Django Unchained (2012)

Dieses Wochenende ist das Wochenende der verpassten Filme: gestern das letzte James Bond-Abenteuer nachgeholt, heute den jüngsten Tarantino. Vor ein paar – okay, zugegebenermaßen ein paar mehr – Jahren wäre es für mich undenkbar gewesen, einen neuen Tarantino-Film nicht im Kino zu sehen. Letztendlich musste „Django Unchained“ sogar unwürdig lange im Filmregal warten, doch knapp drei Stunden Zeit wollen erst einmal gefunden werden. Heute war es jedoch endlich soweit – und es hat sich gelohnt…

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Bereits die Eröffnungstitel fühlen sich so richtig nach Film an. Nach einem großen Film. Tarantino gelingt es abermals spielend gleichzeitig Hommage und stilbildendes Original zu inszenieren. Großartig! Der erste Auftritt von Christoph Waltz als Dr. King Schultz steht dem aus „Inglourious Basterds“ in nichts nach, auch wenn er eine ganz andere Grundstimmung besitzt und wohl nicht in die Filmgeschichte eingehen wird. Überhaupt ist mir sein Charakter schnell ans Herz gewachsen – und auch wenn es ein paar Parallelen zwischen Dr. King Schultz und Hans Landa gibt, so finde ich nicht, dass Tarantino und Waltz (wie man häufig liest) diesen Charakter nur recycelt haben.

Die Handlung wird für Taratino unüblich ziemlich geradlinig erzählt, doch schließlich handelt es sich hierbei um einen Western (bzw. Southern) – ein durch und durch geradliniges Genre. Die erste Hälfte ist beinahe schon ein ungewöhnlicher Buddy-Movie mit einigem Abenteuerflair. Übertriebene Schießereien, skurrile Momente und viel Humor prägen diesen Abschnitt des Westerns. Bei der Ku-Klux-Klan-Szene musste ich mehr lachen, als bei den meisten ausgewiesenen Komödien über ihre gesamte Laufzeit. Einfach nur herrlich! Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, würde die Atmosphäre nicht irgendwann komplett kippen.

Mit der Ankunft in Candyland, und dem damit verbundenen Auftritt von Leonardo DiCaprio (gebt dem Mann endlich einen Oscar!) als Calvin Candie, weicht die übertrieben und unterhaltsam inszenierte Gewalt von „Django Unchained“ plötzlich fiesem Realismus. An dieser Stelle beweist Tarantino erneut sein Können, indem er seinen Kritikern in klaren Bildern zeigt: all das kann Gewalt in Filmen sein – von spaßigen Blutfontänen in Großaufnahme, bis zum unangenehmen Einschlagen eines Schädels. Letzteres off-screen wohlgemerkt. Ein unverdauliches Fressen für seine üblichen Kritiker.

Trotz der immensen Laufzeit habe ich mich zu keiner Sekunde gelangweilt. Ich mochte die fantastischen Dialoge, die extrem motivierten Schauspieler, die Zwischentöne, die plötzlichen Stilbrüche, die tollen Landschaftsaufnahmen und den abermals mehr als perfekt zusammengestellten Soundtrack. Für mich ein echter Gewinner. Vor 15 Jahren hätte ich den Film in den kommenden Wochen bestimmt noch ein paar Mal gesehen. Heute bleibt vorerst dieser erste Eindruck – und der ist verdammt gut: 9/10 Punkte.

29 Gedanken zu “Django Unchained (2012)

      • Aber der Film ist ja auf DVD noch genauso gut 😉
        Und jetzt, wo du die Rezension geschrieben hast, hab ich schon wieder Lust darauf!

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      • Ich habe ihn sogar auf Blu-ray gesehen. Dennoch ist es etwas anderes im dunklen Kino mit riesiger Leinwand in fremde Welten einzutauchen, oder zu Hause auf dem TV. Dennoch war es ein klasse Erlebnis!

