Kick-Ass (2010)

Was hatte ich mich auf diesen Film gefreut: Matthew Vaughns „Kick-Ass“ versprach ein großer, bunter Spaß zu werden. Eine Comicverfilmung, die dem Superheldengerne neue Aspekte entlocken könnte. Dank sich teils überschlagender Kritiken war ich auch guter Dinge, dass sich meine Erwartungen erfüllen werden – und so sollte es dann auch kommen…

Selten zuvor hat ein Film so exakt meine Erwartungshaltung abgebildet. „Kick-Ass“ ist bunt, laut und kocht nur so über vor seltsamem Humor. Das Konzept erinnert – und ja, dieser Vergleich ist sehr weit hergeholt – in Grundzügen an Alan Moores „Watchmen“ mit seinen kostümierten Helden. Vigilantismus in Strumpfhosen. In Matthew Vaughns Film gibt es jedoch keine ausgefeilten Charakterstudien, sondern vor allem überdrehte Comic-Action, eingebettet in absurde Handlungsstränge.

„Kick-Ass“ beginnt als Teenie-Komödie und streift leicht das Coming-of-Age-Genre, nur um im nächsten Moment in surreale Gewalt zu explorieren. Beim ersten Auftritt von Hit Girl konnte ich kaum glauben, was sich da auf dem Bildschirm abspielt: Zu BANANA SPLITS der von mir sehr geschätzten THE DICKIES gab es plötzlich ein Feuerwerk aus Blut und Gewalt – und all dies ausgeführt von einem 11-jährigen Mädchen. Moralisch natürlich fragwürdig, doch in diesem Kontext einfach nur äußerst unterhaltsam. Wahnsinn.

Nach der schön erzählten Entstehung des titelgebenden Möchtegernhelden sowie des oben genannten Auftritts von Hit Girl schleicht sich die Normalität in den Film ein. Es gibt weitere überdrehte Actionszenen, charakterbildende Momente und durchaus auch Längen. Immer noch sehr unterhaltsam, aber man hat sich in meinen Augen zu sehr auf den bereits eingeführten Elementen ausgeruht und zu wenig Feinschliff ins Drehbuch gesteckt. Dadurch bleiben die Charaktere leider auch nur das, was sie letztendlich sind: Zweidimensionale Comicfiguren.

„Kick-Ass“ wird mir bestimmt nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben. Dazu mangelt es sowohl der Geschichte, als auch den Charakteren an Tiefe. Dafür bin ich mir sicher, dass ich bei jeder weiteren Sichtung wieder enorm viel Spaß mit dem Film haben werde: Die flotte Inszenierung, der tolle Soundtrack und die überdrehte Action haben die Comicverfilmung garantiert nicht zum letzten Mal in meinen Blu-ray-Player wandern lassen. Auf jeden Fall sehenswert: 8/10 Punkte.

Kampf der Titanen – OT: Clash of the Titans (2010)

Manche Filme sieht man sich an, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste. Auch Louis Leterriers „Kampf der Titanen“ wurde von der Kritik übelst verrissen, doch als ich den Trailer damals im Kino sah, wusste ich: Das wird bestimmt ein großer Spaß! Alleine schon aufgrund des Kraken. Eine böse Fehleinschätzung meinerseits?

Glücklicherweise nicht. Leterriers Remake des 1981er Stop-Motion-Fantasyhits hat durchaus seine Momente. Natürlich sollte man als geneigter Zuschauer weder gigantischen Monstern noch überproduziertem Fantasy-Quatsch abgeneigt sein. Egal ob „Der Herr der Ringe“ oder „Fluch der Karibik“ – es gibt wohl kaum einen erfolgreichen Genrefilm der letzten 10 Jahre, aus dem hier nicht beliebig geklaut wurde. Doch das fällt angesichts der hanebüchen erzählten Geschichte glücklicherweise kaum noch ins Gewicht.

Richtig Spaß macht der Film in seinen überbordenden Actionsequenzen. Wenn Perseus mit seinen Kumpanen gegen fliegende Monster, riesige Skorpione oder den Kraken kämpft, dann bleibt kein Auge trocken. In diesen Szenen hat mein kleines Monsterfilmherz aufgeregt geklopft, nur um während der Szenen im Olymp kräftig ins Stolpern zu kommen. Natürlich ist auch diese himmlische Soap Teil des Films, doch musste man unbedingt Liam Neeson und Ralph Fiennes in albernen Kostümen so unmotiviert chargieren lassen?

