Dark Secret (Douglas Preston/Lincoln Child)

In den letzten Tagen habe ich gemerkt, wie sehr ich es vermisst hatte zu lesen. Zwar lese ich in meinem Beruf täglich diverse Fachthemen und bin auch auf unzähligen Blogs unterwegs, doch Unterhaltungsliteratur in Buchform? Ich kann mich kaum daran erinnern das letzte Mal ein Buch wirklich verschlungen zu haben. Irgendwie traurig. Durch eine fiese Erkältung, hatte ich plötzlich ein paar Tage Zeit, um „Dark Secret“ von Douglas Preston und Lincoln Child zu – ja, ganz genau! – verschlingen. Endlich wieder lesen.

Besonders für Fans des Autorenduos dürfte der direkte Nachfolger von „Burn Case“ eine kleine Offenbarung darstellen. Nahezu alle wichtige Figuren dieses kleinen, aber feinen Thrilleruniversums geben ihr Stelldichein. Mit Vincent D’Agosta und Special Agent Pendergast sind wieder einmal die wohl beliebtesten Hauptfiguren an einem Fall beteiligt, der für unseren unkonventionell arbeitenden FBI-Agenten eine ganz besondere Gefahr birgt. So wartet die Geschichte mit dunklen Familiengeheimnissen, mysteriösen Todesfällen sowie vielen alten Bekannten (u.a. Bill Smithback, Nora Kelly, Margo Green, Eli Glinn) auf und liefert somit einen äußerst spannenden und mitreißend erzählten Fall für Agent Pendergast und Co.

Vielleicht liegt es daran, dass mein letztes Buch so ein grandioser Flop war, doch ich hatte enorm viel Spaß mit dem Mittelteil der Pendergast-Trilogie. Ich liebe das immer etwas übernatürlich angehauchte und verschroben wirkende Universum, das Douglas Preston und Lincoln Child in ihren Romanen aufgebaut haben. Ich mag die unzähligen Verbindungen zwischen den Büchern und ihre Art Geschichten zu erzählen. Keine große Literatur, aber gut geschrieben und stets äußerst unterhaltsam. Nun kann das große Finale kommen: 8/10 Punkte.

Californication – Season 4

Aktualisierung: Ich habe „Californication“ erneut gesehen und am 28. Januar 2025 komplett besprochen (hier geht es zur aktuellen Besprechung). In den ersten beiden Staffeln noch grandios, in der dritten eine Enttäuschung. Im Prinzip konnte es mit „Californication – Season 4“ nur aufwärts gehen. Zumindest habe ich das gehofft, denn ein weiterer qualitativer Abbau hätte die Serie schnell auf meine persönliche Absetzungsliste befördert. Im Folgenden werde ich berichten, wie sich Hank Moody im vierten Jahr so schlägt und ob sich das Dranbleiben lohnt.
Californication | © Showtime

Californication | © Showtime

Man kann festhalten: Es lohnt sich durchaus. Die Autoren haben sich die Kritik an der dritten Staffel anscheinend zu Herzen genommen und versucht die Stärken der ersten beiden Jahre wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dies gelingt auch größtenteils, doch hatte ich stets das Gefühl, dass man es dadurch oft nur noch mit einer schwächeren Kopie der ersten Staffel zu tun hat. Die Atmosphäre ist zu dieser recht ähnlich und auch inhaltlich werden enge Bezüge geknüpft, welche oft nicht nur den Charakteren ein nostalgisches Lächeln aufs Gesicht zaubern. Neben dem Erzählstrang rund um Hank Moodys Gerichtsverhandlung, gibt es zudem etliche Sexkapaden (speziell natürlich von Charlie Runkle) zu bewundern, die inzwischen jedoch nicht mehr so recht zünden mögen und somit deutlich weniger Spaß machen, als dies noch zu Beginn der Fall war. Wieder einmal ist die Serie am stärksten, wenn sie Hank als gebrochenen Charakter zeigt, der sich doch eigentlich nur nach seiner Familie sehnt. Leider liegt hier jedoch auch die größte Schwäche, denn so langsam wird es einfach unglaubwürdig, dass der Skandalautor sein Leben einfach nicht auf die Reihe bekommt.

