Der Pate – OT: The Godfather (1972)

Aktualisierung: Ich habe „Der Pate“ am 3. März 2022 erneut in der 4K-Kinoversion zum 50. Jubiläum gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, denen ein besonderer Ruf vorauseilt. Filme mit Bedeutung. Großes Kino. Klassiker. Und dann gibt Francis Ford Coppolas „Der Pate“ – wohl einer der bedeutendsten Filme seit Anbeginn des Kinos. Ein Film nach dessen Sichtung man sich unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt noch mit durchschnittlichen Filmen aufhält. Ein Meilenstein.

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Meine letzte Sichtung liegt bestimmt schon fünf Jahre zurück, dennoch konnte ich mich noch an nahezu jedes Details erinnern. Warum? Vermutlich weil ich innerhalb dieser Zeit gewisse Szenen oder Dialoge des Films auf die eine oder andere Art und Weise dennoch gesehen, gelesen oder gehört habe. „Der Pate“ hat die moderne Popkultur durchdrungen, wie kaum ein zweites Werk. Man wird sich schon anstrengen müssen, wenn man ein paar Tage Medienkonsum ohne Anspielung auf Coppolas Meisterwerk erleben möchte.

Ich könnte nun unzählige Lieblingsszenen aufzählen, doch eigentlich besteht der Film nur aus Lieblingsszenen. Am meisten beeindruckt mich jedoch immer wieder die eröffnende Hochzeitssequenz. Wie geschickt Coppola hier die Figuren einführt, bedrückende Dunkelheit mit gleißendem Licht und Lebensfreude zu verbinden weiß sowie Geschäft und Familie als Grundpfeiler der Geschichte etabliert, ist Kino in Perfektion. Ich könnte dem bunten Treiben stundenlang zusehen und doch schreitet die Geschichte unerbittlich weiter und entwickelt einen solchen Sog, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann.

Dem Film wird häufig vorgeworfen, er würde ein zu romantisches und idealisiertes Bild des organisierten Verbrechens zeichnen. Ich möchte diese Vorwürfe auch gar nicht entkräften, nur mag mich diese Tatsache auch nicht stören. Man weiß ja heute, wie Michael Corleones Geschichte weitergeht. Welch gequältes Leben er doch führt. Betrachtet man diesen ersten Teil der Mafiasaga für sich, dann mag man den Vorwurf der Romatisierung jedoch zurecht treffen. Dennoch sollte man auch nicht vergessen, dass „Der Pate“ in erster Linie eine übersteigerte Form des Kapitalismus aufzeigt und somit durchaus kritischer mit gewissen Themen umgeht, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zur aktuellsten Präsentation des Films auf Blu-ray verlieren: Grandios! Absolut grandios. Das Bild des Films hat – im Vergleich zur ersten DVD-Version – nicht nur eine komplette Überarbeitung in Bezug auf Kratzer, Bildstand usw. erfahren, sondern auch eine von Gordon Willis und Francis Ford Coppola überwachte Farbkorrektur erhalten. Anfangs mag das beinahe schon sepiafarbene Bild ungewohnt erscheinen, doch schon bald erlebt man den Film in völlig neuer Pracht. Schon alleine die Szenen auf Sizilien vermitteln einem das Gefühl, als wäre man wirklich selbt vor Ort. Ein echter Zugewinn.

Über die an Perfektion grenzende Inszenierung, den erstklassigen Schnitt, die famosen Schauspieler oder den herrlichen Score könnte ich nun noch seitenweise schreiben. Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat. Für mich hält der Film seinen Status völlig zurecht: Wohl der Filmklassiker überhaupt. Ohne ihn wäre das moderne Kino heute nicht da, wo es ist. Auch die Serienwelt würde in Ermangelung eines Tony Soprano anders aussehen. Ein Film, den man einfach gesehen haben muss: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Platoon

Mit der Sichtung von Oliver Stones „Platoon“ habe ich einmal wieder eine filmische Bildungslücke schließen können. Der Film steht bei mir schon länger im Regal, doch wurde ich erst durch die Sichtung der Genreparodie „Tropic Thunder“ an ihn erinnert. Neben Coppolas „Apocalypse Now“ wohl der bedeutendste über den Vietnamkrieg.

