Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass (2007) (WS1)

Gestern verspürte ich den dringenden Wunsch in das von Philip Pullman erschaffene Universum zurückzukehren. Mit Lyra über die Dächer von Jordan College zu streichen. Die Gypter zu besuchen. Panzerbären zu sehen. Die Sichtung von „Der Goldene Kompass“ war folglich die logische Konsequenz – auch wenn ich mir des bitteren Beigeschmacks von Beginn an bewusst war.

Im Gegensatz zu meiner ersten Sichtung – damals noch ohne Kenntnis der Vorlage – habe ich dieses Mal bemerkt, wie viele unscheinbare (und doch wichtige) Details die Macher des Films in das neue Medium übertragen haben. Man sieht deutlich, dass mit Regisseur Chris Weitz ein Kenner und Liebhaber der Vorlage am Werk war. In der Darstellung von Lyras Welt kann ich wirklich keinerlei Kritikpunkte finden. Magisch und angereichert mit unzähligen Details. Genau so muss dieses Universum aussehen.

Bei der Struktur der Handlung gibt es dagegen etliche Abweichungen zur Romanvorlage – was zu großen Teilen allerdings zu erwarten war. Straffungen wurden recht nachvollziehbar eingebaut (so erfährt Lyra z.B. bereits von Mrs. Coulter, dass Iofur Raknison sich für einen Menschen hält und gerne einen Dæmon hätte) und stören das Gesamtbild nicht wirklich. Richtig schwerwiegend sind dagegen komplette Umstrukturierungen in der Handlungsabfolge bzw. das Weglassen kompletter Plotpunkte. Unverzeihlich.

Bevor ich hier aushole sollte erwähnt werden, dass alle fehlenden Elemente bereits gedreht wurden und sogar komplett durch die Postproduktion gegangen sind. Doch New Line war das Ende zu düster und zudem wollte man den Film nicht auf Svalbard enden lassen. Warum auch immer. Hier sehe ich auch den einzigen Fehler des – für Filme solchen Budgets – noch unerfahrenen Chris Weitz: Er hat dem Studio wohl zu schnell nachgegeben und einen Producer’s Cut angefertigt. In diesem wurde Bolvangar ans Ende des Films gestellt und Svalbard vorgezogen, was für Kenner der Vorlage mehr als nur befremdlich wirkt. Vom Fehlen des Endes einmal gar nicht zu sprechen. Wirklich – um es einmal platt auszudrücken – ein Griff ins Klo.

All dies sind gravierende Fehler, welche jedoch durch einen Director’s Cut problemlos ausgeglichen werden könnten – zumal die Szenen schon komplett fertig sind. Warum noch keine solche Schnittversion auf den Markt geworfen wurde? Ich sehe hier die größte Hoffnung für eine Verfilmung der Nachfolger: Das Studio möchte sich den Director’s Cut noch aufheben, sollten „Das Magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ doch noch ihren Weg auf die große Leinwand finden. Falls dies geschieht, geht einer meiner – filmtechnisch gesehen – größten Wünsche in Erfüllung.

„Der Goldene Kompass“ ist eine äußerst gelungene Romanverfilmung, die leider jedoch zwei große Schwachpunkte aufweist. Dennoch kann man durch den Film Lyras Welt mit allen Sinnen erleben und es kommt einem vor, als würde man alten Freunden bei ihren Abenteuern zusehen. Ich bin wirklich begeistert und der Director’s Cut könnte es endgültig unter meine Lieblingsfilme schaffen: 8/10 Punkte.

Severance

Seit Ewigkeiten einmal wieder ein Samstagnachmittag, an dem es nichts zu tun gibt. Aber auch gar nichts. Zeit also sich endlich einmal dem erschreckend schnell wachsenden Stapel an ungesehenen DVDs zu widmen. Von Christopher Smiths „Severance“ versprach ich mir eine amüsante Horrorkomödie, denn schließlich werden überall Vergleiche zum absolut grandiosen „Shaun of the Dead“ gezogen.

„Severance“ versucht komisch zu sein. Komisch und gesellschaftskritisch. Beides gelingt in meinen Augen nicht wirklich. Vielleicht ist das einfach nicht meine Art von Humor. Ein paar Schmunzler waren schon dabei und die Kritik an der Rüstungsindustrie war auch nicht zu übersehen, doch so richtig hat da nichts gezündet. Auch sind die Charaktere – trotz ausführlicher Einführung – erschreckend blass geblieben. Folglich habe ich mich nicht wirklich dafür interessiert, was in der zweiten Filmhälfte mit ihnen geschieht.

