The Walking Dead – Season 7

Wie jedes Jahr bin ich pünktlich zur Weihnachtszeit wieder zu den geliebten Untoten zurückgekehrt. Eine, ähm, schöne Tradition. Endlich die Auflösung zu der Frage, wen der neue Bösewicht Negan am Ende der sechsten Staffel umbringt. Insofern war meine Vorfreude auf „The Walking Dead – Season 7“ durchaus hoch und ich habe die erste Hälfte der Staffel auch wirklich verschlungen. Danach jedoch…

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

„Lucille is thirsty. She is a vampire bat!“

Ja, Negan ist der Star der siebten Staffel, keine Frage. Die erste Episode ist auch wirklich extrem unangenehm und mitreißend anzusehen. Puh. Danach war ich erst einmal bedient. Wenn die Staffel so weitergegangen wäre, hätte sie eine extreme Tour-de-Force dargestellt. Doch schon kurz darauf begeben wir uns in bekannte Gefilde mit ein paar Episoden, die viele Charaktermomente und das nötige Maß an Brutalität bieten. Speziell die Episoden, in denen wir Negan genauer kennenlernen, sind dann auch ziemliche Highlights. In ihrem letzten Drittel fällt die Staffel jedoch in ein ziemliches Loch und präsentiert uns eine Füllepisode nach der anderen. Hier hat mich die Serie häufig unangenehm an das Spin-off „Fear the Walking Dead“ erinnert, das in seiner zweiten Staffel noch einmal extrem abgebaut hat.

Ich war damals froh, dass man der Serie 16 statt 13 Episoden pro Staffel spendiert hat. Doch inzwischen würde ich mir fast wünschen, dass die Autoren die Handlung nicht so ewig auswälzen und sich auf alte Stärken zurückbesinnen – und das schreibe ich als jemand, der selbst die oft als langweilig angesehene zweite Staffel großartig fand.

Fazit

Insgesamt hat mich auch die siebte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut unterhalten. Leider jedoch hat die zu Beginn extrem dichte Handlung mit dem weiteren Verlauf ziemlich abgebaut und gerade das letzte Drittel war schon fast ärgerlich beliebig. Einzig im Finale kam noch ein wenig Spannung auf, wenngleich es auch kein Vergleich zur vorherigen Staffel war. Insgesamt weiterhin sehenswert, doch mit Abstand die schwächste Staffel bisher: 7/10 (7.3) Punkte.

The Walking Dead – Season 6

Wie auch schon letztes Jahr im Januar, stand auch 2017 die neue (zumindest für mich als Amazon-Prime-Nutzer) Staffel von „The Walking Dead“ auf dem Programm. Nachdem ich mich in der Zwischenzeit recht erfolglos durch „Fear the Walking Dead“ (genauer gesagt die ersten Episoden der zweiten Staffel) gequält hatte, habe ich mich durchaus auf eine Rückkehr zu den altbekannten Figuren aus „The Walking Dead – Season 6“ gefreut. Ob mich auch die aktuelle Staffel wieder mitreißen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

the-walking-dead-s6

Das sechste Jahr der Serie schließt unmittelbar an die fünfte Staffel an und eröffnet mit einer mitreißenden Episode, die mich sofort wieder in den Bann dieses Settings gezogen hat. Die erste große Bedrohung zieht sich bis in die zweite Hälfte der Staffel und geht, wie zu erwarten, nur bedingt von den Walkern aus. Immer erst wenn feindlich gesinnte menschliche Parteien ins Spiel kommen, wird es wirklich kritisch für unsere Gruppe. Daran hat sich auch im sechsten Jahr nichts geändert. Besonders gut hat mir das Spannungsfeld zwischen den untrainierten Bewohnern Alexandrias und Ricks abgehärteter Truppe gefallen, welches wohl auch das übergreifende Motiv der Staffel darstellen dürfte. Ruhige Episoden wechseln sich  mit ereignisreichen ab, Gespräche mit Action. Insofern also eine typische „The Walking Dead“-Staffel.

