Für immer Shrek – OT: Shrek Forever After

Als Dreamworks 2001 „Shrek“ in die Kinos brachte, war ein neuer Klassiker des Animationsfilms geboren. Knapp 10 Jahre später nahm der grüne Oger mit „Für immer Shrek“ Abschied von der Leinwand. Ob das große Finale besser gelungen ist, als der von vielen Kritikern vernichtend besprochene Vorgänger? Man durfte gespannt sein…

Schon nach den ersten paar Minuten war mir klar: Die Magie ist weitgehend verschwunden. Bereits „Shrek der Dritte“ – der mir immerhin besser gefiel, als den meisten Zuschauern – hatte viel vom anarchischen Zauber der Vorgänger eingebüßt. Das beinahe schon satirische Märchenreich des Ogers wurde zu dem, was es selbst einmal durch den Kakao gezogen hat: Eine zuckersüße Bonbonwelt mit klischeehaften Charakteren und einer nur netten Geschichte.

Trotz des fehlenden Zaubers, versprach „Für immer Shrek“ zunächst eine immerhin mitreißende Geschichte zu erzählen. Ich liebe Handlungsstränge, die in Paralleluniversen spielen. Alternative Realitäten und so. Dafür bin ich wirklich immer zu haben. Hier jedoch vermisste ich bei diesen Ansatz die knackigen Ideen. Letztendlich wurde abermals die gleiche Geschichte abgespult, nur um am Ende mit einer Holzhammerbotschaft ins letzte Happy End der Reihe zu gehen.

Besonders schade ist, dass der Film eigentlich alle Knöpfe drückt, um ein Erfolg zu werden: Es gibt schöne Reminiszenzen an die ersten Teile, es gibt eine relativ vielversprechende Prämisse und es gibt einen interessanten Bösewicht, der letztendlich leider auch nicht das halten kann, was zunächst versprochen wird. Mir ist es vorgekommen, als wäre dem Film immer kurz vor dem nächsten großen Lacher die Luft ausgegangen. Nicht wirklich schlecht, sogar stets unterhaltsam, aber eben nicht konsequent durchdacht.

Freunde der Reihe werden bestimmt wieder 90 Minuten Spaß mit Shrek, Esel und Co. haben. Ich für meinen Teil habe mich durchaus amüsiert, musste aber immer öfter wehmütig an die wunderbaren Vorgänger denken. Somit bin ich nicht traurig, dass es sich hiermit um den – so hoffe ich zumindest – letzten Teil der Reihe handelt. Man sollte eben aufhören, wenn es am schönsten ist – und nicht erst zwei Filme danach: 6/10 Punkte.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1 – OT: Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1 (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1″ am 29. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend hatten wir uns einmal wieder einen Elternabend gegönnt, der uns zu „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1“ ins Kino führte. Wie bei jedem Teil der Filmreihe war meine Vorfreude ziemlich groß, wenngleich ich es dieses Mal auch nicht geschafft habe, mir zuvor noch einmal den bzw. die Vorgänger anzuschauen. Spoiler sind zu erwarten.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1 (2010) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1 (2010) | © Warner Home Video

Um es bereits vorweg zu nehmen: Mir hat der Film großes Vergnügen bereitet. Wie bisher alle Verfilmungen der erfolgreichen und von mir sehr geschätzten Vorlage. Mit dieser Einschätzung stehe ich meist – zumindest unter den Filmbloggern – ziemlich alleine da: Den Cineasten fehlt der künstlerische Anspruch, den Hardcorefans weichen die Filme zu sehr von der Vorlage ab und den Nichtkennern derselben ist die Geschichte zu konfus erzählt. Für mich jedoch funktionieren die Filme als Bebilderung der Geschichte ausgezeichnet. Den Rest füllt mein – zugegebenermaßen lückenhaftes – Gedächtnis auf. Und künstlerischer Anspruch? Mir reicht hier sauberes Handwerk – und das kann man David Yates in seinen Verfilmungen wahrlich nicht absprechen.

