Slither

Es gibt nur wenige Schauspieler, die mich dazu bewegen, einen Film zu sehen. Nathan Fillion gehört – seitdem ich ihn in Joss Whedons Kultserie „Firefly“ gesehen habe – eindeutig dazu. Da mir „Slither“ zudem noch aufgrund seines Genres vielversprechend erschien, habe ich mich wirklich auf die Sichtung gefreut. Eine berechtigte Vorfreude.

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Ich liebe Monsterhorrorfilme. Besonders solche, die leicht selbstironisch inszeniert sind und sich nicht all zu ernst nehmen. Der beste Film dieser Art ist wohl nach wie vor „Tremors“ (deutsche Titel: „Im Land der Raketenwürmer“). Da in diesem Genre gute Filme wirklich Mangelware sind, kam „Slither“ gerade zur rechten Zeit. James Gunn versucht in seinem Film nie seine Vorbilder zu toppen. Er nimmt sie nie bewusst auf die Schippe. Er nimmt sie ernst – und deshalb funktioniert der Film. „Slither“ ist keine Parodie und doch kein ernsthafter Horrorfilm. Er bewegt sich irgendwo dazwischen. Das hat er mit „Tremors“ gemein, auch wenn er nie an diesen Klassiker heranreicht.

Die Geschichte ist in großen Teilen vorhersehbar. Sie ist nicht sonderlich originell. Die Dramaturgie ist teils etwas holprig und man hat stets das Gefühl, alles schon einmal in ähnlicher Form gesehen zu haben. Doch „Slither“ macht Spaß, hat tolle Figuren und ist einfach sympathisch. Mehr braucht es für diese Art von Film gar nicht.

Die Effekte sind – so man Blut, Schleim und Gekröse abkann – grandios, die Inszenierung ist flott und die Schauspieler verleihen ihren Figuren genau das richtige Maß an Authentizität, um in dieser Welt des selbstironischen Horrorfilms zu funktionieren. Allen voran natürlich Nathan Fillion, der – wie immer – das gewisse Etwas zu seiner Rolle beiträgt.

Zwar kein neuer Genreklassiker, aber immerhin ein großer, schleimiger Spaß: 7/10 Punkte.

Ab durch die Hecke – OT: Over the Hedge (2006) (WS1)

Nun habe ich doch schneller Zeit für eine weitere Sichtung von „Ab durch die Hecke“ gefunden, als gedacht. Dieser Eintrag ist nun insofern eine Premiere, als er die erste Wiederholungssichtung festhält, die ich tätige, seit ich begonnen habe meine Meinung so weitflächig zu verbreiten. Um solche Einträge leichter herausfiltern zu können, werde ich sie in Zukunft mit der innovativen Abkürzung WS (für Wiederholungssichtung) kennzeichnen.

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Neue Erkenntnisse haben sich durch die heutige Sichtung eigentlich nicht ergeben. Die Geschichte um die sympathischen Vorstadtviecher kann immer noch voll und ganz überzeugen. „Ab durch die Hecke“ festigt somit seinen Platz als bester CG-Animationsfilm knapp hinter den Pixarwerken und befindet sich damit fast schon auf einem Level mit den „Shrek“-Filmen aus gleichem Hause.

Neuigkeiten gab es dagegen im Making Of. Demnach basiert „Over the Hedge“ auf einem – anscheinend – ziemlich anarchistischen Comic, bei dem ein Waschbär und eine Schildkröte allerlei lustige Bemerkungen über das Verhalten von uns Zweibeinern machen. Danach sollte ich wohl einmal Ausschau halten.

Wie auch schon das letzte Mal ein großer Spaß, der wohl noch ein paar Sichtungen verträgt, bis es zu größeren Abnutzungserscheinungen kommt: 8/10 Punkte.

Born to be Wild – OT: Wild Hogs

Nach über einem halben Jahr war ich gestern endlich einmal wieder in der Sneak. Gehofft hatte ich auf „300“, meine schlimmste Befürchtung war – nach Sichtung des Trailers – „Herr Bello“. Mit dem letztendlich gezeigten „Born to be Wild“ hatte ich überhaupt nicht gerechnet, doch bereits nach den ersten paar Minuten war klar, was für ein Film die Zuschauer in den nächsten 100 Minuten erwartet.

