Madagascar

Obwohl ich Animationsfilme liebe, ist „Madagascar“ irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich muss auch zugeben, dass mich bisher kaum ein pixarfremder Animationsfilm – „Shrek“ und „Over the Hedge“ einmal ausgenommen – wirklich überzeugen konnte. Leider schaffen es auch die vier Ausbrecher nicht annähernd am Tron von Pixar zu rütteln.

Es hapert wieder einmal an der Geschichte. Zwar ist die Grundidee ganz nett, doch in der Ausführung plätschert die Handlung leider nur vor sich hin. Es gibt ein paar nette Szenen, ein paar einfallslose Szenen und ehe man sich versieht ist der Film auch schon wieder vorüber. Was bleibt in Erinnerung? Fast nichts. Der Film hat nett unterhalten, aber das tun viele. Insofern eine kleine Enttäuschung, zumal „Madagascar“ inzwischen eine große Fangemeinde hat.

Technisch ist der Film absolut top! Da gibt es wirklich nichts zu meckern. Auch der ungewöhnliche Stil gefällt. Einmal was anderes im CG-Einerlei. Teils haben mich die Stilisierungen etwas an die Musikszenen in Disneys „Der König der Löwen“ erinnert. Auch das Licht war oft extremer, als man es vom eher naturalistischen Ansatz vieler Animationsfilme kennt.

„Madagascar“ ist für Kinder bestimmt ein Hit – für erwachsene Zuschauer ist er oft zu albern und zu oberflächlich. Ich habe mich zwar ganz gut unterhalten, doch werde ich morgen wohl nicht einmal mehr wissen, ob die Tiere nun auf der Insel geblieben sind oder nicht. Nett: 6/10 Punkte.

Schlacht um den Planet der Affen – OT: Battle for the Planet of the Apes

Mit „Schlacht um den Planet der Affen“ ist vorerst Schluss mit dem Affentheater – und das ist auch gut so. Nicht, dass ich keine Freude an den Filmen gehabt hätte, doch dank der geballten 70er Jahre Optik, der oft redundanten Handlung sowie der gewöhnungsbedürftigen Musik bin ich nun froh einmal wieder einen Film ohne Affen zu sehen. Gespannt auf die erneute Sichtung des Remakes und die Erstsichtung der TV-Serie bin ich dennoch – aber alles zu seiner Zeit.

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J. Lee Thompsons zweite Regiearbeit für die Filmreihe schließt nahtlos am Vorgänger an: Die Affen leben (zum ersten Mal in der Reihe!) in einer einigermaßen friedlichen Koexistenz mit den Menschen zusammen. Ceasar ist ein friedliebender Herrscher, doch die Gorillas zeigen den Menschen gegenüber bereits gewaltbereite Tendenzen. Als die Affen bei einer Expedition in die verbotene Zone nun auf verstrahlte Menschen treffen, ist eine weitere Auseinandersetzung unausweichlich. Soweit die Geschichte.

Auf mich macht „Schlacht um den Planet der Affen“ einen etwas unnötigen Eindruck. Die Szenen im Affenlager und die Darstellung des Zusammenlebens zwischen Mensch und Tier halte ich für recht gelungen. Auch die Dynamik zwischen den Affenarten zeugt von Potential. Der weitere Kampf allerdings ist nicht wirklich nötig. Zudem schafft es der Film – in Bezug auf die Zeitachse der Reihe – nicht eindeutig Position zu beziehen: Ändert sich nun die Zukunft? Warum hat man dies dann nicht deutlicher gemacht? Bleibt sie unverändert? Warum zeigt man dann solch einen unbedeutenden Ausschnitt aus der Geschichte der Affen? Alles wirkt nicht so recht durchdacht.

