Friday Night Lights – Season 1

Seit ich vor ein wenig über zwei Jahren erfuhr, dass sich Jason Katims (der Showrunner hinter „Parenthood“) auch für „Friday Night Lights – Season 1“ verantwortlich zeichnet, habe ich versucht an die Serie heranzukommen. Vor ein paar Monaten war es endlich soweit und in UK erschien eine preiswerte Komplettbox mit allen fünf Staffeln der Serie. Nach dem Ende von „Brothers & Sisters“ war mein nächstes Großprojekt also gesichtert…

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Auch wenn ich mich sehr auf die Serie gefreut habe, so war ich aufgrund der Thematik doch eher skeptisch. Eine Serie mit American Football als dem zentralen Thema? Nicht nur, dass ich mich nicht für American Football interessiere – nein, jeglicher im TV übertragener Massensport (allen voran Fußball) ist mir völlig fremd und lässt mich dementsprechend kalt. Kein Wunder also, dass mich die erste Episode ein wenig überforderte. In dieser stand der Sport zentral im Mittelpunkt – so kam es mir bei der Sichtung zumindest vor, wenngleich mich Julies wunderbarer Vergleich bereits hätte aufhorchen lassen müssen: ‚Moby Dick is actually the perfect metaphor for this town. The cold black sea representing the season in all its uncertainties. The magical white whale is the Holy Grail.‘

Ein paar Episoden später hatten mich die Charaktere gefesselt und spätestens nach der Hälfte der Staffel gab es kein Halten mehr. Ich war ein waschechter Fan der Dillon Pathers: Clear eyes, full hearts, can’t loose! Wer nun meint, ich hätte plötzlich meine Begeisterung für American Football entdeckt, der irrt. Das Spiel ist mir weiterhin fremd, ich verstehe die Spielzüge nicht – und doch schafft es die Serie diesen großen, aberwitzigen Zirkus auch für mich mitreißend und spannend zu inszenieren. Wie Julie in der ersten Episode korrekt festgestellt hatte, ist das Spiel für die Stadt Dillon ein völlig verklärtes und überstilisiertes Ziel. Eskapismus für die Massen. Absurd und doch auf seltsame Weise einnehmend.

In der Serie ist American Football jedoch nur das Setting für allzu menschliche Dramen. Es werden große Themenkomplexe, wie körperliche Behinderung, Sex unter Teenagern, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Drogenmissbrauch, Alkoholimus usw. angesprochen, ohne dass sich diese in den Vordergrund spielen oder die Charaktere der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Wie auch „Parenthood“ ist „Friday Night Lights“ sehr dokumentarisch inszeniert: Die Kamera ist in ständiger Bewegung, Dialoge überschneiden sich und man hat als Zuschauer das Gefühl stets live dabei zu sein. Sozusagen das „The Shield“ unter den Familienserien.

Am meisten begeistert haben mich jedoch die Charaktere, die wunderbar gezeichnet sind und von denen jeder einzelne wichtig für die Serie ist. Im Zentrum stehen natürlich Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und seine Frau Tami (Connie Britton), die unzweifelhaft das glaubwürdigste und sympathischste Serienpaar aller Zeiten sein dürften. Einfach nur großartig geschrieben. Doch auch die anderen Hauptfiguren besitzen Tiefe und Charakter. Was die Schauspieler angeht, so hat mich wohl Taylor Kitsch am positivsten überrascht, über den in „Battleship“ und „John Carter“ ja nur geschimpft wurde. Manchmal sind Serien für Schauspieler eben das bessere Kino.

