Contact (1997)

Es gibt Filmerlebnisse, die stammen aus einer Zeit als das Leben noch völlig undefiniert vor einem lag. Vielleicht wohnt ihnen deshalb eine besondere Art von Magie inne. Robert Zemeckis „Contact“ ist ein solches Filmerlebnis. Inzwischen schon unzählige Male gesehen und immer wieder großartig. Ein Film aus einer Zeit der schier unendlichen Möglichkeiten und unbegrenzten Hoffnungen. Ein Ausflug zurück in eine Welt, aus der man schon längst aufgebrochen ist.

Auch abseits der rein persönlichen Assoziationen wohnt dem Film ein Wendepunkt inne. „Contact“ ist einer der letzten klassichen Filme von Robert Zemeckis, einem der großen Regisseure (u.a. „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“) des Unterhaltungskinos. Seit „Cast Away“ hat er sich leider komplett darauf eingeschossen seine Geschichten mittels CGI und Performance Capture zu erzählen, was für mich einen großen Verlust für die Filmwelt darstellt. Doch zurück zu dem Film, der meine Liebe zu ernsthafter Science-Fiction weckte und den ich seit der ersten Sichtung zu meinen Lieblingsfilmen zähle.

„Contact“ funktioniert wunderbar auf zwei Ebenen. Einerseits als klassischer Wissenschaftsthriller mit Forschungsszenen, mysteriösen Entdeckungen sowie einer sympathisch-nerdigen Identifikationsfigur, und andererseits als groß angelegtes Spielfeld auf dem die Frage nach einer höheren Macht aufgeworfen sowie der ewige Kampf zwischen Glaube und Wissenschaft ausgetragen wird. All dies wird verpackt in einen mitreißend inszenierten Unterhaltungsfilm, der trotz seiner beinahe zweieinhalbstündigen Laufzeit zu keiner Sekunde langweilig wird.

Ich weiß noch genau, wie damals im Freundeskreis über den eigentlichen Kontakt diskutiert wurde. Besonders häufig ist die Beschreibung „2001: Odyssee im Weltraum“ light gefallen, was eigentlich auch recht treffend ist. Ich für meinen Teil war einerseits etwas enttäuscht und andererseits auch wirklich bewegt davon. Mit jeder weiteren Sichtung haben mir die Szenen des Kontakts allerdings besser gefallen. Man darf eben nicht unterschätzen, dass der Film bis dahin eine enorme Erwartungshaltung aufbaut, die zu erreichen bzw. zu übertreffen nahezu unmöglich ist. Heute jedoch könnte ich mir keinen besseren Weg vorstellen, wie man den Kontakt hätte darstellen können. Eine perfekte Leistung von Robert Zemeckis, Carl Sagan und Jodie Foster.

„Contact“ ist für mich einer dieser Filme, die ich mir immer wieder anschauen kann. Großartige Unterhaltung, die immer wieder zum Nachdenken anregt und dabei jedoch nicht übermäßig verkopft wirkt. Hinzu kommt eine perfekte Inszenierung, fantastische Schauspieler und ein wunderschöner Score. Jedem Fan des Films kann ich übrigens die Blu-ray nur ans Herz legen, die zwar mit ganz neuen Produktionen nicht mithalten kann, den Film jedoch besser aussehen lässt als jemals zuvor. Meine unbedingte und zwingende Sehempfehlung: 10/10 Punkte. Kennt eigentlich jemand Carl Sagans Romanvorlage und mag ein paar Worte dazu verlieren?

Prädikat: Lieblingsfilm

Predators (2010)

Nachdem ich die Kinoauswertung verpasst hatte, war heute endlich der richtige Tag mich an Nimród Antals „Predators“ heranzuwagen. Auch wenn ich dem Franchise nicht so viel abgewinnen kann wie der „Alien“-Reihe, so weiß ich die ersten beiden Auftritte dieser Sci-Fi-Ikonen dennoch zu schätzen. Insofern war ich äußerst gespannt, inwieweit Produzent Robert Rodriguez der Reihe seinen Stempel aufzudrücken vermochte.

Meine Erwartungen waren trotz Vorfreude nicht sonderlich hoch, was unter anderem auch mit dem letzten offiziellen Auftritt der Predatoren im miserablen „Aliens vs. Predator: Requiem“ zusammenhängt. Seit dem ikonografischen Original mit Arnold Schwarzenegger waren immerhin bereits 23 Jahre vergangen und wie mau Anbiederungen an das 80er Jahre Actionkino ausfallen können, durfte ich ja erst vor knapp zwei Wochen mit Sylvester Stallones „The Expendables“ bewundern. Was also hat das (Beinahe-)Remake letztendlich zu bieten?

Zunächst einmal ist mir der herrlich altmodische Score aufgefallen, der tatsächlich sowohl an den Erstling als auch an „Alien“ erinnert. Sehr gelungen. Die Einführung der Charaktere fand ich auch schön, wenngleich man es – wie sollte es anders sein? – nur mit Abziehbildern zu tun hat. Der Cast (u.a. Danny Trejo und Laurence Fishburne in Nebenrollen) ist zwar brauchbar, doch sind die männlichen Hauptrollen mit Adrien Brody und Topher Grace (Eric Foreman, „That ’70s Show“) eher fragwürdig besetzt. Besonders Brody nimmt man den abgebrühten Söldner leider nicht wirklich ab.