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So kam es dann auch: Eine seichte, stargespickte Hollywood-Komödie von den ersten Minuten bis zum bitteren Ende. Tim Allen sehe seit „Galaxy Quest“ sehr gerne. Auch John Travolta mag ich ich als Schauspieler. William H. Macy ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Eigentlich also gute Voraussetzungen. Doch leider kann das Skript mit der eigentlich witzigen Grundidee überhaupt nicht mithalten. Bereits die Charakterisierung der Hauptfiguren läuft nach Schema F ab: In getrennten Kapiteln ohne Zusammenhang und Ausnutzung der durchaus vorhandenen Gruppendynamik. Zudem wird der Prolog viel zu breitgetreten und bis die Truppe endlich losfährt, stellen sich bereits erste Ermüdungserscheinungen ein.

Doch dann startet die Bikertour und damit kommt auch der Film in Fahrt. Im Mittelteil kommt es somit zu einigen gelungenen Scherzen und einem superlustigen Gastauftritt von John C. McGinley – dem Menschenfreund Dr. Cox – als schuler Cop. Im Laufe der Handlung finden unsere vier Freunde ihren Erzrivalen in dem – von Ray Liotta verkörperten – Kopf einer Bikergang. Nach einigen Desastern trifft die Truppe in der kleinen Stadt Madrid ein, in der unser Computerfreak (William H. Macy) endlich sein Mädchen (immer gerne gesehen: Marisa Tomei) findet und es zum Showdown mit den verfeindeten Bikern kommt.

Die letzte halbe Stunde kocht gerade zu über vor übermäßigem Kitsch, vorhersehbaren Handlungen und schlechten Scherzen. Einzig der Gastauftritt von Peter Fonda – als Übervater aller Biker – konnte noch ein Schmunzeln auf meine Lippen zaubern. Ansonsten ist das Ende des Films eine Ansammlung all der Faktoren, die mir Hollywood-Komödien teils wirklich madig machen. Schade drum.

Letztendlich ist „Born to be Wild“ ein typischer Sneak-Film. Ohne Anspruch, für einen normalen Kinoabend undenkbar und im Rahmen der Sneak trotzdem unterhaltsam: 5/10 Punkte (1 für iCat, 1 für John C. McGinleys schwulen Cop, 1 für Marisa Tomei, 1 für Peter Fonda und 1 für teils ganz nette Gags).

Shrek 2 (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Shrek 2“ am 4. März 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich mich einmal wieder in die überdrehte Märchenwelt von „Shrek 2“ begeben. Im Gegensatz zum Vorgänger kenne ich den zweiten Teil noch nicht auswendig, weshalb mir dieser auch etwas mehr Spaß gemacht hat. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist auf jeden Fall noch einmal gestiegen.

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek 2 (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Die Geschichte fügt sich nahtlos an den ersten Teil an und erweitert die Märchenwelt und ihre Figuren (grandios: der gestiefelte Kater), ohne jedoch die etablierten Charaktere und ihre Eigenheiten aus den Augen zu verlieren. Zwar gewinnt auch hier die Rahmenhandlung keine Innovationspreise, doch überzeugt auch das zweite Abenteuer des grünen Ogers mit seinen unzähligen Anspielungen auf diverse Märchen und seinen Referenzen auf die Popkultur. Einfach ein großer, unbeschwerter Spaß.

Technisch ist der Film makellos und überzeugt durch knallbunte Farben und tolle Animationen. Die Welt ist superlebendig und man kann sich – wie bereits im ersten Teil – gut vorstellen, dass sich die klassischen Märchen dort wirklich zugetragen haben. In sehr überdrehter Form, aber dennoch glaubwürdig. Unterstützt wird die spaßige Atmosphäre mit allseits bekannten Popsongs, die von den Darstellern (u.a. Eddie Murphy) teils selbst vorgetragen werden.

„Shrek 2“ ist ein wirklich gelungener Animationsfilm, der zwar nicht unbedingt lange im Gedächtnis bleibt, während der Sichtung aber wirklich ausgezeichnet zu unterhalten weiß und einfach gute Laune verbreitet. Der dritte Teil darf kommen: 8/10 Punkte.

Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen – OT: Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit (2005)

Die Knetgummihelden von Aardman sind mir das erste Mal im Alter von 16 Jahren über den Weg gelaufen. Seitdem sind inzwischen über 10 Jahre vergangen. Bereits damals war ich begeistert von der Animationstechnik und der Liebe zum Detail. Einige Jahre später bin ich durch eine Sneak-Preview zufällig auf „Chicken Run“ gestoßen, der sich für mich zu einem persönlichen Überraschungshit entwickelt hat. Nach der – wie so oft – verpassten Kinosichtung, bin ich nun endlich dazu gekommen, mir das neueste Abenteur der Knetveteranen anzusehen: „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“.

