Rollerball (1975)

Neben „Logan’s Run“, „Soylent Green“ und „THX 1138“ ist Norman Jewisons „Rollerball“ einer der großen Sci-Fi-Filme der 70er Jahre. Er thematisiert ähnliche Themen, wie seine Brüder im Geiste und ist doch anders. Sehr actionbetont. Ein Sportfilm. Dennoch wird auch hier die Luft einer bevorstehenden Revolution geatmet. Die Zeit des Umbruchs ist gekommen.

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„Rollerball“ lebt eindeutig von Hauptdarsteller James Caan und den Actionsequenzen. Diese sind wahrlich atemberaubend inszeniert. Man ist als Zuschauer live beim Spiel dabei. Dies liegt vermutlich auch daran, dass die Regeln recht transparent in die Filmhandlung eingebaut worden sind. Das Spiel ist absolut glaubwürdig. Teilweise sogar erschreckend glaubwürdig. Brot und Spiele in Perfektion.

So gelungen auch die Spielszenen sind, so hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrundinformationen über die Corporations gewünscht. Ich denke ein Informationsvorsprung des Zuschauers gegenüber den Figuren hätte der Geschichte nicht geschadet. So tappt man etwas im Dunkeln. Man kann die Motivation von Jonothan E. (James Caan) zwar nachvollziehen, doch eher auf der persönlichen Ebene. Hier wäre etwas mehr kritischer Unterbau nötig gewesen.

Inszenatorisch reißen natürlich besonders die „Rollerball“-Szenen mit. Diese sind auch – für die damalige Zeit – famos in Szene gesetzt und rasant geschnitten. Etwas gestört habe ich mich an den vielen Zooms, die heute einfach etwas unfilmisch wirken. Schauspiel und der klassische Score sind auf hohem Niveau und passen perfekt zur Geschichte.

„Rollerball“ ist sicherlich nicht die beste der düsteren 70er Jahre Utopien, doch kann der Film auch heute noch mitreißen und unterhalten. Dank der tollen Spielszenen und der interessanten – aber ausbaufähigen – Rahmenhandlung, kann ich guten Gewissens immer noch 8/10 Punkte vergeben. Das Remake von John McTiernan soll dagegen ja nicht so gelungen sein.

Flucht ins 23. Jahrhundert – OT: Logan’s Run (1976)

Durch einen Hinweis der fernseherin bin ich seit langem einmal wieder in den Genuss von „Flucht ins 23. Jahrundert“ (OT: „Logan’s Run“) gekommen. Dieser Film reiht sich nahtlos bei Klassikern wie „Soylent Green“, „THX 1138“ oder „Rollerball“ ein. Diese Sci-Fi-Filme der 70er Jahre bestechen durch eine ganz besondere Atmosphäre und gehören für mich auch heute noch zu den besten Erzeugnissen dieses Genres.

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Die Geschichte um Logan 5 weiß von Anfang an zu fesseln. Man wird als Zuschauer mit den Regeln dieser Gesellschaft vertraut gemacht und ist ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte – durch die Augen von Logan – auch ausgesetzt. Die Kuppelwelt ist fantastisch gestaltet und man bekommt Ansichten aus jeder möglichen Perspektive zu sehen. Sicher mag manches heute etwas lächerlich erscheinen, doch für 1976 sind die Effekte wirklich grandios. Mich hat zudem keine Effektszene aus dem Film herausgerissen, was für mich stets der wichtigste Indikator für die Qualität der verwendeten Modelle und Techniken ist.

Der Verlauf der Handlung bleibt stets interessant. Durch den Schauplatzwechsel im dritten Akt kommt ein weiteres Element hinzu, das mich in der Wirkung etwas an „Der Planet der Affen“ erinnert hat. Dem Zuschauer bekanntes wird in einem den Figuren unbekannten Kontext gezeigt. Meiner Meinung nach äußerst gelungen. Auch die Charakterentwicklung von Logan und Jessica bleibt einigermaßen glaubwürdig. Alleine das Ende der Geschichte scheint mir etwas zu platt und zu sehr auf heile Welt ausgelegt.

