Going Postal: Ab die Post (2010)

Gestern Abend stand endlich ein weiterer Besuch der Scheibenwelt auf dem Plan. Mit „Going Postal“ hatte man dieses Mal sogar wieder einen Roman verfilmt, dessen Vorlage mir bekannt ist. Bereits damals fragte ich mich, wie man die komplexe und technisch teils äußerst aufwendige Geschichte jemals verfilmen könnte. Umso überraschter war ich insofern, dass man sich gerade dieses Buch ausgesucht hatte – andererseits: Welches Terry Pratchett-Werk wäre aufgrund seiner überbordenden Fantasie nicht schwierig zu verfilmen?

Wie bereits zuvor „Hogfather“ und „The Color of Magic“ wurde auch diese dritte Scheibenwelt-Verfilmung vom britischen TV-Sender Sky One produziert. Demzufolge handelt es sich bei „Going Postal“ auch um einen TV- und keinen Kinofilm. Dies hat Vor- und Nachteile, doch meiner Meinung nach kann man als Zuschauer und Terry Pratchett-Fan wirklich froh sein, dass man sich bei der Adaption für dieses Format entschieden hat. So gibt es zwar deutliche Einschränkungen was das Budget angeht, doch kann man sich aufgrund der Laufzeit von gut drei Stunden wunderbar auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren. Und mal ehrlich: Würden sich Hochglanz-Effekte tatsächlich gut bei der Visualisierung von Ankh-Morpork machen?

Als Adaption funktioniert „Going Postal“ wirklich tadellos. Ich war wirklich überrascht, wie gut es gelungen ist das Gefühl, die Figuren und die Struktur der Vorlage abzubilden. Eine Verfilmung, die „Ab die Post“ – so der deutsche Titel der Vorlage – absolut gerecht wird. Natürlich gibt es Abweichungen und manche Charaktere sind nicht so gut ausgearbeitet, wie ich mir das gewünscht hätte. Insgesamt jedoch kann man sich auch als Freund und Kenner der Vorlage absolut nicht beschweren und auch wenn „Ab die Post“ nicht zu meinen Lieblingsbüchern der Scheibenwelt-Reihe zählt, so funktioniert der Film als Adaption doch noch einmal deutlich besser, als dies bei „The Color of Magic“ der Fall war. Bitte mehr davon, Sky One!

Neben der natürlich exzellent ausgearbeiteten Geschichte, die eine Satire auf das Unternehmertum, die moderne Telekommunikation und noch unzählige andere Elemente des modernen Leben ist, überzeugen vor allem die allesamt exzellent gewählten Schauspieler: So wird die Hauptfigur Feucht von Lipwig von Richard Coyle (Jeff, „Coupling“) gespielt, Charles Dance (Tywin Lannister, „Game of Thrones“) gibt einen herrlich undurchschaubaren Lord Vetinari und Tamsin Greig (Beverly Lincoln, „Episodes“) ist in einer Nebenrolle als Reporterin zu sehen. Auch die restlichen Darsteller passen erstaunlich gut ins Scheibenwelt-Setting und vermitteln das richtige Gefühl für diese herrlich absurde Welt.

Glaubt man den Gerüchten, so soll die nächste Scheibenwelt-Verfilmung bereits in den Startlöchern stehen. Sky One hat sich anscheinend „Unseen Academicals“ (deutscher Titel: „Der Club der unsichtbaren Gelehrten“) ausgesucht, das bereits in Buchform allerdings erstaunlich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich bin dennoch gespannt und kann die Bemühungen des Senders weitere Verfilmungen zu produzieren nur unterstützen. Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und Terry Pratchetts wunderbare Welt glaubhaft auf den Bildschirm gezaubert. Für Fans und solche, die es werden wollen eine großartige Erfahrung: 9/10 Punkte.

