Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Two Towers (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ am 27. Dezember 2016 und am 1. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Damals im Kino konnte mich Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ nicht so sehr begeistern, wie sein direkter Vorgänger. Kein Wunder, hatte dieser für mich das Fantasygenre auch komplett neu definiert. Doch inzwischen ist der Mittelteil der Geschichte mit jeder Sichtung des Special Extended Edition stetig gewachsen und fügt sich qualitativ nahtlos in die Trilogie ein.

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Hat „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ noch eine eher persönliche Fantasygeschichte erzählt und konnte man das epische Ausmaß nur erahnen, so erweitert „Die zwei Türme“ Tolkiens Mittelerde um gewichtige Persönlichkeiten und ihr Reich. Die politische und strategische Bedeutung von Rohan und Gondor rückt immer mehr in den Fokus des Geschehens. Man merkt, wie viele Menschen tatsächlich an das Schicksal des Rings gebunden sind. Hier geht es um mehr, als nur die Waffe des Feindes – hier geht es um den Feind selbst.

Neben der Verdeutlichung des Schicksals von Mittelerde steht jedoch immer noch die persönliche Reise eines kleinen Hobbits im Vordergrund. Frodo und Sam treffen auf Gollum und müssen sich nicht nur mit den Widrigkeiten ihrer Aufgabe, sondern vor allem mit sich selbst und ihrer Bürde auseinandersetzen. Damals wie heute ist es für mich unglaublich, wie lebensecht die Darstellung Gollums gelungen ist. Ein vollwertiger Charakter. Menschlich. Perfekt zu sehen in der grandiosen Visualisierung seiner Schizophrenie. Ein Meilenstein für das digitale Kino.

Der dritte Handlungsstrang begleitet Merry und Pippin bei ihrer Reise nach Isengard. Hier steht vor allem die Ökobotschaft im Vordergrund, die ein beständiges Thema in Tolkiens Trilogie ist. Personifizierte Bäume zerstören die Quelle der Industrialisierung bzw. der Rüstungsindustrie und erobern ihr Land zurück. So flach sich dies in der reinen Beschreibung anhören mag, so visuell beeindruckend ist diese ungewöhnliche Schlacht jedoch. Zudem mag ich die ruhigen Szenen zwischen Baumbart und den beiden Hobbits.

Durch die drei parallel erzählten Handlungsstränge wird die Geschichte nie langweilig. Wohldosierte Höhepunkte zeugen zudem von einem guten Gespür für Timing, was der Romanvorlage durch ihre starre  Erzählstruktur zu großen Teilen leider abgeht. Irgendwann werde ich mich dennoch noch einmal daran wagen, denn trotz der enormen Laufzeit konnten im Film bestimmt nicht alle erzählenswerten Geschehnisse der Geschichte wiedergegeben werden.

„Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ leidet für mich heute kaum noch daran der Mitteilteil einer Trilogie zu sein. Die Geschichte wirkt absolut rund und ich habe mich wirklich zu keiner Sekunde gelangweilt. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist zudem noch weiter angewachsen. Ein wahrlich fantastischer Film: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Sam: ‚Those were the stories that stayed with you. That meant something, even if you were too small to understand why. But I think, Mr. Frodo, I do understand. I know now. Folk in those stories had lots of chances of turning back, only they didn’t. They kept going. Because they were holding on to something.‘

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Special Extended Edition – OT: The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ am 16. Dezember 2016 und am 29. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Peter Jacksons monumentale Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Fantasyklassiker „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ist ohne Zweifel der Film des neuen Jahrtausends, den ich bisher am häufigsten gesehen habe. Neben zwei Kinobesuchen war die gestrige Sichtung auch schon die fünfte der Special Extended Edition. Stets in der Weihnachtszeit. Stets ein persönliches Highlight. Stets ein Event.

