Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – OT: The Hobbit: An Unexpected Journey – Extended Edition (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ am 13. Dezember 2014, am 19. Dezember 2015 und am 25. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nach drei anstrengenden, aber schönen Weihnachtstagen war es an der Zeit für ein wenig Abwechslung. Wieso also kein Abenteuer? So ein Abenteuer, wie es Bilbo Beutlin in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ erlebt hat. Damit sich solch ein Abenteuer auch lohnt, sollte es nicht zu kurz sein, weshalb wir dieses Mal die erweiterte Route Fassung gewählt haben. Mittelerde ist schließlich immer einen längeren Besuch wert, oder etwa nicht?

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Um es kurz zu machen: Der Film konnte sowohl seine Schwächen als auch seine Stärken, die er während der ersten Sichtung offenbart hatte, ausbauen. Ich mochte den langsamen Einstieg, die vorlagengetreue Ankunft der Zwerge und Bilbos zögerliche Zusage. Auch die bedeutungsschwangeren Andeutungen, die Peter Jackson in den ersten Teil seiner Prequel-Trilogie gepackt hat, haben mir nach wie vor gut gefallen. Zugegebenermaßen lassen manche Erzählstränge den Film ein wenig aufgebläht wirken, doch insgesamt ist Jackson dadurch eine schöne atmosphärische Brücke zu seiner „Der Herr der Ringe“-Verfilmung gelungen.

Der übermäßige CGI-Einsatz und die völlig entfesselte Kamera haben mich auch bei dieser zweiten Sichtung genervt. Allerdings wusste ich bereits, was auf mich zukommt, weshalb ich dieses Mal vorbereitet war. So oder so werde ich den filmischeren Look der alten Trilogie gegenüber den oft zu digital wirkenden Bildern der Nachfolgefilme stets bevorzugen. Über Designentscheidungen, wie den Goblin-König oder den digitalen Azog, habe ich mich ebenfalls erneut geärgert. Die Szenen mit Gollum haben mich dafür abermals gepackt und begeistert. Ein wahrlich zweischneidiges Schwert, wobei die positiven Aspekte nach wie vor klar überwiegen.

Was die erweiterten Szenen angeht, so fügen sich diese angenehm in die Handlung ein. Teils werten sie den Film deutlich auf (z.B. die Szenen im Auenland oder die White Council-Erweiterung), teils sind sie unnötig (z.B. der Song des Goblin-Königs). Fanservice eben. Man hat als Käufer ja die Wahl und ich werde auch in Zukunft zur erweiterten Fassung greifen. In 2D und auf der kleineren Bilddiagonale war es übrigens deutlich einfacher die Übersicht zu behalten, als noch in der 3D-Fassung im Kino. Umso gespannter bin ich nun auf das IMAX 3D HFR-Erlebnis, das morgen mit dem Nachfolger ansteht. Ein wenig Angst habe ich auch vor den 48 fps, aber muss man wohl einmal erlebt habe.

Insgesamt hat mir „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ bei der Zweitsichtung noch ein wenig besser gefallen, als beim ersten Mal. Für einen Punktesprung reicht es allerdings noch nicht. Auf die Fortsetzung freue ich mich nun schon ungemein und hoffe, dass bis morgen nichts dazwischen kommt. Man weiß ja nie. Weihnachtszeit ist also filmisch wieder gleichbedeutend mit Mittelerde. Was habe ich das vermisst: 8/10 Punkte.

Gravity (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Gravity“ am 20. Dezember 2014 und am 27. September 2024 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Als ich heute nach dem Kino nach Hause kaum, hielt ich erst einmal inne und blickte in den Sternenhimmel. Schön, faszinierend und – wie ich seit ein paar Stunden weiß – ziemlich tödlich. Auch wenn ich es schon fast nicht mehr für möglich gehalten hatte, habe ich tatsächlich noch „Gravity“ gesehen. Und da es sich erst um meinen zweiten Kinobesuch in diesem Jahr handelte, gönnte ich mir gleich die ganz große Leinwand, sprich IMAX 3D. Ein würdiger Rahmen für Alfonso Cuaróns jüngsten Geniestreich.