Im Folgenden möchte ich meine persönliche Rangliste der „Planet der Affen“-Filme darstellen. Letztendlich ist allein der erste Teil großes Kino und wirklich Pflichtprogramm für jeden Filmfreund. Der Rest der Film ist teils ganz nett, größtenteils aber einfach unnötig. Zur reinen Unterhaltung durchaus geeignet, aber mehr ist da nicht:

1. „Planet der Affen“ (1968 )
2. „Flucht vom Planet der Affen“
3. „Eroberung vom Planet der Affen“
4. „Schlacht um den Planet der Affen“
5. „Rückkehr zum Planet der Affen“

Das letzte Kapitel in der Affengeschichte bietet somit ganz nette Unterhaltung. Wenn man ihn nicht sieht, verpasst man allerdings auch nichts. Absoluter Durchschnitt mit einem – für die Reihe – erstaunlich positiven Ende: 5/10 Punkte.

Eroberung vom Planet der Affen – OT: Conquest of the Planet of the Apes

Mit „Eroberung vom Planet der Affen“ bewegt sich die Reihe mit großen Schritten auf ihr Ende – bzw. ihren Anfang – zu. Die Geschichte setzt – mit etwas zeitlichem Abstand – direkt an ihrem Vorgänger an und bietet so ziemlich genau das, was man als Zuschauer erwartet: Die Versklavung der Affen und ihre Befreiung durch den Nachkommen von Dr. Zira und Cornelius.

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Wieder einmal wird in einem Teil der „Planet der Affen“-Reihe ein politisches Thema aufgegriffen. Dieses Mal sind es die Rassenunruhen und der Rassismus. Obwohl teils als gelungen zu bezeichnen, ist es auf der anderen Seite natürlich fragwürdig die Rolle der Afroamerikaner von Affen ausfüllen zu lassen. Vielleicht sollte man sich darüber aber einfach auch nicht so viele Gedanken machen und den Film als nette Erweiterung des Affen-Universums sehen, das hier deutlich an Tiefe gewinnt.

Einerseits ist es nun wirklich interessant und sehenswert den Aufstieg der Primaten zu verfolgen. Andererseits kommt es dagegen zu keinen Überraschungen, da die groben Ereignisse bereits aus den Vorgängern bekannt sind. So habe ich – trotz der relativ kurzen Laufzeit – einige Längen wahrgenommen und die Kampfszenen gegen Ende waren teils auch recht redundant.

„Eroberung vom Planet der Affen“ ist sicherlich kein Meisterwerk, bietet aber eine schöne Vertiefung der Geschichte und kann allemal gut unterhalten: 6/10 Punkte.

Flucht vom Planet der Affen – OT: Escape from the Planet of the Apes (1971)

Weiter geht es im Affentheater mit „Flucht vom Planet der Affen“. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger war ich sehr positiv überrascht über den Verlauf der Geschichte sowie über die Zeichnung der Charaktere. Es ist ungewohnt so starke starke Schwankungen in der Qualität einer Filmreihe zu finden. Natürlich ist dieser Eindruck – wie immer – komplett subjektiv und solange die Filme wieder besser werden, kann es mir nur recht sein!

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Die Handlung wird auf die Erde verlegt und zwei Nebenfiguren – Dr. Zira und Cornelius – werden in den Mittelpunkt gerückt. Durch die Parallelität der Geschehnisse zu denen des ersten Teils der Reihe, hat der Zuschauer eine bestimmte Erwartungshaltung, welche auch promt erfüllt wird. Die Menschen fühlen sich durch die Affen bedroht. Die Affen werden gejagt. Die Affen bekommen ein Baby. Der Sci-Fi-Freund kann sich nun schon ungefähr vorstellen, worauf die Geschichte hinausläuft: Es entsteht eine Schleife. Es gibt keinen Anfang und kein Ende mehr. Eine nette Vorstellung und ich kann nur hoffen, dass diese Idee in den kommenden Teilen konsequent weitergeführt wird. Nebenbei würde dieser Handlungsstrang auch eine logische Erklärung für das Ende des Remakes bieten – so ich dieses denn noch richtig im Kopf habe.

