The Shield – Season 2

Unvorstellbare eineinhalb Monate habe ich für die Sichtung von „The Shield – Season 2“ benötigt. Vor ein paar Jahren hätte ich die 13 Episoden wohl locker innerhalb von ein oder zwei Wochen verschlungen. Das Cop-Drama ist mit seiner Vielzahl an Charakteren und unterschiedlichen Erzählsträngen sogar wie gemacht für eine fokussierte Sichtung, doch glücklicherweise entfaltet es auch über einen längeren Zeitraum einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann…

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Zu Beginn der Staffel hatte ich noch so meine Probleme mit einigen Erzählsträngen. Besonders Vics Privatleben schien mir etwas forciert aus den Fugen zu geraten. Hier wäre eine langsamere Entwicklung meiner Meinung nach glaubhafter gewesen. Auch die Reaktion des Strike Teams auf Vics Gewaltausbruch in Bezug auf Armadillo hatte mich erstaunt, wurden doch andere Konflikte – zumal mit geringerem Bedrohungspotential für das Team – auf ähnliche Art und Weise gelöst. Doch nach einigen Episoden wurde die Motivation einzelner Charaktere in Bezug auf den Vorfall erklärt, wodurch dieser Erzählstrang noch zu einem Highlight der Staffel wurde, wenn auch leider mit sehr abruptem Ende.

Neben den großen Themen der Staffel (Armadillo, Money Train usw.), gab es wieder etliche Einzelfälle, die in ihrer Darstellung der menschlichen Perversion erneut nicht zu überbieten waren. Immer wenn man denkt, man hätte im Rahmen der Serie bereits alles gesehen, setzen die Autoren noch einen drauf. Die gezeigten menschlichen Abgründe werden zudem wunderbar in den Aktionen des Strike Teams – allen voran Vic Mackey – gespiegelt. Man begrüßt als Zuschauer somit die größtenteils drastischen Aktionen und vergisst nur allzu schnell, dass Vic Grenzen im Sekundentakt überschreitet.

Nach Abschluss des ersten großen Erzählstrangs der Staffel, gibt es eine komplette Episode als Rückblende, welche die Entstehung der Polizeistation zeigt. Dies fand ich sehr interessant, da auch die Dynamiken zwischen den einzelnen Charakteren dadurch eine neue Ebene bekamen. Zwar nicht unbedingt nötig, doch eine nette Zäsur zur Haupthandlung, welche den Weg für die nachfolgenden vier Episoden freimachte, die in einem famosen Staffelfinale mündeten. Hochspannung par excellence.

Ich für meinen Teil bin wahrlich begeistert, wie sich die Staffel entwickelt hat. Nach dem im Vergleich zur ersten Staffel etwas schwächeren Anfang, hat sich „The Shield“ im zweiten Jahr wirklich sehr stark entwickelt. Eine mitreißende und schockierende Cop-Serie, die stets für Überraschungen gut ist und mit ihren Figuren wahrlich nicht zimperlich umgeht. Nun bin ich bereits sehr gespannt, was das dritte Jahr für Vic und Co. bereit hält: 9/10 (8.8) Punkte.

18 Gedanken zu “The Shield – Season 2

  1. „The Shield“ ist eine dieser Serien, mit der ich schon seit Monaten, ach was, Jahren liebäugele. Deine Besprechung hat sie jetzt etwas höher auf die Serien-Guckliste gebracht, denn Worte wie mitreißend und schockierend lese ich bei Cop-Serien sehr gerne. 😉

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    • Ging mir genauso. Die DVD-Box musste auch erst sehr günstig werden und stand selbst dann noch ewig im Regal, bis ich mich zu einer Sichtung durchringen konnte. Um noch einen Anreiz zu schaffen: Die Serie ist vom gleichen Sender, wie „Justified“ und es spielen auch teils die gleichen Schauspieler mit.

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  2. Fand ich deutlich schwächer als die erste Staffel, speziell der Armadillo-Plot ist zäh wie Kaugummi und unnötig in die Länge gezogen, die Rückblenden-Folge eine einzige Katastrophe und das Finale auch weniger packend als im Vorjahr. Für mich eine durchschnittliche Cop-Serie, die von mir exakt zwei Punkte weniger erhielt (6.8). Die dritte Staffel war glücklicherweise wieder besser.

