Timeline (Michael Crichton)

timline_buch.jpgDank eines freien Montags habe ich nun Michael Crichtons „Timeline“ endlich zuende gelesen. Begonnen hatte ich bereits im Urlaub, doch dann bin ich einmal wieder nur Abends zum Lesen gekommen, was stets viel von der Qualität des Lesevergnügens nimmt.

„Timeline“ ist ein Wissenschaftsthriller mit Anklängen an den Historienroman. Stets interessant und flott zu lesen. Besonders der Spannungsaufbau im ersten Teil weiß zu überzeugen. Man wird in die Welt eingeführt und betrachtet die Vergangenheit durch die Augen von Historikern. Im zweiten Teil geht es dann direkt ins 14. Jahrhundert und da sich der Handlungsort nicht ändert, kommt es zu einigen nett eingestreuten Déjà-vus. In der Vergangenheit ist die Geschichte dann nicht mehr sonderlich ausgereift und teils überschlagen sich die Handlungsstränge etwas. Unterhaltsam bleibt das Buch jedoch allemal.

Das Ende konnte mich dann wieder voll und ganz überzeugen. Sicher nicht sonderlich überraschend, aber absolut passend. „Timeline“ ist wahrlich nicht Crichtons bester Roman – weder vom Inhalt noch von der Sprache – doch er erlaubt sich keine wirklichen Schwächen. Ich bin nun schon einmal auf die Verfilmung gespannt und kann guten Gewissens 8/10 Punkte geben. Die 3,00 € für das Mängelexemplar haben sich auf jeden Fall voll und ganz bezahlt gemacht.

Harry Potter and the Deathly Hallows (J. K. Rowling)

deathlyhollows.jpgDank urlaubsbedingter Freizeit habe ich nun endlich J. K. Rowlings langerwarteten „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gelesen. Mein Verhältnis zu den Büchern der britischen Schriftstellerin habe ich hier ja schon einmal dargelegt. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass ich auch den finalen Teil ihres Fantasyepos mit großer Hoffnung erwartet hatte. Im Folgenden sind Spoiler zu finden. Weiterlesen sollte folglich nur, wer bereits in alle Geheimnisse des Potterschen Universums eingeweiht ist.

Wie erwartet ist das Buch teils sehr düster. Es fehlt die heimelige Atmosphäre von Hogwarts, es fehlen bekannterweise diverse Bezugspersonen und bereits auf den ersten Seiten wird die Truppe um Harry und Co. weiter dezimiert. Trotz aller Probleme und Widrigkeiten, mit denen die Charaktere in ihrer finalen Schlacht zu kämpfen haben, schafft es J. K. Rowling dennoch ihrem Stil treu zu bleiben und die Geschichte auf bekannte Art und Weise mit unzähligen, liebevollen Details zu erzählen. Es gibt sicherlich ab und an etwas Leerlauf, die diversen Rückblenden kennt der Leser inzwischen schon zu gut und auch wirkt die Geschichte über große Teile sehr konstruiert. Aber in welchem Teil der erfolgreichen Fantasyreihe war das nicht so? Insofern wurde ich in keinster Weise enttäuscht.

Das vielberedete Ende finde ich nun sehr gelungen. So irgendwie. Nach der letzten Wendung hatte ich einen Kloß im Hals. Der Ende des jugendlichen Helden schien besiegelt. Unausweichlich. So kam es dann auch. Der Endkampf war schnell und ohne großes Bramborium vorbei. Hier hat sich die Geschichte fast ausschließlich auf das Innenleben ihrer titelgebenden Figur konzentriert, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Ich war wirklich begeistert und beeindruckt von Rowlings Konsequenz. Doch wie so oft im Potterschen Universum ist nichts so wie es scheint. Das wirkliche Ende wirkt etwas weichgespült. Leider. Hier hätte ich die drastischere Variante bevorzugt – das denkt zumindest ein Teil von mir. Der andere freut sich über das Happy End. Der Epilog hat mich zudem fast schon etwas wehmütig gemacht. Es waren schon tolle 7 Jahre.