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Gravity (2013) | © Warner Bros (Universal Pictures Germany GmbH)

Man kann sich dem Hype um den Film kaum entziehen – und dennoch ist es mir irgendwie gelungen, nicht einmal den Trailer zu sehen. Dafür haben etliche Blogeinträge und Podcasts die Erwartungen schier ins Unermessliche getrieben, was immer ein wenig gefährlich ist. Besonders die Aufregung um den 3D-Effekt machte mich neugierig, denn bis auf „Avatar“ und insbesondere „Prometheus“ ist 3D für mich eher ein nerviges Gimmick, das man eben aufgezwungen bekommt. Bereits bei den vorgeschalteten Trailern hatte ich eigentlich schon wieder genug davon: irrwitzige Schlachtszenen, Schnittgewitter und Effekteinlagen. Wie sollen meine verbrauchten Augen da bitte mitkommen?

Dann jedoch kamen die ersten Bilder der Erde und der unendlichen Weite des Alls. Minutenlange Kamerafahrten ohne Schnitt ermöglichten ein Aufsaugen und Erkunden der Bilder. Fantastisch. Die oft heraufbeschworene Immersion war wohl noch nie so stark, wie bei diesem Ausflug in das lebensfeindliche Nichts. Umso erstaunlicher, dass „Gravity“ nicht mit nativen 3D-Kameras gedreht wurde, sondern es sich um konvertierte 2D-Aufnahmen handelt. Ich vermute jedoch stark, dass der Film – die Schauspieler einmal ausgenommen – nahezu komplett aus dem Rechner stammt, was die exzellente 3D-Wirkung erklären dürfte. Endlich hat jemand den sinnvollen Einsatz von 3D bzw. das Zusammenspiel von 3D und Handlung verstanden.

Neben den wahrlich atemberaubenden audiovisuellen Eindrücken, ist auch die Handlung des Films äußerst mitreißend. Die nahezu komplette Konzentration auf Sandra Bullocks Charakter Dr. Ryan Stone, lässt uns ihren Überlebenskampf hautnah miterleben. Aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf – und auch wenn sich gewisse Elemente wiederholen, so bleibt man stets bei Dr. Stone und kämpft mit ihr. Einzig gewisse Monolog- bzw. Dialogszenen wirken ein wenig aufgesetzt, wofür ich aber eher die Synchonfassung verantwortlich mache. Die Geburtssymbolik mag ein wenig plakativ wirken, fügt sich jedoch sinnig in die Geschichte ein und beschert den Zuschauern am Ende wohl den kathartischen Moment des Kinojahres 2013.

Fazit

Ich bin wahrlich begeistert, was Alfonso Cuarón nach dem ohnehin schon großartigen „Children of Men“ erneut erreicht hat. Auch wenn die Geschichte nicht vor Originalität strotzt, so ist ihre konsequente Umsetzung doch erfrischend. Von audiovisueller bzw. technischer Seite müssen sich Filme in Zukunft sowieso an „Gravity“ messen lassen: großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin nun gespannt, ob eine Zweitsichtung (dann wohl in 2D auf dem heimischen TV) dem Erlebnis stark abträglich ist, oder ob die Originaltonspur noch das letzte Quentchen aus dem Erlebnis herauskitzeln kann: 9/10 Punkte.

Tribe – Season 1 to 3

Bei meiner Suche nach einer neuen Doku-Serie, bin ich über „Tribe – Season 1 to 3“ gestolpert. Natur- bzw. Tierdokumentationen der BBC (z.B. „Planet Erde“ oder „Das Wunder Leben“) sehe ich sehr gerne und demnach war ich gespannt, ob ich auch dem anthropologischen Blickwinkel des Dokumentarfilmers Bruce Parry etwas abgewinnen kann. Drei Staffeln später bleibt mir nur zu sagen: Good job, Mr. Parry!