Der Horror bricht dann auch ziemlich heftig auf die Akteure herein, was auch nicht so ganz zum lustig gemeinten ersten Teil des Films passen will. Für sich allein genommen gibt es ein paar schön fiese Horrorszenarien zu sehen, doch so richtig Angst wollen die vermummten Einheimischen dann auch nicht verbreiten. Auch hier nichts Halbes und nichts Ganzes.

Inszenatorisch leistet sich Christopher Smith keine Schwächen und der Film weiß über seine 90 Minuten auch zu unterhalten, doch in Erinnerung wird er mir nicht wirklich bleiben. Da hat selbst Smiths „Creep“ bei mir mehr Eindruck hinterlassen. Absoluter Durchschnitt. Da hätte ich mir weit mehr erwartet: 5/10 Punkte.

Buffy: The Vampire Slayer – Season 5

Es ist wieder einmal soweit. Das Staffelfinale von „Buffy: The Vampire Slayer – Season 5“ will verarbeitet werden. Verarbeitet trifft es auch ziemlich gut, denn was einem hier geboten wird übertrifft so ziemlich alle Cliffhanger, die ich bisher erleben durfte. Eigentlich wird hier der Ausdruck Cliffhanger auch eher ad absurdum geführt. Typisch Joss Whedon.

Der Beginn der Staffel wirkt noch relativ normal. Ein paar Einzelepisoden. Viel Humor. Es fühlt sich an, als wären wir zurück im Terrain der zweiten bzw. dritten Staffel. Doch etwas hat sich verändert: Dawn ist in Buffys Leben getreten. Die Slayerin hat eine Schwester. Diese neue Figur bestimmt die gesamte Staffel. Woher kommt sie? Was will sie? Hat sie gute oder böse Absichten? Dieser Handlungsstrang ist – zumindest anfangs – so irritierend, dass es eine wahre Freude ist. Das Buffyverse steht einmal wieder Kopf.

Ab der Staffelmitte schlägt die Stimmung dann schlagartig um: Es wird düster. Aber so richtig. Zwar immer noch durchsetzt mit dem typischen Joss Whedon-Humor, steigert sich die Bedrohung bis zur letzten Episode ins Unermessliche. Für mich war der dramatische Höhepunkt jedoch schon mit „The Body“ erreicht. Wohl die traurigste Episode, der ich in meiner Serienkarriere je beigewohnt habe. Großes, intensives Kino. Sowohl formal, als auch inhaltlich.

Gegen Ende der Staffel zieht auch der Haupthandlungsstrang enorm an. Glory weiß als Big Bad hier auf ganzer Linie zu überzeugen. Herrlich absurd und doch in jeder Szene bedrohlich. Im Staffelfinale spitzt sich die Situation dann so stark zu, dass ich das Schlimmste für die Charaktere befürchtet hatte – und es kam (natürlich) noch schlimmer. Ich bin wirklich gespannt, wie die Sache zu Beginn der nächsten Staffel aufgelöst wird.

Meine Lieblingsepisode war dieses Mal wohl – trotz wirklich starker Konkurrenz – „Fool for Love“. Ich mag Spike einfach. Ebenso hat mir der gesamte darauf aufbauende Nebenhandlungsstrang besonders gut gefallen. Auch das, was die Autoren in der letzten Konsequenz daraus gemacht haben. Nett waren auch die beiden Roboterepisoden. Doch insgesamt wird mir die Staffel wohl aufgrund ihrer düsteren Gesamtwirkung in Erinnerung bleiben.

Im Gegensatz zur vierten Staffel macht die Serie qualitativ wieder einen Sprung nach vorne. Wohl auch – oder gerade weil – die Autoren nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln. Düster, schockierend und emotional fordernd. So lässt sich die Staffel für mich recht gut zusammenfassen. Einmal mehr ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Das Bernstein-Teleskop (Philip Pullman)

Gestern Nachmittag habe ich die letzten Seiten von Philip Pullmans „Das Bernstein-Teleskop“ gelesen und damit auch die letzten Seiten seiner „His Dark Materials“-Trilogie. Schon lange hat mich kein Buch mehr so mitgenommen. Das Ende hat mich noch den ganzen Abend beschäftigt – und das obwohl ich auf einer Party unter dutzenden von Leuten war. Oft sind meine Gedanken zu Lyra, Will und ihren Dæmonen abgeschweift. Zu ihren Entscheidungen. Zu den Konsequenzen. Erst heute wird mir deren Tragweite langsam bewusst und ich werde mich garantiert noch lange mit ihnen beschäftigen.

