The Tree of Life (2011)

Mein erster Film im neuen Jahr stand schon geraume Zeit auf meiner imaginären Liste. Lange bin ich um „The Tree of Life“ herumgeschlichen. Nie sicher, ob er denn wirklich etwas für mich ist. Dann jedoch flatterte kurz vor Weihnachten ein Päckchen von Flo Lieb bei mir ins Haus, so dass ich nun keine Ausrede mehr hatte, die Sichtung noch weiter aufzuschieben. Im folgenden Eintrag werde ich den Film nun besprechen, doch möchte ich euch gleichzeitig Flo Liebs Essay auf seinem Zweitblog ans Herz legen, das viel mehr in die Tiefe geht und einige interessante Einblicke enthält.

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Eine Vorahnung

Ich habe im Vorfeld bereits einiges über Terrence Malicks Film gelesen. In mir entstand somit ein Bild, ohne jedoch die genaue Handlung zu kennen. Letztendlich muss ich sagen, dass dieses Bild das Endprodukt ziemlich gut getroffen hat. Ich hatte teils große Hoffnungen, aber auch Befürchtungen, sowohl was die Form als auch die Narration des Films angeht. Am wichtigsten war mir jedoch, dass „The Tree of Life“ nicht zu artsy-fartsy sein dürfte und er mich emotional abholen können müsste – und das ist Terrence Malick tatsächlich gelungen. Das im Kern des Films stehende Familiendrama hat den Nerv bei mir exakt getroffen. Der größere Rahmen jedoch schien mir tatsächlich ein wenig zu aufgesetzt.

Das Leben

Ich liebe den naturalistischen Stil, in dem Kameramann Emmanuel Lubezki die alltäglichen Familienszenen einfängt. Mich wundert nicht, dass viel direkt am Set improvisiert wurde. Als Zuschauer nimmt man das Familienleben fragmentarisch durch die Augen der Kinder, speziell des ältesten Sohnes Jack wahr. Dabei gibt es kaum Dialoge. Der Film wirkt vor allem. Es sind Stimmungsbilder, die durch kleinere narrative Episoden zusammengehalten werden. Darüber hinaus gibt es eine starke Zweiteilung was den Einfluss der Mutter und den des Vaters angeht. Gnade, Liebe, die weiche Seite und die Natur mit ihren unbarmherzigen Regeln. Anfangs schien mir diese strikte Trennung fast ein wenig forciert, doch funktioniert sie im Kontext des Films und lässt am Ende die nötige Auflösung zu.

Durch die gemalten Stimmungsbilder konnten meine Gedanken während des Films wandern, jedoch nie abseits, sondern immer parallel zum Geschehen. Als Vater habe ich daran gedacht, wie meine Frau und ich wohl in unseren Rollen auf unsere Kinder wirken mögen. Natürlich gibt es bei uns keine so strikte Trennung (wir haben die 50er ja glücklicherweise hinter uns gelassen), doch vermitteln auch wir Rollenbilder, die das Aufwachsen unserer Kinder bis weit über ihre Kindheit hinaus prägen werden. Sehr spannend und emotional involvierend.

Das Universum und der ganze Rest

Was für mich leider nicht so gut funktioniert hat, sind die durchaus imposant anzusehenden Szenen, die die Entstehung unseres Universums und des erste Lebens auf der Erde zeigen. Inhaltlich mögen sie durchaus Sinn ergeben und das sehr kleine und persönliche Drama in einen größeren Kontext setzen, doch hat mich der Film hier emotional verloren. Hier hätte ich mir (ein Frevel, ich weiß) eine etwas stringentere Narration gewünscht, die näher an den Figuren dran ist und auch mehr Fokus auf den erwachsenen Jack legt. Dennoch entfaltet auch gerade das spirituell wirkende Finale eine große emotionale Wirkung, der ich mich nicht entziehen konnte.

