Howard: Ein tierischer Held – OT: Howard the Duck (1986)

Für den heutigen Filmabend zum Start ins Wochenende habe ich mir ein ganz besonderes Werk ausgesucht. Wie vor einigen Wochen bereits bei der Aufzählung der Top 10 meiner Guilty Pleasures erwähnt, gehörte „Howard: Ein tierischer Held“ in meiner Kindheit bzw. Jugend zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Jede TV-Zeitschrift wurde nach neuerlichen Ausstrahlungen durchsucht, wodurch es der Film auf eine bestimmt stattliche Anzahl an Sichtungen brachte. Die DVD steht inzwischen schon seit geraumer Zeit ungesehen im Regal und somit war ich gespannt, wie sich Howard denn heute so schlägt…

Ich sollte vorausschicken, dass ich den Film bei der heutigen Sichtung zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte. Dies war zu Beginn etwas ungewohnt, doch hat sich letztendlich ausgezahlt: Es ist unglaublich, wie viel Wortwitz in dem Film steckt. Da jagt tatsächlich ein Oneliner den nächsten. Ebenso dürfte ich den Film heute zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen haben. Da wir lange Zeit keinen VHS-Rekorder besaßen, musste ich als Kind stets auf die – meist sonntagnachmittags stattfindende – TV-Ausstrahlung zurückgreifen, die doch um etliche harrsche Szenen erleichtert war. Den Film habe ich dennoch geliebt. Ebenso wie Lea Thompson, die mit ihrem Auftritt in „Howard the Duck“ wohl zu einer der ersten Frauen gehört haben dürfte, die ich wirklich heiß fand.

Doch wie schlägt sich der viel gescholtene Film heute? Ist er letztendlich ein filmisches Desaster, das nur durch Kinderaugen gesehen glänzte? Mitnichten! Ich war ja wirklich skeptisch und während des Prologs auf Howards Heimatplaneten musste ich mich beinahe fremschämen: Das sollte einer der Klassiker meiner Kindheit gewesen sein? Doch schon schnell hatte mich der Film wieder in seinem Bann. Der Humor ist köstlich, die 80er Jahre-Atmosphäre perfekt eingefangen und die Geschichte geht allem so gegen den Strich, dass es eine wahre Freude ist! Wie konnte George Lucas nur jemals davon ausgehen, dass dieser Film ein finanzieller Erfolg werden würde? Für ihn gibt es keine Zielgruppe: Erwachsene finden ihn zu albern, für Kinder ist er zu brutal und zu sehr mit anzüglichen Anspielungen durchsetzt. Die Actionszenen sind völlig übertrieben und chaotisch, die Charaktere grandios over-to-top und der Bösewicht äußerst abstoßend. Seltsamerweise funktioniert der Film dennoch tadellos – zumindest für mich. So viel Spaß hatte ich schon lange bei keiner Sichtung mehr.

Ich bin wirklich froh Howard nach all den Jahren noch eine Chance gegeben zu haben. Der Film ist einfach herrlich! Alleine um den jungen Tim Robbins (Andy Dufresne, „Die Verurteilten“) als völlig hysterischen Wissenschaftsassistenten Phil Blumburtt zu sehen, lohnt sich das Reinschauen. Mal abgesehen von aller Nostalgie und Verklärung ist der Film weit nicht so schlecht, wie er stets gemacht wird. Er nimmt sich selbst nicht ernst und das sollte man auch nicht als Zuschauer, denn wenn man ihn als abgedrehten Genremix mit starkem 80er Jahre-Einfluss sieht, dann dürfte man auf jeden Fall seinen Spaß damit haben. Simply ducktastic: 8/10 Punkte.

