Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte – OT: The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader

Gestern Abend habe ich mir mit „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ gleich das erste meiner filmischen Weinachtsgeschenke zu Gemüte geführt. Besonders da ich dieses Jahr nicht dazu gekommen bin auch nur einen meiner persönlichen Weihnachtsfilmklassiker zu sehen, habe ich mich sehr auf den Film gefreut – zumal ich auch mit dieser Filmreihe die eher stillen Tage des Jahres verbinde. Ist es dem „The Voyage of the Dawn Treader“ gelungen an seine Vorgänger anzuknüpfen?

Zunächst einmal muss ich auf die unverschämte Veröffentlichungstaktik von 20th Century Fox eingehen: Bis vor ein paar Wochen war der Film in Deutschland nur gekürzt erhältlich, da man wohl auf eine größere Zielgruppe geschielt hat. Diese Kürzungen betreffen sowohl die ursprüngliche Kinofassung, die DVD- und die Blu-ray-Veröffentlichung des Films. Einzig die 3D-Blu-ray ist ungekürzt erschienen und wird unverschämt teuer vertrieben. Wenn man einmal davon absieht, dass die Kürzungen so oder so keinen Sinn machen, da sich der Film auch um ein paar Minuten erleichtert keineswegs für 6-jährige Kinder eignet, ist diese Veröffentlichungspolitik ein Schlag ins Gesicht aller Filmfreunde. Interessenten sei deshalb lieber gleich zur UK-Fassung geraten.

Nun jedoch zum Inhalt des Films: Im Gegensatz zu „Der König von Narnia“ und „Prinz Kaspian von Narnia“ lässt der dritte Teil der Reihe die epische Breite vermissen, die seinen noch Vorgängern innewohnte. „Die Reise auf der Morgenröte“ erzählt eine eher kleine Geschichte mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren sowie teils sehr persönlichen Momenten. Für mich wäre dies eigentlich kein Kritikpunkt, hätte man sich wirklich auf diese Aspekte konzentriert und nicht versucht möglichst jeden Zuschauertyp zu bedienen. Die Handlung wird holprig erzählt, doch gibt es viele kleine Abenteuer zu erleben, die sowohl Schauwerte bieten als auch Unterhaltungswert besitzen. An die Vorgänger gelingt es der Geschichte jedoch nicht anzuknüpfen.

Am meisten hat mich jedoch wohl die technische Umsetzung gestört. Zum einen hat 20th Century Fox das Format bei der Heimkinoauswertung von Cinemascope auf 16:9 geöffnet, was die Bildkomposition oft leider komplett zerstört. Hinzu kommt eine bzw. fehlt eine entsprechende Farbkorrektur, was den Film unglaublich flach und glattgebügelt erscheinen lässt. Selbst wenn der Film auf Video gedreht wurde, hätte man ihn mehr nach Kino aussehen lassen müssen. All diese Aspekte lassen „Die Reise auf der Morgenröte“ über weite Strecken wie einen Fernsehfilm aussehen, dessen Regisseur nur ein erstaunlich hohes Budget zur Verfügung hatte.

Auch wenn sich meine Kritik nun sehr negativ liest, so wurde ich über die knapp zwei Stunden Laufzeit ziemlich gut unterhalten. Inhaltliche Schwächen verzeihe ich dem Film dabei eher, als inszenatorische. Technisch ist Heimkinoauswertung – wenn man wirklich einen Film sehen möchte – eine kleine Katastrophe, doch ich bewerte hier schließlich nicht die Blu-ray, sondern den Film an sich – und der ist mit 6/10 Punkten noch gut bedient.

16 Gedanken zu “Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte – OT: The Chronicles of Narnia: The Voyage of the Dawn Treader

  1. Wem sagst du das? Bis zuletzt hatte ich ja noch die Hoffnung eine Sichtung von „Schöne Bescherung“ einzuschieben, doch dann kamen Kind, Weihnachtsbaum, Geschenke usw. dazwischen – aber ich kann ja schon einmal anfangen für nächstes Jahr zu planen… 😉

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  2. Dafür haben wir es dieses Jahr geschafft und wieder einmal „Schöne Bescherung“ gesehen… sogar für „Weihnachten bei Hoppenstedts“ fand sich die Zeit.

    Zum Film kann ich leider nichts sagen, da ich den ersten „Narnia“-Teil zwar noch gesehen habe und den sehr bescheiden fand. Nachdem ich aber anfing, das Buch zu lesen und gemerkt hab, was da noch so passiert in Zukunft, habe die Nachfolgefilme komplett ignoriert… Ich sag mal so: „Subtiler“ Religionsunterricht sieht anders aus.

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  3. Ja, die Hoppenstedts sind zu Weihnachten natürlich auch Pflichtprogramm. Keine Frage. „Schöne Bescherung“ hättest du ruhig mal auf deinem Blog besprechen können… 😉

    Ach ja, die christlichen Motive in der Narnia-Reihe. Kann man sich drüber aufregen, kann man aber auch lassen. Ist schließlich nicht die einzige mythologische Grundlage, die C. S. Lewis verarbeitet hat. Wenn es danach ginge, dürfte man auch kein „Star Wars“ oder „Matrix“ schauen. Insofern sollte man all diese Werke lieber als das betrachten, was sie sind: Fantasygeschichten, die eben mal ganz gerne den Erlösermythos bemühen. Ich persönlich mag mich darüber nicht aufregen.

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    • Grundsätzlich habe ich da auch kein Problem mit und es mag ja in den Narnia-Filmen auch etwas entschärft sein. Aber wenn Aslan im Buch die Kranken heilt und als Erlöser gefeiert wird, ist auch mal gut gewesen.

