Six Feet Under – Season 3

Kaum zu glauben, dass ich nun bereits mein – in Serienzeit gerechnet – drittes Jahr mit den Fishers verbracht habe. Damit habe ich den Großteil dieser fantastischen Serie auch schon hinter mir. Auch inhaltlich stellt „Six Feet Under – Season 3“ einen Wendepunkt dar. Ob dies jedoch auch mit einem inhaltlichen Höhepunkt gleichzusetzen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Nach dem Cliffhanger der zweiten Staffel war der Einstieg in das dritte Jahr zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die erste Episode beginnt ganz anders und doch genauso, wie man es erwartet hätte. Ein fantastischer Einstieg, der einen Interpretationsspielraum bietet. Danach fühlte sich „Six Feet Under“ nicht mehr so an, wie zuvor. Ich kann es nicht greifen oder gar in Worte fassen, doch der Ton der Serie hatte sich geändert. Die Charaktere haben eine Entwicklung durchgemacht, die sie verändert erscheinen lässt. Nach ein paar Episoden hatte ich mich daran gewöhnt, doch komplett verfliegen wollte dieser Eindruck bis zum Staffelfinale nicht.

Interessanterweise erschien mir die Staffel zu Beginn ungewohnt leicht und positiv: Nate hat eine Familie und es hängt kein düsterer Schatten mehr über ihm, David glücklich ist mit Keith zusammen und Claire hat endlich etwas gefunden, das ihr Freude bereitet. Am meisten überraschte mich jedoch Ruth mit ihrer äußerst unterhaltsamen Beziehung zu Arthur, der grandios von Rainn Wilson (Dwight Schrute, „The Office“) verkörpert wird. Im Verlauf der Staffel kehrt jedoch die Düsternis zu den Fishers zurück. Ob nun Vanessas Depression oder Nates Zweifel an seiner Beziehung – langsam aber beharrlich wird die heile Welt in Frage gestellt. Den Gipfel erreicht diese spürbare Verzweiflung mit Lisas Verschwinden, dessen Auswirkungen so eindringlich geschildert werden, dass ich während der letzten drei Episoden mit einem Kloß im Hals vor dem Fernseher saß.

Es fällt mir nun schwer diese Staffel qualitativ einzuordnen. Sie bewegt sich zwischen zwei Extremen und macht es dem Zuschauer oft nicht leicht. Wohler gefühlt habe ich mich wohl mit den beiden ersten Staffeln. Bei diesen wusste man ungefähr, was man zu erwarten hatte. Vielleicht macht diese Unvorhersehbarkeit das dritte Jahr auch zu etwas Besonderem, denn das Leben ist schließlich auch nicht planbar. Ich hoffe nur, dass die Autoren den Fishers im vierten Jahr wieder ein wenig Erleichterung bieten. Ich zumindest habe das nach diesem Staffelfinale wahrlich bitter nötig: 9/10 (8.8) Punkte.

14 Gedanken zu “Six Feet Under – Season 3

  1. Das ist das Fantastische an Six Feet Under. Die Serie hängt einem ziemlich nach. Man setzt sich unweigerlich mit dem Gesehenen intensiv und tatsächlich auch nach dem Ausschalten noch auseinander. Es nimmt einen unglaublich mit, man fühlt sich vielleicht sogar ein bisschen unwohl. Bisher hat das keine Serie, die ich gesehen habe, auch nur ansatzweise in diesem Maße geschafft. Das hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt, das ganze hat auch etwas von Selbsterfahrung.

    Und ohne zu spoilern kann ich dir wohl sagen, dass die nächste Staffel ähnlich intensiv beginnt wie diese hier endete. Einfach weiterschauen. 😉

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    • Ich hatte bereits mehrere Serienerlebnisse, die dieses nachhaltige Gefühl bei mir auslösten, ob nun „The Sopranos“ oder „The West Wing“ – doch aufgrund der teils doch sehr düsteren Handlung und des familiären Umfelds wirkt „Six Feet Under“ tatsächlich besonders nach.

      Weitergeschaut wird auf jeden Fall! Glücklicherweise stehen die letzten beiden Staffeln bereits parat und auch wenn mich die momentan bei den Fishers herrschende Hoffnungslosigkeit etwas abschreckt, so freue ich mich doch sehr auf die verbleibenden 24 Episoden.

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  2. Ich wünschte, ich könne auch Serien auf solche Weise sehen. Scheinbar fehlt mir dazu einfach die Empathie oder Emotion – allerdings ist das ein allgemeines Charakteristikum bei mir und nicht auf den Konsum von Unterhaltungsmedien beschränkt.

    Vermutlich wird spätestens zur finalen Staffel dann die 10 gezückt. Zumindest sind andere Rezensenten vor dir so verfahren.