Fazit

Zweifellos ist „The Tree of Life“ ein sehr besonderer Film, der sowohl inhaltlich als auch formal in jeder Hinsicht beeindruckend ist. Mich hat er durch seine klassischeren Elemente mehr zu überzeugen gewusst, als durch die an Kubricks „2001: A Space Odyssey“ erinnernden Montagen. Mir wird die Sichtung noch lange im Kopf bleiben und ich werde in den nächsten Tagen während unseres Familienalltags bestimmt noch öfter an den Film denken. Insofern ist vielleicht noch mehr an ihm dran, als ich nach dieser ersten Sichtung festzuhalten vermag: 8/10 Punkte.

Sturz ins Leere – OT: Touching the Void (2003)

Nachdem ich dieses Jahr mit „Everest“ und „In eisige Höhen“ in den Bann der Berge geraten bin, hatte ich im Nachgang die beiden Dokumentarfilme „Meru“ und „Jäger des Augenblicks“ gesehen. Doch schon zuvor stand bei mir „Sturz ins Leere“ auf der Liste, der zu den besten Dokumentarfilmen über das Bergsteigen zählen soll. Da die Doku zwar auf Amazon Prime läuft, aber dort nur synchronisiert, musste ich erst auf die DVD warten, um mich selbst von der Qualität zu überzeugen…

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Mit dem Ausgang der Geschehnisse war ich im Vorfeld bereits einigermaßen vertraut. Regisseur Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“) macht auch keinen Hehl daraus und präsentiert uns von Anfang an beide Teilnehmer der Expedition. Man weiß als Zuschauer somit, dass sowohl Simon Yates als auch Joe Simpson überleben werden. Viel spannender ist jedoch die Frage, wie sie das anstellen bzw. was die Ereignisse auf dem Siula Grande mit den beiden Bergsteigern anstellen. Wer die daraus resultierende Spannung nun in Frage stellt, dem kann ich nur sagen: Ich saß mit schweißnassen Händen auf der Kante meines Sofas.

Durch die Kombination aus Interviews und nachgestellten Szenen vom Berg in Kinoqualität gewinnt die Erzählung der beiden Protagonisten an einer Eindringlichkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Zu Beginn war ich noch ein wenig skeptisch, ob dieser inszenatorische Ansatz so funktioniert, doch schon bald war ich einerseits von der Erzählung gefangen und andererseits haben die Bilder es perfekt geschafft die Geschehnisse zu transportieren. Es gab kein Gefühl der Künstlichkeit und ich war auf Joe Simpsons Leidensweg live dabei – und was das für eine Tortur war.

Neben den offensichtlichen Qualitäten des Dokumentarfilms hat mich besonders die Ehrlichkeit der getätigten Aussagen überzeugt. Es wird nichts beschönigt oder eine zusätzliche Dramatik erzeugt. Die Aussagen stehen für sich und ich hatte den Eindruck, als wolle sich Kevin Macdonald nicht mit Nebensächlichkeiten oder Spekulationen aufhalten. Zielgerichtet, immer am Berg und ohne Brimborium. Gerade diese Fokussiert hat für mich die Qualität des Films ausgemacht.

Mit „Sturz in die Leere“ habe ich vermutlich meinen letzten Film des Jahres gesehen. Es hätte dafür wohl auch keinen passenderen geben können. Ich bin nun wieder ziemlich angefixt und drauf und dran mir Joe Simpsons Buch zu kaufen. Hat es schon jemand von euch gelesen und kann einen Tipp aussprechen? Die filmische Umsetzung dieses Bergdramas ist auf jeden Fall außerordentlich gelungen und dürfte jedem unter die Haut gehen, der sich auch nur ein wenig für die Thematik interessiert: 9/10 Punkte.

Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – OT: The Lord of the Rings: The Return of the King – Extended Edition (2003) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ am 4. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ihr habt es euch vermutlich denken können: Heute stand bei mir „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ in der erweiterten Fassung auf dem Programm. Obwohl ich gestern nur eine kurze Nacht hatte und heute laufen war, hat mich die Müdigkeit nicht übermannt. Peter Jacksons vierstündiges Epos hat mich ergriffen wie damals bei der ersten Sichtung. Ein mehr als würdiger Abschluss der Mittelerde-Saga, der auch nach über acht Jahren Pause eine unglaubliche Sogwirkung entfaltet…