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Insgesamt umfasst die Serie 15 Episoden, die sich in drei Staffeln mit einmal drei und zweimal sechs Episoden aufteilen. Jede Episode dauert ca. 60 Minuten und zeigt den Besuch von Bruce Perry bei einem der titelgebenden Stämme. Besuch bedeutet in diesem Fall nicht einfach nur kurz vorbeischauen, sondern einen guten Monat die Lebensweise des Stammes annehmen und unter den gegebenen Bedingungen zu leben. Dabei gliedert sich Parry meist in eine der Familien ein und wird wie ein Stammesmitglied behandelt. Durch diese komplette Immersion bekommt man auch als Zuschauer einen sehr unmittelbaren Eindruck von der Lebensweise der unterschiedlichen Stämme.

Parry hat dabei eine sehr angenehme und positive Art mit den Stammesmitgliedern zu kommunizieren – auch wenn er sich meist nur durch einen Übersetzer mitteilen kann. Gesten und Handlungen gewinnen in dieser Welt viel stärker an Bedeutung. Von Jägern und Sammlern im Urwald, über abgeschiedene Inselvölker bis zu Nomaden im ewigen Eis – die Vielfalt der unterschiedlichen Lebensweisen ist beeindruckend. Parry nimmt auch stets Bezug auf die sich verändernden Bedingungen bzw. Einschnitte, die durch die westliche Zivilisation auf die verschiedenen Stämme hereinbrechen. Dabei erklärt er stets beide Seiten und spricht sowohl die Gefahren (z.B. Identitätsverlust, Aufgabe von Tradition und Wissen, Ausbeutung von Ressourcen) als auch die Möglichkeiten (z.B. medizinische Versorgung, Selbstbestimmung) an.

Beim Sichten der Serie hatte ich häufig das Gefühl, dass die gezeigten Menschen glücklicher sind – obwohl oder gerade weil sie nicht die Vorzüge der uns bekannten Zivilisation genießen. Sie arbeiten, um zu überleben. Dieses Leben ist oft hart und anstrengend, doch es werden keine Rohstoffe verschwendet und keine Zeit vergeudet. Familie und Tradition stehen im Vordergrund. Auch wenn die gezeigten Lebensumstände oft fremd und ungewöhnlich erscheinen mögen, so habe ich mich nach den jeweils 60 Minuten doch stets heimisch gefühlt und konnte den einzelnen Dokus immer wieder neue Aspekte abgewinnen. Wirklich beeindruckende und teils nachdenklich machende Unterhaltung. Großartig: 9/10 Punkte.

Extreme Frontiers: South Africa (Charley Boorman’s South African Adventure)

Es war einmal wieder soweit und Charley Boorman hat sich zu einem neuen Abenteuer aufgemacht. Dieses Mal ging es nach Südafrika, wo unser wackerer Abenteurer so manche Extremsituation zu meistern hatte. Ob die Reisedoku ihrem Titel „Extreme Frontiers: South Africa“ somit tatsächlich gerecht wird, oder ob der gemütlicher klingende Alternativtitel „Charley Boorman’s South African Adventure“ eher Programm ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wie bereits „Extreme Frontiers: Racing Across Canada“ ist auch der Ausflug nach Südafrika in vier kurze Episoden unterteilt. Fand ich die Zeit bereits beim Vorgänger deutlich zu knapp bemessen, wiegt dieser Umstand im aktuellen Fall noch schwerer: Charley scheint von einem Ereignis zum nächsten zu hetzen und mögliche Highlights, wie z.B. der Besuch des Kruger National Parks, werden in nicht einmal 10 Minuten abgehandelt. Hinzu kommen etliche historische Gegebenheiten, die zwar grob nacherzählt werden, doch aufgrund der oberflächlichen Behandlung keinen wirklichen Mehrwert für den Zuschauer darstellen – dem Reiseerlebnis eher abträglich.

Spaß gemacht hat die Reise trotz meiner Kritikpunkte auf jeden Fall, wenngleich die Herausforderungen für Charley meist so enden, dass im Vorfeld viel Wind um nichts gemacht wird und die Extremsituationen a) recht einfach zu bewältigen sind oder b) abgebrochen werden müssen. Ein amüsanter Trip durch Südafrika, der das Potential des Landes leider nicht komplett nutzt: 7/10 Punkte.