Letztendlich ist „Harry Potter and the Deathly Hallows“ für mich ein sehr gelungener Abschluss der Reihe. Es werden alle Fragen beantwortet und das Ende lässt mich nicht unbefriedigt zurück, wenngleich es in seiner letzten Konsequenz auch etwas enttäuscht – zumindest mein erwachsenes Ich. Als Gesamtwerk – und als dieses sehe ich die Geschichte um den jungen Zauberer – ist J. K. Rowling Fantastisches gelungen. Das sage ich als Freund der Magie. Als Freund der Bücher. Als Junggebliebener. Als solcher kann ich „Harry Potter“ wirklich jedem Fantasyfreund empfehlen: 10/10 Punkte. Danke für 7 äußerst kurzweilige Jahre.

Creature (Dave Freedman)

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Da ich heute ca. 30 DVDs zu brennen hatte, habe ich endlich Zeit gefunden Dave Freedmans Debütroman „Creature“ zu Ende zu lesen. Angesprochen hat mich einmal wieder das maritime Thema: Eine neue Rochenart verlässt ihren ursprünglichen Lebensraum, um sich an Land auf die Suche nach einer neuen Nahrungsquelle zu machen. Ein typischer Naturwissenschaftsthriller eben.

Bis ca. zur Hälfte war die Geschichte auch äußerst vielversprechend. Sicher muss man sich erst einmal an den Gedanken der fliegenden Mantas gewöhnen, doch dank Freedmans überzeugendem Stil hatte ich diese Prämisse schnell gekauft. Das Forscherteam konnte zudem einige nette Figuren aufweisen und die Handlung auf See hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Wenngleich auch Sprache und Dramaturgie nicht immer perfekt waren, so war ich doch überzeugt ein recht gelungenes Erstlingswerk vor mir zu haben.

Ab der Hälfte verwandelt sich „Creature“ leider in eine 08/15-Monstergeschichte. In einem Naturpark jagt unser Forscherteam nun eines der Monster. Schon tausendmal dagewesen und auch nicht wirklich aufregend präsentiert. Gegen Ende bekommt die Geschichte zwar wieder etwas Fahrt und die globale Bedrohung der neuen Art wird erkennbar, doch zuvor wurden mindestens 200 Seiten verschenkt. Wirklich schade, besonders da Anfang und Ende so gelungen sind, dass ich beinahe auf eine Fortsetzung hoffe, die sich der umfassenderen Thematik annimmt.

„Creature“ ist ein typischer Fast-Food-Thriller, der leider nicht über die gesamte Seitenzahl zu überzeugen weiß. Für Liebhaber maritimer Monster ist der Roman dennoch zu empfehlen: 7/10 Punkte. Jetzt freue ich mich erst einmal auf „Harry Potter and the Deathly Hallows“.

Panic (Mark T. Sullivan)

Es hat auch Vorteile, wenn die Arbeit durch einen rendernden Computer vorübergehend blockiert wird. Man kommt immer mal wieder dazu ein paar Seiten zu lesen. So habe ich Mark T. Sullivans Thriller „Panic“ in knapp zwei Wochen verschlungen. Im Moment eine fast schon rekordverdächtige Zeit, die auch für den Roman spricht.

„Panic“ ist ein klassischer Thriller, mit gekonntem Spannungsaufbau und einer interessanten Hauptfigur. Die Ausgangssituation ist dabei nicht wirklich neu: Eine Gruppe von Menschen wird in der eisigen Wildnis von der Außenwelt abgeschnitten und von einem Unbekannten gejagt. Interessant wird die Geschichte durch die stets eingestreuten Erinnerungen – im Film wären es Flashbacks – der Ich-Erzählerin. Diese stehen in engem Kontext mit der eigentlichen Handlung und tragen eindeutig zur dichten Atmosphäre bei.

