Terra Nova – Season 1

Eine der mit am meisten Spannung erwarteten Serien des vergangenen Jahres dürfte wohl „Terra Nova – Season 1“ gewesen sein. Die – wie bereits „Falling Skies“ – von Steven Spielberg produzierte Serie versprache kinoreife Unterhaltung und fantastische Spezialeffekte. Doch bereits für die Pilotfolge hagelte es größtenteils schlechte Kritiken und mit zunehmender Laufzeit kristallisierte sich heraus, dass der Serie wohl nicht der erhoffte Erfolg beschieden werden sollte. Wie ist Spielbergs Sci-Fi-Saga jedoch bei mir angekommen?

Ich habe jede Minute genossen. Als Kind hätte ich die Serie sogar geliebt. Dinosaurier, Zeitreisen, Science-Fiction und Mystery. Erwähnte ich schon Dinosaurier? Der Stoff aus dem meine Träume gemacht waren. Auch heute noch verfalle ich diesen Elementen erstaunlich leicht. Hinzu kommt eine Bilderbuchfamilie à la Spielberg, was bei mir stets funktioniert. Man sieht: Auch wenn die Serie alles andere als perfekt ist, so drückt sie bei mir doch nahezu alle Knöpfe, um als nahezu perfekte Unterhalung wahrgenommen zu werden – es ist schon beinahe unheimlich.

Inhaltlich wandelt die Serie auf bekannten Pfaden. Handlungselemente und Anmutung erinnern an „Avatar“ (inklusive dem großartigen Stephen Lang als Commander Taylor), die Dinos sind „Jurassic Park“ entsprungen, mysteriöse Ereignisse und geheimnisvolle Andere hat man aus „Lost“ entliehen, und der Look der Zukunft ist eine Nachahmung des „Blade Runner“-Produktionsdesigns. Nicht innovativ, aber es funktioniert. Zumindest für mich. Die Charaktere wachsen einem zudem recht schnell ans Herz, die Handlung ist seicht aber lädt zum Dranbleiben an – und auch wenn die Effekte mehr nach TV, denn Kino aussehen, so gefiel mir der exotische Look doch ausgesprochen gut.

Ich kann durchaus verstehen, wenn man so sein Problem mit der Serie hat. Wie bereits „Falling Skies“ erinnert auch die Handlungsstruktur von „Terra Nova“ eher an 90er Jahre TV-Serien, als an komplexe Geschichten, wie man sie heute in Serien findet. Dennoch funktioniert die Serie für mich noch um einiges besser, als die ähnlich gelagerte Alienhatz. Es ist wie eine Rückkehr in die Sonntagnachmittage der eigenen Kindheit. Dinos, Sci-Fi, Mystery und dennoch eine heile Welt. Spätestens seit der Absetzung der Serie weiß ich, dass ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe – doch ich fand die nostalgische Zeitreise ziemlich gut: 8/10 (7.7) Punkte.

The Mentalist – Season 1

Nachdem die Serie im Fortsetzung folgt-Podcast jede Folge gefühlte zwölfeinhalbmal lobend erwähnt wird, habe ich mir die ersten zwei Staffeln gegönnt und „The Mentalist – Season 1“ inzwischen auch komplett gesehen. Da es sich um ein Krimi-Procedural handelt, hat sich die Sichtung über etliche Wochen hingezogen, doch so ein- bis zweimal pro Woche war es durchaus ein Vergnügen mit Patrick Jane die Untiefen des menschlichen Verhaltens zu erforschen…

Im Prinzip ist „The Mentalist“ nur ein weiteres Crime Procedural wie dutzend andere, die unsere TV-Bildschirme bevölkern. Nicht mein bevorzugtes Genre, doch ab und zu ist es tatsächlich auch ganz angenehm eine Episode ohne großes Vorwissen sehen zu können – und sei es nur, damit man sich nicht ärgert nach einem wieder mal viel zu langen Tag bereits bei der Hälfte eingeschlafen zu sein. So haben sich über die letzten Jahre ein paar solcher Procedurals in mein Serienprogramm geschlichen, von denen „Castle“ wohl das Highlight darstellen dürfte. An dieses reicht auch „The Mentalist“ nicht heran, Spaß hatte ich dennoch damit.

