Jurassic Park (1993)

Aktualisierung: Ich habe „Jurassic Park“ am 16. November 2024 zum ersten Mal mit meinen Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es kann auch Vorteile haben, wenn der Compuer den ganzen Abend mit Renderarbeiten beschäftigt ist. Man kommt einmal wieder dazu einen Film zu sehen. Da meine Zeit für solcherlei Späße im Moment sehr begrenzt ist, habe ich zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme gegriffen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Kaum ein anderes popkulturelles Werk hat mich jemals wieder so beeindruckt.

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jurassic Park (1993) | © Universal Pictures Germany GmbH

Im Alter von 10 oder 11 Jahren blätterte ich eines Nachmittags den STERN meiner Eltern durch. Dort erblickte ich die Besprechung eines Romans, der ein Dinosaurierskelett auf dem Cover hatte: „Dino Park“. Nach dem Überfliegen der Rezension gab es dann kein Halten mehr: Das Buch musste ich haben! Die Geschichte schien der wahrgewordene Traum eines jeden dinosaurierverrückten Jungen zu sein – und sie war es auch. Ich habe die Seiten förmlich verschlungen. Da waren all meine Freunde – vom Tyrannosaurus rex über den Brachiosaurus bis hin zum Triceratops – versammelt. In der spannendsten Geschichte, die ich bis dahin gelesen/gesehen/gehört hatte. Bis heute ist „Jurassic Park“ – bzw. damals eben „Dino Park“ – eines der wenigen Bücher, die ich schon mehrfach gelesen habe – und es ist immer noch verdammt gut!

Kurze Zeit nach dem Roman erfuhr ich von der Verfilmung. Ich kaufte mir nun jede Filmzeitschrift, sammelte jedes Fitzelchen Information und steigerte meine Erwartungen somit ins Unermessliche. Im Jahre 1993 – ich war bereits 12 – war es dann endlich soweit. Ich fuhr mit meiner Mutter nach Nürnberg ins Kino. Noch nie war ich in so einem großen Kino, wie dem Atlantik, das es inzwischen schon lange nicht mehr gibt. Die Reihen füllten sich. Eltern wurden des Kinos verwiesen, da ihre Kinder noch keine 12 waren. Ich jedoch war es. Der Raum wurde dunkel. „Jurassic Park“ erschien auf der Leinwand. Ich hatte zuvor noch nie so eine Gänsehaut, wie bei der Anflugsszene auf die Insel. Nachdem das Licht wieder anging hatte ich für alle Ewigkeiten einen neuen Freund gewonnen: Steven Spielbergs „Jurassic Park“.

Nach unzähligen Sichtungen hat sich gestern wieder die gleiche Magie eingestellt. Ich kann die Dialoge inzwischen mitsprechen, doch sie haben sich noch nicht abgenutzt. Der Spannungsaufbau sucht immer noch seinesgleichen. Der Score ist für mich immer noch einer der besten, die je geschrieben wurden. Gänsehaut. Wirklich. Und das schöne: Man kann ihn auch losgelöst vom Film wunderbar hören. Wie so viele Scores von John Williams. Dann natürlich die Dinosauerier. Für mich die beste Nutzung von Effekten, die ich jemals in einem Film gesehen habe. Durch die Kombination von CGI und Animatronics wird ein Realitätsgrad erreicht, den man vorher noch nicht kannte und der auch danach nur selten erreicht wurde. Einfach perfekt.

Auch als Romanumsetzung funktioniert der Film tadellos: Sicher wurde viel weggelassen, aber der Geist der Geschichte wurde eingefangen. Die Charaktere sind auf der Leinwand lebendig geworden und die Spannung ist ebenso nervenzerfetzend, wie in der Vorlage.

Fazit

„Jurassic Park“ ist für mich der perfekte Unterhaltungsfilm. Steven Spielbergs Meisterstück. Für mich stimmt hier einfach alles. Sicherlich kann ich den Film nicht objektiv betrachten, aber das will ich auch gar nicht. Er ist – und das mag sich nun komisch anhören – wie ein guter, alter Freund: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Space Cowboys

Clint Eastwood habe ich eine lange, lange Zeit überhaupt nicht als Regisseur wahrgenommen. Eher untypisch für mich und höchste Zeit Versäumtes nachzuholen. Den Anfang macht „Space Cowboys“, der schon länger auf meiner To-See-Liste steht und der durch die letzte Weltbild-Aktion endlich in greifbare Nähe gerückt ist. Spoiler voraus!