In der zweiten Hälfte der Staffel wird die Welt unserer Gruppe, die inzwischen wirklich in Alexandria angekommen zu sein scheint, größer: Wir lernen zwei weitere Parteien kennen, die sich ebenfalls durch unterschiedliche Strategien in der von Zombies bevölkerten Welt behaupten wollen. Rick uns sein Team werden in einen Konflikt hineingezogen, der sie erstmals zu Agitatoren macht. Dies empfand ich als sehr interessanten Aspekt, der leider nicht sonderlich gut ausgearbeitet wird. Dafür gibt es einiges an Action zu sehen, die sich zwischen schmerzhaft und unterhaltsam bewegt. Die Serie macht wirklich keine Gefangenen und so mancher Todesfall kam selbst nach sechs Jahren noch überraschend. Auch das Finale setzt in Sachen Perfidität neue Maßstäbe, strapaziert dabei jedoch das Cliffhanger-Konzept auf übertriebene Art und Weise. Nun heißt es (für mich) ein Jahr warten.

Insgesamt bin ich immer noch fasziniert, wie gut diese Serie und die dargestellte Welt für mich funktioniert. Es mag Logiklöcher (siehe die Besprechung der Singenden Lehrerin) und teils nicht durchdachte Entscheidungen geben, doch fallen mir diese während der Sichtung nicht auf: Die Handlung reißt mich einfach zu sehr mit. Trotz aller Vorzüge merkt man, dass sich die Serie in ihrem inzwischen schon sechsten Jahr befindet. Nicht mehr alles wirkt neu und frisch, so dass ich wirklich erfreut bin, mit Negan, nach dem Governor, erneut einen starken Gegenspieler zu sehen. Damit sollte auch das siebte Jahr einiges an aufregendem Stoff zu bieten haben: 8/10 (8.4) Punkte.

Mad Men – Season 7

Einmal mehr geht eine große Serie zu Ende, die mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist. Ich würde sogar soweit gehen das wunderbare Zeitportrait als eine meiner absoluten Lieblingsserien zu bezeichnen. Obwohl das Finale von „Mad Men – Season 7“  bereits 2015 ausgestrahlt wurde, so wirkt es auch noch ein Jahr später nach und ich habe noch keine aktuelle Serie auf dem Radar, die diese Lücke zu schließen vermag. Auch wenn alle Welt von „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ schwärmt, so wird für mich immer „Mad Men“ das Kleinod unter den Eigenproduktionen des Kabelsenders AMC bleiben. In mehrerer Hinsicht das Ende einer Ära.

mad-men-s7

Die ursprünglich in zwei Teilen ausgestrahlte finale Staffel setzt nahtlos an die vorangegangenen Ereignisse an. Don und Megan führen eine Fernbeziehung, was genauso wenig funktioniert, wie man das erwarten würde. Peggy ist trotz ihres beruflichen Erfolges frustriert und auch die anderen Charaktere befinden sich in einer Art Schwebezustand. Dons Karriere ist zerstört und er muss wieder von vorne anfangen. Die Rollen zwischen ihm und Peggy vertauschen sich, was eine wirklich interessante Dynamik mit sich bringt, besonders da sich Don in dieser Beziehung nicht wie ein egoistisches Arschloch verhält, sondern tatsächlich wie ein Mentor. Zumindest meistens und immer dann, wenn man es am wenigsten erwarten würde. Die Beziehung zwischen den beiden ist wohl eine der wenigen ehrlichen in dieser Serie, was sich auch im letzten Telefonat zwischen Don und Peggy zeigt.

Kurz vor dem Abgrund jedoch wendet sich das Blatt. Sterling Cooper & Partners wird von McCann Erickson gekauft und unsere Hauptfiguren scheinen den großen Preis gewonnen zu haben. Doch wie es in der Werbung eben so ist, bleibt am Ende nichts zurück. Nur Schein, keine Substanz. Das große Finale wirkt seltsam aus der Serienwelt entrückt, passt aber doch zu den vorhergehenden Staffeln, ihn denen Don bereits öfter aus seinem Alltag ausgebrochen ist. Am Ende ist er ganz unten und doch glücklich. Hat er die Werbewelt tatsächlich hinter sich gelassen? Oder am Ende doch wieder nur Inspiration aus seinen neuen Erfahrungen gezogen? Das Ende ist offen und das ist gut so. Denn das Leben geht auch für die Charaktere von „Mad Men“ weiter, selbst wenn wir den wichtigsten noch kurz für eine letzte Szene begegnen dürfen. Wie Werbung selbst zeigt uns die Serie hier nur das, was wir sehen wollen. Und Don? Don bleibt ein Mysterium. Ob er als Relikt der alten Werbewelt in die neue Ära starten wird, bleibt der Vorstellung des Zuschauers überlassen. Ich persönlich glaube, er kehrt zurück.

