Ein Freund von mir (2006)

Wie lange hatte ich auf Sebastian Schippers zweiten Film gewartet. Dann kam er endlich ins Kino und ich konnte ihn mir aus irgendeinem Grund nicht ansehen. Selbst die DVD hatte sich eine halbe Ewigkeit gegen den Kauf gesträubt. Doch gestern war es soweit und ich habe „Ein Freund von mir“ gesehen. Endlich. Die vorausgegangenen Verzögerungen waren glücklicherweise kein schlechtes Omen, wenngleich die Erwartungen auch nicht vollständig erfüllt werden konnten.

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Zunächst einmal springt einem der formale Aspekt ins Auge. Die Bilder wurden – besonders am Anfang des Films – größtenteils mit offener Blende gedreht, was sie fremdartig und fast schon artifiziell wirken lässt. Die Bildsprache findet ihre Entsprechung auch in der Handlung: Zu Beginn sind Karl (Daniel Brühl) und Hans (Jürgen Vogel) noch Fremde, die sich zufällig begegnen. Auch wenn beide im Bild sind, der Fokus richtet sich stets nur auf eine Person. Erst mit der Entwicklung ihrer Freundschaft richtet sich der Fokus auf beide Charaktere. Allein dieser subtile formale Aspekt beschreibt den Film schon recht gut. Für viele langweilig, für mich großes Kino.

Das größte Problem, mit dem „Ein Freund von mir“ in meinen Augen zu kämpfen hat, ist seine Thematik. Man kommt nicht umhin zu denken, dass Sebastian Schipper hiermit den ultimativen Film über Männerfreundschaften drehen wollte. Nicht den klassischen Buddy-Movie, sondern eine poetische Ode an die Freundschaft. Scheitert der Film? Mitnichten. Kann er seinem Anspruch jedoch gerecht werden? Nein, kann er nicht. Der Grund dafür ist simpel: Sebastian Schipper hatte bereits 1999 mit „Absolute Giganten“ den Film über Freundschaft gedreht. Den einen Film für die Ewigkeit. Sein Zweitwerk muss sich – aufgrund der ähnlichen Thematik – daran messen lassen und kann im direkten Vergleich nur verlieren.

„Ein Freund von mir“ ist ein sehr schöner Film für alle Freunde von durchdachter Kinoästhetik. Für Freunde stiller Geschichten. Für alle Freunde. Solltet ihr jedoch den Bruder im Geiste noch nicht kennen, dann seht euch zuerst „Absolute Giganten“ an. Dann habt ihr auch meine dickste Empfehlung für Sebastion Schippers zweite Ode an die Freundschaft: 8/10 Punkte.

United States of Tara – Season 1

Unter den Serienstarts der TV-Season 08/09 sind nicht viele Shows bei mir hängen geblieben. Showtimes „United States of Tara – Season 1“ hat es allerdings geschafft. Überzeugt hat mich letztendlich die interessante Grundidee, wenngleich ich auch den Einfluss der großen Namen hinter der Show nicht abstreiten möchte: Produziert wird die Serie von Steven Spielberg und geschrieben von Diablo Cody („Juno“).

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Die Prämisse von „United States of Tara“ ist vergleichsweise einfach: Tara leidet unter dissoziativer Identitätsstörung. Tara ist demzufolge nicht nur die sympathische Künstlerin und Mutter Tara, sondern eben auch der aufsässige Teenager T, die in den 50er Jahren verhaftet gebliebene Hausfrau Alice, der Vietnamveteran Buck sowie das animalische Wesen Gimme. Ein buntgewürfelter Haufen, mit dem sich Tara und ihre Famile Tag für Tag herumschlagen darf.

Neben Taras verständnisvollem Ehemann Max, müssen sich vor allem ihre beiden Kinder Kate und Marshall mit dieser speziellen Familiensituation arrangieren. Auch Taras Schwester Charmaine leidet darunter, wenngleich ihre Probleme eher künstlicher Natur sind. Man sieht, die „United States of Tara“ beeinflussen jeden Aspekt der Serie. Dennoch bekommt jede Figur genug Freiraum für ihre eigenen Geschichten und Erlebnisse, was besonders die interfamiliären Beziehungen interessant genug hält.