Welcome to the Jungle – OT: The Rundown

Es gibt Filme, von denen weiß ich bereits zuvor, dass sie mir gefallen werden. Ebenso gibt es Filme, denen gehe ich bewusst aus dem Weg, da ich weiß, dass sie nicht auf meiner Wellenlinie liegen. Dann wiederum gibt es Filme, die kann ich überhaupt nicht einschätzen und deren Erstsichtung somit zum Glücksspiel verkommt. Peter Bergs „Welcome to the Jungle“ ist solch ein Film. Schon oft dachte ich mir, dass er eigentlich recht unterhaltsam sein müsste, doch gewisse Faktoren hielten mich stets von einer Sichtung ab. Bis heute. Und das Ergebnis dieses filmischen Glücksspiels?

Ich wurde tatsächlich erfolgreich unterhalten. Zwar habe ich kein Meisterwerk des Actionkinos gesehen, doch war die Dschungelreise von Dwayne ‚The Rock‘ Johnson (Boxer Santaros, „Southland Tales“) und Seann William Scott (Stifler, „American Pie“) erfreulich kurzweilig. Irgendwie hat mich der Film stets etwas an Sylvester Stallones „The Expendables“ erinnert, nur dass die dort misslungenen Elemente – übertriebene Kampfszenen mit nur mangelhaftem 80er/90er Jahre Actiongefühl – in „The Rundown“ viel besser funktionieren. Herrlich, wie bereits in einer der ersten Szenen Arnold Schwarzenegger das Action-Zepter symbolisch an den Star des Films weiterzureichen scheint: „Have fun!“ Ganz soweit ist es ja nicht gekommen, doch der Spaß war ohne Zweifel vorhanden.

Neben dem launigen Setting und den gut aufgelegten Darstellern (inklusive Christopher Walken als Bösewicht), gibt es wahrlich wunderbar choreographierte Kampfszenen zu bewundern. Leider jedoch ist die Kamera stets etwas zu hektisch unterwegs und mit diversen Schnittspielereien hätte sich Peter Berg auch gerne zurückhalten dürfen. Hier geht dem Film viel von seinem Potential ab, da die an sich klassiche Inszenierung und Handlung – übrigens ähnlich wie in „The Expendables“ – dadurch zu einem gewissen Teil wieder zerstört wird.

„The Rundown“ ist wahrlich kein Meisterwerk, doch Actionfreunde dürften garantiert ihren Spaß damit haben. Hinzu kommt ein wenig Indiana Jones-Feeling für Arme und ein paar knackige Oneliner. Fertig ist der nahezu perfekte Feierabendfilm. Wäre ich bei der heutigen Sichtung nicht ganz so müde gewesen, hätte ich vermutlich noch mehr Spaß mit dem Film gehabt: 7/10 Punkte.

Planet der Affen: Prevolution – OT: Rise of the Planet of the Apes (2011)

Aktualisierung: Ich habe „Planet der Affen: Prevolution“ am 19. Dezember 2018 und am 3. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe ich einen weiteren Blockbuster des vergangenen Jahres nachgeholt. Auch „Planet der Affen: Prevolution“ hätte ich gerne auf der großen Leinwand gesehen, doch konnte mich der Film auch auf dem heimischen Sofa überzeugen. Als ich von einem Neustart der Reihe hörte, war ich zunächst jedoch skeptisch. Komplett computergenerierte Affen? Ein inhaltlicher Bruch mit den Filmen der 60er/70er Jahre? Kann das wirklich gut gehen?

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Planet der Affen: Prevolution (2011) | © Walt Disney / LEONINE

Das Experiment ist geglückt. Tim Burton hatte ja bereits 2001 versucht dem Franchise neuen Schwung zu verleihen und ist damit gnadenlos gescheitert. Besonders Kritiker ließen an dem Remake des 1968er „Planet der Affen“ kein gutes Haar, was vermutlich auch ein Grund ist, warum man mit „Rise of the Planet of the Apes“ – so der Originaltitel des jüngsten Films – einen radikalen Neuanfang wagte. Sowohl inhaltlich, als auch inszenatorisch hat man sich auf neues Gebiet gewagt und damit den einzig richtigen Weg eingeschlagen, um sowohl Fans der Reihe als auch neue Zuschauer gleichermaßen zu begeistern.

