Bastille Day (2016)

Kürzlich habe ich noch darüber gesprochen, warum ich auf ein Medium gepresste Filme dem Stream gegenüber vorziehe, und dass mein Stapel ungesehener Blu-rays viel zu hoch geworden ist. Gestern habe ich all das jedoch ignoriert und mich für den Action-Thriller „Bastille Day“ entschieden, den man sich (wohlgemerkt im korrekten Bildformat) auf Amazon Prime ansehen kann. Ob sich der Ausflug nach Paris gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Zwei Amerikaner in Paris

Auf „Bastille Day“ wurde ich vor allem aufgrund von Idris Elba aufmerksam. Seine Hauptrolle in der TV-Serie „Luther“ hat den Schauspieler nach „The Wire“ erneut auf meinen Radar gebracht und ich war gespannt, wie er sich in einem typischen Action-Thriller schlägt. Gerüchte um Elba als James Bond halten sich hartnäckig bereits seit Jahren und man könnte den europäisch-amerikanischen Thriller fast schon als sein Bewerbungsvideo für die Rolle sehen, zumindest wenn man den durch Jason Bourne inspirierten Stil als Referenz nimmt. Anfangs war es ziemlich gewöhnungsbedürftig Elba nach „Luther“ amerikanisches Englisch sprechen zu hören. Auch sein Co-Star Richard Madden (bekannt als Robb Stark aus „Game of Thrones“) wurde als Amerikaner besetzt, obwohl er eigentlich Schotte ist. Was die Besetzung angeht, kann man dem Film keine Vorwürfe machen und sowohl Elba als auch Madden zeigen sich äußerst spielfreudig.

Auf inhaltlicher Seite ist „Bastille Day“ deutlich schwächer aufgestellt und gerade gegen Ende zerfasert der Film in einen 08/15-Actioner mit comichaftem Bösewicht und an den Haaren herbeigezogenem Plot. Gerade aufgrund der jüngsten Anschläge fand ich es dennoch dem Unterhaltungswert zuträglich, dass am Ende eben doch nicht der Kampf gegen den Terror thematisiert wurde. Ob die Darstellung der französischen Politiker und Polizisten als komplett korrupt dagegen so nötig gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der Film macht jedoch nie einen Hehl aus seinen Action-Wurzeln und er nimmt sich deutlich weniger ernst als z.B. „96 Hours“, was vor allem der Buddy-Movie-Dynamik zwischen Idris Elba und Richard Madden geschuldet ist.

Fazit

Wenn ihr euch für 90 Minuten gut unterhalten lassen wollt und einen anspruchslosen Actioner sucht, dann kann ich euch „Bastille Day“ durchaus ans Herz legen. Er ist auf jeden Fall gelungener als der x-te Aufguss von „Taken“ und hat zudem zwei frische Schauspieler zu bieten. Kein Film, der länger im Gedächtnis bleibt, doch bietet er für die Dauer seiner Laufzeit genau das richtige Maß an Unterhaltungswert: 6/10 Punkte.

Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

The Summit: Gipfel des Todes (2012)

Mit dem Dokumentarfilm „The Summit: Gipfel des Todes“ geht mein Wochenende auf dem K2 (ganz bequem vom Sofa aus) zu Ende. Wie bereits Graham Bowleys Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ verarbeitet auch Nick Ryans Film die Tragödie der Saison 2008, bei der 11 Bergsteiger in nur zwei Tagen ums Leben kamen. Ob der Film neue Erkenntnisse auf die Ereignisse wirft? Ich war sehr gespannt auf die bebilderte Rückkehr zum gefährlichsten Berg des Karakorum…

Anders als der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ aus dem gleichen Jahr, verlässt sich Nick Ryan nicht nur auf dokumentarische Aufnahmen, sondern stellt Schlüsselszenen am Berg nach. In diesen Momenten erinnert „The Summit“ ein wenig an „Sturz ins Leere“, in dem ebenfalls auf nachgestellte Szenen zurückgegriffen wurde. Dies ist dem Film allerdings nicht abträglich, hatten die Bergsteiger gerade in den dramatischen Momenten einfach keine Kamera zur Hand. Dem Zuschauer helfen die Aufnahmen jedoch, Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Versionen der Geschehnisse zu visualisieren. Die endgültige Wahrheit, das wird einem schnell klar, kann auch diese jüngste Rekonstruktion der 2008er Expedition nicht belegen.