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Euch kann ich es ja sagen: Vor ein paar Minuten standen mir noch die Tränen im Gesicht. Das Finale in Kombination mit „Into the West“ packt mich doch immer. Epik, Pathos und der Rückblick auf eine elfstündige Reise. Länger als eine Staffel „Game of Thrones“ oder jede andere von mir geschätzte Filmtrilogie. Auch wenn das viele anders sehen, so bin ich Peter Jackson doch dankbar für den gut zwanzigminütigen Epilog. Man kann somit auch als Zuschauer Abschied von den Charakteren und der liebevoll aufgebauten Welt nehmen. Ich brauche das. Nach all den gemeinsam geschlagenen Schlachten und Abenteuern habe ich das einfach nötig.

Auch wenn die Trilogie für mich ein einziger langer Film ist, so muss ich gestehen, dass „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ wohl der perfekteste der drei Teile ist. Das fängt bei der Technik an, geht über die wunderbar verwobenen Handlungsstränge weiter und endet bei den bereits erwähnten epischen Bildern. Alles ist größer als die Wirklichkeit und doch stehen die kleinsten und unscheinbarsten Wesen im Zentrum. Ein famoser Schachzug Tolkiens und Peter Jackson gelingt es genau das gekonnt auf die Leinwand zu bringen. Und ja, ich liebe selbst die albernen Szenen zwischen Legolas und Gimli, was wohl auch meine Zuneigung zu seiner Verfilmung von „Der Hobbit“ erklären dürfte.

Mit diesem Blogeintrag endet nun auch mein diesjähriger Besuch in Mittelerde. Da der Soundtrack zu „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ unter dem Weihnachtsbaum lag, werde ich zumindest klanglich noch ein paarmal zurückkehren. Ob ich nächstes Jahr dazu kommen werde alle sechs Filme zu sehen? Oder erst wenn die Kinder alt genug sind? Ich werde es euch wissen lassen und würde meine sieben Sachen am liebsten sofort wieder packen. Der Besuch in Mittelerde ist doch immer wieder ein echtes Erlebnis: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – OT: The Lord of the Rings: The Two Towers – Extended Edition (2002) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ am 1. Januar 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nun hat es doch etwas länger gedauert, bis ich meine Sichtung von Peter Jacksons erster Mittelerde-Trilogie mit „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ fortsetzen konnte. Eigentlich hatte ich für heute bereits den dritten Teil eingeplant, doch werde ich jetzt das Finale erst zwischen den Jahren schauen und somit noch etwas länger mit Frodo, Sam und Co. unterwegs sein. Auch bei diesem zweiten Teil liegt meine letzte Sichtung bereits mehr als acht Jahre zurück und ich war gespannt, wie der Film heute noch auf mich wirkt…

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Der zweite Teil der Trilogie schließt nahtlos an „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ an und lässt die Geschichte wie aus einem Guss wirken. Dennoch besitzt der Film eine ganz eigene Atmosphäre, die düsterer und endgültiger wirkt als noch der Auftakt des Abenteuers. Die Gefährten sind zerschlagen und erleben eigene Geschichten in ihren individuellen Handlungssträngen. Auch wird Mittelerde größer, wir lernen neue Völker und Charaktere kennen, die die Reise unserer Gefährten beeinflussen. Viel Stoff für viel Film. Knapp vier Stunden nimmt sich „Die zwei Türme“ in der erweiterten Fassung für seine Handlung Zeit und wirkt dabei keine Minute zu lang.

Im Gegensatz zum ersten Teil ist mir dieses Mal tatsächlich aufgefallen, dass sich die visuellen Effekte in den letzten Jahren doch deutlich weiterentwickelt haben. Speziell Gollum sieht man in manchen Szenen seine Künstlichkeit doch ein wenig an, gerade wenn man seinen Auftritt in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ im Hinterkopf hat. Dieser Effekt verfliegt aufgrund der grandiosen Performance Andy Serkis jedoch schnell und man vergisst auch 14 Jahre später, dass man es hier mit einem reinen CGI-Charakter zu tun hat. Nach wie vor großartige Arbeit.

