Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

Sing Street (2016)

Der Ostermontag war beinahe ein wenig anstrengend. Es hat den ganzen Tag geregnet, so dass Außenaktivitäten nicht drin waren. Umso tragischer, da zu den Geschenken ein Skateboard und Inline Skates gehörten. Also abends noch, für die gute Stimmung, ein Brettspiel gespielt, dann die Kinder ins Bett gebracht und mit „Sing Street“ den dritten Musikfilm von John Carney in den Blu-ray-Player geschoben. Es scheint so, als würde sich so langsam ein neuer Lieblingsregisseur bei mir herauskristallisieren…

Das Glück in der Traurigkeit

Das Setting im Irland der 1980er Jahre vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hätte auch eine ganz andere Art von Film heraufbeschwören können: ein Sozialdrama, wie von Ken Loach inszeniert, das bestenfalls bittersüße Momente beinhaltet. John Carney jedoch wählt den Weg der Hoffnung. Er lässt seine Figuren wortwörtlich das Glück in der Traurigkeit finden. Und das ist ganz und gar wundervoll. In „Sing Street“ erzählt Carney eine klassische Coming-of-Age-Geschichte samt erster Liebe, der Abkapselung vom Elternhaus, Rebellion und Selbstverwirklichung. Diese Auflistung mag sich klischeehaft lesen, doch wurden diese Aspekte selten so erfrischend ehrlich, undramatisch und mit Musik inszeniert. Es ist eine wahre Freude!

Coming-of-Age als Spiegel der eigenen Jugend

Warum liebe ich Coming-of-Age-Filme? Natürlich weil sie immer ein Spiegelbild der eigenen Jugend darstellen. Ich war nie in einer Band, habe selten rebelliert und mein Elternhaus war größtenteils intakt. In „Sing Street“ inszeniert John Carney das Idealbild einer Jugend in den 80er Jahren. Conor (großartig: Ferdia Walsh-Peelo) findet sich über die Laufzeit des Films und erlebt bis dahin etliche Phasen, die stets durch Musik ausgedrückt werden. John Carney kennt die musikalischen Trends der 80er Jahre und legt sie wie eine Schablone über Conors Leben. Wunderbar, erfrischend und einfach nur mitreißend anzusehen. Dabei spart der Film ernste Themen nicht aus und ist in den entscheidenden Momenten dennoch so unglaublich positiv und lebensbejahend, dass man dies in der oft zynischen Kinolandschaft der 2010er Jahre kaum glauben mag.

Wenn Conor und Raphina (ebenso hinreißend: Lucy Boynton) am Ende in den bildhaften Sonnenuntergang fahren, hätte das in jedem anderen Film vermutlich unglaublich kitschig gewirkt. Hier jedoch habe ich mich einfach mit den beiden gefreut. Mit dieser Szene spiegelt „Sing Street“ auch die entsprechende Szene aus Carneys „Once“ wider, in der sich die Protagonisten entscheiden eben nicht zusammen nach England zu gehen. Der Kreis schließt sich.

Fazit

Nun habe ich mit „Once“, „Can a Song Save Your Life?“ und „Sing Street“ die drei großen Musik-Filme von John Carney gesehen. Alle drei haben mich auf ihre Art und Weise berührt. Man kann definitiv einen übergreifenden Stil erkennen und ich hoffe inständig, dass Carney mit dem Thema noch nicht durch ist. Für mich eine der schönsten, hoffnungsvollsten und mitreißendsten Coming-of-Age-Geschichten, die ich jedem Freund des Genres (und der Musik!) nur empfehlen kann: 9/10 Punkte.

The O.C. – Season 4

Es ist vorbei: Nachdem ich mit der dritten Staffel doch ein wenig zu kämpfen hatte, war meine Vorfreude auf das Finale nicht besonders groß. Doch natürlich habe ich es mir als alter Komplettist nicht nehmen lassen, auch „The O.C. – Season 4“ einen Besuch abzustatten. Ob diese letzte Staffel den Abwärtstrend fortsetzt, oder ob die Autoren das Steuer noch einmal herumreißen konnten, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Gleich zu Beginn der Staffel fällt unbestreitbar auf, dass sich die Serie nicht mehr wirklich wie das „O.C., California“ anfühlt, das wir während der ersten beiden Jahre kennengelernt haben. Doch so ist es ja oft bei Serien und speziell in diesem Genre. Nicht umsonst gab es in „One Tree Hill“ nach dem vierten Jahr einen Zeitsprung, der aus den Teens plötzlich Twens machte. Ein durchaus sinnvoller Schritt, denn Teen-Dramen wirken spätestens immer beim Wechsel von der Highschool ins College unglaublich forciert. Auch „The O.C.“ ist hier keine Ausnahme, wenngleich ich froh war, dass die Leichtigkeit in die Serie zurückgekehrt ist.