Wie bei so vielen Kriegs- bzw. Antikriegsfilmen überrascht einmal mehr die beinahe unüberschaubare Masse an bekannten Schauspielern. Wohlgemerkt an heute bekannten Schauspielern. So taucht z.B. Johnny Depp in einer winzigen Nebenrolle auf und Charlie Sheen steht in einem für ihn aus heutiger Sicht unüblichen Genre im Mittelpunkt. Weiterhin gibt es Willem Dafoe in einer seiner beeindruckendsten Rollen zu sehen und Tom Berenger in einer seiner fiesesten. Mit John C. McGinley (Dr. Cox, „Scrubs“) und Kevin Dillon (Johnny Chase, „Entourage“) ergänzen zwei heutige Serienstars den famosen Cast, welcher durch Forest Whitaker abgerundet wird.

Da der Film auf Oliver Stones eigenen Erfahrungen in Vietnam basiert, erleben wir als Zuschauer eine recht persönliche Sicht auf die Dinge. Unterstützt wird dieser Eindruck durch sporadisch eingesetztes Voice-over der Hauptfigur. Man wird mit Chris (Charlie Sheen) in die Handlung hinein geworfen und muss sich zunächst einmal orientieren. Stupide Aktionen und langwierige Wanderungen lösen sich mit unüberschaubaren Feuergefechten ab. Besonders interessant ist die Gruppendynamik, welche für so manch beklemmende Szene sorgt.

Mit dem Überfall auf ein vietnamesisches Dorf hat Stone wohl eine der bedrückendsten Szenen des Films geschaffen. Man fragt sich unweigerlich: Wie hätte man selbst wohl reagiert? Helden. Mitläufer. Wegseher. Und alles dazwischen. Die Grausamkreit des Krieges verblasst hinter der Grausamkeit der Menschen. Krieg ist nur ein abstrakter Begriff, der Mensch ist die Bestie. Stone gelingt es tatsächlich diese Botschaft zu vermitteln und am Ende des Films bleibt nur Entsetzen zurück.

Nach der Sichtung ist mir nun klar, warum „Platoon“ diesen besonderen Ruf in seinem Genre hat. Er ist einer der wenigen wirklichen Antikriegsfilme. Der Feind befindet sich in den eigenen Reihen. Was der einzelne Soldat oder selbst sein Platoon letztendlich erreicht bleibt völlig unklar. Krieg als unfassbare Größe, Soldaten als Menschen. Unbequemes, starkes Kino: 8/10 Punkte.

Stirb langsam 4.0 – OT: Live Free or Die Hard – Recut Version

Weiter geht es im Fortsetzungswahn. Len Wisemans „Stirb langsam 4.0“ ist das von Fans lange erwartete und gefürchtete Sequel zu den Actionklassikern der späten 80er und frühen 90er Jahre. Es lagen folglich Erwartungen vor, die unmöglich erfüllt werden konnten. Oder etwa doch?

Um es vorwegzunehmen: Len Wiseman ist mit seiner Modernisierung des Actionmythos ein durchaus würdiger Nachfolger gelungen. Stets unterhaltsam, mit einem herrlich aufspielendem Bruce Willis und ausreichend fetziger Action. Das eigentliche Kunstück war jedoch wohl John McClane glaubhaft in eine Bedrohungssituation zu bringen, die dem Kino des neuen Jahrtausends würdig ist und dementsprechend auch eine neue Generation von Kinogängern für den alternden Actionhelden begeistern kann.

Ich hatte wirklich befürchtet, dass die Cybercrime-Rahmenhandlung zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und vom Sujet her absolut unpassend für diesen klassischen Heldentypus. Doch die Sache funktioniert erstaunlich gut, besonders wenn man den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe bedenkt. Zwar gibt es wieder unzählige dumme Computerklischees und Logiklücken, doch abgesehen davon wirkt die Bedrohung doch recht real im heutigen Zeitalter der globalen Vernetzung.