„Logan’s Run“ zählt auch heute noch zu den interessantesten Filmen seines Genres. Zwar teils etwas angestaubt und dramaturgisch nicht immer gelungen, kann er nach wie vor ausgezeichnet unterhalten. Ich denke jedoch, dass eine neue Adaption der Vorlage in den richtigen Händen wirklich das Zeug dazu hat, dem Original neue Seiten abzugewinnen. Ich bin gespannt. Michael Yorks Logan wird auf jeden Fall stets das Original bleiben: 8/10 Punkte.

Domino

Es gibt Filme, die lassen einen etwas unschlüssig zurück. Zu diesen gehört seit heute Tony Scotts Bilderrausch „Domino“. Zwar kommt der Film den beiden Extremen – Meisterwerk bzw. Schrott – nicht wirklich nahe, doch dazwischen ist beinahe die gesamte Bandbreite vorhanden. Wie sagt Domino so schön? There are three kinds of people in the world. The rich. The poor. And everyone in between. Dieser Film ist irgendwo dazwischen.

Im Vorfeld hatte ich – wie so oft – ein paar Dinge über den Film gelesen. Spoilerfrei natürlich. Am meisten wurde auf Tony Scotts berühmt/berüchtigte Montage eingegangen. Etwas, das mir bereits in Scotts „Man of Fire“ etwas sauer aufgestoßen ist und das ich in „Domino“ verstärkt zu sehen befürchtet hatte. Dem war dann auch so. Doch seltsamer- bzw. glücklicherweise sind mir die Bildverfremdungen hier passender erschienen. Sie haben nicht so sehr wie Fremdkörper in der Geschichte gewirkt. Stimmiger. Schwer zu beschreiben.

Auch wenn der visuelle Overkill also annehmbar war, so hat er teils doch etwas meine Nerven strapaziert. Besonders da auch ruhige Sequenzen (z.B. Beerdigung) nicht verschont geblieben sind. In solchen Szenen gab es dann auch keinerlei Verbindung zwischen Montage und Inhalt. Hier hat sich Scotts Stil als das offenbart, was er oft leider auch ganz einfach ist: Spielerei. Trotzdem darf ich für alle Entwarnung geben, die den Film völlig durch die Montage ruiniert wähnen: In vielen Szenen gibt es wunderbare Bildsequenzen zu bewundern, die Sinn und Spaß machen.

Inhaltlich ist auch nicht alles im grünen Bereich. Die Geschichte um Domino Harvey ist interessant und es gibt charismatische Figuren. Die Handlung braucht etwas bis sie in die Gänge kommt und oft werden – da haben wir es wieder – zu verspielte Sequenzen eingestreut. Ich denke nur an die Jerry Springer-Show, die ausgedehnte Drogensequenz oder auch einige der Interviewszenen. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film meiner Meinung nicht geschadet. Neben dem inhaltlichen Balast und den visuellen Auswüchsen wird nämlich eine spannende Geschichte erzählt, die zudem mit interessanten Figuren bevölkert ist.

Erwähnenswert finde ich zudem Keira Knightley, die mich hier sehr positiv überrascht hat, sowie Mickey Rourke, der endlich wieder zur alten Form zurückgefunden zu haben scheint. Das große Shoot Out am Ende hat mich übrigens sowohl vom Spannungsaufbau, als auch von der Inszenierung sehr an Scotts „True Romance“-Finale erinnert. Überhaupt fand ich das Ende unerwartet emotional, besonders da die wunderschönen End Credits mit der echten Domino Harvey enden, die 2005 an einer Überdosis gestorben ist.

„Domino“ ist gefällt mir besser, als ich gedacht hatte. Teils beeindruckend gespielt und in tollen Bildern erzählt. Teils abschweifend und zu verspielt. Als Gesamtwerk auf jeden Fall sehenswert und durchaus mit Potential: 7/10 Punkte.