Unknown Identity – OT: Unknown (2011)

Freitagabend. Filmzeit. Der Ausklang einer durchaus fordernden Arbeitswoche. Was kann es Schöneres geben? Natürlich muss auch der Film mitspielen. Dieses Mal gab es Jaume Collet-Serras „Unkown Identity“ zu sehen und die Wahl des Films stellte sich glücklicherweise als gelungen heraus. Einem unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende sollte somit nichts im Wege stehen… Spoiler sind zu erwarten.

Nach Sichtung des Trailers erwartete ich mir eine Art „96 Hours“ in Berlin. Liam Neeson sehe ich ohnehin gerne und seine aktuelle Neuausrichtung als alternder Actionstar gefällt mir äußerst gut. Hinzu kommt natürlich der Handlungsort Berlin, für den der Film besonders in Deutschland doch für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Welche andere Actionfilmreihe der letzten Jahre ist für seine europäischen Schauplätze bekannt? Richtig, die Agententhriller rund um Jason Bourne. Ein Vergleich drängt sich folglich auf und wird auch von der Presse forciert. Wie also schneidet „Unknown Identity“ in diesem Vergleich ab? Meiner Meinung nach deutlich besser, als die überschätzte Bourne-Trilogie.

In der ersten Stunde bekommen wir – anders als ich erwartet hatte – eher einen ruhigen Mindfuck-Thriller zu sehen, als einen Actionfilm. Hier wäre wirklich alles möglich gewesen: von der abgedroschenen ‚Ich liege seit dem Unfall im Koma und spinne mir die Handlung nur zusammen‘-Prämisse bis hin zur ‚Eine böse Geheimorganisation hat mein Gedächtnis ausgelöscht‘-Rahmenhandlung. Der eigentliche Twist kommt zwar relativ unaufgeregt daher, doch hatte ich ihn wahrlich nicht in dieser Form erwartet. Letztendlich ist es lediglich ein Zufall – man mag es auch Schicksal nennen –, dass Liam Neesons Figur die im Film gezeigte Wandlung durchmacht.

Auch wenn mann die Logik nicht zu sehr hinterfragen sollte, so ist die Handlung des Films innerhalb seines Universums erstaunlich konsistent und nachvollziehbar aufgebaut. Selbst die Motivation der einzelnen Charaktere wird nicht sprunghaft in andere Bahnen gelenkt, wodurch sich ein äußerst rundes Gesamtbild ergibt. Dieses wird durch die teils erstaunlich ruhige, teils äußerst tempramentvolle Inszenierung unterstützt. Berlin als Handlungsort ist zudem wirklich gut gewählt, besonders da die Zusammensetzung des Ensembles aus deutschen und amerikanischen Charakteren aufgrund der überzeugenden Schauspieler auch ausgezeichnet funktioniert.

Ich hatte mit „Unknown Identity“ wirklich extrem viel Spaß. Eine Bewertung fällt mir nun dennoch nicht leicht, da es einer dieser Filme ist, die wohl nur bei der Erstsichtung 100%-ig mitreißen. Eine potentielle Folgesichtung kann nur verlieren. Dennoch bewerte ich mit dieser Besprechung natürlich den ersten Eindruck und dieser war einfach nur sehr gut. Jedem Thrillerfan kann ich diese mitreißende Suche nach der der eigenen Identität im nächtlichen Berlin nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Out of Sight (1998)

Es gibt Filme, die in gewissen Lebensabschnitten eine besondere Bedeutung besitzen. Auch Steven Soderberghs „Out of Sight“ gehört zu diesen Filmen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich den Film damals bei der ersten Sichtung im Kino mochte. George Clooney war spätestens seit „From Dusk Till Dawn“ enorm angesagt und bereits im Jahr zuvor gelang es Quentin Tarantino mit der Elmore Leonard-Verfilmung „Jackie Brown“ zu begeistern. Soderbergh kombinierte nur noch beide Elemente: Was sollte da noch schief gehen?