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    • Nun wundert mich nicht mehr, dass wir teils zu so unterschiedlichen Bewertungen tendieren, ist mir der empathische Zugang zu Figuren bzw. Geschichten doch besonders wichtig. Besonders Serien wie „Six Feet Under“ dürften ohne einen solchen schwer zu greifen sein.

      Es kann durchaus sein, dass ich das Finale ebenso gut bewerten werde. Allerdings sind die Erwartungen inzwischen schon sehr hoch und ich hoffe, dass ich nicht enttäuscht werde.

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  3. Die ersten beiden Staffeln hatten in ihrem ironischen Unterton, ihrer satirischen Aufmachung eine gewisse Leichtherzigkeit; man musste, so dramatisch sie zum Teil auch waren, sie nicht unbedingt erst nehmen und hat sich entsprechend wohl mit ihnen gefühlt. Das war großartig, ließ die Serie bis dahin aber dennoch nicht unbedingt aus dem Serien-Allerlei herausstechen. Spätestens mit Staffel 3 dreht sich das allerdings, weil die Serie, ohne ihre Bissigkeit zu verlieren, deutlich an Intensität zunimmt. Das fängt in Season 3 an und nimmt in den beiden verbleibenden Staffeln noch mal deutlich zu; also eher nichts mit Erleichterung. Das sollte dich aber nicht vom Weiterschauen abhalten, denn du würdest so einiges verpassen, so sehr das auch unter die Haut geht. (Ich persönlich würde übrigens die vierte Staffel als stärkste einordnen, wegen Claires Storyline im Allgemeinen und dem Klimax von Davids im Besonderen. Ist vielleicht Geschmackssache, aber freu dich drauf!)

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    • Ich habe die ersten beiden Staffeln nicht unbedingt als leichtherziger empfunden, als die dritte. Besonders die zweite Staffel fand ich sehr, sehr düster. Mich hat hier gerade der positive und leichte Grundton bis zur Hälfte der dritten Staffel verstört: Nate ist gesund und hat Familie, Rico wird endlich Partner, Claire hat ihre Erfüllung gefunden sowie einen Freund, der sie zu schätzen weiß, dann die Komödie um Ruth und Arthur – all dies erschien mir befremdlich positiv und ich hätte beinahe schon damit gerechnet, dass Nate im Koma liegt und sich das nur einbildet. Ab der Hälfte der Staffel kippt es natürlich und aufgrund der Fallhöhe wirkt der Abschluss rund um Lisas Verschwinden, Vanessas Depression usw. natürlich besonders fatalistisch.

      Ich freue mich nun sehr auf die letzten beiden Staffeln und erwarte natürlich nicht Friede, Freude, Eierkuchen, doch immerhin dass nicht alle Figuren gnadenlos in den Abgrund treiben, so wie Nate am Ende der dritten Staffel.

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      • Dann war „Leichtherzigkeit“ vielleicht das falsche Wort. Wie gesagt, habe ich die ersten beiden Staffeln immer als spürbar satirisch überhoht und damit zumindest teilweise vom Zuschauer distanziert empfunden. Diese Distanz ist dann in der dritten Staffel völlig weggefallen, weswegen ich die eher heiteren Substories der dritten Staffel eher als letztes Atemholen vor dem Sturm wahrgenommen habe. Und ja, deshalb habe ich auch die halbe dritte Staffel damit gerechnet, dass das alles nur eine Komafantasie von Nate ist. Schon interessant, dass man bei Serien wie SFU automatisch solche Schlussfolgerungen zieht, wenn es mal gut läuft. 😉

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      • Ich glaube auch, dass Alan Ball und seine Autoren bewusst mit dieser Option gespielt haben und die zwei Extreme in der Staffel ebenso bewusst als solche inszeniert wurden. Rückblickend betrachtet macht das alles natürlich Sinn. Auch die Beziehung zwischen Lisa und Nate samt existenzieller Fragen. Hier wäre eine Zweitsichtung interessant, die wohl frühestens folgen wird, wenn ich das Rentenalter erreicht habe… 😉

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    • Ich war von der ersten Episode auch noch nicht vollends überzeugt. Ich glaube solch episch angelegten Serien sollte man mindestens drei bis fünf Episoden Anlaufzeit geben. Inzwischen zählt die Serie für mich mit zum besten, was das Genre zu bieten hat. Ganz groß.

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      • Wenn das mal nicht voreilig war… 😉

        Geliehene Filme bzw. Serien vorzeitig abzubrechen kann ich noch verstehen, doch gekaufte? Da habe ich immer schon mindestens die erste DVD durchgeschaut – und es hat sich bisher (bis auf wenige Ausnahmen) auch stets gelohnt!

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  4. Pingback: Six Feet Under – Season 4 | Tonight is gonna be a large one.

  5. Pingback: Media Monday #87 | Tonight is gonna be a large one.

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