Riddick: Chroniken eines Kriegers – Director’s Cut – OT: The Chronicles of Riddick

Im Anschluss an „Pitch Black“ habe ich mir gestern noch David Twohys Fortsetzung „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ im Director’s Cut angesehen. Dies war meine erste Sichtung und aufgrund diverser vernichtender Kritiken war meine Erwartungshaltung nicht all zu groß. Letztendlich bekam ich dann genau das, womit ich gerechnet hatte: Einen großen, albernen Sci-Fi-Actionfilm.

Zunächst einmal finde ich die grundlegende Idee des Films samt Übernahme des Charakters aus „Pitch Black“ sehr gelungen. Viele Kritiker haben sich daran gestört, dass eine Nebenfigur aufgeblasen wird, doch ich finde den Schritt nur konsequent, war Riddick im Vorgänger doch eindeutig der interessanteste Charakter. Ich hatte zudem immer gedacht, dass die beiden Filme außer dem Antihelden nichts gemein haben. Dem ist allerdings nicht so: Es wird Bezug auf die Ereignisse aus „Pitch Black“ genommen und die Überlebenden spielen tragende Rollen in der Fortsetzung. All das wirkt seltsamerweise nicht erzwungen oder aufgesetzt – und das obwohl „The Chronicles of Riddick“ eine ganz andere Art Film darstellt, wie sein Vorgänger.

In den Chroniken wird eine episch anmutende Geschichte erzählt. Fantasyelemente übernehmen die tragende Rolle und das Design scheint Filmen wie „Stargate“ oder „Dune“ entsprungen. Die erste halbe Stunde konnte mich auch wirklich begeistern: Es wird von Planet zu Planet gereist, gibt unzählige Figuren und mystische Namen. Die Einführung der Charaktere fand ich zudem sehr gelungen. Doch dann betreten die Bösewichte die Bühne. Diese sind – neben ihrer Eigenschaft Welten auszulöschen – leider überhaupt nicht furcheinflößend. Da hatte ich selbst vor den Grashüpfern aus „Galaxy Quest“ mehr Respekt. Die Kostüme wirken wie aus der originalen „Star Trek“-Serie und die Dialoge sind teils so haarsträubend, dass es an Körperverletzung grenzt. Ich habe mich oft wirklich in einer Parodie gewähnt. Unglaublich.

Sobald die Handlung wieder direkt bei Riddick und Co. ist, macht der Film allerdings wirklich Spaß. Der Gefängnisaufenthalt samt Ausbruch ist sehr gelungen. Sowohl vom Produktionsdesign, als auch von der Action. Man darf  allerdings keine Sekunde über Logik, sowie Sinn und Zweck des Ganzen nachdenken, dann kann man den Unterhaltungswert auch voll und ganz genießen. Denn den besitzt der Film auf jeden Fall. Davon abgesehen ist Riddick wirklich eine tolle Figur. Sicher sollte man von Vin Diesel keine Shakespearschen Schauspielleistungen erwarten, doch als Actionheld taugt er allemal.

Die Geschichte an sich wäre auch gar nicht schlecht wären da nicht, ja wären da nicht die Necromonger. Ich weiß auch nicht was Twohy hier geritten hat. Die Idee (Aufzwingen einer dubiosen Religion) wäre ja an sich noch ganz brauchbar, aber die Handlungen der Figuren, die wirklich dummen Dialoge und die schrecklichen Kostüme machen aus den Villains einfach nur Witzfiguren. Dieser Umstand nimmt dem Film so viel. Es ist wahrlich eine Schande.

„The Chronicles of Riddick“ ist ein wirklich unterhaltsamer Sci-Fi-Actioner, der eigentlich alles besitzt, was man als Genrefreund braucht: Fremde Welten, Raumschiffe, Action, einen schnittigen Helden, Effekte en masse und eine einigermaßen brauchbare Geschichte. Doch leider besitzt der Film auch die Necromonger. Somit sind mehr als 6/10 Punkte leider nicht drin.