Die Stärke der Serie ist wohl eindeutig die unkonventionelle Art und Weise der Ermittlung und die sympathische Darstellung des Hauptcharakters durch Schauspieler Simon Baker. Hier tritt – trotz tragischem Hintergrund der Figur – der humoristische Aspekt der Ermittlungsarbeit deutlich zutage, was dem Unterhaltungswert der doch recht konventionellen Fälle auf jeden Fall zugute kommt. Die anderen Mitglieder des CBI-Teams bleiben für meinen Geschmack jedoch noch etwas blass.

Inzenatorisch sieht „The Mentalist“ auch wirklich nach TV-Serie aus, d.h. relativ gleichmäßige Ausleuchtung, kaum dramatische Effekte und klassische Kameraführung ohne Spielereien. Dies alles lässt die Serie recht altmodisch erscheinen und kann keinesfalls mit der kinoreifen Inszenierung mithalten, die man heute von anderen Serien gewohnt ist. Technisch sauber, aber insgesamt eben zu glatt und langweilig.

Auch wenn ich kein Fan der Serie wurde, so hatte ich größtenteils doch wirklich Spaß mit Patrick Jane und Co. Da die zweite Staffel bereits bereit liegt, werde ich auch diese noch schauen, doch ob ich danach am Ball bleibe? Vielleicht wenn der Haupthandlungsstrang um Red John mehr ins Zentrum rückt und sich die Gruppendynamik im Team interessanter gestaltet. Bis dahin bleibt „The Mentalist“ nette Krimiunterhaltung ohne große Stärken und Schwächen: 7/10 (6.7) Punkte.

Alcatraz – Season 1

Eine der größen Serienhoffnungen der vergangenen TV-Saison war für mich „Alcatraz – Season 1“ von J.J. Abrams. Doch schon bald sollte sich herausstellen, dass es die Serie nicht nur bei den Kritikern, sondern auch bei der geneigten Fangemeinde schwer haben sollte. Dabei bekam man genau das zu sehen, was die Trailer versprachen: Mystery, eine Geschichte auf mehreren Zeitebenen und mit Jorge Garcia einen „Lost“-Alumni. Wo liegt also das Problem?

Die Serie funktioniert sowohl als Procedural, als auch als Serial – und das dürfte wohl auch gleichzeitig das große Problem darstellen: Wie bereits die erste Staffel von „Fringe“ stützt sich auch „Alcatraz“ größtenteils auf Einzelepisoden nach dem Fall der Woche- bzw. Gefangener der Woche-Prinzip. Dieser Ansatz sorgte auch im ersten Jahr von „Fringe“ für Enttäuschung, doch wurde man dort mit interessanteren Charakteren belohnt. Ein anderer und durchaus wichtiger Aspekt der Serie ist, dass die Handlung auf zwei Zeitebenen spielt – Abrams‘ Mysterserie „Lost“ lässt grüßen. Schon alleine die Art der Inszenierung erinnert verdächtig an den Serienhit, nur dass die Flashbacks auf das Gefängnissetting reduziert sind, was auch nicht allen Zuschauern gefallen dürfte.

Nachdem ich nun die Schwachpunkte der Serie aufgeführt habe, sollte ich auch auf ihre Stärken eingehen – und davon hat sie meiner Meinung nach eine ganze Menge. So fand ich das Ermittlerduo Detective Madsen und Dr. Soto sehr sympathisch und perfekt besetzt. Sarah Jones (very cute, by the way) und Jorge Garcia ergänzen sich wirklich gut und heben ihre Figuren somit erfrischend von den typischen TV-Ermittlern ab. Auch Sam Neils Charakter mochte ich recht gerne, wenngleich ich mir für ihn eine ausführlichere Hintergrundgeschichte gewünscht hätte. Leider jedoch werden dem Zuschauer in dieser Hinsicht wieder nur kleine Häppchen serviert, was erschreckend an „Lost“ erinnert. Da hätte ich eher die Anzahl der Gefangenen reduziert, bei denen ich nach ein paar Episoden ehrlich gesagt auch schon völlig den Überblick verloren hatte.