Wenn man ehrlich ist, dann ist die Handlung des Films nicht sonderlich innovativ. Man hat den Ursprung des Aufstiegs der Affen an die heutige Zeit angepasst: Die atomare Bedrohung wurde durch die Gentechnik ersetzt. Wie bereits im 1972er „Eroberung vom Planet der Affen“ steht ein Schimpanse namens Caesar im Mittelpunkt der Handlung, doch waren damals Rassenunruhen der thematische Hintergrund, steht heute die Selbstbestimmung der Natur im Zentrum. Der Ablauf der Handlung ist somit vorgegeben und weist nur wenige Überraschungen auf. Dennoch ist der Film wunderbar mitreißend erzählt.

Wie kaum ein zweiter Blockbuster der letzten Jahre setzt „Planet der Affen: Prevolution“ auf Emotionen, um seine Geschichte zu erzählen. Dies ist umso bemerkenswerter, da die tierischen Hauptfiguren komplett aus Bits und Bytes bestehen. Dank Einsatz des hochentwickelten Performance Capture-Verfahrens gelingt es jedoch die Darbietungen der Schauspieler – allen voran Andy Serkis (Gollum, „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“) – nahezu 1:1 auf die computergenerierten Figuren zu übertragen. Der Effekt ist atemberaubend – und das weniger vom visuellen Standpunkt, als vom emotionalen her gesehen. So erlebt man echte Charaktere mit echten Gefühlen. Großartig!

Fazit

Mich hat „Planet der Affen: Prevolution“ wirklich wunderbar unterhalten. Die mitreißende Inszenierung lässt glücklicherweise über so einige Logikfehler hinwegsehen und die emotionale Wucht der Geschichte ist unerwartet unmittelbar. Nach dem Ende des Films wollte ich sofort wissen, wie es weitergeht und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung geplant ist. Starkes Blockbusterkino, das besonders für den VFX-Einsatz neue Maßstäbe setzt. Inhaltlich nur ein Prolog, doch einer, der unbeschreiblich viel Lust auf mehr macht: 8/10 Punkte.

Halloween (2007)

Den heutigen kinderlosen Nachmittag habe ich genutzt, um mir einen Film anzusehen, der schon seit einer halben Ewigkeit in meinem Regal schlummert. Über Rob Zombies „Halloween“ wurde damals viel geschrieben. So berichteten manche Kritiker von einer visionären Neuinterpretation und wieder andere taten den Film als ideenloses Flickwerk ab. Der Film hätte somit theoretisch alles sein können, doch wie rücksichtslos Rob Zombie den Mythos Michael Myers zerstört, damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet.

Bekannterweise erzählt Rob Zombie in seinem Remake die bisher nur angedeutete Hintergrundgeschichte einer der größten Ikonen des Horrorkinos. Auch wenn ich dies als großen Fehler sehe, da die geheimnisvolle Figur des Michael Myers vollkommen entmystifiziert wird, hätte man mit dem richtigen Ansatz das Franchise um einen neuen Blickwinkel erweitern können. Leider jedoch zaubert Zombie klischeehafteste Szenen aus dem Hut, die mit ihrer Küchenpsychologie eher peinlich komisch rüberkommen, als uns Zuschauer auch nur in irgendeiner Art und Weise an die Charaktere zu binden. Auch die nun folgende Zeit im Sanatorium samt Berfragung durch den als Dr. Loomis seltsam hilflos wirkenden Malcolm McDowell bringt keinerlei neue Erkenntnisse und ist zudem unglaublich langatmig und langweilig inszeniert.