Einen besonderen Stellenwert nehmen in „Panic“ Jagdrituale und Naturverbundenheit ein. Der Unterschied in der Sichtweise naturverbundener Völker und der des modernen Menschen, bildet – nicht immer ganz frei von Klischees – eines der Hauptthemen des Romans. Da mein Großvater selbst Förster war, konnte ich – selbst wenn ich persönlich nicht viel von der Jagd halte – durchaus viele der Grundgedanken nachvollziehen.

Schwächen des Romans sind meiner Meinung nach die vielen Figuren. Weniger wäre hier mehr gewesen, zudem einige einzig als Kanonenfutter zu dienen scheinen. Des Weiteren fand ich die Auflösung furchtbar vorhersehbar. Die Geschichte des Killers wird bereits auf den ersten Seiten erwähnt und mir war sofort klar, was im Folgenden passieren wird. Vielleicht habe ich auch nur schon zu viel Übung in solchen Dingen, doch ist mir durch dieses frühe Wissen einiges an Spannung verloren gegangen.

„Panic“ ist ein äußerst kurzweiliges Lesevergnügen. Sicher nicht frei von Fehlern, aber höchst unterhaltsam. Dies war wohl nicht mein letzter Roman von Mark T. Sullivan: 7/10 Punkte.

Die Anstalt (John Katzenbach)

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Nach über vier Monaten habe ich nun endlich meinen aktuellen Lesestoff – John Katzenbachs „Die Anstalt“ – beendet. Ich glaube damit habe ich einen neuen Nekativrekord erreicht. Aber was soll man auch machen, wenn man nur abends zum Lesen kommt und das Spannendste am Buch das Cover ist?

Die Geschichte um den Geisteskranken Francis „C-Bird“ Petrel, der in einen Mordfall verstrickt wird, ist interessant und stimmig erzählt. Leider verliert sich der Autor in unzähligen Einzelheiten und Beschreibungen, die die Geschichte um keinen Deut voranbringen. Somit wird die Handlung auf 750 Seiten gestreckt, was sich oftmals leider in ziemlicher Langeweile äußert. Auf 400 Seiten – und das ist für die Geschichte noch hoch gegriffen – komprimiert, wäre bestimmt eine spannende Sache daraus geworden. So habe ich mich leider über viele Seiten weiterquälen müssen.

Hervorheben muss man klar den Schreibstil. Dieser ist ungewöhnlich gut. Die Sätze ziehen sich teils über eine halbe Seite und entsprechen irgendwie dem verworrenen Klinikleben, das die Hauptfiguren durchleben müssen. Auch die Struktur des Romans (Francis erzählt die Geschichte und wird in der Gegenwart von den Geistern seiner Vergangenheit gequält) kann man durchaus als gelungen bezeichnen.

Gegen Ende habe ich einen großen Knall erwartet. Es wird soviel mit Geisteskrankheit und Wahrnehmung gespielt, zudem heißt das erste Kapitel „Der unzuverlässige Erzähler“ – ich hätte schwören können, dass letztendlich die Hauptperson selbst – oder zumindest ein Teil seiner schizophrenen Persönlichkeit – der Killer ist. Die eigentliche Auflösung ist dagegen unendlich schwach und langweilig. Schade, denn hier wurde wirklich Potential verschenkt.

Insgesamt ist „Die Anstalt“ ein gut geschriebener Roman, dessen Inhalt es leider nicht mit der Form aufnehmen kann. Mit viel gutem Willen vergebe ich 6/10 Punkte. Ob ich noch einmal etwas von John Katzenbach lesen werde: Ich wage es zu bezweifeln.