Die Aufstellung der Bösewichte erinnert tatsächlich an die der klassischen Filme. Timothy Olyphant hat mir erstaunlich gut gefallen. Vielleicht etwas schmierig, doch insgesamt ein passender Gegenspieler im Rahmen der Handlung. Auch McClanes Sidekick Matt Farrell (Justin Long) war nicht ganz so nervig, wie ich das nach den Trailern befürchtet hatte. Dennoch hat er den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur abgelenkt, was ich schade fand.

Die Actionszenen fand ich größtenteils klasse inszeniert, doch – wie hätte es anders sein sollen? – zu übertrieben und teils auch zu CGI lastig. Besonders der Kampf gegen den Jet hätte dann doch nicht in all seiner Ausführlichkeit sein müssen. Wenn ich so etwas sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal James Camerons „True Lies“ an.

Insgesamt bin ich mit „Stirb langsam 4.0“ durchaus zufrieden. Ich hatte zwei Stunden lang wirklich großen Spaß und habe mich letztendlich doch nicht an so vielen Sachen gestört, wie ich anfangs noch befürchtet hatte. Wer mit den Modernisierungen leben kann und keinen waschechten 80er bzw. 90er Jahre Actionfilm erwartet, der dürfte auch als Fan viel Spaß mit John McClane im neuen Jahrtausend haben: 7/10 Punkte.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers – OT: The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor (2008)

Fortsetzungen von Kinohits made in Hollywood. Man muss sie einfach lieben. Rob Cohens „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ ist solch eine Fortsetzung. Ein klassischer Vertreter seiner Art. Mehr Action, mehr Effekte, einfach mehr von allem. Doch insgesamt leider weniger Herz.

Zunächst einmal muss ich meiner Verwunderung Audruck verleihen, dass Stephen Summer „Die Mumie“ inzwisch schon über 10 Jahre auf dem Buckel hat. 10 Jahre! Einfach unglaublich. Mir kommt es vor, als hätte ich diesen äußerst unterhaltsamen Abenteurfilm erst kürzlich im Kino gesehen. Bei solchen Fehleinschätzungen komme ich mir immer unglaublich alt vor. Erschreckend. Bei nüchterer Betrachtung ist mir natürlich bewusst, dass ich sowohl „Die Mumie“ als auch „Die Mumie kehrt zurück“ inzwischen bereits etliche Male auf DVD gesichtet habe.

Die Vorgänger dieses dritten Teils hatten folglich Zeit sich in mein kleines Filmherz zu spielen. Besonders den ersten Teil sehe ich immer wieder gerne, doch auch die erste Fortsetzung ist mir positiv in Erinnerung. Trotz dieser Sichtungen haben die Filme für mich dennoch nie den Stellenwert ihres großes Vorbilds – den „Indiana Jones“-Filmen – eingenommen. Sie waren eher ein kleiner, aber äußerst unterhaltsamer Abenteuersnack für Zwischendurch.

Diesen aktuell letzten Teil der Reihe hatte ich nie so richtig wahrgenommen. Eine weitere 08/15-Fortsetzung? Muss ich nicht haben. Doch irgendwann holt einen jedes Sequel eines geliebten Franchise ein. Um es kurz zu machen: Ja, „Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers“ ist genauso einfallslos und übertrieben, wie man es sich vorstellt. Dennoch ist es schön die alten Charaktere wiederzusehen und mit ihnen ein neues Abenteuer zu erleben. Leider sind nicht mehr alle Schauspieler mit von der Partie (Rachel Weisz wurde durch Mario Bello ersetzt), was der Atmosphäre des Films doch ziemlich schadet.

Kann ich diesen Film Freunden der Reihe empfehlen? Sicher. Man darf sich nur nicht zu große Hoffnungen machen und muss mit so einigen Albernheiten (Yetis, einem Drachen etc.) leben. Die Vater/Sohn-Dynamik hat mir dagegen recht gut gefallen und hier sehe ich auch Potential für die jetzt schon geplanten Fortsetzungen. Werde ich für diese ins Kino rennen? Bestimmt nicht. Werde ich jedoch reinschauen, wenn einem die DVD hinterher geworfen wird? Oh ja! Denn  ein unterhaltsamer Filmabend sollte auch dann allemal drin sein: 5/10 Punkte.