Neben der imposanten Schlacht um Helms Klamm, stechen für mich besonders die Szenen im Fangorn-Wald heraus, die eine ganz eigene Atmosphäre besitzen. Die Kombination aus Realaufnahmen, Miniaturen und CGI bleibt speziell in den beiden großen Schlachtszenen – nämlich Helms Klamm und Isengard – unerreicht. Wie bereits im ersten Teil seiner Trilogie hat Peter Jackson auch hier wieder unzählige denkwürdige Bilder geschaffen, die nur noch von Howard Shores Score übertroffen werden, dem mit seinen neuen Themen (u.a. zu Rohan) die musikalische Abbildung Mittelerdes abermals perfekt gelingt.

Wie es nicht anders zu erwarten war, überzeugt auch „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ heute noch wie am ersten Tag. Auch wenn an einzelnen Elementen bereits der Zahn der Zeit nagt, so kann er andere Stärken umso mehr ausspielen. Vermutlich macht dies auch einen Klassiker aus. Inzwischen beginne ich bereits mit meinen Kindern meine persönlichen Lieblingsfilme anzuschauen und ich freue mich jetzt schon auf den Tag (auch wenn es noch bestimmt 6-8 Jahre dauert), an dem ich sie in die magische Welt Mittelerdes einführe: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS7)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Dieses Jahr habe ich mir mit meiner Sichtung von „Schöne Bescherung“ Zeit gelassen. Ich hatte sogar schon Sorge, dass ich überhaupt nicht mehr dazu komme. Woran das lag? Es gab eine Prämiere und ich habe erstmals meine Kinder in die wundersame Welt der Griswolds eingeführt. Und wie das in der Vorweihnachtszeit so ist, sind diese schwer beschäftigt: Weihnachtsfeiern von Kindergarten und Schule, Proben zum Krippenspiel und vieles mehr. Aber heute war es endlich soweit…

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Wie jedes Jahr überlege ich, was ich meiner inzwischen schon achten Besprechung  des Klassikers noch hinzufügen kann. Durch die äußeren Umstände ist das dieses Mal allerdings recht einfach: Meine Frau meinte irgendwann, dass es ziemlich eindeutig sei woher das Zappelinchen seinen Humor hat. Sie hat sich bei den Slapstick-Szenen ebenso weggeschmissen, wie es mir selbst nach all den Jahren noch gelingt. Wahrlich ein großer Spaß und ich bin mir sicher, mit der heutigen Sichtung die Tradition, in der Vorweihnachtszeit „Schöne Bescherung“ zu schauen, erfolgreich an die nächste Generation weitergegeben zu haben.

Der Zwergofant dagegen konnte mit dem bunten Geschehen noch nicht so viel anfangen und hat eher die Weihnachtslieder und das gezeichnete Intro genossen. Aufgrund der Kinder habe ich dieses Jahr einmal wieder die deutsche Synchronisation des Films geschaut und musste dabei feststellen, dass diese wahrlich ausgezeichnet funktioniert. Normalerweise kann ich Synchros nicht mehr schauen, doch hier hat es mich überhaupt nicht gestört. Ob das daran liegt, dass ich diese Fassung aus meiner Kindheit kenne oder ob in den 80ern noch mehr Liebe in die Synchronisation gesteckt wurde? Ich vermute es ist eine Mischung aus beiden Faktoren.

Nachdem ich nun endlich bei den Griswolds vorbeigeschaut habe, kommt auch bei mir so langsam die weihnachtliche Stimmung an. Ich bin froh, dass das Zappelinchen begeistert war und habe nun noch einen Grund mehr, mich jedes Jahr auf diese unsinnige aber doch irgendwie schöne Tradition zu freuen. Das Zappelinchen würde die folgende Wertung bestimmt unterschreiben: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Alien vs. Predator – Extended Cut (2004) (WS1)

