The Dark Knight (2008) (WS1)

Kaum sind vier Wochen vergangen seit ich „Batman Begins“ gesehen habe, kann ich endlich die Besprechung zu meiner ersten Wiederholungssichtung von „The Dark Knight“ schreiben. Der Hype um das Sequel ist inzwischen auch abgeflacht, was dem Filmerlebnis durchaus zugute kommt. Heute kann man Christopher Nolans Comicverfilmung endlich vorurteilsfrei genießen.

Für mich wird „The Dark Kight“ immer ein besonderer Film sein, was aber hauptsächlich an den äußeren Umständen meiner Erstsichtung liegt. Vor drei Jahren während unserer Hochzeitsreise im verschlafenen Williamsport, PA war das einer dieser magischen Kinobesuche, die man wohl nie vergessen wird. Der Film war beinahe schon nebensächlich, wenngleich er mich bereits damals äußerst gut zu unterhalten wusste. Dennoch habe ich ihn eher als ziemlich guten Thriller wahrgenommen, als das cineastische Meisterwerk, als das er angekündigt wurde.

Auch gestern habe ich keine filmgewordene Offenbarung gesehen, jedoch einen ziemlich perfekten Unterhaltungsfilm, der mir noch besser gefallen hat, als bei der Erstsichtung. Einerseits konnte ich mich mehr auf den Film konzentrieren und andererseits wurde ich von der technisch perfekten Präsentation der Blu-ray ziemlich umgehauen. Die IMAX-Szenen sind wirklich atemberaubend und fügen sich erstaunlich gut in das CinemaScope-Bild des restlichen Films ein. Ein audiovisuelles Festmahl, dem glücklicherweise auch der Inhalt in nahezu nichts nachsteht.

An den ersten beiden Dritteln des Films habe ich absolut nichts auszusetzen. Es ist eine wahre Freude Heath Ledgers diabolischem Joker zuzusehen. Einfach nur großartig. Christian Bale bleibt als Batman dagegen ziemlich blass, was mich bei der gestrigen Sichtung jedoch nicht sonderlich störte. Vermutlich weil mir seine verhältnismäßig detaillierte Charakterzeichnung aus „Batman Begins“ noch ziemlich gut im Kopf war. Einzig im letzten Drittel bricht die Handlung des Films meiner Meinung nach etwas ein. Harvey ‚Tow Face‘ Dent wirkte für mich hier zu sehr wie das Mittel zum Zweck und konnte mich als eigenständiger Charakter eher wenig überzeugen.

Nun habe ich beide „Batman“-Verfilmungen von Christopher Nolan mit größerem zeitlichen Abstand erneut gesehen. Ich kann für mich festhalten, dass es wirklich fantastische Filme sind. Technisch perfekt und inhaltlich erstaunlich erwachsen. Welcher Film nun besser ist? Ich könnte mich im Moment nicht festlegen, wünsche mir für „The Dark Knight Rises“ insgeheim aber wieder mehr Comic als Realismus. Auch nach dem Hype immer noch großartiges Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.

Vielleicht, vielleicht auch nicht – OT: Definitely, Maybe

Nach langer, langer Zeit habe ich mich doch tatsächlich zu einem Blindkauf hinreißen lassen. Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ schien mir eine gute Wahl zu sein, um dem Genre der romantischen Komödie einmal wieder einen Besuch abzustatten. Doch wie wir wissen, gibt es bei Blindkäufen nur eine 50:50-Chance tatsächlich einen guten Film zu erwischen. Zu welcher Gruppe darf sich „Definitely, Maybe“ zählen?