Der Film transportiert die dichte Atmosphäre der Vorlage einmal mehr ausgezeichnet. Als ich das Finale der Romanreihe las, begleitete mich stets eine düstere Endzeitstimmung, welche von Yates fabelhaft eingefangen wurde. Auch die Hauptpunkte der Geschichte werden erneut abgearbeitet, wobei sich die Verfilmung einmal mehr auf die Gefühle der Charaktere konzentriert, als jedes Detail ausführlich zu beleuchten. Für viele ein großer Kritikpunkt, für mich jedoch ein ein deutlicher Vorteil, da ich charakterorientiertes Erzählen bevorzuge – die Lücken in der Handlung füllt meine Erinnerung auf, doch die Emotionen werden auf der Leinwand abgebildet. Für mich funktioniert der Film dadurch ausgezeichnet.

Im Vergleich zum direkten Vorgänger „Harry Potter und der Halbblutprinz“ wirkt die Geschichte viel weniger gehetzt, was der Teilung der Adaption auf zwei Filme zu verdanken ist. Sicherlich wird Warner Bros. hier zunächst einmal Gewinnmaximierung im Fokus gehabt haben, doch kommt die doppelte Laufzeit durchaus auch der Geschichte und besonders den Charakteren zugute. Dabei bleibt der Film so kurzweilig, dass die doch recht ansehnliche Laufzeit wie im Fluge vergangen ist und ich mir im Anschluss sehr gerne noch Teil zwei angesehen hätte. Die Rechnung der Produzenten ist damit wohl aufgegangen und ich werde im Juli erneut im Kino sitzen.

Auf die Handlung des Films werde ich nicht weiter detailiert eingehen, sondern nur noch drei Aspekte ansprechen. Erstens: Warum mussten die Uniformen der bösen Ministeriumsmitarbeiter unbedingt NS-Uniformen nachempfunden sein? Da hätte man sich mehr Gedanken machen können. Zweitens: Die Sterbeszene von Dobby hat ihre Wirkung anscheinend nicht verfehlt, was ich am vermehrten Schluchzen diverser Kinobesucher festmachen konnte. Für eine reine CGI-Figur durchaus beeindruckend. Drittens: Die Umsetzung des Märchens um die drei Brüder ist wahrlich famos gelungen und hat den Film in meinen Augen noch einmal deutlich aufgewertet.

Fazit

Für mich hat David Yates mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1“ einen wunderbaren Anfang vom Ende der erfolgreichen Fantasybuchreihe geschaffen. In meinen Augen wird der Film der Vorlage durchaus gerecht, wenngleich er natürlich nicht deren Tiefe erreichen kann. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden und freue mich bereits auf das Finale – sowie darauf danach hoffentlich Zeit für die erneute Sichtung der gesamten Reihe zu finden: 8/10 Punkte.

Willow (1988)

Aktualisierung: Ich habe „Willow“ am 5. November 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich in letzter Zeit viel über Genres geschrieben habe, die mich normalerweise nicht sonderlich interessieren, habe ich mich gestern einem meiner Lieblingsgenres zugewandt. Mit Ron Howards „Willow“ hielt der klassische Fantasyfilm Einzug in mein Wohnzimmer und zauberte einmal mehr ein Lächeln auf mein Gesicht.

Willow (1988) | © Walt Disney

Willow (1988) | © Walt Disney

Die George Lucas-Produktion aus dem Jahr 1988 zählt wohl zu den meistgesehenen Filmen meiner Jugend. Die unzähligen Sichtungen diverser TV-Ausstrahlungen und später dann der DVD wurden erst von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“-Trilogie in ihrer Bedeutung und Häufigkeit abgelöst. Doch auch heute noch muss ich oft an die Abenteuer Willow Ufgoods denken und somit war es einmal wieder an der Zeit dem Land der Nelwyns und Daikinis einen Besuch abzustatten.

Die Geschichte ist nicht sonderlich originell, sondern liest sich wie ein Best of der Fantasyliteratur. Hauptsächlich stand wohl tatsächlich Tolkiens berühmte Saga Pate für die grobe Handlung und ihre Charaktere. Dies fällt jedoch nicht negativ auf, da „Willow“ andere Schwerpunkte setzt und z.B. viel mehr auf Humor und Action setzt. Der Film ist – für seine Zeit – auch sehr effektlastig, was ihn heut teils recht angestaubt (z.B. Stop-Motion-Drache) wirken lässt. Allerdings wurde in „Willow“ zum ersten Mal erfolgreich computerunterstütztes Morphing eingesetzt, was den Film für VFX-Freunde durchaus interessant macht.