Da die Serie – wie auch „Californication“ oder „Dexter“ – auf Showtime läuft, sind die Macher nicht daran gebunden Schimpfwörter, nackte Tatsachen o.ä. zu umgehen bzw. zu umschreiben. Dies lässt die Show teils frech und frisch, teils aber auch etwas forciert erscheinen. Oft kommen mir die Charaktere dadurch zu karikaturenhaft vor, was besonders bei den beiden Kindern und ihrer Tante Charmaine auffällt. Einen Tick zu überzogen. Einen Tick zu gewollt.

„United States of Tara“ ist eine herrliche Serie mit toller Grundidee und einer fantastischen Toni Collette. Es zeigt sich zudem erneut, dass 12 Episoden wirklich ausreichen um eine Staffel zu füllen. Die Handlung bleibt dadurch kompakt und man spart sich langweilige Füllepisoden. Wirklich sehenswert, wenn auch nicht ohne Fehler: 8/10 Punkte.

The West Wing – Season 1

Nach einigen Einzelstaffeln habe ich mit Aaron Sorkins „The West Wing – Season 1“ einmal wieder einen regelrechten Serienmarathon begonnen. Sieben Staffeln gilt es zu sichten. Ein enormer Zeitaufwand. Doch wenn die kommenden Seasons auch nur halb so gut werden, wie es dieser Auftakt verspricht, dann freue ich mich jetzt schon auf jede einzelne Episode.

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Mein Interesse für „The West Wing“ begründet sich vor allem in Aaron Sorkins Nachfolgeserie „Studio 60 on the Sunset Strip“, welche mir – trotz Mängeln – wirklich ausgezeichnet gefiel. Zum Kauf der zurzeit wirklich unverschämt günstigen Komplettbox hat mich allerdings das beständige Lob auf sablog.de bewegt. Nach der Sichtung der ersten Staffel kann ich mich den Lobeshymnen nur anschließen, doch ich möchte nichts vorwegnehmen.

Nach den ersten paar Minuten des Piloten bleibt man vermutlich erst einmal sprachlos vor dem Bildschirm sitzen. Was hat sich hier gerade abgespielt? Wovon reden diese Personen und können sie nicht langsamer sprechen? Die Informationsflut der noch unbekannten Stimmen ist schier unglaublich. Von den politischen Fachbegriffen einmal ganz zu schweigen. Man muss anfangs wahrlich etwas Geduld mitbringen, um sich in den Jargon und Aaron Sorkins Schnellfeuerdialoge einzuhören. Hat man dies allerdings erst einmal geschafft, dann birgt beinahe jede Zeile einen scharfzüngigen Witz, den zu überhören eine Schande wäre. Es lohnt sich folglich stets am Ball zu bleiben.

Neben herausragenden Dialogen bietet „The West Wing“ auch ansprungsvolle Geschichten. In jeder Episode sieht man sich bzw. die handelnden Figuren mit einer Eigenheit des amerikanischen politischen Systems konfroniert. Sei es nun die Todesstrafe, ein neuer Gesetzesentwurf oder das Bildungssystem. Dabei wird nicht um den heißen Brei herumgeredet und man sieht deutlich, dass auch mit der wirklich sehr idealistischen Regierungspolitik von Präsident Bartlet durchaus Kompromisse eingegangen werden müssen. Das System ist nicht perfekt und wird auch nicht so dargestellt. Es sind auch eher die fiktiven Figuren, die dem Zuschauer den Glauben an ein funktionierendes politisches System zurückgeben. Doch auch dabei sollte man nicht vergessen, dass es sich eben nur um eine fiktive Regierung handelt.

Auch die audiovisuellen Aspekte der Serie geben keinen Grund zur Klage. Großes Kino in jeder Hinsicht. Hinzu kommen großartige Schauspieler, die ein perfektes Ensemble bilden. Hier jemanden gesondert herauszupicken wäre schwer. Selbst Martin Sheens Präsident Bartlet ist nur einer weitere Figur unter vielen. Zwar Dreh- und Angelpunkt, doch erst im Zusammenspiel mit seinem White House Staff läuft Sheen – und mit ihm Bartlet – zur Höchstform auf.