Normalerweise spare ich mir bei meinen Filmbesprechungen eine Zusammenfassung der Handlung. Schließlich gibt es dafür genügend Webseiten. Doch dieser Film macht mir leicht: Mit „Definitely, Maybe“ erlebt der Zuschauer die Prämisse von „How I Met Your Mother“ – nur eben in Film- statt Serienform. Ryan Reynolds (Berg, „Two Guys and a Girl“) spielt Will Hayes, einen Vater, der sich gerade in der Scheidung befindet und seiner Tochter zu erklären versucht, warum das mit ihm und ihrer Mutter nicht so ganz einfach ist. Der Clou bei der Sache: Er erzählt von drei Frauen in seinem Leben und lässt die Tochter raten, welche von diesen letztendlich ihre Mutter ist. Eine Mystery-RomCom sozusagen.

Die Geschichte umspannt beinahe 20 Jahre und entführt den Zuschauer somit ins New York der 90er Jahre. Man erlebt, wie Will Hayes in der New Yorker Wahlkampfzentrale Bill Clintons mitarbeitete, wie er seine eigene Firma aufbaut und natürlich wie er die drei Frauen kennenlernte, die die romantische Seite seines Leben prägten. Ich war wirklich erstaunt und erfreut, wie wenig auf den Beziehungskisten herumgeritten wird und wieviel Freiraum der eigentlichen Charakterentwicklung eingeräumt wurde. Sehr gelungen.

Gegen Ende gelingt es jedoch auch „Definitely, Maybe“ nicht den für romantische Komödien obligatorischen Kitsch komplett zu umschiffen. Doch mich hat das nicht weiter gestört, denn auch der Kitsch gehört eben zum Genre. Zudem hat der Film mit seiner Vater-Tochter-Beziehung bei mir natürlich voll in eine Kerbe geschlagen. Somit konnte ich auch über diverse Logikfehler und Ungereimtheiten hinwegsehen.

Wenn man sich darauf einlässt, bietet Adam Brooks „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ wunderbare Unterhaltung mit tollen Darstellern (u.a. Isla Fisher, Kevin Kline), einem gut geschriebenen Drehbuch und einem von Florian Ballhaus toll eingefangenem Big Apple. Ich kann nicht verstehen, warum der Film – im Gegensatz zu anderen, weit klischeehafteren Vertetern des Genres – so untergegangen ist. Einfach nur gute, kurzweilige Unterhaltung: 8/10 Punkte.

Cougar Town – Season 1

Auf der Suche nach kurzweiligem Serienfutter im Bereich Comedy, bin ich über „Cougar Town – Season 1“ gestolpert. Neben den ziemlich guten Kritiken, lockte mich vor allem das Mitwirken von Courteney Cox, welche mit Monica Geller („Friends“) einen meiner liebsten, weiblichen Sitcom-Charaktere verkörperte. Doch was hat die Serie sonst noch zu bieten?

Glücklicherweise so allerhand. Anders als Titel und Prämisse zu Beginn vermuten lassen, beschränkt sich die Serie nämlich nicht darauf Jules (Courteney Cox) bei der Jagd nach jungen Lovern zu begleiten. Nach nur wenigen Episoden entwickelt sich die Serie zu einer Ensemblekomödie, in der auch die anfänglichen Nebencharaktere ihre eigenen Handlungsstränge bekommen und diese auch durchaus auszufüllen wissen. Die Showrunner haben anscheinend gemerkt, dass die größte Qualität der Serie die absolut großartige Chemie zwischen ihren Darstellern ist.

In Sachen Handlungsbogen ist „Cougar Town“ dann eher altmodisch, denn wirklich viel passiert nicht. Meist werden einzelne Geschichte innerhalb einer Episode abgearbeitet, wodurch der Status quo meist unangetastet bleibt. Die Serie funktioniert dennoch. Schon bald kann man sich mit nahezu allen Charakteren irgendwie identifizieren und es macht Spaß an ihrem, zwischen zusammen Wein trinken und mit der Lebensplanung hadern, pendelndem Dasein teilzuhaben. Der Humor wirkt frisch und angenehm, ohne dabei auf Slapstick und auch manchmal platte Witzchen zu verzichten.