Man merkt dem Film sein geschrumpftes Budget an. Wo im Vorgänger noch große Sets von Höhlen, Affenbehausungen etc. zu finden waren, gibt es hier nur die menschliche Realität. Auch die Anzahl der Affenmasken konnte zurückgefahren werden. Dass der Film trotzdem sehr viel besser funktioniert, als der misratene zweite Teil, ist der durchdachten Geschichte, sowie den tollen Leistungen der Schauspieler zuzuschreiben. Besonders Kim Hunter und Roddy McDowall leisten Fantastisches und machen das Ende – zum ersten Mal in der Reihe – nicht nur schockierend, sondern auch ergreifend.

„Flucht vom Planet der Affen“ ist eine absolut würdige Fortsetzung, bei der man aus der Not (Budgetkürzungen) eine Tugend (stringente Geschichte) gemacht hat. Sehenswert: 7/10 Punkte.

Rückkehr zum Planet der Affen – OT: Beneath the Planet of the Apes (1970)

Aufgrund der plötzlich aufgetretenen Freizeit habe ich bereits heute die „Rückkehr zum Planet der Affen“ angetreten. Auch diesen Teil hatte ich als Kind bestimmt schon einige Male gesehen, allerdings ist mir nicht wirklich viel im Gedächtnis geblieben – und das war wohl auch besser so.

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Die erste Filmhälfte ist ganz vergnüglich: Es gibt einen neuen Astronauten, der sich auf die Suche nach Taylor (Charlton Heston) macht und dabei auf allerlei bekannte Affen trifft. Soweit so gut. Unterdessen bereitet ein kämpferisch veranlagter Gorilla einen Krieg vor. In der verbotenen Zone wohnt nämlich anscheinend ein noch unbekannter Stamm von Menschen. Es gibt einige nette Reden und Konflikte, sowie Anspielungen auf die Situation in Vietnam. Insgesamt eine nette Fortführung der Geschichte des ersten Teils, wenngleich auch ohne dessen erzählerische Tiefe.

In der zweiten Filmhälfte treffen die Figuren dann allerdings auf hochentwickelte Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten und lächerlichen Kostümen. Diese beten die Atombombe an und wirken auch sonst schwer neben der Spur. Dieser Handlungsstrang ist selten dämlich und die Verweise auf die damals aktuelle politische Situation kommen wie mit dem Holzhammer. Der Film verliert sich in albernen Sci-Fi-Handlungen und die Charaktere sowie ihre Beweggründe verlieren an Glaubwürdigkeit. Das Ende ist schließlich zwar explosiv, doch weder sonderlich durchdacht noch nachvollziehbar.

Fazit

„Rückkehr zum Planet der Affen“ fängt nett an, wird immer alberner nur um letztendlich im Chaos zu enden. Schade um das gute Setdesign und die tollen Masken. Ich hoffe die Nachfolger legen wieder – zumindest etwas – an Qualität zu: 3/10 Punkte.

Planet der Affen – OT: Planet of the Apes (1968)

Mit „Planet der Affen“ verbinde ich viele Kindheitserinnerungen. Die Filmreihe lief sonntags häufig am späten Nachmittag im Fernsehen und ich erinnere mich – obwohl mein TV-Konsum damals sehr eingeschränkt war – doch an einige Sichtungen. Besonders das Ende hat mich lange beschäftigt. Mein erster großer story twist – ein denkwürdiges Ereignis.

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Seit meiner Kindheit habe ich der Filmreihe keinerlei Beachtung mehr geschenkt. Ganz im Gegensatz zu anderen wichtigen Filmen – „Zurück in die Zukunft“, „Indiana Jones“, „Star Wars“ etc. – dieser Zeit. Das liegt vielleicht auch daran, dass „Planet der Affen“ schon immer düsterer und nicht auf die reinen Unterhaltungsaspekte ausgelegt war. Er fügt sich somit eher in die Reihe düsterer Zukunftsvisionen, wie „Logan’s Run“ oder „Soylent Green“, ein und spart nicht an Gesellschaftskritik und Doppeldeutigkeiten.