Pitch Black: Planet der Finsternis (2000)

Das Jahr, in dem „Pitch Black: Planet der Finsternis“ in die Kinos kam, war für mich das Jahr der Sneak Previews. Das letzte Schuljahr. Unendlich viel Zeit. Parties. Kino. So wurde der Besuch der Sneak zum wöchentlichen Ritual. Irgendwann kamen vermehrt Gerüchte auf, es würde ein Science-Fiction-Film gezeigt. Eine gelungene Abwechslung im Komödiensumpf. Nach drei Wochen war es schließlich soweit und ich sah mit „Pitch Black“ einen meiner unterhaltsamsten Sneak-Filme. Für das Folgende droht Spoilergefahr.

Auch heute noch mach David Twohys Sci-Fi-Actioner Spaß. Viel Spaß. Zudem ist er einem im Kino selten gewordenen Genre zugehörig: Dem klassichen Weltraumfilm. Ein Weltraumfilm mit Monstern. Gab es so etwas – sieht man einmal von diversen B- und C-Movies ab – überhaupt außerhalb der „ALIEN“-Reihe? „Pitch Black“ hat – für mich – eine Lücke gefüllt. Sicherlich darf man ihn qualitativ nicht mit den Scott/Cameron-Meisterwerken vergleichen, doch das muss man auch gar nicht. Der Film besitzt genug Eigenständigkeit um einfach nur gut zu unterhalten.

Die Figuren sind zwar alle etwas klischeehaft, aber gut gezeichnet. Keine seelenlosen Abziehbilder – und das ist in einem Monsterfilm schon einmal viel Wert. Zudem gibt es mit Riddick einen Charakter, der nur schwer zu durchschauen ist und der – netter Einfall – seine Fähigkeiten mit den Monstern teilt. Zwar ist diese Figur bewusst cool angelegt und hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen, doch darf man trotz allem nicht den Fehler machen und „Pitch Black“ als reines Vin Diesel-Vehikel à la „xXx“ sehen.

Neben einer spannenden Handlung und – innerhalb der Genregrenzen – überzeugenden Figuren, kann besonders die Optik überzeugen. Das Licht der drei Sonnen wird sehr glaubwürdig dargestellt und auch der Look der Aliens weiß zu gefallen, wenngleich sich das niedrige Budget hier doch ab und zu bemerkbar macht. Das Ende weiß dann auch inhaltlich zu gefallen, kann sich die Ripley-Gedächtnis-Amazone nicht ins Schiff retten, sondern wird in letzter Sekunde zu Hackfleisch. Eine augenzwinkernde Verbeugung vor dem Vorbild? Ich will es einmal glauben.

„Pitch Black“ ist alles andere als großes Kino. Zu großartigem Unterhaltungskino reicht es aber allemal – und das ist manchmal schon viel Wert. Wer auf Filme wie „The Cave“ steht, der wird auch mit diesem kleinen, feinen Sci-Fi-Schocker glücklich: 7/10 Punkte.

Apocalypto

Da es mit der Kinosichtung einmal wieder nichts geworden ist, habe ich Mel Gibsons „Apocalypto“ nun auf DVD nachgeholt. Eine Schande, denn der Film ist unglaublich bildgewaltig und demnach für die große Leinwand gemacht. Doch auch auf meinem bescheidenen 26 Zoller weiß der Film durchaus einen solch mitreißenden Sog zu entfalten, wie ich ihn schon länger nicht mehr erlebt habe.

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Wie so oft bei Gibsons Filmen, muss man sich zwangsweise auch wieder mit den Kritikern auseinandersetzen. Bereits „Braveheart“ hatte man ja historische Ungenauigkeit vorgeworfen. Nun trifft es also „Apocalypto“. Und wieder kann ich nur sagen: Es ist ein Unterhaltungsfilm. Gibson zeigt keineswegs den Untergang einer Kultur. Kein Historienepos. Er zeigt eine actionbetonte Abenteuergeschichte, die in der Welt der Mayas spielt. Man sollte den Film nicht als etwas hochstilisieren, das er gar nicht ist. Gibsons private Äußerungen helfen bestimmt nicht dabei seinen Ruf als weltoffenen Menschen zu untermauern, doch sollte man deswegen nicht seine künstlerischen Ambitionen von vornherein verdammen.

