Babylon A.D.

Seltsamerweise habe ich eine Schwäche für Filme, denen eine komplizierte Produktion nachgesagt wird. Auch wenn Mathieu Kassovitz‘ „Babylon A.D.“ fast nur vernichtende Kritiken eingefahren hat, war mein Interesse demnach dennoch geweckt. Zudem fallen Genre und Setting ziemlich genau in mein filmisches Beuteschema.

Eine Science-Fiction-Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt. Dreckig und realistisch sowie durchsetzt mit sozialkritischen Themen. Das hört sich doch gar nicht so verkehrt an. Vin Diesel spielt in dieser Geschichte einen Söldner, der eine junge Frau von A nach B bringen und vor den Gefahren dieser kaputten Welt beschützen soll. Kommt einem diese Handlung bekannt vor? Stimmt. Da gab es doch Alfonso Cuaróns „Children of Men“, den man aber am besten gleich wieder vergisst um „Babylon A.D.“ nicht noch schlechter aussehen zu lassen.

Die Geschichte zieht einfach nicht. Keine Spur. Die Figuren sind einem egal und die Handlung ist viel zu bruchstückhaft. Völlig belanglose Szenen werden bis zur Unendlichkeit breitgetreten und fängt der Film einmal an interessante Ansätze zu zeigen, werden diese sofort wieder ignoriert. Man freut sich förmlich auf die nächste Actionsequenz, damit überhaupt etwas vorwärts geht. Kommt die Action dann endlich, mag man gar nicht so recht glauben wie langweilig diese inszeniert wurde. Ich denke hier nur an die Schneemobil-Verfolgungsjagd. Angestaubter als in jedem „James Bond“-Film der 60er und 70er Jahre.

Irgendwann geht es auch tatsächlich mit der Handlung weiter. Pseudoreligiöser Schwachsinn gepaart mit ach so gefährlicher Bioinformatik. Hat man so ja auch noch nie gesehen. Hier verkommt der Film beinahe schon zur Karikatur seiner selbst und man weiß als Zuschauer nicht, ob man lachen oder weinen soll. Unglaublich. Der Film hat für mich gefühlte drei Stunden gedauert, dabei war die ziellose Odyssee bereits in knapp 90 Minuten abgefrühstückt. Auch eine Leistung.

Was gibt es Positives zu berichten? Die Atmosphäre war teils ganz nett und das Setdesign hatte durchaus potential. Dafür fiel mir der Soundtrack bereits nach nur wenigen Minuten auf die Nerven. Penetranter Hip-Hop, der vermutlich unterstreichen sollte, was für ein harter Typ Toorop (Vin Diesel) doch ist. Nein, mein lieber Mathieu Kassovitz, das war wohl ein Griff ins Klo. Auf ganzer Linie. Einmischungen des Studios hin oder her.

Ich kann diesen Film wirklich niemandem empfehlen. Er mag zwar seine unterhaltsamen Momente gehabt haben, doch der langweilige und uninspirierte Rest wiegt gegen diese einfach zu schwer. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass man die Vorlage immer noch nicht in deutscher Übersetzung auf den Markt geworfen hat. Muss man wirklich nicht sehen: 2/10 Punkte.

15 Gedanken zu “Babylon A.D.

  1. Ich habe den Film nicht ganz so fürchterlich wie Du in Erinnerung, die Geschichte wirkte allerdings wirklich merkwürdig fragmentiert. Manchmal scheint es, dass man Szenen aus einem Dutzend zusammenhangloser Drehbücher kombiniert hat und einfach nur den Namen der Helden vereinheitlicht hat. Schade, denn ein bis zwei der Drehbücher schienen wirklich klasse gewesen zu sein…

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  2. @huangdi: Die starke Fragmentierung ist mir auch sehr negativ aufgefallen. Leider jedoch konnte mich kein Teilaspekt wirklich packen. Entweder ist gar nichts passiert oder es wurde einem einmal wieder pseudoreligiöser Humbug verkauft. Nein, dem Film konnte ich wahrlich keine positiven Aspekte abgewinnen.

    @DarKesT: Meine Erwartungen waren auch schon nicht zu hoch, dennoch wurden sie noch unterboten. Glücklicherweise war die DVD nicht sonderlich teuer und lässt sich ganz gut wieder veräußern. Mit Blindkäufen ist das eben immer so eine Sache… 😉

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  3. Ich verfolge ja leider den eisernen Grundsatz angefangene Filme auch zu Ende zu schauen. Zumindest wenn ich die DVD im Regal stehen habe. Bei TV-Ausstrahlungen bin ich glücklicherweise gnädiger mit mir… 😉

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  4. Habe gerade mal geschaut, ich hab dem damals 5/10 gegeben. In der Nachbetrachtung vielleicht ein Punkt zuviel, aber so fürchterlich fand ich ihn nun nicht, als dass es nur 2 Pünktchen rechtfertigen würde. Du hast wohl in letzter Zeit einfach zu viel Gutes gesehen. 😉

    Wenn ich mich recht erinnere, soll der Film wohl auch stark gekürzt worden sein. Weiß aber gar nicht, ob es einen Director’s Cut gibt. Soll jedenfalls deutlich was länger sein und vielleicht gibt es dann auch alles mehr Sinn.

    Vielleicht aber auch nicht. 🙂

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  5. Gegen die anderen Film aus der letzten Zeit stinkt „Babylon A.D.“ tatsächlich kräftig ab, das stimmt. Ebenso korrekt ist, dass Mathieu Kassovitz auf Druck des Studios seinen Film enorm kürzen musste. Wir in Europa haben allerdings die bislang längste erhältliche Fassung bekommen. Auf Schnittberichte.com gibt es einen Vergleich zur gekürzten US-Version. Anscheinend ist aber noch mehr rausgefallen, doch das hätte den Film in meinen Augen wohl auch nicht gerettet.

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  6. Unsere Podcasts nehmen wir übrigens 10 Minuten nach Verlassen des Kinosaals auf, und wir haben schon gemerkt, dass wir uns viel emotionaler (und oft auch positiver) äußern als die Kritiker, die sich mit zeitlichem Abstand viele Gedanken machen und dann mit sauberen Analysen aufwarten können. Bei uns heißt es stattdessen: Von der Lung‘ auf die Zung‘ 🙂

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  7. Ja, ist ein durchaus interessantes Konzept. Meist ist der Eindruck mit etwas zeitlichem Abstand doch ein anderers, als direkt nach der Sichtung. Insofern eine nette Abwechslung von den üblichen Kritiken. Interessant auch die große Vielfalt der unterschiedlichen Eindrücke.

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