Auf der positiven Seite gibt es blutige Kämpfe (der Schwertkampf ist wahrlich toll anzusehen), herrliche Landschaftsaufnahmen und etliche Auftritte der fiesen Predatoren zu vermerken. Negative Aspekte sind dagegen die äußerst sprunghafte Charakterentwicklung, welche besonders gegen Ende unsäglich aufgesetzt wirkt sowie einige Längen im Mittelteil. Doch insgesamt überwiegen glücklicherweise die sehenswerten Elemente mit teils schönen Reminiszenzen an das Schwarzenegger-Vehikel von 1987.

Hardcore-Fans des Franchise werden bestimmt über den Film jammern, doch mir hat er überraschend gut gefallen. Natürlich darf man nicht zuviel erwarten, doch wer nur 107 Minuten harte Sci-Fi-Action mit bekannten Monstern sucht, der sollte auf jeden Fall einmal reinschauen. Kein ganz großer Wurf, doch trotz seiner Mankos durchaus sehenswertes Genrekino und somit gibt es knappe 7/10 Punkte.

Hangover 2 – OT: The Hangover Part II

Da hatte ich einen ruhigen Serienabend geplant, doch dann werde ich ins Kino entführt. Das erste Mal seit einer halben Ewigkeit. Zu sehen gab es „Hangover 2“ im Fremdsprachenkino, wo ich bereits den Vorgänger erleben durfte. Auch wenn die audiovisuelle Präsentation (mangelnde Schärfe, fies knacksende Lautsprecher) wirklich zu wünschen übrig lässt, so wird dies durch den Originalton und das angenehme Publikum mehr als nur ausgeglichen.

Eigentlich stehe ich Remakes äußerst skeptisch gegenüber und als solches muss man „Hangover 2“ fast schon betrachten. Nicht nur wird die Geschichte ohne große Änderungen vom Vorgänger übernommen, sogar einzelne Figuren und Gags werden nahezu 1:1 recycelt. Statt einem Baby gibt es nun einen Affen, statt fehlendem Zahn gibt es ein Tattoo und statt Doug wird nun Teddy vermisst. Alles Gründe die mangelnde Kreativität der Autoren und den Wunsch der Produzenten auf schnellen Gewinn anzuprangern. Was denken die sich nur?

Man sollte allerdings bedenken, dass „Hangover 2“ wohl so ziemlich der letzte Film ist, den man überanalysieren sollte. Ist hier kalte Kalkulation im Spiel? Garantiert. Funktioniert der Film dennoch? Aber hallo! Schon ab der ersten Szene stellt sich wieder dieses wunderbare verdrehte Gefühl ein, das uns während des ersten Teils begleitete. Was ist hier nur passiert? Die gefundenen Erklärungen sind dann meist auch wirklich lustig und während des Abspanns habe ich mir erneut gedacht, dass ich die verpasste Nacht auch gerne als Film gesehen hätte.

Natürlich ist der Film neben seiner Formelhaftigkeit auch eine typische Fortsetzung, d.h. alles ist noch etwas krasser, überdrehter und brutaler. Für mich ging das allerdings in Ordnung, da die Schauspieler auch die abstrusesten Szenen glaubwürdig getragen haben. Besonders Zach Galifianakis (Ray Hueston, „Bored to Death“) ist einmal mehr eine kleine Offenbarung. Doch auch Ed Helms und Bradley Cooper wissen mehr als nur zu überzeugen. Vom wunderbaren Ken Jeong (Señor Chang, „Community“) einmal ganz zu schweigen. Die Gastauftritte von Nick Cassavetes und Mike Tyson fand ich dagegen etwas verschenkt.

Wem ist „Hangover 2“ nun also zu empfehlen? Sicher nicht selbsterklärten Cineasten, denen das System Hollywood seit jeher ein Dorn im Auge ist. Wem allerdings bereits der erste Teil gefallen hat und wer erneut einfach nur eine gute Zeit im Kino haben möchte, der wird auch diese Fortsetzung begeistert annehmen. Ich für meinen Teil würde mich sogar über einen dritten Teil freuen. Nur wie sollte man erklären, dass darin Alan die Frau fürs Leben gefunden hat? Ich lasse mich gerne überraschen: 8/10 Punkte.

The Expendables (2010)

Was hat das filmische Web 2.0 gejubelt, als „The Expendables“ angekündigt wurde. Alle Actionstars des 80er Jahre Kinos in einem Film versammelt. Entsprechend gierig wurde jedes noch so unscharfe Schauspielerfoto, jede noch so bedeutungslose News und jeder Kommentar von Sylvester Stallone aufgesogen und weiterverbreitet. Ein Hype für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Ein Hype für alle, die mit „Rambo“, „Phantom Commando“ und Co. aufgewachsen sind. Ein Hype für uns.