Anfangs war ich vom letzten Teil der Trilogie etwas enttäuscht. Das erste Drittel des Romans fühlte sich teils wie eine überladene Fortsetzung von „Das Magische Messer“ an, ohne jedoch dessen emotionale Kraft zu entwickeln. Auch war mir der Krieg zwischen Asriel und Metatron etwas zu bewusst auf Religionskritik angelegt, ohne dabei jedoch ausreichend die Beweggründe beider Parteien darzustellen und zu begründen. Doch diese Kritikpunkte verblassen hinter der wunderbaren Geschichte um Staub, die Mulefa und die Verbindung zwischen Lyra und Will. Hier kommt auch die wahre Aussage des Romans zur Geltung: nämlich nicht blind zu glauben, sondern stets im Hier und Jetzt zu leben und die eigene Neugier und den Wissensdurst niemals versiegen zu lassen.

Philip Pullman schafft es gekonnt eine Brücke zwischen klassischem Fantasyroman und interpretationsbedürftiger Literatur zu schlagen. Dabei wirkt das Werk wie aus einem Guss und wenn man beide Aspekte zu schätzen weiß, kann man unglaublich viel Freude an „His Dark Materials“ haben. Ich werde noch lange über gewisse Ideen und Ansätze nachdenken. Am meisten werde ich jedoch Lyra und Will vermissen. Ich habe schon ewig nicht mehr so stark mit Figuren – egal ob aus Literatur oder Film – mitgeliebt und -gelitten.

Mit „Das Bernstein-Teleskop“ geht wohl die beste Romantrilogie zu Ende, die ich bisher gelesen habe. Das nun entstehende Loch wird nur schwer zu füllen sein. In meinem Bücherregal wird Philip Pullmans „His Dark Materials“ auf jeden Fall einen Ehrenplatz bekommen: 10/10 Punkte.

Der Sternwanderer – OT: Stardust (2007)

Mit Matthew Vaughns „Der Sternwanderer“ habe ich gestern einmal wieder einen Film nachgeholt, den ich im Kino leider verpasst hatte. Der Film hat damals ein recht geringes Medienecho hervorgerufen, was man wohl der verhältnismäßig großen Anzahl an mit ihm startenden Fantasyfilmen zuschreiben kann. Dennoch hätte der Film weit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

„Stardust“ – so der Originaltitel – kann man wohl am besten mit Rob Reiners „The Princess Bride“ vergleichen. Es handelt sich folglich um keinen klassischen Fantasyfilm à la „Der Herr der Ringe“, sondern eher um eine Fantasykomödie. Bei meiner ersten Sichtung von „The Princess Bride“ war ich auch sehr enttäuscht, da ich den Humor nicht erwartet hatte. Ich hätte damals lieber etwas in der Art von Ron Howards „Willow“ gesehen. Im Nachhinein gesehen ist diese Wunschvorstellung natürlich sehr engstirnig: „The Princess Bride“ zählt zu recht zu den Klassikern des Fantasykinos – und „Der Sternwanderer“ schickt sich an in dessen Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an besticht die märchenhafte Atmosphäre, die durch Ian McKellens Erzählstimme wunderbar unterstrichen wird. Oft wird vom Märchen für Erwachsene geredet. Meist sind dies verkappte Horrorfilme oder waschechte Fantasyschinken. „Stardust“ ist jedoch ein waschechtes Märchen. Und ja, Erwachsene werden an ihm ebenso viel Freude haben wie Kinder. Mindestens. Einen großen Teil des Unterhaltungswerts zieht der Film aus der treffsicheren Besetzung. Besonders Michelle Pfeiffer als Hexe, die der ewigen Jugend nachjagt und Robert De Niro als tuntiger Captain Shakespeare sind wahre Glücksgriffe. Doch auch der Maincast – Claire Danes und Charlie Cox – sowie die restlichen Nebendarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet.