Selbst wenn man mit der Geschichte nichts anfangen kann, so muss man doch zugeben, dass „Apocalypto“ etwas Neues in der Kinolandschaft darstellt. Dazu gehört auch den Film in Maya mit Untertiteln zu zeigen. Kritiker sehen dieses Mittel wieder als Untermauerung der gewollten historischen Authentizität, doch ich sehe darin eher ein Stilmittel um den Zuschauer noch mehr in diese fremde Welt zu versetzen. Etwas, das dem Film auch unglaublich gut gelingt. Schon lange war ich nicht mehr so fasziniert von den Bildern und mitgerissen von der Handlung eines Films. Selbst wenn am Ende nur ein klassischer Spannungsfilm in ungewöhnlichem Setting bleibt, so reicht das schon völlig aus um mich zu begeistern. Vielleicht hätten einige Kritiker bei der Sichtung ihre Maya-Lexika beiseite legen sollen.

Audiovisuell ist der Film grandios – bzw. wäre grandios, wäre da nicht der Einsatz von Digitalkameras. Ich kann mich mit dem Videolook im Kinofilm einfach nicht anfreunden. Solche Szenen reißen mich immer wieder aus dem Film raus. Es mag Leute geben, denen das gar nicht auffällt oder die sich nicht daran stören, doch für mich ist das stets ein ästhetischer Bruch. Besonders da der Film teils auch auf 35mm gedreht wurde. Warum also der Videolook? Es gibt schließlich genug Wege diesen in der Postproduktion zu vermeiden. Vielleicht kann mir jemand erklären, was den Einsatz – neben Handlichkeit der Kameras, Kosten etc. – im ästhetischen Sinn rechtfertigt.

Hervorzuheben sind in „Apocalypto“ auch klar die Darsteller. Allesamt recht schauspielunerfahren und vermutlich gerade deswegen so authentisch. Wirklich beeindruckend und mitreißend. Man ist in der Geschichte involviert. Die Figuren bedeuten einem etwas. Trotz aller Fremdartigkeit. So soll es sein.

Mel Gibson ist mit „Apocalypto“ ein superspannender Abenteuerfilm vor grandioser Kulisse gelungen. Wer den Film als das wahrnimmt was er ist, wird fantastisch unterhalten. Garantiert. Störend fand ich den Videolook, aber vielleicht gibt sich das mit weiteren Sichtungen. Vorerst vergebe ich: 8/10 Punkte.

Batman Begins (2005)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Januar 2011 veröffentlicht.

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Christopher Nolans „Batman Begins“ anzuschauen. Die klassischen Tim Burton-Filme um den schwarzen Ritter haben mir recht gut gefallen, wenngleich die letzte Sichtung auch schon ewig zurückliegt und ich damals mit der düsteren Welt noch nicht so viel anfangen konnte, wie es heute wohl der Fall wäre. Joel Schumachers Versuche habe ich irgendwann einmal im TV verfolgt und glücklicherweise bereits wieder vergessen. Umso höher waren nun die Erwartungen für die aktuelle Adaption, zumal Christopher Nolan mit „Memento“ einen der interessantesten Filme der jüngeren Filmgeschichte abgeliefert hat. Von den überschwänglichen Kritiken einmal ganz zu schweigen.

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„Batman Begins“ setzt da an, wo der Titel vermuten lässt: Am Anfang. Man ist als Zuschauer live dabei, wenn Bruce Wayne zum mystisch angehauchten Superhelden aufsteigt. Wenn er sein Fledermaus-Trauma durchlebt. Wenn seine Eltern umgebracht werden. Nolan erzählt diese Gestaltwerdung in größtenteils ruhigen, doch eindringlichen Bildern. Im Mittelpunkt steht klar Bruce Wayne und seine innere Zerrissenheit. Es vergeht beinahe eine Stunde bis der Held das erste Mal sein Kostüm überstreift und das ist auch gut so. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film neu, spannend, großartig.