Auch heute noch gelingt es Franklin J. Schaffners Film mich mitzureißen. Allerdings aus anderen Gründen. Ich kenne die Geschichte und bin mir deren Wendung bewusst. Charlton Hestons Charakter erscheint mir nicht mehr wie ein strahlender Held, sondern tatsächlich wie ein Relikt aus der Hochzeit der gewaltbereiten Menschen. Allerdings kann ich nicht klar abschätzen inwiefern dies beabsichtigt war, denn das harte, machohafte Auftreten – das heute etwas antiquiert wirkt – war in den Filmen der 60er/70er Jahre oft noch typisch für die Zeichnung des Helden. Egal wie man es sieht: Im Film funktioniert es tadellos und es dient – wenngleich auch unter eventuell anderen Gesichtspunkten – der Geschichte.

Besonders fasziniert war ich von der grandiosen Inszenierung. Speziell in der ersten halben Stunde fühlt man sich wahrlich wie auf einem anderen Planeten. Tolle Weitwinkeleinstellungen und außergewöhnliche Perspektiven schaffen eine fremdartige Atmosphäre. Wirklich sehr gelungen. Neben der Kamera sind vor allem die Masken grandios gelungen. Zu großen Teilen absolut glaubwürdig und mit Leben erfüllt.

„Planet der Affen“ zählt nicht ohne Grund zu den Klassikern des Sci-Fi-Kinos. Auch wenn der Film heute etwas angestaubt wirkt – was hauptsächlich dem antiquierten Heldentypus zuzuschreiben ist – weiß die Geschichte immer noch voll und ganz zu überzeugen und funktioniert in beinahe jeder Hinsicht besser, als Burtons Remake. Pflichtprogramm für Kinofreunde: 9/10 Punkte.

Die Tiefseetaucher – OT: The Life Aquatic with Steve Zissou (2004)

Bei manchen Filmen fragt man sich unweigerlich, wie sie es schaffen auf die große Leinwand zu kommen. Zu diesen gehört Wes Andersons „Die Tiefseetaucher“ – und das meine ich absolut positiv! Ein Film über einen schrulligen Ozeanographen, der den Jaguar-Hai sucht, welcher seinen besten Freund gefressen hat? Ein Film über eine komplexe Vater-Sohn-Beziehung? Ein Film mit Piraten? Dem Look von 70er Jahre Dokus? Mit surrealen Stop-Motion-Meereswesen? Dazu noch R-Rated und mit einem Soundtrack, der vornehmlich aus portugisischen Coverversionen diverser David Bowie-Hits besteht? Wer auch immer das produziert hat, beweist Mut und gibt mir den Glauben an die Filmindustrie zurück.

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Es ist anfangs zugegebenermaßen nicht einfach sich in den Film einzufinden. Ich wusste wirklich nicht, ob ich gerade den größten Schwachsinn vor mir habe, der je gedreht wurde oder ein Meisterwerk unglaublichen Einfallsreichtums. Glücklicherweise habe ich den Film letztendlich als Letztgenanntes wahrgenommen. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da draußen unzählige Zuschauer gibt, die absolut nichts mit diesem skurrilen Humor, den verschrobenen Charakteren, den kulissenhaften Sets sowie der Geschichte an sich anfangen können – und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Ein klarer Fall von lieben oder hassen.