Inszenatorisch hat die 2010er Version von „Clash of the Titans“ – einmal abgesehen von den irritierenden Szenen im Olymp – durchaus einiges zu bieten. Die Action ist wirklich schön anzusehen und auch die diversen Wanderungen unserer mutigen Recken sind wunderbar in Szene gesetzt. Insofern hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, wenngleich er mir auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Großer Fantasy-Quatsch eben: 6/10 Punkte.

The Book of Eli

Es gibt Genres, die eine große Anziehungskraft auf mich ausüben. Zu diesen gehören alle Unterarten des Endzeitfilms. Das Leben nach der Apocalypse. Wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis mir „The Book of Eli“ der Hughes-Brüder über den Weg läuft. Der Trailer sah interessant aus und so erhoffte ich mir neue Aspekte trotz der nur allzu bekannten Prämisse.

Audiovisuell ist der Film absolut beeindruckend. Stilisierte Endzeitbilder, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Entsättigte Landschaftsbilder werden von einem eindringlich wummernden Score begleitet. Unzählige Farbfilter geben der Wanderung unseres Helden einen surrealen Touch. Nein, diese Welt ist nicht mehr die unsrige. So wunderbar Elis Streifzug durch das wüstenartige Amerika auch anzusehen ist, so sehr hält uns diese überstilisierte Form der Inszenierung auch auf Distanz. Es fällt schwer Zugang zu dieser Welt zu finden.

Die Handlung des Films ist von Anfang auf mysteriös getrimmt. Der einsame, wortkarge Held mit undurchsichtiger Mission. Leider jedoch wirkt gerade dieser Mystery-Aspekt seltsam fehl am Platz. Eli scheint unverwundbar und was es mit dem Buch auf sich hat, erschließt sich schon alleine aufgrund des Filmtitels. Besonders das Ende des Films wirkt hier extrem aufgesetzt und gezwungen. Ja, man kann religiöse Schriften so oder so auslegen. Gutes oder Schlechtes mit ihnen bewirken. Keine Frage. Mich stört nicht der Grundgedanke des Films, sondern das reichlich platte Drehbuch. Ein fähigerer Autor hätte da wahrlich mehr herausholen können.

Richtig gut gefallen hat mir das westernartige Duell zwischen Eli (Denzel Washington) und Carnegie (Gary Oldman). Hier wird eine schöne Atmosphäre heraufbeschworen, die in ihren besten Momenten an die „Mad Max“-Trilogie erinnert, deren Qualität jedoch zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Trotz teils völlig überzeichneter Charaktere nimmt sich der Film viel zu ernst, was natürlich auch in seiner Thematik begründet ist. Dennoch hätte man da – nein, das Drehbuch ist wirklich nicht gelungen – etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können.

Endzeitfans dürften, trotz seiner Schwächen, Spaß an dem Film haben. Die spärlich eingesetzte Action ist zwar fragwürdig, aber stets gut inszeniert. Leider ist die Geschichte größtenteils recht hanebüchen, was – besonders gegen Ende – ziemlich viel kaputt macht. Zum einmal Schauen kann man jedoch durchaus eine Empfehlung aussprechen. Man sollte sich nur nicht zu viel erwarten: 6/10 Punkte.

Inception (2010)

Gestern Abend haben wir unser Zappelinchen zum ersten Mal in treusorgende Hände gegeben, um einmal wieder einen Abend in trauter Zweisamkeit zu genießen. Was lag da näher, als mit Christopher Nolans „Inception“ einmal wieder den Zauber der großen Leinwand zu spüren? Nicht nur das große Medienecho hatte mich neugierig gemacht. Was ist also dran am neuen Überfilm des gefeierten Regisseurs?