Was die qualitative Einordnung der einzelnen Staffeln angeht, so fällt mir das bei dieser durchgehend herausragenden Serie sehr schwer. Ich habe alle Staffeln als exzellent in Erinnerung. Dennoch habe ich es versucht und bin gespannt, wie eure Reihenfolge (gerne mit Begründung in den Kommentaren) aussieht:

  1. „Mad Men – Season 4“ (9.7 Punkte)
  2. „Mad Men – Season 3“ (9.7 Punkte)
  3. „Mad Men – Season 2“ (10 Punkte)
  4. „Mad Men – Season 5“ (9.5 Punkte)
  5. „Mad Men – Season 7“ (9.5 Punkte)
  6. „Mad Men – Season 1“ (10 Punkte)
  7. „Mad Men – Season 6“ (9.2 Punkte)

Mir ist der Abschied von „Mad Men“ so schwer gefallen, wie schon lange bei keiner Serie mehr. Ich würde gerne noch weiterverfolgen, wie sich die Charaktere in den 70er Jahren entwickeln. Da gäbe es bestimmt noch viele spannende Geschichten zu sehen. Man soll jedoch aufhören, wenn es am schönsten ist – und das hat Matthew Weiner auf jeden Fall geschafft. Er lässt und Zuschauer hungrig nach mehr zurück. Eben wie eine gute Werbung: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Mad Men – Season 6

Wie in meiner Besprechung zur fünften Staffel bereits angekündigt, werde ich mich dieser Serie nun bis zu ihrem Ende widmen. Somit war es auch kein Wunder, dass ich „Mad Men – Season 6“ in knapp zwei Wochen verschlungen habe. Die Faszination, die Matthew Weiner rund um die Werbebranche und das Lebensgefühl der 60er Jahre aufgebaut hat, ist bei mir nach wie vor ungebrochen. Ich liebe die Ausstattung, die Charaktere und diese Zeit des Umbruchs. Wie nun konkret die sechste Staffel der Ausnahmeserie bei mir abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

mad-men-s6-2

Die Staffel erzählt ein paar Haupthandlungsstränge, die wirklich interessant sind: Was die Agentur Sterling Cooper Draper Pryce angeht, so steht natürlich die Fusion mit Cutler Gleason and Chaough im Zentrum der Entwicklungen. Dadurch ergeben sich auch ganz neue Spannungen zwischen den Figuren, denn plötzlich ist auch Peggy wieder zurück und muss ihren Platz zwischen Ted Chaough und Don Draper finden. In der neuen Agentur wird es schnell eng und niemand scheint sich mehr so richtig zu Hause zu fühlen, was wohl auch an den fordernden Kunden liegt. Mit Chevrolet hat man endlich das lang ersehnte Automobilunternehmen in den Kundenkreis aufgenommen, doch schon bald zeigt sich die Schattenseite der ungleichen Geschäftsbeziehung. Etwas, das bis heute im Agenturgeschäft vorherrscht.

Auch privat gibt es für unsere Charaktere einige Wirren zu durchleben. Don zeigt in mehrerer Hinsicht Schwäche und alles, was noch im Vorjahr aufgebaut wurde, droht zu zerfallen. Zum ersten Mal wird ganz konkret eine Erklärung für seine ungesunde Beziehung zu Frauen aus dem Hut gezaubert. Zwar mochte ich es mehr über die Figur zu erfahren, doch letztendlich entzaubert es den Charakter auch, zumal die die Geschehnisse in den Rückblenden nicht sonderlich subtil als Grund für seine Entwicklung eingearbeitet wurden. Dies ist zwar kein wirklicher Schwachpunkt und ich mochte die Verletzlichkeit, die Don Draper dadurch anhaftet – hundertprozentig zufrieden war ich damit jedoch nicht. Auf jeden Fall war es ein brauchbares Element, um die Abwärtsspirale, in der sich Don während der sechsten Staffel befindet, noch weiter nach unten zu treiben.