Glücklicherweise nicht viel. Auch wenn Stephen Soderbergh nicht komplett die entspannte Coolness eines „Jackie Brown“ erreicht, so ist seine Elmore Leonard-Adaption doch eine unglaublich unterhaltsame Mischung aus Caper-Movie und Screwball-Komödie. George Clooney und Jennifer Lopez geben wahrlich ein fantastisches Leinwandpaar mit erstaunlich glaubwürdiger Chemie ab. Damals hatte ich nach diesem Film und Oliver Stones „U-Turn“ sogar noch große Hoffnungen für Frau Lopez als Schauspielerin – doch das war bevor sie sich auf ihr Latinageträller konzentrierte. Auch die restlichen Schauspieler, wie Ving Rhames, Steve Zahn, Don Cheadle, Dennis Farina und Samual L. Jackson (mit einem Cameoauftritt) können sich sehen lassen.

Soderbergh inszeniert die flotte Gangstergeschichte lockerleicht und lässt Miami in sonnendurchfluteten Bildern aufleben, nur um uns in der zweiten Filmhälfte ins düsterkalte Detroit zu entführen. Die nicht chronologisch erzählte Geschichte ist ausreichend komplex, kann jedoch nicht an die in den 90er Jahren populären Gangsterfilme Tarantinos anknüpfen. Die Stärken von „Out of Sight“ liegen eher in der Kombination aus glaubwürdiger Liebesgeschichte und Gangsterkomödie. Beide Bestandteile des Films harmonieren dafür aber ausgezeichnet miteinander.

Auch wenn man dem inzwischen immerhin schon 14 Jahre alten Film die 90er Jahre ansieht, so ist er doch überraschend gut gealtert. Zwar konnte er mich bei dieser aktuellen Sichtung nicht mehr zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen, wie noch damals, doch hat er mich erneut zwei Stunden bestens unterhalten – und ich bin mir sicher das wird ihm auch das nächste Mal gelingen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich von der Liebesgeschichte nicht abschrecken lassen und sich ganz entspannt auf das Abenteuer „Out of Sight“ einlassen: 8/10 Punkte.

Dexter – Season 6

In den vergangenen Jahren stellte die Serie stets eines der Highlights der aktuellen Saison dar. Bereits letztes Jahr ließen sich jedoch erste Abnutzungserscheinungen feststellen und mit „Dexter – Season 6“ hat die Serie nun endgültig ihren Stellenwert als Ausnahmeserie verloren. Bietet „Dexter“ dennoch weiterhin gute Unterhaltung oder ist der Qualitätsabfall ein Grund nicht mehr einzuschalten? Spoiler sind zu erwarten.

Bei Beginn der Staffel habe ich – wie bereits im letzten Jahr – noch über die schlechten Kritiken geschmunzelt und wurde selbst erneut sehr gut unterhalten. Schließlich gab es verrückte Serienkiller, spannende Mordfälle und eine durchaus vielversprechende Ausgangssituationen für unsere Charaktere zu bewundern. Doch bereits noch während der ersten Staffelhälfte häuften sich Füllepisoden und es zeichnete sich – noch viel schlimmer – bereits die große Wendung dieser Staffel ab. Ganze 13 Jahre nach „Fight Club“ oder auch „The Sixth Sense“ zaubern die Autoren doch tatsächlich den alten Huch, der ist ja schon tot!-Trick aus dem Hut. Die Heranführung ist dabei so penetrant offensichtlich, dass mich wirklich einmal interessieren würde, wer nicht spätestens nach der Manifestation von Dexters Dark Passenger in Form seines Bruders um das Schicksal von Professor Gellar wusste.