Die Insel (Richard Laymon)

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Richard Laymons „Die Insel“ habe ich geschenkt bekommen, als ich mich auf dem Höhepunkt meiner „Lost“-Euphorie befunden habe. Die Inhaltsangabe auf dem Backcover kam mir deshalb äußerst vielversprechend vor: Eine Gruppe von Menschen strandet auf einer einsamen Insel, auf der es zu mysteriösen Todesfällen kommt. Das klingt – für den Fan – doch schon einmal klasse. Doch bereits nach einigen Seiten hat sich Ernüchterung eingestellt.

Der Roman ist im Tagebuchstil geschrieben. Eine Erzählform, die zwar nicht neu ist, aber dennoch interessant. Man bekommt zudem tiefe Einsichten in die Gedankenwelt des schreibenden Charakters. Bei diesem handelt es sich leider einem pubertierenden Jungen. Die Beschreibungen seiner Gefährten – allesamt Frauen (welch Wunder!) – gleitet dementsprechend häufig ins Schlüpfrige ab, was mich bereits nach ein paar Seiten gelangweilt hat. Dennoch muss ich zugeben, dass dass mir der Tagebuchschreibers durch die Darlegung seiner Gedankengänge häufig ziemlich real erschienen ist. Die Struktur war teils nämlich wirklich konfus, es gab Zeitsprünge, Abschweifungen und vieles mehr, was den Eindruck, ein wirkliches Tagebuch zu lesen, verstärkt hat.

Leider befindet sich durch die äußere Form auch die Sprache auf Tagebuchniveau. Das ganze ist nicht schlecht geschrieben und äußerst flüssig zu lesen, aber leider nicht sonderlich elegant. Eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest passt sich das sprachliche Niveau dem Inhalt an, der sich – besonders gegen Ende – auch immer häufiger in Niveaulosigkeit verliert. Dort nehmen sadistische und sexistische Beschreibungen immer mehr zu, die Handlungen der Figuren werden irrationaler und der Blutgehalt steigt. Gibt es eigentlich eine Alterskontrolle für Bücher? Wahrscheinlich nicht. Es sind ja schließlich – zumindest im Moment – die bösen Computerspiele, die alle zu wahnsinnigen Amokläufern machen. Aber ich schweife ab.

Das Ende stimmt mich dann wieder halbwegs versöhnlich. Es ist eigentlich sogar ziemlich gelungen. Mit irgend solch einer Wendung hatte ich ja gerechnet. Ich habe mir – aufgrund der Tagebuchform – sogar noch ganz andere Szenarien ausgemalt. Da hätte man viel Manipulation betreiben können. Genutzt wird jedoch nur das halbe Potential. Dennoch ist der Schluss konsequent und lässt die sexuellen Phantasien des Erzählers nicht mehr ganz so sinnlos im Raum stehen.

Insgesamt kann man „Die Insel“ durchaus lesen. Auf der Habenseite stehen die interessante Ausgangssituation, eine teils gelungene Atmosphäre, das Ende und der Tagebuchstil. Enttäuschend sind dagegen der Tagebuchstil, der plumpe Verlauf der Geschichte, die schwache Charakterzeichnung und die effekthascherischen Beschreibungen: 5/10 Punkte.

Abarat (Clive Barker)

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Nach einer gefühlten Unendlichkeit, habe ich gestern Clive Barkers „Abarat“ zu Ende gelesen. Wurde auch Zeit. Nicht, weil ich mich nicht noch länger auf dem zauberhaften Archipel aufhalten wollte, sondern weil ich der Meinung bin, dass ein zu langer Lesezeitraum einem Buch – bzw. einer Geschichte – eher schadet. Besonders wenn man nur Abends zu ein paar Seiten kommt, deren Inhalt man vor lauter Müdigkeit am nächsten Tag wieder vergessen hat.