Fazit

Insgesamt hat mir die aktuelle Staffel wieder recht gut gefallen. Es gab wieder mehr ernstzunehmende Handlung und Gaststars, wie z.B. Rob Lowe (Sam Seaborn, „The West Wing“) als komplett verrückten Method Actor, sorgten für die nötige Abwechslung. Leider jedoch haben sich in meinen Augen zu den Vorgängerstaffeln inzwischen zu viele Redundanzen eingeschlichen, als dass man noch von frischer Unterhaltung sprechen könnte. Da das Staffelfinale auch ein sehr gelungenes Serienende dargestellt hätte, bleibt wieder einmal die Frage: Was soll da noch kommen? 7/10 (7.2) Punkte.

The Deep

Es gibt einfach zu wenig gute Unterwasserfilme. Neben dem Genregiganten „The Abyss“ ist da draußen nicht mehr viel zu holen. So habe ich mich – trotz teils vernichtender Kritiken – auf die BBC-Miniserie „The Deep“ gestürzt, die jedoch außer dem Setting und dem ach so innovativem Titel leider kaum Ähnlichkeiten mit James Camerons famosem Unterwasserabenteuer aufweist. Spoiler sind zu erwarten.

Anfangs hatte ich ja durchaus noch Hoffnung. Eine relativ gemächliche und ausführliche Einführung der Charaktere, eine – im Vergleich zu US-Serien – relativ realistisch anmutende Grundstimmung und ein auf den ersten Blick nettes Ensemble. Doch spätestens mit Episode 2 fing die Serie an sich auch qualitativ in Untiefen zu begeben. Sowohl Handlung, als auch Inszenierung und Schauspiel wirken oft als hätte da jemand versucht mit seiner Laientheatergruppe einen Film bzw. eine Serie auf die Beine zu stellen.

Die Handlung hat durchaus ihre Momente und man hätte aus der Prämisse wirklich einiges rausholen können, denn schließlich besitzt die Geschichte ein riesiges, verlassenes U-Boot, mysteriöse Todesfälle und unbekannte Mikroorganismen. Man hätte die Charaktere langsam in den Wahnsinn abdriften lassen können, Realität und Wahnvorstellungen vermischen oder wenigstens die Stärken der unheimlichen Location ausspielen – aber nein! Da gibt es dann die bösen, schießwütigen Russen und eine Verschwörung, die sich um illegale Ölbohrungen dreht. Wie aufregend und innovativ!

Erschreckend fand ich, wie schlecht die Charaktere in der Serie teils gespielt waren. Selbst  bekannte Schauspieler, wie David Nesbitt oder Minnie Driver chargieren hier, als würden sie auf der Bühne eines Provinztheaters stehen. Kein Gefühl für das Gegenüber oder die Situation. Allerdings vermute ich, dass hier eher die Regie versagt hat. Ansonsten kann ich mir das Ergebnis wirklich nicht erklären.

Trotz meiner harschen Kritik hat mir der Ausflug in die Tiefen von „The Deep“ durchaus Spaß bereitet. Die erste Episode fand ich noch vielversprechend, den Mittelteil wenigstens noch leidlich spannend, doch das Finale hat dann leider jegliche Chance auf eine bessere Wertung verspielt. Fans von Unterwasserfilmen dürfen durchaus einen Blick riskieren, alle anderen sollten lieber einen weiten Bogen um die Miniserie machen: 4/10 (4.2) Punkte.

Episodes – Season 1

Eine Serie, auf die ich mich in der aktuellen TV-Saison sehr gefreut habe, ist „Episodes – Season 1“ mit Matt LeBlanc. Bereits nach der Pilotfolge hagelte es jedoch böse Kritiken, die ich bis heute nicht so recht nachvollziehen kann. Man muss die Serie eben als Satire auf das Seriengeschäft in Hollywood sehen und darf dabei kein zweites „Entourage“ erwarten. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dem Culture Clash in Hollywood.