Kritikpunkte konnte ich keine finden. Inzwischen sehe ich selbst die Football-Szenen recht gerne und würde mir sogar manchmal wünschen ein wenig mehr zu verstehen. Aber vermutlich ist das auch das größte Lob, das man der Serie machen kann: mich trotz einer Thematik, für die ich mich kein bißchen interessiere, bei der Stange zu halten, ist schließlich auch eine Kunst! Ohne die Anlaufschwierigkeiten während der ersten Episoden, wäre eine 10er Wertung durchaus denkbar gewesen – aber es ist auch schön noch Steigerungspotential zu haben: 9/10 (9.0) Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 7

So langsam aber sicher geht es straff auf das Ende zu: Nachdem ich „That ’70s Show – Season 7“ innerhalb nur eines Monats verschlungen habe, bleibt nur noch die finale Staffel, welche leider ohne zwei der Hauptcharaktere auskommen muss. Somit stellt sich jetzt schon ein wenig Wehmut ein – auch wenn die Qualität der Serie inzwischen nicht mehr mit ihren Anfangsjahren mithalten kann… Spoiler sind zu erwarten.

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Im Vergleich zur sechsten Staffel gab es im siebten Jahr einige Versuche neuen Schwung in die Serie zu bringen: Red kauft einen Auspuff-Laden (was es nicht alles gibt!) und Hyde lernt endlich seinen richtigen Vater kennen, der ihn sogleich zum Leiter eines Plattenladens befördert. Neue Schauplätze, neue Charakter – altbekannte Geschichten. Obwohl die Neuerungen für Abwechslung sorgen, so empfand ich sie teils als Fremdkörper in der Serie. Hinzu kommt, dass die restlichen Geschichten rund um Erics Auszeit äußerst konstruiert wirken und man merkt, dass den Autoren so langsam die Gründe ausgehen, die gesamte Clique in Point Place zu halten.

Auch was die Charakterzeichnung angeht werden die Brüche stärker. Während der ersten Staffeln war „Die wilden Siebziger!“ gerade deshalb so großartig, weil man die Figuren ernst genommen hat und die Comedy dennoch funktionierte. Inzwischen wird so manche liebgewonnene Eigenschaft dem schnellen Lacher geopfert. Ich denke hier besonders an Kitty und Red, die immer mehr zu – um es beinahe schon zu hart auszudrücken – Witzfiguren verkommen. Der Weggang von Eric und Kelso in der kommenden Staffel wird die Situation bestimmt nicht einfacher machen.

Fazit

Trotz abnehmender Qualität hatte ich auch im siebten Jahr wieder viel Spaß mit der Gang rund um Eric Forman. Es gab ein paar fantastische Episoden und ein paar schwächere – wirklich schlecht war allerdings keine. Die letzten vier Folgen, die den Abschied von Eric vorbereitet haben, fand ich zudem wirklich fantastisch und beinahe auf dem Niveau vorangegangener Staffeln. Dem Abschluss der Serie sehe ich nun mit gemischten Gefühlen entgegen und hoffe, dass die Autoren es irgendwie schaffen einen Totalschaden zu vermeiden: 8/10 (7.9) Punkte.

James Bond 007: Skyfall (2012)

Aktualisierung: Ich habe „James Bond 007: Skyfall“ am 3. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nachdem mir „Ein Quantum Trost“ ein wenig die Lust auf den britischen Geheimagenten genommen hatte, stand „James Bond 007: Skyfall“ für gut acht Monate unangetastet im Regal. In dieser Zeit hatte ich immer mal wieder über den Film gelesen und von ihm gehört, doch so richtig konnte ich mich nie zu einer Sichtung aufraffen. Heute jedoch war ich bereit – und gespannt, was Sam Mendes aus der klassischen Filmfigur herausholen würde…

James Bond 007: Skyfall (2012) | © Warner Bros (Universal Pictures)

James Bond 007: Skyfall (2012) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Von Beginn an fällt auf, dass man es nicht mehr mit dem durch und durch gebrochenen Bond des Vorgängers zu tun hat. Dieser James Bond lässt sogar ab und zu ein paar Oneliner fallen. Wer hätte das bei Daniel Craig für möglich gehalten? Überhaupt fühlt man sich sofort an die klassischen Bond-Filme erinnert: seien es die internationalen Schauplätze, die wilden Verfolgungsjagden oder der comichafte Bösewicht – James Bond scheint seine Wurzeln wiedergefunden zu haben. Sam Mendes sei Dank!