Letztendlich ist „Alcatraz“ nicht der große Mysteryhit, den ich mir erhofft hatte. Dennoch bin ich weit nicht so enttäuscht, wie viele andere Zuschauer. Ich mochte die Atmosphäre in den Rückblenden und die teils ziemlich überzeichneten Figuren (z.B. Warden James) sehr gerne. Auch die Geschichte birgt Potential, was leider nur sehr rudimentär ausgeschöpft wird. Die Zukunft der Serie steht noch in den Sternen und auch wenn sie nicht ohne Fehler war, so würde ich mich doch sehr über eine Fortführung der Geschichte freuen – schon alleine aufgrund des ziemlich fiesen Cliffhangers: 7/10 (7.4) Punkte.

Men of a Certain Age – Season 2

Mit dem Staffelfinale von „Men of a Certain Age – Season 2“ hieß es zugleich auch von der Serie Abschied nehmen. Auch wenn die Show nie zu meinen absoluten Favoriten zählte, so muss ich doch zugeben, dass mir die drei Hauptfiguren ziemlich ans Herz gewachsen sind. Aufgrund der außerhalb der 14- bis 49-Jährigen liegenden Zielgruppe, kam die Absetzung der Serie jedoch leider nicht überraschend. Fernsehen ist in erster Linie eben auch nur ein Geschäft.

Wie bereits in der ersten Staffel verfolgen wir auch im zweiten Jahr der Serie die mehr oder weniger aufregenden Abenteuer von Joe Tranelli, Terry Elliott und Owen Therau Jr. Abenteuer trifft es jedoch nicht ganz, da wir als Zuschauer nur am ganz normalen Leben der drei Freunde teilhaben. Für mich ist das in diesem Fall jedoch völlig ausreichend, da man in den meisten Serien sowieso mit völlig überzogenen Prämissen und Handlungssträngen überschüttet wird. Somit funktioniert „Men of a Certain Age“ auch immer genau dann am besten, wenn die Charaktere in ihrem Alltag gefangen sind bzw. dort kleine und oft wunderbar bizarre Erlebnisse haben.

Neben der größtenteils dahinplätschernden Gesamthandlung gibt es einige Episoden, die versuchen das Drama in den Vordergrund zu rücken. Hier kam es mir teils vor, als würde der natürliche Fluss der Serie stagnieren. Dennoch wirkt die Serie erstaunlich lebensnah und realistisch, was natürlich auch im dokumentarisch angelegten Inszenierungsstil begründet liegt. Auch die allesamt wunderbar sympathischen Darsteller spielen so natürlich, dass man sich gut vorstellen könnte sie abends in einer beliebigen Bar anzutreffen.

Die drei großen Erzählstränge der Staffel sind die Übernahme des Famliliengeschäfts für Owen, die Teilnahme an der Senior Tour für Joe und die Neuausrichtung seines Lebensstils für Terry. All diese Handlungsbögen werden angenehm unaufdringlich miteinander verknüpft und funktionieren somit sowohl in der Gruppe, als auch für die einzelnen Charaktere. Einzelne Handlungsbögen, wie die Entwicklung von Joes Spielsucht und ihre Auswirkungen auf seine Beziehung zu Manfro, fand ich dagegen weniger gelungen und zu aufgesetzt dramatisch.

Insgesamt hat mir auch die zweite Staffel der Serie sehr gut gefallen. Rückblickend betrachtet bin ich mit ihr in meiner Bewertung der Einzelepisoden (auch bei Staffel 1) zu hart ins Gericht gegangen, denn immerhin sind mir die Charaktere so sehr ans Herz gewachsen, wie dies nur wenige Serienfiguren schaffen. Somit fällt mir der Abschied von Joe, Owen und Terry auch wirklich nicht leicht und ich hätte sie gerne noch während einer weiteren Staffel begleitet. Für Freunde der entspannten Unterhaltung abseits von Action, Crime und Mystery: 8/10 (7.8) Punkte.