Der groß angelegte Twist der Staffel hat mich somit nur verärgert. Mindestens 10 Jahre zu spät und viel zu plump inszeniert. Das hatte ich von den „Dexter“-Autoren wahrlich nicht erwartet. Einmal davon abgesehen hat mir die Rahmenhandlung rund um den religiösen Fanatiker recht gut gefallen und auch den Gegenpol in Gestalt von Brother Sam fand ich gelungen. Hinzu kommen einige interessante Nebenhandlungen, wie z.B. Masukas Assistenten oder das Call Girl mit Überdosis, die zudem Potential für die kommende Staffel offenbaren. All dies täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass ich oft das Gefühl hatte die Autoren der einst so dicht und mitreißend geschrieben Serie wären nachlässig geworden; besonders was die Charakterzeichnung angeht. Wenigstens das Finale macht einen längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung. Was für ein Cliffhanger!

Insgesamt bietet auch das sechste Jahr mit dem viel zu sympathisch gezeichneten Serienkiller gute Unterhaltung. Keine Frage. Spannung ist vorhanden, es ist nett wieder Dexters verqueren Gedanken zu lauschen und Debra fluchen zu hören. Das große Ganze mag aber nicht mehr reibungslos funktionieren. Sand hat sich im Getriebe der Serie festgesetzt – und ich hoffe sehr, dass die Autoren diesen bis zum Start der nächsten Staffel wieder zu entfernen wissen. Immer noch sehenswert, doch für „Dexter“ leider auch etwas enttäuschend: 7/10 (7.4) Punkte.

Tödliche Weihnachten – OT: The Long Kiss Goodnight (1996)

Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse, habe ich gestern Abend einmal wieder einen thematisch passenden Film hervorgeholt, den ich bestimmt schon seit gut 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die Rede ist von Renny Harlins „Tödliche Weihnachten“, der mich damals bei nahezu jeder TV-Ausstrahlung ziemlich gut zu unterhalten wusste. Trügt die Erinnerung an vergnügliche Stunden oder kann der Film auch heute noch überzeugen?

Ich muss gestehen, dass mir die Handlung des Films nur noch sehr rudimentär im Gedächtnis war. An die Eckpfeiler der Geschichte – eine Art Vorwegnahme der Verfilmung von Robert Ludlums „Die Bourne Identität“ – konnte ich mich jedoch noch recht gut erinnern, weshalb die Aufdeckung der Identität Samantha Caines bzw. Charly Baltimores keine große Überraschung darstellte. Der Weg zum großen Finale ist mit diversen Actioneinlagen gespickt, die allesamt herrlich altmodisch inszeniert sind. Ein typischer Actionfilm der 90er Jahre eben – und hier macht es einem der Film manchmal nicht gerade leicht,  denn oftmals ist es nur ein schmaler Grat zwischen herrlich altmodisch und einfach nur altbacken, was sich besonders in der Figur des Mitch Henessey äußert. Ein typischer Sidekick dieser Epoche.

Ich für meinen Teil bin großer Anhänger des 80er/90er Jahre Actionkinos, weshalb mir der Film auch heute noch enorm viel Spaß macht. Dieser Wahrnehmung liegt allerdings ein nicht zu vernachlässigender Grad an nostalgischer Verklärung zugrunde, weshalb ich vermute, dass „The Long Kiss Goodnight“ für die Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer ziemlich überholt wirkt. Auch wenn Geena Davis in diesem Film oftmals überfordert wirkt, so freut es mich doch stets eine weibliche Actionheldin zu sehen, die den starken Part in der Geschichte übernimmt und dabei wahrlich keine Gefangenen macht.

Auch wenn Look und Inszenierung heute schon ein wenig Staub angesetzt haben, so beweist Renny Harlin auch in „The Long Kiss Goodnight“ sein Händchen für imposante Action. Besonders das Finale an den Niagara-Fällen hat es mir besonders angetan. Was für ein herrlich übertriebenes Actionfeuerwerk! Von den großen Genreklassikern ist der Film weit entfernt, Shane Black hat auch schon deutlich bessere Drehbücher geschrieben und wenn man nicht mit dem Film aufgewachsen ist, sollte man vermutlich nicht zu viel erwarten. Ich jedoch hatte wieder enorm viel Spaß mit dem Ausflug zurück in eine einfachere Zeit, in der Action noch Action war und Mobiltelefone ein Kilo wogen: 7/10 Punkte.