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Ich erinnere mich noch gut an die Vorfreude auf den Kinostart des Films. Als bekennender Peter Jackson-Fan hatte ich damals jeden winzigen Schnipsel an Information verschlungen. Das Internet wurde von mir beständig nach neuen Fotos durchforstet und der erste Trailer hat mich sprachlos zurückgelassen – das alles wohlgemerkt noch ohne DSL. Inzwischen sind drei Jahre seit der letzten Sichtung vergangen. Die Weihnachtszeit war stets zu überfüllt und ich hatte nicht genug Ruhe in mir, um mich völlig auf den Film einzulassen. Auch gestern hat mich die Arbeit unterbewusst noch viel zu sehr beschäftigt, doch schon bald hat die filmische Magie wieder zu wirken begonnen.

J. R. R. Tolkiens Romanvorlage ist mir zu diesem ersten Teil der Saga noch vertraut. Dennoch kann ich ihr nicht diesen beinahe schon unfehlbaren Kultstatus zusprechen, den ihr die meisten Fans einräumen. Ich bin auch nie über die erste Hälfte von „Die zwei Türme“ hinausgekommen, war mir Tolkiens Erzählweise doch oft zu weitschweifig und unfokussiert. „Der Hobbit“ zählt dagegen zu meinen Lieblingsbüchern. Insofern halte ich Peter Jacksons entschlackte Adaption der Geschichte für mehr als nur gelungen. Hier stimmt für mich von Tempo über Atmosphäre bis hin zu Casting und Score einfach alles. Man merkt, dass hier ein Fan der Vorlage am Werk war. Ein Fan, der das Medium Film versteht und somit beiden Erzählformen Tribut zollen kann.

Im Gesamtkontext war „Die Gefährten“ lange mein liebster Teil der Trilogie. Ich liebe die idyllische Darstellung des Auenlandes. Die Flucht vor den Ringgeistern. Das magische Bruchtal. Die Minen von Moria gehören auch heute noch zu meinen Lieblingsschauplätzen. Howard Shores THE BREAKING OF THE FELLOWSHIP ist mein Lieblingsstück aus dem gesamten Score. Unzählige magische Momente. Dennoch hat für mich mit den letzten Sichtungen besonders „Die zwei Türme“ an Qualität gewonnen, was dem ersten Teil der Trilogie seinen Status als herausragende Exposition jedoch nicht nimmt.

Für mich ist Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ immer noch der Archetyp eines Fantasyfilms. Zusammen mit seinen beiden Nachfolgern erreicht er einen Status in seinem Genre, welcher ihm noch in 10 Jahren zugesprochen werden wird. Für mich die perfekte Kinomagie: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Gandalf: ‚All we have to decide is what to do with the time that is given to us.‘

Mimic (1997)

Es gab eine Zeit, da bin ich so oft ins Kino gegangen dass selbst unscheinbare Horrorfilme wie „Mimic“ auf dem Programm standen. Heute dagegen würde Guillermo del Toros wunderbarer Insektenschocker leider völlig unbemerkt an mir vorbeiziehen. Ein Film also, den ich stets mit meinen goldenen Kinojahren verbinden werde.

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Natürlich ist der Film alles andere als das, was man allgemein als großes Kino bezeichnen würde. Die Mischung aus Wissenschaftsthriller und Tierhorror vermag vermutlich auch nur Genrefans zu begeistern – und da ich mich zu diesen zähle, funktioniert del Toros US-Frühwerk für mich heute noch genauso gut wie damals. Ein pseudowissenschaftlicher Unterbau, tolle Monstereffekte und eine grandiose Atmosphäre – viel mehr muss ein Monsterfilm für mich gar nicht besitzen.

Leider ist das Bild der deutschen DVD dermaßen schlecht, dass man in den dunklen U-Bahntunneln außer Pixelbrei oft nicht wirklich etwas erkennt. Da müsste dringend einmal Abhilfe her! Doch selbst mit den technischen Einschränkungen hat mir „Mimic“ wieder sehr viel Freude bereitet – und mich an eine Zeit zurückdenken lassen, in der es keinen hochgejubelten Blockbuster brauchte, um mich ins Kino zu locken: 7/10 Punkte.