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Der Film teilt sich grob in zwei Häften: Eine ruhige, humorvolle erste und eine eher actiongeladene, dramatische zweite. Mit dieser Zweiteilung verändert sich meines Empfindens nach auch die Qualität des Films. Die erste Stunde fand ich wirklich famos. Eine wunderbare Einführung der Figuren, ein gelungener Spannungsaufbau und mit viel stillem Humor, der einen augenzwinkernden Blick auf das Alter wirft.

Ab dem Bekanntwerden von Hawks Krankheit nimmt der dramatische Anteil zu. Der russische Kommunikationssatellit entpuppt sich als waffenstarrendes Relikt des kalten Kriegs, der mitfliegende Jungspund löst eine Katastrophe aus, in deren Folge sich Hawk für sein Team opfert. All das hat man meiner Meinung nach schon tausend Mal gesehen und mir sind diese Plotelemente beinahe etwas fehl am Platz vorgekommen. Musste es wirklich ein gefährlicher Militärsatellit sein? Hätten die Jungs mit normalen Problemen da oben nicht schon genug zu tun gehabt?

Der Film lebt eindeutig von seinen Schauspielern. Das Altherrenquartett spielt schön selbstironisch und gibt seine Figuren dennoch nie der Lächerlichkeit Preis. Das hat mir wirklich imponiert. Was mir ansonsten von der Besetzung noch ins Auge gesprungen ist: Es spielt die halbe „24“-Besetzung der aktuellen Staffel mit! In einem Raum befinden sich plötzlich Jack Bauers Serienvater (James Cromwell), Secretary Heller (William Devane) und unser allseits beliebter Lieblingsrusse Dmitri Gredenko (Rade Serbedzija). Doch damit nicht genug: Auch Donald Sutherland ist anwesend. Als dann die USA plötzlich von sechs Atomraketen bedroht werden, fehlt nur noch Jack Bauer. Ein wahres Fest für den Film-/Seriengeek.

„Space Cowboys“ hat mir viel Spaß bereitet. Besonders Eastwoods ruhige und besonnene Art der Inszenierung ist mir sehr positiv aufgefallen. Leider werden in der zweiten Filmhälfte zu viele bereits bekannte Elemente aufgewärmt und die Stärken der ersten Hälfte etwas vernachlässigt. Trotz der Fehler wirklich gute Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Domino

Es gibt Filme, die lassen einen etwas unschlüssig zurück. Zu diesen gehört seit heute Tony Scotts Bilderrausch „Domino“. Zwar kommt der Film den beiden Extremen – Meisterwerk bzw. Schrott – nicht wirklich nahe, doch dazwischen ist beinahe die gesamte Bandbreite vorhanden. Wie sagt Domino so schön? There are three kinds of people in the world. The rich. The poor. And everyone in between. Dieser Film ist irgendwo dazwischen.

Im Vorfeld hatte ich – wie so oft – ein paar Dinge über den Film gelesen. Spoilerfrei natürlich. Am meisten wurde auf Tony Scotts berühmt/berüchtigte Montage eingegangen. Etwas, das mir bereits in Scotts „Man of Fire“ etwas sauer aufgestoßen ist und das ich in „Domino“ verstärkt zu sehen befürchtet hatte. Dem war dann auch so. Doch seltsamer- bzw. glücklicherweise sind mir die Bildverfremdungen hier passender erschienen. Sie haben nicht so sehr wie Fremdkörper in der Geschichte gewirkt. Stimmiger. Schwer zu beschreiben.

Auch wenn der visuelle Overkill also annehmbar war, so hat er teils doch etwas meine Nerven strapaziert. Besonders da auch ruhige Sequenzen (z.B. Beerdigung) nicht verschont geblieben sind. In solchen Szenen gab es dann auch keinerlei Verbindung zwischen Montage und Inhalt. Hier hat sich Scotts Stil als das offenbart, was er oft leider auch ganz einfach ist: Spielerei. Trotzdem darf ich für alle Entwarnung geben, die den Film völlig durch die Montage ruiniert wähnen: In vielen Szenen gibt es wunderbare Bildsequenzen zu bewundern, die Sinn und Spaß machen.