The Walking Dead – Season 2

Die Zombies sind zurück! Nachdem die Serie letztes Jahr einen richtigen Hype erlebte, wurde es – zumindest in gewissen Kreisen – recht schnell still, wenn es um „The Walking Dead – Season 2“ ging. Insofern war ich nach den recht durchwachsenen Kritiken doch außerordentlich positiv überrascht, wie sich die Serie entwickelt hat. Im Vergleich zur ersten Staffel wurde die Episodenzahl zudem verdoppelt, was der Geschichte und ihren Charakteren auf jeden Fall zugute gekommen ist. Doch der Reihe nach…

Nach dem Finale der letzten Staffel mussten sich die Überlebenden neu sammeln und sind zu neuen Ufern aufgebrochen. Nach nur einer Episode stagniert die Reise aufgrund unvorhergesehener Ereignisse jedoch bereits wieder und eine Farm soll zum vorübergehenden Lebensmittelpunkt unserer Gruppe werden. An dieser Stelle wird der gestörten Gruppendynamik Raum gegeben sich komplett zu entfalten. Handfeste Zombie-Action gibt es nur in sehr geringen Dosen zu sehen, die aber gerade deshalb umso verstörender wirkt. Ich mochte diese verstörend malerische und dennoch stets bedrohliche Atmosphäre auf der Farm sehr, sehr gerne und habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt – und kann somit den größten Kritikpunkt an der zweiten Staffel nicht wirklich nachvollziehen.

Die Gruppendynamik ist stets spannend und entlädt sich immer wieder in äußerst brutalen und mitreißenden Gewaltspitzen. Der Höhepunkt zur Staffelmitte hat mich wirklich mitgenommen und obwohl er – nachträglich betrachtet – nur konsequent und logisch war, so wurde ich davon vollkommen überrumpelt. Auch die Ereignisse, die zum großen Finale führten, waren größtenteils harter Tobak und man sieht deutlich, dass die Serie nicht gerade zimperlich mit ihren Figuren umgeht. Ich bin nun wahrlich gespannt, wie die Autoren die Serie in der kommenden Staffel fortführen werden – die sonnendurchfluteten Bilder der idyllischen Farm werde ich auf jeden Fall vermissen.

Inszenatorisch ist die Serie weiterhin über jeden Zweifel erhaben. Sie wirkt roh, unvermittelt und authentisch – soweit man das bei einer Zombie-Serie sagen kann. Auch wenn die Zombies oft dem Rechner entspringen, so fällt das dem (un)geübten Auge kaum auf und man darf sich an teils wirklich gruseligen Untoten erfreuen. Überhaupt wird die Bedrohung durch die Zombies sehr glaubhaft dargestellt. So gibt es zwar keine neumodischen Sprint-Zombies zu sehen, doch durch ihre schiere Masse und Beharrlichkeit stellen die Zombie-Herden in „The Walking Dead“ stets eine echte Gefahr dar. Besonders das Staffelfinale überzeugt an dieser Stelle durch ein wirklich unangenehmes Gefühl der Ausweglosigkeit.

Zu kritisieren habe ich einzig und allein die teils redundanten und zudem recht sprunghaften Verhaltensmuster unserer Gruppenmitglieder, doch durch die emotionale Extremsituation erscheinen selbst solche Ausfälle und die daraus resultierenden Diskussionen recht glaubhaft. Für mich hat die Serie in ihrem zweiten Jahr noch einmal an Qualität gewonnen und auch wenn man jetzt schon vermuten kann, dass die folgende Staffel eher noch düsterer werden wird, so freue ich mich dennoch auf eine Rückkehr ins zombieverseuchte Amerika: 9/10 (8.7) Punkte.

Dexter – Season 6

In den vergangenen Jahren stellte die Serie stets eines der Highlights der aktuellen Saison dar. Bereits letztes Jahr ließen sich jedoch erste Abnutzungserscheinungen feststellen und mit „Dexter – Season 6“ hat die Serie nun endgültig ihren Stellenwert als Ausnahmeserie verloren. Bietet „Dexter“ dennoch weiterhin gute Unterhaltung oder ist der Qualitätsabfall ein Grund nicht mehr einzuschalten? Spoiler sind zu erwarten.

Bei Beginn der Staffel habe ich – wie bereits im letzten Jahr – noch über die schlechten Kritiken geschmunzelt und wurde selbst erneut sehr gut unterhalten. Schließlich gab es verrückte Serienkiller, spannende Mordfälle und eine durchaus vielversprechende Ausgangssituationen für unsere Charaktere zu bewundern. Doch bereits noch während der ersten Staffelhälfte häuften sich Füllepisoden und es zeichnete sich – noch viel schlimmer – bereits die große Wendung dieser Staffel ab. Ganze 13 Jahre nach „Fight Club“ oder auch „The Sixth Sense“ zaubern die Autoren doch tatsächlich den alten Huch, der ist ja schon tot!-Trick aus dem Hut. Die Heranführung ist dabei so penetrant offensichtlich, dass mich wirklich einmal interessieren würde, wer nicht spätestens nach der Manifestation von Dexters Dark Passenger in Form seines Bruders um das Schicksal von Professor Gellar wusste.