The Good German

Bei manchen Filmen weiß man nicht so genau, was man erwarten kann. So hätte Steven Soderberghs „The Good German“ ein voller Erfolg oder ein kompletter Reinfall werden können – die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

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Zunächst einmal muss man natürlich auf den audiovisuellen Stil eingehen, prägt dieser den Film doch maßgeblich. Soderbergh hat es geschafft einen Film zu drehen, der aussieht als würde er direkt aus den 1940er Jahren stammen. Würden nicht aktuelle Schauspieler – wie George Clooney oder Cate Blanchett – die Straßen des zerstörten Berlin durchstreifen, könnte man tatsächlich meinen einen Film aus längst vergangenen Tagen zu sehen. Inklusive unruhigem Bildstand und herrlich altmodischem Score.

So beeindruckend und atmosphärisch die audiovisuelle Komponente auch ist, so enttäuschend ist leider die Handlung. Zu undramatisch um als Drama durchzugehen, zu wenig Spannung um als Thriller zu funktionieren. Weder Fisch noch Fleisch. Über weite Strecken plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne auch nur annähernd mitzureißen. Ansätze sind zwar durchaus vorhanden, doch letztendlich versagt das Drehbuch über weite Strecken. Wirklich schade.

Vielleicht hätte Soderbergh versuchen sollen eine originellere Geschichte zu erzählen. Die Inszenierung geht für mich völlig in Ordnung, doch inhaltlich hätte es einfach mehr benötigt als die Vorbilder zu kopieren – besonders wenn so penetrant „Casablanca“ gerufen wird, wie in den letzten Szenen. Letztendlich bleibt ein formal gelungener Film mit einem fantastischen Score und einer leider ziemlich langweiligen Geschichte: 6/10 Punkte.

Das Ding aus einer anderen Welt – OT: The Thing (1982)

Welchen Film schaut man sich am besten an einem eingeschneiten Sonntagnachmittag an? Da gibt es zwar einige Alternativen, doch John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ sollte ganz oben auf der Liste stehen. Die winterliche Umgebung kann somit die dichte Atmosphäre des Films noch zusätzlich unterstreichen.

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Für mich war die heutige Sichtung eine Premiere. Endlich konnte ich wieder einmal eine filmische Bildungslücke schließen, wofür ich weder Kosten noch Mühen gescheut habe. Leider wird einem der Zugang zu Carpenters Remake des 50er Jahre Klassikers durch die wunderbaren Jugenschutzmaßnahmen des Deutschen Staates seit jeher erschwert. Doch das ist ein anderes Thema. Zum Glück wirkt der Film auch heute – nach immerhin 26 Jahren – noch ziemlich frisch.

Die Geschichte ist mir nicht ganz unbekannt, bin ich doch bestens vertraut mit einem weiteren Remake des Stoffes: Der „Akte X“-Episode „Eis“, welche die nahezu identische Prämisse aufgreift und in die Serienhandlung einfügt. In Bezug auf die Atmosphäre des Films hatte ich somit ein kleines Déjà-vu, was durchaus als Kompliment (für beide Interpretationen) zu verstehen ist. Carpenters „The Thing“ lebt von dieser Atmosphäre. Würde sich die Geschichte nicht an diesem verlassenen Außenposten im ewigen Eis zutragen, würde der Film nicht funktionieren. Selten konnte sich der Handlungsort so sehr in den Vordergrund spielen, wie in diesem Film.

Neben der Umgebung kann vor allem die paranoiagetränkte Atmosphäre überzeugen. Diese Handlungselemente wurden formidabel in die Geschichte eigebettet und ich hätte mir fast noch einen stärkeren Fokus auf sie gewünscht. Nicht dass ich keinen Gefallen an den wunderbar altmodischen (im absolut positiven Sinne) Effekten gefunden hätte, doch glaube ich dass eine ausgewogenere Gewichtung dem Film zugute gekommen wäre. Besonders das Finale wirkte wie der typische Endkampf mit einem – wie sollte es anders sein – Riesenmonster.

Nach der heutigen Sichtung bin ich wahrlich beeindruckt von der dichten Atmosphäre des Films, welche zu großen Teilen wohl auch Ennio Morricones wunderbarem Score zu verdanken ist. Dennoch schafft es „Das Ding aus einer anderen Welt“ nicht meinen Lieblingsgenrefilmen (z.B. „ALIEN“) das Wasser zu reichen. Vermutlich hätte ich dazu bereits mit dem Film aufwachsen müssen. Alles in allem ein wirklich gelungener Sci-Fi-Schocker, der zurecht zum Pflichprogramm für Genrefans gezählt wird: 8/10 Punkte.

