Ausgesetzt (James W. Nichol)

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Bei Büchern achte ich normalerweise sehr darauf, dass ich nur lese, was mich auch wirklich interessiert. Noch mehr als beim Sichten von Filmen. James W. Nichols „Ausgesetzt“ war ein Geschenk, das ich eigentlich weniger aus Interesse, als aus Höflichkeit gelesen habe. Die Inhaltsbeschreibung auf der Rückseite las sich für mich leidlich spannend und auch die Tatsache, dass der Roman von den Crime Writes of Canada ausgezeichnet wurde, gab mir keinen besonderen Grund zur Freude, da ich mit Kriminalgeschichten eher wenig anfangen kann. Meine Erwartungen waren demzufolge eher gering. So kann man sich täuschen.

Die ersten paar dutzend Seiten habe ich mich etwas schwer getan, da der Autor hier durch mindestens drei Zeitebenen springt, ohne dass mir als Leser eine übergeordnete Struktur klargeworden wäre. Glücklicherweise gibt sich das nach ein paar Seiten und die Erzählstränge werden zunächst auf zwei reduziert. Die Geschichte von Walker Devereaux ist höchst interessant. Der Leser weiß nie mehr als der Hauptcharakter und begibt sich mit ihm auf die abenteuerliche Suche nach seiner Vergangenheit. Die eingeschobenen Ausflüge in das Bewusstsein eines Psychopathen untebrechen diese Suche meist ziemlich plötzlich und – zumindest anfangs – noch ohne erkennbaren Zusammenhang. Ich war hier stets froh, wieder zum Hauplot um Walker und seine Freundin Krista zurückzukehren. Gegen Ende werden beide Erzählstränge immer mehr miteinander verwoben. Das endgültige Rätsel löst sich jedoch erst auf den letzten Seiten, wodurch die Spannung stets aufrecht gehalten wird.

„Ausgesetzt“ war für mich wirklich eine einzige positive Überraschung. Mit Walker Devereaux hat der Thriller eine Hauptfigur, mit der man sich sehr gut identifizieren kann. Zudem wird die geheimnisvolle Suche auf elegante Weise in Walkers Alltag integriert. Die Geschichte bleibt so stets glaubwürdig und doch mysteriös genug, um mich als Leser die wildesten Theorien aufstellen zu lassen. Die letztendliche Auflösung ist im weiteren Verlauf der Geschichte zwar keine allzu große Überraschung mehr, doch ist sie – im Gegensatz zu vielen anderen Roman- oder Filmenden – auch für den Leser befriedigend.

Als ich vor ein paar Stunden das Buch aus der Hand gelegt habe, war ich noch wie in Trance in der Geschichte gefangen und musste mich erst langsam an ihr Ende und an das Verlassen der Romanwelt gewöhnen. Allein dies ist für mich ein deutliches Zeichen, ein gutes Buch gelesen zu haben: 9/10 Punkte.

2 Gedanken zu “Ausgesetzt (James W. Nichol)

  1. Hatte diesen Roman ja aufgrund deiner Rezension bestellt und auch relativ zügig durchgelesen. Nicht nur der Protagonist Walker und die durchdachte mit Turns und Twists angereicherte Geschichte haben mir gefallen, sondern auch die nicht lineare Erzählstruktur.

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  2. Schön, eine Rückmeldung zu bekommen. Die Erzählstruktur hatte sich mir erst später eröffnet. War dann aber auch sehr gelungen, wenn ich mich recht erinnere. War bestimmt nicht das letzte Buch, das ich von James W. Nichol gelesen habe.

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