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Wie bereits vor 10 Jahren, besticht immer noch der unglaubliche Detailreichtum. Zudem wirkt der Film aufgrund der physikalisch präsenten Sets und Figuren einfach realer, als die meisten computergenerierten Filme. Aardman hat wirklich eine fantastische Arbeit geleistet. Ich mag gar nicht daran denken, wie unglaublich aufwendig die Stop Motion-Animation in den Actionsequenzen gewesen sein muss. Die Macher verdienen meinen vollen Respekt. Ich erinnere mich noch an meine erste Studienarbeit, in der ich mit der gleichen Technik gearbeitet habe. Obwohl letztendlich nur ein 90sekündiger Kurzfilm mit zwei supereinfachen Figuren herausgekommen ist, waren die Aufnahmen sehr nervenzerrend. Vielleicht zeige ich ihn hier gelegentlich einmal. Dann kann man auch sehen, wie verdammt gut Aardman ihr Handwerk verstehen.

Nun aber zum Film selbst: Die Geschichte ist an klassische Gruselfilme angelehnt und wird in einem aberwitzigen Tempo erzählt. Da gibt es keine einzige überflüssige Szene. Oft driftet der Film in die Parodie ab, was sehr gut zum überdrehten Stil der Erzählung passt. Der Schwerpunkt liegt – wie bereits bei den Kurzfilmen – immer auf den beiden Hauptfiguren und der Chemie zwischen ihnen. Der Verlauf der Geschichte ist generell ziemlich vorhersehbar, doch schadet das dem Film nicht unbedingt. Man merkt hier aber teils, wer die eigentliche Zielgruppe ist. Dennoch gibt es mehr als genügend versteckte Gags, die auch den erwachsenen Zuschauer ansprechen (z.B. der nackte Wallace versteckt seine Preziosen hinter einer Pappschachtel, auf der ‚May contain nuts‘ zu lesen ist).

Insgesamt ist auch das erste Kinoabenteuer von Wallace und Gromit ein riesengroßer Spaß. Dennoch kommt der Film meiner Meinung nach nicht ganz an den Ausbruch des Federviehs heran. Wenn man etwas für Animation übrig hat: Auf jeden Fall ansehen! 8/10 Punkte.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall – OT: Four Weddings and a Funeral (1994)

Mike Newells „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ habe ich zum ersten Mal mit 14 Jahren im Kino gesehen. Der Auslöser war die Rolle von Rowan „Mr. Bean“ Atkinson, den ich damals ganz toll fand. Nach dieser ersten Sichtung war ich einerseits enttäuscht, dass der Part des Komikers so klein ausgefallen ist, andererseits fand ich den restlichen Film überraschend gut gelungen. Zumindest für eine romantische Komödie, mit denen ich in diesem Alter noch recht wenig anzufangen wusste.

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In den folgenden Jahren habe ich „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ erstaunlich oft gesehen, wobei mir besonders die Figuren und die Atmosphäre des Films ans Herz gewachsen sind. Inzwischen sind seit der letzten Sichtung einige Jahre vergangen. Doch da ich die Nachfolger aus der Feder von Richard Curtis („Notting Hill“ und „Tatsächlich… Liebe“) recht gelungen fand, wurde es meiner Meinung nach einmal wieder Zeit für eine Auffrischung der Erinnerungen. Umso passender, dass es den Film zurzeit für gerade einmal 2,99 € bei Weltbild (auch in den Ladengeschäften) gibt.

Auch heute noch kann mich der Beziehungsreigen um die Gruppe von sympathischen Hochzeitsgängern begeistern. Der Aufbau ist geschickt: Aller Figuren werden über einen Zeitraum von ca. 18 Monaten begleitet. Allerdings werden nur Hochzeiten (und eine Beerdingung) gezeigt. Die Charakterisierung bleibt deswegen gerade so oberflächlich, dass man der Handlung einige Logikfehler verzeihen kann, und geht doch so tief, dass einem die Figuren ans Herz wachsen. Meiner Meinung nach sehr schön gelöst.

Die Geschichte ist eigentlich ziemlich simpel und fast schon vernachlässigbar. Der Film lebt von den Figuren und der Atmosphäre auf den Feiern. Dort stolpern die Charaktere teils etwas unbeholfen herum, was Erinnerungen an eigene Erlebnisse mit großen Festen dieser Art aufkommen lässt. Allerdings sieht die Bilanz bei mir etwas anders aus: Ich war schon auf mehr Beerdigungen als Hochzeiten. Sollte mir das zu denken geben?