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      • Natürlich erinnert Aslan an den christlichen Erlöser, doch stehen stets die Abenteuer der Kinder im Vordergrund. Ich kann da nichts Schlimmes dran finden, aber ist wohl Ansichtssache…

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    • Dann solltest du auch lieber „Hamlet“ als „A Game of Thrones“ lesen. Wirklich originäre Stoffe sind selten. Insofern verstehe ich nicht, warum gerade immer Narnia so verdammt wird – zumal es sich eben nur um eine nette Fantasyreihe für ein eher jüngeres Publikum handelt und kein wirklich großes Werk des Genres.

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      • Du scheinst mich bei der Sache mit dem „Original“ falsch verstanden zu haben. Es ging mir nicht darum, dass jede Referenz, jedes Zitat oder jede inhaltliche Ähnlichkeit sofort schlecht sein muss. Mein Problem ist jetzt, ich kenne wie gesagt die Fortsetzungsfilme von „Narnia“ nicht (und somit nicht ihre Vorlagentreue) und ich weiß auch nicht, ob du die Bücher gelesen hast, von daher fällt es schwer zu argumentieren. Die Bücher bedienen sich nicht nur einer mythologischen Vorlage oder nutzen den Erlöser-Mythos nicht nur für ihre Zwecke, sie wirken in meinen Augen schon fast wie christliche Propaganda. Hier wird sich nicht der Geschichte bedient, um daraus ein gutes Buch bzw. einen guten Film zu machen, hier soll belehrt werden. Und diesen Eindruck hatte ich, um bei deinen Beispielen zu bleiben, von „Star Wars“ oder „Matrix“ überhaupt nicht. Insofern war das so zu verstehen: Wenn ich eine christliche Erlösergeschichte lesen will, nehm ich mir das Original, also die Bibel.

        Davon abgesehen, war es nicht meine Absicht, hier unter deiner Filmbesprechung so eine Diskussion zu starten… aber ich dachte mir, antworten sollte ich schon 😉

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  4. Ich habe dich, so glaube ich zumindest, schon richtig verstanden. Mir ist auch klar, dass Narnia von vielen als christliche Propaganda gesehen wird und natürlich finden sich in den Geschichten vermehrt christliche Motive. Ich kenne bislang auch nur die ersten drei Teile und weiß durchaus um den Hintergrund vor dem C. S. Lewis die Geschichten geschrieben hat, allerdings kann ich z.B. nichts Verwerflicheres daran finden Aslan als Erlöser auftreten zu lassen, als z.B. Neo in „Matrix“ (überhaupt eine Erlösergeschichte par excellence). Da finde ich Lewis‘ Ansatz sogar noch ehrlicher, der seine Inspirationsquelle – bedingt natürlich auch ideologisch – offen zelebriert. Doch wie gesagt: Muss man ja nicht mögen…

    Die Diskussion ist durchaus interessant und wurde ja zur Veröffentlichung des ersten Films auch in den großen Medien geführt. Insofern keine Überraschung. Außerdem sind die Kommentare ja zum diskutieren da, deshalb: immer gerne! 🙂

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    • Ok, damit hast du es genau getroffen: Lewis zelebriert offensichtlich seine Ideologie – und das ist mein Problem mit der Reihe. Sicherlich ist auch Neo ein Erlöser, aber nun mal nicht so biblisch. Erlöser gibt es (schätze ich) in allen Religionen, Lewis zwingt uns das Christentum gradezu auf.

      Davon abgesehen, war auch nur der erste „Matrix“-Teil gut.

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      • Stimmt. Wenn du damit ein Problem hast, dann wirst du mit der Reihe wohl nicht glücklich werden. Die Anleihen fand ich insgesamt aber auch nicht stärker, als z.B. in „Matrix“, nur eben offener. Um weiter ins Detail zu gehen fehlt mir allerdings der wohl nötige theologische Hintergrund. Beispiele gibt es sowohl in Literatur, als auch Film nämlich bestimmt zuhauf.

        Den zweiten „Matrix“-Teil fand ich auch noch recht unterhaltsam – nur der dritte konnte so gar nicht einlösen, was darin alles aufgebaut wurde. Sollte ich aber irgendwann auch noch einmal schauen, zumal ich mir neulich die Blu-ray-Box zugelegt habe.

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  5. Hehe, danke für die Worte zu den technischen Aspekten des Films. Die haben mich teilweise so sehr genervt, dass ich den Film bis heute nicht komplett sehen konnte. (Er war bis dahin inhaltlich sowieso nicht besonders prall.)

    Ich habe da auch einen interessanten Vergleich gefunden.

    Man vergleiche Mal Trailer mit Endprodukt der Blu-Ray:
    http://www.blurayreviews.ch/reviews/screenshots/chronicles-of-narnia-3/sites/0012.htm
    http://www.blurayreviews.ch/reviews/screenshots/chronicles-of-narnia-3/sites/0013.htm

    Überall toter Raum.

    Ich bin kein Technikfetischist, aber im richtigen Bildformat + Farbkorrektur, hätte zumindest mir der Film wohl wesentlich mehr spaß gemacht. ^^

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  6. Über den Vergleich bin ich auch schon gestolpert. Wirklich eine Schande, wie manche Labels ihre Filme behandeln. Dabei ist dieser Narnia-Teil noch nicht einmal sonderlich bedeutsam. Dennoch hätte er es verdient gehabt eine ordentliche Heimkinoauswertung zu erfahren.

    Inhaltlich ging er für mich durchaus in Ordnung, doch überlagern die negativen technischen Aspekte zu großen Teilen leider das Filmerlebnis.

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