Mängel konnte ich keine feststellen und sollte es sie geben, so haben es nur allzu bekannte Kameraeinstellungen aus Washington, D.C. wieder mehr als wett gemacht. Für mich ist diese erste Staffel wahrlich schon perfekt. Kaum zu glauben, aber wahr. Wie soll sich diese Serie noch steigern? Ich bin wirklich hochgradig gespannt und das nicht nur aufgrund des  nervenaufreibenden Cliffhangers. Unzweifelhaft herausragende Unterhaltung: 10/10 Punkte.

TRON (1982)

Aktualisierung: Ich habe „TRON“ am 28. Juni 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Was war gestern Abend wohl der Auslöser dafür, dass ich plötzlich enorme Lust auf Steven Lisbergers „TRON“ hatte? Vielleicht das Poster in Chuck Bartwoskis Zimmer, vielleicht die immerwährende Faszination der Thematik ‚Mensch gegen Maschine‘ oder vielleicht auch einfach nur die Lust auf einen der wohl einflussreichsten Filme der letzten 30 Jahre.

TRON (1982) | © Walt Disney

TRON (1982) | © Walt Disney

Wenn man sich heute „TRON“ ansieht, muss man sich vor Augen führen, dass der Film bereits vor 27 Jahren gedreht wurde und was das für die Weiterentwicklung von CGI bedeutet. In den 60er/70er Jahren war das Science-Fiction Genre von Dystopien beherrscht. Ob nun „Planet der Affen“, „THX 1138“, „Soylent Green“ oder „Logan’s Run“ – all diese Filme zeigten eine düstere Welt, in der die Menschheit im großen Stil scheiterte. Erst 1977 nahm das Genre mit George Lucas‘ „Star Wars“ eine Wende hin zum reinen Unterhaltungsfilm, dessen herausragende Effekte einen Großteil seiner Faszination ausmachten. Steven Lisbergers Meilenstein steht ganz in dieser Tradition, wenngleich er auch nie den popkulturellen Stellenwert zugesprochen bekam, wie Lucas‘ Weltraummärchen.

Wenn sich die Jugend von heute „TRON“ ansieht, wird sie vermutlich über die absurden Kostüme und antiquierten CGI-Sequenzen lachen. Auch die Geschichte verlangt dem Zuschauer ein großes Vorstellungsvermögen ab. Computerprogramme dargestellt von Personen. Wie albern! Man muss den Film allerdings in seinem kontemporären Kontext sehen. Damals war das Internet noch eine Zukunftsvision. Große Zentralrechner beherrschten die Computerwelt und PC-Lösungen, wie wir sie heute kennen, konnten sich gerade einmal IT-Theoretiker vorstellen. Insofern darf man die Geschichte beinahe schon als prophetisch ansehen, ging die Entwicklung doch tatsächlich hin zu einer dezentralisierten Rechnerstrukur.

So absurd die neonfarbene Rechnerwelt heute auch wirken mag, sie ist doch eine Meisterleistung des Designs. Man hat hier einen perfekten Kompromiss aus möglicher Darstellungsqualität und gezielter Vereinfachung gefunden. Nicht umsonst stammen die Visualisierungskonzepte von zwei der genialsten Science-Fiction-Designer aller Zeiten: Jean ‚Moebius‘ Giraud (u.a. „Das fünfte Element“) und Syd Mead (u.a. „Blade Runner“). Die von ihnen aufgebaute Welt wirkt absolut stimmig und die Verbindung von CGI- und Realbildern weiß auch heute noch zu beeindrucken. Man hat hier aus der Not wahrlich eine Tugend gemacht. Für alle Technikfreunde da draußen gibt es wohl kaum einen faszinierenderen Film, als „TRON“.

Die einzigen Kritikpunkte, die ich finden kann liegen in der teils etwas sprunghaften Geschichte. Doch man sollte nicht vergessen, dass der Geist von „Star Wars“ zu diesem Zeitpunkt der Filmgeschichte allgegenwärtig war und die Studios demnach auf einen ähnlichen Effekt geschielt haben. Ich für meinen Teil kann darüber jedoch hinwegsehen und werde somit jedes Mal aufs Neue famos unterhalten. Wo bleibt eigentlich „TRON 2.0“?