Besonders in den ersten Episoden ist „Cougar Town“ eher eine Frauenserie (auch wenn ich dieses Label hasse), jedoch sollten sich auch Männer nicht von ihr abschrecken lassen. Ich wurde wirklich positiv überrascht, finde alle Charaktere ausnahmslos sympathisch und mag ihre Darsteller. Eine absolut gelungene Sommerserie für kalte Winterabende: 8/10 (8.1) Punkte.

Schattenmond (George Lucas/Chris Claremont)

Dies ist das erste Mal, dass ich über ein Buch schreibe, das ich abgebrochen habe. Dazu sollte man wissen, dass ich normalerweise jedes Buch zu Ende lese, egal wie langweilig oder nervtötend die Geschichte auch ist. Hier konnte ich es nicht. Dabei hatte ich mich so gefreut, als ich erfuhr, dass George Lucas und Chris Claremont mit „Schattenmond“ eine Fortsetzung zu einem meiner Lieblingsfilme geschrieben haben. Die Geschichte setzt einige Jahre nach den Geschehnissen von „Willow“ ein und hat doch leider so wenig mit dem wunderbaren Fantasyfilm gemein.

Ich könnte mich nun seitenweise darüber auslassen, was George Lucas nur geritten hat, ausgerechnet diesen Weg mit seinem potentiellen Franchise zu gehen. Es fängt schon damit an, dass Willow nicht mehr Willow heißt, sondern Thorn Drumheller – warum auch immer. Weiterhin gab es irgendeine mysteriöse Katastrophe, die nahezu alle liebgewonnenen Charaktere des Films ausgelöscht hat. Es wurden wahrlich seltsame Entscheidungen getroffen, doch hätte ich mit diesen noch leben können.

Leider ist das Buch so unglaublich schlecht geschrieben, dass es über weite Teile unmöglich ist der Handlung zu folgen. Charaktere tauchen unvermittelt auf, nur um irgendwann plötzlich wieder zu verschwinden. Motivationen werden nicht im Ansatz erklärt, dafür ist die Geschichte durchsetzt mit seltsamen Traumszenen und Visionen. Manchmal kam es mir vor, als hätte Chris Claremont – eigentlich ein Comicautor – vergessen, dass er nun einen Roman schreibt und sich auf nicht vorhandene Zeichnungen verlassen kann. Die Handlung weist somit größere Löcher auf, als die im Buch thematisierte Katastrophe in Tir Asleen hinterlassen hat.

Auch wenn ich nur knapp die Hälfte des Buches (241 von 510 Seiten) gelesen habe, so erlaube ich mir dieses Mal dennoch eine Warnung auszusprechen: Auch wenn ihr „Willow“ liebt, bitte lasst die Finger von diesem unsäglichen Machwerk. Selten hatte ich das Gefühl meine Zeit mehr verschwendet zu haben. Das war nix, lieber Schorsch: 1/10 Punkte.

Batman Begins (2005) (WS1)

Vielleicht liegt es an meiner relativ langen Filmabstinenz – immerhin sind seit meiner letzten Filmsichtung bereits drei Wochen vergangen – doch Christopher Nolans „Batman Begins“ hat mir gestern weit besser gefallen, als noch bei der Erstsichtung vor dreieinhalb Jahren. Inzwischen kann ich den Film auch gut mit dem Nachfolger „The Dark Knight“ vergleichen, was neue Blickwinkel auf Nolans bombastische Comicaction zulässt.

Wie bereits bei der letzten Sichtung hat mir die erste Hälfte des Films wirklich ausgezeichnet gefallen. Man erlebt die Heldengeburt in all ihren Facetten, ohne dass diese jedoch zu abgedroschen oder vorhersehbar erscheint. Nolan zementiert hier bereits – auch wenn man dies als Zuschauer anfangs nicht wahrnimmt – das Fundament für den Hauptteil des Films, in der Batman zu voller Größe heranwächst. Ein weiterer Grund für die wirklich unterhaltsame Art und Weise der Heldengeburt ist Nolans auf düsteren Realismus getrimmte Inszenierung, welche damals noch ein Novum im Superheldengenre darstellte.