Da ich erst ein paar Stunden zuvor das Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ beendet hatte, war es für mich besonders spannend die einzelnen Personen quasi live zu erleben. Hier wird deutlich, dass Graham Bowley diese sehr gut beschrieben und die unterschiedlichen Charaktere ziemlich treffend wiedergegeben hat. Auch wenn ich den Ausgang der Geschichte bereits im Detail kannte, so haben mich die einzelnen Schicksale doch wieder gepackt. Hier ist das Medium Film doch noch einmal emotionaler als die faktenbasierte Aufbereitung des Buches.

Wie auch der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ rückt Nick Ryan, parallel zu den 2008er Ereignissen, eine historische Expedition in den Fokus. Leider wirken diese Szenen sehr beliebig und der Zusammenhang erzwungen. Ich hätte hier lieber detailliertere Aufnahmen der aktuellen Expedition und weitere Gespräche mit den Überlebenden gesehen. Gerade gegen Ende werden die Ereignisse doch recht schnell abgehandelt. Wirklich schade, denn für den Zuschauer ensteht dadurch leider kein wirklicher Mehrwert.

Auch wenn „The Summit“ kein perfekter Film ist, so arbeitet er die Tragödie am K2 doch umfassend auf und lässt uns Zuschauer hautnah an den dramatischen Szenen teilhaben. Die Bergsteiger werden einem nahe gebracht und gerade in Kombination mit Graham Bowleys Buch ergibt sich daraus ein sehr rundes Bild der Katastrophe. Ich für meinen Teil nehme nun vorerst Abschied vom Karakorum, werde dieses ganz im Zeichen der Kletterei stehende Wochenende jedoch nicht allzu schnell vergessen: 8/10 Punkte.

Ich bin dann mal weg (2015)

Da unser Zwergofant am heutigen Rosenmontag unbedingt in den Kindergarten wollte (als Batman wohlgemerkt), haben wir den Nachmittag ganz entspannt auf einem Waldspielplatz verbracht. Mehr war heute nicht drin. Morgen steht dafür, sollte das Wetter mitspielen, ein Tagesausflug auf dem Programm. Der Jakobsweg wäre etwas weit, weshalb wir ihm mit „Ich bin dann mal weg“ zumindest einen filmischen Besuch abgestattet haben. Hape Kerkelings Vorlage kenne ich nicht, doch finde ich die Idee dieser Wanderung durchaus faszinierend. Was also hat der Film zu bieten?

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Wenn es um die filmische Verarbeitung von Selbstfindungstrips geht, dann habe ich in dieser Nische durchaus einiges an Erfahrung: Bereits 2010 hat Emilio Estevez seinen Vater in „Dein Weg“ auf den Jakobsweg geschickt und ich muss sagen, dass mir diese Reise wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Zuletzt habe ich Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“ begleitet und war von diesem Abenteuer ebenso angetan. Nun also Julia von Heinz‘ Verfilmung des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“. Wie zu erwarten ist die Fallhöhe deutlich geringer als bei den oben genannten Werken: Hape Kerkeling muss nicht den Tod seines Sohnes bzw. eine durch einen persönlichen Verlust ausgelöste Drogensucht verarbeiten. Er ist nur ausgebrannt. Tatsächlich war mir das als Beweggrund aber völlig ausreichend.

Devid Striesow spielt Hape Kerkeling wirklich überzeugend und ich bin mit ihm gerne auf diese Reise gegangen. Auch die eingestreuten Rückblenden in Kerkelings Kindheit und Jugend empfand ich als gelungen und schön in die Wanderung eingeflochten. Das Voice-over war mir dagegen ein wenig zu viel des Guten (dabei stehe ich auf Voice-over) und die auf dem Weg geflochtenen Beziehungen schienen mir viel zu gewollt und dennoch oberflächlich. Auch viele Bilder wirkten viel zu künstlich und nachbearbeitet, was wirklich schade ist, denn die Landschaft hätte auch ohne exzessive Farbkorrektur gewirkt. In Summe lässt das den Film leider zu sehr wie einen Film wirken. Hier hätte ich mir gerne mehr ruhige Momente, die nicht alles bis ins letzte Detail erklären oder zu sehr nach Postkartenidylle schreien, gewünscht.