Clive Barker war mir zuvor nur aus dem Genre des Horror bekannt. Aus der harten, düsteren Ecke des Horrors. Besonders seine filmischen Umsetzungen von „Hellraiser“ (zumindest die ersten beiden Teile) haben einen beunruhigenden Eindruck auf mich gemacht. Nun also „Abarat“. Der Beginn einer Fantasyreihe. Einer Fantasyreihe für Kinder. Vermutlich hätten mich die Bücher nicht interessiert, wären sie von einem anderen Autoren geschrieben worden. Zuviele Romanzyklen dieser Art hat es in der Post-„Harry Potter“-Ära gegeben. Doch ich war wirklich gespannt, wie der Ansatz Barkers in diesem Genre ist.

„Abarat“ sprüht vor Fantasie. Quillt förmlich über von fantastischen Einfällen. Alleine die Vielfalt der Welt und ihrer Bewohner. Beschränken sich die meisten anderen Fantasyromane auf Variationen von Tolkiens Ideen und auf Referenzen der Mythologie, so sind die 25 Stunden des Archipels mit Wesen angereichert, die man noch nirgends gesehen hat. Allein dafür lohnt sich ein Besuch. Diese Vielfalt drückt sich schon allein in den Namen der beteiligten Personen und Orte aus. Die Heldin der Geschichte – Candy Quakenbush aus Chickentown – ist da noch am gewöhnlichsten. Trotzdem, in wie vielen Büchern für Kinder hat die Hauptfigur schon einen Alkoholiker als Vater und stammt aus beängstigend realistischen Verhältnissen? Die wahre Vielfalt wird jedoch erst auf „Abarat“ erkenntlich: Christopher Carrion (Fürst von Mitternacht), John Mischief (Meisterdieb mit einem achtköpfigen Geweih), die Inseln Yebba Dim Day, Ninnyhammer, Speckle Frew und 22 weitere sind allesamt nur ein Bruchteil dieser fantastischen Welt.

Barker bleibt bei der Beschreibung der Wunder des „Abarat“ stets realistisch. Als könnte es diese Welt wirklich geben. Oft genug sind auch seine Wurzeln im Horror deutlich zu erkennen. Doch trotz aller positiven Eigenschaften des Romans, habe ich dennoch ein paar Kritikpunkte: Die Welt ist teils fast schon übertrieben groß, bunt und ungewöhnlich. Vielleicht liegt es auch an meinen unregelmäßigen Besuchen des Archipels, doch hatte ich teils größere Schwierigkeiten mich in der Welt zurechtzufinden. 25 Inseln sind vielleicht etwas zu viel, wenngleich diese im Anhang einzeln beschrieben werden. Dies geschieht durch den abaratischen Reiseführer „Klepps Almanach“, der sehr an den Reiseführer aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert.

Insgesamt habe ich meine Zeit auf „Abarat“ sehr genossen und werde bestimmt wieder dorthin zurückkehren. Dann hoffentlich mit etwas mehr Zeit im Gebäck. Der Roman ist nicht perfekt und sicherlich steckt auch etwas Kalkül in der Veröffentlichung, doch trotz allem ist Barker eines der fantasievollsten Bücher gelungen, die ich in letzter Zeit lesen durfte: 9/10 Punkte.

Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking (Tim Dobbert)

matchmoving.jpgZur Abwechslung habe ich mich die letzten Wochen durch ein Fachbuch gekämpft: Tim Dobberts „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“. Wobei gekämpft wohl eher der falsche Ausdruck ist. Für ein Sachbuch ist Dobberts Werk erstaunlich abwechslungsreich und anschaulich geschrieben. Man merkt, dass der Autor selbst führend auf dem Gebiet des Matchmoving ist und die entsprechenden Alltagssituationen seines Berufs mehr als gut kennt.