Zwar merkt man dem Film sein Alter von inzwischen 13 Jahren in manchen Szenen schon an, doch gefällt er mir heute immer noch sehr gut. Damals war Hugh Grants trottelig charmante Art eben noch eine echte Neuerung. Insofern kann man den Film durchaus als Klassiker unter den RomComs bezeichnen: 8/10 Punkte.

Wo ist Fred?

Gestern habe ich in unserem kleinen Kino die deutsche Komödie „Wo ist Fred?“ gesehen. Deutsche Komödie. Deutsche Komödie mit Til Schweiger. Noch vor einigen Jahren hätten bei mir jetzt alle Alarmglocken geschrillt. Doch die Post-„Der bewegte Mann“-Ära ist lange vorbei und die Geschichte hat in meinen Ohren sehr interessant geklungen. Ich war also guter Dinge, habe aber dennoch nicht solch einen superlustigen Film erwartet.

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Die von amerikanischen Drehbuchautoren geschriebene Geschichte hat im Vorfeld anscheinend für einigen Wirbel gesorgt. In den USA wollte niemand sich an das – angeblich – heikle Thema heranwagen. Umso besser! Ich möchte gar nicht wissen, was aus diesem Film geworden wäre, hätten z.B. die Farrellys das Drehbuch in die Hände bekommen. Dennoch verstehe ich die ganze Aufregung nicht: Wo ist das Problem? In dem Film wird nicht über Behinderte gelacht, sondern über das Verhalten ihrer Mitmenschen. Zudem finde ich es gut, dass nicht die Mitleidsschiene gefahren wird, so wie in den meisten Filmen über Behinderte. Ich habe während meiner Zivizeit viele Behinderte kennen gelernt und bin mir sicher, sie alle hätten sich bei „Wo ist Fred?“ köstlich amüsiert und sich in keinster Weise angegriffen gefühlt.

Die Geschichte ist simpel, steckt aber voller Witz und wirklich lustiger Einfälle. Zudem ist sie toll inszeniert und erstklassig besetzt. Ich habe gestern festgestellt, dass ich Til Schweiger eigentlich doch ganz gerne sehe, Jürgen Vogel selbst in Nebenrollen zur Hochform aufläuft, Christoph Maria Herbst vielseitiger ist, als ich dachte, und Alexandra Maria Lara einfach supersüß ist. Ergänzt werden die Kernschauspieler durch famose Nebendarsteller, die den Film erst lebendig machen. Sehr sympathisch.

Insgesamt bin ich besonders vom Humor des Films sehr angetan. Da trifft Slapstick auf Situationskomik und beides wird in eine klassiche Screwballkomödie eingebettet. Hat bei mir einen Nerv getroffen. Schön auch die eher versteckten Anspielungen: So hängt in Freds Wohung (Anmerkung: Fred bowlt gerne) ein Poster von „The Big Lebowsky“ oder bei der Erpressung des AKs (denkt mal alle an Mittermeier) läuft im Hintergrund „Das kleine Arschloch“. Solche subtilen Details füllen die Lücken in der Geschichte locker auf und machen einfach Spaß.

Schön fand ich auch die Musikuntermalung. Als dann im Abspann CHASING CARS von SNOW PATROL lief, war ich vollends zufrieden. Leider steht zu befürchten, dass der Film ziemlich untergeht – bzw. schon untergegangen ist. Ich empfehle deshalb jedem, der noch die Chance hat, den Film in einem vollen Kino zu sehen, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen: 8/10 Punkte.

Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

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Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.

Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.

Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.

Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.

Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.

Ice Age 2: Jetzt taut’s – OT: Ice Age 2: The Meltdown

Aufgrund eines äußerst spontanen Videoabends, haben wir uns gestern auf vielfachen Wunsch „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ angesehen. Die Sichtung im Kino scheint mir vor noch gar nicht so langer Zeit gewesen zu sein, doch das war auch schon wieder vor weit über einem halben Jahr. Vielleicht kommt dieser Eindruck auch daher, dass ich den ersten Teil noch zu gut im Kopf habe. Wie man es auch dreht und wendet, ich hatte wieder sehr viel Spaß mit den Eiszeitabenteurern.

