Hangover – OT: The Hangover

Nach einer 60 Stunden Arbeitswoche hatte ich gestern Abend Abwechslung dringend nötig. Der spontane Kinobesuch von „Hangover“ war letztendlich genau die richtige Entscheidung. Der perfekte Film, um dem grauen Alltag für gut 90 Minuten zu entfliehen.

hangover

Aufgrund teils überschwänglicher Kritiken waren meine Erwartungen durchaus hoch, wenngleich ich vor der Sichtung auch nicht wirklich viel über den Film wusste. Insofern konnte ich relativ vorurteilsfrei nach Las Vegas starten und kann mit gutem Gewissen behaupten, dass es ein absolut lohnenswerter Trip war. So viel Spaß hatte ich schon lang nicht mehr im Kino. Endlich einmal wieder eine Komödie, bei der ich richtig lachen konnte.

Die Prämisse des Films ist zwar nicht sonderlich innovativ, man hat sie aber in diesem Genre noch nicht allzu oft gesehen. Der Gedächtnisverlust unserer Helden führt zu so mancher Überraschung, was oft zu genreüberschreitenden Verwicklungen führt. Hier gewinnt der Film stets an neuer Fahrt und lässt einen als Zuschauer wirklich mitfiebern. Auch nicht unbedingt Standard bei einer Komödie. Mich hat diese Erzählform etwas an die chronologisch oft verzwickten Geschichten aus der Sitcom „How I Met Your Mother“ erinnert.

Auch die wirklich perfekt besetzten Schauspieler tragen ihren großen Teil zum Erfolg des Films bei. Herausragend war besonders Zach Galifianakis. Selten habe ich eine so verpeilte Interpretation eines Charakters gesehen. Den Namen sollte man sich merken. Ansonsten war es mir eine Freude Bradley Cooper (Will Tippin, „ALIAS“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) einmal wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Ein Ensemble mit toller komödiantischer Energie.

Todd Phillips‘ Film ist perfekt um einmal einen Abend abzuschalten. Um einfach eine gute Zeit zu haben. Anspruchslos, manchmal fast etwas blöd, doch immer unglaublich witzig. Ein Film um einmal wieder laut im Kino zu lachen zu können. Allein das rechne ich „Hangover“ hoch an. Nicht ernst nehmen und Spaß dabei haben: 8/10 Punkte.

24 – Season 7

Wenn Serien sieben Jahre laufen, dann ist das eine lange Zeit. Nur die wenigsten schaffen das ohne Abnutzungserscheinungen. Im aktuellen Fall von „24 – Season 7“ machen sich diese leider in besonderem Maße bemerkbar. Aus der ehemaligen Premiumserie wird ein billiges Sequel. Schade drum.

24_s7_3

Hat sich der Niedergang von „24“ bereits in der vierten und sechsten Staffel abgezeichnet, so wurde im siebten Jahr der neue Tiefpunkt erreicht. Habe ich während der ersten drei Staffeln noch stets jeder neuen Folge entgegengefiebert, so musste ich mich aktuell teils durch die Episoden quälen. Wirklich schade, zumal ich nach dem der Staffel vorgeschalteten TV-Film „24: Redemption“ wirklich große Hoffnungen auf eine Besserung hegte.

Die Verlagerung der Handlung nach Washington, D.C. bringt die Geschichte keinen Millimeter voran. Statt seltsamer Verschwörungen innerhalb der CTU gibt es diese nun eben innerhalb des FBI. Hinzu kommt eine solch inkompetente Darstellung der Regierung, dass man sich wirklich nur an den Kopf fassen kann. Sicherlich bin ich hier durch die grandiose Serie „The West Wing“ voreingenommen, doch was die Autoren hier abfeuern kann man sich wirklich nicht ohne geistiges K.O. anschauen.

Sauer aufgestoßen ist mir dieses Mal zudem die politische Ausrichtung der Serie. Dass in „24“ die Republikaner die Hosen anhaben, ist mir schon früher aufgefallen und geht – besonders in Bezug auf die terrorgetränkte Handlung – auch völlig in Ordnung. Die rechtsgerichteten Tendenzen der Serie haben sich in diesem Jahr jedoch wirklich extrem in den Vordergrund gespielt. Folter, Mord und Totschlag sind die einzigen funktionierenden Mittel. Jeglicher diplomatische Ansatz versagt komplett und liberal denkende Charaktere werden einzig und allein als Alibi benutzt.