Insgesamt hat mir auch Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg gut gefallen, doch war mir diese manchmal einfach zu viel. Gerade im Vergleich zu „Dein Weg“ offenbaren sich die Schwächen deutlich und ich würde Emilio Estevez‘ Film jederzeit den Vorzug geben. Dennoch mochte ich auch Kerkelings Geschichte und bin davon überzeugt, dass in der Vorlage mehr drin steckt als in der sehr poliert wirkenden Verfilmung: 6/10 Punkte.

Blutgletscher (2013)

Nach einer ziemlich turbulenten Arbeitswoche ist auch der zweite Monat des Jahres fast schon wieder vorbei. Zum Start in ein langes Wochenende habe ich mir mit „Blutgletscher“ einen österreichischen Genrefilm angeschaut, der schon länger auf meiner Liste stand. Ob unsere Nachbarn den filmischen Vorbildern gerecht werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

blutgletscher

Regisseur Marvin Kren hat mit „Blutgletscher“ ziemlich eindeutig seine Version von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ geschaffen: eine abgelegene Forschungsstation, eine Gruppe von Wissenschaftlern und eklige Mutationen. Die Anleihen sind unverkennbar und doch besitzt „Blutgletscher“ durchaus eine gewisse Eigenständigkeit, die natürlich vom Lokalkolorit und den atmosphärischen Bildern lebt. Was den Erzählton angeht, schwankt Krens Horrorfilm zwischen Ernsthaftigkeit und Trash, was erstaunlich gut funktioniert. Wären die Charaktere ein wenig interessanter (leider kann nur Gerhard Liebmanns Janek überzeugen), dann hätte der Film durchaus mehr sein können als nur ein Monsterstreifen.

Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie hier handgemachte Effekte eingesetzt werden, die zwar ein wenig trashig wirken, dabei jedoch unglaublich effektiv sind. Unter diesem Aspekt funktioniert dieser österreichische Genre-Beitrag sogar besser als das CGI-lastige Prequel bzw. Remake „The Thing“ aus dem Jahr 2011: abstruse Monster in einer klassischen Horrorgeschichte, die vor dem Hintergrund des Klimawandels erzählt wird und dabei das für das Genre nötige Maß an Sozialkritik mitbringt. Zwar ist „Blutgletscher“ mehr eklig als spannend, geschweige denn unheimlich, doch ist dieser Umstand dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Einzig ein paar Längen im Mittelteil schwächen den positiven Gesamteindruck ein wenig.

Insgesamt kann ich „Blutgletscher“ allen Genre-Freunden nur ans Herz legen. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, doch ist der Film auf jeden Fall erfrischender als die 08/15-Jump-Scare-Streifen aus der Traumfabrik. Bei der folgenden Wertung ist der nötige, erweiterte Lokalpatriotismus schon mit eingerechnet: 7/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS7)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Dieses Jahr habe ich mir mit meiner Sichtung von „Schöne Bescherung“ Zeit gelassen. Ich hatte sogar schon Sorge, dass ich überhaupt nicht mehr dazu komme. Woran das lag? Es gab eine Prämiere und ich habe erstmals meine Kinder in die wundersame Welt der Griswolds eingeführt. Und wie das in der Vorweihnachtszeit so ist, sind diese schwer beschäftigt: Weihnachtsfeiern von Kindergarten und Schule, Proben zum Krippenspiel und vieles mehr. Aber heute war es endlich soweit…

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Wie jedes Jahr überlege ich, was ich meiner inzwischen schon achten Besprechung  des Klassikers noch hinzufügen kann. Durch die äußeren Umstände ist das dieses Mal allerdings recht einfach: Meine Frau meinte irgendwann, dass es ziemlich eindeutig sei woher das Zappelinchen seinen Humor hat. Sie hat sich bei den Slapstick-Szenen ebenso weggeschmissen, wie es mir selbst nach all den Jahren noch gelingt. Wahrlich ein großer Spaß und ich bin mir sicher, mit der heutigen Sichtung die Tradition, in der Vorweihnachtszeit „Schöne Bescherung“ zu schauen, erfolgreich an die nächste Generation weitergegeben zu haben.