Neben den Schauspielern überzeugt die stringente Inszenierung. Trotz der ausschweifenden Handlung hatte ich nie das Gefühl die Übersicht zu verlieren oder gehetzt zu werden. Matthew Vaughn hat hier wirklich ein Gespür für Timing bewiesen, was – im Detail betrachtet – natürlich besonders dem Humor zugute kommt. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas übereifrige Effekteinsatz. Zwar wirklich immer gut gemacht, doch nach dem dutzendsten Zaubereffekt stellt sich langsam aber sicher ein Sättigungsgefühl ein.

Matthew Vaughns „Stardust“ macht richtig viel Spaß. Jedem Fantasyfreund sei der Film – die richtige Erwartungshaltung vorausgesetzt – wirklich ans Herz gelegt. Wenn „The Princess Bride“ zu euren Lieblingsfilmen zählt, dann führt an diesem Film sowieso kein Weg vorbei. Für mich einer der gelungensten Fantasyfilme der Post-„Der Herr der Ringe“-Ära: 8/10 Punkte.

Back to You – Season 1

Aufgrund des Mangels an aktuellen Sitcoms, habe ich mir – trotz anfänglichem Desinteresse – die erste und einzige Staffel von Kelsey Grammars (Dr. Frasier Crane, „Cheers“ & „Frasier“) aktuellstem Serienprojekt angesehen: „Back to You – Season 1“ – eine mehr als nur klassische Sitcom.

Es ist wirklich erstaunlich. Oftmals musste ich während der Sichtung von „Back to You“ an den Sitcom-Klassiker „Mary Tyler Moore“ denken. Wenn man diese Verbindung im Kopf hat, wird einem auch schnell bewusst, wie altmodisch – oft sogar altbacken – die Show um eine News-Redaktion in Pittsburgh heute wirkt.

Kelsey Grammar spielt wie immer grandios. Ergänzt wird er durch eine tolle Patrica Heaton (Debra Barone, „Everybody Loves Raymond“). Leider jedoch sind die beiden Charaktere zu klischeehaft und durchschaubar angelegt, als dass alleine die Schauspieler das Ruder hier noch herumreißen könnten. Ein netter Supportcast rundet das harmlose Bild dieser Serie ab.

„Back to You“ ist ein brauchbarer Snack für alle hungrigen Sitcom-Freunde. Der Humor zündet meist, die Geschichten sind nett und die Schauspieler hauchen den blassen Figuren leben ein. Insgesamt kann ich mich über die Absetzung allerdings nicht wundern, denn mehr als nett ist die Show am Ende dann leider doch nicht: 6/10 Punkte.

Buffy: The Vampire Slayer – Season 4

Bereits zwei Wochen nach dem Eintrag zur dritten Staffel, steht die Besprechung von „Buffy: The Vampire Slayer – Season 4“ auf dem Programm. Wenn es mit diesem Tempo weitergeht, schreibe ich nächsten Monat bereits über das Serienfinale. Unglaublich, wie stark sich die Serie entwickelt hat.

Mit Beginn der vierten Staffel kommt es zu einem deutlichen Bruch: Angel und Cordelia haben Sunnydale verlassen, die Highschool ist zerstört, Giles ist arbeitslos und Buffy muss sich im College neu orientieren. Hier erinnert mich die Serie sehr an die finale Staffel von „Veronica Mars“, wenngleich diese natürlich von Joss Whedons Werk beeinflusst ist und nicht andersrum. Alles schreit nach Neubeginn und so müssen nicht nur die Figuren lernen mit den veränderten Umständen umzugehen, sondern auch der Zuschauer.

Leider schaffen die Autoren es nicht den Weggang von Angel und Cordelia übergangslos zu kompensieren. Die ersten Episoden wirken etwas uninspiriert und ohne Ziel – und das obwohl das Thema der Staffel schon recht bald eingeführt wird: The Initiative. Leider konnte ich mich nie wirklich mit dieser militärischen Geheimorganisation anfreunden. Zu technisch. Zu übertrieben. Zu unglaubwürdig. Selbst für eine Serie wie diese. Diese Umstände wurde von den Autoren jedoch erkannt und man hat die Kritik an ihnen mit teilweise glänzender Selbstironie in die Serienhandlung eingeflochten.

Die Stars der Staffel sind für mich eindeutig Spike und Anya. Besonders Spike ist in seiner verhinderten Bosheit so herrlich absurd, dass es eine wahre Freude ist. Weiterhin gibt es ein paar wirkliche Highlights in der Staffel, die jedoch meist nicht mit dem Haupthandlungsbogen zusammenhängen. Besonders „Hush“, die Doppelfolge um Faith und das losgelöste Staffelfinale „Restless“ sind einfach nur großes Kino.