Fazit

„TRON“ ist einer dieser Filme, die sich über die Zeit in mein Herz gespielt haben. Seit meiner intensiveren Beschäftigung mit CGI weiß ich heute zudem die unglaubliche Leistung zu schätzen, die alle an dem Film beteiligten gestemmt haben. Lisbergers Film mag nicht perfekt sein, doch er war damals einfach nur mutig. Mutig und seiner Zeit weit voraus. Ein Pflichtfilm für alle Nerds, Geeks und solche die es werden wollen: 10/10 Punkte.

Rules of Engagement – Season 1 & 2

Bei meiner immerwährenden Suche nach sehenswerten Sitcoms bin ich aktuell über „Rules of Engagement – Season 1 & 2“ gestolpert. Zwar hatte ich schon einiges über die Serie gehört bzw. gelesen, doch konnte ich mich bisher nicht zu einer Sichtung durchringen. Schade eigentlich, denn die Show ist durchaus vergnüglich.

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Inhaltlich lässt sich die Serie wohl am besten mit „‚Til Death“ vergleichen, welches die gleiche Prämisse nutzt, um Situationskomik zu erzeugen: Den Unterschied  zwischen einem jungverliebten und einem schon lange verheirateten Paar. Nicht sonderlich originell, aber eben doch immer noch irgendwie lustig. Ergänzt man diese Ausgangssituation um einen überzeugten Junggesellen, ergeben sich teils durchaus amüsante Verwicklungen. Man muss die Welt ja nicht immer neu erfinden.

Für mich funktioniert „Rules of Engagement“ hauptsächlich aufgrund der Besetzung: Patrick Warburton fand ich schon in „Seinfeld“ grandios und auch in dieser Show gibt er eigentlich nur eine etwas modernisierte Version von David Puddy. Warum auch nicht? Für diese Rolle ist er schließlich wie geschaffen. Ansonsten sind mir noch Megyn Price („Grounded for Life!“) und David Spade (diverse 90er Komödien, „8 Simple Rules“) ein Begriff. Auch an den Newcomern in der Runde ist nur wenig auszusetzen. Insgesamt also eine wirklich runde Sache.

Betrachtet man sich die Handlung bzw. die einzelnen Geschichten, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Hier wird einem nur wenig präsentiert, was in ähnlicher Form nicht schon einmal dagewesen wäre. Aber nun gut. War irgendwie auch zu erwarten. Trotz dieser Einschränkung funktioniert die charakterbezogene Situationskomik jedoch tadellos und der Unterhaltungswert der Serie wird dadurch kaum geschmälert. Der perfekte Kandidat also für den kleinen Sitcom-Hunger zwischendurch: 7/10 Punkte.

Battlestar Galactica – Season 4

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Abschied von der Menschheit. Abschied von der Galactica. Abschied von den Zylonen. Die finale Episode von „Battlestar Galactica – Season 4“ hatte es wirklich in sich. Demzufolge wird sich der folgende Text auch hauptsächlich mit dem Serienfinale beschäftigen. Spoiler sind zu erwarten.

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Nachdem ich die dritte Staffel zwar nicht schlecht, aber dennoch als deutlichen Rückschritt empfand, konnte mich der Beginn der vierten Staffel wieder mehr begeistern. Leider hielt dieses Hochgefühl nicht sehr lange an und schon bald hat mich der hohe Seifenoperanteil dieser an sich epischen Saga genervt. Besonders gegen Ende dachte ich stets, dass da doch noch etwas kommen müsse. Etwas Besonderes. Etwas Episches. Etwas Herausragendes. Die letzte Episode hat dieses Versprechen – wenn auch nicht frei von Fehlern – glücklicherweise eingelöst.

Die Rückblenden zum Beginn der Reise sind zwar nicht sonderlich originell, schaffen aber eine emotionale Basis, um noch einmal so richtig mitfiebern zu können. Neben den charakterbezogenen Momenten kommt jedoch auch die Action nicht zu kurz und es darf einmal wieder festgehalten werden, dass das VFX-Team hinter „Battlestar Galactica“ wirklich großartige Arbeit leistet. Dreckig, roh und mittendrin. So und nicht anders haben Weltraumschlachten auszusehen. Perfekt!