Cypher

Gestern Abend habe ich nach langem Überlegen einmal wieder einen Film aus der Anfangszeit meiner DVD-Sammlung angesehen. Vincenzo Natalis „Cypher“ ist ein eher unbekannter Sci-Fi-Thriller, der Vergleiche zu Genrehits wie „Equilibrium“ jedoch nicht zu scheuen braucht.

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Beeindruckend ist vor allem die erste Stunde des Films. Eine sehr ruhige, ausdrucksstarke Inszenierung wird mit einer Handlung gepaart, die Philip K. Dicks Kurzgeschichten entsprungen scheint. Düster und faszinierend. Die dabei vorherrschende Kälte und Distanz findet ihren Ausdruck in faszinierenden Bildern. Bis hier wirklich großes Kino.

In der letzten halben Stunde kippt der Film leider etwas und Actionsequenzen halten Einzug in die zuvor so faszinierende Zukunftswelt. Plötzlich verliert die Inszenierung an Ausdruckskraft und obwohl die finale Wendung wirklich zu überraschen vermag – selbst bei der zweiten Sichtung – kann sie emotional nicht überzeugen. Die letzten Minuten wirken dann nur noch aufgesetzt und beinahe schon lächerlich. Schade.

Über weite Strecken ist „Cypher“ ein wahres Genrejuwel, welches ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. Die gegen Ende zu konstruiert wirkende Geschichte und mangelndes Feingefühl bei der Inszenierung hinterlassen beim Film des „Cube“-Regisseurs leider einen schalen Beigeschmack. Dennoch wirklich sehenswert: 7/10 Punkte. Kennt jemand eigentlich Natalis „Nothing“ und kann eine kurze Einschätzung abgeben?

Burn After Reading (2008)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Dezember 2009 veröffentlicht.

Gestern relativ spontan im Fremdsprachenkino gewesen und „Burn After Reading“ gesehen. Schlappgelacht. Zuvor wusste ich von dem Film nur, dass es das jüngste Werk der Coens ist und dass es sich wohl um eine schwarze Komödie handelt. Man muss eben doch nicht immer perfekt informiert sein, um großartig unterhalten zu werden.

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Die Geschichte um einen gefeuerten CIA-Agenten (John Malkovich), dessen Memoiren Washington, D.C. auf den Kopf stellen, ist zu komplex, um sie hier auch nur annähernd wiederzugeben. Möchte ich auch gar nicht, denn wie hier unterschiedliche Handlungsfäden zusammenlaufen und wie sich die Geschichte entwickelt macht einen großen Teil des Unterhaltsungswertes des Films aus. Vom Aufbau her erinnert die Geschichte etwas an die früheren Coen-Werke, wie „Fargo“ oder „The Big Lebowsky“ – was als absolutes Kompliment zu verstehen ist.

Besonders großartig ist die Besetzung gelungen. Ob Brad Pitt als Fitnessjunkie, ein sexsüchtiger George Clooney, ein manischer John Malkovich oder Francis McDormand, die sich nach der großen Liebe (und unzähligen Schönheitsoperationen) sehnt – das zündet! Da sitzt jede Dialogzeile, das Timing ist perfekt und die 90 Minuten vergehen wahrlich wie im Flug. Der Humor ist dabei oft wirklich tiefschwarz, aber nur selten subtil – und spätestens wenn George Clooneys Charakter sein Heimwerkerprojekt enthüllt, bleibt wirklich kein Auge trocken.

Mit „Burn After Reading“ ist den Coens eine fabelhafte Komödie gelungen, die mich wohl öfter laut lachen ließ, als die letzten alle anderen Komödien des letzten Jahres zusammen. Ein kleiner, feiner Film. Absolut stimmig und mit prefektem comic timing inszeniert: 9/10 Punkte. In diesem Sinne: What a clusterfuck!