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      • Ja, das stimmt schon. Einen Film im Kino zu sehen ist ein völlig anderes Erlebnis als ihn zuhause auf DVD/Blu-Ray zu sehen, während man auf der Couch rumlungert. Ich würde auch gern viel öfter ins Kino gehen – wenn es denn nicht so teuer wäre…

        Aber nichtsdestotrotz: Tarantino kann mit seinen Filmen fast immer voll und ganz überzeugen! Einer meiner persönlichen Favoriten: Death Proof. Schon allein die Kameraführung ist faszinierend!

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      • „Death Proof“ ist der einzige Tarantino-Film, der mir noch fehlt. Alle anderen liebe ich, angefangen bei „Reservoir Dogs“, über „Pulp Fiction“ bis hin zu den neueren Werken. Selbst die Filme, bei denen er nur das Drehbuch beigesteuert hat („True Romance“ und mit Abstrichen auch „Natural Born Killers“) finde ich großartig. Da wäre wirklich einmal eine Werkschau fällig!

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      • Mir fehlen noch „Jackie Brown“, „True Romance“ und „4 Rooms“. „Reservoir Dogs“ habe ich auf DVD, aber bisher nur einmal gesehen, muss ich also unbedingt nochmal wiederholen!

        Oh, „Natural Born Killers“ fand ich super! Ein bisschen abgedreht, aber super. Und eine tolle Performance von Juliette Lewis und Woody Harrelson 🙂

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      • Da fehlen dir mit „True Romance“ und „Jackie Brown“ ja noch zwei seiner besten Filme! Musst du dir unbedingt anschauen. „4 Rooms“ dagegen ist ganz nett, aber halt ein Episodenfilm. Kann man ruhig mal schauen, aber ist jetzt für mich kein reiner Tarantino.

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  1. Sehr gutes Ding. Über diese eine Szene mit den weißen Gewandträgern musste ich auch herzlich lachen, auch wenn sich einige an der Stelle gestört haben. Berufskritiker halt, die nur dann lachen, wenn es im Kino ganz dunkel ist und keiner es mitbekommt.

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    • Für mich war die Szene auch typisch für Tarantino. Ich meine, wer macht so etwas sonst schon? Politisch unkorrekt und doch niemanden verletztend, nicht wirklich im Pacing des Films und doch absolut stimmig. Er hat es einfach immer noch drauf, auch wenn er das Schauspielern wohl besser sein lassen sollte… 😉

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  2. Jap, kann dem ganzen nur zustimmen. Habe ihn damals zum Glück gleich im im Original im Kino gesehen. Echt ein grandioser Film.
    Das mit dem Oscar für DiCaprio dachte ich mir auch. Mochte ich ihn früher gar nicht, hat er sich nach und nach zu einem der besten gemausert.
    Alles in allem hat mir Inglorius Basterds aber noch ein klein wenig besser gefallen als Django, aber nur minimal.
    Großartig Kritikpunkte gab es bei Django aber auch nicht.

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    • Vermutlich würde ich „Inglourious Basterds“ auch noch ein wenig vor „Django Unchained“ sehen, aber dafür müsste ich in ersteren noch einmal reinschauen. Wäre eh überfällig. Es gibt so viel, da bleiben die Wiederholungssichtungen leider etwas auf der Strecke.

      DiCaprio mochte ich eigentlich schon immer. Seinen schlechten Ruf hat er ja durch „Titanic“ und evtl. „Romeo & Julia“ weg (ich mochte ihn darin ja auch), doch bereits in „The Basketball Diaries“ oder „This Boy’s Life“ war er fantastisch. Inzwischen ist er noch mehr gewachsen, aber ich wüsste keinen aktuellen Schauspieler, der ihm das Wasser reichen könnte. Für mich der DeNiro/Pacino/usw. seiner Generation.