Nach dem Sprung ins heutige Haddonfield wird John Carpenters Original nahezu unverändert nacherzählt. Dennoch liegen Welten zwischen den beiden Filmen. Angefangen bei den Darstellern, die in Zombies Remake keinerlei Sympathien auf ihre Seite ziehen können, bis zum desaströsen Drehbuch, das oft eher nach Parodie als nach einem ernsthaften Skript klingt, wirkt der Film wie eine der unzähligen und vernachlässigbaren Fortsetzungen des Originals und keinesfalls wie eine eigenständige Neuinterpretation. Teils musste ich mich tatsächlich durch den Film quälen, der immerhin ein paar nett anzusehende düster-dreckige Aufnahmen zu bieten hatte.

Ich kann Rob Zombies Remake nicht einmal den hartgesottensten Genrefans empfehlen. Schaut euch lieber noch ein dutzend Mal das stilprägende Original an. Zombies Machwerk langweilt dagegen nur mit 40 Minuten pseudo-psychologischem Geseiere in teils grotesken Bildern und zerstört den ursprünglich atmosphärischen Slasherteil durch nervige Charaktere und zu viel Blut. Für ein paar nett besetzte Nebenrollen und ein paar schöne Bilder gibt es knappe 3/10 Punkte.

Super 8 (2011)

Wie man es von J.J. Abrams-Produktionen gewohnt ist – seien es Serien oder Filme – wurde auch „Super 8“ sehr stark durch virales Marketing gepusht. Ließ der erste Teaser noch ein „Cloverfield“-Prequel vermuten, so ging schon bald das Raunen durch die filmische Blogosphäre, dass sich Abrams dieses Mal an einem 80er Jahre-Jugendabenteuer im Stil der Amblin-Produktionen versucht. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich diesen Film sehen muss. Unbedingt. Konnte er meinen immensen Erwartungen gerecht werden?

Von vielen Filmen wird behauptet sie seien eine Hommage an ein bestimmtes Genre. Nur die wenigsten dieser Filme können also solche wirklich überzeugen. „Super 8“ ist solch eine astreine Hommage. Nicht nur an ein Genre, sondern vor allem an eine Zeit, an einen Regisseur und eine Art und Weise Geschichten zu erzählen. Man merkt in nahezu jeder Szene die Liebe J.J. Abrams für das Genrekino der 70er/80er Jahre und besonders für das Kino Steven Spielbergs. So ist es auch kein Wunder, dass sich besonders Elemente aus drei auch meiner Lieblingsfilme („Die Goonies“, „E.T. – Der Außerirdische“ und „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“) in diesem modernen und doch so herrlich altmodischen Jugendabenteuer wiederfinden lassen.

Dem Film gelingt es unbeschreiblich gut die späten 70er Jahre wieder aufleben zu lassen. Über weite Strecken hätte „Super 8“ tatsächlich in diesem Jahrzehnt gedreht werden können. Leider jedoch hat man diese Wirkung für einige übertriebene Effektszenen geopfert. Dies ist auch mein einziger großer Kritikpunkt an dem Film: Warum musste das – zugegebenermaßen beindruckend anzusehende – Zugunglück so übertrieben bombastisch inszeniert werden? Weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen. Doch kann ich auch verstehen, dass man sich bei solch einer Produktion nicht einzig und allein auf den Nostalgiefaktor verlassen kann und für ein jüngeres Publikum entsprechende Schauwerte bieten muss.

Wer nach dem ersten Teaser etwas mehr Mystery erwartet hatte, wird auch enttäuscht worden sein. Die Geschichte um das entflohene Monster ist weder sonderlich wendungsreich noch innovativ. Hier hätte ich mir mehr Abenteuer und Überraschungsmomente gewünscht. Auch die Bedeutung des titelgebenden Super 8-Films ist leider nicht halb so groß, wie erwartet. Wirklich schade. Davon jedoch abgesehen erzählt „Super 8“ eine unerwartet rührende Geschichte und auch wenn das Finale zunächst in Effekten unterzugehen droht, so hat mir die letzte Szene jedoch Tränen in die Augen getrieben – und es hat sich gezeigt, dass Abrams Spielbergs Kino auch inhaltlich verstanden hat.