Es gibt wieder etliche herzzerreißende und auch ganz große Momente. Speziell die Beziehung zwischen Don, Betty und ihren Kinder mitzuerleben ist manchmal wirklich schmerzhaft. Am Ende der Staffel steht für Don Draper ein unfreiwilliger Neuanfang an und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sich die Serie in ihrer finalen Staffel entwickeln wird. Doch auch was Pete Campbell, Peggy Olson und all die anderen Figuren angeht, gibt es noch viel Potenzial für Weiterentwicklung. Auch wenn diese sechste Staffel nicht ganz an das brillante fünfte oder auch vierte Jahr anschließen kann, so ist das doch Kritik auf extrem hohem Niveau und ich hatte insgesamt wieder unglaublich viel Vergnügen mit den „Mad Men“: 9/10 (9.2) Punkte.

Mad Men – Season 5

Auch wenn es inzwischen viele hochwertige Serien gibt, die einem den Feierabend versüßen, so finden sich unter diesen doch ein paar ganz besondere Exemplare. Dazu gehört zweifellos auch Matthew Weiners Serie über die Werbetreibenden der Madison Avenue in den 1960er Jahren. Nachdem ich 2011 ganz begeistert über die vierte Staffel berichtete, sollte es fünf Jahre dauern bis es „Mad Men – Season 5“ auf meinen Programmplan geschafft hat. Inzwischen sind glücklicherweise auch alle restlichen Staffeln auf Blu-ray erschienen, so dass einer Komplettsichtung bis zum großen Finale nun nichts mehr im Wege steht…

mad-men-s5

Durch die lange Zeit seit Sichtung der vierten Staffel ist mir der Einstieg nicht leicht gefallen, weshalb ich zunächst noch einmal die Ereignisse des Vorjahres wiederholte. Und was soll ich sagen? Ich war erneut entzückt von der Qualität, mit der Matthew Weiner und Co. die 13 Episoden geschrieben und inszeniert haben. Ganz großes Kino. Danach war ich gewappnet für das fünfte Jahr mit den „Mad Men“ und voller Vorfreude. Die Handlung setzt, mit ein wenig zeitlichem Abstand, direkt nach den bekannten Ereignissen ein. Wir befinden uns mit Megan und Don Draper in der neuen Wohnung (wir haben somit ihre Hochzeit verpasst) und wohnen sogleich der Feier zu Dons 40. Geburtstag bei. Alleine diese eröffnende Doppelfolge ist pures Vergnügen, was Austattung, Inszenierung und Spannungen zwischen den Charakteren angeht.

Danach geht die Staffel sehenswert weiter, wobei ich das Gefühl nicht losgeworden bin, dass die Qualität des vierten Jahres nicht ganz erreicht wurde. Spätestens ab Mitte der Staffel nimmt die Handlung in vielen Belangen jedoch enorm an Fahrt auf, was zu schockierenden Wendungen führt, dich ich so von der Serie nicht erwartet hätte – oder eben doch, was man klar als Qualitätsmerkmal sehen sollte. Ich denke hier speziell an die Handlungsstränge rund um Joan und Jaguar sowie natürlich Lane Pryce, welche in ihrer Bitterkeit kaum zu überbieten sind. Davon abgesehen fand ich die berufliche Beziehung zwischen Peggy und Don abermals am stärksten, speziell die Kündigung Peggys hat mich wirklich mitgenommen, hat sie mich doch stark an meinen eigenen Abschied aus der Agenturwelt erinnert.

Ich könnte nun noch viel schreiben, über den Werdegang von Pete Campbell oder andere Nebenfiguren. Dies würde ihnen aber nicht gerecht werden, da es sich nie so anfühlt, als wären sie in dieser großartigen Serie nur Nebenfiguren. Selbst wenn Don der Star ist und es ein paar Charaktere gibt, auf denen ein größerer Fokus liegt, so zaubern die Autoren immer wieder beeindruckende kleine und große Geschichten aus dem Hut, die sich den anderen Figuren widmen – und die dadurch eben nicht weniger bedeutend sind. „Mad Men“ ist eine Ensemble-Serie und funktioniert als solche auch beeindruckend gut.