Ab der Verwandlung begibt sich Nolan wieder auf ausgetretenere Pfade: Batman kicks ass! Und das macht er besser denn je. Ich hatte das Gefühl das alles schon einmal in abgewandelter Form gesehen zu haben. Das Besondere des ersten Teils hat irgendwie gefehlt. Dennoch ist auch die weitere Geschichte spannend und äußerst unterhaltsam. Nur mit der Verfolgungsjagd im Batmobil wurde es meiner Meinung nach etwas übertrieben. Das Ende des Films ist dann mehr als befriedigend und breitet bereits die Geschichte des zweiten Teils vor den Füßen der Zuschauer aus: The Joker is back!

Erstaunt hat mich die Vielzahl an Stars, die in dem Film mitwirken. Christian Bale liefert einen grandiosen Bruce Wayne/Batman. Sein Spiel ist nuanciert und bringt eine enorme Tiefe in die bekannte Figur. Michael Caine gibt als Albert eine tolle Vaterfigur ab und ist mehr als reine Staffage. Ebenso Katie Holmes, bei der ich allerdings immer das Problem haben werde, sie als kleine Joey Potter aus „Dawson’s Creek“ zu sehen. Überraschend waren für mich die Auftritte von Morgan Freeman, Gary Oldman und besonders Rutger Hauer. Liam Neeson darf auch nicht vergessen werden, der am Ende gegen seinen bekannten Rollentypus anspielt. Eine wahrlich runde Sache.

Mir hat „Batman Begins“ gestern wirklich viel Spaß bereitet, wenngleich ich mich auch nicht so stark mit der Figur identifizieren kann, wie z.B. mit „Spider-Man“. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Fortsetzung, bei der wir anscheinend einen herrlich fiesen Joker erleben dürfen. Hierfür gibt es erst einmal 8/10 Punkte.

Mission: Impossible 3 (2006)

Nachdem ich vom direkten Vorgänger unendlich enttäuscht war, habe ich mich heute dennoch an J.J. Abrams „Mission: Impossible 3“ gewagt, den – zumindest bisher – finalen Teil der Filmreihe um Agent Ethan Hunt. Bereits nach den ersten Minuten war Aufatmen angesagt: Zwar ist auch der Abschluss der Trilogie ganz anders ausgefallen, als Brian De Palmas Erstling, doch darf man das – im Gegensatz zu Teil 2 – durchaus positiv werten.

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Ich weiß nicht, ob ich mir das nur eingebildet habe, oder ob ich aufgrund meiner Serien-Sichtungen vorbelastet bin, doch hatte ich teils wirklich das Gefühl einen „ALIAS“-Kinofilm vor mir zu haben. Schon allein die Geschichte – inklusive Handlungsklammer und Twist – scheint der Serie um Sydney Bristow entsprungen zu sein. Das IMF-Hauptquartier ähnelt vom Look zudem deutlich den Geheimdienstzentralen der Show. Die Einbindung von Ethan Hunts Privatleben – inklusive dem Aufrechterhalten seiner Geheimidentität – habe ich auch schon einmal gesehen und Simon Peggs Charakter entspricht 1:1 dem Computergenie Marshall. Zufall? Ich glaube nicht. Ebensowenig wie die Gastauftritte einiger „ALIAS“-Darsteller (inklusive Greg Grunberg).

J.J. Abrams hat das getan, was er am besten kann: Eine stimmige Geschichte packend inszenieren, sowie Handlung und Charaktere stets interessant gestalten. Also all das, was John Woo im zweiten Teil vergeigt hat. Zwar gewinnt auch hier der Plot um die Hasenpfote – dieses Mal übrigens ein echter MacGuffin – keinen Innovationspreis, doch bleiben die Aktionen des IMF-Teams stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Überhaupt liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf Teamarbeit, obwohl Tom Cruise natürlich immer noch im Vordergrund steht.

