeutsam und zieht uns Stück für Stück in Masons Leben hinein.

Ich habe schon viel über „Boyhood“ gelesen. Meist waren es überaus positive Besprechen, einige Zuschauer bemängelten jedoch auch, dass der Film keine stringente Handlung habe und nichts passieren würde. Es gibt tatsächlich wenig Action im Sinne von körperlich ausgeführten Handlungen, dafür viele Gespräche und Stimmungen. Hier erinnert das Drama stark an ein anderes filmisches Experiment Linklaters, die „Before…“-Trilogie, in der der Regisseur eine Liebesgeschichte in drei Teilen über 18 Jahre erzählt. Wenn man diese mag, wird man wohl auch seine Freude an „Boyhood“ haben. Ich würde behaupten diese Art von Film Film ist eben einfach Typsache.

Auch wenn es letztendlich nur eine Formalie ist, so muss ich Linklater und seinem Team doch Respekt für die Ausdauer zollen. Speziell in der heutigen Zeit, in der es jeder gewohnt ist, sofort Feedback zu erhalten, muss es ein wahrer Kraftakt gewesen sein, 12 Jahre zu drehen – und das über weite Strecken ohne jegliche Rückmeldung aus der Öffentlichkeit. Auch wenn einige diese 12 Jahre Drehzeit als Gimmick sehen, so bin ich überzeugt davon, dass „Boyhood“ nur dadurch die in jeder Szene spürbare Kraft entfalten konnte. Schade, dass es auf der aktuellen Blu-ray keinerlei Hintergrundinformationen gibt, würde mich doch brennend interessieren, aus wieviel Material Linklater letztendlich die finale Schnittfassung destilliert hat.

Die Besprechung ist nun länger geworden, als ich um diese Uhrzeit eigentlich geplant hatte. Noch etwas, das für den Film spricht. Auch wenn er dramaturgisch vielleicht genauso wenig perfekt ist, wie das Leben, das er abzubilden versucht, so lässt er uns Zuschauer doch an einem großen Entstehungsprozess teilhaben, den er emotional perfekt einfängt: dem Erwachsenwerden. Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass ich gerne mehr mit Mason verbracht hätte. Ich möchte den Film nach dieser ersten Sichtung noch nicht zum Lieblingsfilm erklären, doch viel fehlt wahrlich nicht: 10/10 Punkte.

Fargo (1996)

Während alle Welt über den Golden Globe-Gewinner „Fargo“ berichtet, habe ich mir heute einmal wieder den zugrunde liegenden Film der Coen-Brüder angesehen. Ihr 1996er „Fargo“ begleitet mich schon seit etlichen Jahren – und auch diese inzwischen bestimmt schon dritte oder vierte Sichtung war ein großes Vergnügen…

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Manchmal ist es schon seltsam, wie die eigene Erinnerung in Bezug auf Filme funktioniert. Ich hätte schwören können, der Film beginnt mit Marge und Norm Gunderson im Bett, dann der Anruf und die Fahrt zum Tatort. Tatsächlich lernen wir Marge erst nach über einer halben Stunde kennen. Auch hatte ich keinen so geradlinigen Film in Erinnerung und hatte vermutet, dass alle vorherigen Geschehnisse erst während der Ermittlungen in Flashbacks aufgelöst werden. Wirklich seltsam. Trotz meiner verschobenen Wahrnehmung was die Chronologie angeht, waren mir die einzelnen Szenen jedoch noch bestens im Gedächtnis – und was für Szenen das sind!

„Fargo“ ist bestimmt einer der zugänglichsten Filme der Coen-Brüder. Man erlebt eine ziemlich geradlinige Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht wirklich wunderbar geschrieben ist. Viele Coen-Welten wirken extrem artifiziell und satirisch. Auch in „Fargo“ sind die Charaktere überzeichnet und erinnern oft eher an Karikaturen, als an echte Personen, doch weit nicht so extrem wie, zum Beispiel, in „Barton Fink“ oder „Burn After Reading“. Speziell Marge Gunderson, gespielt von der großartigen Frances McDormand, bietet eine gewisse Erdung, die man als Besucher dieser seltsamen Zwischenwelt gerne annimmt.

Überhaupt diese Charaktere und ihre Schauspieler! William H. Macy endlich in einer Hauptrolle, die er gar wunderbar trägt. Die geheimen Stars des Films sind jedoch Steve Buscemi und Peter Stormare als ungleiches Gangsterduo, das sowohl für die lustigsten als auch schockierendsten Szenen des Films sorgt. Dieses Ungleichgewicht aus Humor und exzessiver Gewalt in der hypnotisch weißen Landschaft hat zudem ein eigenes Subgenre geprägt: Filme wie „Ein einfacher Plan“ oder „The Big White“ kombinieren ebenfalls schwarzhumorige Gangstergeschichten mit typischen Alltagsfiguren und übernehmen dabei das Setting im ewigen Schnee.