Neben der wunderbaren Ausstattung und den famosen Jungschauspielern, überzeugt vor allem die größtenteils klassische Inszenierung und Kameraarbeit (wenn man einmal von den übertriebenen Lens Flares absieht). Zwar ist die Geschichte nicht sonderlich innovativ oder mitreißend, was durch die nahegehende Reise der Charaktere und ihrer Familien mehr als nur ausgeglichen wird. „Super 8“ ist auf keinen Fall frei von Fehlern, doch wenn man – wie ich – mit den Amblin-Produktionen aufgewachsen ist und diese zu den persönlichen Lieblingsfilmen zählt, dann darf man auch gerne mal ein Auge zudrücken und in Nostalgie schwelgen: 9/10 Punkte.

Hangover 2 – OT: The Hangover Part II (WS1)

Wie angekündigt, habe ich nun auch die erste Wiederholungssichtung von „Hangover 2“ hinter mir. Bei der damaligen Erstsichtung war ich ziemlich begeistert, was rückblickend betrachtet allerdings auch den äußeren Umständen zuzuschreiben ist. Dennoch hatte ich auch gestern erneut sehr viel Spaß mit dem Film – für die nächste Sichtung sei aber vorgemerkt, dass ein größerer zeitlicher Abstand zwischen Teil 1 und 2 dem Filmerlebnis durchaus zuträglich wäre.

Da seit der Wiederholungssichtung von „Hangover“ erst drei Tage vergangen waren, fielen die Gemeinsamkeiten natürlich noch stärker ins Gewicht. Der Aufbau des Films wurde – Details, wie das Hochzeitsdinner einmal ausgenommen – wirklich nahezu unverändert übernommen. Aus Produzentensicht durchaus nachvollziehbar, schließlich hatte man ja eine perfekte Erfolgsformel gefunden. Aus Zuschauersicht wäre etwas mehr Abwechslung jedoch wünschenswert gewesen. Der Film funktioniert dennoch. Wie bereits im ersten Teil wird auch in „The Hangover: Part II“ das Reiseerlebnis durch stimmungsvolle Aufnahmen und atmosphärische Musikuntermalung perfekt eingefangen. Bangkok als exotischer Handlungsort wird somit greifbar.

Der Humor, der im vollbesetzten Kino noch perfekt zündete, war mir bei der gestrigen Sichtung teils etwas zu zotig. Dennoch musste ich erneut oft laut lachen, was stets ein gutes Zeichen ist und ich auch in diesem Teil hauptsächlich dem guten Timing des Regisseurs und der vier Hauptdarsteller zuschreiben möchte. Erstaunlicherweise haben mir dieses Mal Prolog und Epilog beinahe besser gefallen, als der Hauptteil des Films, was wahrscheinlich auch daran lag, dass mir dessen Struktur und Gags noch zu gut im Gedächtnis waren.

Auch wenn mich der Film nicht mehr ganz so gut unterhalten hat, wie bei der Kinosichtung, so ist er doch immer noch eine absolut würdige Fortsetzung des ersten Teils der erfolgreichen Reihe. Todd Phillips hat mit diesem Franchise wirklich ein gutes Händchen bewiesen und ich bin guter Dinge, was Teil 3 angeht – dann aber wieder mit mehr Leuten im Kino: 7/10 Punkte.

Homeland – Season 1

Wie jedes Jahr eroberten auch 2011 etliche neue TV-Serien die heimischen Bildschirme. Mit dem Finale von „Homeland – Season 1“ hat sich der gelungenste Neustart auch schon wieder verabschiedet. Obwohl ich zu Beginn nicht wirklich daran interessiert war noch eine Anti-Terror-Geschichte zu sehen, hat mich die Serie erstaunlich schnell in ihren Bann gezogen. Spannungskino und Charakterdrama auf höchstem Niveau? Gerne mehr davon.