Da die gesamte Staffel nur aus 7 Episoden besteht, darf man sich als Zuschauer nicht allzu viel Zeit lassen, sich auf die Serie einzulassen. Ich für meinen Teil habe mich glücklicherweise relativ schnell in dieser überzeichneten Version der Traumfabrik heimisch gefühlt. Im Gegensatz zu thematisch ähnlich gelagerten Filmen, wird hier erstmals das Seriengeschäft unter die Lupe genommen. Genauer gesagt geht es um die Adaption einer britischen Serie für das amerikanische Publikum – inklusive aller klischeehafter Konsequenzen, die sich dadurch für den Stoff ergeben.

Neben rein beruflichen Problemen, hat unser britisches Autorenduo auch mit der kalifornischen Mentalität zu kämpfen. Hier wandelt die Serie zwar auf ausgetretenen Pfaden, doch weiß sie auch in solchen Momenten stets zu unterhalten. Dies liegt nicht zuletzt an den tollen Schauspielern. Matt LeBlanc spielt sich selbst und unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von seiner bekanntesten Serienfigur Joey Tribbiani („Friends“ und „Joey“), was die Serie um eine interessante Metaebene erweitert. Auch die restlichen Rollen sind allesamt gut besetzt und es gelingt den Schauspielern die Waage zwischen Satire, Drama und Komödie zu halten.

Auch wenn noch nicht alle Episoden vollends zu überzeugen wussten, so hatte ich doch stets Spaß mit der Serie. Besonders die letzte Episode war wirklich grandios und ich musste mehrmals laut auflachen. Wenn sich die Show in diese Richtung weiterentwickelt, dann kann sie noch ganz groß werden – gerne auch mit ein paar mehr Episoden pro Staffel. Sollte man sich als Serienfreund so oder so ansehen: 8/10 (7.7) Punkte.

Avatar: Aufbruch nach Pandora – Extended Collector’s Cut (2009) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ am 22. November 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kaum zu glauben, dass seit der Kinosichtung schon weit über ein Jahr vergangen ist. Inzwischen weiß man, welchen Stellenwert „Avatar“ in der Filmgeschichte einnehmen wird. Zeit also, sich noch einmal ausführlich mit James Camerons Sci-Fi-Epos zu beschäftigen. Gesehen habe ich dieses Mal den sogenannten Extended Collector’s Cut, welcher den Film um eine alternative Anfangsszene sowie alle Szenen der Special Edition ergänzt.

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Avatar: Aufbruch nach Pandora (2009) | © 20th Century Studios

Als ich den Film damals in der ersten Aufführungswoche im Kino sah, war noch nicht abzusehen welchen durchschlagenden Erfolg James Cameron abermals an den Kinokassen dieser Welt haben würde. Ehrlich gesagt hätte ich auch nicht vermutet, dass die breite Masse so stark auf diese doch sehr sci-fi-lastige Geschichte anspringt. Für mich war jedoch bereits damals klar, dass es Cameron erneut geschafft hat unseren Wahrnehmungshorizont für visuelle Effekte zu erweitern. Hinzu kommt der erstmals vollkommen überzeugende Einsatz von 3D, welcher selbst mich als Skeptiker zu überzeugen wusste. So sehr sogar, dass ich die zusätzliche Ebene bei der gestrigen Sichtung beinahe etwas vermisst habe.