Der Zwergofant dagegen konnte mit dem bunten Geschehen noch nicht so viel anfangen und hat eher die Weihnachtslieder und das gezeichnete Intro genossen. Aufgrund der Kinder habe ich dieses Jahr einmal wieder die deutsche Synchronisation des Films geschaut und musste dabei feststellen, dass diese wahrlich ausgezeichnet funktioniert. Normalerweise kann ich Synchros nicht mehr schauen, doch hier hat es mich überhaupt nicht gestört. Ob das daran liegt, dass ich diese Fassung aus meiner Kindheit kenne oder ob in den 80ern noch mehr Liebe in die Synchronisation gesteckt wurde? Ich vermute es ist eine Mischung aus beiden Faktoren.

Nachdem ich nun endlich bei den Griswolds vorbeigeschaut habe, kommt auch bei mir so langsam die weihnachtliche Stimmung an. Ich bin froh, dass das Zappelinchen begeistert war und habe nun noch einen Grund mehr, mich jedes Jahr auf diese unsinnige aber doch irgendwie schöne Tradition zu freuen. Das Zappelinchen würde die folgende Wertung bestimmt unterschreiben: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Centurion (2010)

Nach dem turbulenten Geburtstag unseres Zwergofanten, freute ich mich heute auf einen ruhigen Fernsehabend. Auch wenn wir es verhältnismäßig früh auf die Couch geschafft haben, so war ich schon extrem müde und habe deshalb einen kurzen Film gewählt: Neill Marshalls „Centurion“ steht schon auf meiner Liste, seit er mich mich dem Schocker „The Descent“ nachhaltig beeindruckt hat. Ob er dies nun auch mit seinem Historienfilm geschafft hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal war ich sehr erfreut Michael Fassbender und Dominic West („The Wire“ und „The Affair“) in den Hauptrollen zu sehen. Beide Schauspieler sehe ich sehr gerne und war gespannt, auf welche Reise Marshall sie schickt. Wie auch der 2011er Film „Der Adler der neunten Legion“ steht hier das Schicksal eben jener römischen Legion im Mittelpunkt, die auf mysteriöse verschwunden ist. Marshall nimmt diese Prämisse her und inszeniert einen schnörkellosen Actionstreifen rund um Jäger und Gejagte. Die Inszenierung ist roh, die Bilder kühl und die Geschichte flach.

Ich mag es sehr, wie Marshall den Norden Großbritanniens einfängt und wie düster und dreckig der Look generell ist. Leider verwendet er in den Kampfszenen größtenteils eine ziemlich wackelige Handkamera, was düstere Erinnerungen an „Black Death“ weckt. Dennoch ist die Action wuchtig und man könnte fast meinen, dass sich Marshall mit diesem Film als Regisseur für die großen Schlacht-Episoden „Blackwater“ und „The Watchers on the Wall“ von „Game of Thrones“ empfohlen hat. Im Gegensatz zu diesen Episoden wirkt „Centurion“ doch nie wirklich episch, was ich der fehlenden Charakterzeichnung ankreide. Selbst Fassbenders Voice-over wirkt oft eher billig und deplatziert.

Insgesamt hat mir „Centurion“ durchaus Spaß gemacht, doch bleibt er letztendlich ein B-Movie mit seltsamem Erzählrhythmus und blutiger Action. Schade, dass sich Neil Marshall nach „Doomsday“ nicht wieder steigern konnte und dies vorerst sein letzter Kinofilm bleibt. Vielleicht ist er bei den großen Serien auch besser aufgehoben, denn bei diesen kann er sich voll und ganz auf die Action konzentrieren: 6/10 Punkte.

The Visit (2015)

Halloween steht vor der Tür, der Horrorctober neigt sich seinem Ende zu. Ich habe somit den heutigen Abend genutzt, um mir mit „The Visit“ einen weiteren Genrefilm anzusehen. Teils wurde er als M. Night Shyamalans Rückkehr zu alter Größe gefeiert, teils habe ich von einem großen Reinfall gelesen. Wie ich den Film wahrgenommen habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich festhalten, dass ich im Vorfeld nicht wusste in welchem Stil „The Visit“ gedreht wurde. Ob man hier nun von Found Footage oder Mockumentary sprechen möchte, ist wohl Auslegungssache: Auf jeden Fall steht eine subjektive Kamera im Mittelpunkt. Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive zweier Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern besuchen. Obwohl schon recht bald ziemlich unheimliche Dinge geschehen, kommt der Humor nicht zu kurz, was bisweilen an Sam Raimis Genre-Hybriden „Drag Me to Hell“ erinnert. Auch wenn sich somit kein stringenter Ton durch den Film zieht, lag für mich jedoch genau darin der Reiz: Ich wurde köstlich unterhalten und hatte gleichzeitig wirklich große Angst. Horror-Hassliebe par excellence.