Die Inszenierung erinnert sehr an die „Star Wars“-Filme und selbst James Horners Score könnte von John Williams komponiert worden sein. Es ist offensichtlich, dass George Lucas mit „Willow“ ein weiteres erfolgreiches Franchise schaffen wollte, was ihm letztendlich leider nicht gelang. Die Abenteuer Willows und Elora Danans wurden aber immerhin in einer Buchtrilogie („Schattenmond“, „Schattendämmerung“ und „Schattensonne“) fortgesetzt, welche – zumindest bei uns – leider nicht mehr erhältlich ist.

Da ich beinahe jeden Dialog des Films mitsprechen kann und die zauberhafte Fantasy-Atmosphäre einfach liebe, fällt es mir natürlich schwer „Willow“ objektiv zu bewerten. Wer also nach solch einer Einschätzung sucht, sollte sich wohl lieber woanders umsehen. Für mich kommt Ron Howards Ausflug in die fantastischen Welten direkt hinter Peter Jacksons Verfilmung von Tolkiens Epos und stellt damit eines der seltenen Genrehighlights dar: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Drachenzähmen leicht gemacht – OT: How to Train Your Dragon (2010)

Aktualisierung: Ich habe „Drachenzähmen leicht gemacht“ am 27. Dezember 2017 zum zweiten und am 11. September 2020 zum dritten Mal gesehen. Die neuen Besprechungen findet ihr jeweils hinter den Links.

Wenn es um Animationsfilme geht, dann geht für mich nichts über Pixar. Die Filme anderer Studios sind meist nett anzusehen, doch bleiben sie meist nicht wirklich lange im Gedächtnis. Mit „Drachenzähmen leicht gemacht“ hat DreamWorks Animation jedoch einen ziemlich heißen Kandidaten ins Rennen geschickt, um Pixar die Stirn zu bieten.

Die Geschichte ist simpel: Ein Stamm von Wikingern muss sich gegen die örtliche Plage – die titelgebenden Drachen – zur Wehr setzen. Der Sohn des Häuptlings ist jedoch nicht aus dem Holz geschnitzt, aus dem Drachentöter gemacht sind. Doch gerade dieser wird im Kampf gegen die Drachen die entscheidende Wendung herbeiführen. Entscheidend ist weniger was erzählt wird, als wie die Geschichte umgesetzt wurde. Mit viel Herz, Humor und noch mehr mitreißender Action.

„How to Train Your Dragon“ ist wohl der actionreichste Animationsfilm, der mir bisher untergekommen ist. Es kracht und scheppert an jeder Ecke, das Tempo ist unglaublich hoch und man weiß oft gar nicht an welche Stelle des Bildschirms man zuerst schauen soll. Diesen Film hätte ich wahrlich gerne in der 3D-Fassung gesehen. Doch glücklicherweise funktioniert er ebenso auf dem heimischen Fernseher, da man sich mit selbstzweckhaften 3D-Szenen glücklicherweise zurückgehalten hat.

Die Charaktere sind liebenswert trottelig, die Drachen feurig skurril und die computergenerierte Landschaft eine Augenweide. Hinzu kommt ein stimmungsvoller Score, der den Film auch emotional auf die richtigen Bahnen lenkt. Ein rundum stimmiges Paket. Stößt DreamWorks Animation damit Pixar vom Thron? Soweit ist es noch nicht, doch ist „Drachenzähmen leicht gemacht“ endlich einmal ein Film, der nicht auf allzu ausgetretenen Animationspfaden wandelt. Einfach nur ein großer, actionreicher Spaß für die ganze Familie (wenn auch nicht die ganz Kleinen).

Anfangs dachte ich noch, dass hiermit ein neues Franchise aufgebaut werden sollte, doch letztendlich wirkt die Geschichte des Films sehr abgeschlossen. Vielleicht ist das auch besser so. Dies würde zumindest die Sonderstellung des Films unter seinen Genrekollegen kräftigen. Bravo, DreamWorks Animation! Bitte weiter so: 8/10 Punkte.

Wo die wilden Kerle wohnen – OT: Where the Wild Things Are (2009)

Nach viel zu vielen Unterbrechungen, habe ich gerade Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle wohnen“ beendet. Einen Film während der Einschlafphase unseres Zappelinchens zu schauen ist doch stets ein Abenteuer. Dennoch hat die Verfilmung des berühmten Kinderbuchs von Maurice Sendak genau in mein filmisches Herz getroffen: Let the wild rumpus start!