Doch ist dies nur die eine Seite der Geschichte: Neben den klassischen Action-Set-Pieces gibt es tiefergehende Handlungselemente. So überzeichnet und theatralisch Bösewicht Silva (grandios verkörpert von Javier Bardem) auch sein mag, so ist es nicht sein Ziel die Weltherrschaft an sich zu reißen – nein, er besitzt rein persönliche Motive. Auch die Spannungen zwischen M und Bond sind eher auf der Beziehungsebene, als im professionellen Rahmen verankert. Gegen Ende zaubert Mendes sogar noch so etwas wie eine Origin-Story für unseren 007 aus dem Hut. Ein Stilbruch, der im Rahmen des Films aber durchaus erfrischend wirkt.

Im Vergleich mit den bisherigen Daniel Craig-Bonds schlägt sich „Skyfall“ auf jeden Fall sehr gut – nach aktuellem Stand würde ich ihn sogar als neuen Favoriten, knapp vor „Casino Royale“ sehen:

  1. „James Bond 007: Skyfall“
  2. „James Bond 007: Casino Royale“
  3. „James Bond 007: Ein Quantum Trost“

Fazit

Auch wenn die Bond-Reihe wohl nie zu meinen Lieblingsfranchises zählen wird, so bin ich doch hoch erfreut in welche Richtung sie sich entwickelt. Nachdem Sam Mendes mit den schwermütigen – und damals zugegebenermaßen erfrischenden – Altlasten aufgeräumt hat, könnte der nächste Bond nach diesem Bindeglied tatsächlich die 70er/80er Jahre aufleben lassen. Schließlich ist Retro zurzeit ja angesagt. Ich würde mich freuen: 8/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 6

Weihnachten vergangenen Jahres befand sich die DVD-Komplettbox von „Die wilden Siebziger!“ unter dem Baum. Ziemlich genau 12 Monate später habe ich „That ’70s Show – Season 6“ beendet, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich für eine Staffel ungefähr zwei Monate gebraucht habe und somit Ende April mit der Serie durch sein müsste. Wird der Abschied schwer fallen, obwohl die Qualität der Serie doch langsam aber sicher abnimmt?

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Hatte es sich in der fünften Staffel bereits angedeutet, so hält die Soap Opera endgültig Einzug in Point Place, Wisconsin. Eric und Donna befinden sich mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, Kelso wird Vater und Bob geht eine Beziehung mit Jackies Mutter ein. So interessant es auch sein mag, in einer Sitcom mehrere episodenübergreifende Handlungsstränge präsentiert zu bekommen, so verliert die Serie dadurch doch an Witz und Glaubwürdigkeit. Weniger wäre hier mehr gewesen – und dennoch: Die Charaktere sind einem über die Jahre bereits so ans Herz gewachsen, dass man auch in dieser Phase bei ihnen bleibt.

Wie es ab und zu bei länger laufenden Sitcoms vorkommt, gab es in dieser Staffel auch bei „Die wilden Siebziger!“ einen Wechsel in der Besetzung: Die im vergangenen Jahr verstorbene Lisa Robin Kelly (Erics Schwester Laurie Forman) wurde durch Christina Moore ersetzt. Für mich unverständlich, da Laurie bereits in den letzten Staffeln kaum noch auftauchte und ihr Handlungsstrang als Fez‘ Greencard-Ehefrau sowieso zu den schwächeren zählt.

Viel Spaß hatte ich dagegen mit Hyde und Jackie, die als ungewöhnliches Paar umso unterhaltsamer sind. Auch Kelsos Ausflug in die Polizeischule weiß zu gefallen, bekommt er doch mit Alyson Hannigan (u.a. Willow in „Buffy: The Vampire Slayer“ oder Lilly Aldrin in „How I Met Your Mother“) eine großartige Partnerin zur Seite, wenn auch leider nur für wenige Episoden. Weitere Gaststars, wie Brooke Shields oder Seth Green, sorgen ebenso für Abwechslung.