Deutliches Vorbild für den Film war Jacques-Yves Cousteau, dessen Lebensgeschichte eindeutig das Grundgerüst für die Hauptfigur Steve Zissou bildet. Samt roter Wollmütze und allem was dazu gehört. Man könnte Wes Anderson nun unterstellen eine reine Parodie abgeliefert zu haben. Allerdings könnte nichts ferner von der Wahrheit entfernt sein. Die Charaktere sind komplett eigenständig und handeln – innerhalb der Grenzen ihres Universums – absolut glaubwürdig und ernsthaft. Die Gefühle sind echt und der reichliche Humor ist – wenngleich ich auch ein paarmal laut lachen musste – eher leise und hintergründig.

Grandios ist natürlich das Ensemble. Allen voran Bill Murray, dem man den verrückten Meeresforscher sofort abkauft. Auch Owen Wilson hat mich sehr positiv überrascht. Eine ganz andere Rolle für ihn. Cate Blanchett überzeugt einmal wieder auf ganzer Linie und Willem Dafoe hat als das deutsche Besatzungsmitglied namens Klaus Daimler die meisten Lacher auf seiner Seite. Von Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Michael Gambon etc. will ich gar nicht erst angfangen. Neben der Besetzung sticht vor allem das fantastische Produktionsdesign hervor. Ungewöhnlich, doch perfekt zum Inhalt des Films passend.

„Die Tiefseetaucher“ ist kein Film für jeden Zuschauertyp. Ich könnte nicht einmal sagen für welchen. Man sollte offen für außergewöhnliche Ideen sein und sich leicht in fremde Welten einfinden können. Wenn man zudem noch in der richtigen Stimmung ist und der richtige Nerv getroffen wird, dann erlebt man mit Steve Zissou ein wahrlich fantastisches Abenteuer: 9/10 Punkte.

Wolf Creek (2005)

Der Horrorfilm boomt. Der harte Horrorfilm. Der gelackte harte Horrorfilm. Die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“ scheint ein weiteres Beispiel für diese Hochphase des Horrors zu sein. Glücklicherweise ist er das nicht bzw. nur bedingt. Greg McLeans Film macht alleine mehr richtig, als die die meisten aktuellen Hollywood-Produktionen dieses Genres zusammen.

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Der Begriff Torture-Porn geistert seit letztem Jahr durch die Medienwelt. Filme wie „Saw III“ oder „Hostel“ sind die neuen Kassenschlager. Ich selbst mag es normalerweise nicht, wenn engstirnige Label verhängt werden. Doch selbst mir ist die seltsame Richtung nicht entgangen, in die sich der Horrorfilm bzw. das Terrorkino bewegt. Für mich persönlich das Traurigste: Ein von mir geliebtes Genre wurde seiner Funktionalität beraubt. Figuren, die einem völlig egal sind kommen in Situationen, die – selbst für das Genre – absolut unglaubwürdig sind. Die Bedrohung bekommt ein Gesicht, das einem Comic entsprungen scheint. Menschliche Abgründe werden außen vor gelassen. Es gibt weder Terror noch Horror. Nur noch Blut und die zwangsweise drohende Fortsetzung. Der Horrorfilm als Goldesel.

Was macht „Wolf Creek“ nun richtig? Die Figuren sind sympathisch und einigermaßen realistisch gezeichnet. Man lernt sie in Ruhe kennen und fängt an sich für sie zu interessieren. Man begibt sich mit ihnen auf eine Reise, was absolut essentiell für das Funktionieren des Films ist. Die kommende Bedrohung rückt nun immer näher. Dies geschieht durch unzählige Kleinigkeiten, die das weitere Geschehen vorausahnen lassen. Als nun der Horror über die Figuren herein bricht bleibt der Film weitgehend realistisch und konfrontiert die Charaktere – und damit den Zuschauer – nicht mit unglaubwürdigen Situationen oder Handlungen. Die Bedrohung ist absolut real. Es ist nicht sicher, wer überlebt und wer stirbt. Es gibt keine Hauptfigur außer der Abgeschiedenheit des Outbacks. Das ist Terrorkino, lieber Darren Lynn Bousman!