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    • Wow, da hast du aber nachgelegt: Bei meiner Besprechung der ersten Staffel hattest du „The Shield“ noch gar nicht gekannt und jetzt hast du bereits drei Staffeln gesehen – und das bei einer Show, die dir wieder einmal nicht sonderlich zu gefallen scheint. Soviel Geduld hätte ich wohl nicht.

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      • Inzwischen sind es vier Staffel 🙂 Und wenn ich nur Serien sehen würde, denen ich mehr als 7 Punkte gebe, würde ich im Grunde gar keine schauen.
        7/10 ist ja keine schlechte Wertung und „The Shield“ keine schlechte Serie, nur eben für mich keine besondere, sondern lediglich durchschnittliche.
        Im direkten Vergleich gefällt mir „Southland“ sogar besser, weil die Figuren dort sympathischer sind. Gerade in der vierten Staffel zuletzt gingen mir Wyms, Julien oder der „Atzen-Vader“ ziemlich auf den Senkel.

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      • Da haben wir eine grundsätzlich andere Herangehensweise an Serien. Bei mir fliegen solche, die über mehrere Episoden nicht über 6-7 Punkte hinauskommen, direkt aus dem Programm, da ich – wie man an unseren unterschiedlichen Sichtungsgeschwindigkeiten sieht – einfach nicht die Zeit habe, diese mitzuschleppen. So sind dieses Jahr z.B. „Revolution“, „The Following“, „Up All Night“ und noch ein paar rausgeflogen, weil mir die Zeit zu schade war. Ausnahmen gibt es natürlich auch manchmal.

        Von „Southland“ habe ich noch gar nichts gehört. Die Charaktere in „The Shield“ sind größtenteils nicht sympathisch, das stimmt. Aber hier funktioniert für mich eben gerade die Gradwanderung zwischen Sympathie und Verabscheuungswürdigkeit, die auch Serien, wie „The Sopranos“ oder „Dexter“ innewohnt.

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      • Unsere Wahrnehmung ist wohl einfach nur unterschiedlich. Meine Serien haben durchschnittlich 7 Punkte, deine kriegen durchschnittlich 9 Punkte. Ich bin eben einfach etwas „reservierter“, wir differieren ja auch bei Filmen mindestens um einen Punkt meist.
        Eine Serie, der du 7 Punkte gibst (was ich wie gesagt immer noch als gut erachte), würde von mir wohl 5 entsprechend erhalten – die schleppe ich auch nicht mit. Da ich in der Regel aber nur alle 2-3 Jahre mal eine „9/10“-Serie zu Gesicht bekomme, muss man einfach den Anspruch runterschrauben – oder halt gar keine Serien schauen.
        Hätte ich Kind und Kegel, würde ich vermutlich auch nicht so schnell durch die Staffeln kommen, aber ich schaue die meist Abends während meines Workouts, da muss es also auch nicht unbedingt großes Kino sein.
        Im Übrigen ist zumindest in meinem Fall der Vergleich mit „Dexter“ nicht passend, da dort bis auf LaGuerta eigentlich alle Figuren sympathisch sind, für mich bei „The Shield“ eigentlich nur Lem und Ronnie.

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      • Für mich ist der Schnitt beim Wertungssystem eigentlich der Sprung von 5 auf 6 Punkte, d.h. alles was 6 oder mehr Punkte bekommt, ist überdurchschnittlich. Insofern fällt für mich alles unter 5 Punkte sowieso raus (z.B. die letzten Episoden „Two and a Half Men“-Episoden, die ich gesehen habe). Die Serien, die nur knapp überdurchschnittlich sind (d.h. so um die 6 Punkte) schaue ich auch nicht weiter. Ab 7 Punkte wird mal so, mal so entschieden (z.B. „Bones“) und alles drüber versuche ich weiterzuverfolgen. Insofern habe ich kein Problem Episoden, die mich wirklich sehr gut unterhalten auch mal 10 Punkte zu geben, was den Schnitt natürlich nach oben zieht. Und „The Shield“ hatte durchaus ein paar 10er Episoden in petto.