DREDD (2012)

Auch wenn ich heute bereits auf dem Rückweg von der Arbeit hätte einschafen können (was schlecht gewesen wäre, denn ich fahre mit dem Auto), habe ich mich noch zu einer Filmsichtung aufgerafft, denn schließlich hat es schon zu lange keine neue Filmbesprechung mehr gegeben. Die Auswahl war schnell getroffen und somit fand der 2012er Sci-Fi-Actioner „DREDD“ mit angenehmen 95 Minuten Laufzeit seinen Weg in den Player…

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Zunächst muss ich vorausschicken, dass ich weder die Comicvorlage kenne, noch ich mich gut an das 1995er Sylvester Stallone-Vehikel erinnern kann. Den Trailer zur aktuellen Version fand ich aufgrund der eingesetzten Extremzeitlupe visuell interessant und angenehm kompromislos. Zwei Aussagen, die so auch auf den gesamten Film zutreffen. Die Optik ist teils wirklich beeindruckend und ich fand die düstere Zukunftswelt von Mega City One – trotz verhältnismäßig geringem Budget – imposant und glaubwürdig dargestellt. Die Extremzeitlupen funktionieren auch im Film tadellos und ich hätte gerne mehr davon gesehen.

Von der Handlungsseite her gesehen, geht es für unsere zwei Judges nach kurzer Einführung in das Setting auch schon gleich zur Sache. Es wird wild geballert, Gefangene werden dabei nicht gemacht. Angenehm erwachsene Sci-Fi-Action. Wirklich nett. Leider jedoch bleiben die Charaktere völlig hinter den Schauwerten und der mitreißenden Action zurück. Es liegt bestimmt nicht (nur) am Helm, doch mit Judge Dredd wurde ich einfach nicht warm. Selten war mir eine Figur so egal. Auch die gleichförmig grimmige Kinnpartie schien mir auf Dauer doch etwas anstrengend. Es mag der Vorlage geschuldet sein, doch irgendwie wollte das für mich nicht funktionieren – zumal andere Judges anscheinend durchaus gewisse menschliche Regungen zeigen. Judge Dredd dagegen schien eher „Der Terminator“ Konkurrenz machen zu wollen und Anderson war, obwohl sie durchaus Potential besaß, als Gegenpol leider zu schwach.

Eine Bewertung fällt mir nun nicht leicht: Einerseits mochte ich das Setting, die Optik und die Action, andererseits war die Handlung etwas ermüdend und die Charaktere blieben mir fern. Für die Dauer der Sichtung durchaus ein spaßiges Vergnügen, doch lange vorhalten wird „DREDD“ bei mir nicht. Durchaus mit der Option zur Aufwertung, sollte ich einmal nicht so müde sein: 6/10 Punkte.

Der Blender: The Imposter – OT: The Imposter (2012)

Nach einer langen Woche habe ich mich dennoch dazu durchgerungen einmal wieder einen Film anzuschauen. Nach den Louis Theroux-Dokus, stand erneut eine Empfehlung des Celluleute-Podcasts auf dem Programm: „Der Blender: The Imposter“ ist nach einiger Verzögerung nun auch bei uns auf DVD erhältlich und ich bin dank eines Gewinnspiels des Zeilenkinos auch endlich in den Genuss gekommen – und ein solcher ist Bart Laytons Film zweifellos.

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Obwohl ich mich sehr auf den Film freute, war ich doch ein wenig skeptisch, da ich einerseits bereits (zu) viel von der Geschichte wusste und andererseits mit Spielszenen in Dokumentarfilmen eher wenig anfangen kann. Doch schon bald sollte sich herausstellen, dass „The Imposter“ trotz vermeindlicher Kenntnis des Ablaufs und der Dramatisierung ausgezeichnet funktioniert. Die Geschichte und ihre Figuren ziehen einen in ihren Bann und man kann aufgrund der abstrusen Geschehnisse teils nur ungläubig den Kopf schütteln. Wäre dies ein fiktiver Film gewesen, so hätte ich das Drehbuch wohl bereits nach ein paar Minuten als unglaubwürdig abgestraft.