Ein genialer Coup ist den Filmemachern zudem mit der Besetzung des Killers gelungen: John Jarrat ist einigen eventuell aus der Familienserie „McLeod’s Töchter“ bekannt, die in Australien größte Erfolge feiert. Es wird mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt und am Ende könnte man beinahe meinen John Ryders Bruder durch das Outback streifen zu sehen. Auch der Rest der Besetzung weiß zu überzeugen. Kamera (gedreht auf HDV!), sowie Montage und Sound tragen zur bedrückenden Stimmung bei und sind als wirklich gelungen zu bezeichnen.

Für mich ist „Wolf Creek“ eine wirklich positive Überraschung. Ein ehrlicher, kleiner Schocker. Auch wenn in der zweiten Hälfte einige Horrorfilm-Klischees nicht vermieden werden können und die Zweitsichtung wohl weniger nervenzerrend ausfallen dürfte, so kann ich doch eine uneingeschränkte Empfehlung für Horrorfreunde aussprechen: 8/10 Punkte.

Lucky Number Slevin (2006)

Nach langer, langer Zeit bin ich heute nun endlich dazu gekommen „Lucky Number Slevin“ bzw. „Lucky#Slevin“ nachzuholen. Ein Film, dem sein Ruf bereits seit der nicht gewährten Kinoauswertung vorauseilt. Ein gehypter Film. Dazu noch im Genre des Gangsterfilms, in dem der Begriff Kultfilm – besonders in der Post-Tarantino-Ära (siehe „Smokin‘ Aces“) – doch stark strapaziert wurde. Zeit also mir selbst ein Bild zu machen. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Film beginnt ungewöhnlich. Ungewöhnlich ruhig. Ungewöhnlich erzählt. Dem Zuschauer werden Ereignisse präsentiert, die für die spätere Handlung keine Rolle zu spielen scheinen. Nebensächlichkeiten. Doch dem geübten Zuschauer ist klar, dass der Epilog noch einmal aufgegriffen werden wird. Dazu später mehr. Zunächst lernen wir Slevin (Josh Hartnett) kennen, der vom Pech verfolgt scheint und welcher sich von einem Moment auf den anderen mitten in einem Mafiakrieg befindet.

Die nun folgende Stunde erleben wir, wie Slevin immer weiter in diese ihm fremde Welt hinein schlittert. Er meister dabei die schwierigsten Situationen mit viel Witz und einem Mut, der fast schon selbstmörderische Tendenzen aufweist. Hier macht der Film auch am meisten Spaß. Die Figuren sind größer als die Wirklichkeit und fügen sich nahtlos in das Gangstermärchen ein. Das Produktionsdesign – diese Tapeten! – passt wie die Faust auf das Auge (bzw. die Nase) und unterstreicht die leicht comichafte Atmosphäre.

Da ich als Zuschauer durch die Struktur der Geschichte zwangsläufig mit einer Wendung rechne, mache ich mir so meine Gedanken. Dass Slevin letztendlich der Junge vom Anfang ist war nicht weiter schwer zu erraten. Die anderen Puzzleteile waren danach nur noch einleuchtend. Einleuchtend und irgendwie enttäuschend. Zwar ist die Geschichte nett und intelligent konstruiert, doch gibt sie nicht so viel her, wie uns der Film glauben machen will. Die nun folgende Auflösung ist viel zu lang und detailliert. Spätestens nach der Aufdeckung von Slevins Identität weiß auch der langsamste Zuschauer, welches Spiel hier gespielt wird. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich – wie bereits bei „Smokin‘ Aces“ – die Änderung in der Stimmung. Plötzlich werden die beiden Gansterbosse ins Zentrum gerückt und ihre dunkle Vergangenheit wird bestimmend. Zu diesem Zeitpunkt (der Zuschauer ist an der letztendlichen Auflösung interessiert) wirkt das nur ablenkend. Weiter geht es mit der Vollstreckung der Rache: Brutal und eiskalt. Nicht mehr larger than life. Ein Bruch in der Stimmung des Films.