Inhaltlich ist auch nicht alles im grünen Bereich. Die Geschichte um Domino Harvey ist interessant und es gibt charismatische Figuren. Die Handlung braucht etwas bis sie in die Gänge kommt und oft werden – da haben wir es wieder – zu verspielte Sequenzen eingestreut. Ich denke nur an die Jerry Springer-Show, die ausgedehnte Drogensequenz oder auch einige der Interviewszenen. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film meiner Meinung nicht geschadet. Neben dem inhaltlichen Balast und den visuellen Auswüchsen wird nämlich eine spannende Geschichte erzählt, die zudem mit interessanten Figuren bevölkert ist.

Erwähnenswert finde ich zudem Keira Knightley, die mich hier sehr positiv überrascht hat, sowie Mickey Rourke, der endlich wieder zur alten Form zurückgefunden zu haben scheint. Das große Shoot Out am Ende hat mich übrigens sowohl vom Spannungsaufbau, als auch von der Inszenierung sehr an Scotts „True Romance“-Finale erinnert. Überhaupt fand ich das Ende unerwartet emotional, besonders da die wunderschönen End Credits mit der echten Domino Harvey enden, die 2005 an einer Überdosis gestorben ist.

„Domino“ ist gefällt mir besser, als ich gedacht hatte. Teils beeindruckend gespielt und in tollen Bildern erzählt. Teils abschweifend und zu verspielt. Als Gesamtwerk auf jeden Fall sehenswert und durchaus mit Potential: 7/10 Punkte.

Riddick: Chroniken eines Kriegers – Director’s Cut – OT: The Chronicles of Riddick

Im Anschluss an „Pitch Black“ habe ich mir gestern noch David Twohys Fortsetzung „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ im Director’s Cut angesehen. Dies war meine erste Sichtung und aufgrund diverser vernichtender Kritiken war meine Erwartungshaltung nicht all zu groß. Letztendlich bekam ich dann genau das, womit ich gerechnet hatte: Einen großen, albernen Sci-Fi-Actionfilm.

Zunächst einmal finde ich die grundlegende Idee des Films samt Übernahme des Charakters aus „Pitch Black“ sehr gelungen. Viele Kritiker haben sich daran gestört, dass eine Nebenfigur aufgeblasen wird, doch ich finde den Schritt nur konsequent, war Riddick im Vorgänger doch eindeutig der interessanteste Charakter. Ich hatte zudem immer gedacht, dass die beiden Filme außer dem Antihelden nichts gemein haben. Dem ist allerdings nicht so: Es wird Bezug auf die Ereignisse aus „Pitch Black“ genommen und die Überlebenden spielen tragende Rollen in der Fortsetzung. All das wirkt seltsamerweise nicht erzwungen oder aufgesetzt – und das obwohl „The Chronicles of Riddick“ eine ganz andere Art Film darstellt, wie sein Vorgänger.

In den Chroniken wird eine episch anmutende Geschichte erzählt. Fantasyelemente übernehmen die tragende Rolle und das Design scheint Filmen wie „Stargate“ oder „Dune“ entsprungen. Die erste halbe Stunde konnte mich auch wirklich begeistern: Es wird von Planet zu Planet gereist, gibt unzählige Figuren und mystische Namen. Die Einführung der Charaktere fand ich zudem sehr gelungen. Doch dann betreten die Bösewichte die Bühne. Diese sind – neben ihrer Eigenschaft Welten auszulöschen – leider überhaupt nicht furcheinflößend. Da hatte ich selbst vor den Grashüpfern aus „Galaxy Quest“ mehr Respekt. Die Kostüme wirken wie aus der originalen „Star Trek“-Serie und die Dialoge sind teils so haarsträubend, dass es an Körperverletzung grenzt. Ich habe mich oft wirklich in einer Parodie gewähnt. Unglaublich.