Catacombs (2007)

Bei manchen Filmen hat man schon vor der Sichtung ein schlechtes Gefühl. Tomm Cokers und David Elliots unterirdischer Thriller „Catacombs“ gehört da ausnahmslos dazu. Sei es die Bewerbung von Alecia ‚Pink‘ Moore auf dem Frontcover oder die langweilige Inhaltsangabe. Da der Film ein Geschenk war, wurde er trotz der Vorbehalte geschaut.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Das Machwerk macht tatsächlich alles falsch, was man nur falsch machen kann. Seien es die unsympathischen Charaktere, die viel zu frühe Präsentation des Monsters, die dämlichen Dialoge oder die idiotischen Handlungen der Figuren. Wie können solche Drehbücher ernsthaft verfilmt werden? Wer finanziert so etwas? Der Film war billig, keine Frage und das sieht man ihm auch an. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass er wirklich Gewinn einfährt. Schon gar nicht aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda, die lautet nämlich: Nicht anschauen!

Gibt es auch irgend etwas, das für den Film spricht? Hier wäre zunächst einmal die Location zu nennen, welche auch den Grund darstellt, warum ich den Film überhaupt geschenkt bekommen habe. Vor geraumer Zeit hatte ich Paris besucht und mir dort auch die Katakomben angesehen, was wirklich ein beeindruckendes Erlebnis war. Folglich konnte ich die klaustrophobische Stimmung in gewisser Weise nachvollziehen. Nur dass diese im Film leider so gut wie gar nicht genutzt wurde. Wenn ich da nur an den grandiosen „The Descent“ oder selbst den immerhin brauchbaren Genrebeitrag „Creep“ denke, dann fragt man sich wirklich wie man solch einen Film nur so verbocken kann.

Der Twist gegen Ende sollte dann wohl äußerst clever sein. Leider jedoch lag die gezeigte Möglichkeit von Anfang an in der Luft und die Figuren wurden dadurch – man kann es kaum glauben – noch unsympathischer. Absolut dämlich und kontraproduktiv. Ich kann an diesem Film wahrlich nichts Gutes findes. Vermutlich sollte man dem Kameramann einen gewissen Respekt zollen, hat er doch aus den immer gleichen Sets einige nette Kameraperspektiven herausgeholt. Mehr gibt es wirklich nicht zu holen. Selbst die größten Genrefans sollten dieses Machwerk meiden: 1/10 Punkte.

Burn After Reading (2008) (WS1)

Heute hatte ich einmal wieder Lust auf eine Komödie und was lag da näher als die wunderbare Geheimdienstsatire „Burn After Reading“ der Coen Brüder? Die letzte Sichtung liegt inzwischen auch schon wieder über ein Jahr zurück und ich war wirklich gespannt, ob der Film auch beim zweiten Mal einen ebenso bestechenden Eindruck hinterlassen kann.

Dieses Mal kam mir der Film weit weniger komisch vor, als noch bei der Sichtung im Kino. Dies mag unter anderem natürlich am fehlenden Publikum liegen, welches damals doch für eine gewisse Stimmung gesorgt hatte. Die grandios besetzten Figuren kamen mir dieses Mal eher wie tragische Helden bzw. einfach nur traurige Typen vor. Ich konnte mehr mit ihnen mitfühlen, was vielleicht auch daran lag, dass ich bereits wusste welches Schicksal am Ende auf sie wartet.

Die Kenntnis der Geschichte nahm natürlich auch einiges an Spannung aus dem Verwirrspiel heraus, was die Qualität glücklicherweise kaum schmälerte. Dafür sind die Dialoge und einzelnen Darbietungen einfach zu komisch. Letztendlich muss ich für diese Wiederholungssichtung dennoch einen Punkt abziehen, da der Film einfach nicht mehr so wirkte, wie noch beim ersten Mal. Auf jeden Fall wieder äußerst unterhaltsam: 8/10 Punkte.