Natürlich hat der große Erfolg des Films auch unzählige Kritiker auf den Plan gerufen. Vermutlich muss man als ernstzunehmender Cineast immer etwas gegen den Strom schwimmen. Mir selbst ist auch durchaus bewusst, dass die Geschichte keinen Originalitätspreis gewinnt, doch mit wieviel Liebe zum Detail – auch inhaltlich – sie umgesetzt wurde, wird leider viel zu oft ignoriert. Die Grundthemen (Arroganz durch technischer Überlegenheit, Ignoranz gegenüber der Natur) wurden von Cameron ja bereits in den meisten seiner anderen Filme mal mehr („The Abyss“ und „Aliens“), mal weniger plakativ (u.a. „Terminator“ und „Titanic“) behandelt. Ob man den Film nun als Ethno- bzw. Ökokitsch wahrnimmt oder ihm auch eine inhaltliche Relevanz für unsere heutige Gesellschaft einräumt, hängt wohl mit dem Grad an Zynismus zusammen, mit dem man selbst seiner Umwelt begegnet.

Mir hat der Film bei der gestrigen Sichtung erneut sehr viel Freude bereitet. Die Geschichte ist mitreißend erzählt, die Figuren gut geschrieben und die audiovisuellen Aspekte über jeden Zweifel erhaben. Pandora atmet und lebt – und ich freue mich jetzt schon darauf, mich etwas mehr mit der Entstehungsgeschichte des Films zu befassen. Mal sehen, ob ich während meines Urlaubs ein paar Stündchen dafür herausschinden kann. Zum Thema Fassungen sei gesagt, dass der Extended Collector’s Cut ein paar nette, aber nicht zwingend nötige Erweiterungen enthält. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall gerne etwas länger auf Pandora verweilt.

Auch wenn „Avatar“ als erfolgreichster Film in die Geschichte des Kinos eingegangen ist, so sehe ich in ihm immer noch den indirekten Nachfolger von „The Abyss“ oder „Aliens“ – eben ein weiterer Film von unserem James Cameron (jetzt einmal als Genrefreund gesprochen). Auf die Fortsetzungen freue ich mich schon sehr, zumal ich bei Cameron alles erwarte, nur keinen Stillstand. Zu meinen Lieblingsfilmen möchte ich „Avatar“ zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zählen, doch viel fehlt nicht mehr: 10/10 Punkte.

Independence Day (1996)

Aktualisierung: Ich habe „Independence Day“ am 15. Februar 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht. Gestern Abend habe ich wieder einmal einen Film gesehen, bei dessen Sichtung ich feststellen musste, wie alt ich inzwischen bin. Kaum zu glauben, dass seit dem wunderbaren Kinoerlebnis „Independence Day“ bereits 15 Jahre vergangen sind. Mein halbes Leben. Gefühlt habe ich Roland Emmerichs Zerstörungsorgie allerdings erst vor ein paar Wochen gesehen, was auch daran liegen mag, dass dies einer der wenigen Filme ist, die ich damals als VHS-Kassette besaß.
Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Independence Day (1996) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Tatsächlich liegt meine letzte Sichtung von „Independence Day“ inzwischen bestimmt schon 10 Jahre zurück. Die meisten Szenen waren mir allerdings auch gestern noch lebhaft in Erinnerung. Insgesamt muss ich sagen, dass der Film erstaunlich gut gealtert ist. Sicher sind die Effekte nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit und wohl kein heutiger Erstzuschauer wird mit der gleichen Faszination vor dem Bildschirm sitzen, mit der wir damals aus dem Kino kamen. Doch den meisten dürften die ikonografischen Bilder ohnehin bekannt sein, die nicht ohne Grund ihren Weg in die Popkultur gefunden haben. Lässt man die auch heute noch beeindruckenden Effekte außer acht, so bleibt nur ein laues Lüftchen von einer Geschichte übrig, die mit eindimensionalen Charakteren bevölkert ist. Früher hat mich das nicht sonderlich gestört und ich fand sowohl Will Smiths Captain Steven Hiller, als auch Bill Pullmans President Whitmore ziemlich lässig. Heute allerdings besitzt einzig Jeff Goldblums Figur noch ein wenig Unterhaltungswert. Leider typisch für Roland Emmerichs Filme, doch im Gegensatz zu „The Day After Tomorrow“ und „2012“ bietet „Independence Day“ wenigstens ein brauchbares Sci-Fi-Setting.