Im Gegensatz zum zweiten Teil gibt es unter J.J. Abrams Regie gute bis sehr gute Leistungen der Schauspieler zu beobachten. Philip Seymour Hoffman spielt ohne Zweifel alle an die Wand, doch auch Tom Cruise darf wieder mehr zeigen, als sein breites Grinsen. Dies kommt klar auch dem emotionalen Grundgerüst der Geschichte zugute und man ist als Zuschauer wieder wirklich an den Figuren und ihrem Schicksal interessiert.

J.J. Abrams hat mit „Mission: Impossible 3“ einen spannenden und äußerst unterhaltsamen Beitrag zur Agententrilogie geschaffen – wenn nicht sogar den unterhaltsamsten. Bei der nächsten Sichtung werde ich mich wohl auf die ungeraden Teile beschränken: 8/10 Punkte.

Spider-Man 3 (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 3“ am 27. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem sich in den letzten zwei Wochen kein Termin finden ließ, habe ich den gestrigen Kinotag endlich für einen Besuch von „Spider-Man 3“ genutzt. Aufgrund der kürzlichen Sichtung des Vorgängers, sowie diverser größtenteils doch recht positiver Berichte, war die Vorfreude mehr als groß. Da der Film noch aktuell in den Kinos läuft, werde ich einmal wieder eine Spoilerwarnung aussprechen: Weiterlesen demzufolge auf eigene Gefahr.

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Peter Parker ist zurück – und mit ihm Spider-Man. Zu Beginn des Films befindet sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft – sowohl privat, als auch beruflich – auf einem Hoch. Wurde ja auch einmal Zeit, zudem die ganze Sache nicht allzu lange anhält. Neben privaten Problemen tauchen neue Bösewichte auf, die Spidey das Leben schwer machen. Doch damit nicht genug. Unser Held sieht sich plötzlich mit seiner dunklen Seite konfrontiert, was nicht nur sein Superheldensasein auf den Kopf stellt, sondern auch – bzw. besonders – Einfluss auf sein Privatleben hat.

Wie man sieht gibt es auch in „Spider-Man 3“ die bekannten Zutaten: Der allzu menschliche Held kämpft nicht nur gegen neue Feinde, sondern hat mit Alltagsproblemen, seiner Vergangenheit und sich selbst zu kämpfen. All das wirkt – besonders in Bezug auf die Vorgänger – nicht mehr sonderlich neu und innovativ. Glücklicherweise lebt der Film – meiner Meinung nach – eher von den kleinen, charakterbezogenen Szenen, die mir immer noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können. Peter Parkers Wechsel zur dunklen Seite ist wirklich urkomisch und herrlich übertrieben inszeniert. Der Auftritt von Bruce Campbell ist göttlich und viele andere Details (z.B. Marschkapelle spielt Theme der TV-Serie) machen den Film wieder einmal wirklich sehenswert.

Die Haupthandlung hat dieses Mal mit drei Bösewichtern zu kämpfen. Meiner Meinung nach wäre hier weniger mehr gewesen. Zwar gibt es einige spektakuläre Kampfszenen zu bewundern, doch fühlt sich der Film hier zu vollgestopft an. Die Vorgänger wirken in der Haupthandlung somit um einiges harmonischer. Ein weiterer Kritikpunkt ist die übertriebene Rührseligkeit, welche mir zumindest zuvor nicht so negativ aufgefallen ist. Allerdings habe ich hier etwas die Synchro im Verdacht, die – besonders in gefühlvollen Szenen – öfters einmal zu versagen scheint.