Babylon A.D.

Seltsamerweise habe ich eine Schwäche für Filme, denen eine komplizierte Produktion nachgesagt wird. Auch wenn Mathieu Kassovitz‘ „Babylon A.D.“ fast nur vernichtende Kritiken eingefahren hat, war mein Interesse demnach dennoch geweckt. Zudem fallen Genre und Setting ziemlich genau in mein filmisches Beuteschema.

Eine Science-Fiction-Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt. Dreckig und realistisch sowie durchsetzt mit sozialkritischen Themen. Das hört sich doch gar nicht so verkehrt an. Vin Diesel spielt in dieser Geschichte einen Söldner, der eine junge Frau von A nach B bringen und vor den Gefahren dieser kaputten Welt beschützen soll. Kommt einem diese Handlung bekannt vor? Stimmt. Da gab es doch Alfonso Cuaróns „Children of Men“, den man aber am besten gleich wieder vergisst um „Babylon A.D.“ nicht noch schlechter aussehen zu lassen.

Die Geschichte zieht einfach nicht. Keine Spur. Die Figuren sind einem egal und die Handlung ist viel zu bruchstückhaft. Völlig belanglose Szenen werden bis zur Unendlichkeit breitgetreten und fängt der Film einmal an interessante Ansätze zu zeigen, werden diese sofort wieder ignoriert. Man freut sich förmlich auf die nächste Actionsequenz, damit überhaupt etwas vorwärts geht. Kommt die Action dann endlich, mag man gar nicht so recht glauben wie langweilig diese inszeniert wurde. Ich denke hier nur an die Schneemobil-Verfolgungsjagd. Angestaubter als in jedem „James Bond“-Film der 60er und 70er Jahre.

Irgendwann geht es auch tatsächlich mit der Handlung weiter. Pseudoreligiöser Schwachsinn gepaart mit ach so gefährlicher Bioinformatik. Hat man so ja auch noch nie gesehen. Hier verkommt der Film beinahe schon zur Karikatur seiner selbst und man weiß als Zuschauer nicht, ob man lachen oder weinen soll. Unglaublich. Der Film hat für mich gefühlte drei Stunden gedauert, dabei war die ziellose Odyssee bereits in knapp 90 Minuten abgefrühstückt. Auch eine Leistung.

Was gibt es Positives zu berichten? Die Atmosphäre war teils ganz nett und das Setdesign hatte durchaus potential. Dafür fiel mir der Soundtrack bereits nach nur wenigen Minuten auf die Nerven. Penetranter Hip-Hop, der vermutlich unterstreichen sollte, was für ein harter Typ Toorop (Vin Diesel) doch ist. Nein, mein lieber Mathieu Kassovitz, das war wohl ein Griff ins Klo. Auf ganzer Linie. Einmischungen des Studios hin oder her.

Ich kann diesen Film wirklich niemandem empfehlen. Er mag zwar seine unterhaltsamen Momente gehabt haben, doch der langweilige und uninspirierte Rest wiegt gegen diese einfach zu schwer. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass man die Vorlage immer noch nicht in deutscher Übersetzung auf den Markt geworfen hat. Muss man wirklich nicht sehen: 2/10 Punkte.

Tropic Thunder – Director’s Cut (2008)

Gestern Abend habe ich mir den Director’s Cut von Ben Stillers „Tropic Thunder“ angesehen. Davor hörte ich schon viel Gutes, aber auch viel Schlechtes über den Film. Letztendlich fand ich die Grundidee des Films aber so überzeugend, dass ich selbst einmal einen Blick riskieren wollte.