Midnight in Paris (2011)

Woody Allen hatte ich nie bewusst auf meinem filmischen Radar. Die meisten seiner Klassiker kenne ich noch von diversen TV-Ausstrahlungen, doch aktiv beschäftigt habe ich mich nie mit dem misanthropischen Stadtneurotiker. Durch seinen jüngsten Film „Midnight in Paris“ ist er jedoch wieder in mein persönliches Rampenlicht gerückt. Es mag an Paris liegen, der phantastisch angehauchten Prämisse oder auch Owen Wilson, den ich für ziemlich unterschätzt halte. Es sollte eine magische Reise werden…

Ich war 17 als ich mit Freunden zum ersten Mal alleine und unbeaufsichtigt in einer großen Stadt Urlaub machte. Eine abgehalftere Jugendherberge in Paris, rudimentärste Sprachkenntnisse und ein Gefühl von Abenteuer. Die Erinnerung daran kommt mir vor wie aus einem anderen Leben. Dennoch habe ich dieses magische Gefühl, das Paris bei diesem kurzen Trip vor gut 14 Jahren bei ausgelöst hat, nicht vergessen. Und genau solch ein magisches Gefühl gelingt es Woody Allen in „Midnight in Paris“ heraufzubeschwören. Es ist weniger die Handlung des Films, die über weite Strecken vorhersehbar bleibt, oder die oft nur angerissenen Charaktere – nein, es ist die beinahe schon magische Atmosphäre, die den Film so sehenswert macht.

Gil Penders nächtliche Streifzüge, die letztendlich – wie sollte es auch anders sein – in einer für den Zuschauer nur konsequenten Selbsterkenntis gipfeln, hat Allen so herrlich unspektakulär in die Handlung eingewoben, dass es eine wahre Freude ist. Es gibt keine forcierten Erklärungsversuche und kein aufgesetztes Hinterfragen. Unser verhinderter Autor nimmt die Situation wie sie ist und stürzt sich kopfüber in die Roaring Twenties. Die dort stattfindenden Begegnungen mit nahezu jeder Künstlergröße dieser Epoche sind wunderbar unterhaltsam inszeniert und mit pointierten Dialogen durchsetzt. Ich muss jedoch zugeben, dass wohl nur jede dritte Anspielung zu mir durchgedrungen ist. Zwar konnte ich nahezu jeden Namen einordnen, habe gewisse Werke gelesen oder gesehen, doch um wirklich alles verstehen zu können, müsste man sich wohl ausführlicher mit Literatur und bildender Kunst der damaligen Zeit auseinandersetzen.

Große Kritikpunkte kann ich an „Midnight in Paris“ nicht finden. Von mir aus hätte der Film ruhig noch etwas länger laufen können, doch dies ist eigentlich nur ein weiteres Kompliment. Man verabschiedet sich – wie im atmosphärisch ähnlich gelagerten „Before Sunrise“ – eben nur sehr ungern vom nächtlichen Paris, den inspirierenden Begegnungen und auch der Hauptfigur. Das Ende hat mir zwar gut gefallen, doch war es viel zu vorhersehbar, wie leider große Teile der Handlung des Films. Formal hätte ich auf den exzessiv eingesetzten Gelbstich der Farbkorrektur verzichten können. Natürlich wollte Allen eine Postkartenidylle schaffen. Ein verklärtes Parisbild nicht ohne Ironie. Einen Künstlertraum. Doch weniger wäre hier in meinen Augen mehr gewesen.