Sobald die Handlung wieder direkt bei Riddick und Co. ist, macht der Film allerdings wirklich Spaß. Der Gefängnisaufenthalt samt Ausbruch ist sehr gelungen. Sowohl vom Produktionsdesign, als auch von der Action. Man darf  allerdings keine Sekunde über Logik, sowie Sinn und Zweck des Ganzen nachdenken, dann kann man den Unterhaltungswert auch voll und ganz genießen. Denn den besitzt der Film auf jeden Fall. Davon abgesehen ist Riddick wirklich eine tolle Figur. Sicher sollte man von Vin Diesel keine Shakespearschen Schauspielleistungen erwarten, doch als Actionheld taugt er allemal.

Die Geschichte an sich wäre auch gar nicht schlecht wären da nicht, ja wären da nicht die Necromonger. Ich weiß auch nicht was Twohy hier geritten hat. Die Idee (Aufzwingen einer dubiosen Religion) wäre ja an sich noch ganz brauchbar, aber die Handlungen der Figuren, die wirklich dummen Dialoge und die schrecklichen Kostüme machen aus den Villains einfach nur Witzfiguren. Dieser Umstand nimmt dem Film so viel. Es ist wahrlich eine Schande.

„The Chronicles of Riddick“ ist ein wirklich unterhaltsamer Sci-Fi-Actioner, der eigentlich alles besitzt, was man als Genrefreund braucht: Fremde Welten, Raumschiffe, Action, einen schnittigen Helden, Effekte en masse und eine einigermaßen brauchbare Geschichte. Doch leider besitzt der Film auch die Necromonger. Somit sind mehr als 6/10 Punkte leider nicht drin.

Mission: Impossible 3 (2006)

Nachdem ich vom direkten Vorgänger unendlich enttäuscht war, habe ich mich heute dennoch an J.J. Abrams „Mission: Impossible 3“ gewagt, den – zumindest bisher – finalen Teil der Filmreihe um Agent Ethan Hunt. Bereits nach den ersten Minuten war Aufatmen angesagt: Zwar ist auch der Abschluss der Trilogie ganz anders ausgefallen, als Brian De Palmas Erstling, doch darf man das – im Gegensatz zu Teil 2 – durchaus positiv werten.

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Ich weiß nicht, ob ich mir das nur eingebildet habe, oder ob ich aufgrund meiner Serien-Sichtungen vorbelastet bin, doch hatte ich teils wirklich das Gefühl einen „ALIAS“-Kinofilm vor mir zu haben. Schon allein die Geschichte – inklusive Handlungsklammer und Twist – scheint der Serie um Sydney Bristow entsprungen zu sein. Das IMF-Hauptquartier ähnelt vom Look zudem deutlich den Geheimdienstzentralen der Show. Die Einbindung von Ethan Hunts Privatleben – inklusive dem Aufrechterhalten seiner Geheimidentität – habe ich auch schon einmal gesehen und Simon Peggs Charakter entspricht 1:1 dem Computergenie Marshall. Zufall? Ich glaube nicht. Ebensowenig wie die Gastauftritte einiger „ALIAS“-Darsteller (inklusive Greg Grunberg).

J.J. Abrams hat das getan, was er am besten kann: Eine stimmige Geschichte packend inszenieren, sowie Handlung und Charaktere stets interessant gestalten. Also all das, was John Woo im zweiten Teil vergeigt hat. Zwar gewinnt auch hier der Plot um die Hasenpfote – dieses Mal übrigens ein echter MacGuffin – keinen Innovationspreis, doch bleiben die Aktionen des IMF-Teams stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Überhaupt liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf Teamarbeit, obwohl Tom Cruise natürlich immer noch im Vordergrund steht.

Im Gegensatz zum zweiten Teil gibt es unter J.J. Abrams Regie gute bis sehr gute Leistungen der Schauspieler zu beobachten. Philip Seymour Hoffman spielt ohne Zweifel alle an die Wand, doch auch Tom Cruise darf wieder mehr zeigen, als sein breites Grinsen. Dies kommt klar auch dem emotionalen Grundgerüst der Geschichte zugute und man ist als Zuschauer wieder wirklich an den Figuren und ihrem Schicksal interessiert.

J.J. Abrams hat mit „Mission: Impossible 3“ einen spannenden und äußerst unterhaltsamen Beitrag zur Agententrilogie geschaffen – wenn nicht sogar den unterhaltsamsten. Bei der nächsten Sichtung werde ich mich wohl auf die ungeraden Teile beschränken: 8/10 Punkte.

