Was für eine Woche. Eigentlich hatte ich mich auf einen entspannten Filmabend im Familienkreis gefreut, doch aufgrund familiärer Unstimmigkeiten blieb den Kindern der heutige Freitagsfilm verwehrt. Sehr schade, doch somit konnte ich mit „She Said“ endlich einmal wieder einen Film vom Stapel für Erwachsene abarbeiten. Ich war extrem gespannt, wie die Geschichte um den Weinstein-Fall dramaturgisch adaptiert worden war. Sehr gelungen, das kann ich schon einmal vorausschicken… 📰

She Said (2022) | © Universal Pictures Germany GmbH
Eine extrem packende und wichtige Geschichte
Filme (z.B. „Spotlight“) oder Serien (z.B. „The Newsroom“), die journalistisches Arbeiten ins Zentrum ihrer Geschichte stellen, finde ich stets sehr interessant. Vielleicht weil es eine Zeit in meinem Leben gab, in der ich gerne Journalist geworden wäre. Heute kann ich sagen, dass ich nie die Hartnäckigkeit besessen hätte, die dafür nötig ist. So wie Megan Twohey und Jodi Kantor, die beiden Journalistinnen, welche die sexuellen Missbräuche Harvey Weinsteins ans Tageslicht gefördert haben. Maria Schrader erzählt in „She Said“ ihre Geschichte und fängt Journalismus dabei als oft nüchternen, langwierigen und doch spannenden und wichtigen Prozess ein. Ich war wirklich erstaunt, wie sehr ich mitgefiebert habe, obwohl das Ergebnis von Vornherein klar war und der Film auch ruhig und unaufgeregt inszeniert wird. Inhalt, Drehbuch und Schauspiel reichen völlig aus, um den Wert und die Relevanz dieser Geschichte zu transportieren.
Schon alleine der Einstieg ist brillant, wenn wir nach dem, für diesen Film fast schon reißerischem, Cold Opening hunderte verschiedener Frauen im Stadtbild New York Citys sehen. Vor dem Hintergrund des Films blicken wir auf ebenso viele mögliche Geschichten und Schicksale. Dabei gelingt es Maria Schrader fabelhaft, Frauen nicht als wehrlose Opfer darzustellen. Sie sind eindeutig, und damit vor allem Megan Twohey und Jodi Kantor, die Heldinnen des Films. Harvey Weinstein dagegen kein Gesicht zu geben und eher durch die Zeugenaussagen zu charakterisieren ist ein weiterer geschickter Schachzug. Es geht hier um die Geschichten und Schicksale dieser Frauen und da passt es auch wunderbar ins Bild, dass der Film mit Veröffentlichung des Artikels einfach vorbei ist. Fast schon journalistisch nüchtern.
Fazit
Mir hat „She Said“ ausgezeichnet gefallen. Der Film zeigt deutlich, wie wichtig und auch anstrengend journalistisches Arbeiten ist. Daraus einen unterhaltsamen Film zu zaubern, der nicht auf Taschenspielertricks setzt, sondern Geschichte und Figuren sprechen lässt, ist durchaus eine Kunst. Sollte man definitiv gesehen haben, wenn man sich auch nur annähernd für diesen Fall interessiert: 9/10 Punkte.