Während sich meine Familie heute auf der Weihnachtsfeier der Klasse meiner Frau tummelt, hatte ich ganz unverhofft einen freien Nachmittag. Was also fange ich mit meiner Zeit an? Richtig, ich wasche etliche Ladungen Wäsche (das Wochenende ist schließlich mit Weihnachten verplant) und habe die Chance nachmittags einen Film zu sehen. Um mit meiner Sichtung der „Predator“-Reihe weiterzukommen, habe ich „Alien vs. Predator“ in den Player geschoben. An meine erste Sichtung vor inzwischen über 10 Jahren konnte ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Ob dies ein gutes Zeichen war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Wenn ich mir meine damalige Besprechung des Films so durchlese, dann kann ich diese auch heute noch 1:1 unterschreiben: Ich mochte nach wie vor die Exposition mit den klischeehaften Charakteren sowie dem langsamen Spannungsaufbau. Auch wenn die Effekte inzwischen in die Jahre gekommen und recht eindeutig als CGI identifizierbar sind, so sorgen sie immer noch für so manch beeindruckendes Bild. Ich mag die Atmosphäre und kann selbst mit der simplen Prämisse des Films leben. Wenn dann jedoch die blauen Blitze über das Bild zucken wird klar, dass hier Paul W. S. Anderson am Werk ist und Erinnerungen an seinen B-Prügler „Mortal Kombat“ werden wach.

Natürlich ist „Alien vs. Predator“ für beide Franchises viel zu geleckt und lässt selbst in der erweiterten Fassung die nötigen Gewaltspitzen vermissen. Dennoch funktioniert der Film und der ausführlich visualisierte Kampf eines Predators gegen ein Alien im Mittelteil ist zweifellos famos anzusehen. Die menschlichen Figuren verkommen dabei zur Staffage und tatsächlich hatte ich das Gefühl sogar zu viel von den beiden nun nicht mehr ganz so mysteriösen außerirdischen Rassen zu sehen. Das Finale passt wiederum zum Franchise und erinnert sehr an „Predator 2“, jedoch auf einem völlig übertriebenen Level.

Insgesamt hat mich dieses Crossover mit den beiden Titanen unter den Filmmonstern erneut ausgezeichnet unterhalten. Es ist – auch wenn viele Kritiker das anders sehen – qualitativ gar nicht so weit weg von „Predators“ entfernt und eben für die Action-Liebhaber unter den Fans. Für mich tatsächlich weit besser als sein Ruf, was ich vom direkten Nachfolger leider nicht behaupten kann. Wie sich dieser wohl in einer Zweitsichtung schlägt? Hierfür gibt es völlig berechtigte: 6/10 Punkte.

Mad Men – Season 7

Einmal mehr geht eine große Serie zu Ende, die mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist. Ich würde sogar soweit gehen das wunderbare Zeitportrait als eine meiner absoluten Lieblingsserien zu bezeichnen. Obwohl das Finale von „Mad Men – Season 7“  bereits 2015 ausgestrahlt wurde, so wirkt es auch noch ein Jahr später nach und ich habe noch keine aktuelle Serie auf dem Radar, die diese Lücke zu schließen vermag. Auch wenn alle Welt von „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ schwärmt, so wird für mich immer „Mad Men“ das Kleinod unter den Eigenproduktionen des Kabelsenders AMC bleiben. In mehrerer Hinsicht das Ende einer Ära.

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Die ursprünglich in zwei Teilen ausgestrahlte finale Staffel setzt nahtlos an die vorangegangenen Ereignisse an. Don und Megan führen eine Fernbeziehung, was genauso wenig funktioniert, wie man das erwarten würde. Peggy ist trotz ihres beruflichen Erfolges frustriert und auch die anderen Charaktere befinden sich in einer Art Schwebezustand. Dons Karriere ist zerstört und er muss wieder von vorne anfangen. Die Rollen zwischen ihm und Peggy vertauschen sich, was eine wirklich interessante Dynamik mit sich bringt, besonders da sich Don in dieser Beziehung nicht wie ein egoistisches Arschloch verhält, sondern tatsächlich wie ein Mentor. Zumindest meistens und immer dann, wenn man es am wenigsten erwarten würde. Die Beziehung zwischen den beiden ist wohl eine der wenigen ehrlichen in dieser Serie, was sich auch im letzten Telefonat zwischen Don und Peggy zeigt.