„Homeland“ ist die US-Adaption der israelischen Miniserie „Hatufim – Prisoners of War“ und wirkt dennoch erstaunlich originär. Die behandelten Themen sind erschreckend aktuell und bilden weit mehr als nur die Arbeit der agierenden CIA-Agenten ab. Carrie Matheson wirkt wie die in einer Person gebündelte Psyche der Vereinigten Staaten nach den Terroranschlägen des 11. Septembers: paranoid und gebrochen, doch ebenso willensstark und handlungsbereit. Im Gegensatz zur thematisch ähnlich gelagerten Serie „24“ wird Action hier nur sehr wohldosiert eingesetzt. Handlung und Charaktere werden dagegen groß geschrieben. Kaum zu glauben, dass sich ein Großteil des gleichen Autorenteams für beide Serien verantwortlich zeigt.

Neben der klassisch inszenierten und wirklich höchst spannenden und wendungsreichen Geschichte, können vor allem die vielschichtig geschriebenen Charaktere überzeugen. Zum Leben erweckt werden diese durch hochkarätige Schauspieler, wie Claire Danes, Mandy Patinkin, Damian Lewis oder Morena Baccarin. Besonders Danes und Patinkin spielen famos und hätten sich alle Emmys dieser Welt verdient. Es ist eine wahre Freude ihnen beim Spielen zuzusehen. Großartig!

Mein wohl einziger Kritikpunkt liegt im Staffelfinale begründet, das einerseits die spannendsten 80 Minuten Serienunterhaltung darstellt, die ich dieses Jahr genießen durfte, andererseits aber auch ziemlich ärgerlich ist. Vorsicht Spoiler: Brodys Entscheidung fand ich extrem unglaubwürdig, besonders in Hinsicht darauf in der nächsten Staffel mit seinem Plan weiterzumachen. Man wird ihn als Zuschauer nun nie mehr als echte Bedrohung empfinden. Ich hatte hier den Eindruck als hätten die Macher der Serie nur gefallen an dem Charakter bzw. Schauspieler gefunden und wollten diesen nicht endgültig opfern, was meiner Meinung nach jedoch eine viel stärkere Wirkung gehabt hätte. Mich würde nun sehr interessieren, wie man im Falle von „Hatufim – Prisoners of War“ mit dieser Situation umgegangen ist.

Trotz der leichten Verärgerung über das Finale, hat mich „Homeland“ so gut unterhalten, wie kaum eine zweite Serie in diesem Jahr. Ich hoffe sehr, dass die Autoren einen Kniff finden, um auch die zweite Staffel ähnlich mitreißend zu gestalten und mich als Zuschauer wieder an eine echte Bedrohung glauben zu lassen. Selbst wenn man mit dem Genre nicht so viel anfangen kann – bzw. glaubt mit „24“ schon alles in dieser Richtung gesehen zu haben – sollte man auf jeden Fall mehr als nur einen Blick riskieren: 9/10 (8.8) Punkte.

Hangover – OT: The Hangover (2009) (WS1)

Nach einem mehr oder weniger anstrengenden Tag fiel die abendliche Filmwahl auf einen alten Bekannten, der den erkältungsgebeutelten Kopf möglichst wenig anstrengen sollte. So kam es dann auch und ich konnte Todd Phillips‘ Erfolgskomödie „Hangover“ ohne größere Beschwerden genießen. Im Player lag übrigens der Extended Cut, der jedoch keiner besonderen Erwähnung bedarf, da die relativ belanglosen Erweiterungen wohl nur Hardcore-Fans auffallen dürften, die den Film öfter als dreimal im Jahr zu ihrem Pflichtprogramm zählen.