Insgesamt ist Woody Allens jüngster Film unglaublich entspannte Unterhaltung. Ein Wohlfühlfilm, wie er im Buche steht. Owen Wilsons Gil Pender ist dabei kein schlecht gelaunter Misanthrop, sondern ein nostalgischer Träumer – und gerade dies macht den Film in meinen Augen so sympathisch. Ich bin mir fast sicher, dass ich bei einer garantiert folgenden nächsten Sichtung des Films besser über seine Schwächen hinwegsehen kann. Es ist noch Potential vorhanden. Dennoch möchte ich schon jetzt eine dringende Empfehlung aussprechen. Nicht nur für alle Träumer da draußen. Starke 8/10 Punkte.

Bored to Death – Season 3

Mit der Absetzung von „Bored to Death – Season 3“ findet eine der wohl skurrilsten Serien ihr verfrühtes Ende. Ihr Humor war ziemlich einzigartig und die Handlung herrlich absurd, weshalb die Serie wohl auch eine große Lücke hinterlassen wird. Nach insgesamt nur 24 Episoden heißt es nun also Abschied nehmen von Jonathan Ames, Super Ray und Mr. George Christopher – und auf eine feine Blu-ray-Edition der Serie hoffen.

Wenn eine Serie aus der grauen Masse heraussticht, dann darf man dies durchaus als etwas Besonderes betrachten. Speziell im Comedy-Segment geben zurzeit eher klassische Sitcoms, Mockumentarys oder – auf den Bezahlsendern – freizügige Erwachsenenunterhaltung à la „Californication“ den Ton an. Insofern darf man es sowieso als kleines Wunder betrachten, dass es „Bored to Death“ überhaupt bis in ihr drittes Jahr geschafft hat. Eine Comedy ohne platte Anzüglichkeiten, Humor abseits der Massenkompatibilität und Anspielungen, die sich weniger auf die Popkultur, als auf klassische Literatur beziehen. Hinzu kommen skurrile Charaktere und ein herrlich stilisiertes Film-Noir-Setting.

Im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln hat die Qualität der erzählten Geschichten zwar etwas abgenommen, dennoch ist es weiterhin ein meisterliches Vergnügen den drei Hauptfiguren bei ihren Abenteuern zuzusehen. Das zusätzliche persönliche Drama (Vater-Tochter-Beziehung, Suche nach Samenspender usw.) wirkt teils etwas forciert, doch werden auch diese Elemente mit dem richtigen Maß an Skurrilität präsentiert. Man kann diese Figuren einfach nur lieben – und das auch (oder gerade weil) sie eben unzählige kleine und große Charakterschwächen besitzen.

Wie bereits angesprochen finde ich es extrem schade, dass die Serie abgesetzt wurde. Glücklicherweise ist das Finale absolut stimmig und stellt ein Highlight innerhalb der dritten Staffel dar. Gaststars wie Stacy Keach oder Isla Fisher erweitern das „Bored to Death“-Universum und auch wenn ich mir nun wünschte zu sehen, wie es mit den Figuren weitergeht, so wurde ich doch zufrieden entlassen. Wie sagt Super Ray so treffen? ‚In a ridiculous situation, it’s important to think positively.‘ In diesem Sinne kann ich nur noch einmal meine dringendste Empfehlung aussprechen: 8/10 (8.1) Punkte.

Source Code (2011)

Es gibt so gewisse Themengebiete, deren Verarbeitung in einem Film diesen sogleich mit höherer Priorität auf meinem Radar auftauchen lassen. Zu diesen gehören u.a. Zeitreisen, Identitätsverlust und parallele Welten. Kein Wunder also, dass es Duncan Jones‘ „Source Code“ ziemlich schnell gelungen ist mein Interesse zu wecken. Mir hatte ja bereits Jones‘ Debütfilm „Moon“ ziemlich gut gefallen und auch wenn sein Zweitwerk größtenteils schwächer bewertet wird, so war ich doch äußerst gespannt auf die Verwebung der verschiedenen Grundthemen. Spoiler sind zu erwarten.