Fazit

Auch wenn „That ’70s Show“ im inzwischen sechsten Jahr nicht mehr so frisch und frech wirkt, wie in den ersten Staffeln, so hatte ich doch immer noch viel Spaß mit der Serie und – um die eingehende Frage zu beantworten – ja, der Abschied wird in ein paar Monaten sicher schwer fallen: 8/10 (8.0) Punkte.

Der Hobbit: Smaugs Einöde – OT: The Hobbit: The Desolation of Smaug (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ am 21. Dezember 2014, am 23. Dezember 2015 und am 26. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Wo soll ich nur anfangen? Mir fehlen immer noch die Worte. Dabei habe ich es tatsächlich versucht. Aber zurück zum Anfang: Heute Nachmittag habe ich endlich „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ gesehen – auf der ganz großen IMAX-Leinwand in technisch brillianter 4K-Projektion und HFR 3D. Hatte ich mich bei der Kinosichtung des Vorgängers noch nicht an die 48 fps herangewagt, wollte ich mir dieses Mal selbst ein Bild von HFR machen. Warum dies mein Kinoerlebnis zerstörte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Viele Zuschauer kennen den Unterschied zwischen Video und Film nicht. Es sind ja alles bewegte Bilder. Ich dagegen reagiere auf den sogenannten Videolook extrem empfindlich. Inzwischen sind auch digitale Kameras in der Lage Filmlook detailgetreu zu replizieren. Selbst DSLRs mit korrekt gewählter Verschlusszeit und ein wenig Nachbearbeitung lassen uns an Film glauben. Nicht nur für Hobbyfilmer der Anbruch eines neuen Zeitalters. Man sieht jedoch immer wieder Filme, in denen die Videoästhetik bewusst beibehalten wird (z.B. Michael Manns „Public Enemies“). Für mich ein ebensolches No-Go, wie die Verschandelung von Filmen durch Berechnung von Zwischenbildern, wie 100+ Hz – und exakt an diesen verhassten Effekt hat mich HFR im Vorfeld erinnert. Glauben konnte ich es – besonders da es auch immer wieder begeisterte Stimmen gab – jedoch kaum. Was ich zu sehen bekam, bestätigte allerdings meine schlimmsten Befürchtungen.

Peter Jacksons Mittelerde sieht in HFR aus wie ein billiges Homevideo. Grotesk, trotz 3D flach und einfach nur unrealistisch realistisch. Sicher sind die langsamen Kamerafahrten butterweich und sehen toll aus, doch solche Szenen waren auch mit 24 fps nie das Problem. Sobald sich Personen bewegen, schnelle Kampfhandlungen o.ä. gezeigt werden, kommt es zu Beschleunigungseffekten, die mich jedes Mal komplett aus dem Film gerissen haben. Eingewöhnung nach ca. 10 Minuten? Selbst nach 160 Minuten war ich immer noch verstört von dieser schönen neuen Kinowelt. Es mag daran liegen, dass 48 fps noch zu wenig sind (James Cameron träumt ja von 120 fps), doch es kann mir niemand erzählen hier realistische Bewegungsabläufe gesehen zu haben. Die Kombination aus 48 Bildern pro Sekunde und der gewählten Verschlusszeit ist irgendwie daneben. Zumindest für meine Wahrnehmung. Sollte das wirklich die Zukunft des Kinos sein, suche ich mir ein anderes Hobby.

Den Film abseits seiner technischen Aspekte zu bewerten, fällt mir nun unglaublich schwer. Ich bin einfach nicht reingekommen. Nicht der Hauch von Immersion. Suspension of disbelief my ass! Zwar wurde jede Station der Vorlage abgehakt, es gab ein paar interessante Bilder zu sehen, doch war ich zu keiner Sekunde bei den Charakteren. Eine Schande. Hinzu kommt die Synchro, die mich noch weiter aus dem Film gerissen hat. Dabei wäre es bestimmt toll gewesen Stephen Fry als Bürgermeister von Seestadt zu hören! Insgesamt schien mir der Film noch aufgeblähter als „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ und seine Actionszenen noch forcierter. Insgesamt also auch ein inhaltlicher Rückschritt, wobei ich das nur schwer bewerten kann.