Man muss dem Film zugute halten, dass er wirklich lustig ist. Oft musste ich laut auflachen, was – ausgelöst durch Filme – sowieso viel zu selten vorkommt. Es werden nahezu alle Klischees des Vietnamkriegsfilms bedient und auch abgesehen von genrespezifischen Gags wird ganz Hollywood durch den Kakao gezogen. Allein die Fake-Trailer zu Beginn des Films sind zum Brüllen komisch und bringen mal eben auf den Punkt, was an vielen Hollywood-Produktionen so daneben ist.

Ben Stiller mischt in „Tropic Thunder“ plattesten Humor mit treffsicherer Satire und überzogenem Actionfilm – und diese Mischung funktioniert überraschend gut! Der Film ist – bis auf einige Längen – stets unterhaltsam und oft bin ich aus dem Grinsen gar nicht mehr rausgekommen. Schon allein Robert Downey Juniors Charakter ist der Brüller! Auf solch eine Idee muss man auch erst einmal kommen: ‚I’m the dude playin‘ the dude, disguised as another dude!‘

Probleme hat „Tropic Thunder“ etwas mit dem Genre, welches er parodieren möchte. Selbst vor 10 Jahren, als Ben Stiller und Justin Theroux mit der Idee aufgekommen sind, wäre der Vietnamkriegsfilm beinahe schon zu sehr aus dem Bewusstsein des normalen Kinozuschauers verschwunden gewesen. Vielleicht aber zieht der Film auch gerade daraus seinen Reiz. Aus dem Bekannten, das bereits ins kulturelle Unterbewusstsein der weltweit größten Kinonation gesickert ist.

Durch die übertriebene Parodie kann man die Charaktere leider nicht wirklich ernst nehmen. Emotion und Identifikation bleiben dadurch ebenso oberflächlich, wie die Figurenzeichnung selbst. Ein von der Prämisse ähnlich gestalteter Film, dem all dies viel besser gelingt, ist Dean Parisots „Galaxy Quest“ aus dem Jahr 1999. Treffsichere Satire, eine eigenständige Geschichte und ausgearbeitete Charaktere. Da hätte sich Ben Stiller noch etwas abschauen können.

Für Kenner des parodierten Genres und mit ein wenig Hintegrundwissen über die Mechanismen Hollywoods macht „Tropic Thunder“ verdammt viel Spaß. Man darf nur keinen tiefsinnigen Humor oder eine anspruchsvolle Geschichte erwarten. Meiner Meinung nach wäre mehr drin gewesen, doch garantiert auch weniger. Für zwei Stunden bombige Unterhaltung kann man definitiv einmal reinschauen: 7/10 Punkte.

Into the Wild (2007)

Manche Filme erzählen eine mitreißende Geschichte. Manche Filme berühren einen tief im Herzen. Manche Filme regen zum Nachdenken an. Nur ganz wenigen Filmen gelingt jedoch all das zusammen. Sean Penns „Into the Wild“ gehört zu diesen seltenen Ausnahmen. Ein Film, der mich noch sehr lange beschäftigen wird.

Vor der Sichtung wusste ich nur wenig über die Handlung. Eine wahre Begebenheit mit tragischem Ende. Anscheinend schwere Kost. Die DVD stand auch schon seit Monaten im Regal und ich konnte mich nie so recht zu einer Sichtung durchringen. Gestern jedoch tat ich es und der Film hat mich umgehauen. Im Nachhinein kann ich nun gar nicht sagen, was mich am meisten faszinierte: War es die virtuose Montage? Die bewegende Geschichte? Die tollen Naturaufnahmen? Der fantastische Soundtrack? Die famosen Darsteller? Vermutlich all diese Dinge zusammen.

Durch die Verwendung von verschiedenen Erzählstimmen, die sich als Voice over über die oft hypnotischen Bilder legen, werden die episodenhaften Fragmente des Films zusammengehalten. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt. Eher bildet der emotionale Zustand der Hauptfigur den Anker. Es wird vom Weg zum Ziel gesprungen. Begegnungen werden der Einsamkeit gegenübergestellt. Das Leben dem Tod. Der Fortschritt dem Stillstand. Wirklich eine herausragende Montage.