Sieht man einmal von den politischen Tendenzen ab, bleibt ein leidlich unterhaltsames Actionspektakel, welches seiner Hauptfigur viel zu wenig Spielraum gibt. Jack Bauer bleibt immer öfter auf der Strecke und damit verliert die Serie langsam aber sicher ihr einziges Zugpferd. Wirklich erschreckend, wie sich diese einstige Vorzeigeserie entwickelt hat. Nun ist sie dort angekommen, wo man wirklich nicht landen möchte: Im absoluten Mittelmaß. Selbst für Jack Bauer-Fans enttäuschend: 5/10 Punkte.

Brügge sehen… und sterben? – OT: In Bruges (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Brügge sehen… und sterben?“ am 27. August 2023 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ist es nicht ein tolles Gefühl, wenn einen Filme noch so richtig überraschen können? Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ gehört zu diesen seltenen Vertretern seiner Art. Zwar hatte ich schon viel Gutes über den Film gehört, doch wirklich Lust hatte ich nie auf ihn. Ein weiterer hipper Gangsterfilm. Wer braucht denn sowas?

Brügge sehen... und sterben? (2008) | © LEONINE

Brügge sehen… und sterben? (2008) | © LEONINE

Niemand. Ganz genau. Deshalb ist „In Bruges“, so der Originaltitel, auch alles andere als ein postmoderner Vertreter seines Genres. Zu sagen er wäre langsam erzählt, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Er ist gemütlich. Surreal. Äußerst brutal und emotional. Man lernt hier echte Charaktere kennen. Treibt mit ihnen durch die Nacht und erkundet mit ihnen einen magischen Ort namens Brügge, welcher in messerscharfen Dialogen genauestens seziert wird.

Die Geschichte um ein ungleiches Gangsterpärchen ist so dermaßen unspektakulär, dass man sich nur in den jeweiligen Moment fallen lassen kann. Dort warten komplexe Figuren mit echten Problemen, tiefschwarzer Humor und höchst absurde Situationen. Man kann wirklich nur schwer beschreiben, was die Faszination dieses Films ausmacht. Vermutlich die magische Atmosphäre Brügges. Wer einen auf cool getrimmten Gangsterfilm à la Guy Ritchie erwartet – als welchen uns das Marketing den Film verkaufen will – wird vermutlich maßlos enttäuscht sein. Alle anderen dürfen sich auf eine unkonventionelle Genreperle freuen.

Fazit

Getragen wird der Film von den hervorragenden schauspielerischen Leistungen Brendan Gleesons und Colin Farrels. Äußerst nuanciert und erstaunlich tiefgehend für solch einen kleinen… ja, was eigentlich? Gangsterfilm? Surreales Drama? Existentiellen Thriller? Schwarze Komödie? Wohl von allem ein wenig. Für mich wohl der Gangsterfilm der vergangenen fünf Jahre. Nicht nur für Genrefreunde empfehlenswert: 9/10 Punkte.

X-Men: Der letzte Widerstand – OT: X-Men: The Last Stand (2006)

Mit Brett Ratners „X-Men: Der letzte Widerstand“ habe ich gestern Abend zum ersten Mal dem Finale der erfolgreichen Superheldentrilogie beigewohnt. Die Erwartungen waren aufgrund mäßiger Kritiken eher gemischter Natur, wodurch ich letztendlich ein durchaus positives Filmerlebnis zu verzeichnen hatte.

x-men_3_1

Die Prämisse des Films ist gut gewählt. Der heilende Mutant sowie Phoenix besitzen enormes Potential, um der Geschichte einen epischen Abschluss zu verleihen. Potentielle zwischenmenschliche bzw. -mutantische Konflikte sorgen zudem für den nötigen emotionalen Anker. Hinzu kommen dutzende von neuen Mutanten, die für optische Highlights sowie neue Bedrohungen bzw. Erlösungen sorgen. Folglich alles was ein fulminantes Finale benötigt.

Leider fehlt Brett Ratner das inszenatorische Feingefühl eines Bryan Singer. Lebten „X-Men“ und vor allem „X-Men 2“ hauptsächlich von den ausführlichen Charakterszenen, gehen diese dem bislang letzten Teil beinahe völlig ab. Hier folgt eine Actionszene auf die nächste. Neue Mutanten werden im Fließbandverfahren eingeführt ohne dass sich diese dem Zuschauer als Charaktere offenbaren. Hinzu kommt eine zu sprunghafte Handlung, was den Film leider sehr gehetzt erscheinen lässt.