Nach unzähligen Sichtungen des Trailers war ich einerseits wirklich heiß auf den Film, andererseits hatte ich auch Angst, dass die naturalistische Darstellung von Max‘ Königreich samt seine Bewohner auf Dauer doch zu anstrengend sein würde. Doch weit gefehlt! Spike Jonze vermeidet CGI-Effekte wo es nur geht – bzw. versteckt diese ausgezeichnet – und lässt seine Charaktere tatsächlich miteinander agieren. Unterstützt wird dies durch verstärkten Handkamera-Einsatz, was für das Genre zunächst ungewohnt erscheint, letztendlich aber das surreale Mittendrin-Gefühl nur noch umso mehr unterstreicht.

Neben der audiovisuellen Ausgestaltung (ja, auch Score und Soundtrack sind famos), kann „Where the Wild Things Are“ besonders durch seine Geschichte überzeugen. Auf den ersten Blick mag sie simpel erscheinen, doch schon bald begreift man hier das komplexe Abbild von Max‘ Emotionen und Projektionen seiner Umwelt miteinander agieren zu sehen. Oft wirklich herzergreifend und einfach nur wunderschön erzählt.

Neben Inszenierung und Drehbuch, darf man natürlich auch die fantastische Ausstattung und die grandiosen Darsteller nicht vergessen. Der 9-jährige Max Records scheint wie geschaffen für die Rolle seines Namensvetters. Toll gespielt, ohne Frage. James Gandolfini (Tony Soprano, „The Sopranos“) spricht die Projektion von Max‘ wilder Seite – ein zotteliges Monster namens Carol – und haucht ihm so viel unbändige Wildheit ein, dass es eine wahre Freude ist. Auch der restliche (Voice-)Cast ist perfekt gewählt und trägt den Film bis zur letzten Sekunde.

Spike Jonze ist mit „Where the Wild Things Are“ einer der wunderbarsten Filme über die Kindheit gelungen, den ich je sehen durfte. Ein Kinderfilm ist es allerdings nicht und ich kann nur einmal mehr meinen Kopf aufgrund der Freigabe unserer geliebten FSK schütteln. Für alle Erwachsenen da draußen, die sich noch gerne an ihre Kindheit erinnern, gibt es aber wohl kaum einen schöneren Film: 9/10 Punkte.

The Book of Eli

Es gibt Genres, die eine große Anziehungskraft auf mich ausüben. Zu diesen gehören alle Unterarten des Endzeitfilms. Das Leben nach der Apocalypse. Wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis mir „The Book of Eli“ der Hughes-Brüder über den Weg läuft. Der Trailer sah interessant aus und so erhoffte ich mir neue Aspekte trotz der nur allzu bekannten Prämisse.

Audiovisuell ist der Film absolut beeindruckend. Stilisierte Endzeitbilder, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Entsättigte Landschaftsbilder werden von einem eindringlich wummernden Score begleitet. Unzählige Farbfilter geben der Wanderung unseres Helden einen surrealen Touch. Nein, diese Welt ist nicht mehr die unsrige. So wunderbar Elis Streifzug durch das wüstenartige Amerika auch anzusehen ist, so sehr hält uns diese überstilisierte Form der Inszenierung auch auf Distanz. Es fällt schwer Zugang zu dieser Welt zu finden.

Die Handlung des Films ist von Anfang auf mysteriös getrimmt. Der einsame, wortkarge Held mit undurchsichtiger Mission. Leider jedoch wirkt gerade dieser Mystery-Aspekt seltsam fehl am Platz. Eli scheint unverwundbar und was es mit dem Buch auf sich hat, erschließt sich schon alleine aufgrund des Filmtitels. Besonders das Ende des Films wirkt hier extrem aufgesetzt und gezwungen. Ja, man kann religiöse Schriften so oder so auslegen. Gutes oder Schlechtes mit ihnen bewirken. Keine Frage. Mich stört nicht der Grundgedanke des Films, sondern das reichlich platte Drehbuch. Ein fähigerer Autor hätte da wahrlich mehr herausholen können.