Speziell die College-Episoden leben von dieser Leichtigkeit, die zugegebenermaßen schon manchmal ins Alberne abdriftet. Dies liegt vor allem an Chris Pratt (Starlord, „Guardians of the Galaxy“), der für den einen oder anderen Lacher sorgt. Auf Dauer zu anstrengend, doch es war nett zu sehen, wo der Schauspieler seine Wurzeln hat.

Marissa hat in der Serie tatsächlich ein Loch hinterlassen, das teils von ihrer Schwester, teils von Taylor (Autumn Reeser) gefüllt wird. Ansonsten gibt es das übliche Drama zu bewundern, das tatsächlich in einem Erdbeben gipfelt. Immerhin haben die Autoren es uns erspart tödliche Krankheiten o.ä. in die Serie einzuarbeiten und dafür lieber auf eine unerwartete Schwangerschaft gesetzt. Wohl mein liebster Twist. Dies alles macht die finale Staffel tatsächlich wieder sehenswerter als das schwächere dritte Jahr:

  1. „The O.C. – Season 1“ (8.1 Punkte)
  2. „The O.C. – Season 2“ (7.7 Punkte)
  3. „The O.C. – Season 4“ (7.3 Punkte)
  4. „The O.C. – Season 3“ (6.9 Punkte)

Insgesamt ist mir der Abschied von Newport nicht wirklich schwer gefallen. Dazu hat die Serie ihre Charaktere zu sehr in die Beliebigkeit abdriften lassen. Dennoch mochte ich das Finale und wurde in einzelnen Momenten sogar an die starke erste Staffel erinnert. Diese war tatsächlich ein Highlight unter den Teen-Dramen, was man von den folgenden Jahren nur bedingt behaupten kann: 7/10 (7.3) Punkte.

The O.C. – Season 3

Nachdem ich die ersten beiden Staffeln der Serie innerhalb kürzester Zeit gesehen habe, zog sich die Sichtung von „The O.C. – Season 3“ im direkten Vergleich doch ein wenig hin. Ich kann gleich verraten, dass dies leider auch an der fallenden Qualität der Serie liegt, doch insgesamt hatte ich auch weiterhin viel Spaß mit den Problemen der Reichen und Schönen aus Orange County. Spoiler sind zu erwarten.

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Bereits mit dem Ende der zweiten Staffel hat sich „The O.C.“ in eine Richtung entwickelt, die mir nicht sonderlich gut gefallen hat: Die Serie wurde übertrieben dramatisch und hat unsere Hauptfiguren in abstruse Situationen gebracht und so agieren lassen, wie man es ihnen zuvor nicht zugetraut hätte. Leider entwickelt sich auch die dritte Staffel in diese Richtung weiter und speziell die Handlungsstränge der Eltern waren mir häufig zu übertrieben dramatisch. Bisher waren Kirsten und Sandy Cohen die moralischen Stützpfeiler und nun plötzlich Alkoholismus und schmierige Geschäfte. Das hat für mich nicht gepasst und der Serie doch einiges an Attraktivität genommen. Wie sieht es bei den Teenagern aus?

Mit Johnny Harper gibt es einen Neuzugang zur Gang, der sich schnell zur tragischsten Figur der Serie entwickelt. Bevor er auf Marissa, Ryan und Co. gestoßen ist, hatte er eine große Sportkarriere vor sich und schien mir ein ganz glücklicher Typ zu sein. Innerhalb nur weniger Episoden sorgen Johnnys neue Bekanntschaften dafür, dass er schwer verletzt wird, seine Sportkarriere aufgeben muss, in Depressionen verfällt und letztendlich tödlich verunglückt. Neben diesem dramatischen Höhepunkt gibt es wieder allerlei Beziehungsdrama zwischen Ryan und Marissa sowie Summer und Seth, was auf Dauer auch ein wenig anstrengend wird, aber zumindest größtenteils unterhaltsam bleibt. Auch die restlichen positiven Aspekte (Auftritte von bekannten Indie-Bands oder Seths Wortwitz) werden leider ziemlich heruntergefahren. Die Serie hat ihren Zenit inzwischen auf jeden Fall überschritten.