        Der Vergleich zu „Dexter“ war eher auf die Hauptfigur bezogen. Sicher ist auch Dexter Morgan im Grunde sympathischer als Vic Mackey, doch die Tendenz (eigentlich verabscheuenswürdiges Verhalten vs. positive Eigenschaften) geht in eine ähnliche Richtung. Zudem finde ich, dass es bei „The Shield“ durchaus etliche Figuren gibt, die sympathische Züge haben, doch hat eben jede Figur auch ihre dunklen Seiten.

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  3. @ Florian Lieb

    Dann sind Serien mit längerem Charakteraufbau wohl eher nix für dich wenn du die schnelle Action brauchst. The Shield ist einfach eine Serie in der erstmal was passieren muss bevor sie wirklich ihren Höhepunkt erreichen kann. Gerade deshalb find ich sie auch so stark. Theoretisch hätte man das natürlich alles auf 1-2 Staffeln verteilen können, dann wäre der Reiz aber weg und gerade die Charakteredynamik der Serie hier entwickelt sich erst in den ersten 3 Staffeln (welche für mich reine Aufbaustaffeln sind für das was danach kommt).

    Staffel 1 ist für mich eine reine Staffel zum kennenlernen mit viel CotW. Staffel 2 hat mit Armadillo und besonders dem Money Train ein Thema eingeführt das sozusagen das Herzstück der Serie ist. Das merkt man aber erst wenn man die weiteren Staffeln gesehen hat. Denn diese Geschichte wird die Charaktere verändern, sowohl positiv als auch negativ.

    Was die Charaktere angeht kann ich deine Sicht allerdings verstehen. So den einen wirklichen Liebling hatte ich auch nie trotzdem war der komplette Cast für mich aber so stark ich trotzdem weitergeschaut habe. Charaktere sind mir normalerweise auch sehr wichtig und wenn ich mit ihnen nicht warm werde schaue ich die Serien auch nicht bzw. nicht lange. Als Beispiel nehme ich da mal Sopranos (wo mir diese Italo-Charaktere viel zu albern dargestellt wurden und mich überhaupt nicht angesprochen haben). Auch mit dem hochgelobten Breaking Bad konnte ich wenig bis garnix anfangen. Walter White wird gut dargestellt von Cranston, wirklich mögen kann man seinen Charakter aber nicht und wirklich alle anderen Charaktere dort nerven wie nur was. Es ist halt einfach Geschmackssache. Trotzdem kann man es nicht leugnen das The Shield eine der besten Serien aller Zeiten ist Lichtjahre vor zb. sowas wie Southland. Im Crime-Genre steht für mich nur The Wire noch eine Stufe höher.

    @ bullion: Freut mich zu sehen das Season 2 jetzt doch noch die Kurve bekommen hat bei dir. Hörte sich ja zu Beginn so an als wäre Staffel 2 nicht mehr so ganz dein Fall. Für Staffel 3 würde ich dir jetzt ebenfalls Geduld mit an die Hand geben, denn meiner Meinung nach ist Staffel 3 stellenweise wieder etwas zäher (was ua. auch daran liegt das sie mit 15 Folgen etwas länger ist diesmal). Sie hat aber auch wieder ihre Highlights und ist für den weiteren Verlauf der Serie sehr wichtig. Danach folgt dann aber für mich mit den Staffeln 4 & 5 der Höhepunkt der Serie (abgesehen vom Finale).

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    • Es ist immer schön zu lesen, wenn jemand so viel Leidenschaft für etwas empfindet. Ist es zudem noch eine Serie, die auch meine Begeisterung geweckt hat – umso besser! 🙂

      Inzwischen habe ich mit Season 3 angefangen, allerdings erst eine Episode, und bin aktuell sehr begeistert. Die stets wachsende Paranoia, herrliche Twists in Bezug auf das Money Train-Geld und interessante Charaktermomente. Doch, das könnte etwas werden. Gerne auch über 15 Episoden.