Kurz vor dem Abgrund jedoch wendet sich das Blatt. Sterling Cooper & Partners wird von McCann Erickson gekauft und unsere Hauptfiguren scheinen den großen Preis gewonnen zu haben. Doch wie es in der Werbung eben so ist, bleibt am Ende nichts zurück. Nur Schein, keine Substanz. Das große Finale wirkt seltsam aus der Serienwelt entrückt, passt aber doch zu den vorhergehenden Staffeln, ihn denen Don bereits öfter aus seinem Alltag ausgebrochen ist. Am Ende ist er ganz unten und doch glücklich. Hat er die Werbewelt tatsächlich hinter sich gelassen? Oder am Ende doch wieder nur Inspiration aus seinen neuen Erfahrungen gezogen? Das Ende ist offen und das ist gut so. Denn das Leben geht auch für die Charaktere von „Mad Men“ weiter, selbst wenn wir den wichtigsten noch kurz für eine letzte Szene begegnen dürfen. Wie Werbung selbst zeigt uns die Serie hier nur das, was wir sehen wollen. Und Don? Don bleibt ein Mysterium. Ob er als Relikt der alten Werbewelt in die neue Ära starten wird, bleibt der Vorstellung des Zuschauers überlassen. Ich persönlich glaube, er kehrt zurück.

Was die qualitative Einordnung der einzelnen Staffeln angeht, so fällt mir das bei dieser durchgehend herausragenden Serie sehr schwer. Ich habe alle Staffeln als exzellent in Erinnerung. Dennoch habe ich es versucht und bin gespannt, wie eure Reihenfolge (gerne mit Begründung in den Kommentaren) aussieht:

  1. „Mad Men – Season 4“ (9.7 Punkte)
  2. „Mad Men – Season 3“ (9.7 Punkte)
  3. „Mad Men – Season 2“ (10 Punkte)
  4. „Mad Men – Season 5“ (9.5 Punkte)
  5. „Mad Men – Season 7“ (9.5 Punkte)
  6. „Mad Men – Season 1“ (10 Punkte)
  7. „Mad Men – Season 6“ (9.2 Punkte)

Mir ist der Abschied von „Mad Men“ so schwer gefallen, wie schon lange bei keiner Serie mehr. Ich würde gerne noch weiterverfolgen, wie sich die Charaktere in den 70er Jahren entwickeln. Da gäbe es bestimmt noch viele spannende Geschichten zu sehen. Man soll jedoch aufhören, wenn es am schönsten ist – und das hat Matthew Weiner auf jeden Fall geschafft. Er lässt und Zuschauer hungrig nach mehr zurück. Eben wie eine gute Werbung: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – OT: The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring – Extended Edition (2001) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ am 29. Dezember 2023 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich in den letzten Jahren in der Weihnachtszeit Mittelerde stets via „Der Hobbit“ einen Besuch abgestattet habe, war dieses Jahr endlich einmal wieder „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ an der Reihe. Meine letzte Sichtung des Films liegt beinahe auf den Tag genau acht Jahre zurück, weshalb ich sehr gespannt war, ob mich Peter Jacksons Adaption des Fantasy-Klassikers auch heute noch zu begeistern wissen würde. Etwaige Zweifel sollten sich schnell in Luft auflösen…

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Wenn ich daran denke, dass dieser erste Teil der Trilogie bereits 15 Jahre auf dem Buckel hat, dann kann ich dies kaum glauben. Ich weiß heute noch, wie mitgerissen ich nach dem ersten Kinobesuch war und dass ich ihn unbedingt noch einmal im Kino sehen wollte. Danach hatte sich schnell das jährliche Ritual eingebürgert, die Reihe zu Weihnachten zu sehen, da kurz zuvor stets die neueste Extended Edition auf DVD erschienen ist. Somit zählt gerade „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zu meinen meistgesehenen Filmen. Von den Stunden an zusätzlicher Beschäftigung in Form der fantastischen Making-of-Dokumentationen einmal ganz zu schweigen. Kein Wunder also, dass mir die Filmreihe auch heute noch sehr am Herzen liegt und stets ganz besondere Emotionen bei mir hervorruft.