Im Grunde handelt der Film von Identitätsdiebstahl, einem Familiendrama und einer damit verwobenen Kriminalgeschichte. Die Konstellation der einzelnen Elemente und die Art, wie die relevanten Personen agieren, hat man so allerdings noch nie gesehen. Unglaublich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Durch Laytons geschickte Art Interview- mit Spielszenen zu kombinieren, fühlt man sich oft eher in einen absurden Thriller versetzt. Diese Technik funktioniert erstaunlich gut, da man nie das Gefühl hat zum Narren gehalten zu werden. Die Spielszenen unterstützen einzig und allein das Kopfkino, welches die Talking Heads hervorrufen, und ziehen den Betrachter noch stärker in die Geschichte hinein.

Am Ende bleibt man ein wenig unschlüssig zurück. Beide Varianten der Geschichte scheinen in diesem seltsamen Universum möglich. Eines ist auf jeden Fall sicher: Der titelgebende Blender Frédéric Bourdin schafft es auch den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. In diesem Sinne sei euch ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm ans Herz gelegt, der es in Sachen Spannung mit den meisten fiktiven Thrillern aufnehmen kann: 9/10 Punkte.

James Bond 007: Ein Quantum Trost – OT: Quantum of Solace (2008)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ am 1. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem ich vor zwei Tagen meiner Erinnerungen an „Casino Royale“ aufgefrischt habe, war es an der Zeit mir erstmalig die direkte Fortsetzung „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ anzusehen. Der Film wird unter den Bond-Fans gemeinhin als schwächster der Craig-Ära angesehen, weshalb meine Erwartungen von Beginn an ein wenig gedämpft waren. Konnte mich Marc Forsters Film dennoch überzeugen?

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ungewöhnlich für Bond ist „Quantum of Solace“ eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse des Vorgängers. Für mich als Freund des seriellen Erzählens also ein dicker Pluspunkt. Inszenatorisch versucht Forster – noch mehr als Martin Campbell mit „Casino Royale“ – James Bond in der heutigen Zeit zu verankern und biedert sich stark an moderne Sehgewohnheiten an, d.h. Bond wirkt über weite Strecken eher wie Jason Bourne, was sich auch in einer übertriebenen Wackelkamera zeigt. Dennoch macht es weiterhin Spaß Daniel Craig in der Rolle des 007 zu sehen. Man hätte nur nicht auf Teufel komm raus versuchen sollen alles anders machen zu wollen.

Inhaltlich hatte ich mir eine mitreißende Rachegeschichte erhofft. Bond sinnt auch auf Rache, doch verpufft diese emotional leider größtenteils. Vielleicht hätten sowohl „Casino Royale“ als auch „Quantum of Solace“ gewonnen, wenn man die letzten 20 Minuten des ersten Films direkt vor den zweiten gepackt hätte. In seiner aktuellen Form hat mich der Film dem Geschehen leider recht unbeteiligt zuschauen lassen. Dabei gab es ein paar tolle Schauplätze zu bestaunen, deren Vielfalt tatsächlich an die alten Bond-Filme erinnert hat. Mein Favorit ist hier die Opernszene in Bregenz. Eine tolle Idee, die zudem sehr schön inszeniert wurde.

Das Finale, das eigentlich den Höhepunkt der Rache hätte darstellen müssen, verpufft leider vollkommen. Selbst für mich, als Zuschauer, der den Vorgänger erst vor ein paar Tagen gesehen hatte, war Vesper nur noch ein Name und die nicht wirklich ausgeübte Rache hing seltsam bedeutungslos in der Luft. Dabei hätte die Geschichte durchaus Potential gehabt und gerade Wasser als Motiv des Bösewichts zu benutzen, schien mir besonders gelungen. Man hätte mehr daraus machen müssen.

Fazit

Letztendlich ist „Ein Quantum Trost“ kein schlechter Film. Doch eben auch kein wirklich guter. Bond-Feeling kommt selten auf und die schönen Schauplätze können über die unbefriedigende Rachegeschichte leider auch nicht hinwegtäuschen. Schade also, dass der Fortsetzungscharakter verschenkt und so nur ein netter Actionfilm daraus wurde: 6/10 Punkte.