Der groß angelegte Twist der Staffel hat mich somit nur verärgert. Mindestens 10 Jahre zu spät und viel zu plump inszeniert. Das hatte ich von den „Dexter“-Autoren wahrlich nicht erwartet. Einmal davon abgesehen hat mir die Rahmenhandlung rund um den religiösen Fanatiker recht gut gefallen und auch den Gegenpol in Gestalt von Brother Sam fand ich gelungen. Hinzu kommen einige interessante Nebenhandlungen, wie z.B. Masukas Assistenten oder das Call Girl mit Überdosis, die zudem Potential für die kommende Staffel offenbaren. All dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass ich oft das Gefühl hatte die Autoren der einst so dicht und mitreißend geschrieben Serie wären nachlässig geworden; besonders was die Charakterzeichnung angeht. Wenigstens das Finale macht einen längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung. Was für ein Cliffhanger!

Insgesamt bietet auch das sechste Jahr mit dem viel zu sympathisch gezeichneten Serienkiller gute Unterhaltung. Keine Frage. Spannung ist vorhanden, es ist nett wieder Dexters verqueren Gedanken zu lauschen und Debra fluchen zu hören. Das große Ganze mag aber nicht mehr reibungslos funktionieren. Sand hat sich im Getriebe der Serie festgesetzt – und ich hoffe sehr, dass die Autoren diesen bis zum Start der nächsten Staffel wieder zu entfernen wissen. Immer noch sehenswert, doch für „Dexter“ leider auch etwas enttäuschend: 7/10 (7.4) Punkte.

Bored to Death – Season 3

Mit der Absetzung von „Bored to Death – Season 3“ findet eine der wohl skurrilsten Serien ihr verfrühtes Ende. Ihr Humor war ziemlich einzigartig und die Handlung herrlich absurd, weshalb die Serie wohl auch eine große Lücke hinterlassen wird. Nach insgesamt nur 24 Episoden heißt es nun also Abschied nehmen von Jonathan Ames, Super Ray und Mr. George Christopher – und auf eine feine Blu-ray-Edition der Serie hoffen.

Wenn eine Serie aus der grauen Masse heraussticht, dann darf man dies durchaus als etwas Besonderes betrachten. Speziell im Comedy-Segment geben zurzeit eher klassische Sitcoms, Mockumentarys oder – auf den Bezahlsendern – freizügige Erwachsenenunterhaltung à la „Californication“ den Ton an. Insofern darf man es sowieso als kleines Wunder betrachten, dass es „Bored to Death“ überhaupt bis in ihr drittes Jahr geschafft hat. Eine Comedy ohne platte Anzüglichkeiten, Humor abseits der Massenkompatibilität und Anspielungen, die sich weniger auf die Popkultur, als auf klassische Literatur beziehen. Hinzu kommen skurrile Charaktere und ein herrlich stilisiertes Film-Noir-Setting.

Im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln hat die Qualität der erzählten Geschichten zwar etwas abgenommen, dennoch ist es weiterhin ein meisterliches Vergnügen den drei Hauptfiguren bei ihren Abenteuern zuzusehen. Das zusätzliche persönliche Drama (Vater-Tochter-Beziehung, Suche nach Samenspender usw.) wirkt teils etwas forciert, doch werden auch diese Elemente mit dem richtigen Maß an Skurrilität präsentiert. Man kann diese Figuren einfach nur lieben – und das auch (oder gerade weil) sie eben unzählige kleine und große Charakterschwächen besitzen.

Wie bereits angesprochen finde ich es extrem schade, dass die Serie abgesetzt wurde. Glücklicherweise ist das Finale absolut stimmig und stellt ein Highlight innerhalb der dritten Staffel dar. Gaststars wie Stacy Keach oder Isla Fisher erweitern das „Bored to Death“-Universum und auch wenn ich mir nun wünschte zu sehen, wie es mit den Figuren weitergeht, so wurde ich doch zufrieden entlassen. Wie sagt Super Ray so treffen? ‚In a ridiculous situation, it’s important to think positively.‘ In diesem Sinne kann ich nur noch einmal meine dringendste Empfehlung aussprechen: 8/10 (8.1) Punkte.