Neben den theoretischen Grundlagen des Matchmoving, geht Dobbert auch auf Film- und Kameratechnik ein und erläutert die wichtigste Software in dem Gebiet. Das restliche Buch ist jedoch nicht an eine bestimmte Software gebunden, sondern eher allgemein gehalten, was durchaus positiv zu bewerten ist. Die Beispiele werden meist in Matchmover Pro und Maya behandelt, jedoch konnte ich das Meiste auch mit Cinema 4D und der Demoversion von SynthEyes nachvollziehen. Hier war einzig das Problem, dass ich meine Matchmoves nicht speichern konnte und somit stets von vorne anfangen musste. Für schwierige Shots gibt es auf der beiliegenden CD-ROM jedoch bereits vorgefertigte 3D-Szenen, die sich mit den entsprechenden Programmen anschauen lassen. Zudem liegen hier die im Buch angesprochenen Programme jeweils als Demoversion vor. Ich habe jedoch noch keine Zeit gehabt mich damit zu befassen, zumal es aktuellere Demos auf den Herstellerseiten im Internet gibt.

Tim Dobbert legt auf knapp 300 Seiten den Prozess des Matchmoving deutlich und in – bis auf manche Fachausdrücke – leicht verständlichem Englisch dar. Ergänzt werden die theoretischen Ausführungen durch anschauliche praktische Beispiele, die sich größtenteils leicht nachvollziehen lassen. Mir hat „Matchmoving: The Invisible Art of Camera Tracking“ sehr geholfen und ich hoffe, dass ich im weiteren Verlauf meiner Diplomarbeit noch häufig darauf zurückgreifen kann: 10/10 Punkte.

Wenn ein geneigter Leser zufällig andere gute Quellen zum Thema Matchmoving und verwandten Techniken weiß, würde ich mich über einen Hinweis freuen! 🙂

Ausgesetzt (James W. Nichol)

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Bei Büchern achte ich normalerweise sehr darauf, dass ich nur lese, was mich auch wirklich interessiert. Noch mehr als beim Sichten von Filmen. James W. Nichols „Ausgesetzt“ war ein Geschenk, das ich eigentlich weniger aus Interesse, als aus Höflichkeit gelesen habe. Die Inhaltsbeschreibung auf der Rückseite las sich für mich leidlich spannend und auch die Tatsache, dass der Roman von den Crime Writes of Canada ausgezeichnet wurde, gab mir keinen besonderen Grund zur Freude, da ich mit Kriminalgeschichten eher wenig anfangen kann. Meine Erwartungen waren demzufolge eher gering. So kann man sich täuschen.

Die ersten paar dutzend Seiten habe ich mich etwas schwer getan, da der Autor hier durch mindestens drei Zeitebenen springt, ohne dass mir als Leser eine übergeordnete Struktur klargeworden wäre. Glücklicherweise gibt sich das nach ein paar Seiten und die Erzählstränge werden zunächst auf zwei reduziert. Die Geschichte von Walker Devereaux ist höchst interessant. Der Leser weiß nie mehr als der Hauptcharakter und begibt sich mit ihm auf die abenteuerliche Suche nach seiner Vergangenheit. Die eingeschobenen Ausflüge in das Bewusstsein eines Psychopathen untebrechen diese Suche meist ziemlich plötzlich und – zumindest anfangs – noch ohne erkennbaren Zusammenhang. Ich war hier stets froh, wieder zum Hauplot um Walker und seine Freundin Krista zurückzukehren. Gegen Ende werden beide Erzählstränge immer mehr miteinander verwoben. Das endgültige Rätsel löst sich jedoch erst auf den letzten Seiten, wodurch die Spannung stets aufrecht gehalten wird.

„Ausgesetzt“ war für mich wirklich eine einzige positive Überraschung. Mit Walker Devereaux hat der Thriller eine Hauptfigur, mit der man sich sehr gut identifizieren kann. Zudem wird die geheimnisvolle Suche auf elegante Weise in Walkers Alltag integriert. Die Geschichte bleibt so stets glaubwürdig und doch mysteriös genug, um mich als Leser die wildesten Theorien aufstellen zu lassen. Die letztendliche Auflösung ist im weiteren Verlauf der Geschichte zwar keine allzu große Überraschung mehr, doch ist sie – im Gegensatz zu vielen anderen Roman- oder Filmenden – auch für den Leser befriedigend.