Insgesamt ist „X-Men 3“ ein durchaus gelungener Abschluss der Reihe, wenngleich er auch nicht an die Qualität der Vorgänger anschließen kann. Schneller, weiter, höher ist im Kino eben nicht immer eine Erfolgsformel. Auch wenn ich mir sicher bin, dass Singer mehr aus der Geschichte hätte herausholen können, so wurde ich dennoch gut unterhalten. Wenn ich den reinen Unterhaltungswert entsprechend wichte, dann gibt es von mir knappe 7/10 Punkte.

Hellraiser: Das Tor zur Hölle – OT: Hellraiser (1987)

Als ich während meiner persönlichen Hochphase des Horrorfilms das erste Mal von Clive Barkers „Hellraiser: Das Tor zur Hölle“ hörte, war ich sofort fasziniert von der Geschichte. Es sollte jedoch noch einige Jahre dauern, bis ich in den Genuss dieses ersten Teils der bekannten Filmreihe kam.

hellraiser

Eine Kursfahrt nach London eröffnete mir damals – noch weit vor Zeiten von DVD oder eCommerce – den Zugriff auf mir bis dato unerreichbare Filmperlen. Neben „Braindead“ fand u.a. auch die „Hellraiser“-Trilogie ihren Weg ins ferne Deutschland. Somit eröffnete sich mir ein neues Kapitel meiner persönlichen Filmgeschichte. Auch heute noch muss ich zugeben, dass die ersten Teile der „Hellraiser“-Reihe zu den wenigen Genrefilmen gehören, die ein ungutes Gefühl bei mir hervorrufen. Zu meinen unsterblichen Favoriten haben sie jedoch – oder gerade deshalb – nie gehört.

Bei der heutigen Sichtung auf DVD gab es – neben der vielfach besseren Bild- und Tonqualität – nur wenig neue Erkenntnisse. Clive Barkers filmgewordener Albtraum erzählt immer noch eine Geschichte über menschliche Schwächen. Sexuelle Hörigkeit, Egoismus und unreflektiertes Verlangen sind nur einige der Themen, mit denen Barkers Antihelden umzugehen haben. Ein etwas grobschlächtiges und nur allzu menschliches Drama trifft auf dystopische Düsternis: Die Charaktere betreten die Unterwelt der Cenobiten.

Clive Barker („Abarat“) hält sich bei der Verfilmung seiner eigenen Vorlage nicht mit halben Sachen auf. Die grafische Gewalt ist stets präsent und weiß auch heute noch zu schockieren. Besonders da sie aus den menschlichen Schwächen entwächst. Teils mag der phantastische Ansatz nicht so ganz mit dem Familiendrama harmonieren, doch gerade das Zusammenkommen dieser an sich fremden Elemente macht einen Großteil der von dem Film ausgehenden Faszination aus.

Für Horrorfreunde ist „Hellraiser“ auch heute noch Pflichtprogramm. Ein wichtiges Werk, das Grenzen überschreitet, ohne jedoch – wie leider heute oft zu sehen – rein auf der Gewaltwelle zu reiten. Horror mit Köpfchen, der weit über das hinaus geht, was sich auf der Leinwand abspielt. Nicht mein liebster Genrefilm, aber ohne Zweifel einer der Wichtigsten: 8/10 Punkte.

The West Wing – Season 4

Den gestrigen Abend habe ich dazu genutzt endlich die letzten Episoden von „The West Wing – Season 4“ zu sehen. Danach hätte ich am liebsten sofort mit der fünften Staffel weitergemacht, doch manche Serien sind wie ein guter Wein. Man sollte sie mit Verstand genießen.

west_wing_s4

Wie gewohnt schließt die Handlung ziemlich nahtlos an die des dritten Jahres an. Es gilt alte Geschehnisse aufzuarbeiten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Besonders Sam Seaborne (Rob Lowe) beschreitet in dieser Staffel neue Wege, welche ihn aus den Hallen des Weißen Hauses nach Kalifornien führen, wo er die neue Leitfigur der dort ansässigen Demokraten wird. Es ist immer schwierig, wenn ein Charakter eine Serie verlässt. Selten wurde es jedoch so elegant gelöst, wie in diesem Fall. Will Baily ist zudem ein angemessener Ersatz und ich bin mir zudem sicher Sam Seaborne nicht das letzte Mal im West Wing gesehen zu haben.