Natürlich ist bei solch einem Hype immer Vorsicht geboten, besonders wenn man sich erst bei dessem Abflachen seine eigene Meinung bilden kann. Mich jedoch hatte „Inception“ bereits in seinen Bann gezogen, als die ersten Informationen über die Handlung an die Öffenlichkeit drangen. Ein weiterer Traumfilm. Endlich! Dazu ein mehr als nur fähiger Regisseur und ein großes Budget. Ich mochte ja schon Tarsem Singhs unterbewerteten Bilderrausch „The Cell“ und Bernard Roses „Paperhouse“, in dem ein Kind durch düstere Albtraumlandschaften durchstreift.

„Inception“ geht das Thema Traum sehr technisch an. Es wird ein komplexes Regelwerk aufgebaut, an das sich unsere Helden halten müssen, um ihren Auftrag – ein mehr oder minder simpler Heist – zu erfüllen. Im Gegensatz zu den zuvor von mir genannten Filmen gibt es in Nolans Traumlandschaften keine surrealen Elemente. Selbst die jetzt schon berühmte Faltszene entspringt eher einem technischen Hintegrund: Traumarchitekten bauen Traumlabyrinthe und genau so mechanisch, wie man sich das vorstellt, sieht das letztendlich auch aus. Auch wenn ich gerne weitere Traumeigenschaften (spontane Zeit- und Ortswechsel usw.) gesehen hätte, so hat der eher realistische Traumstil doch auch zur Stringenz der Geschichte beigetragen, denn wie sagte Cobb so schön? Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually strange.

Die Handlung des Films macht wirklich Spaß. Man ist immer am Ball und gespannt, was wohl als nächstes passieren mag. Als der Film zu Ende war hatte ich zudem nicht das Gefühl zweieinhalb Stunden im Kino gesessen zu haben, doch Traumzeit vergeht eben viel schneller. Überhaupt nicht verstehen kann ich allerdings, wie man den Film als zu komplex wahrnehmen kann. Sicher gibt es am Ende vier Handlungsebenen, doch diese sind in der Montage so klar voneinander getrennt, dass es eigentlich überhaupt nicht zu Missverständnissen kommen kann. Mitdenken schadet natürlich nicht, doch wer „Inception“ schon zu kompliziert findet, der sollte tunlichst die Finger von Cronenberg, Lynch und Co. lassen.

Über die Originalität der Geschichte kann man sich natürlich streiten. Wie bereits mehrfach in der Blogosphäre zu lesen war, gibt es die Grundidee von „Inception“ bereits in Don Rosas „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ zu lesen. Genauer gesagt in der Geschichte „Lebensträume“, in der die Panzerknacker mithilfe eines Geräts von Daniel Düsentrieb in die Träume von Onkel Dagobert eindringen und versuchen seine Safekombination in Erfahrung zu bringen (die gesamte Geschichte gibt es hier nachzulesen). Was das nun bedeutet? Was ich schon immer wusste: Die Duck-Comics – insbesondere Carl Barks‘ und Don Rosas Werke – stecken voller famoser Ideen, die auch auf der großen Leinwand Bestand hätten.

Einen weiteren Vergleich muss sich „Inception“ nun von mir gefallen lassen – und zwar den Vergleich zu Martin Scorseses jüngsten Film. Wenn ihr euch nun fragt, was der simple Thriller „Shutter Island“ – Leonardo DiCaprio einmal außen vor gelassen – denn mit Christopher Nolans gepriesenem Meisterwerk zu schaffen haben soll, dann schaut einmal genau hin: Beide Filme handeln von nicht verarbeiteten Schuldgefühlen, in beiden Filmen flüchtet sich die Hauptfigur deshalb in eine Traumwelt und beide Filme enden äußerst ambivalent. Und die vielleicht wichtigste Parallele: Beide Filme haben bei mir ähnliche Emotionen hervorgerufen. Denkt einmal darüber nach.