Was bleibt mir nun noch zu schreiben? Den Kinobesuch hätte ich mir sparen können. Auch meine bessere Hälfte war entsetzt ob des visuellen Eindrucks. Das restliche Publikum schien sich nicht im Geringsten daran zu stören. Vielleicht bin ich einfach zu alt für den Scheiß. Sorry Peter, sorry James, so bleiben wir keine Freunde. Versuche ich die Kulissenhaftigkeit auszublenden und mich nur auf die Handlung zu konzentrieren, würde der Film irgendwo zwischen 6 und 8 Punkten landen. Nächstes Jahr um diese Zeit wird mein Eindruck der 2D/24 fps-Fassung nachgereicht. Entschuldigt diese etwas andere Art der Besprechung, doch ich bin immer noch entsetzt. Schade um Mittelerde: 6/10 Punkte (unter Vorbehalt).

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – OT: The Hobbit: An Unexpected Journey – Extended Edition (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ am 13. Dezember 2014, am 19. Dezember 2015 und am 25. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nach drei anstrengenden, aber schönen Weihnachtstagen war es an der Zeit für ein wenig Abwechslung. Wieso also kein Abenteuer? So ein Abenteuer, wie es Bilbo Beutlin in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ erlebt hat. Damit sich solch ein Abenteuer auch lohnt, sollte es nicht zu kurz sein, weshalb wir dieses Mal die erweiterte Route Fassung gewählt haben. Mittelerde ist schließlich immer einen längeren Besuch wert, oder etwa nicht?

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Um es kurz zu machen: Der Film konnte sowohl seine Schwächen als auch seine Stärken, die er während der ersten Sichtung offenbart hatte, ausbauen. Ich mochte den langsamen Einstieg, die vorlagengetreue Ankunft der Zwerge und Bilbos zögerliche Zusage. Auch die bedeutungsschwangeren Andeutungen, die Peter Jackson in den ersten Teil seiner Prequel-Trilogie gepackt hat, haben mir nach wie vor gut gefallen. Zugegebenermaßen lassen manche Erzählstränge den Film ein wenig aufgebläht wirken, doch insgesamt ist Jackson dadurch eine schöne atmosphärische Brücke zu seiner „Der Herr der Ringe“-Verfilmung gelungen.

Der übermäßige CGI-Einsatz und die völlig entfesselte Kamera haben mich auch bei dieser zweiten Sichtung genervt. Allerdings wusste ich bereits, was auf mich zukommt, weshalb ich dieses Mal vorbereitet war. So oder so werde ich den filmischeren Look der alten Trilogie gegenüber den oft zu digital wirkenden Bildern der Nachfolgefilme stets bevorzugen. Über Designentscheidungen, wie den Goblin-König oder den digitalen Azog, habe ich mich ebenfalls erneut geärgert. Die Szenen mit Gollum haben mich dafür abermals gepackt und begeistert. Ein wahrlich zweischneidiges Schwert, wobei die positiven Aspekte nach wie vor klar überwiegen.

Was die erweiterten Szenen angeht, so fügen sich diese angenehm in die Handlung ein. Teils werten sie den Film deutlich auf (z.B. die Szenen im Auenland oder die White Council-Erweiterung), teils sind sie unnötig (z.B. der Song des Goblin-Königs). Fanservice eben. Man hat als Käufer ja die Wahl und ich werde auch in Zukunft zur erweiterten Fassung greifen. In 2D und auf der kleineren Bilddiagonale war es übrigens deutlich einfacher die Übersicht zu behalten, als noch in der 3D-Fassung im Kino. Umso gespannter bin ich nun auf das IMAX 3D HFR-Erlebnis, das morgen mit dem Nachfolger ansteht. Ein wenig Angst habe ich auch vor den 48 fps, aber muss man wohl einmal erlebt habe.