Die zweite Hälfte des Films hat sich für mich dieses Mal besser in den Film integriert, als noch bei der Erstsichtung. Zwar ist stilistisch durchaus ein gewisser Bruch festzustellen – auch besonders im Vergleich zu „The Dark Knight“ – doch macht dieser für die erzählte Geschichte durchaus Sinn. In diesem Abschnitt des Films erinnert Nolans Werk deutlich mehr an die „Batman“-Filme Tim Burtons, was sich besonders in der artifiziellen Darstellung von Gotham City und speziell The Narrows verdeutlicht. Hätte man den Film zuvor auch als klassischen Actionthriller klassifizieren können, gibt es nun keinen Zweifel mehr, dass „Batman Begins“ der Comicwelt entspringt.

Auch wenn mich der Film bei meiner gestrigen Sichtung nahezu perfekt zu unterhalten wusste, so habe ich doch immer noch einen Kritikpunkt. Wie auch in „Inception“ übertreibt es Nolan hier mit einer Actionszene. War es in dem Sci-Fi-Thriller die Schießerei in den Bergen, so gibt es hier deutliche Längen in der Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwar gut und mitreißend inszeniert, doch oft redundant und auf Dauer etwas ermüdend. Insgesamt ist dies aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem großartigen Filmerlebnis.

Nach der gestrigen Sichtung bin ich nun wieder richtig heiß auf „The Dark Knight“ und freue mich auch bereits auf dessen Nachfolger, der wohl wieder alle Rekorde brechen dürfte. Im Moment sehe ich „Batman Begins“ noch als stärksten Film der Reihe, doch dies kann sich mit der erneuten Sichtung der Fortsetzung wieder schlagartig ändern. Nahezu perfekt inszeniertes Unterhaltungskino: 9/10 Punkte.

By Any Means: Sydney to Tokyo

Kaum am Ziel angekommen, geht es schon wieder los. In „By Any Means: Sydney to Tokyo“ habe ich Charley Boorman bei seiner Reise durch den pazifischen Raum begleitet. Anfangs dachte ich noch, dass ich den Reisedokus inzwischen überdrüssig wäre, doch nahm mich schon bald der Enthusiasmus aller Beteiligten gefangen. Somit erlebte ich mit dieser Staffel wohl eine der bisher gelungensten Reisedokus dieses Teams.

Im Vergleich zu Charleys Reise von Irland nach Sydney, hat die Bedeutung der gewählten Fortbewegungsmittel glücklicherweise deutlich abgenommen. Es gibt weniger Technikverliebtheit und auch die Organisation der Reise steht nicht mehr so sehr im Vordergrund. Man begleitet Charley, wie er sich fremden Kulturen annähert, Abenteuer erlebt und Bekanntschaften schließt. Hier ist er voll in seinem Element und im Gegensatz zur ersten Staffel, gibt es endlich auch einiges von den bereisten Ländern, ihren Bewohnern und deren Bräuchen zu sehen. Einzig die finale Episode wirkte viel zu gehetzt.

Wie bereits in „Long Way Round“ und „Long Way Down“ wird Charley von Kameramann Claudio begleitet, der jedoch eher im Hintegrund agiert. Überhaupt hat man in dieser zweiten Staffel das Gefühl Charley wäre alleine unterwegs, denn auch die Produzenten halten sich eher im Hintergrund. Natürlich ist dies alles nur eine durch geschickte Montage hervorgerufene Illusion, doch kommt dadurch viel mehr das Gefühl einer ungeplanten Reise mit spontanen Begegnungen auf. Für mich als Zuschauer trägt dies doch ungemein zum Unterhaltungswert bei.