Ein weiterer personeller Zuwachs ist mit Joe Quincy zu verzeichnen, der von Matthew Perry („Friends“) gespielt wird. Eine für ihn ungewöhnliche Rolle, die ihm den Weg in Aaron Sorkins Nachfolgeprojekt „Studio 60 on the Sunset Strip“ geebnet haben dürfte. Weitere Nebenrollen werden u.a. von Christian Slater und John Goodman übernommen. Es ist wahrlich immer wieder erstaunlich, wie wandlungsfähig sich manche Darsteller unter Aaron Sorkins Anleitung zeigen.

In den letzten Episoden gewinnt die Handlung deutlich an Fahrt und man bekommt beinahe schon ungewohnt actionreiche Szenen zu sehen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel nervenzerrende Spannung hier aufkommt. Besonders da ich aktuell den Vergleich zur ebenfalls im politischen Milieu der amerikanischen Hauptstadt spielenden siebten Staffel von „24“ habe. Hier von dazwischen liegenden Welten zu reden wäre eine maßlose Untertreibung.

Für mich festigt „The West Wing“ auch im vierten Jahr ihren Stellenwert als Ausnahmeserie. Absolut perfekte Unterhaltung. Ohne Zweifel herausragendes Fernsehdrama: 10/10 Punkte.

Better Off Ted – Season 1

Von den aktuellen Comedyserien sticht „Better Off Ted – Season 1“ positiv heraus. Zwar ist die Prämisse dieser klassisch mit einer Kamera aufgenommenen Show nicht wirklich bahnbrechend neu, doch gab es selten solch einen absurden Einblick in die Welt der Großkonzerne.

better_off_ted_s1

Die titelgebende Figur Ted ist Projektleiter in der Forschungsabteilung des Großkonzerns Veridian Dynamics. Das bedeutet er hat Projekte wie waffenfähige Melonen, künstlich gezüchtete Fleischklumpen usw. unter seinen Fittichen. Auch wenn es sich nicht so anhört, hat Veridian Dynamics – wie jeder multinationale Großkonzern – natürlich nur das Wohl der Menschheit im Fokus. Keine Frage.

Teds direkte Vorgesetzte ist Veronica (grandios gespielt von Portia de Rossi), welche wohl der Inbegriff der knallharten Geschäftsfrau ist. Phil und Lem dagegen sind die realtitätsfremden Köpfe des Forschungslabors, deren Beziehung jedoch eher an die eines alten Ehepaars erinnert. Vervollständigt wird das Quintett durch Linda (Andrea Anders, „Joey“), die – mal mehr, mal weniger – als Teds Love Interest herhalten darf und dabei meist nicht nur Veronica auf die Füße tritt.

Der Humor der Serie lässt sich wohl am ehesten als eine Mischung aus „The Office“ und „Arrested Development“ vergleichen, wenngleich er meiner Meinung nach jedoch nicht an den der genannten Serien heranreicht. So amüsant die neu entwickelten Produkte sowie die sich daraus ergebenden Verwicklungen auch stets sind, so fehlt es den Charakteren meiner Meinung nach etwas an sympathiefördernder Eigenständigkeit. Sie sind oft leider zu sehr als Karikaturen angelegt, als dass man sie als echte Menschen wahrnehmen könnte.

Auch wenn „Better Off Ted“ für mich noch nicht an vorderster Comedyfront mitmischt, so macht die Serie doch unglaublich viel Spaß. Mit etwas mehr Feingefühl bei der Figurenzeichnung könnte noch etwas ganz Großes daraus werden. Erfrischender Comedyspaß mit viel Potential: 8/10 Punkte.

X-Men 2 – OT: X2 (2003)

Als Auftakt zu meinem spontanen Kurzurlaub habe ich mir gestern Abend Bryan Singers Comicverfilmung „X-Men 2“ angesehen. Die letzte Sichtung hatte ich dabei noch sehr gut im Gedächtnis, was auch gut so war, denn mit meiner Konzentration war es gestern wirklich nicht mehr weit her.

x-men2

Bei der damaligen Sichtung war ich schwer begeistert von dem Sequel. Mehr Action, mehr Charakterszenen und eine mitreißende Geschichte. Auch gestern hatte ich viel Spaß mit dem Film, wenngleich der gefühlte Vorsprung zum Vorgänger doch deutlich geschrumpft ist. Famos fand ich erneut den Angriff auf den Präsidenten, den Kampf in Xaviars Schule für Hochbegabte sowie das Finale im unterirdischen Labor. Wirklich packend inszeniert.