Was die Handlung von „The Visit“ angeht, so darf man sie keiner genaueren Analyse unterziehen. Während des Films kamen mir jedoch keine Logiklöcher in den Sinn und ich konnte mich voll und ganz von den Geschehnissen mitreißen lassen. Danach musste ich noch einmal nachschauen, ob ich richtig gelesen hatte und der Film wirklich ab 12 Jahren freigegeben ist. Er ist es. Unfassbar. Ich wäre als 12-jähriger gestorben. Wieder einmal ein deutliches Zeichen, dass die FSK kein aussagekräftiges Maß vorgibt und ich als Elternteil wohl jeden Film vorab überprüfen muss, den meine Kinder je bis zu ihrem 18. Geburtstag sehen werden…

Für mich hat M. Night Shyamalan („The Village“) mit „The Visit“ tatsächlich wieder abgeliefert und ich würde mir wünschen, dass er in Zukunft mehr in Richtung Horror und Komödie geht. Sicher kein Film für die Genre-Hall-of-Fame, doch auf jeden Fall einen knapp 90-minütigen Besuch wert: 7/10 Punkte.

It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

In guten Händen – OT: Hysteria (2011)

Wie schon so oft ist ein Film im Blu-ray-Player gelandet, weil ich eine wohlwollende Besprechung des Sneakpods im Hinterkopf hatte. Dieses Mal ging es mit „In guten Händen“ zurück ins Jahr 1880, um der Erfindung einer technischen Errungenschaft beizuwohnen – und das ganze verpackt in eine klassische romantische Komödie, die ihr scheinbar schlüpfriges Thema wunderbar offensiv angeht und gleichzeitig Aufklärung und Befreiung auf mehreren Ebenen thematisiert.

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Schaut man sich heutzutage irgendeine beliebige Sitcom an, werden sexuelle Anspielungen ganz offen und häufig auch unglaublich platt vorgetragen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Larry David bahnbrechende Episoden wie „The Contest“ für „Seinfeld“ geschrieben und damit geschickt Themen wie Masturbation in herrlichen Euphemismen verpackt hat. Was also hat man von einer Komödie zu erwarten, welche den weiblichen Orgasmus und die Erfindung des Vibrators thematisiert? Vermutlich kann man einfach nur froh sein, dass es sich um eine britische Produktion handelt.

Im Grunde ist „Hysteria“ eine romantische Komödie mit historischem Setting. Humor zieht der Film dabei häufig tatsächlich aus seinen stimulierenden Szenen, welche ohne Scham und Anrüchigkeit inszeniert sind. Das Thema hätte in den falschen Händen ziemlich in die Hose gehen können, doch vermutlich hat es mit Tanya Wexler auch einfach eine Frau auf dem Regiestuhl benötigt, die das nötige Fingerspitzengefühl beweist. No pun intended. Trotz der leichten Atmosphäre und es beschwingten Tons, scheuen sich die Autoren nicht davor, auch schwierigere Themen (Frauenrechte, Armut, Klassenunterschiede) anzusprechen. Manchmal wirken die Übergänge ein wenig holprig, was dem positiven Gesamteindruck allerdings nicht abträglich ist.

Neben der gefälligen Inszenierung und des wirklich schönen Scores, überzeugen mit Hugh Dancy und Maggie Gyllenhaal vor allem die beiden Hauptdarsteller. Für „Star Wars“-Fans sei angemerkt, dass Felicity Jones (die Hauptdarstellerin aus „Star Wars: Rogue One“) hier eine der prominenteren Nebenrollen spielt. Überhaupt ein rundum sympathischer Cast, der die gut 90 Minuten wie im Flug vergehen lässt. Wer Lust auf eine romantische Komödie mit ungewöhnlicher Hintergrundgeschichte hat, dem kann ich „Hysteria“ nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.