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Die Geschichte ähnelt wieder sehr der des ersten Teils. Unsere Freunde sind auf einem Weg von A nach B und haben dabei allerlei Abenteuer und aberwitzige Situationen zu meistern. Der größte Pluspunkt ist hier deutlich der Wegfall der Menschen. Das bringt den Film meiner Meinung nach einen sehr großen Schritt nach vorne. Zudem sind die neuen Charaktere um Mammutdame Ellie ein wirklicher Mehrwert. Doch auch die bekannten Figuren – allen voran Faultier Sid – können ihre Charaktereigenschaften nun voll ausspielen, da keine Einführung ihrer Eigenheiten mehr nötig ist. Alles in allem verdient „Ice Age 2“ mit seiner Geschichte garantiert keine Auszeichnungen, doch wurden meiner Meinung nach die gröberen Fehler des ersten Teils vermieden und seine Stärken ausgebaut.

Technisch macht die Fortsetzung des Kinohits noch einmal einen großen Sprung nach vorne. Besonders die Fell- und Flüssigkeitssimulation kann überzeugen. Die neuen Tiere haben zudem ein tolles Charakterdesign und überhaupt wird die gesamte Eiszeitwelt durchdachter und einheitlicher gestaltet.

Neben allen bisher erwähnten Vorzügen, macht sich auch die erhöhte Präsenz der Eichhörnchenratte Scrat positiv bemerkbar. Insgesamt hat mir „Ice Age 2“ besser als sein Vorgänger gefallen, was eher selten vorkommt. Sicherlich wurden viele Änderungen vorgenommen, um dem Massengeschmack zu entsprechen (Scrat) und die Geschichte gewinnt keine Innovationspreise, doch solange das Endergebnis so unterhaltsam ist wie hier, soll es mir recht sein: 8/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Die Zeit um Weihnachten war für mich schon immer eine besondere Zeit für gewisse Filme. So ist seit ein paar Jahren die „Der Herr der Ringe“-Trilogie untrennbar mit den stillen Tagen des Jahres verbunden. Doch schon davor haben Filme, wie „Das letzte Einhorn“ oder „Schöne Bescherung“ (OT: „Christmas Vacation“), einen festen Platz im persönlichen Vorweihnachtsprogramm eingenommen. In den letzten Jahre bin ich zwar immer weniger dazu gekommen mir diese Filme anzusehen, doch dieses Jahr war es einmal wieder an der Zeit, Weihnachten mit den Griswolds einzuläuten.

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Ich weiß gar nicht wie oft ich den Film schon gesehen habe. Als Kind unzählige Male. So wie die meisten Abenteuer um die Chaosfamilie Griswold. Ins Erwachsenenalter hat sich jedoch nur „Christmas Vacation“ hinüber retten können. Bisher habe ich nur die synchronisierte Version gehen, doch heute habe ich festgestellt, dass Familienoberhaupt Clark Griswold (grandios: Chevy Chase) im Original noch besser flucht. Auch wenn es anfangs ungewohnt ist, kann ich jedem nur empfehlen, sich die „Schöne Bescherung“ auch einmal auf Englisch anzusehen.

Zum Film selbst brauche ich wohl nicht mehr viel zu sagen. Er funktioniert einfach. Die Versatzstücke aus Slapstick, Sitcom, Brachialhumor, Satire und auch leiseren Tönen überzeugen auch heute noch. Teils sind die Szenen zwar unglaublich platt und man fragt sich, wie man das jemals lustig finden konnte – so geht es mir jedes Mal im Epilog – doch bereits im nächsten Moment wird man in das Weihnachtschaos hineingesogen und fühlt sich einfach pudelwohl bei den Griswolds. Der Film schafft es trotz seiner Bruchstückhaftigkeit eine Eigenständigkeit zu erzielen, die eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Aber das kann man wohl nur verstehen, wenn einen der Film bereits über so viele Jahre begleitet hat.

Ich finde es auch jedes Mal toll wieder neue alte Darsteller zu entdecken: Julia Louis-Dreyfus (Elaine Benes, „Seinfeld“), Doris Roberts (Marie Barone, „Everybody Loves Raymond“) und viele andere. Ein tolles Ensemble! Alles überragend natürlich: Chevy Chase. Eine seiner besten Leistungen.

Für mich gehört „Christmas Vacation“ einfach zu Weihnachten und ich bin froh, den Film auch dieses Jahr wieder einmal gesehen zu haben. Objektiv betrachtet ist die folgende Wertung bestimmt zu hoch, doch der Film hat mich einfach schon zu oft zu gut unterhalten, als dass weniger als 9/10 Punkte gerechtfertigt wären.