Die ersten zwei Drittel von „Lucky#Slevin“ haben mir ausgezeichnet gefallen. Die Wendung verkommt dann leider etwas zum Selbstzweck. Der Film hat mich wirklich gut unterhalten und vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet. Nach dieser Sichtung springen leider nicht mehr als 7/10 Punkte raus. Vielleicht relativieren sich manche Eindrücke nach einer Zweitsichtung.

Smokin’ Aces(2007)

Der zweite Film des gestrigen Abends war Joe Carnahans „Smokin‘ Aces“. Wieder ein Film, dessen Trailer mich wirklich heiß auf das finale Werk gemacht hat. Wieder ein Film, der einige grandiose Schauspieler vereint. Die Erwartungen waren folglich immens hoch. Leider wurden sie nur im Ansatz erfüllt.

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Der Trailer suggerierte abgefahrene, absurde Profikiller-Action, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Ein Feuerwerk an skurrilen Dialogen. Satte Action. Grandiose Schauspieler. In der ersten Filmhälft gibt es dann auch so ungefähr das, was man erwartet. Nur alles eine Spur kleiner. Braver. Unispirierter. Aber dennoch sehr unterhaltsam. Zudem man immer noch auf das große Finale hofft: The Clash of the Titans. Die große Anzahl an bekannten und liebgewonnenen Darstellern in ungewohnten Rollen trägt zudem sehr zur Steigerung des Spaßfaktors bei: Jeremy Piven („Entourage“) spielt das kaputte Ziel der Serienkiller, Jason Bateman („Arrested Development“) ist als abgehalfterter Anwalt zu sehen, Ryan Reynolds („Two Guys and a Girl“) spielt einen toughen FBI-Agenten, Matthew Fox („Lost“) ist unter seiner Maske kaum zu erkennen usw. Ein wahres Fest für Film- und Serienfreunde.

Die Action am Ende kracht dann auch ziemlich und macht erneut wirklich Spaß. Doch dann schwenkt der Film um und entwickelt sich zu einem handfesten Cop-Drama. Samt überraschender Wendung und allem, was dazu gehört. Ab hier wirkt die Handlung wie aus einem anderen Film. Sicherlich gab es davor auch ernstere Szenen, auf denen die Wendung aufbaut, doch plötzlich steht das Drama im Raum und scheint nicht so recht zu wissen, ob es auf der richtigen Party ist.

Ich möchte nicht sagen, dass der zweite Teil des Films unbedingt schlecht ist. Er passt nur nicht zum ersten. Mir kommt es etwas so vor, als hätte Carnahan nach „Narc“ erneut einen harten Cop-Thriller geschrieben, den er nun aus einer Laune heraus in tarantinoesques Actionkino umgestaltet hat. Warum auch immer. Beide Teile funktionieren für sich recht gut, sind aber dafür nicht konsequent genug umgesetzt worden. Man hat Abstriche gemacht, um aus den Versatzstücken einen einheitlichen Film zu schaffen – und das ist letztendlich leider ziemlich in die Hose gegangen.

„Smokin‘ Aces“ hätte ein großer Film werden können. Nun wirkt er leider wie ein typisches Artefakt der Post-Tarantino-Ära und reiht sich damit in die lange Schlange mit Werken wie „3000 Miles to Graceland“ und „Running Scared“ ein. Alle sicherlich optisch interessant und mit einer vielversprechenden Prämisse, doch leider stolpern all diese Filme über ihre vermeindliche Coolness. Diese Filme sind durchaus unterhaltsam und audiovisuell ansprechend, doch es fehlt das Wichtigste: Eine durchdachte Geschichte. Enttäuschend, aber immerhin nett anzusehen: 6/10 Punkte.