In meinen Augen ist die fünfte Staffel tatsächlich minimal schwächer als die Staffel des Vorjahres, doch das ist wahrlich Kritik auf sehr hohem Niveau. Ich bin nun wieder so richtig drin in der schillernden Werbewelt der 60er Jahre und freue mich extrem, dass ich sogleich mit der sechsten und siebten Staffel weitermachen kann. Eine Empfehlung brauche ich wohl kaum noch aussprechen, denn wer erst einmal Gefallen an diesem faszinierenden Zeitportrait gefunden hat, der kommt davon so schnell nicht mehr los: 10/10 (9.5) Punkte.

Into the Badlands – Season 1

Über die Serie bin ich schon häufiger gestolpert, doch erst die Besprechung durch Miss Booleana hat mich dazu gebracht tatsächlich einmal in „Into the Badlands – Season 1“ reinzuschauen. Dadurch lernte ich auch, dass es sich um eine Serie handelt, die auf AMC läuft, was die Vorfreude zusätzlich steigerte. Mit „Mad Men“, „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ hat der Sender bisher ein ausgezeichnetes Gespür für Qualitätsfernsehen bewiesen. Ob auch diese Serie daran anschließen kann?

into-the-badlands-2

Die erste Episode hat mich komplett umgehauen: ein frisches Setting, akrobatische Kampfkunst und eine angenehm erwachsene Inszenierung. Wow! Es ist wirklich fantastisch was die Serie in ihrem Piloten abfackelt. Das Setting ist eine dystopische Welt, wie man sie zuvor noch nicht gesehen hat: Fünf Barone teilen sich die Macht und sichern sich diese durch ihre Armee von Clippern, tödlichen Martial-Arts-Kämpfern. Schusswaffen wurden in dieser Welt verbannt und somit ist jede kämpferische Begegnung eine fantastisch choreografierte Martial-Arts-Szene. Die Charaktere sind mysteriös und interessant. Sie wirken einem Comic entsprungen und bilden einen wunderbaren Kontrast zur dargestellten Welt: einem Südstaaten-Setting mit Anleihen an die düstere Epoche der Sklavenhaltung und asiatisch angehauchten Steam-Punk-Einflüssen. Also eine neue Lieblingsserie?

Leider nutzt sich der Wow-Effekt ziemlich schnell ab: Die Handlung zwischen den imposanten Kampfszenen wirkt oft redundant und zäh. In der Inszenierung abseits der Kämpfe merkt man das anscheinend begrenzte Budget deutlich. Es gibt die immer gleichen Einstellungen und Landschaftsbilder zu sehen, die Ländereien der einzelnen Barone scheinen nur einen Steinwurf voneinander entfernt zu sein und überhaupt wirken die scheinbar so gefährlichen Badlands eher wie idyllische grüne Wiesen und Laubwälder. Hier hätte ich mir tatsächlich (noch) mehr Worldbuilding gewünscht, um die dargestellte Situation mit der erzählten zu verknüpfen. Und dennoch erzeugt die Serie einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Nach dem Finale, das viel zu schnell kommt, möchte ich nun unbedingt weiterschauen. Umso passender, das heute eine zweite Staffel angekündigt wurde. Die sechs Episoden füttern die Geschichte nur ein wenig an und man merkt, dass noch viel mehr kommen mag. Bis dahin überzeugt die Serie zumindest durch außergewöhnliche Kampfszenen, wie man sie zuvor noch in keiner TV-Serie gesehen hat und einer Welt, die tatsächlich einmal neu und anders wirkt. Diesen Mut möchte ich trotz so mancher Schwäche belohnen und die Serie allen nun Interessierten ans Herz legen: 8/10 (7.5) Punkte.

Fear the Walking Dead – Season 1

Wie bereits angekündigt, bin ich den Zombies treu geblieben und habe mir mit „Fear the Walking Dead – Season 1“ das Spin-off der AMC-Erfolgsserie angesehen. Dieses läuft aktuell im Programm von Amazon Prime – und das löblicherweise im Originalton und der Option englischsprachige Untertitel einzublenden. Selbst als Streaming-Skeptiker könnte ich mich unter diesen Voraussetzungen an diese Form des Film- und Serienkonsums gewöhnen…