James Bond 007: Casino Royale (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Casino Royale“ am 22. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einem äußerst zermürbenden Tag, fiel mir die Filmwahl heute ziemlich schwer. Letztendlich entschied ich mich dafür, meine Erinnerungen an „James Bond 007: Casino Royale“ aufzufrischen, da inzwischen beide Nachfolger im Regal stehen und auf ihre Sichtung warten. Zudem wollte ich mich nicht auf unbekanntes Terrain begeben, da es um meine Konzentration nicht mehr sonderlich gut bestellt war…

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Casino Royale (2006) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ich war erstaunt, wieviel von der Erstsichtung vor ca. 2 Jahren ich bereits wieder vergessen hatte. Sehr gut konnte ich mich noch an die einzelnen Actionszenen und die Casino-Sequenz erinnern, doch die Rahmenhandlung kam mir nur noch in Bruchstücken bekannt vor. Dies mag auch daran liegen, dass sie letztendlich austauschbar ist und – sieht man einmal vom letzten Drittel ab – in ähnlicher Form über die Jahre bereits ein paar dutzend Mal zu sehen war: Ein Bösewicht mit außergewöhnlichen körperlichen Merkmalen, eine Verschwörung, heiße Frauen und ein Actionheld, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben scheint. Sicher alles viel moderner inszeniert, als in den vergangenen Jahrzehnten, doch irgendwie auch typisch Bond bzw. Agententhriller.

Selbst die als stets so realistisch beschriebene Action ist ähnlich übertrieben und comichaft, wie in den alten Filmen, nur eben moderner inszeniert – und ohne Raumstationen, Unterwasserlabore und Kätzchen auf dem Arm der Bösewichte. Ich muss zugeben, dass mir diese Art von Bond in den ersten beiden Dritteln – die Folterszene einmal ausgenommen – wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Im letzten Drittel verrennt sich der Film etwas in seiner Liebesgeschichte, die jegliche, zuvor durchaus vorhandene, Spannung zwischen Bond und Vesper Lynd (die bezaubernde Eva Green) vermissen lässt. Der Plot wird zudem undurchsichtiger und in seiner Dramaturgie holprig. All das will modern wirken und den Figuren Tiefe geben, doch letztendlich hätte ich lieber mehr vom klassischen, neuen Bond gesehen.

Fazit

Wie bereits bei der ersten Sichtung teilt sich meine Wahrnehmung von „Casino Royale“ in zwei Teile: die wirklich fantastisch unterhaltsamen ersten zwei Drittel und das etwas aufgesetzt wirkende Finale. Insgesamt ein erfrischender Neustart der Reihe, der viel Spaß macht und meine Vorfreude auf die beiden Nachfolger kräftig anschürt. Zudem eignet er sich durchaus zum wiederholten Anschauen, was stets ein gutes Zeichen ist: 8/10 Punkte.

The Dark Knight Rises (2012)

Was war das im vergangenen Jahr wieder für ein Hype um den neuen Batman-Film. Nach dem Kinostart hörte man dann größtenteils enttäuschte Stimmen. Obwohl ich die ersten beiden Teile der Superheldentrilogie beim zweiten Durchgang wirklich zu schätzen gelernt habe, ließ ich mir mit meiner Sichtung von „The Dark Knight Rises“ erst einmal Zeit. Inzwischen hat sich der Staub gelegt und somit konnte ich mir nun endlich eine eigene Meinung bilden…

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Die Erwartungen waren hoch, keine Frage. Ich weiß jetzt noch, wie überrascht ich damals war, dass „The Dark Knight“ alle Rekorde brach. Sicher hatte auch schon „Batman Begins“ das Genre aufgewirbelt, doch erst der Nachfolger öffnete – vermutlich zusammen mit „Iron Man“ – dem Genre alle Türen. Superheldenfilme waren nun nicht mehr nur für die Geeks und Comicleser interessant, sondern in der breiten Masse angekommen. Besonders Nolans realistischer Ansatz schien auf fruchtbaren Boden zu fallen und somit erwartete mit „The Dark Knight Rises“ wohl jeder Typ von Zuschauer den perfekten Abschluss seiner Superheldentrilogie.