Kritiker werfen dem Film und Jon Krakauers Vorlage vor, dass Chris McCandless‘ Abenteuer idealisiert und er somit zum tragischen Helden stilisiert würde. Ich kann mich dem überhaupt nicht anschließen. Es wird zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass Chris‘ bzw. Alex Supertramps Ideale die einzig richtigen sind. Es kommt auch deutlich heraus, dass er viel zu blauäugig und unvorbereitet in die Wildnis aufgebrochen ist. Dennoch hat mich sein früher Tod tief berührt. Besonders da er am Ende erkannt hat, dass das Glück eben nicht in der Isolation liegt. Dass er ohne seine Reise und seine Begegnungen nie dieses Glück erfahren hätte.

Emile Hirsch spielt hier die Rolle seines noch jungen Lebens. Gegen Ende des Films sieht er dem echten Chris McCandless tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Sein Charakter macht über die vorangegangenen zwei Stunden dabei eine absolut glaubhafte Entwicklung durch. Auch die Nebendarsteller müssen sich nicht verstecken und tragen zum realistischen Eindruck bei, den der Film bei mir hinterlassen hat.

Ich könnte nun noch viel schreiben, z.B. über Eddie Vedders intensiven Soundtrack oder die wunderschön integrierten Tagebucheinträge. Letztendlich kann ich Sean Penn nur mein Kompliment aussprechen. So berührt hat mich schon lange kein Film mehr. Ich werde mir nun auch Krakauers Vorlage zulegen und mir bei der nächsten Gelegenheit die Blu-ray zulegen. Der Film ist es wert in der bestmöglichen Qualität gesehen zu werden. Wohl die einprägsamste und intensivste Erstsichtung, die ich dieses Jahr erleben durfte: 10/10 Punkte.

Motel – OT: Vacancy

Zum Abschluss des gestrigen Feiertags stand mit „Motel“ ein nicht sonderlich weihnachtlicher Film auf dem Programm. Nimród Antals Thriller hatte schon vor Längerem mein Interesse geweckt, dennoch konnte ich mich nie zu einem DVD-Kauf durchringen. Die Fernsehausstrahlung kam somit genau zur richtigen Zeit.

„Vacancy“ – so der englische Originaltitel des Films – ist ein fieser kleiner Thriller, der dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen gönnt. Ich war wirklich überrascht, wie geradlinig der Film inszeniert und erzählt ist. Schon die Figurenkonstellation birgt Unheil. So steht kein glückliches Paar im Mittelpunkt, sondern eine Beziehung kurz vor ihrem Ende. Die effektiv gewählten Kameraeinstellungen sowie das atmosphärische Setdesign tragen einen großen Teil zur morbiden Stimmung bei.

Anders als die meisten Survivalhorrorfilme der letzten Jahre ergeht sich Antals Werk nicht in Folter- und Gewaltszenen. Hier wird tatsächlich noch auf Spannung gesetzt. Die Prämisse ist so einfach, wie genial und man kann sich als Zuschauer schnell in die beklemmende Situation versetzt fühlen. Auch wenn der Film nicht jedes Horrorklischee auslässt, so war ich doch positiv überrascht, wie herrlich schnörkellos „Motel“ in der Handlung voranprescht.

Kate Beckinsale und Luke Wilson machen ihre Sache überraschend gut und glücklicherweise werden die Handlungen ihrer Charaktere auch einigermaßen glaubhaft gehalten. Das Finale ist zudem erstaunlich unspektakulär und lässt genügend Möglichkeiten offen, um jedem Zuschauer ein befriedigendes Ende zu ermöglichen. Ein wirklich spannender, kleiner Thriller. Sehr gelungen.

Ich war positiv überrascht, wie schnell die 80 Minuten verflogen sind. Dabei hat mich Film stets etwas an Jonathan Mostows „Breakdown“ erinnert, den ich auch sehr gerne mag. Ob sich „Motel“ tatsächlich für eine Zweitsichtung qualifiziert kann ich noch nicht sagen, doch für einen spannenden Filmabend stellt er eine ausgezeichnete Wahl dar. Kurz, fies und mörderisch spannend: 8/10 Punkte.