Am augenscheinlichsten sind mir heute die unzähligen ikonischen Bilder aufgefallen, die Peter Jackson geschaffen hat. Man kennt sie aus Memes, Parodien und vor allem aus der Erinnerung. Die Bilder haben sich eingebrannt und es ist immer wieder wie nach Hause kommen: ins Auenland, nach Hobbingen, Bruchtal oder Lothlorien. Fantastische Welten, die Teil der Filmgeschichte geworden sind. Am meisten Sorge hatte ich wohl, ob die Effekte heute noch tragen und ja, sie funktionieren nach wie vor tadellos. Dies liegt wohl vor allem an der geschickten Kombination aus praktischen Effekten, Miniaturen und CGI. Die größte emotionale Wirkung entfaltet bei mir aber immer noch Howard Shores wunderbarer Score, der mich in den letzten 15 Jahren beinahe wöchentlich begleitet. So häufig wie „The Breaking of the Fellowship“ habe ich wohl selten den Track einer CD gehört. Immer wieder wunderschön.

Auch wenn der Film mit knapp vier Stunden Laufzeit alles andere als kurz ist, so herrscht ein durchaus hohes Tempo. Die handelnden Figuren sind beständig in Bewegung und selbst die kurzen Verschnaufpausen wirken nie hinderlich oder verzögernd. Eine weitere Erkenntnis, die ich bei der heutigen Sichtung gewinnen konnte, ist die Bestätigung, dass es durchaus angenehm ist die visualisierte Vorgeschichte in Form von „Der Hobbit“ so gut im Gedächtnis zu haben. Dadurch wurde für mich die Bindung noch verstärkt, wobei dies bestimmt nicht bei allen Zuschauern der Fall sein wird.

Ich bin sehr froh, mich einmal wieder zur Sichtung von „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ aufgerafft zu haben. Die lange Laufzeit mag abschreckend wirken, doch das Erlebnis ist immer noch genauso mitreißend wie vor 15 Jahren. Ich freue mich jetzt schon auf die Sichtung der beiden verbleibenden Teile. Peter Jacksons Mittelerde ist einfach immer einen Besuch wert: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Erlösung – OT: Flaskepost fra P (2016)

Nachdem es in meinem Blog in den letzten Wochen sehr still war, was Filme angeht, kann ich heute von meiner Sichtung des Thrillers „Erlösung“ berichten. Diese inzwischen schon dritte Verfilmung eines Jussi-Adler-Olsen-Romans ist zugleich auch der jüngste Neuzugang in meiner Sammlung und ich war gespannt, wie sie sich im Vergleich zur Vorlage schlägt. Diese habe ich erst vor drei Monaten gelesen und kann mich folglich noch sehr gut an die Details erinnern. Welches Medium liegt nur also vorne: Buch oder Film?

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Die beiden Vorgänger „Erbarmen“ und „Schändung“ haben mir trotz gewisser Abweichungen zu ihren Vorlagen sehr gut gefallen. Sie haben die Atmosphäre der Bücher perfekt getroffen und den Kern der Geschichte wunderbar destilliert. Auch der dritte Fall kann durchaus überzeugen, wenngleich mir die Handlung zum ersten Mal zu vereinfacht vorkam. Die Prämisse hat sich nicht verändert, jedoch fehlen viele Aspekte, welche die Geschichte des Romans für mich so spannend machten. Ich mag hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen, doch denke ich dabei z.B. an das frühe Involvieren der Ermittler, während im Buch eher die Nebenfiguren bzw. die augenscheinlichen Opfer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen durften.

Auch die Vergangenheit und Motivation des Täters wird nur in sehr vereinfachter Form wiedergegeben, was ich sehr schade fand. Dadurch wurde viel von der Intensität genommen. Natürlich kann man von einem Spielfilm in Standardlänge nicht erwarten, dass er die Handlung eines Romans 1:1 widerspiegelt. Häufig sind Kürzungen auch sinnvoll und nicht jede Dramaturgie funktioniert in jedem Medium. Was der Film letztendlich erzählt funktioniert auch sehr gut und vermutlich würde mein Urteil mit ein wenig mehr Abstand milder ausfallen. So jedoch komme ich nicht umhin zu denken, dass auch hier einmal mehr die Serie das bessere Erzählmedium gewesen wäre.