Erstaunlicherweise ist es den Autoren gelungen nahezu alle unbeantworteten Fragen in den letzten 90 Minuten aufzulösen. Das hätte ich – besonders nach den vorhergehenden Episoden – nicht für möglich gehalten. Für meinen Geschmack sind die Erklärungen zwar alle etwas pseudoreligiös bzw. esoterisch angehaucht, doch wenn man darüber hinwegsieht, bieten die letzten Minuten emotionales Drama vom Feinsten. Schon alleine der Abschied von Admiral Adama ganz großes Kino. Wunderbar gespielt und inszeniert. Das körperlose Duo Baltar/Caprica dagegen… nun gut, gehört eben auch irgendwie zu der Serie. Insgesamt auf jeden Fall ein mehr als nur gelungenes Serienfinale!

Das Staffel-Ranking fällt mir nun – da so viel Zeit seit den vorhergehenden Sichtungen vergangen ist – etwas schwer. Ich möchte es aber dennoch versuchen. Hier unter Vorbehalt die Rangfolge aller bisherigen Inhalte der Saga:

1. „Battlestar Galactica – Season 2“
2. „Battlestar Galactica – Season 4“ & „Battlestar Galactica: Razor“
3. „Battlestar Galactica – Season 1“ & „Battlestar Galactica: Miniseries“
4. „Battlestar Galactica – Season 3“

Insgesamt gesehen gab es leider zu viele schwache Folgen in der dritten und vierten Staffel, als dass die Serie bei mir den Sci-Fi-Serienolymp erklimmen könnte. Dennoch führt für Genrefreunde absolut kein Weg an „Battlestar Galactica“ vorbei. Stilprägendes („Frak!“), großes Serienkino: 8/10 Punkte. Glücklicherweise kann man sich nun noch auf „Battlestar Galactica: The Plan“ und das Spin-off „Caprica“ freuen.

Nie wieder Sex mit der Ex – OT: Forgetting Sarah Marshall

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame, gab es gestern einmal wieder eine Komödie. Doch nicht irgendeine, denn „Nie wieder Sex mit der Ex“ (so der unglaublich kreative deutsche Titel von „Forgetting Sarah Marshall“) stand schon länger auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme. Somit stand einem unterhaltsamen Filmabend nichts mehr im Wege.

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Der Hauptgrund mir den Film anzusehen war eindeutig das Mitwirken von Jason Segel, der bereits in der grandiosen Sitcom „How I Met Your Mother“ eine meiner Lieblingsrollen spielt. Hier verkörpert er nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte auch die Idee und das Drehbuch. Vom Dracula-Musical „A Taste for Love“ einmal ganz zu schweigen. Ergänzt wird der Cast um Kristen Bell („Veronica Mars“ herself), welche die titelgebende Sarah Marshall verkörpert. Erwähnensert ist zudem Jack McBrayer (Kenneth Parcell, „30 Rock“) als verklemmter Ehemann, welcher Nachhilfeunterricht in Sachen Sex bekommt. Ansonsten gibt es unzählige Schauspieler aus Judd Apatows Filmuniversum zu bewundern, welche nahezu jede Szene auflockern. Habe ich nun die hinreißende Mila Kunis  (Jackie, „That ’70s Show“) vergessen? Ebenfalls eine echte Bereicherung des Ensembles.

Wie man sieht lebt der Film stark von seinen Schauspielern. Zudem ist „Forgetting Sarah Marshall“ nicht der Film, den man erwarten würde. Im Vergleich zu „Beim ersten Mal“ (mein letzter Film aus der Apatow-Schmiede) gibt sich der Humor des Films deutlich zurückgenommener und – zumindest etwas – subtiler. Oftmals blitzt sogar echtes Drama durch und man leidet wahrlich mit Segels Charakter, der offensichtlich durch die Hölle geht. Das lässt den Film echt und sympathisch erscheinen und man gönnt seinen Figuren das wohlverdiente – und mehr als fulminante – Happy End.

Frei von Kritik ist der Film natürlich nicht. So ist die Geschichte äußerst durchschaubar und es gibt keine größeren Überraschungen im Handlungsablauf. Sieht man einmal von den diversen Nacktszenen Segels ab. Ob da mehr Feinschliff nötig gewesen wäre? Ich weiß es nicht, denn auch in seiner Aneinanderreihung von unterhaltsamen Einzelszenen kann der Film auf ganzer Linie überzeugen.

„Forgetting Sarah Marshall“ ist wohl die beste Komödie, die ich seit langem gesehen habe. Allein schon aufgrund der herrlichen Parodien auf Crime-TV-Shows und egozentrische Popstars. Einen Bonuspunkt bekommt ganz klar das Dracula-Musical. Für leichte Unterhaltung eine absolut Runde Sache: 8/10 Punkte.