fear-the-walking-dead-s1-3

Nach wie vor kann ich, was die Hauptserie betrifft, kaum Ermüdungserscheinungen ausmachen, was am von mir geliebten Survival-Setting liegt. Hier schlägt wohl das 80er Jahre Kind durch, das in mir schlummert und der damit einhergehende Reiz am Subgenre Zombiefilm. Ich kann immer noch nicht glauben, was man heutzutage alles ungeschnitten im TV oder auf DVD/Blu-ray zu sehen bekommt. Das wäre damals unvorstellbar gewesen. Aufgewachsen bin ich also mit den Romero-Filmen und ein paar unsäglichen Ablegern. Als dann Anfang des Jahrtausends die zweite große Zombiewelle losgetreten wurde, war ich sehr begeistert. Mit „The Walking Dead“ waren die Untoten ca. 10 Jahre später endgültig im Mainstream angekommen – und gerade in serieller Erzählform funktioniert dieses Subgenre für mich famos. Welche neuen Aspekte kann nun also „Fear the Walking Dead“ dazu beitragen?

Gerade der Ausbruch der Epidemie scheint mir ein essenzieller Zeitpunkt in der Geschichte zu sein. Eine Zeit ohne die bekannten und etablierten Regeln und Vorgehensweisen. Anders als „The Walking Dead“ und „28 Days Later“, die beide auf den Kniff eines Krankenhausaufenthalts der Hauptperson während des Ausbruchs zurückgreifen, bekommen wir in „Fear the Walking Dead“ den Beginn der Epidemie live mit. Davon hatte ich mir wirklich einiges erhofft, jedoch schafft es die Serie nicht in der Intensität an die ersten Szenen aus Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake oder selbst „World War Z“ anzuschließen. Ob dies der längeren Laufzeit der Serie geschuldet ist? Ich habe da eher die Charaktere und das leider oft klischeehafte Drehbuch in Verdacht…

Bei „The Walking Dead“ werden ja häufig die dummen Entscheidungen der Figuren beanstandet. Für mich lassen sich diese häufig mit der Extremsituation erklären, mit der die Charaktere schon seit längerer Zeit umgehen müssen. In diesem Spin-off allerdings, war selbst mir so manches Verhalten einfach zu hanebüchen: Wenn ich nur daran denke, dass der Junkie-Sohn plötzlich den Einfall hat nachts bei den Nachbarn einzusteigen, nur um eine Waffe zu suchen, die er irgendwann mal gesehen hat – dann rennen alle zusammen raus und lassen die Türe zu ihrem eigenen Haus offen, durch die dann natürlich ein Zombie torkelt? Bei solchen Szenen musste selbst ich ab und zu mit den Augen rollen. Überhaupt wirken die Charaktere viel oberflächlicher und aufgesetzter als die der Mutterserie. Dies mag sich aber noch entwickeln.

Insgesamt hatte ich trotz aller Kritikpunkte viel Spaß mit „Fear the Walking Dead“ und werde bestimmt auch in die zweite Staffel reinschauen. Die Vorfreude spare ich mir vorerst aber für die Fortführung des Originals auf. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob auch das Spin-off eine ähnliche Erfolgsgeschichte haben wird: 7/10 (7.2) Punkte.

The Walking Dead – Season 5

Die Vorteile Serien per Stream zu verfolgen häufen sich: Schneller als ursprünglich erwartet, habe ich die Gelegenheit bekommen „The Walking Dead – Season 5“ zu sehen. Somit konnte ich nach Sichtung der vierten Staffel nahtlos in der Welt der Zombie-Serie verweilen, ohne ein weiteres Jahr verstreichen lassen zu müssen. Ob dies dem Erlebnis zuträglich war oder eher zu Abnutzungserscheinungen geführt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

the-walking-dead-s5

Die Staffel fängt unglaublich intensiv an. Nachdem sich Terminus als die perfideste aller möglichen Fallen herausgestellt hat, kommt es zu einer Rettungsaktion, die einfach nur mitreißend ist. Die Bedrohung bleibt noch ein paar Episoden lang bestehen, wird dann aber ziemlich schnell und extrem brutal aufgelöst. Puh. Harter Tobak. Der Mittelteil der Staffel ist wieder ruhiger, schürt Konflikte zwischen den Charakteren und gipfelt in zwei Todesfällen, die für mich ziemlich unerwartet kamen. Nachdem zudem die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft zerstört wird, herrscht Desillusionierung bei unserer Gruppe – und diese Zermürbung überträgt sich auch auf uns Zuschauer. Die plötzliche Aussicht auf ein besseres Leben läutet das letzte Drittel der Staffel ein, das ich wirklich erfrischend fand.