Um mit meinen Ausführungen zu einem Ende zu finden, muss ich noch festhalten, dass ich „Inception“ zwar unglaublich mitreißend und unterhaltsam fand, jedoch den Hype um den Film nicht so recht verstehen kann. Doch das ging mir bereits bei Nolans „The Dark Knight“ so. So gut „Inception“ auch ist, er ist nicht Nolans bester Film. „Memento“ war innovativer und „The Prestige“ einfach faszinierender, doch das ist vielleicht nur meine Meinung. So oder so lohnt es sich auf jeden Fall diesem Traumlabyrinth einen ausführlichen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

Sherlock Holmes (2009)

Früher habe ich Guy Ritchies Filme geliebt. Sowohl „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ als auch „Snatch“ waren damals echte Kultfilme in meinem Freundeskreis. Danach habe ich jedoch schnell das Interesse an Ritchies Werk verloren. Erst mit seiner 2009er Interpretation von „Sherlock Holmes“ tauchte er wieder auf meinem Radar auf. Eine zweifelsfrei lohnende Wiederbegegnung. Keine Frage.

Zunächst einmal fällt die grandiose Optik des Films auf. Die Ausstattung ist wahrlich überwältigend. Besonders das detailreiche Bild der Blu-ray lädt öfter einmal dazu ein, einzelne Frames ausführlich zu studieren. Trotz des viktorianischen Settings wirkt der Film unglaublich dynamisch und modern. Hier hat man – auch was die Charaktere angeht – eine äußerst faszinierende Mischung aus klassischem Abenteuer- und modernem Actionfilm geschaffen. Da macht das Zuschauen wirklich Spaß.

Neben der Optik lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Robert Downey Jr. („Ironman“) und Jude Law geben ein herrliches Leinwandpaar, welches eine wunderbare Chemie besitzt. Dabei kann der Film eine homoerotische Spannung zwischen seinen Figuren nicht verleugnen, was auch durchaus zum schrägen Ton des Films passt. Die leider nicht sonderlich tief gehenden Charaktermomente sind auch das Highlight des Films und trösten über so manche Schwäche in der Geschichte hinweg.

Die Handlung ist wirklich nicht sonderlich innovativ. Ein Bösewicht, ein paar falsche Fährten, stimmungsvolle Sets und ein paar knackige Actionsequenzen. Am Ende dann eine wenig überraschende Auflösung samt Showdown. Leider nichts, was besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Das ist leider auch der Knackpunkt, der dem Film letztendlich eine höhere Bewertung verwehrt.

Guy Ritchies „Sherlock Holmes“ ist eine spannend inszenierte und modern visualisierte Interpretation der klassischen Detektivreihe. Der Film macht teils (besonders in seiner Hälfte) unglaublich viel Spaß, gegen Ende enttäuscht die Geschichte dann leider doch etwas. Dennoch sollte man sich den Film alleine aufgrund seiner famosen Optik und den gut aufgelegten Darstellern ansehen. Einfach unterhaltsames Popcornkino: 7/10 Punkte.

2012 (2009)

Was für ein Trash! Das waren wohl die Worte, die mir bei der Sichtung von Roland Emmerichs „2012“ am häufigsten durch den Kopf gegangen sind. Bei seiner Kinoauswertung hat mich der Film nicht sonderlich interessiert, doch da die Effektszenen im Trailer durchaus beeindruckend sind und ich zudem John Cusack recht gerne sehe, habe ich mich dennoch auf den Film eingelassen.

Die erste Stunde ist auch richtig gute Unterhaltung, wenn man in der Lage ist sich auf den Film einzulassen. Wer mehr erwartet, als ein monströses Effektspektakel, darf sich eigentlich sowieso nicht beschweren. Die Prämisse ist zugeschnitten auf eine Genereration von Zuschauern, welche „Galileo“ oder „Welt der Wunder“ als hochwissenschaftliche Sendungen sehen. Wohl unterhaltsam, aber eben auch nicht konsumierbar ohne sich stets zu denken: Was für ein Trash!

Der pseudowissenschaftliche Hintergrund ist für den Spannungsaufbau durchaus ausreichend und die Charaktere werden – typisch für dieses Genre – in episodenhaften Szenarien vorgestellt. Soweit, so gut. Als dann das Chaos losbricht gibt es unglaubliche Schauwerte zu bewundern. Beinahe schon zu viel für die Rezeptoren. Reizüberflutung deluxe. Mit „2012“ hat Emmerich wohl tatsächlich die obere Fahnenstange des Gigantismus im Katastrophenfilm erreicht. Mehr wird – zumindest in den kommenden Jahren – einfacht nicht gehen.