Kenner der Vorlage werden in „Erlösung“ die wichtigsten Aspekte der Vorlage wiederfinden und einen spannenden Film sehen. Die Charaktere sind nach wie vor sehr nahe an den Figuren des Romans dran und die Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut. Die Kameraarbeit ist gelungen und lässt diesen Krimi tatsächlich nach Kino aussehen. Auch inhaltlich wird nach wie vor eine packende Geschichte erzählt, die jedoch nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt. Für mich leider die bisher schwächste Verfilmung der Reihe, auch wenn die meisten Kritiker das anders sehen: 7/10 Punkte.

Mad Men – Season 6

Wie in meiner Besprechung zur fünften Staffel bereits angekündigt, werde ich mich dieser Serie nun bis zu ihrem Ende widmen. Somit war es auch kein Wunder, dass ich „Mad Men – Season 6“ in knapp zwei Wochen verschlungen habe. Die Faszination, die Matthew Weiner rund um die Werbebranche und das Lebensgefühl der 60er Jahre aufgebaut hat, ist bei mir nach wie vor ungebrochen. Ich liebe die Ausstattung, die Charaktere und diese Zeit des Umbruchs. Wie nun konkret die sechste Staffel der Ausnahmeserie bei mir abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Die Staffel erzählt ein paar Haupthandlungsstränge, die wirklich interessant sind: Was die Agentur Sterling Cooper Draper Pryce angeht, so steht natürlich die Fusion mit Cutler Gleason and Chaough im Zentrum der Entwicklungen. Dadurch ergeben sich auch ganz neue Spannungen zwischen den Figuren, denn plötzlich ist auch Peggy wieder zurück und muss ihren Platz zwischen Ted Chaough und Don Draper finden. In der neuen Agentur wird es schnell eng und niemand scheint sich mehr so richtig zu Hause zu fühlen, was wohl auch an den fordernden Kunden liegt. Mit Chevrolet hat man endlich das lang ersehnte Automobilunternehmen in den Kundenkreis aufgenommen, doch schon bald zeigt sich die Schattenseite der ungleichen Geschäftsbeziehung. Etwas, das bis heute im Agenturgeschäft vorherrscht.

Auch privat gibt es für unsere Charaktere einige Wirren zu durchleben. Don zeigt in mehrerer Hinsicht Schwäche und alles, was noch im Vorjahr aufgebaut wurde, droht zu zerfallen. Zum ersten Mal wird ganz konkret eine Erklärung für seine ungesunde Beziehung zu Frauen aus dem Hut gezaubert. Zwar mochte ich es mehr über die Figur zu erfahren, doch letztendlich entzaubert es den Charakter auch, zumal die die Geschehnisse in den Rückblenden nicht sonderlich subtil als Grund für seine Entwicklung eingearbeitet wurden. Dies ist zwar kein wirklicher Schwachpunkt und ich mochte die Verletzlichkeit, die Don Draper dadurch anhaftet – hundertprozentig zufrieden war ich damit jedoch nicht. Auf jeden Fall war es ein brauchbares Element, um die Abwärtsspirale, in der sich Don während der sechsten Staffel befindet, noch weiter nach unten zu treiben.

Es gibt wieder etliche herzzerreißende und auch ganz große Momente. Speziell die Beziehung zwischen Don, Betty und ihren Kinder mitzuerleben ist manchmal wirklich schmerzhaft. Am Ende der Staffel steht für Don Draper ein unfreiwilliger Neuanfang an und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sich die Serie in ihrer finalen Staffel entwickeln wird. Doch auch was Pete Campbell, Peggy Olson und all die anderen Figuren angeht, gibt es noch viel Potenzial für Weiterentwicklung. Auch wenn diese sechste Staffel nicht ganz an das brillante fünfte oder auch vierte Jahr anschließen kann, so ist das doch Kritik auf extrem hohem Niveau und ich hatte insgesamt wieder unglaublich viel Vergnügen mit den „Mad Men“: 9/10 (9.2) Punkte.