Spider-Man 2 – Extended Version (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 2“ am 20. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kurz vor dem Kinostart des dritten Teils, habe ich gestern meine Erinnerungen an „Spider-Man 2“ – dieses Mal in der erweiterten Fassung – etwas aufgefrischt. Mit Comicverfilmungen konnte ich lange Zeit nichts anfangen. Bevor sich meine große Filmleidenschaft entwickelt hat, fand ich die alten „Superman“-Filme zwar ganz nett, aber zu altbacken. Burtons „Batman“ war mir zu düster und artifiziell. Schumachers „Batman“ einfach zu billig. Die neue Superheldenwelle brachte schließlich „X-Men“ und „Hulk“. Beides interessante Filme, doch sie haben mich nicht wirklich mitgerissen. Mit Sam Raimis „Spider-Man“ kam 2002 schließlich der Film in die Kinos, der mir neue und alte Comichelden wieder zugänglich gemacht hat. Für mich ein – dieses Genre betreffend – wahrer Türöffner.

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Was die „Spider-Man“-Filme für mich so zugänglich macht, ist die Ausgangssituation: Ein ganz normaler Junge stolpert in dieses Superheldenleben – ob er nun will, oder nicht. Die Alltagsprobleme bleiben jedoch bestehen. Sie bleiben für die Figur bestimmend und auch stets der Antrieb für sein Superheldendasein. Die Identifikation fällt unglaublich leicht. Zudem enthält die Welt genau den richtigen Grad an Realismus um zu funktionieren. Die Welt der alten „Batman“-Verfilmungen waren hier teils zu künstlich, bei „X-Men“ wurde teils zu sehr auf Realismus gepocht. Sam Raimi hat mit der Welt von „Spider-Man“ genau meinen Geschmack getroffen und – wie ich bereits erwähnte – damit auch die Türen zu den anderen Welten der Superheldenverfilmungen geöffnet.

Die Geschichte ist einfach und doch mitreißen. Es gibt unglaubliche Actionszenen, doch nehmen diese nicht überhand und spielen sich in den Vordergrund. Dort steht stets Peter Parker, seine Familie, seine Freunde und M.J. Dadurch wirkt die Geschichte – trotz Vorhersehbarkeit – sehr ausgewogen und schlüssig. Der Verlauf gleicht dem des ersten Teils zwar verdächtig, doch aufgrund der Figurenkonstellationen und persönlichen Probleme Parkers (Verlust von Selbstbewusstsein und damit Verlust seiner Fähigkeiten etc.) ergeben sich völlig neue Eindrücke.

Fazit

Ich freue mich nun wirklich sehr auf den dritten Teil. Sam Raimi wird die Spinne schon schaukeln. Ebenso habe ich nach der gestrigen Sichtung Lust auf „Batman Begins“ bekommen, der immer noch ungesehen im Schrank steht. Auch „X-Men 3“ wartet noch auf seine Sichtung. Man merkt: Das Superheldenfieber wurde durch „Spider-Man 2“ erneut entfacht. Perfektes Popcornkino: 9/10 Punkte.

Anmerkung zur neuen Schnittfassung von „Spider-Man 2.1“: Mir sind – außer ein paar Szenen – keine sonderlichen Veränderungen zur Kinofassung aufgefallen. Die Sichtung liegt allerdings auch schon länger zurück. Wenn man noch keine Fassung sein Eigen nennt, ist man mit der 2.1-Version sicher gut beraten. Ansonsten kann man die Scheibe getrost im Regal stehen lassen.

Die Passion Christi – OT: The Passion of the Christ

Pünktlich zu Ostern kommt Mel Gibsons kontrovers diskutiertes Bibeldrama „Die Passion Christi“ als TV-Erstausstrahlung natürlich zur richtigen Zeit. Auch für mich, denn mich hat schon länger interessiert, was denn nun dran ist, an dem oft als skandalös bezeichneten Werk.

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Vorausschicken sollte ich, dass ich durchaus gläubiger Christ bin, wenngleich ich mit der Kirche selbst nicht allzu viel anfangen kann. Ebenfalls muss ich über so manch in der Bibel geschildertes Ereignis eher schmunzeln, als dass es in mir ein Gefühl der Erfurcht auslöst. Vielen Dingen stehe ich folglich eher skeptisch gegenüber, wenngleich ich mir sicher bin, dass Gott in irgendeiner Form existiert. Ob Jesus – und damit Gottes Sohn – nun wirklich so, wie in der Bibel überliefert, auf Erden gewandelt ist, darüber mag ich mir kein Urteil erlauben. Dennoch glaube ich, dass auch hier ein wahrer – historischer – Kern zugrunde liegt.