Ungefähr ab der Hälfte – und nachdem man mit Woody Harrelsons Charakter die unterhaltsamste Figur des Films vorzeitig hat aussteigen lassen – gibt es die ersten wirklich dramatischen Szenen zu sehen und mit diesen fällt der Film in sich zusammen. Die Charaktere sind viel zu blass, um echtes Drama transportieren zu können. Das Drehbuch ist zu flach und schlecht konstruiert, um das Interesse über die viel zu langen zweieinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Selbst den tollen Effektszenen wurde ich irgendwann überdrüssig.

Das Finale auf der Arche ist zudem wirklich öde. Es mag daran liegen, dass ich gestern auch schon ziemlich müde war, doch die pseudo-humanitären Diskussionen um den Wert eines Menschenlebens waren einfach nur nervtötend und zudem schlecht geschrieben und langweilig inszeniert. Wer will so etwas in einem Film wie „2012“ schon sehen? Hier konnte sich der Film nicht einmal mehr auf seinen Trashfaktor berufen, der ihn in den vorherigen zwei Stunden über Wasser gehalten hat.

Auch wenn ich als CGI-Freund die Effekte ziemlich gelungen und beeindruckend fand, so muss ich doch sagen, dass der restliche Look des Films doch sehr an meinen Nerven gezerrt hat: Liebe Regisseure (und besonders Michael Mann), bitte lasst die Finger von diesem scheußlichen Videolook! Das will im Kino wirklich niemand sehen. Glücklicherweise fällt dieser Look nur in wenigen Szenen auf, doch das reichte aus, um mich immer wieder aus dem Film zu reißen.

Insgesamt hat Emmerich mit „2012“ zum dutzendsten Mal die gleiche Geschichte erzählt. Dieses Mal nur mit noch mehr Wumms und noch weniger Drehbuch. Visuell teils atemberaubend, doch inhaltlich einfach nur mau. Kann man sich als VFX-Freund durchaus anschauen und als solcher wird man ein absolut durchschnittliches Effektespektakel bis zu einem gewissen Grad auch zu schätzen wissen: 5/10 Punkte. Was für ein Trash!

Star Trek (2009)

Auch wenn ich als Jugendlicher unzählige Episoden der ersten beiden TV-Serien gesehen habe, würde ich mich nicht als Fan, geschweige denn Trekkie oder Trekker bezeichnen. Dennoch habe ich mich sehr auf J.J. Abrams Neuinterpretation von „Star Trek“ gefreut. Zum einen weil ich Abrams Art Geschichten zu erzählen mag und zum anderen, weil es sowieso viel zu wenig gelungene Space Operas da draußen gibt.

Wenn ich an „Star Trek“ denke, dann sehe ich Pappkulissen, Mr. Spocks Ohren und Uhuras kurzen Rock. Jede Episode war nahezu identisch aufgebaut, doch bereits damals wusste ich den trashigen Charme der Serie zu schätzen. Was hatte man in den frühen 90ern auf für eine Wahl? Mein letztes Zusammentreffen mit der Crew der Enterprise dürfte bei einem der Kinofilme gewesen sein, doch die Erinnerungen daran sind bestenfalls schemenhaft. Trotz – oder gerade wegen – meiner nur rudimentären Kenntnisse des „Star Trek“-Universums konnte ich die Neuauflage wirklich genießen.

Zunächst einmal muss ich Abrams für die Besetzung der Hauptrollen loben. Zachary Quinto (bekannt als Sylar aus der TV-Serie „Heroes“) ist wirklich die perfekte Besetzung des jungen Mr. Spock, was sich besonders im Zusammenspiel mit Leonard Nimoy offenbart. Chris Pine gibt einen rebellischen James T. Kirk und ist in meinen Augen ein guter Ersatz für William Shatner. Auch der restliche Cast ist perfekt gewählt, wobei mir natürlich besonders Simon Peggs („Shaun of the Dead“) Scotty ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Auch wenn die Geschichte an sich nicht sonderlich innovativ oder wendungsreich ist, liegt in dieser die wahre Genialität von Abrams Neuinterpretation. Durch einen kleinen, aber umso geschickteren Kniff gelingt es ihm seine Version von „Star Trek“ sowohl bei Hardcorefans als auch Gelegenheitszuschauern zu etablieren und die Reihe dennoch offen für völlig neue Geschichten zu halten. Fabelhaft!

