Wie lange hatte ich auf Sebastian Schippers zweiten Film gewartet. Dann kam er endlich ins Kino und ich konnte ihn mir aus irgendeinem Grund nicht ansehen. Selbst die DVD hatte sich eine halbe Ewigkeit gegen den Kauf gesträubt. Doch gestern war es soweit und ich habe „Ein Freund von mir“ gesehen. Endlich. Die vorausgegangenen Verzögerungen waren glücklicherweise kein schlechtes Omen, wenngleich die Erwartungen auch nicht vollständig erfüllt werden konnten.

Zunächst einmal springt einem der formale Aspekt ins Auge. Die Bilder wurden – besonders am Anfang des Films – größtenteils mit offener Blende gedreht, was sie fremdartig und fast schon artifiziell wirken lässt. Die Bildsprache findet ihre Entsprechung auch in der Handlung: Zu Beginn sind Karl (Daniel Brühl) und Hans (Jürgen Vogel) noch Fremde, die sich zufällig begegnen. Auch wenn beide im Bild sind, der Fokus richtet sich stets nur auf eine Person. Erst mit der Entwicklung ihrer Freundschaft richtet sich der Fokus auf beide Charaktere. Allein dieser subtile formale Aspekt beschreibt den Film schon recht gut. Für viele langweilig, für mich großes Kino.
Das größte Problem, mit dem „Ein Freund von mir“ in meinen Augen zu kämpfen hat, ist seine Thematik. Man kommt nicht umhin zu denken, dass Sebastian Schipper hiermit den ultimativen Film über Männerfreundschaften drehen wollte. Nicht den klassischen Buddy-Movie, sondern eine poetische Ode an die Freundschaft. Scheitert der Film? Mitnichten. Kann er seinem Anspruch jedoch gerecht werden? Nein, kann er nicht. Der Grund dafür ist simpel: Sebastian Schipper hatte bereits 1999 mit „Absolute Giganten“ den Film über Freundschaft gedreht. Den einen Film für die Ewigkeit. Sein Zweitwerk muss sich – aufgrund der ähnlichen Thematik – daran messen lassen und kann im direkten Vergleich nur verlieren.
„Ein Freund von mir“ ist ein sehr schöner Film für alle Freunde von durchdachter Kinoästhetik. Für Freunde stiller Geschichten. Für alle Freunde. Solltet ihr jedoch den Bruder im Geiste noch nicht kennen, dann seht euch zuerst „Absolute Giganten“ an. Dann habt ihr auch meine dickste Empfehlung für Sebastion Schippers zweite Ode an die Freundschaft: 8/10 Punkte.