Terminator 3: Rebellion der Maschinen – OT: Terminator 3: Rise of the Machines (2003)

Sturmfrei. Ausgelaugt von der Arbeit. Zeit für einen anspruchslosen Actionfilm, bei dem man das Gehirn getrost auf Sparflamme laufen lassen kann. Zeit für „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ und den damit bislang jüngsten Teil dieser Filmreihe.

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Viel zu sagen gibt es zu Jonathan Mostows („Breakdown“) Werk leider nicht. Eine typische, nachgeschobene Fortsetzung, die sich nicht so recht in das Franchise eingliedern will. Doch wie könnte sie auch? James Camerons Vorgänger wiegen einfach zu stark. Mit „Der Terminator“ hatte er ein düsteres Low-Budget-Meisterwerk mit epischer Tiefe geschaffen und es mit „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ selbst nach allen Regeln der Kunst ins Mainstream-Kino transferiert. Dabei wurde jedes Überraschungsmoment genutzt, das die Geschichte hergibt. Nicht nur höher, schneller und weiter. Eine konsequente und absolut stimmige Fortsetzung.

Was bleibt also noch für den zweiten Aufguss nach über 10 Jahren? Leider nur noch höher, schneller und weiter. Die Actionszenen sind wirklich beeindruckend. Zwar nicht sonderlich inspiriert, doch immerhin kracht es an allen Ecken und Enden. Wenn die beiden Terminatoren aufeinander treffen bleibt wahrlich kein Auge trocken. Unterhaltsam ist der Film ohne jeden Zweifel. Es gibt auch einige nette selbstironische Momente von Herrn Schwarzenegger zu bewundern. Weder er, noch sein Terminator sind eben die jüngsten Modelle. Auch Kristanna Loken hat als Terminatrix so ihren Charme, wenngleich sie einer Summer Glau („Terminator: The Sarah Connor Chronicles“) nicht auch nur annähernd das Wasser reichen kann.

Die Geschichte selbst ist leider eher mau und kann erst gegen Ende Punkte gut machen. Vermutlich liegt das größtenteils an der absolut schwachen Figurenzeichnung. Auch wenn ich Nick Stahl seit der grandiosen TV-Serie „Carnivàle“ sehr gerne sehe, so bleibt er als John Connor doch eher blass. Da hat Claire Danes eine weitaus größere Leinwandpräsenz, wenngleich ihre Rolle großartige Leistungen verhindert. Somit kann keine wirkliche Bindung zu den Figuren entstehen, wodurch der Film seltsam distanziert wirkt.

Das alles liest sich nun viel schlechter, als ich den Film eigentlich aufgenommen habe. Vermutlich bin ich immer noch enttäuscht. Doch wie gesagt: Nach diesen Vorgängern war die Erwartungshaltung natürlich enorm. Somit ist „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ kein schlechter Film. Nur eben auch kein sonderlich guter. Für Freunde der Reihe immerhin überdurchschnittlich gute Unterhaltung: 6/10 Punkte.

Bones – Season 1

Beinahe zwei Monate ist es her, seit ich die letzte Staffel einer TV-Serie beendet habe. Doch nun ist es wieder soweit und die letzten Sekunden von „Bones – Season 1“ sind über den Bildschirm geflimmert. Eigentlich kann ich mit sogenannten crime procedurals à la „CSI“ eher recht wenig anfangen, doch diese Serie überzeugt mit spritzigem Humor und toll geschriebenen Figuren.

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Vermutlich wäre ich auch nie auf die Serie gestoßen, würde nicht David Boreanaz (Angel, „Buffy: The Vampire Slayer“ & „Angel“) die männliche Hauptrolle spielen. Tatsächlich macht das Zusammenspiel zwischen ihm und Emily Deschanel, welche die titelgebende Figur Dr. Temperance ‚Bones‘ Brennan verkörpert, einen Großteil des Charmes der Serie aus. Hier gibt es einige Dialogperlen zu belauschen, welche die oft doch recht ähnlichen Einzelfälle stets äußerst unterhaltsam erscheinen lassen. Auch die weiteren Figuren – hauptsächlich Brennans wissenschaftliche Mitarbeiter – sind kauzige Nerds (hier Squints genannt), die immer wieder für Erheiterung sorgen.