Wäre Christopher Nolans Trilogie eine TV-Serie, dann wäre – so hart es klingt – der zweite Teil von vielen Zuschauern wohl als reine Füllepisode wahrgenommen worden. Zwar mit wichtiger Charakterentwicklung, doch für die übergreifende Handlung eher unwichtig. Eigentlich. „The Dark Knight Rises“ schlägt viel mehr Brücken zum ersten Teil, sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Bane ist eine Bösewicht mit Motivation, das macht ihn einerseits langweiliger, als den grandiosen Joker, andererseits aber auch bedeutsamer. Weiterhin wird der Mythos weitergesponnen und Schauplätze, wie The Pit, oder Bösewichte, wie die League of Shadows, sind eher fantastisch angehaucht und stellen somit engere Bezüge zu „Batman Begins“ dar, was mir durchaus gefallen hat.

Aus „The Dark Knight“ entliehen sind dagegen aktuelle sozialpolitische Themen und die Bedeutsamkeit, mit der die Handlung erzählt wird. Auch wenn man die Geschichte bestimmt knapper hätte erzählen können, so fand ich sie jedoch nicht übermäßig komplex oder zerfahren, wie ich in einigen Kritiken gelesen hatte. Ich konnte der Handlung stets folgen und gelangweilt wurde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Sicher gibt es einige Zufälle und dramaturgische Schwächen, doch sehe ich Nolans Batman-Filme auch immer noch als das, was sie sind, nämlich Comicverfilmungen.

Mal abgesehen von dem großen Hype und enttäuschten Erwartungen, ist „The Dark Knight Rises“ ein absolut gelungenes Finale der Trilogie. Mitreißend, spannend und unterhaltsam. Qualitativ nehme ich den Film in etwa so wahr, wie die ersten beiden Teile bei meinen ersten Sichtungen, das heißt auch für das Finale besteht durchaus noch Steigerungspotential: 8/10 Punkte.

Wer ist Hanna? – OT: Hanna (2011)

Nach einer 60-Stunden-Woche (zugegebenermaßen in zwei Jobs) war mein Kopf gestern Abend eigentlich nicht mehr sonderlich aufnahmefähig, doch die neuen Filme stapeln sich und somit habe ich „Wer ist Hanna?“ in den Player geschoben. Ich hatte sehr gemischte Meinungen darüber gelesen, fand jedoch den Trailer interessant genug, um mich zu einer Sichtung hinreißen zu lassen…

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Erwartet hatte ich im schlimmsten Fall eine uninspirierte Kopie von „Die Bourne Identität“, sprich einen weiteren Agententhriller nach Schema F. Auf die Geschichte trifft das auch zu und die gesamte Handlung fände wohl auf einer Briefmarke Platz. Für mich ist „Hanna“ – so der Originaltitel – jedoch einer der wenigen Filme, die sich hauptsächlich durch ihre formalen Merkmale definieren – und, was selten vorkommt, dennoch exzellent funktionieren. Hinzu kommt die titelgebende Hauptfigur, die den Film meiner Meinung nach mühelos trägt, da man diese fremdartige und seltsam künstlich wirkende Welt durch ihre Augen kennenlernt. Eine fantastische Leistung von Saoirse Ronan (Susie Salmon, „In meinem Himmel“).

Man könnte erwarten, dass durch die überstilisierte Inszenierung im Zusammenhang mit dem hypnotischen Elektroscore von THE CHEMICAL BROTHERS – der Jugend der 90er noch durch ihren Hit BLOCK ROCKIN‘ BEATS bekannt – eine große Distanz zu den Charakteren aufgebaut wird, doch überraschenderweise wirken diese sehr lebendig und innerhalb ihrer stilisierten Welt glaubwürdig. Überhaupt ist die märchenhafte Atmosphäre die ganz große Stärke des Films, da sie uns auf eine Wahrnehmungsebene mit Hanna bringt.

Wie soll man also „Wer ist Hanna?“ am besten beschreiben? Agententhriller? Roadmovie? Actionfilm? Irgendwie etwas von all dem und doch dominiert kein Element die anderen eindeutig. Der Film passt in keine Schublade und wenn man ihn in eine stecken wollte, müsste man für diese wohl die Kategorie Actionmärchen erfinden. Auch wenn der Film inhaltlich nicht besonders ausgefeilt ist, so überzeugt er doch durch seine Charaktere und kann durch seine formalen Aspekte beeindrucken. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Sichtung: 8/10 Punkte.