Fazit

Wie bei anderen Filmen aus meiner Jugend hat natürlich auch „Independence Day“ bei mir einen gewissen Nostalgie-Bonus. Dennoch sind die Schwächen in der Handlung und Charakterzeichnung einfach nicht zu ignorieren. Auch wenn ich den Film heute wohl nicht mehr so häufig sehen würde, so hat er mich bei der gestrigen Sichtung jedoch ziemlich gut unterhalten. Wahrlich kein Genre-Klassiker, doch für mich ein prägender Film aus einer Zeit, in der man noch leichter zu begeistern war: 7/10 Punkte.

Wildes Russland

In letzter Zeit habe ich mich einmal wieder einer Dokuserie gewidment. Die NDR-Produktion „Wildes Russland“ versprach Naturbilder auf höchstem Niveau und sollte somit den von mir geliebten BBC-Dokumentationen „Unser blauer Planet“ und „Planet Erde“ in nichts nachstehen. Dank Blu-ray konnte mich die Serie audiovisuell auch voll und ganz überzeugen, doch wie sieht es mit der inhaltlichen Seite aus?

Seltsamerweise hat Russland auf mich noch nie eine sonderlich große Faszination ausgeübt. Da ich jedoch äußerst gerne qualitativ hochwertige Tierdokumentationen sehe, habe ich mich davon nicht abhalten lassen. Belohnt hat mich „Wildes Russland“ mit fantastischen Bildern, welche besonders in HD voll zur Geltung kommen. Ein Augenschmaus. Auch die akustische Untermalung weiß zu gefallen und die Erzählstimme Christian Brückners (Synchronsprecher von Robert De Niro) geht angenehm ins Ohr.

Inhaltlich hat man sich auf die sechs bekanntesten Gebiete Russlands beschränkt, welche jeweils in einer Episode abgehandelt werden – viel Stoff für je 45 Minuten. Es macht wirklich Spaß den einheimischen Tieren bei ihren Streifzügen durch die russische Tundra oder Arktis zuzusehen, doch manchmal hatte ich das Gefühl nicht so viele Informationen zu bekommen, wie dies bei den britischen Pendants der Fall ist.

Für Freunde hochwertiger Tierdokumentationen bietet „Wildes Russland“ beste Unterhaltung. Auch wenn die Serie in meinen Augen nicht ganz an die BBC-Vorbilder herankommt, so erlaubt sie doch einen ziemlich detaillierten Einblick in die Flora und Fauna dieses riesigen Landes. Das Making of sollte man zudem unbedingt in die Sichtung mit aufnehmen, macht es uns Zuschauern doch erst bewusst, was für ein enormer Aufwand hier betrieben wurde – ein Aufwand, der sich auf jeden Fall gelohnt hat: 8/10 Punkte.

Moulin Rouge – OT: Moulin Rouge! (2001)

Noch heute kann ich mich genau an meine Kinosichtung von „Moulin Rouge“ vor ziemlich exakt 10 Jahren erinnern. Ich war hin und weg. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet. Ein Film, wie ein Rausch. Ich weiß auch noch genau, dass wir es damals beinahe nicht ins Kino geschafft hätten, da wir Möbel für unsere neue Wohnung gesucht hatten. Erst heute kann ich abschätzen, welchen Stellenwert der Film in meiner persönlichen Filmgeschichte einnimmt.

Seit der damaligen Sichtung habe ich „Moulin Rouge“ vergleichsweise oft gesehen und ich kenne kaum einen Film, der bei mir jedes Mal aufs Neue einen solch imposanten audiovisuellen Eindruck hinterlässt. Baz Luhrmann („Australia“) hat hier wirklich alle Register gezogen und ein Meisterwerk geschaffen, an dem sich alle zukünftigen Musicalfilme messen lassen müssen. Normalerweise habe ich ein Problem mit Regisseuren, die sich einer zu artifiziellen Bildsprache bedienen, wie z.B. Jean-Pierre Jeunet oder Tim Burton, doch Luhrmann schafft es trotz der theaterhaften Kulissen und der äußerst lebendigen Montage echte Gefühle zu transportieren und eine mitreißende Geschichte zu erzählen. In meinen Augen eine unglaubliche filmische und künstlerische Leistung.