Nun sind Charleys Reisen erst einmal vorüber. Einzig „Race to Dakar“ steht noch aus, doch dieses Abenteuer habe ich mangels Interesse an der Rallye vorerst ausgelassen. Sollte es aber „Long Way Up“ oder eine weitere Staffel „By Any Means“ geben, dann werde ich meine Koffer packen und bin garantiert wieder am Start: 8/10 Punkte.

Life Unexpected – Season 2

Erstaunlicherweise bespreche ich mit meinem Eintrag zu „Life Unexpected – Season 2“ bereits das Finale der sympathischen, kleinen Familienserie. Ich hätte wirklich erwartet, dass die Serie ein größerer Erfolg wird. Nett anzusehen, nicht zu anspruchsvoll und mit sympathischen Charakteren – der typische Kandidat für den VOX-Seriennachmittag.

Im Vergleich zur ersten Staffel musste „Life Unexpected“ im zweiten Jahr viel Schelte einstecken, was die Handlungsstränge und Charakterentwicklung angeht. Dem muss ich leider bis zu einem gewissen Grad zustimmen, wenngleich ich das Drehbuch auch schon im ersten Jahr etwas zu unausgewogen fand. Der teils überstürzten Handlung und dem sprunghaften Verhalten der Charaktere, steht allerdings eine beständig wachsende Sympathie entgegen, welche man den Figuren als Zuschauer unweigerlich entgegenbringt.

So gern ich manche Handlungsstränge mochte, so nervtötend fand ich dagegen andere. Allein die Beziehung zwischen Lux und Mr. Daniels hat meine Toleranzgrenze für soapige Geschichten und seltsames Charakterverhalten oft bis aufs Äußerste strapaziert. Hier hatte ich mich tatsächlich ab und zu gefragt, in welcher Welt diese Figuren eigentlich leben. Natürlich kann man einiges mit Lux‘ Vergangenheit und ihrem Teenager-Dasein begründen, doch Cate und Ryan verhalten sich leider nicht viel klüger.

Sehr gefreut habe ich mich einmal wieder Emma Caulfield (Anya, „Buffy: The Vampire Slayer“) zu sehen. Ihr Charakter hat Baze deutlich erwachsener scheinen lassen, was in meinen Augen einen guten Gegenpol zum albernen Cate/Ryan-Gespann darstellte. Lux dagegen ist eben Lux und benimmt sich auch dementsprechend irrational. Die Nebencharaktere können mich beinahe durch die Bank überzeugen und trotz aller Fehler machen die Figuren wirklich Spaß, weshalb ich sie nur sehr ungerne ziehen lasse.

Auch wenn die Serie etwas nachgelassen hat, so bleibt sie doch stets sympathisch. Warum kein Erfolg daraus wurde? Ich kann es mir in diesem Fall nicht erklären. Zwar habe ich andere Serien schon mehr vermisst, doch wird „Life Unexpected“ bestimmt eine Lücke in meinem persönlichen TV-Programm hinterlassen. War nett mit euch: 7/10 (7.3) Punkte.

The Walking Dead – Season 1

Für Genrefreunde dürfte die Verfilmung des Zombie-Comics „The Walking Dead – Season 1“ wohl die Seriensensation des Jahres gewesen sein. Doch selbst genreübergreifend konnte die von Frank Darabont („Die Verurteilten“) produzierte Serie überzeugen und hat einen wahrlich beeindruckenden Start hingelegt – sowohl was Zuschauerzahlen, als auch was die Qualität der erzählten Geschichte angeht.

Trotz ihres Erfolgs musste die Serie in den Wochen seit ihrer Ausstrahlung viel Schelte einstecken: Den Zombiefreunden war die Serie zu ruhig und mit zu geringem Actionanteil erzählt, anderen war das zwischenmenschliche Drama zu ausladend und wieder anderen mangelte es an Charakterentwicklung. Ich jedoch hatte enorm viel Spaß mit der Zombieserie, welche sich und ihre Monster – in Zeiten von „Shaun of the Dead“ und „Zombieland“ durchaus erfrischend – einmal wieder ernst nimmt und damit mehr an Romeros frühere Werke erinnert, als an die satirisch geprägten Spätwerke des Genres.