Fazit

Alles in Allem ist „Spider-Man 3“ ein wirklich gelungener Abschluss. Tolles Popcornkino, das sich – und seinen Helden – selbst nicht zu ernst nimmt. Die Geschichte wirkt nun abgeschlossen und ich weiß nicht, inwiefern ein vierter Teil neue Aspekte zum Spinnendasein beitragen könnte. Sam Raimi hat mit den drei Teilen – meiner Meinung nach – die bisher unterhaltsamste Superheldentrilogie der Filmgeschichte geschaffen. Allen Freunden von Spidey sei der dritte Teil hiermit noch einmal ausdrücklich ans Herz gelegt: 8/10 Punkte.

Mission: Impossible 2 (2000)

Beinahe zwei Monate nach Sichtung des Vorgängers bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir „Mission: Impossible 2“ anzusehen. Der Film hat ja bereits bei Erscheinen einiges an Schelte einstecken müssen. Ich wollte jedoch unbefangen an die Fortsetzung herangehen und habe mir im Vorfeld vorgenommen, dem Film trotz überzogener Actionsequenzen eine faire Chance zu geben. Gar nicht so einfach, zumal die Action noch das Beste an diesem Werk darstellt.

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Wo fange ich nun an? Am besten mit der Action. Diese ist – typisch für John Woo – bombastisch inszeniert. Der Mann hat tatsächlich ein Auge für solche Szenen. Das kann man ihm wirklich nicht nehmen. Ob die übertriebene Action nun zu „Mission: Impossible“ passt oder nicht, kann man finde ich schlecht sagen. Brian De Palma hat im ersten Teil gegen Ende ja auch bereits auf Action dieser Art gesetzt, weshalb ich John Woo an dieser Stelle nicht den Vorwurf machen will, den Film aufgrund seiner Actionregie an die Wand gefahren zu haben.

Das größte Problem von „Mission: Impossible 2“ ist ganz klar das verkorkste Drehbuch. Die Geschichte ist so unglaublich simplel, dass man sie locker in einer halben Stunde hätte erzählen können. Zusammen mit der Action wäre man nun bei einer Stunde Film. Was also passiert in der restlichen Stunde? Da gibt es endlose Gespräche. Sinnlose Gespräche. Langweilige Gespräche. Dieses Nichts an Inhalt wird von John Woo zudem mit der opernhaften Theatralik seiner Hongkong-Filme inszeniert. Ein Zusammenspiel, das hinten und vorne nicht passt. Da ich jedoch stets an das Gute in den Filmemachern glaube, habe ich einen Blick ins Making Of geworfen, um Begründunge für die Defizite in der Geschichte zu finden. Dort erzählt der Drehbuchautor dann tatsächlich, was für eine anspruchsvolle Arbeit es war, eine Geschichte um die vorab festgelegten Actionssequenzen zu basteln. Zudem ist er furchtbar stolz auf seine Idee mit dem Virus, den er allen Ernstes als MacGuffin bezeichnet. Hitchcock würde sich im Grabe umdrehen.

Ich war wirklich guter Dinge. Wirklich. Auch habe ich kein Problem damit, dass bei einer Fortsetzung neue Wege eingeschlagen werden. Doch „Mission: Impossible 2“ demontiert seinen Vorgänger. Ethan Hunt ist nicht mehr Ethan Hunt. Er ist nur noch Tom Cruise – und dieser Film ist das deutlichste Beispiel für den schlechten Ruf des Schauspielers. Gelackte Oberfläche und ein Grinsen. Mehr ist da – zumindest in diesem Werk – nicht zu holen.

„Mission: Impossible 2“ ist kein Totalausfall. Die Actionszenen machen wirklich Spaß, doch der Rest? Kann man getrost vergessen. Das Schlimmste ist: Ich habe nun nichtmal mehr groß Lust auf den dritten Teil. What did you do, John Woo? So sehr ich seine ersten Hollywood-Ausflüge („Operation: Broken Arrow“ und „Face/Off“) mag, so deutlich zeigt sich mit „Windtalkers“ und „Mission: Impossible 2“ nun der Untergang des besonderen Talents dieses Regisseurs. Schade: 4/10 Punkte.