Die Legende von Beowulf – Director’s Cut

Als ich von Robert Zemeckis Verfilmung von „Die Legende von Beowulf“ hörte, war ich einerseits angetan und andererseits abgeschreckt. Nach „Der Polarexpress“ also erneut ein Film, der komplett auf die Performance-Capture-Technik setzt. Dennoch hatte ich mir vorgenommen den Film im Kino (IMAX 3D) zu sehen, was mir leider durch akuten Zeitmangel jedoch nicht gelang.

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Nun habe ich nach langem Zögern doch noch zur DVD gegriffen, die – nach dem Wegfallen des 3D-Erlebnisses – wenigstens den Director’s Cut enthält. Von der Handlung her hatte mich der Film noch nie so richtig interessiert und nach dem eher flachen „Der Polarexpress“ hatte ich in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich viel erwartet. Umso überraschter war ich folglich, dass es neben den auf 3D getrimmten Actionsequenzen auch einige ruhige Szenen gab und der Geschichte doch eine tragische Düsternis innewohnte. Insofern konnte mich der Film inhaltlich schon einmal überzeugen.

Die technische Seite ist natürlich wieder ein ganz anderes Kapitel. Seit der 2004er Weihnachtsgeschichte hat sich die Technik noch einmal extrem weiterentwickelt. In manchen Szenen kann man wirklich nicht mehr sagen, ob man eine Animation oder reale Aufnahmen vor sich hat. Unglaublich beeindruckend. Dennoch ist die Gradwanderung zwischen Realismus und Animation immer noch nicht wirklich so perfekt, als dass man von ihr nicht abgelenkt würde. Besonders Handbewegungen und die Ganzkörperanimation in den Totalen wecken Erinnerungen an die Cartooncharaktere aus „Shrek“ und nehmen demnach einen großen Teil der wirklich gelungenen Atmosphäre.

Doch trotz technischer Mängel ist der Film weit mehr als eine beeindruckende Technikdemo: Die Figuren besitzen wirklich Leben und besonders die Actionszenen sind unglaublich beeindruckend! Der erste Angriff von Grendel muss in der IMAX 3D-Version wirklich atemberaubend gewesen sein. Man sieht hier auf jeden Fall gut, in welche Richtung sich das digitale Kino mit großen Schritten bewegt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Ich kann den Film jedem Technikfreak, der etwas für blutrünstiges Fantasykino übrig hat nur empfehlen. Man darf kein Meisterwerk erwarten, doch der Film ist weit besser als sein Ruf: 7/10 Punkte.

Texas Chainsaw Massacre (2003)

Da die DVD nun schon seit Jahren auf ihren großen Auftritt wartet, habe ich mir heute endlich einmal Michael Bays Remake von Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ angesehen. Eine durchaus interessante Erfahrung, besonders wenn ich die Wirkung des Films mit der des Originals vergleiche.

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Ich kann nicht sagen, dass Tobe Hoopers Horrorklassiker zu meinen Genrefavoriten zählt – dafür kenne ich ihn zu wenig. Ich sah den Film damals auf einem Videoabend. Ein verrauschtes VHS-Band zeigte uns die verstörenden Bilder eines Films mit dem wunderbaren deutschen Titel „Blutgericht in Texas“ – ein Titel, der entsprechende Erwartungen schürte. Letztendlich wurde der Film sehr gemischt aufgenommen. Die meisten fanden ihn zu langweilig und überhaupt zu altmodisch. Ich jedoch war überrascht, wie stark mich der psychologische Horror dieses kleinen Filmchens mitgenommen hatte.

Etliche Jahre und unzählige Horrorfilme später kann ich mich immer noch gut an bestimmte Szenen erinnern. Szenen, die ich mit größter Spannung auch im Remake erwartet hatte – sie kamen jedoch nicht. Alles was den Film inhaltlich so beängstigend machte (u.a. die verstörte Famile, das Ritual am Essenstisch) wurde nicht mit in die 2003er Version hinüber gerettet. Was also bleibt? Ein 08/15-Slasher. Nur eben mit Kettensäge.