Natürlich leben Musicals auch immer von ihrer Musik und auch hier hat „Moulin Rouge“ Maßstäbe gesetzt. Der musikalische Streifzug durch die Popgeschichte ist absolut gelungen und kein Song wirkt aufgesetzt oder beliebig platziert. Besonders das ELEPHANT LOVE MEDLEY ist einfach nur grandios und gibt den Inhalt der Szene perfekt wieder, als wäre es nur für diesen Film geschrieben worden. Ich möchte nun gar keine weiteren Stücke hervorheben, denn alle sind absolut hörenswert. Einzig das extra für den Film komponierte COME WHAT MAY hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, wurde es doch von sehr begabten Freunden auf unserer Hochzeit vorgetragen.

Neben Inszenierung und Musik möchte ich noch die Schauspieler erwähnen, die ganz großartig in ihren Rollen aufgehen. Wer hätte Nicole Kidman und Ewan McGregor solch eine gesangliche Leistung zugetraut? Ich nicht, war aber umso positiver überrascht von ihnen. Für mich eine der gelungensten Darstellungen von wahrhafter, poetischer Liebe in einem Film. Auch die Nebendarsteller sind allesamt fantastisch. Von Kulissen, Kostümen usw. fange ich nun am besten gar nicht erst an.

Ihr merkt schon: „Moulin Rouge“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Kritikpunkte habe ich keine und ich bin mir sicher, dass ich den Film auch in 10 Jahren noch gerne schauen werde und er kein bißchen angestaubt wirken wird. Das ist Film, das ist Musik, das ist Kunst. Baz Luhrmann wusste sein Medium perfekt zu nutzen und das spürt man in jeder Einstellung – und sei sie noch so kurz: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Glee – Season 1

Was für ein unglaublicher Hype! Noch vor ein paar Wochen hätte ich schwören können, dass mich keine zehn Pferde dazu bringen, meine TV-Abende mit „Glee – Season 1“ zu verbringen. Doch dann habe ich aufgrund der teils schon euphorischen Kritiken tatsächlich einen Blick gewagt. Und was soll ich sagen? Es hat sich erstaunlicherweise wirklich gelohnt.

Zunächst einmal sollte ich vorausschicken, dass ich Musicals im Film generell recht zugeneigt bin. Egal ob Klassiker, wie „Der Zauberer von Oz“ oder Baz Luhrmanns modernes Meisterwerk „Moulin Rouge“ – ich bin stets begeistert und emotional eingebunden. Der aktuelle Hype um „Glee“ war mir jedoch stets unheimlich, beschwor er doch Assoziationen an „Highschool Musical“ und weitere auf die Zielgruppe Teenager zugeschnittene Werke. An die erste Episode wagte ich mich dann auch nur mit großen Vorbehalten heran.

Inzwischen ist mir „Glee“ jedoch schon so ans Herz gewachsen, dass ich mich abends öfter für die McKinley Highschool entscheide, als ich in bierseliger Runde zugeben würde. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Musicaleinlagen oft nicht so gut gefallen, wie ich mir das ursprünglich erhofft hatte. Die Stimmen klingen zu glattpoliert und die Performances zu sehr auf perfekten Pop gebürstet. Dennoch macht es meist Spaß und oft kann die Serie mit wirklich netten Popmusikreferenzen aufwarten.