Nicht so gut gefallen haben mir dieses Mal dagegen die übertriebenen Tornadoszenen im Jet sowie die Selbstaufopferung von Jean Grey, welche jedoch – wenn man den Endmonolog bedenkt – durchaus noch Sinn erlangen könnte. Wirkliche Schwachpunkte gab es allerdings nicht. Zudem hinterlassen die neu eingeführten Figuren – allen voran Nightcrawler – einen zu guten Eindruck, um sich von schwächeren Szenen in den Hintergrund drängen zu lassen.

Mit „X-Men 2“ schuf Bryan Singer ein dem Vorgänger absolut ebenbürtiges Sequel, das die Vorfreude auf den leider nicht mehr von ihm inszenierten dritten Teil schürt. Lauter und charakterstarker Comicspaß: 8/10 Punkte.

Mensch ohne Hund (Håkan Nesser)

mensch_ohne_hund

Nachdem ich für meinen letzten Roman eine halbe Ewigkeit gebraucht habe, konnte ich mich mit Håkan Nessers „Mensch ohne Hund“ endlich einmal wieder so richtig in eine Geschichte fallen lassen. Ein wunderbares Gefühl. Besonders in Zeiten des dringend nötigen Eskapismus.

Wie schon in dem bereits von mir gelesenen – und sofort ins Herz geschlossenen – Nachfolger „Eine ganz andere Geschichte“ fällt besonders der ungewöhnliche Aufbau dieses Kriminalromans auf. Bis die Hauptfigur Inspektor Gunnar Barbarotti die Bühne betritt dauert es knapp 200 Seiten. Davor bekommt der Leser ein äußerst schwarzhumoriges Familiendrama präsentiert, welches sich durch die gesamte Geschichte zieht und in deren Verlauf immer dürsterer wird.

Von der Geschichte her gesehen, lässt sich der Roman kaum mit seinem Nachfolger vergleichen. Natürlich behandelt er – oberflächlich betrachtet – auch einen Kriminalfall, doch wurde für den Aufbau ein komplett anderer Ansatz gewählt. Die Handlung wirkt dadurch etwas behäbiger und Inspektor Barbarotti verkommt fast zur Nebenfigur. Die Spannung zieht der Roman aus der komplexen Familienkonstellation. Selten habe ich solch einen zynischen Blick auf eine anscheinend heile Welt gesehen. Beinahe schon grausam in seiner Detaildichte.

Wie bereits beim Nachfolger war ich äußerst angetan von der ausgefeilten Sprache Nessers. Das Lesen macht richtig Spaß und man kann sich über diverse Wortspiele und einfallsreiche Satzkonstruktionen freuen. Wer gerne Krimis liest, die nicht dem bekannten Muster folgen, dem kann ich „Mensch ohne Hund“ nur ans Herz legen. Ganz großer Lesespaß: 9/10 Punkte.

Das Relikt: Museum der Angst – OT: The Relic

Freitagabend. Filmzeit. Heute hatte ich mich für Peter Hyams „Das Relikt: Museum der Angst“ entschieden, einen meiner liebsten Monsterfilme. Über die Jahre bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen und immer noch unterhaltsam. So lobe ich mir das.

relic3

Als Monsterfilm funktioniert „Das Relikt“ immer noch tadellos. Ein interessanter pseudowissenschaftlicher Hintergrund, sympathische Figuren und ein mitreißender Spannungsaufbau lassen das Herz jedes Genrefans höher schlagen. Wenn dann das Monster im letzten Filmdrittel endlich seinen großen Auftritt hat, wird zudem mit blutigen Effekten nicht gegeizt. So muss das sein.

Im Grunde könnte ich mit dem Gebotenen vollends zufrieden sein. Hätte ich nicht vor einigen Jahre die „Relic: Museum der Angst“ betitelte Vorlage von Douglas Preston und Lincoln Child gelesen. Mit der angepassten Filmhandlung könnte ich ja noch leben, doch dass man mit Special Agent Pendergast einfach eine der Hauptfiguren gestrichen hat, ist mir unbegreiflich. Zumal dieser in nahezu allen Romanen (u.a. „Formula“) der Autoren die Hauptrolle spielt und somit einen herrlichen Aufhänger für ein neues Film-Franchise abgegeben hätte. Wirklich unvorstellbar.

Letztendlich sind meine Gefühle den Film betreffend gemischter Natur. Einerseits bietet er fabelhafte Unterhaltung, mit der sich nur wenige Genrevettern messen können, andererseits sehe ich immer die ungenutzten Chancen vor mir. Da ich den Film jedoch bereits vor dem Buch schätzen gelernt habe, überwiegen eindeutig die positiven Aspekte: 7/10 Punkte.