Nicht mein Tag (2014)

Peter Thorwarth hat mit „Bang Boom Bang“ einen der besten deutschen Filme inszeniert. Auch über die Landesgrenze hinaus, zähle ich ihn nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen. Nach der Fertigstellung der Unna-Trilogie wurde es ruhig um den Regisseur – und als vor zwei Jahren „Nicht mein Tag“ ins Kino kam, war ich wirklich neugierig, ob Thorwarth seinen damaligen Erfolg wiederholen können würde. Inzwischen weiß ich leider, dass dem nicht so ist…

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Hauptdarsteller Axel Stein hat mich tatsächlich positiv überrascht. Bisher kannte ich ihn nur aus grenzdebilen Blödelfilmen und Sketch-Shows. In „Nicht mein Tag“ spielt er beide Extreme seiner Figur – vom stocksteifen Spießer bis zum ausgeflippten Rocker – sehr überzeugend. In die Rolle seines Konterparts schlüpft Moritz Bleibtreu, der souverän aber ohne Überraschungen (s)einen typischen Kleinganoven gibt. Die weiblichen Darstellerinnen Anna Maria Mühe und Jasmin Gerat haben dagegen deutlich weniger zu tun und verkommen fast schon zu Stichwortgebern.

Inhaltlich bekommt man eine 08/15-Krimikomödie vorgesetzt, die durchaus potential besitzt, aber an ihrer Konventionalität scheitert. Wieso muss es geschlagene 50 Minuten dauern, bis der Film auch nur ein wenig in Fahrt kommt? Die gesamte Exposition hätte man auch in knapp 15 Minuten erzählen können – und das ohne Charakterentwicklung oder Ähnliches zu verlieren. Nachdem der Film dann endlich Fahrt aufgenommen hat, macht er auch wirklich Spaß: Speziell der Kniff den Spießer das Leben des Gangsters durcheinander bringen zu lassen und eben nicht andersrum, hat mir sehr gut gefallen. Hier wäre noch deutlich mehr möglich gewesen, wenn das Drehbuch sich ein wenig mehr getraut hätte.

Auch wenn die Bezüge zur Unna-Trilogie mit Ralf Richter (total verschenkt) und einem Auftritt Mark Kampmanns vorhanden sind, so ist von der Spritzigkeit und vor allem Eigenständigkeit der damaligen Werke kaum noch etwas zu spüren. Thorwarth spielt auf Nummer sicher und biedert sich damit zu sehr an die typische deutsche Komödie an. Kann man durchaus mal schauen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

21 Gedanken zu “Nicht mein Tag (2014)

  1. Habe den auch letztes Jahr irgendwann gesehen und gebe dir in allen Punkten recht. Kommt absolut nicht in die Gänge der Streifen und dann wird es auch nicht viel besser.
    Ich habe mal irgendwo in einem Interview von Thorwarth gelsesen, dass er ursprünglich an einem zweiten Weltkriegsprojekt gearbeitet hat, dass wohl vom Plot her Tarantinos Basterds sehr ähnlich war, weshalb man das dann halt erst mal auf Eis gelegt hat. Dadurch hat er sich dann halt das hier aus den Fingern gesaugt, weil er wohl vertraglich nen Film machen musste, oder so ähnlich.
    Eigentlich schade, denn den Thorwarth-Basterds hätte ich gerne gesehen. Wobei ich ja eh der Meinung bin, dass nur Bang Boom Bang wirklich stark war. Was nicht passt … hatte noch seine Momente, war mir aber teilweise schon zu drüber. Eigentlich war nur Richter absolut großartig. Und Goldene Zeiten hat mich extrem enttäuscht. Wahrscheinlich aber auch einfach, weil ich was anderes erwartet habe. Der war ja nicht mehr so richtig lustig. Da war dann nur Dirk Benedict absolut cool.

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    • Das mit dem Kriegsfilm-Projekt hatte ich auch irgendwo gelesen. Dass dies der Auslöser für „Nicht mein Tag“ war, wusste ich dagegen nicht.

      „Was nicht passt, wird passend gemacht“ war eine nette Komödie, aber weit nicht mehr so großartig wie „Bang Boom Bang“. Als ich in „Goldene Zeiten“ im Kino war, wusste ich den Film zunächst gar nicht einzuordnen. Es war eher ein Gangsterstreifen à la Scorsese mit ernstem Unterton und nur noch wenig Humor. Ich fand das zwar befremdlich und irgendwie anstrengend, doch auch cool und beeindruckend. Ist beim Publikum aber wohl durchgefallen. Zumindest um einiges besser als diese 08/15-Komödie. War ja auch nicht wirklich schlecht, doch versinkt eben im Einheitsbrei. Schade.