Zunächst muss ich vorausschicken, dass ich Robert Kirkmans Vorlage nicht kenne und somit relativ unbedarft an die Verfilmung herangehen konnte. Hinzu kommt, dass ich das Genre durchaus mag, aber auch kein eisenharter Verfechter von bestimmten Regeln bin, die durch die Klassiker des Genres aufgestellt wurden. Nach der Sichtung der sechs Episoden, muss ich feststellen, dass sich „The Walking Dead“ aller Zombiefilmklischees bedient und dennoch erfrischend wirkt. Dies liegt wohl vor allem an der Zeit, die sich die Serie für ihre Figuren nimmt. Zombieaction ist ja immer gerne gesehen, doch muss ich wahrlich nicht alle paar Minuten einen blutigen Kopfschuss sehen – und diese bietet die Serie ohnehin zu Genüge.

So sehr die Serie von ihren Charakteren lebt, so fremd bleiben diese jedoch über weite Strecken. Erst gegen Ende der Staffel meint man sie besser zu kennen und kann wirklich mit ihnen mitfühlen. Eine Ausnahme ist hier einzig Sheriff Rick Grimes, den man vom ersten Moment an begleitet. Seine Einführung – und damit die Pilotfolge – war auch die stärkste Episode der Staffel. Tolle Bilder, eine unglaublich dichte Atmosphäre und man hat sich mit dem Charakter zusammen einfach nur verloren gefühlt. Auch die weiteren Folgen waren sehr sehenswert und erlaubten sich – wohl auch aufgrund der kurzen Laufzeit – kaum Längen.

Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit Darabonts Adaption. Natürlich wird das Genre nicht neu erfunden, doch gibt es besonders für den Genrefreund viele tolle Szenen zu bewundern. Für die zweite Staffel wünsche ich mir eine ausführlichere Reise durchs zerstörte Amerika und hoffe, dass man den Charakteren noch näher kommt. Die beklemmende Atmosphäre hat bereits die erste Staffel astrein hinbekommen: 8/10 (8.3) Punkte.

How I Met Your Mother – Season 4

Hatte ich noch über die Feiertage die dritte Staffel der Serie genossen, so startete ich mit „How I Met Your Mother – Season 4“ direkt ins neue Jahr. Wie bereits bei den vorhergehenden Staffeln, hätte auch diese wieder an einem Stück durchschauen können und wurde nur durch akute Müdigkeit aus der Serienwelt herausgerissen – und das obwohl ich bei der Erstsichtung dieser Staffel nicht allzu begeistert war.

Erneut erfuhren die meisten Episoden durch die wiederholte Sichtung eine deutliche Aufwertung, was bisher bereits bei all meinen Lieblingssitcoms – wie z.B. „Seinfeld“ oder „Friends“ – der Fall war und nur für die Qualität der Drehbücher spricht. Ein Haupthandlungsstrang der Staffel ist Teds gescheiterte Beziehung zu Stella, welche als treibendes Element hinter seiner Charakterentwicklung und seiner weiterführenden Motivation zu sehen ist. Als Zuschauer gönnt man es Ted nun wirklich, dass er auch endlich sein Glück finden möge.

Für mich gehören die Stella-Episoden jedoch zu den eher schwächeren Geschichten der Staffel. Besonders die gescheiterte Hochzeit schien mir etwas zu konstruiert. Nötig war diese Episode dennoch für alles Weitere. Der zweite Haupthandlungsstrang – Barneys Interesse für Robin – hat mir da schon bedeutend besser gefallen. Besonders Neil Patrick Harris ist hier wieder zur Höchstform aufgelaufen, ohne seinen Charakter in irgendeiner Art zu kompromittieren. Fantastisch!