Nach einer emotionalen Tour-de-Force fällt es der Gruppe um Rick nicht leicht, sich wieder an ein Leben in scheinbarer Sicherheit zu gewöhnen. Nach dem inhaltlich etwas redundanten Zwischenspiel in Atlanta, mochte ich diesen Handlungsstrang wirklich gerne und hätte mir auch gewünscht, dass man nicht zu schnell wieder in die übliche Zombie-Action verfällt. Gerade die Probleme des Zusammenlebens bzw. des Eingliederns in eine bestehende Zivilisation hätten noch mehr Potential geboten. Am Ende folgt das Unausweichliche und die neu gewonnene Idylle zerbröckelt nicht nur von innen, es steht auch schon die nächste Bedrohung von außen vor der Tür.

Sehr erfreut war ich inzwischen nun schon drei Schauspieler aus „The Wire“ als zumindest vorübergehende Mitglieder unserer Gruppe zu sehen. In den letzten Episoden lernen wir sogar ein bekanntes Gesicht aus „One Tree Hill“ kennen, was bei mir fast einen Knoten im Hirn verursacht hat, könnten beide Serien inhaltlich doch nicht weiter auseinander liegen. Trotz der gefühlt starken Fluktuation, fügt sich auch jede neue Figur gut in die Gruppe ein – und manchmal erwischt es auch bereits etablierte Figuren und eben nicht nur das typische Redshirt, das vor fünf Minuten zur Gruppe gestoßen ist.

Insgesamt hat mir auch die fünfte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut gefallen und sie hat mich emotional das eine oder andere Mal doch ziemlich gefordert. Das Finale birgt Potential, kann aber auch leicht in Enttäuschung umschlagen – mal sehen, was die Autoren daraus machen. Die Wartezeit auf die sechste Staffel, die ja vermutlich erst im Januar 2017 erhältlich sein wird, werde ich mir zunächst mit „Fear the Walking Dead“ vertreiben. Die Welt der Untoten verlasse ich somit noch nicht komplett, doch dann wird es Zeit mich wieder einmal einem anderen Setting zu widmen: 9/10 (8.5) Punkte.

The Walking Dead – Season 4

Lange hat es gedauert, doch dank meiner neu entdeckten Streaming-Freiheit, habe ich „The Walking Dead – Season 4“ nun endlich gesehen. Auch wenn diese neue Art des Medienkonsums meine Sichtung durchaus geprägt hat, so möchte ich diesen Aspekt in der folgenden Besprechung nicht näher erörtern, sondern verweise auf meinen Artikel „Wie beeinflusst Streaming unser Sehverhalten?“ und wende mich nun den Walkern und den Überlebenden der Zombie-Apokalypse zu…

the-walking-dead-s4-2

Für mich ist es immer noch ein Rätsel, wie solch eine knallharte Zombie-Serie völlig im Mainstream angekommen sein kann und die größten Quotenerfolge feiert. Es wird mehr gesplattert als in heute immer noch beschlagnahmten Filmen aus den 70er Jahren und der Ton ist oft verdammt düster. Wieso kommt diese Serie beim Massenpublikum also so gut an? Ich kann es mir nur mit einer besonderen Form des Eskapismus erklären: Man kann mit „The Walking Dead“ in eine Welt abtauchen, in der unsere realen Probleme (Job, Geld usw.) völlig nebensächlich geworden sind und es im wahrsten Sinne des Wortes ums nackte Überleben geht. Hinzu kommt ein gewisser Soap-Opera-Charakter und Figuren, die uns Zuschauern ans Herz wachsen. Die Gewalt bedient unsere Urinstinkte und lässt uns den Alltag vergessen. Eben nicht Feel-Good-Eskaspismus, sondern die andere, düstere Art – eine Formel, die anscheinend funktioniert. Auch bei mir.