Ich freue mich nun schon auf die kommenden drei Staffeln und hoffe, dass der Handlungsbogen von Season 5 wieder besser ausgearbeitet ist, als der um The Initiative. Trotz qualitativem Einbruch, ist auch die vierte Staffel großartige Serienunterhaltung mit viel Humor und nahezu perfektem Drama: 8/10 Punkte.

Das Vermächtnis der Tempelritter – OT: National Treasure (2004)

Gestern Abend war es soweit und ich habe meine neuen Begleiter Toshi und Oppo endlich standesgemäß eingeweiht. Zu sehen gab es Jon Turteltaubs „Das Vermächtnis der Tempelritter“ – inzwischen die dritte Sichtung. Damals im Kino war ich begeistert, bei der Zweitsichtung eher enttäuscht. Und gestern? Einfach nur großartige Unterhaltung.

Das Vermächtnis der Tempelritter (2004) | © Walt Disney

Das Vermächtnis der Tempelritter (2004) | © Walt Disney

Der Film aus der Schmiede von Jerry Bruckheimer hat mein Interesse nur wieder entfacht, da ich vor kurzem nahezu alle Originalschauplätze des Films besucht hatte. Alleine dadurch hat „National Treasure“ (so der Originaltitel) einige Punkte wett machen können. Es war einfach ein tolles Erlebnis die National Archives, das Lincoln Memorial und noch unzählige weitere Locations in Washington D.C. wiederzuerkennen. Eine wirklich ganz neue Erfahrung.

Die Handlung des Films wird dadurch natürlich nicht beeinträchtigt. Diese bietet weiterhin eine leicht patriotisch angehauchte Disneylandversion eines Abenteuerfilms. Den Vergleich mit „Indiana Jones“ möchte ich hier bewusst nicht ziehen, denn außer dem Genre haben beide Filmwelten nahezu nichts gemein. Losgelöst betrachtet bietet „Das Vermächtnis der Tempelritter“ lockerleichte Unterhaltung, bei der man – wie bei allen Produktionen aus dem Hause Bruckheimer – nicht nach Logik fragen darf. Unterlegt mit dem typischen Score von Hans Zimmer (oder einem seiner Schüler) und bombastischer Inszenierung, ist „National Treasure“ ein Popcorn-Film, wie er im Buche steht – und als solcher funktioniert er tadellos.

Ich habe mich gestern so gut wie schon lange nicht mehr asmüsiert. Dies mag zu großen Teilen am Wiedererkennungseffekt der Locations sowie der grandiosen Bild- und Soundqualität des neuen Heimkinos gelegen haben, doch so ganz unschuldig ist wohl auch „National Treasure“ nicht daran. Hat enorm viel Spaß gemacht: 8/10 Punkte.

11. September – OT: 9/11 (2002)

Vor meinem USA-Urlaub hat mich das Thema nur am Rande interessiert. Doch seitdem ich New York City erlebt habe, kann ich verstehen wie groß das Trauma des „11. September“ für die Bewohner des Big Apple gewesen sein muss. Die unfreiwillige Dokumentation der Brüder Naudet schien mir eine deutlich bessere Wahl zur Auseinandersetzung mit den Ereignissen zu sein, als Oliver Stones „World Trade Center“ oder andere Filme bzw. Dokumentation.

Ich selbst habe den 11. September 2001 noch genau in Erinnerung – so, wie vermutlich jeder andere auch. Zunächst war mir das Ausmaß dessen, was dort im fernen Amerika passierte überhaupt nicht bewusst. Als dann das zweite Flugzeug in das World Trade Center flog, schienen die Aufnahmen die über den Bildschirm flimmerten nur irreal. Dennoch bin ich nicht vor dem TV sitzen geblieben und habe die zuvor für den Abend gemachten Pläne nicht über den Haufen geworfen. Das wahre Ausmaß der Ereignisse sollte sich auch für mich erst in den nächsten Tagen zeigen.

Der Film der Franzosen beginnt nahezu so, wie sie es ursprünglich geplant hatten: Als Dokumentation über einen Neuling in einer New Yorker Feuerwache. Beinahe eine halbe Stunde nehmen sich die Filmemacher Zeit, um den Tagesablauf zu zeigen und die einzelnen Personen vorzustellen. Auch der 11. September beginnt wie jeder andere Tag. Da man sich als Zuschauer der zukünftigen Ereignisse jedoch bewusst ist, liegen diese wie ein dunkler Schatten über der scheinbaren Normalität.