Meine Lieblingsepisoden dieser Staffel sind „Intervention“ (auch sehr schön, dass dieser Gag in einer späteren Episode wieder aufgenommen wird), „The Naked Man“ (so unglaublich lustig), „Three Days of Snow“ (einfach nur schön) und „The Possimpible“ (Barneys Video Resume ist einfach awesome). Doch auch in den restlichen Episoden kann man unzählige Highlights, wie z.B. das schwedische Architekturkollektiv Sven, finden. Richtige Ausfälle gibt es auch in dieser Staffel glücklicherweise nicht.

Die vierte Staffel von „How I Met Your Mother“ sah ich übrigens erstmals auf Blu-ray und was soll ich sagen? Ich bin begeistert und eigentlich gibt es nun kein zurück mehr. Leider jedoch hat Fox Home Entertainment einmal wieder ihre Veröffentlichungsstrategie geändert und die Blu-ray-Veröffentlichung der fünften Staffel gestrichen, was mich unweigerlich zu den DVDs zurückführt. Einfach nur frustrierend und keine gute Strategie den Erfolg eines neuen Mediums sicherzustellen.

Für mich zählt auch das vierte Jahr mit den sympathischen New Yorkern zu meinen absoluten Sitcom-Highlights. Mal sehen, wann ich mich an die fünfte Staffel heranmache. Im Moment würde ich auf die kommende Weihnachtszeit tippen, was mir eigentlich viel zu lange erscheint. Doch Vorfreude ist ja bekannterweise die größte Freude: 9/10 (8.7) Punkte.

By Any Means: Ireland to Sydney

In den letzten Jahren habe ich die sehr unterhaltsamen Reisedokus mit Ewan McGregor und Charley Boorman für mich entdeckt. Vor kurzem bin dann auf Charleys Soloprojekt „By Any Means: Ireland to Sydney“ gestoßen. Als der Preis für die Dokuserie schließlich unter vier Euro sank, gab es für mich kein Zögern mehr. Somit ging es endlich wieder hinaus in die weite Welt…

Konzentrierten sich die inoffiziellen Vorgänger des Projekts – „Long Way Round“ und „Long Way Down“ – einzig und allein auf die abenteuerlichen Aspekte einer Motorradtour, so gibt es auf Charleys Reise von Irland nach Australien unzählige Fortbewegungsmittel zu bestaunen. Da sich mein Interesse für Motorräder in Grenzen hält, war dies für mich eine willkommene Abwechslung. Die Abwesenheit von Ewan McGregor fällt zumindest anfangs schmerzlich auf, doch gibt Charley Boorman auch einen guten Alleinunterhalter ab – man sollte seinem beinahe schon kindlichem Enthusiasmus jedoch nicht zu abgeneigt sein.

Die Prämisse von „By Any Means“ mit möglichst vielen unterschiedlichen Transportmitteln zu reisen macht die ganze Geschichte zwar recht abwechslungsreich, doch eher wenig spannend. Autos, Züge und Motorräder sind demnach auch die meistgenutzten Fahrzeuge und es drängt sich zwangsläufig die Frage auf, wo denn nun der Kick bei der Sache sei. Insofern ist Charleys Alleingang noch durchorganisierter, als die Motorradtouren der beiden Freunde. Natürlich gibt es auch wieder ziemlich viel Gehetze und ein paar Unfälle, doch letztendlich läuft die Reise erstaunlich glatt.

Die 6 Episoden à 60 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug und man merkt, dass hier ziemlich viel gekürzt wurde. Im Gegensatz zu „Long Way Down“ und „Long Way Round“ wurde dieser Serie allerdings (noch) keine erweiterte Fassung mit 10 Episoden spendiert. Ich persönlich habe mich sehr gerne mit Charley Boorman auf den Weg nach Sydney gemacht und werde ihm wohl schon bald auch nach Tokyo folgen. Eine wirklich schöne Abwechslung im TV-Einheitsbrei: 8/10 Punkte.