War Tobe Hoopers 1974er Film wie eine Dokumentation aufgezogen und hat in verwackelten Handkamerabildern das Grauen unmittelbar eingefangen, so ist Marcus Nispels Adaption der Geschichte typisch Hollywood. Man muss sich nur einmal das Bild der Hauptfiguren (siehe oben) ansehen und schon bekommt man einen guten Eindruck von der Optik des Films: Durchtrainierte, schwitzende Körper in Jeanswerbung-Ästhetik. Ebenso werden die Schauplätze dargestellt. Alles ist dreckig und ekelhaft, aber eben überstilisiert. Vom Licht, über die Kamera bis hin zum Setdesign. Da ist nichts dem Zufall überlassen. Perfektes gestyltes Grauen.

Ich kann nicht behaupten, dass diese durchkomponierten Bilder keinen Eindruck auf mich gemacht haben. Wie Jessica Biel in atmosphärischem Licht durch den Wald rennt hat durchaus Schauwerte. Selbst die abstoßenden Bilder haben eine gewisse Ästhetik, der man durchaus gerne zusieht – und genau das ist das Problem: Bei Tobe Hoopers Original wollte man wegsehen, weil man den Terror kaum noch ertragen konnte. Hier? Sicher! Zeigt mir ruhig mehr davon! Nur leider bleibt gerade aufgrund der ansprechenden Bilder der Horror völlig auf der Strecke.

Letztendlich hat Marcus Nispel mit seiner Interpretation von „Texas Chainsaw Massacre“ einen durchaus brauchbaren Film geschaffen. Man sollte nur in keinster Weise einen Vergleich zum Original ziehen – weder inhaltlich noch ästhetisch. Einzig die perfekte Besetzung von R. Lee Ermey als sadistischer Sheriff weiß so etwas wie Unbehagen zu erzeugen. Horrorfans, Freunde von schönen Bildern sowie Jungs die nicht genug von Jessica Biel in nassen T-Shirts bekommen können dürfen ruhig einmal einen Blick riskieren: 5/10 Punkte.

American Graffiti

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmische Wissenslücke schließen können. George Lucas‘ „American Graffiti“ zeigt – wie so viele Filme nach ihm – den letzten wichtigen Abend an der Grenze zum Erwachsenwerden. Simpel in der Handlung. Simpel in der Aussage. Umwerfend in seiner Ausführung.

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Bei der Sichtung hatte ich stets das Gefühl, den Film doch schon irgendwie zu kennen. Die unterschiedlichen Charaktere. Das beinahe schon magische Gefühl dieser letzten bedeutenden Nacht. Die Musik. Die Autos. All das hat sich bereits so in der Popkultur festgesetzt, das man kaum glauben kann hier nun endlich das Original zu sehen. Allein wenn man an den exakt 20 Jahre später entstandenen „Dazed and Confused“ von Richard Linklater denkt, sind die Parallelen unübersehbar. Wahrlich ein Meilenstein für diese Art von Coming-of-Age-Film.

Der Verlust der Unschuld – im übertragenen Sinne – ist in nahezu jeder Szene zu spüren. Der Umbruch macht sich dabei nicht nur bei den Charakteren bemerkbar, sondern auch in der Welt, in der der Film spielt. Vietnam steht vor der Tür und das naive Lebensgefühl der 50er Jahre ist bereits dabei zu verblassen. Die nostalgische Stimmung wird auf den Zuschauer perfekt durch kleine, persönliche Geschichten übertragen. Selbst in der heutigen Zeit kann sich wohl jeder noch an solch unbeschwerte Nächte erinnern. Die letzten Nächte der eigenen Jugend.

Für Filmfreunde ist es famos diverse Schauspieler in ihren ersten größeren Rollen zu sehen: Richard Dreyfuss, Ron Howard, Charles Martin Smith und Harrison Ford sind nur einige der bekannten Gesichter. George Lucas und Francis Ford Coppola haben hier wahrlich ein geschicktes Händchen bei der Besetzung bewiesen. Ebenso bei der Auswahl des Soundtracks, der hier wichtiger ist als in kaum einem zweiten Film.

„American Graffiti“ ist sicherlich nicht der spannendste oder lustigste Film. Er erzählt keine epische Geschichte. Er besitzt keine besonderen Schauwerte. Er ist ein kleiner Film. Er zeigt uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein – und das macht er perfekt. George Lucas hat hier wirklich einen der Archetypen des Coming-of-Age-Films geschaffen: 8/10 Punkte.