Insgesamt wirkt der 2009er „Star Trek“ tatsächlich nur wie das erste Kapitel einer größeren Geschichte. Man hungert bereits beim Abspann nach mehr. So ging es zumindest mir. Die Geschichte des Films ist zu dünn, um die Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen. Dafür gibt es ausführliche Charakter- und Actionszenen, was – wie es typisch für Abrams ist – glücklicherweise keinen Widerspruch darstellt.

Ich für meinen Teil bin äußerst zufrieden mit der Neugestaltung des Franchise. Hardcorefans werden sich wohl darüber ärgern, dass Abrams sich an „Star Wars“ angenähert hat, doch dürfte das der Reihe neue Zuschauergruppen erschlossen haben. Ich persönlich habe nun sogar wieder Lust auf die ursprüngliche TV-Serie und die Kinofilme bekommen. Ein Neustart, der unglaublich viel Spaß macht: 8/10 Punkte.

96 Hours – OT: Taken (2008)

Zu Beginn der Feiertage habe ich mir mit Pierre Morels „96 Hours“ – oder „Taken“ wie der Originaltitel lautet – einen nicht gerade friedfertigen Film ausgewählt. Die Produktion aus dem Hause Luc Besson macht keine Gefangenen und bietet einen Adrenalinrausch, wie ich ihn auf dem heimischen Bildschirm schon lange nicht mehr erlebt habe.

Die Geschichte ist simpel: Die Tochter eines Ex-Agenten wird entführt, woraufhin sich dieser auf die Suche macht und nach Rache sinnt. Während der relativ ausführlichen Exposition lernt man die Charaktere ziemlich gut kennen und kann somit dem Schmerz und die Wut des Vaters bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für einen effektiven Selbstjustizthriller gegeben, der sich glücklicherweise nicht mit Moralfragen aufhält, sondern sofort zur Sache kommt.

Sicher kann man den Film als reaktionäre Gewaltfantasie mit offen propagiertem Fremdenhass sehen, doch dann dürfte man sowieso nicht zur Zielgruppe gehören und seit den 80er Jahren jeden Actionfilm gemieden haben. Ein Film braucht nun einmal Bösewichte. Hier sind hat es eben Albaner, Franzosen und Araber getroffen und das nicht zu knapp, womit ich auch zum nächsten Punkt kommen möchte: Liam Neesons Bryan Mills. Der Mann, der rot sieht. Blutrot. Selten habe ich solch einen kompromisslosen und übertriebenen Rachefeldzug gesehen. Jegliche Diskussion moralischer Fragen hätte die treibende Handlung völlig zerstört. Kritik dieser Art schießt für mich völlig am Ziel vorbei, zudem es sich um eine französische und eben keine US-Produktion handelt.

Für Actionfreunde ist „Taken“ eine kleine Offenbarung. Hart, dreckig und unglaublich treibend inszeniert. Pierre Morel sollte man sich als Genrefan wahrlich merken. Auch Liam Neeson („Rob Roy“) hat mich endlos begeistert. Sicher verliert sich die Geschichte – besonders gegen Ende – in immer phantastischeren Regionen, doch mochte mich das nicht wirklich stören, denn schließlich ist dies ein herrlich altmodischer Actionkracher und kein Politdrama.

Wer 90 Minuten im Zeitraffer verfliegen sehen möchte und dem Genre zudem nicht abgeneigt ist, der sollte „Taken“ dringend auf seine Liste setzen. Ein Adrenalinrausch in 24 Bildern pro Sekunde: 8/10 Punkte.

Iron Man (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man“ am 26. Mai 2012 und am 9. März 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nachdem der Film schon viel zu lange ungesehen im Regal steht, habe ich mich gestern Abend Jon Favreaus „Iron Man“ angenommen. Obwohl ich Comicverfilmungen generell mag, konnte ich mich zuvor nicht so recht zu einer Sichtung aufraffen. Warum auch immer. Nun bin ich aber froh, es getan zu haben.