Inhaltlich geht die Serie konsequent weiter, erlaubt sich allerdings mehr narrative Freiheiten, als noch die vorangegangene dritte Staffel. Zu Beginn erleben wir eine Epidemie, die im Gefängnis ausbricht und bei der nicht nur unsere Charaktere einen Lagerkoller bekommen. Beklemmend, wenn auch ein wenig stagnierend. Weiter geht es mit zwei Episoden, die sich vollkommen dem Bösewicht des vorangegangenen Jahres widmen, was letztendlich zu einem alles verändernden Ereignis in der Mitte der Staffel führt. Bei „The Walking Dead“ ist eben keine Figur sicher. Danach wird alles anders und man verfolgt verschiedene Splittergruppen über mehrere Episoden hinweg. Dies ist größenteils gelungen, teils spannend, teils langatmig. Auf jeden Fall lernt man die Figuren besser kennen – und kaum fühlt man sich als Zuschauer einigermaßen sicher, zaubern die Autoren Wendungen aus dem Hut, die wie ein Schlag in die Magengrube sind. Fast schon anstrengend.

Am Ende der Staffel haben unsere Charaktere neue Weggefährten gefunden und finden selbst auch wieder zusammen – doch die neue Bedrohung ist schon greifbar und lässt uns Zuschauer mit einem Cliffhanger zurück. Auch wenn ich mich des Gefühls, teils redundante Mechaniken vorgesetzt bekommen zu haben, nicht erwehren konnte, so hat das beständige Auf und Ab aus Zombie-Bedrohung, Charaktermomenten und menschlicher Grausamkeit sein Ziel bei mir nie verfehlt. Ich habe mitgelitten, mitgekämpft und war teils fassungslos – und eben auch unterhalten aufgrund der Schnetzelei und der oft auch schönen zwischenmenschlichen Szenen. Der Cliffhanger hat mich zudem erwischt, weshalb ich mich vermutlich sogleich an die Fortsetzung machen werde: 9/10 (8.7) Punkte.

The Walking Dead – Season 3

Wie im vergangenen Jahr die zweite Staffel, hat mich auch „The Walking Dead – Season 3“ stark in ihren Bann gezogen. Dabei ist es mir anfangs schwer gefallen, mich nach dem ruhigen Aufbau des Vorjahres an das neue Tempo zu gewöhnen – auch wenn dies viele Zuschauer anders sahen und die vorübergehende Ausrichtung auf Action und Splatter willkommen hießen. Bietet das dritte Jahr also ein grundlegend anderes Serienerlebnis?

the_walking_dead_s3_1

Im Gegensatz zu vielen anderen Zuschauern mochte ich das in der zweiten Staffel präsentiere Setting „Unsere kleine Farm“ während der Zombie-Apcalypse sehr gerne. Man vergaß mitunter die stets vorhandene Bedrohung, weshalb die Angriffe der wandelnden Toten meist noch viel drastischer wirkten. Ganz anders der Beginn der dritten Staffel: Unsere Helden wirken abgeklärt und eine knallharte Zombie-Metzelei folgt auf die Nächste. Das war mir schon fast zuviel des Guten, machte im Gesamtzusammenhang der Staffel aber Sinn, denn spätestens mit Auftreten des Governors entsteht ein ganz neues Spannungsfeld – und die Zombie-Apocalypse verkommt abermals zum reinen Setting für menschliche Dramen.

Den Mittelteil der Staffel (ca. Episode 4 bis Episode 10) fand ich am stärksten: Es kommt zu interessanten Konstellationen, Beziehungen werden auf die Probe gestellt und die Spannungsschraube wird beständig angezogen. Leider verpufft der aufgestaute Druck im weiteren Verlauf ein wenig, doch mit den letzten beiden Episoden gibt es noch einmal Drama par excellence zu sehen. Das Warten auf die kommende Staffel wird folglich nicht einfach werden, doch hat es sich dieses Jahr auf jeden Fall gelohnt. Mal sehen, welchen Weg die Showrunner nun einschlagen und ob ich es bis dahin schaffe, doch einmal in die Vorlage reinzulesen.

Auch wenn die dritte Staffel von „The Walking Dead“ aufgrund so mancher dramaturgischer Entscheidung nicht perfekt ist, so wurde ich doch bestens unterhalten. Und wer weiß schon, ob man in solch einer Zombie-Apokalypse selbst stets einen kühlen Kopf bewaren und sinnvolle Entscheidungen treffen würde? Hat definitiv Spaß gemacht und ich bin immer noch erstaunt, wie sich solch eine Genrenische im Mainstream-TV etablieren konnte – und dazu noch so erfolgreich. Gerne mehr davon: 9/10 (8.5) Punkte.