Obwohl mir die Geschichte, abseits ihrer genauen Reihenfolge, noch im Detail bekannt war, hat mich „Fargo“ abermals wahnsinnig gut unterhalten. Ich muss auch die neu abgetastete Blu-ray von MGM/20th Century Fox lobend erwähnen, die den Film aussehen lässt, als wäre er erst gestern gedreht worden – mit Filmkorn und allem. Großartig! Für mich ein Kleinod des Coen-Universums, das man sich tatsächlich immer wieder anschauen kann. Nun bin ich umso gespannter auf die zugehörige TV-Serie: 9/10 Punkte.

Run, Fatboy, Run (319)

Nachdem ich gestern gegen meinen wunderbar einfachen Diätplan – Süßigkeiten, Knabbereien und Alkohol nur am Wochenende – in allen drei Disziplinen(!) verstoßen hatte, musste ich heute einfach einen Lauf gegen das schlechte Gewissen einschieben. Es war stockdunkel, hat glücklicherweise nur ein wenig genieselt, dafür ging ein heftiger Wind. Und 2 Minuten nachdem ich wieder zu Hause angekommen war, sah es draußen so aus:

schneesturm

Distance: 5.60 km
Duration: 00:33:15
Avg Speed: 10.1 km/h
Avg Pace: 5:56 min/km
Energy: 447 kcal

Den Schneesturm hatte ich somit knapp verpasst. Puh! Das wäre nicht lustig gewesen. Mein GPS wollte auf dem letzten Kilometer auch nicht mehr so recht, weshalb ich den Lauf manuell anpassen musste. Vermutlich die dichten Wolken. Ansonsten ging es recht entspannt von der Sohle, was mich trotz der nur kurzen Strecke gefreut hat. Ein paar Bedenken hatte ich aufgrund meiner Schienbeine, da ich es beim letzten Lauf wohl ein wenig übertrieben hatte – kein Wunder nach der langen Trainingspause! Letztendlich war aber auch das kein Problem. Mal sehen, wie es sich morgen anfühlt… 😉

Im Ohr: FatBoysRun – Episode 6: Das literarische Duett

Media Monday #185

Nach einem äußerst stürmischen Wochenende, an dem mir die Zeit nur so wie Sand zwischen den Fingern zerronnen ist, startete die neue Woche wieder unter Volldampf – und dazu gehört es natürlich auch, die Fragen des Medienjournals zu beantworten. Wie habt ihr die erste volle Woche im neuen Jahr verbracht?

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  1. Das neue Jahr fing ja schon mal schlecht (alternativ: gut) an in punkto Medien, schließlich gab es einen Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ – mehr möchte ich auch gar nicht zu diesem traurigen Ereignis schreiben.
  2. Arnold Schwarzenegger hat zwar nur immer ein und denselben Gesichtsausdruck im Repertoire, aber dieser funktioniert in den meisten seiner Filme, wie z.B. den erst am Wochenende wieder einmal gesehenen „Total Recall: Die totale Erinnerung“, wahrlich famos.
  3. Keine zwei Stunden, nachdem dieser Media Monday online gegangen ist, beginnen die Golden Globe Verleihungen. Spannend, uninteressant, schlicht egal? Wie ist deine Meinung zu derartigen bzw. speziell dieser Veranstaltung(en)?
    Ich bekomme die Gewinner (z.B. ganz aktuell „Boyhood“) so am Rande mit, doch geht die Veranstaltung ansonsten eher an mir vorüber. Schließlich gibt es ja genügend andere Blogs, die darüber berichten und sich auch auf solche Verleihungen spezialisiert haben.
  4. Ein Buch oder Film, das oder den ich nicht bis zum Ende durchgehalten habe, ist „Schattenmond“, die offizielle Roman-Fortsetzung des Fantasy-Klassikers „Willow“.
  5. Benedict Cumberbatch ist sicherlich prädestiniert, den Bösewicht zu spielen, schließlich hat er alleine durch seine Stimme dem Drachen Smaug eine wirklich imposante Aura verliehen – tatsächlich kann er aber wohl alles spielen.
  6. Wenn Chris Pratt nicht seinen großen Durchbruch feiert, dann weiß ich auch nicht, denn nach seinem fantastischen Andy Dwyer in der TV-Serie „Parks and Recreation“ konnte er bereits im Blockbuster „Guardians of the Galaxy“ als Starlord überzeugen und übernimmt nun auch noch in „Jurassic World“ die Heldenrolle.
  7. Zuletzt gelesen habe ich eine Seite unserer aktuellen Gute-Nacht-Geschichte „Pippi Langstrumpf“ und das war wie immer ganz famos, weil ich die Abenteuer von Pippi selbst sehr mag.