Das Finale der Staffel stellt für mich dann leider noch einmal einen Tiefpunkt dar, entledigt man sich darin doch eines Charakters in bester Soap-Opera-Manier bzw. so wie ich mir das eben vorstellte. Jeglicher Aufbau zuvor fällt in sich zusammen, was besonders tragisch ist, hätte es davor doch bereits eine gute Möglichkeit gegeben die Figur aus der Serie zu schreiben, ohne abermals einen überdramatischen Todesfall zu inszenieren. Wirklich sehr extrem schade, dass die Autoren hier den billigsten und effekthascherischsten Ausweg genommen haben.

Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß mit meinem inzwischen schon dritten Jahr in Newport Beach. Leider hat sich die Serie in dessen Verlauf immer stärker in Richtung Soap Opera entwickelt, einem Format, das sie während ihrer ersten Staffel noch aufs Korn genommen hat. Ich bin inzwischen tatsächlich froh, dass ich nun nur noch 16 Episoden vor mir habe, denn meine Hoffnungen für diese sind leider eher gering. Gespannt bin ich dennoch, wie die Autoren mit der veränderten Situation umgehen werden und wie sich unsere Gruppe sortiert: 7/10 (6.9) Punkte.

The O.C. – Season 2

Gerade einmal zwei Wochen habe ich für meine Rückkehr nach Orange County benötigt. So schnell bin ich in letzter Zeit kaum durch eine Serie gesprintet. Bedeutet dies nun, dass „The O.C. – Season 2“ eine unfassbar herausragende Serie ist? Das leider nicht. Es zeichnet eher ein trauriges Bild von meinen momentanen Abenden. Die Arbeit ist fordernd, viele Familienmitglieder gesundheitlich angeschlagen und ich schlafe regelmäßig ab 21 Uhr auf dem Sofa ein – und für diese Konstellation ist „O.C., California“ wahrlich die perfekte Serie…

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Nachdem der Status quo am Ende der ersten Staffel ein wenig durcheinander gewürfelt wurde, befindet sich bereits in der zweiten Episode wieder (fast) alles beim Alten. Sowieso klar. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn etwas anderes hätten wir Zuschauer ja eh nicht sehen wollen. Im Laufe der Staffel wird dieser Aspekt ganz meta auch von den Charakteren, allen voran Seth Cohen, aufgegriffen und kommentiert. In solchen Momenten macht mir die Serie unglaublich viel Spaß. Da kann ich auch gerne über das beständige Soap-Opera-Gefühl und das Auf und Ab der Beziehungen unserer Hauptfiguren hinwegsehen. Zudem hat die Serie in ihrem zweiten Jahr auch noch andere Highlights zu bieten.

Was Fall Out Boy für „One Tree Hill“ waren, sind Death Cab for Cutie für „The O.C.“ – kaum wurde ein Club als Schauplatz eingeführt, geben sich mehrere Indie-Bands die Klinke in die Hand. Na, wem kommt das bekannt vor? Mir scheint als hätten diese zwei parallel laufenden Teen-Dramen ziemlich exakt auf die gleichen Trends gesetzt, nur in unterschiedlicher Geschmacksrichtung. Funktioniert hat es auf jeden Fall und ich bin mir sicher, die popkulturelle Relevanz war einer der Erfolgsfaktoren für beide Serien. Auch heute ist das noch sehr angenehm zu schauen. George Lucas höchstpersönlich hat übrigens auch einen Gastauftritt.

Im letzten Drittel der Staffel driftet „The O.C.“ leider ziemlich ab. Die Geschehnisse werden immer übertriebener, Charaktere brechen aus ihren Rollen aus und das Drama wird auf unangenehme Art und Weise auf die Spitze getrieben. Irgendwie immer noch unterhaltsam, aber weit nicht mehr so gelungen, wie während der ersten 15 Episoden. Was man so liest, scheint es in der dritten Staffel leider so weiterzugehen. Dies stimmt mich nicht gerade positiv. Ich lasse mich überraschen: 8/10 (7.7) Punkte.