      Ist es nicht einfach herrlich wenn man eine gesamte tolle Serie nahezu am Stück schauen kann? Leider ist die Freizeit inzwischen zu knapp und ich habe die meisten der großen Serien schon durch…

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  4. Ohmy, wieder mal eine Serie, die ich nicht gesehen habe, aber immer noch auf meiner Liste steht. Das sah wirklich immer etwas langweilig aus, als ob da nicht so viel passiert (ich weiß nicht warum genau :D). Aber deine Rezension hebt die Serie wieder etwas weiter rauf auf der ToWatch-List ^^

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    • In der Serie passiert pro Folge sogar teils so viel, dass man wirklich am Ball bleiben muss. Das ist auch das Schöne an kurzen Staffeln mit nur 13 Episoden: Es gibt kaum Füllfolgen und die Handlung peitscht meist kräftig voran. Also eher das Gegenteil von langweilig… 🙂

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      • Glaub ich, glaub ich. Ich glaub ich weiß, warum ich das so langweilig empfand: ich hatte so ein Bild von der Serie im Kopf, wo der Hauptdarsteller einfach jede Episode nur Rambazamba macht und als Polizist halt gegen das Gesetz verstößt oder es verbiegt und sonst nichts anderes tolles passiert. 😀

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      • Im Prinzip fasst das die Serie schon ganz gut zusammen… 😉

        Ist aber nur ein Teil und hinzu kommt, dass man Vics Aktionen teils zumindest nachvollziehen kann, was die ganze Sache interessanter macht. Gibt zudem noch unzählige weitere Charaktere und ich würde „The Shield“ eher als Ensemble-Serie sehen, als nur auf einen Charakter gemünzt.

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  5. Es ist sicher eine Serie mit gutem Ensemble, aber man braucht sich schon nix vormachen Vic Mackey ist ganz klar der Hauptcharakter. Sehe es ähnlich wie zb. bei Dexter. Eine reine Ensamble-Serie ist da für mich eher sowas wie Six Feet Under oder Lost wo man zwar Anfangs noch denkt X oder Y wäre die Hauptfigur, es sich dann aber von Staffel zu Staffel immer mehr verteilt.

    @ Khitos: Das ist halt auch immer so eine Sache mit Trailern. Die täuschen auch oft. The Shield ist für mich eine wunderbare Charakterserie, weil sie eben den Charakteren auch Raum zum wachsen und entwickeln gibt und es nicht immer direkt Schlag auf Schlag geht. Wie schon merhmals hier betont baut sich die Charakterentwicklung hier Staffel für Staffel auf und kommt gegen Ende dann zum „Höhepunkt“ wo man dann auch im Gegensatz zu anderen die Ereignisse der Staffeln davor nochmal reflektiert. Bei Serien wie 24 oder Dexter hat man ja eher den Eindruck jede Staffel ist mehr oder weniger ein Reboot und alles wird wieder auf Null gestellt. Das ist bei The Shield überhaupt nicht so. Jedes große Ereigniss ist wichtig und Storys aus der Vergangenheit werden immer wieder aufgerollt und in den Fokus gerückt bzw. sind auch im Hinterkopf immer wichtig um die Handlungen der Charatere zu unterstreichen. Gerade das ist für mich das geniale an der Serie, da kann man nicht einfach sagen so Staffel 2 durch und jetzt ist alles mehr oder weniger abgehakt.

    Also ich kann die Serie nur empfehlen.

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    • Sicher ist „The Shield“ klassische Ensemble-Serie, wie „Six Feet Under“ o.ä., doch weitaus mehr als z.B. „Dexter“. Vic deckt eben einen Aspekt der Polizeiarbeit ab, doch z.B. setzt Dutch ebenso wichtige Akzente. Vics Storyline sind eben am wuchtigsten und unterhaltsamsten und wirken sich zudem auf die anderen Bereiche aus. Insofern wohl eine Mischung aus beiden Erzählformen, was die Charaktere angeht.

      Schöne Beschreibung übriges, was Reboot und „24“ angeht. Gerade bei dieser Serie – auch wenn ich sie in den ersten Jahren wirklich gut fand – hatte ich diesen Eindruck tatsächlich oft.

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