Insgesamt hat mir „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ bei der Zweitsichtung noch ein wenig besser gefallen, als beim ersten Mal. Für einen Punktesprung reicht es allerdings noch nicht. Auf die Fortsetzung freue ich mich nun schon ungemein und hoffe, dass bis morgen nichts dazwischen kommt. Man weiß ja nie. Weihnachtszeit ist also filmisch wieder gleichbedeutend mit Mittelerde. Was habe ich das vermisst: 8/10 Punkte.

Hangover 3 – OT: The Hangover Part III (2013)

Bisher hatte ich alle Teile der Filmreihe in unserem netten kleinen Fremdsprachenkino gesehen, was dem Unterhaltsungswert stets zuträglich war. Das Finale hatte ich im Kino verpasst und so war ich umso gespannter, ob „Hangover 3“ auch vom Sofa aus und ohne größeres Publikum funktionieren würde. Spoiler sind zu erwarten.

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Als ich nach der Erstsichtung von „The Hangover Part II“ das Kino verließ, wollte ich unbedingt einen dritten Teil sehen. Ich hatte enorm viel Spaß damit, der sich bei der Zweitsichtung jedoch nicht komplett aufrechterhalten ließ. Für den Abschluss der Reihe setzte ich meine Hoffnungen auf einen weiteren Junggesellenabschied, da Alan schließlich noch nicht unter der Haube war. Anscheinend hatte sich Todd Phillips aber die generelle Kritik am zweiten Teil zu Herzen genommen und die bewährte Formel geändert. Ob dies jedoch der richtige Weg war?

Im Prinzip erzählt auch der dritte Teil die bekannte Geschichte: Das Wolf Pack muss etliche kuriose Abenteuer bestehen, um ihr verlorenes Mitglied Doug wiederzufinden. Einzig das interessante Element des titelgebenden Hangovers fehlt vollkommen, was ich persönlich schade fand. Anscheinend haben dies auch die Macher gemerkt und etliche Szenen eingebaut, in denen man befürchten hätte können, dass sich die Gang wieder selbst unter Drogen setzt. Dazu kam es leider nicht, doch sorgte auch die restliche Handlung für etliche Lacher. Vielleicht bin ich da einfach zufriedenzustellen, doch Zach Galifianakis‘ Alan finde ich nach wie vor großartig.

Im direkten Vergleich zu „The Hangover“ oder auch dem Nachfolger hat sich der Grad der Verrücktheit der Erlebnisse des Wolf Packs deutlich reduziert. Dennoch waren einige Szenen einfach herrlich (z.B. das Abseilen vom Dach des Ceasars Palace), andere dagegen haben bewusst mit den Erinnerungen an den erfolgreichen ersten Teil der Reihe gespielt. Eines ist auf jeden Fall ziemlich sicher: Eine weitere Fortsetzung wird es wohl nicht geben. Dafür drückt Phillips den Zuschauern während der Credits noch einen rein, indem er ihnen zeigt, welchen Film sie nach der bekannten Formel hätten haben können. Einfach herrlich!

Es ist völlig klar, dass weder die eine noch die andere Fortsetzung nötig gewesen wäre. Der Abschluss der Trilogie ist auch klar der schwächste Teil der Reihe. Dennoch hatte ich Spaß. Es war schön mit den bekannten Figuren wieder einmal um die Häuser zu ziehen und teils verrückte, teils dämliche Abenteuer zu erleben. Die ernsthaften Cineasten schauen jetzt lieber kurz weg, doch ich wurde wirklich gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Die wilden Siebziger – OT: That ’70s Show – Season 5

Neben dem Konsum eher harter Serienstoffe, wie „Breaking Bad“ oder „The Shield“, habe ich über die letzten Wochen auch Point Place stets gerne einen Besuch abgestattet. Dies bedeutet, dass ich mit „That ’70s Show – Season 5“ bereits fünf Jahre mit der Gang rund um Eric Forman verbracht habe. Auch wenn sich so langsam erste Abnutzungserscheinungen zeigen, hatte ich wieder enorm viel Spaß in diesen wilden 70ern…