Richtig gut gefallen hat mir das westernartige Duell zwischen Eli (Denzel Washington) und Carnegie (Gary Oldman). Hier wird eine schöne Atmosphäre heraufbeschworen, die in ihren besten Momenten an die „Mad Max“-Trilogie erinnert, deren Qualität jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Trotz teils völlig überzeichneter Charaktere nimmt sich der Film viel zu ernst, was natürlich auch in seiner Thematik begründet ist. Dennoch hätte man da – nein, das Drehbuch ist wirklich nicht gelungen – etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Endzeitfans dürften, trotz seiner Schwächen, Spaß an dem Film haben. Die spärlich eingesetzte Action ist zwar fragwürdig, aber stets gut inszeniert. Leider ist die Geschichte größtenteils recht hanebüchen, was – besonders gegen Ende – ziemlich viel kaputt macht. Zum einmal Schauen kann man jedoch durchaus eine Empfehlung aussprechen. Man sollte sich nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Oben – OT: Up (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Oben“ am 21. Mai 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich meinen ersten Film gesehen seit das Zappelinchen in unser Leben getreten ist. Der erste Film seit sieben Wochen. Ich glaube das ist ein neuer Rekord. Was lag also näher, als mit „Oben“ einen kinderfreundlichen (dazu später mehr) Pixarfilm zu sichten? Im Kino hatte ich das Werk meiner liebsten Animationsschmiede leider verpasst und somit war die Vorfreude auf die Heimkinopremiere umso größer.

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich den audiovisuellen Genuss herausstellen, den dieser Film bietet. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Allein dafür hat sich die Anschaffung eines Blu-ray-Players gelohnt. Die Detailverliebtheit Pixars ist abermals unglaublich und ich hätte den Film am liebsten alle paar Minuten angehalten, nur um die Bilder zu bestaunen. Tatsächlich habe ich das auch getan, was allerdings weniger dem Film, als dem Töchterchen geschuldet ist. Filmschauen mit einem nicht schlafen wollendem Kind im Nebenzimmer ist eine ganz neue Erfahrung.

Nachdem mich der Film ästhetisch auf jeden Fall schon für sich gewinnen konnte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Inhalt und diesbezüglich hat „Oben“ durchaus gemischte Kritiken bekommen. Alle Kritiker sind sich jedoch einig, dass die ersten zwanzig Minuten des Films das Anrührendste sind, was man je in einem Animationsfilm zu sehen bekam. Auch ich war zutiefst ergriffen und musste die eine oder andere Träne verdrücken. So unglaublich schön. Ich gehe sogar noch weiter und attestiere der gesamten ersten Filmhälfte unwahrscheinliche emotionale Reife, denn auch – oder sogar besonders – nach der Rückblende kann man für Carl Frederickson einfach nur tiefste Verbundenheit empfinden.

Auch die Reise gehört für mich unabdingbar zu den wichtigen Elementen des Films. Das Abenteuer steht für eine tiefe Sehnsucht und treibt unseren Helden unablässig voran. Für mich kam der Bruch mit dem Erscheinen der sprechenden Hunde. Ähnlich wie in „WALL·E“ fällt die zweite Filmhälfte etwas ab, da die neuen Handlungselemente doch etwas fremd in dem bisher eher emotional geprägten Film wirken. Doch nach einer gewissen Zeit machen auch diese Ansätze durchaus Sinn, wenngleich ich mir hier oft eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht hätte. Die Szenen in denen Carl die fehlenden Seiten in Ellies Abenteuerbuch entdeckt und er endlich loslassen kann, sind dann einfach wieder nur zutiefst ergreifend.

Aufgrund seines Themas muss ich mich über die Freigabe des Films doch stark wundern. Kein Kind unter 6 Jahren wird die emotionale Tragweite des Films begreifen, geschweige denn verkraften können. Für mich ist „Oben“ – sieht man einmal von den sprechenden Hunden ab – bisher der reifste Film Pixars. Auch der Gewaltlevel hinterlässt bei jüngeren Kindern bestimmt Eindruck, da die bösen Hunde durchaus bedrohlich wirken und auch der Antagonist des Films dieses Mal – im Gegensatz zu den meisten anderen Animationsfilmen – nicht ungeschoren davon kommt.

Fazit

Insgesamt reiht sich „Oben“ für mich nahtlos in die makellose Filmographie Pixars ein. Einige Szenen haben sich sofort in mein Herz gespielt und zählen ab sofort zu meinen Animationsfavoriten. Daneben wirkt der Film teils etwas inkonsequent inszeniert, was jedoch dem Gesamtwerk kaum schadet. Wieder einmal ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.