Erstaunt hat mich, wie sehr mich die eigentliche Handlung mit ihren, auf den ersten Blick doch recht stereotypen, Charakteren zu begeistern vermag. Hier wird wirklich kein Klischee ausgelassen und auch wenn das „Glee“-Universum nicht gerade vor Realismus strotzt, so muss man doch zugeben, dass die darin lebenden Figuren doch ziemlich gut ausgearbeitet und geschrieben sind. Oft wird die feine Linie zur Satire überschritten und in diesen Szenen läuft die Serie wirklich zur Höchstform auf, was durch die guten Schauspieler noch einmal unterstützt wird. Gaststars, wie z.B. Neil Patrick Harris (Barney, „How I Met Your Mother“) sorgen zudem für stets frischen Wind im Glee Club.

Was fehlt in dieser Besprechung noch? Korrekt, natürlich die Erwähnung von Sue Sylvester, mit der die famose Jane Lynch endlich einmal den nötigen Erfolg bekommt, der ihr mit kleineren Serien – wie „Party Down“ – leider verwehrt blieb. Coach Sylvesters Fehde mit Will Schuester ist somit auch das Highlight jedes Erzählstrangs. Wirklich sehr unterhaltsam – und auch wenn aufgrund so mancher Performance der Fremdschämfaktor doch ziemlich hoch ist, so gibt es in jeder Episode genau das: 40 äußerst unterhaltsame und oft überraschende Minuten. Für mich Grund genug auch in Season 2 wieder einzuschalten: 8/10 (7.9) Punkte.

Pandorum (2009)

Was für eine Wundertüte von einem Film! Da erwartete ich mir wirklich nicht viel, doch dann bot „Pandorum“ genau die Art von Unterhaltung, wie ich sie im Kino viel zu lange vermisst habe. Christian Alverts atmosphärischer Sci-Fi-Horror ist dabei kein großes Kino (und will es auch nicht sein), bedient aber Genrefreunde so gut, wie kaum ein zweiter Film der letzten Jahre.

Als Freund von Filmen, die auf Raumschiffen spielen, hatte man in den letzten Jahren wahrlich keine große Auswahl. Sollten diese Raumschiffe dann noch Schauplatz eines Horrorszenarios sein, so kann man die Filme an einer Hand abzählen: Viel mehr als die „Alien“-Reihe und „Event Horizon“ hat dieses Subgenre leider nicht zu bieten. Für mich unverständlich, denn was gibt es unheimlicheres, als verlassene Raumschiffe mit irgendeiner mysteriösen Bedrohung in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls?

Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass dieses Subgenre auf ein sehr spezielles Publikum zielt und deshalb freut es mich umso mehr, dass Alverts Film sich auch voll und ganz auf seine Zielgruppe einlässt, ohne zu versuchen den Rest der Zuschauer auch noch irgendwie mitzunehmen. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz von uns Genrefans höher schlagen lässt: Von psychologischem Horror, über klassische Geisterhaus-Atmosphäre bis hin zu Monsteraction mit hohem Splatterfaktor. Das alles vor dem Hintergrund einer epischen Sci-Fi-Geschichte, welche mit sehr persönlichen Schicksalen verknüpft ist. Wie gesagt, eine wahre Wundertüte von einem Film.

Manchmal übertreibt es der Film ein wenig mit der Ausschöpfung der Genrekonventionen. Da gibt es plötzlich Kampfszenen, die an Martial Arts erinnern und manche Figuren wirken auch etwas deplatziert. Doch alles in allem bleibt die Atmosphäre schön dicht und die Geschichte ist mitreißend und unkonventionell genug, um aus dem Film mehr als nur eine Ansammlung von Versatzstücken zu machen. Zudem hat Alvert das Ende wirklich schön hinbekommen und ich finde es sehr schade, dass die ursprünglich geplante Trilogie wohl nicht umgesetzt wird.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich „The Descent“ im Weltall anfühlt oder wie wohl ein Spin-off der Serie „Firefly“ bzw. „Serenity“ ausgesehen hätte, das die Reaver ins Zentrum der Handlung stellt, der dürfte ziemlich viel Spaß mit „Pandorum“ haben. Auch allen anderen Genrefreunden – und wirklich auch nur diesen – kann ich den Film nur wärmstens ans Herz legen: 8/10 Punkte.