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Am Ende der vierten Staffel hatte ich noch vermutet, die fünfte Staffel nicht mehr von früheren TV-Ausstrahlungen zu kennen. An die ersten Episoden konnte ich mich jedoch noch ziemlich gut erinnern. Was die übergreifenden Handlungsstränge angeht, so treten diese mehr und mehr in den Vordergrund und spielen sich nahezu komplett auf der Beziehungsebene ab. Die Verlobung von Eric und Donna ist der rote Faden, an den sich auch die Geschichten rund um Red und Kitty anhängen. Dieser Konflikt wird für meinen Geschmack ein wenig zu sehr breitgetreten, bis Red am Ende endlich Einsehen hat, dennoch bleibt er stets unterhaltsam.

Der Kampf von Hyde und Kelso um Jackie gestaltet sich beinahe noch amüsanter. Die beiden Konkurrenten besitzen eine herrliche Dynamik, besonders wenn Kelso sich einmal wieder darüber beschwert, dass Hyde sein Auge verletzt hat. Fez dagegen sucht erneut das Mädchen seiner Träume und findet es vorübergehend in Nina, was auch ein durchaus netter Handlungsstrang ist. Erics Eltern kämpfen – neben der Verhinderung der Hochzeitspläne ihres Sohnes – mit Kittys Wechseljahren und ihren Eltern, was für etliche unterhaltsame Szenen sorgt.

Fazit

Insgesamt hatte ich auch mit dem fünften Jahr von „Die wilden Siebziger!“ wieder viel Spaß, doch so langsam treten bekannte Muster immer wieder in den Vordergrund und lassen ein wenig die Frische der ersten Staffeln vermissen. Dennoch nach wie vor exzellente Sitcom-Unterhaltung, auf deren nächste Staffel ich mich bereits jetzt freue: 8/10 (8.4) Punkte.

Die Tribute von Panem: Catching Fire – OT: The Hunger Games: Catching Fire (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ am 27. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Heute haben wir es endlich einmal wieder ins Kino geschafft. Geplant war der Besuch von „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ schon lange, da sowohl meine Frau als auch ich Suzanne Collins‘ Romantrilogie regelrecht verschlungen haben. Da mir bereits Gary Ross‘ Verfilmung des Vorgängers ausgezeichnet gefallen hat, war ich umso gespannter wie denn mein Lieblingsteil der Trilogie unter neuer Regie umgesetzt wurde…

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013) | © Studiocanal

Bereits die ersten paar Minuten haben mich sofort in die Welt von Panem eintauchen lassen. Ich war wirklich erstaunt, wie sehr die Bilder des Films den Bildern meiner Vorstellung entsprechen. Als hätte Regisseur Francis Lawrence (u.a. „Constantine“ und „I Am Legend“) sie 1:1 auf die Leinwand übertragen. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bereits beim ersten Teil, doch bei dessen erster Sichtung kannte ich die Bücher noch nicht. Insofern wurde mein Eindruck von Panem wohl von beiden Medien stark beeinflusst.

Die Handlung des Films entspricht nahezu unverändert der Vorlage. Bevor es erneut in die Arena geht, machen sich Katniss und Peeta während der Tour der Sieger auf den Weg durch die 12 Distrikte, was größtenteils der Charakterentwicklung und der Darstellung der beginnenden Revolution dient. Diese Szenen werden in der Vorlage zwar noch genauer beschrieben, doch der Kern ist auf jeden Fall auch im Film vorhanden. Die dynamisch erzählte Trainingssequenz eröffnet anschließend einen wunderbar unterhaltsamen Blick auf die Konkurrenz unserer Tribute, die wahrlich fantastisch besetzt ist.