Ich habe versucht an den Film möglichst objektiv heranzugehen, wenngleich ich mir eigentlich sicher war, ihm nicht sonderlich viel abgewinnen zu können. Letztendlich hat es mich überrascht, wie mitreißend Gibson die Darstellung von Jesus letztem Gang doch gelungen ist. Rein inszenatorisch erinnert der gesamte Film an die letzten Minuten von „Braveheart“. Es wird in Zeitlupe gefoltert, es gibt Großaufnahmen des Leidenden und der Schmerz wird fast körperlich spürbar. Unterbrochen wird die Folterorgie durch Rückblenden, die eine emotionale Bindung herstellen. Was die Folterszene in „Braveheart“ zu einer der eindringlichsten des gesamten Films gemacht hat, verliert hier etwas an Wirkung. Teils konnt ich zwar fast nicht mehr hinsehen, doch wurden das körperliche Leiden und der Sadismus der Wachen zu sehr in den Vordergrund gerückt. Meiner Meinung nach hätte man auf eine ausgewogenere Mischung von Rückblenden und dem Leidensweg setzen sollen. Die gewählte Erzählform an sich weiß nämlich durchaus mitzureißen.

Teils habe ich das Gefühl gehabt die Verfilmung eines Romans zu sehen, den ich seit Kindestagen nicht mehr gelesen habe. Viele Zitate und Begebenheiten sind mir aus dem Religionsunterricht noch sehr präsent gewesen und es war teils wirklich interessant diese perfekt inszeniert auf dem Bildschirm zu sehen. Diese perfekte Inszenierung ist gleichzeitig jedoch auch ein Manko des Films. Gibson wollte – nach eigener Aussage – den Leidensweg Christi so darstellen, wie er sich zugetragen hat. Gegen dieses Vorhaben spricht allerdings die viel zu emotionale Art der Inszenierung. Es wird in Bildern geschwelgt, es gibt unzählige Zeitlupenaufnahmen, die Montage ist sehr manipulativ usw. Der Film wirkt für seinen Inhalt technisch zu perfekt. Andererseits wüsste ich auch nicht, wie man diesen Anspruch hätte besser umsetzen können. Dokumentarstil? Ohne emotionale Inszenierung? Ich weiß es nicht.

Die letzte große Frage, die sich mir stellt: War es überhaupt nötig diesen letzten Abschnitt aus Jesus Leben in dieser emotionalen Detailversessenheit zu zeigen? Ich bin mir nicht sicher. Andererseits: Welcher Film ist schon nötig? Insgesamt lässt mich Gibsons Werk recht unschlüssig zurück. Der Film konnte mich durchaus packen, selbst die Gewaltdarstellung finde ich gerechtfertigt. Allerdings hätte man die Geschichte inhaltlich ausgewogener erzählen können, denn dann wäre die emotionale Bindung auch mit weniger Gewaltszenen vorhanden gewesen und man hätte sich nicht allein auf den Schockeffekt und das Mitgefühl der Zuschauer verlassen müssen.

Es wäre bestimmt interessant zu wissen, wie bibelfeste und sehr gläubige Menschen den Film aufnehmen. Ebenso wie Menschen ohne Glauben, für die das Gesehene wohl jeglicher Grundlage entbehrt. Ich selbst bereue die Sichtung nicht, wenngleich der Film für mich auch etwas schwierig zu greifen ist. Deshalb wollte ich eigentlich auch auf eine Bewertung nach der klassischen Punkteskala verzichten. Doch letztendlich handelt es ja nur um einen Film. Die Umsetzung einer Geschichte. Und als diese ist der Film – trotz Schwächen und seiner besonderen Position – durchaus mitreißend und in starken Bildern erzählt, wenngleich ich es wohl bei dieser einen Sichtung belassen werde: 7/10 Punkte.

Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.

Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

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Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.

Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.

Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.

Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.

Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.