Oberflächlich betrachtet lässt sich der Film als Sci-Fi-Variante von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ beschreiben. Colter Stevens (Jake Gyllenhaal, „Donnie Darko“) wird durch ein quantenphysikalisches Konstrukt in das Bewusstsein eines Anschlagsopfers kurz vor dem Anschlag zurückgeschickt, um den Täter zu identifizieren. Solch ein Sprung kann aufgrund der Funktionsweise des menschlichen Gehirns nur 8 Minuten dauern, weshalb die Zeit im fremden Bewusstsein begrenzt ist und wir im Film diverse Herangehensweisen erleben, den Täter zu ermitteln. Die Zeitreise, die eigentlich keine ist, bildet jedoch nur einen kleinen Bestandteil des Films. Daneben hat Stevens mit Orientierungsverlust und dem Wechsel der Identitäten zu kämpfen. Diese Passagen erinnern sehr an Bruce Willis‘ Befragungen in Terry Gilliams „12 Monkeys“ und lassen uns Zuschauer ebenso im Dunkeln tappen, wie die Hauptfigur.

Ähnlich wie in „Moon“ wird die Wendung des Films nicht als solche zelebriet. Die Hinweise sind zuvor ohnehin bereits vielfältig und auch der Zeitpunkt ist so gewählt, dass man als Zuschauer keinen aufgesetzten WTF-Moment erleben muss. Bereits nach der ersten Stunde scheint die eigentliche Geschichte abgehandelt. Der Täter ist überführt und weitere Anschläge sind verhindert worden. Ziel erreicht? Nein, denn auch in Jones‘ zweitem Film steht die Reise der Hauptfigur im Vordergrund. Deren Auflösung mag man nun verkitscht oder unlogisch finden, doch ich für meinen Teil war wirklich angetan. Ein äußerst gelungenes Ende, das auch schön zeigt, dass die Prämisse des Films doch deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Mich hat „Source Code“ mindestens ebenso gut unterhalten wie „Moon“. Die Filme sind sich auch ähnlicher, als man dies zunächst vermuten würde. Duncan Jones hat sich somit als Genre-Regisseur bewiesen und spätestens jetzt freue ich mich schon auf seinen nächsten Film. Auch wenn die meisten Kritiken nicht sonderlich euphorisch sind, so kann ich den Film Genrefans doch nur ans Herz legen. Er erinnert zudem ein wenig an „Inception“, verzichtet jedoch auf die überbordende Action und erklärt dem Zuschauer nicht jedes noch so kleine Detail. Ihr seht: Ich war begeistert. Nun bin ich auf eure Meinungen gespannt: 8/10 Punkte.

Kill the Boss – OT: Horrible Bosses (2011)

Gestern Abend stand wieder einmal eine Komödie auf dem Plan, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Seth Gordons „Kill the Boss“ versprach überdrehte Unterhaltung, die einem „The Hangover“ in nichts nachsteht. Auf die Kinosichtung hatte ich jedoch aufgrund des fehlenden Angebots der englischen Originalfassung verzichtet, auf die ich – insbesondere bei Komödien – unbedingt Wert lege. So kam es also, dass der Film sein gesamtes Humorpotential auf dem heimischen Bildschirm wohl nicht entfalten konnte…

Die Idee des Films ist so einfach wie genial. Wer hat seinen Boss nicht schon einmal zum Teufel gewünscht? „Horrible Bosses“ – so übrigens der dezentere Originaltitel – geht noch einen Schritt weiter und lässt unsere drei Hauptcharaktere ihre Mordfantasien ausleben. Zumindest scheint es anfangs so. Auf jeden Fall bietet der Film eine Prämisse, die wohl jeder bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Um auch das größtmögliche Publikum zu erreichen lässt der Film deshalb kein Klischee aus. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad sowohl in den Identifikationsfiguren wiederfinden, als auch die immense Antipathie gegen ihre Bosse verstehen. Von nachvollziehbar (Jason Bateman vs. Kevin Spacey) bis total überdreht (Charlie Day vs. Jennifer Anniston) ist alles dabei.