Wirklich erstaunt und positiv überrascht war ich, wie gut der Film auch bei einer wiederholten Sichtung noch funktioniert. Das hätte ich nach meinem Kinobesuch vor gut zwei Jahren so nicht erwartet. Die Geschichte ist nun zwar bekannt, doch gewinnen manche Szenen tatsächlich dadurch, dass man bereits weiß was auf die Charaktere zukommt. Hinzu kommt, dass mein filmisches Gedächtnis so schlecht bzw. „The Hangover“ gerade so oberflächlich ist, dass ich mich an viele Details schon gar nicht mehr erinnern konnte. Somit hatte ich bei der gestrigen Sichtung beinahe ebenso viel Spaß, wie bei der Erstsichtung damals im Kino.

Besonders gut funktioniert in dem Film das Ensemble. Hier hat man wirklich ein gutes Händchen für die Wahl der Darsteller bewiesen. Neben Bradley Cooper (Eddie Morra, „Ohne Limit“) und Ed Helms (Andy Bernard, „The Office“) wissen besonders Zach Galifianakis (Ray, „Bored to Death“) und Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) zu überzeugen, die ein wahres Feuerwerk an Absurdität abfeuern. Sicher völlig übertrieben und selbstzweckhaft, doch unglaublich unterhaltsam und erfrischend. Für mich ein Grund, warum auch der zweite Teil so gut funktioniert hat, dessen Wiederholungssichtung die nächsten Tage bestimmt auch noch ansteht.

Ansonsten gilt es abermals die famose audiovisuelle Gestaltung zu loben. Man hat wirklich das Gefühl mit den Jungs auf Streifzug durch Las Vegas zu sein. Auch wenn die musikalische Untermalung normalerweise nicht mein Geschmack ist, so weckt sie doch gewisse Erwartungen und unterstreicht das Gefühl der schier unendlichen Möglichkeiten. Der Film hat gewiss seine Schwächen, doch insgesamt stellt „The Hangover“ eine Ausnahmekomödie dar, die auch beim wiederholten Anschauen zu überzeugen weiß: 8/10 Punkte.

Bolt: Ein Hund für alle Fälle – OT: Bolt (2008)

Gestern Abend wanderte das zweite meiner filmischen Weihnachtsgeschenke in den dazugehörigen Player. Auf Disneys „Bolt: Ein Hund für alle Fälle“ hatte ich mich schon lange gefreut, war aber gleichzeitig skeptisch, da es sich um einen Alleingang des Animationsgiganten ohne ihren langjährigen Partner Pixar handelt. Der letzte große Disney-Animationsfilm „Tangled“ gefiel mir jedoch ausgezeichnet und so war ich guter Dinge, dass mich auch „Bolt“ nicht enttäuschen würde…

Um es kurz zu machen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar außergewöhnlich gut unterhalten. Bereits der Prolog des Films feuert solch ein Actionfeuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Völlig übertrieben und zügellos gibt man sich sämtlichen Klischees und Unarten hin, die sich im jüngeren Actionkino Hollywoods etabliert haben. Herrlich! Man bekommt folglich eine überzeichnete Persiflage des Genres zu sehen, die gleichzeitig als Hintergrund für die nun folgende Geschichte dient. Die Prämisse ist dabei so einfach, wie genial: Ein tierischer Filmstar, dem nicht bewusst ist, dass er stets nur eine Rolle gespielt hat, muss sich durch eine Welt mit ihm unbekannten Regeln kämpfen. Eine herrliche Fish-Out-of-Water-Geschichte, die nicht nur manchmal an die Abenteuer von Don Quijote (oder Buzz Lightyear) erinnert.