Die Arena selbst hatte mir bereits im Buch ausgezeichnet gefallen und der Film schafft es tatsächlich den Schrecken visuell eindrucksvoll abzubilden. Gerne hätte ich mich noch länger darin aufgehalten. Im Gegensatz zum Vorgänger fallen Kürzungen der Arena-Szenen weniger ins Gewicht. Zudem hat man auf unpassende Änderungen, wie z.B. die Darstellung der Mutationen, dieses Mal verzichtet. Für mich stellt der Film folglich tatsächlich eine qualitative Steigerung zum ohnehin schon gelungenen Vorgänger dar.

Fazit

Freunde der Romantrilogie werden sich die Verfilmung ohnehin anschauen. Doch ich kann auch allen anderen, die sich nur am Rande für Sci-Fi-Dystopien begeistern können, nur empfehlen, sich der Welt von Panem zu öffnen. Mit Jennifer Lawrence, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Stanley Tucci und ab diesem Teil auch Philip Seymour Hoffman gibt es zudem schauspielerische Schwergewichte, denen der Film absolut gerecht wird – und andersherum. Ein rundum gelungenes Kinoerlebnis. Am liebsten hätte ich sofort den nächsten Teil gesehen: 8/10 Punkte.

Iron Sky (2012)

Wenn man sich in den letzten Jahren auch nur am Rande mit Film beschäftigt hat, musste einem „Iron Sky“ zwangsläufig über den Weg laufen. Teils durch Crowdfunding entstanden und somit von Anfang an als Kultfilm konzipiert, hat der Film auch aufgrund seiner herrlich absurden Prämisse Wellen geschlagen. Was ist also dran an der finnisch-deutschen Sci-Fi-Satire?

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Die Idee ist grandios: Nazis auf dem Mond, die planen die Erde zu erobern – was hätte man daraus alles machen können? Angeboten hat sich in diesem Fall natürlich grober Unfug, bei dem sich die Frage, ob man über Nazis lachen darf oder nicht, überhaupt nicht stellt. Insofern schon einmal viel richtig gemacht. Ein gewisser Trash-Faktor muss bei dieser Art von Film natürlich auch vorhanden sein. Action. Völlig übertriebene Action. Und natürlich Humor. Viel Humor. Sollte man eigentlich meinen, oder nicht?

„Iron Sky“ sieht für sein geringes Budget gut aus. Viel zu gut. Die Effektszenen müssen sich teils selbst vor größeren Hollywood-Produktionen nicht verstecken, was in Kombination mit der flachen Handlung und den durchwachsenen Leistungen der Schauspieler oft befremdlich wirkt. Visuell bombastisch inszenierte Steampunk-Anleihen und ein Score, der intelligenter arrangiert scheint, als das gesamte Drehbuch geschrieben ist, treffen auf ungelenke Witze und eine seltsam sprunghaft wirkende Dramaturgie.

Viele der 90 Minuten des Films haben sich gezogen wie Kaugummi. Leider können die interessante Prämisse und die ambitionierte Inszenierung nicht über das schwache Drehbuch und den nahezu nicht vorhandenen Humor hinwegtäuschen. Vieles ist bestimmt lustig gemeint, doch verpufft nahezu jede potenzielle Pointe durch schlechtes Timing oder miese Dialoge nahezu vollständig. Ein paar Mal musste ich durchaus schmunzeln, doch für solch einen Film, der beinahe schmerzhaft offensichtlich als überdrehte Satire inszeniert ist, kann das nicht genug sein.

Auch wenn ich mich teils geärgert und gelangweilt habe, so bin ich dennoch froh mir den Film angesehen zu haben. Er hat einen gewissen amateurhaften Charme und so manche Idee weiß durchaus zu gefallen. Doch hätte man wahrlich mehr Energie in das Drehbuch stecken müssen, als das gesamte Budget für – zugegebenermaßen beeindruckende – Effektszenen auszugeben. Somit bleibt ein weder sonderlich lustiger oder gar subversiver Film, der eher aufgrund seiner Entstehungsgeschichte in Erinnerung bleiben wird: 4/10 Punkte.