Als ich vor ein paar Stunden das Buch aus der Hand gelegt habe, war ich noch wie in Trance in der Geschichte gefangen und musste mich erst langsam an ihr Ende und an das Verlassen der Romanwelt gewöhnen. Allein dies ist für mich ein deutliches Zeichen, ein gutes Buch gelesen zu haben: 9/10 Punkte.

Tintenblut (Cornelia Funke)

tintenblut.jpgGerade habe ich den zweiten Teil von Cornelia Funkes Tintenwelt-Saga zu Ende gelesen. Bereits der Vorgänger „Tintenherz“ hat mir ausgezeichnet gefallen und ich konnte die Fortsetzung kaum erwarten. So geht es mir nun auch mit „Tintenblut“. Hier wiegt das Fehlen eines wirklichen Endes noch schwerer, da es sich um den Mittelteil einer Trilogie handelt – dem Teil, der dem Leser den Abschied von einer Geschichte dramaturgisch am schwersten macht.

„Tintenblut“ hat alles, was ich mir von der Fortsetzung erhofft hatte: Alle liebgewonnenen Figuren sind wieder mit von der Partie und der Schwerpunkt der Handlung verlagert sich in die Tintenwelt. Zudem schafft es Cornelia Funke ihren wunderbaren Stil auszubauen. Die Beschreibungen von Fenoglios Welt wirken so lebendig, als wäre man selbst dort. Als könnte man selbst die Feuerelfen tanzen sehen, die Gefahren des Weglosen Walds spüren oder das knisternde Feuer tanzen hören. Wunderschön. Einfach und flüssig zu lesen und doch ist die bildreiche Sprache voller Poesie.

Von der Handlung konnte mich „Tintenblut“ – betrachtet man es als Einzelwerk – nicht so vollständig überzeugen, wie der Vorgänger. Dort war die Dramaturgie runder und der Spannungsbogen ausgewogener. Doch auch das ist typisch für den Brückenteil einer Trilogie. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse jedoch fast und lassen den involvierten Leser voller Trauer und Spannung zurück. Das Warten auf den finalen Roman fällt nun mindestens genauso schwer, wie das Warten auf den letzten Teil einer anderen berühmten Kinderbuchreihe.

Betrachtet man „Tintenblut“ und seinen Vorgänger als Kinderbücher, wird man ihnen nicht gerecht. Wie bereits bei „Harry Potter“ handelt es sich hier um waschechte Fantasyromane: Hier wird geblutet, geliebt und gestorben. Kinder spielen zwar eine große Rolle, doch wird die Geschichte nicht nur durch ihre Augen erzählt. Durch den wechselnden personalen Erzähler schlüpft man als Leser in jede Figur und kann somit jeden Standpunkt nachvollziehen. Der Autorin gelingt dieser Wechsel ganz famos, wodurch jedem einzelnen Charakter ein großer Stellenwert in der Tintenwelt eingeräumt wird. Sehr gelungen.

Cornelia Funkes Trilogie ist vor allem für Menschen, die Bücher lieben. Noch nie habe ich solch liebevolle Würdigungen von anderen Werken der – zugegebenermaßen – Kinder-, bzw. Jugendliteratur gelesen. Das Lesen – und damit das Abtauchen in fremde, unbekannte Welten – wird als eine Kunst gefeiert, die heute leider zu vielen Menschen abgeht. Ich für meinen Teil kann den Abschluss der Trilogie kaum erwarten: 9/10 Punkte.

Übrigens wird gerade an einer Verfilmung von „Tintenherz“ gearbeitet. Cornelia Funke überwacht dabei die Dreharbeiten persönlich, was mir ein gutes Gefühl gibt. Auch Iain Softley, der mich bereits mit „K-PAX“ überzeugen konnte, als Regisseur und Brendan Fraser als Mo lassen die Vorfreude auf den Herbst 2007 steigen.