Als das Chaos dann losbricht, entwickelt der Film einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Durch die vorübergehende Trennung der beiden Brüder, erleben wir als Zuschauer ganz unterschiedliche Blickwinkel und der Spannungsbogen ist – trotz bekanntem Ausgang – unglaublich hoch. Hier erkennt man auch mehr als deutlich, dass diese Dokumentation für Filme wie „[Rec]“ und besonders „Cloverfield“ Pate stand. Habe ich bei diesen stets kritisiert, dass der Kameramann in der Realität schon längst aufgehört hätte zu filmen, so kann ich nach der gestrigen Sichtung nur unglaublich den Kopf schütteln. Jules und Gédéon Naudet legen die Kamera selbst in der größten Gefahr nicht aus der Hand und bescheren dem Zuschauer somit Bilder, die intensiver sind als in jeder mir bekannten Fakedoku.

Gegen Ende des Films wird zwar etwas stark auf die Tränendrüse gedrückt, doch in Anbetracht der Ereignisse und der starken Involviertheit der Filmemacher, kann man das durchaus nachvollziehen. Zudem steht nie das große Schicksal der USA im Vordergrund, sondern stets die persönlichen Schicksale der New Yorker Feuerwehrmänner.

Für mich war der Film ein sowohl beeindruckendes, als auch bedrückendes Erlebnis. Durch Zufall ist es gelungen, einen der schlimmsten terroristischen Anschläge zu dokumentieren. Sicher betrachtet der Film nur eine Seite und stellt damit für Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen dar. Doch wie man es auch dreht und wendet: „11. September“ ist ein einzigartiges Zeitdokument. Man sollte es gesehen haben: 9/10 Punkte.

Farscape – Season 1

Auf meiner beständigen Suche nach einem würdigen Ersatz für Joss Whedons Ausnahmeserie „Firefly“, bin ich auf „Farscape – Season 1“ gestoßen. Von mir bisher nur als Muppets im All wahrgenommen, habe ich die Serie über die letzten Monate hinweg wirklich zu schätzen gelernt.

Zunächst einmal muss gesagt werden: Den erhofften „Firefly“-Ersatz stellt diese außergewöhnliche Sci-Fi-Serie nicht dar – aber das macht auch nichts. „Farscape“ lässt sich mit nichts vergleichen, was ich bisher in dem Genre gesehen habe. Teils erinnert der Alien- bzw. Planet-of-the-Week-Aufbau etwas an die klassischen „Star Trek“-Serien, die Bösewichte erinnern in ihrer Präsenz ein wenig an „Star Wars“ und die Dialoge lassen ab und zu tatsächlich an diverse Joss Whedon-Serien denken. Hinzu kommen abgedrehte Charaktere und verrückte Designideen, welche die Serie aus dem Einheitsbrei herausheben.

Das Highlight sind für mich natürlich die Figuren aus Jim Henson’s Creature Shop  – einfach fantastisch! Anfangs mag es ungewohnt erscheinen diese Puppen mit normalen Menschen agieren zu sehen, doch bereits nach ein paar Episoden hat es mich stets überrascht, wie sehr ich diese Puppen doch als reale Charaktere wahrgenommen habe. Ein wahres Fest für jeden Kreaturenfreund.

Eine Rahmenhandlung ist in dieser ersten Staffel noch nicht wirklich zu finden. In den letzten Episoden gibt es vielversprechende Ansätze, davor reiht sich aber eine Einzelepisode an die nächste. Einige davon sind wirklich gelungen, andere dagegen eher langatmig. Glücklicherweise tragen die meist wirklich gut geschriebenen Figuren viel zum Unterhaltungswert bei, so dass kein Totalausfall auszumachen war. Dennoch sehe ich hier durchaus vorhandenes Verbesserungspotential.

„Farscape“ lohnt für Sci-Fi-Freunde auf jeden Fall mehr als nur einen Blick. Man muss allerdings schon ein Herz für handgemachte Effekte besitzen und offen für abgedrehte Handlungselemente sein. Dann macht die Serie allerdings richtig Spaß, zumal die episodenübergreifende Handlung gegen Ende der Staffel wirklich vielversprechend zu werden beginnt: 7/10 Punkte.