Im Gegensatz zu „Tangled“, der eher an die großen Disneyklassiker anschließt, erinnert „Bolt“ mehr an die Pixar-Filme der jüngeren Zeit. Oft legt der Film ein unglaubliches Tempo vor, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ruhigen Charaktermomenten zu glänzen. Besonders die Nebenfiguren Mittens und Rhino treiben die Geschichte wunderbar komisch voran, ohne jedoch nur als Stichwortgeber zu fungieren. Die Balance stimmt hier einfach, was besonders den Drehbuchschreibern hoch anzurechnen ist.

Neben der kurzweiligen Handlung, hat mich vor allem die Inszenierung überzeugt. Detailreiche Charaktermodelle und ein zum Teil herzerweichender Animationsstil sind das Grundgerüst für einen visuellen Genuss erster Güte. Hinzu kommen teils gezeichnet wirkende Hintergründe, welche dem Film einen handgemachten Eindruck verleihen. Einzig die Darstellung der menschlichen Charaktere wirkt teils etwas befremdlich, doch das ist bei den meisten Animationsfilmen der Fall und wirkt hier keineswegs störend.

Ich bin wahrlich begeistert und kann „Bolt“ allen Animationsfreunden nur ans Herz legen. Eine nette und kurzweilige Geschichte, starke Sprecher (u.a. John Travolta und Susie Essman) und eine mitreißende Inszenierung machen den Film für nahezu jede Altersklasse sehenswert. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Film bei kommenden Sichtungen noch wachsen wird: 9/10 Punkte.

Breaking Bad – Season 4

Das Kind schläft, die Frau ist unterwegs und ich sitze mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und schaue die letzten Episoden von „Breaking Bad – Season 4“. Auch wenn ich mir meinen Urlaub anders vorgestellt hatte, so gibt es doch weit schlechtere Alternativen seine Nachmittage zu verbringen. Nun bin auch ich auf dem aktuellen Stand der Serie und kann verstehen, warum gerade die vierte Staffel so gelobt wird. Das Finale ist wirklich Spannungskino par excellence.

Zu Beginn der Staffel wird zunächst der Cliffhanger des letzten Jahres aufgelöst, weshalb mir der Übergang sehr fließend erschien und sich beide Staffeln kaum voneinander trennen lassen. Nach dem temporeichen Auftakt wird zunächst ein paar Gänge heruntergeschaltet und es werden die Voraussetzungen für das große Finale geschaffen. Besonders Jesse muss erst einmal ganz unten ankommen, um von Walters Nemesis Gustavo ‚Gus‘ Fring (grandios gespielt von Giancarlo Esposito) wieder aufgebaut werden zu können. Doch auch in Walters Familie gibt es so einiges zu überwinden und neu zu verhandeln. Nach einem emotionalen Zusammenbruch gelingt es sogar Mr. White höchstpersönlich gegen Ende stärker denn je aus dem Chaos aufzusteigen.

Nach einem etwas schleppenden Mittelteil sind die letzten vier Episoden als großes Finale zu sehen, das in jeder Hinsicht eine wahre Freude ist. Perfekter Spannungsaufbau, herrliche Charaktermomente und eine dichte Inszenierung runden die Staffel zum Ende hinaus ab. Die geläufige Meinung ist, dass das Finale sogar wunderbar als Abschluss der Serie funktioniert hätte. Ich jedoch kann mich dem nicht anschließen. Es ist zu sauber, zu perfekt und – trotz des zweideutigen Endbilds – zu harmonisch. Gerade für Jesse und Walter würde ich mir mehr wünschen – wie auch immer das aussehen mag.

Was mag nun also die fünfte Staffel für Überraschungen bereithalten? Tritt Walter die Nachfolge von Gus Fring an? Kommt es endlich zu Konfrantation zwischen Walter und Hank? Wird Jesse ein glückliches Leben führen können? Es ist wieder alles offen und ich wünsche mir für die Serie ein ähnlich packendes Finale, wie es David Chase für „The Sopranos“ gelungen ist. Bis dahin bildet das vierte Jahr die bisher gelungenste Staffel der Serie: 9/10 (8.9) Punkte.