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      • Das Problem bei Goldene Zeiten war eben die Erwartungshaltung. Wenn man vorher halt eher Komödien macht, erwartet man als Zuschauer natürlich auch genau das. Da hätte man vielleicht vorher kommunizieren sollen, dass man mit dem dritten Teil der Unna-Trilogie in eine andere Richtung gehen will. So war ich darauf einfach nicht vorbereitet. Muss ich mir aber mal irgendwann wieder angucken um das noch mal richtig beurteilen zu können.

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      • Ging mir ja zu großen Teilen ganz genauso. Habe den Film bisher auch erst einmal gesehen und würde gerne noch einmal ran. Leider ist die Blu-ray-Box nach wie vor unfassbar teuer. Doch irgendwann kehre ich zurück nach Unna… 😀

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      • Das klingt nach einem sehr guten Kurs. Aktuell wollen sie um die 60 Euro und das ist mir dann doch zuviel, zumal ich die DVD von „Bang Boom Bang“ noch hier stehen habe.

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      • Ja, ab und zu habe ich bei solchen Vorbestellungen mal Glück. Amazon hat da ja diese Nidrigster-Preis-Garantie. So habe ich zB damals auch die Scrubs Komplettbox vorbestellt für ungefähr 150 Schleifen und nur weil da mal für ein paar Stunden im Angebot war, habe ich die dann für 50 Euro gekriegt. War ein guter Tag.

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      • Manchmal muss man als Kunde eben auch Glück haben. Ein paar solcher Schnäppchen habe ich auch schon gemacht, aber öfter bei UK-Versendern. Für die ganz großen Angebote bin ich dann meist doch zu langsam… 😉

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  2. Goldene Zeiten war ja schon furchtbar (schlimmer als Nicht Mein Tag). Ich fand Nicht mein Tag auch durchschnittlich, habe mich aber über Ralf Richters Auftritt sehr gefreut („Dafür brauchen wir den Zivilisten“). 🙂 Auch sein Sohn, dieser entsetzliche Proll war lustig („Nimm doch mal den Grill aus der Fresse“). Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich mir einen Film anschaue, der Axel Stein in der Hauptrolle hat…

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    • Ich fand „Goldene Zeiten“ tatsächlich um einiges gelungener als „Nicht mein Tag“, weil sich dieser einfach mehr getraut hat. Bis auf ein paar Details hätte auch jeder andere den Film hier drehen können. Da hat Thorwarths Handschrift doch ein wenig gefehlt, finde ich…

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  3. Ich muss zugeben, dass ich „Bang Boom Bang“ nach 20 Minuten aufgegeben habe… Mit „Nicht mein Tag“ hast du Recht. Das Drehbuch hätte mutiger sein können und es ist am Ende nur eine gute Abendunterhaltung, die sich nicht länger einbrennt. Aber solche Filme muss es ja auch geben 😉

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  4. Pingback: Media Monday #245 | Tonight is gonna be a large one.

  5. Da hat mich damals schon der Trailer nicht so interessiert, aber zumindest von dem Cast ( insbesondere von Bleibtreu) erwartet man ja einiges – wenn die Story dann aber nicht passt, bringt’s auch nicht mehr. Schade, dass das wieder mal ein schlechter deutscher Film ist :/

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    • Wirklich schlecht ist er ja nicht einmal, nur so unglaublich gewöhnlich, was gerade bei dem Regisseur und Bleibtreu doch eine mittelschwere Enttäuschung ist. Kennst du „Bang Boom Bang“? Wenn nein, dann schau dir den ruhig mal an… 🙂

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  6. Pingback: Media Monday #246 | Tonight is gonna be a large one.

  7. Kann mich Deinem Review absolut anschließen! „Bang Boom Bang“ finde ich auch sehr genial und daran reicht „Nicht mein Tag“ einfach nicht heran. Den Rest der Unna-Trilogie habe ich bisher aber noch nicht gesehen. Man hätte halt mehr erwartet, aber schlussendlich bleibt eine durchschnittlich unterhaltsame Actionkomödie.

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    • Ja, kann ich voll und ganz verstehen. Die Erwartungen waren einfach anders gelagert. „Bang Boom Bang“ war damals einfach ein Kulthit – und „Nicht mein Tag“ wird in einem Jahr vergessen sein.

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  8. Pingback: Media Monday #249 | Tonight is gonna be a large one.

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