Donnie Darko – The Director’s Cut (2001)

Nach über zwei Jahren des Wartens habe ich nun endlich „Donnie Darko – The Director’s Cut“ gesehen. Anfangs habe ich ja immer noch gehofft diese Version würde eine erneute Kinoauswertung erfahren, doch als dies nicht geschehen ist, habe ich mich irgendwie auch nicht dazu durchringen können, mir den Director’s Cut zusätzlich auf DVD zuzulegen – bis vor einer Woche. Gestern konnte ich mich nun endlich von den Vorzügen (und leider auch Nachteilen) der neuen Schnittfassung überzeugen.

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Richard Kellys „Donnie Darko“ ist ein fantastisches Erlebnis. Außer David Lynchs „Mulholland Drive“ kenne ich keinen anderen Film, der seine Rätselhaftigkeit so gut bewahren kann, ohne dabei zu künstlerisch oder abgehoben zu wirken. Den Film durchzieht dabei eine (alb)traumhafte Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Jedes Mal, wenn ich denke das Gesehene vollständig begriffen zu haben, fördert mein Bewusstsein neue Ungereimtheiten ans Tageslicht. So schön das Rätselraten auch ist, so erhoffe ich jedoch stets die Intention des Regisseurs zu verstehen. Ohne das fiktive Buch „The Philosophy of Time Travel“, das auf der DVD der Kinoversion vorliegt, hätte ich die Geschichte um das Tangentenuniversum, lebende Empfänger, Artefakte, manipulierte Tote und Lebende usw. nie auch nur annähernd begriffen – und ich bin mir sicher, dass niemand ohne diese Hilfe dahinter kommen kann, da diese essentiellen Informationen im Film verschwiegen werden. Das war ein Problem, das ich der ursprünglichen Version angelastet habe, denn ein Film muss auch ohne zsätzliche Informationen seine Geschichte offenbaren können. Diesen Missstand zu beheben, habe ich mir vom Director’s Cut erhofft.

Im Folgenden möchte ich kurz auf die Änderungen und ihre Wirkung eingehen: Die erweiterten und neuen Szenen fügen sich meiner Meinung tadellos in den Film ein und verhelfen den Charakteren zu mehr Tiefe. Ob alle nötig gewesen wären, lässt sich schwer sagen. Nicht gefallen haben mir die Änderungen im Soundtrack, was vermutlich daran liegt, dass ich den Score/OST im Kinocut bereits zu gut kenne und liebgewonnen habe. Nun zur größten Chance – und gleichzeitig auch zur größten Schwäche – des Director’s Cuts: Der Einbindung einzelner Kapitel aus „The Philosophy of Time Travel“. Die Seiten werden zu kurz gezeigt um ein Verständnis des Inhalts beim Zuschauer zu erreichen. Zudem wäre ein Vorlesen des Inhalts in Kombination mit kleinen Animationen im Stil von Roberta Sparrows Illustrationen schön gewesen. Ich denke, das hätte viel zum Verständnis beigetragen. So wirken die Einblendungen leider immer etwas wie störende Fremdkörper. Noch störender fand ich die überarbeiteten Effekte, wie z.B. das überlagernde Gitter bei der finalen Montage. Auch die technischen Texte, die öfter erschienen sind, empfand ich unpassend – solch eine Art Science-Fiction ist „Donnie Darko“ nicht.

Anonsten ist mir wieder einmal der wunderbare Score und das Produktionsdesign aufgefallen. Man wähnt sich wirklich in den 80ern. Auch die Schauspieler empfand ich erneut als grandios besetzt. Herausgestochen ist dieses Mal besonders Donnies Mutter, die ich erst kürzlich als Präsidentin Laura Roslin in „Battlestar Galactica“ gesehen habe. Schön auch das Zusammenspiel der Geschwister Gyllenhaal.

Insgesamt habe ich mir vom Director’s Cut wohl mehr (bzw. weniger) erhofft. Eine definitive Version von „Donnie Darko“ gibt es meiner Meinung nach also (noch) nicht. Der Kinocut ist mir jedoch in vielen Dingen sympathischer. In Ergänzung mit einer gedruckten Version von „The Philosophy of Time Travel“ dürfte die alte Version auch am meisten Spaß machen. Trotz allem auch in dieser Fassung ein klasse Film: 9/10 Punkte.