Iron Man (2008) | © Walt Disney

Iron Man (2008) | © Walt Disney

„Iron Man“ ist das Musterbeispiel eines Superheldenfilms bzw. des ersten Films einer ganzen Reihe. Wie bereits in „Spider-Man“ oder „Batman Begins“ lernt die Hauptfigur ihre neu gewonnenen Fähigkeiten hier zunächst kennen und muss sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen. Dies geschieht hier einerseits in eher düsteren Szenarion (Tony Starks Gefangenschaft), andererseits in eher komödiantischen Gefilden (Tonys Privatlabor). Eine wahrlich unterhaltsame Mischung.

Die restliche Geschichte – abgesehen vom Erfinden und Zusammenschrauben des Anzugs – ist eher belanglos. Die Darstellung von Tony Starks Lebensstil macht dank eines grandiosen Robert Downey Jr. richtig Spaß, doch die Entstehung des Bösewichts sowie der obligatorische Endkampf stammen eher aus der Klischeekiste. Nett anzusehen, aber (noch) nicht wirklich sonderlich faszinierend. Immerhin musste ich anfangs zweimal hinschauen, um Jeff Bridges (mit Glatze und Vollbart) zu erkennen.

Fazit

Mir hat der Film enorm viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, den zweiten Teil nun schneller zu sichten. Favreaus Interpretation des Marvel-Comics spielt für mich zwar nicht ganz oben unter den Comicverfilmungen mit, ist aber doch ein mehr als nur gelungener Beitrag. Als Genrefreund sollte man auf jeden Fall reinschauen: 7/10 Punkte.

Stirb langsam 4.0 – OT: Live Free or Die Hard – Recut Version

Weiter geht es im Fortsetzungswahn. Len Wisemans „Stirb langsam 4.0“ ist das von Fans lange erwartete und gefürchtete Sequel zu den Actionklassikern der späten 80er und frühen 90er Jahre. Es lagen folglich Erwartungen vor, die unmöglich erfüllt werden konnten. Oder etwa doch?

Um es vorwegzunehmen: Len Wiseman ist mit seiner Modernisierung des Actionmythos ein durchaus würdiger Nachfolger gelungen. Stets unterhaltsam, mit einem herrlich aufspielendem Bruce Willis und ausreichend fetziger Action. Das eigentliche Kunstück war jedoch wohl John McClane glaubhaft in eine Bedrohungssituation zu bringen, die dem Kino des neuen Jahrtausends würdig ist und dementsprechend auch eine neue Generation von Kinogängern für den alternden Actionhelden begeistern kann.

Ich hatte wirklich befürchtet, dass die Cybercrime-Rahmenhandlung zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und vom Sujet her absolut unpassend für diesen klassischen Heldentypus. Doch die Sache funktioniert erstaunlich gut, besonders wenn man den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe bedenkt. Zwar gibt es wieder unzählige dumme Computerklischees und Logiklücken, doch abgesehen davon wirkt die Bedrohung doch recht real im heutigen Zeitalter der globalen Vernetzung.

Die Aufstellung der Bösewichte erinnert tatsächlich an die der klassischen Filme. Timothy Olyphant hat mir erstaunlich gut gefallen. Vielleicht etwas schmierig, doch insgesamt ein passender Gegenspieler im Rahmen der Handlung. Auch McClanes Sidekick Matt Farrell (Justin Long) war nicht ganz so nervig, wie ich das nach den Trailern befürchtet hatte. Dennoch hat er den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur abgelenkt, was ich schade fand.

Die Actionszenen fand ich größtenteils klasse inszeniert, doch – wie hätte es anders sein sollen? – zu übertrieben und teils auch zu CGI lastig. Besonders der Kampf gegen den Jet hätte dann doch nicht in all seiner Ausführlichkeit sein müssen. Wenn ich so etwas sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal James Camerons „True Lies“ an.

Insgesamt bin ich mit „Stirb langsam 4.0“ durchaus zufrieden. Ich hatte zwei Stunden lang wirklich großen Spaß und habe mich letztendlich doch nicht an so vielen Sachen gestört, wie ich anfangs noch befürchtet hatte. Wer mit den Modernisierungen leben kann und keinen waschechten 80er bzw. 90er Jahre Actionfilm erwartet, der dürfte auch als Fan viel Spaß mit John McClane im neuen Jahrtausend haben: 7/10 Punkte.