Neben all dem herrlichen Humor fällt zudem die relativ genaue Figurenzeichnung auf. Jede Figur besitzt einen Hintergrund, der mit laufender Episodenzahl immer mehr in den Vordergrund rückt. Von einem umfassenden Handlungsbogen zu sprechen wäre – sieht man einmal vom Staffelfinale ab – vielleicht etwas weit gegriffen, doch die Charakterentwicklung ist ganz klar einer der Grundbestandteile der Serie. Hinzu kommt, dass es alle paar Episoden doch wieder einen recht außergewöhnlichen Fall zu lösen gilt, welcher die Figuren in ein gänzlich anderes Umfeld wirft – und teils auch in einem komplett neuen Licht erscheinen lässt.

Ich bin wirklich erstaunt, wie gut mir diese erste Staffel von „Bones“ gefallen hat. Wahrlich exzellent inverstierte zehn Euro – was für ein Schnäppchen! Da sieht man einmal wieder, wie sehr gut geschriebene Charaktere zum Erfolg einer Serie beitragen. Der Humor gibt den üblichen Kriminalfälle zudem die nötige Würze, was ich zu großen Teilen der Chemie zwischen Deschanel und Boreanaz zuschreiben möchte.

„Bones“ ist genau die richtige Serie um abends einfach einmal abzuschalten. Das Setting in Washington, D.C. bringt zudem so manche Erinnerung zurück. Eine unerwartet positive Serienüberraschung: 8/10 Punkte.

Der Nebel – OT: The Mist (2007)

Bei einem spontanen DVD-Abend haben wir uns gestern Abend Frank Darabonts „Der Nebel“ angesehen. Leider stand ich mit meinem Vorschlag die Schwarzweiß-Fassung (also den Director’s Choice) anzusehen ziemlich alleine da. Doch auch in der farbigen Kinoversion sollte die Sichtung zu einem eindringlichen Erlebnis werden. Spoiler sind zu erwarten.

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Bereits die ersten Einstellungen zeugen von einer dichten Atmosphäre. So dicht, wie der titelgebende Nebel. Dabei beginnt der Film recht unspektakulär mit einer Situation, die jeder von uns kennt: Einkaufen im Supermarkt. Die vermeintliche Normalität wird abrupt unterbrochen, als ein verletzter Mann in den Laden stolpert und von einer tödlichen Gefahr im heraufziehenden Nebel berichtet. Niemand glaubt dem scheinbar halluzinierenden Mann. Kurze Zeit später hat der dichte Nebel den Supermarkt verschlungen – und damit beginnt die Fassade der Normalität zu bröckeln.

Auch wenn in dieser Stephen King-Verfilmung tatsächliche Monster im Nebel lauern, so stehen doch die inneren Dämonen jederzeit im Vordergrund. Wie jede gute Horrorgeschichte handelt der Film weniger von dem offensichtlichen Grauen, sondern wie die betroffenen Charaktere damit umgehen. Gruppendynamik ist hier das Stichwort. Sicherlich wird dieser Aspekt der Geschichte nicht gerade subtil angegangen, doch selbst die plakative Darstellung des Konfliktpotentials lässt einem als Betrachter öfter einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Neben Darabonts ausführlicher Charakterzeichnung und intensiver Inszenierung, ist vor allem das drastische Ende herauszuheben. Nicht das, was man in einem Hollywoodfilm erwarten würde. Auch wenn ich es in letzter Konsequenz nicht hundertprozentig gelungen finde, so lässt es einen doch erst einmal sprachlos zurück. Absolut kein glückliches Ende. Was ich insgesamt besser gefunden hätte? Weniger Erklärung in Bezug auf die Ursache des Nebels. Das hat meiner Meinung nach viel von der Mysterie genommen.

Mich hat Darabonts Verfilmung von „Der Nebel“ absolut positiv überrascht. Nicht der übliche Horrorfilm. In der Schwarzweiß-Fassung zudem bestimmt noch einmal eine ganze Ecke intensiver und ich freue mich jetzt bereits auf die Wiederholungssichtung. Man sollte sich nicht von den unzähligen schlechten Kritiken abschrecken lassen: 8/10 Punkte.