Man Up! – Season 1

Auch im vergangenen Jahr sind wieder etliche neue Serien gestartet, die es nicht in die zweite Runde geschafft haben. Zu diesen gehört auch „Man Up! – Season 1“, deren Ende leider ziemlich schnell besiegelt war. Auch wenn die meisten Serienfreunde nicht gerade zimperlich mit ihrer Kritik waren, so hatte ich für meinen Teil jedoch ziemlich viel Spaß mit der Comedy rund um das Kind im Manne. Dementsprechend schade finde ich die vorzeitige Absetzung.

Die Idee ist wahrlich nicht neu und wird auf die eine oder andere Art und Weise in jeder aktuellen Sitcom zelebriert: Männer wollen als Männer wahrgenommen werden, benehmen sich dabei jedoch wie Kinder. Was unterscheidet „Man Up!“ nun von anderen Comedys, wie der parallel angelaufenen Tim Allan-Show „Last Man Standing“? Der ungleich höhere Nerd-Faktor und eine extrem hohe Dichte an popkulturellen Anspielungen. Hinzu kommen schrullige Charaktere, denen von äußerst sympathischen Schauspielern (z.B. Dan Fogler, „Fanboys“) Leben eingehaucht wird.

Die Handlung der einzelnen Episoden beschränkt sich meist auf irgendeine Dummheit, die von einer unserer drei Hauptfiguren begangen wird. Aufgrund der Konstellation (ein Familienvater, zwei Singles) gibt es stets unterschiedliche Lösungsansätze zu sehen, die nicht selten von den Frauen der Serie (u.a. Teri Polo, „The West Wing“) vereitelt werden. Wirklich innovativ ist diese Struktur nicht, doch wird sie hier äußerst sympathisch und unterhaltsam präsentiert.

Ich für meinen Teil habe mich über die kurze Laufzeit der Serie wirklich mit „Man Up!“ angefreundet. In meinen Augen läuft sie den meisten anderen 2011 angelaufenen Comedys sogar den Rang ab. Schade, dass die meisten Zuschauer und das Network dies anders gesehen haben. Wer jedoch auf der Suche nach einem kurzweiligen Sitcom-Snack ist und popkulturell geprägtem Humor mag, der sollte ruhig den einen oder anderen Blick riskieren: 8/10 (7.8) Punkte.

Homeland – Season 1

Wie jedes Jahr eroberten auch 2011 etliche neue TV-Serien die heimischen Bildschirme. Mit dem Finale von „Homeland – Season 1“ hat sich der gelungenste Neustart auch schon wieder verabschiedet. Obwohl ich zu Beginn nicht wirklich daran interessiert war noch eine Anti-Terror-Geschichte zu sehen, hat mich die Serie erstaunlich schnell in ihren Bann gezogen. Spannungskino und Charakterdrama auf höchstem Niveau? Gerne mehr davon.

„Homeland“ ist die US-Adaption der israelischen Miniserie „Hatufim – Prisoners of War“ und wirkt dennoch erstaunlich originär. Die behandelten Themen sind erschreckend aktuell und bilden weit mehr als nur die Arbeit der agierenden CIA-Agenten ab. Carrie Matheson wirkt wie die in einer Person gebündelte Psyche der Vereinigten Staaten nach den Terroranschlägen des 11. Septembers: paranoid und gebrochen, doch ebenso willensstark und handlungsbereit. Im Gegensatz zur thematisch ähnlich gelagerten Serie „24“ wird Action hier nur sehr wohldosiert eingesetzt. Handlung und Charaktere werden dagegen groß geschrieben. Kaum zu glauben, dass sich ein Großteil des gleichen Autorenteams für beide Serien verantwortlich zeigt.

Neben der klassisch inszenierten und wirklich höchst spannenden und wendungsreichen Geschichte, können vor allem die vielschichtig geschriebenen Charaktere überzeugen. Zum Leben erweckt werden diese durch hochkarätige Schauspieler, wie Claire Danes, Mandy Patinkin, Damian Lewis oder Morena Baccarin. Besonders Danes und Patinkin spielen famos und hätten sich alle Emmys dieser Welt verdient. Es ist eine wahre Freude ihnen beim Spielen zuzusehen. Großartig!