The O.C. – Season 1

Nachdem ich mit der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ ein wahres Highlight abgeschlossen hatte, war ich ein wenig ratlos, was denn meine nächste Serie werden sollte. Also habe ich mein Regal durchstöbert und bin bei „The O.C. – Season 1“ hängen geblieben. Die Serie stand immerhin schon seit über zwei Jahren ungesehen (und noch in Folie verpackt) bei mir herum. Kann nicht angehen. Also gab es über die letzten Wochen ein wenig Kontrastprogramm und was soll ich sagen? Ich wurde tatsächlich erschreckend gut unterhalten…

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Mit der Sichtung von „One Tree Hill“ liegt meine letzte Begegnung mit einem Teen-Drama ziemlich genau ein Jahr zurück. Dies scheint mir auch ein guter Rhythmus für das Genre zu sein, wenngleich ich ohnehin glaube inzwischen alle relevanten Vertreter gesehen zu haben. Einzig eine Rückkehr zum Ursprung mit „Dawson’s Creek“ könnte ich mir noch vorstellen, doch befürchte ich einen akuten Nostalgie-Flash. Auch wenn „The O.C.“ oder „O.C., California“, wie der deutsche Titel der Serie lautet, schon zur nächsten Generation von Teen-Drama gehört, so haben sich die Themen doch nicht groß weiterentwickelt. Popkultur spielt eine größere Rolle und es gibt bereits einige Anspielungen, die auf der Metaebene funktionieren, zum Beispiel wird das Alter der Schauspieler thematisiert und ob diese noch glaubhaft Teenager verkörpern können.

„The O.C.“ ist 2003 zeitgleich mit der ersten Staffel von „One Tree Hill“ gestartet, weshalb es für mich spannend war zu sehen, inwiefern sich die Serien unterscheiden. Durch die oben genannten humoristischen Anklänge wirkt „O.C., California“ etwas moderner als das Pendant von The WB. Dennoch lässt sich auch hier nicht verheimlichen, dass seit der Erstausstrahlung bereits 14 Jahre vergangen sind. Natürlich stellt sich somit auch die Frage, ob eine Serie dieses Formats heute noch funktioniert, hatte ich ja selbst 2003 meine Teenager-Jahre schon hinter mir gelassen. Die Antwort ist einfach: Ja, auch heute weiß die Serie noch zu unterhalten. Sei es durch den Indie-Soundtrack, der auch meine Zwanziger geprägt hat, die Themen rund um Liebe und jugendlichen Leichtsinn, die nie alt werden, oder die Erzählstränge der Eltern, die uns einen Blick in die Oberschicht Kaliforniens werfen lassen – schon nach wenigen Episoden setzt der Soap-Opera-Effekt gnadenlos ein und man lässt sich von der Welt der Reichen und Schönen wunderbar einlullen.

Wenn man „The O.C.“ mit den Qualitätsserien vergleicht, wie wir sie heute gewohnt sind, dann fällt die Serie ein wenig aus der Zeit. Wenn man sich jedoch darauf einlässt und mit dem Genre generell etwas anfangen kann, dann macht Josh Schwartz‘ (u.a. „Chuck“) Serie auch heute noch unglaublich viel Spaß. Zudem funktioniert sie gerade in stressigeren Zeiten perfekt als eskapistisches Element am Ende eines langen Tages. Glaubt mir, ich habe es selbst ausführlich getestet: 8/10 (8.1) Punkte.

Girls – Season 3

In den letzten paar Wochen hat es „Girls – Season 3“ bei mir auf den Bildschirm geschafft. Von der ersten Staffel war ich damals ziemlich begeistert und auch das zweite Jahr mit den Girls konnte mich überzeugen. Nach der dritten Staffel treten allerdings erste Ermüdungserscheinungen auf, was vielleicht weniger an der Serie als an mir liegt. Lasst es uns in dieser Besprechung doch gemeinsam herausfinden…

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Erneut betreten wir das Leben der vier Freundinnen, die sich inzwischen allesamt ein wenig auseinander gelebt haben: Hannah ist abermals mit Adam (Adam Driver, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) liiert und scheint ihr Leben einigermaßen im Griff zu haben. Jessa befindet sich in einer Entzugsklinik, Marnie leidet irgendwie vor sich hin und Shoshanna – ja, was macht eigentlich Shoshanna? Um all diese Probleme kreist das Leben der Charaktere. All das ist abermals sehr unterhaltsam erzählt, doch kam ich irgendwann an den Punkt, dass ich den Figuren zurufen wollte: „Jetzt reißt euch mal zusammen! Ihr habt keine Probleme. Macht etwas aus eurem Leben!“