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  3. Kling für mich nach einem Loblied und frage mich dann doch warum denn nicht gleich die volle Punktzahl? Auf jeden Fall freu ich mich, dass du ihn endlich auch gesehen hast und er dir so gut gefallen hat. 🙂

    Die Ku-Klux-Klan-Szene ist der Brüller. Ich habe auch selten so gelacht wie da. Und genau das ist das schöne an Tarantino-Filmen. Die richtige Mischung aus allem. Schöner Streifen.

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    • Eine berechtigte Frage. Eigentlich hätte der Film auch 10 Punkte verdient, doch hatte ich „Inglourious Basterds“ auch nur 9 Punkte gegeben – und die Klassiker, wie „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ fand ich dann eben doch noch ein wenig stärker. Außerdem zwinge ich mich somit beinahe zu einer Folgesichtung, um die 10 eben voll zu machen… 😉

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  4. Tarantino ist einfach großartig und einzigartig in der heutigen Filmwelt und einer der wenigen der sich über die Jahre treu geblieben ist und bei dem man immer das Gefühl hat, dass es ihm nicht darum geht, einfach einen Film zu machen, der möglichst viel Umsatz macht, sondern einfach einen Film macht, der seine Lieblingsgenres und Filme huldigt und wirklich Liebe bis ins kleinste Detail dahinter steht. Seine Filme haben einfach unglaublich viele Facetten, ob es sich um Gewaltdarstellungen, Dialoge, Musik oder Story geht und auch wenn ich den Namen hinter dem Film nicht wüsste, würde man wohl sofort erkennen, von wem der Film ist. Das einzige was er nicht kann, ist selbst auf der Leinwand aufzutauchen. Da merkt man schon, dass er deplatziert ist und wohl der einzige ist in Hollywood, der ihn auch als Schauspieler engagieren würde. So lange es nur ne Minute ist, sei es ihm gegönnt, schließlich ist der Rest meistens ein kleines Meisterwerk.

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    • Das fasst es wirklich sehr schön zusammen. Ein echter Autorenfilmer eben, dieser Tarantino. Auch dass er sich nicht auf dem Gangsterkino-Hype der 90er Jahre ausgeruht hat, sondern sich beständig weiterentwickelt, ohne seinen ganz eigenen Stl aufzugeben, ist wirklich bemerkenswert. Für mich auch einer der ganz Großen, dessen Filme ich mir immer und immer wieder anschauen könnte.

      Was seine Schauspielkunst angeht. Nunja. In „From Dusk Till Dawn“ fand ich ihn klasse. Ebenso in einer „ALIAS“-Episode, doch inzwischen sollte er das lieber den richtigen Schauspielern überlassen. Wenn er Spaß daran hat, soll er aber ruhig weiterhin solche Kurzauftritte hinlegen. Ist ja schließlich sein Film… 😉

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  6. Unterschreibe deine Kritik zu Tarantinos grandioser Western-Roots-Kreuzung. War für mich sogar der beste Film des letzten Jahres. Bislang hat mit QT nur mit Death Proof und mit abstrichen mit Jackie Brown enttäuscht.

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    • „Death Proof“ habe ich immer noch nicht gesehen, „Jackie Brown“ zählt dagegen zu meinen liebsten Tarantinos (auch wenn ich bei der Erstsichtung im Kino ein wenig enttäuscht war). Ein Film, der über die Jahre wächst. Mal sehen, ob dies „Django Unchained“ auch gelingt.

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  7. Okay, dann muss ich „Jackie Brown“ mal wieder sichten, meine letzte Begegnung mit dem Film, ist bereits knapp 10 Jahre her. Welcher Tarantino hat Dich bislang am meisten enttäuscht?

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    • Puh, schwierig. Eigentlich noch keiner seiner Regiearbeiten („Four Rooms“ wäre da noch der schwächste). Ein wenig mehr hatte ich mir wohl von „Kill Bill Vol. 2“ erwartet, doch richtig enttäuscht war ich auch davon nicht. Insofern sollte ich wohl doch einmal „Death Proof“ schauen… 😉

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