Die Handlung bleibt dabei oft erschreckend vorhersehbar – und gerade hier ist der Unterschied zum gerne als Vergleich herangezogenen „The Hangover“ enorm. „Horrible Bosses“ setzt eher auf Starpower und weiß diese auch effektiv einzusetzen. Kevin Spacey, Jennifer Anniston und Colin Farrell als fiese Chefs auftreten zu lassen, ist das Ergebnis eines wahrlich großen Besetzungscoups. Auch Jamie Foxx weiß als Kleinkrimineller zu überzeugen. Doch am meisten begeistert haben mich immer noch die Darsteller der drei Hauptcharaktere – allen voran Jason Bateman (Michael Bluth, „Arrested Development“) und Charlie Day (Charlie Kelly, „It’s Always Sunny in Philadelphia“).

Erstaunlicherweise hat mich besonders die erste halbe Stunde des Films relativ kalt gelassen, in der man den größten Teil der Interaktion mit den titelgebenden Chefs sieht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wieder einmal zu viel durch den Trailer verraten wurde. Danach haben es mir besonders die teils absurden Wortgefechte angetan, wenngleich ich auch stets das Gefühl hatte, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre. Am Ende ist der Film zu brav und in seiner Erzählstruktur zu konventionell, um 100%-ig überzeugen zu können. Durchaus unterhaltsam, doch ohne Starpower und die mir ans Herz gewachsenen Seriendarsteller würde die Bewertung deutlich schlechter ausfallen. Knappe 7/10 Punkte.

Man Up! – Season 1

Auch im vergangenen Jahr sind wieder etliche neue Serien gestartet, die es nicht in die zweite Runde geschafft haben. Zu diesen gehört auch „Man Up! – Season 1“, deren Ende leider ziemlich schnell besiegelt war. Auch wenn die meisten Serienfreunde nicht gerade zimperlich mit ihrer Kritik waren, so hatte ich für meinen Teil jedoch ziemlich viel Spaß mit der Comedy rund um das Kind im Manne. Dementsprechend schade finde ich die vorzeitige Absetzung.

Die Idee ist wahrlich nicht neu und wird auf die eine oder andere Art und Weise in jeder aktuellen Sitcom zelebriert: Männer wollen als Männer wahrgenommen werden, benehmen sich dabei jedoch wie Kinder. Was unterscheidet „Man Up!“ nun von anderen Comedys, wie der parallel angelaufenen Tim Allan-Show „Last Man Standing“? Der ungleich höhere Nerd-Faktor und eine extrem hohe Dichte an popkulturellen Anspielungen. Hinzu kommen schrullige Charaktere, denen von äußerst sympathischen Schauspielern (z.B. Dan Fogler, „Fanboys“) Leben eingehaucht wird.

Die Handlung der einzelnen Episoden beschränkt sich meist auf irgendeine Dummheit, die von einer unserer drei Hauptfiguren begangen wird. Aufgrund der Konstellation (ein Familienvater, zwei Singles) gibt es stets unterschiedliche Lösungsansätze zu sehen, die nicht selten von den Frauen der Serie (u.a. Teri Polo, „The West Wing“) vereitelt werden. Wirklich innovativ ist diese Struktur nicht, doch wird sie hier äußerst sympathisch und unterhaltsam präsentiert.

Ich für meinen Teil habe mich über die kurze Laufzeit der Serie wirklich mit „Man Up!“ angefreundet. In meinen Augen läuft sie den meisten anderen 2011 angelaufenen Comedys sogar den Rang ab. Schade, dass die meisten Zuschauer und das Network dies anders gesehen haben. Wer jedoch auf der Suche nach einem kurzweiligen Sitcom-Snack ist und popkulturell geprägtem Humor mag, der sollte ruhig den einen oder anderen Blick riskieren: 8/10 (7.8) Punkte.