Ich schätze Lena Dunham so ein, dass dieser Effekt auch zu einem gewissen Teil beabsichtigt ist und es gibt immer mal wieder Szenen, die hinter die Fassade und die Egozentrik der Figuren schauen. Vielleicht bin ich inzwischen auch schon zu alt und spießig, um dieses Lebensgefühl nachempfinden zu können. Vielleicht aber tritt die Serie inzwischen auch ein wenig auf der Stelle. Davon einmal abgesehen funktioniert „Girls“ für mich weiterhin sehr gut. Ich mochte die einzelnen Episoden und fand so manchen Handlungsstrang wirklich toll, wie z.B. die satirischen Spitzen auf gekauften Journalismus und Hannahs Umgang damit.

Insgesamt ist „Girls“ weiterhin eine famose Serie, doch spätestens jetzt sollte Lena Dunham das Steuer herumreißen und eine echte Weiterentwicklung der Figuren anstreben. Ich glaube, dann könnte die Serie auch weiterhin zu den Highlights zählen, die mehr zu bieten habe als nur sehr gute Unterhaltung: 8/10 (8.2) Punkte.

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

Alles steht Kopf – OT: Inside Out (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Alles steht Kopf“ am 1. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem Kurzfilm „Lava“ stand natürlich der Hauptfilm „Alles steht Kopf“ auf dem Programm, auf dessen Sichtung ich mich bereits seit einem Jahr freue. Die Idee klang in meinem Kopf einfach großartig und ich hoffte sehr, dass Pixar damit – nach dem ein wenig schwächeren „Die Monster Uni“ – zu alter Größe zurückkehren würde. Zudem war es mein erster Animationsfilm in diesem Jahr, was die Vorfreude darauf zusätzlich steigerte…

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Alles steht Kopf (2015) | © Walt Disney

Um das Fazit direkt vorwegzunehmen: Ja, „Inside Out“ ist großartig und der beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und „Die Monster AG“ oder vielleicht sogar gleichauf mit den beiden Klassikern. Es ist unglaublich, was für ein Feuerwerk an Ideen das Animationsstudio hier abfeuert – und das sowohl auf audiovisueller als auch auf inhaltlicher Ebene. Hinzu kommt, dass der Film trotz seines erklärungsbedürftigen Ansatzes immer zugänglich und leicht wirkt. Das Wichtigste ist jedoch: Pixar schafft es erneut Emotionen zu entfachen, die voll und ganz ins Schwarze treffen. Wie bereits bei der „Toy Story“-Serie geht es um den Verlust der Kindheit und den Aufbruch in eine neue Welt. Herzzerreißend ohne kitschig zu sein. Einfach wunderbares Kino.

Um alle Ebenen, die „Alles steht Kopf“ aufmacht, zu begreifen, muss ich den Film wohl noch etliche Male sehen. Die Autoren haben wunderbare Bilder für komplexe neurowissenschaftliche Zusammenhänge gefunden, die nicht nur absolut treffend, sondern dabei auch unglaublich unterhaltsam sind. Das Zusammenspiel zwischen Innenwelt und Außenwelt funktioniert dabei extrem gut, wobei jeder Schauplatz seinen individuellen Stil beibehält – und dennoch wirkt alles wie aus einem Guss.

Fazit

Spätestens wenn die Erinnerungen an die Kindheit verblassen und man sich, und als Elternteil seine Kinder, in der Geschichte um Riley wiedererkennt, gibt es kein Halten mehr. „Inside Out“ wäre wahrlich prädestiniert für einen Platz unter den Filmen, die mir das Herz brechen, gewesen. Was soll ich sagen? Pixar ist nach wie vor das Animationsstudio, das mit wahrlich originellen Geschichten aufzuwarten weiß, auch wenn nicht mehr jeder Film zündet. Wenn wir alle paar Jahre ein Werk in dieser Qualität bekommen, dann bin ich mehr als zufrieden. Absolut großartig: 10/10 Punkte.