Mein wohl einziger Kritikpunkt liegt im Staffelfinale begründet, das einerseits die spannendsten 80 Minuten Serienunterhaltung darstellt, die ich dieses Jahr genießen durfte, andererseits aber auch ziemlich ärgerlich ist. Vorsicht Spoiler: Brodys Entscheidung fand ich extrem unglaubwürdig, besonders in Hinsicht darauf in der nächsten Staffel mit seinem Plan weiterzumachen. Man wird ihn als Zuschauer nun nie mehr als echte Bedrohung empfinden. Ich hatte hier den Eindruck als hätten die Macher der Serie nur gefallen an dem Charakter bzw. Schauspieler gefunden und wollten diesen nicht endgültig opfern, was meiner Meinung nach jedoch eine viel stärkere Wirkung gehabt hätte. Mich würde nun sehr interessieren, wie man im Falle von „Hatufim – Prisoners of War“ mit dieser Situation umgegangen ist.

Trotz der leichten Verärgerung über das Finale, hat mich „Homeland“ so gut unterhalten, wie kaum eine zweite Serie in diesem Jahr. Ich hoffe sehr, dass die Autoren einen Kniff finden, um auch die zweite Staffel ähnlich mitreißend zu gestalten und mich als Zuschauer wieder an eine echte Bedrohung glauben zu lassen. Selbst wenn man mit dem Genre nicht so viel anfangen kann – bzw. glaubt mit „24“ schon alles in dieser Richtung gesehen zu haben – sollte man auf jeden Fall mehr als nur einen Blick riskieren: 9/10 (8.8) Punkte.

Breaking Bad – Season 4

Das Kind schläft, die Frau ist unterwegs und ich sitze mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und schaue die letzten Episoden von „Breaking Bad – Season 4“. Auch wenn ich mir meinen Urlaub anders vorgestellt hatte, so gibt es doch weit schlechtere Alternativen seine Nachmittage zu verbringen. Nun bin auch ich auf dem aktuellen Stand der Serie und kann verstehen, warum gerade die vierte Staffel so gelobt wird. Das Finale ist wirklich Spannungskino par excellence.

Zu Beginn der Staffel wird zunächst der Cliffhanger des letzten Jahres aufgelöst, weshalb mir der Übergang sehr fließend erschien und sich beide Staffeln kaum voneinander trennen lassen. Nach dem temporeichen Auftakt wird zunächst ein paar Gänge heruntergeschaltet und es werden die Voraussetzungen für das große Finale geschaffen. Besonders Jesse muss erst einmal ganz unten ankommen, um von Walters Nemesis Gustavo ‚Gus‘ Fring (grandios gespielt von Giancarlo Esposito) wieder aufgebaut werden zu können. Doch auch in Walters Familie gibt es so einiges zu überwinden und neu zu verhandeln. Nach einem emotionalen Zusammenbruch gelingt es sogar Mr. White höchstpersönlich gegen Ende stärker denn je aus dem Chaos aufzusteigen.

Nach einem etwas schleppenden Mittelteil sind die letzten vier Episoden als großes Finale zu sehen, das in jeder Hinsicht eine wahre Freude ist. Perfekter Spannungsaufbau, herrliche Charaktermomente und eine dichte Inszenierung runden die Staffel zum Ende hinaus ab. Die geläufige Meinung ist, dass das Finale sogar wunderbar als Abschluss der Serie funktioniert hätte. Ich jedoch kann mich dem nicht anschließen. Es ist zu sauber, zu perfekt und – trotz des zweideutigen Endbilds – zu harmonisch. Gerade für Jesse und Walter würde ich mir mehr wünschen – wie auch immer das aussehen mag.

Was mag nun also die fünfte Staffel für Überraschungen bereithalten? Tritt Walter die Nachfolge von Gus Fring an? Kommt es endlich zu Konfrantation zwischen Walter und Hank? Wird Jesse ein glückliches Leben führen können? Es ist wieder alles offen und ich wünsche mir für die Serie ein ähnlich packendes Finale, wie es David Chase für „The Sopranos“ gelungen ist. Bis dahin bildet das vierte Jahr die bisher gelungenste Staffel der Serie: 9/10 (8.9) Punkte.