Da auch ich mich immer noch an den meisten 80er Jahre Actionvehikeln erfreue, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch und wurde erst durch diverse durchwachsene Kritiken gedämpft. Bis zur heutigen Sichtung ist dann allerdings etliche Zeit verstrichen, was mir wieder einen neutraleren Blickwinkel auf den Film erlaubte. Was ist nun also dran an dem Actionkracher des vergangenen Jahres? Konnte Stallone den selbst gesäten Vorschusslorbeeren gerecht werden oder haben die verbitterten Kritiker recht behalten, die anscheinend ihre filmischen Wurzeln vergessen haben?

Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, der Film atmet die Luft des 80er Jahre Actionkinos. Nein, der Film ist keine tarantinoesque Hommage an das Genre. Und nein, Sylvester Stallone ist weder ein besonders guter Drehbuchautor noch ein sonderlich begabter Regisseur. Ich wollte den Film wirklich lieben. Warum auch nicht? Stallone hat nahezu alles was im Actionkino Rang und Namen hat(te) in seinem Film untergebracht. Mich stören nicht einmal die nur kurzen Gastauftritte von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Alleine für diese Szene lohnt sich der Film. Nein, seine Fehler begeht Stallone woanders.

Die Geschichte ist völlig ausreichend. Hier hatte ich auch nicht mehr erwartet. Schließlich will man ja an seine Vorbilder anknüpfen. Das Problem ist folglich nicht was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Die Dialoge sind spröde und oft kann man den Witz nur erahnen. Stallone beweißt leider absolut kein Händchen für Comic Timing oder einen gelungenen Spannungsaufbau. Selbst das worauf es ankommt – die lang erwarteten Actionsequenzen – werden durch abgedroschene Videoclipästhetik mit Wackelkamera und CGI-Blut erzählt. Auch wenn Handlung und Charaktere durchaus an die gute, alte Zeit erinnern – die Inszenierung macht hier viel wieder kaputt.

Insgesamt ist „The Expendables“ für Genrefans durchaus empfehlenswert. Es macht Spaß die altgedienten Haudegen noch einmal in Action zu sehen. Leider jedoch versagt der Film an vielen Stellen, an denen er wirklich hätte auftrumpfen können. Hier hätte Stallone das Ruder einmal lieber aus der Hand gegeben. Mit ihm als Produzent und einem fähigeren Regisseur hätte der Film genau das werden können, als das er im Vorfeld gefeiert wurde: Die Hommage an das 80er Jahre Actionkino. So bleibt es leider beim ehrenwerten, aber letztendlich ziemlich müden Versuch: 5/10 Punkte.

Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt – OT: Pirates of the Caribbean: At World’s End (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt“ am 9. September 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute Abend gab es mit „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ bereits zum zweiten Mal das Finale der erfolgreichen Piratentrilogie. Nach der Sichtung bin ich – ebenso zum wiederholten Male – etwas ernüchtert, denn der Film konnte sich zum damaligen Kinobesuch leider nicht steigern. Etwas hat sich aber verändert: Die Hoffnung auf einen gelungenen vierten Teil ist deutlich gestiegen.

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt (2007) | © Walt Disney

Hat der erste Teil der Trilogie noch eine relativ abgeschlossene Geschichte erzählt, wurde im zweiten das Tor zu einem fantastischen Paralleluniversum aufgestoßen: Piraten, Kraken und düstere Versprechen. All dies wurde vor sonnendurchfluteter Kulisse mit viel Humor erzählt. Was hatte der Mittelteil der Trilogie jedoch nicht zu bieten? Einen Showdown – und diesen gibt es nun endlich in „At World’s End“ zu bestaunen. Ein beinahe dreistündiger Showdown, so man denn den zähen Spannungsaufbau dazuzählen mag.

Wenn auch die unnötig kompliziert erzählte Geschichte nicht wirklich viel hergibt, so muss man doch neidlos zugeben, dass das was auf der Leindwand bzw. dem Bildschirm zu sehen ist, auf jeden Fall zu beeindrucken vermag. Die See wirbelt herum, Fischmonster und Piraten sind in einen nicht enden wollenden Kampf verwickelt und die Kamera fliegt über tosende Strudel und klirrende Säbel, als wäre sie selbst Teil der Elemente. Visuell unglaublich beeindruckend, doch leider ebenso ermüdend.

Vor dem Showdown gibt es einige nette Szenen mit Capatain Jack Sparrow, denen jedoch die Leichtigkeit der vorhergehenden Späße abgeht. Überhaupt ist der gesamte Film sehr düster gehalten, was ungewohnt ist und doch eine ganz besondere Stimmung heraufbeschwört. Zu der bisherigen Filmreihe passt diese Weltuntergangsstimmung in meinen Augen jedoch nur bedingt und somit war ich richtig froh, als sich im Epilog wieder auf die wahren Stärken zurückbesinnt wurde: Lockere Späße mit unserem Lieblingscaptain. Ergo die Hoffnung auf „Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten“.

Der Abschluss von Gore Verbinskis bombastischer Filmtrilogie ist leider deutlich schwächer, als seine beiden Vorgänger. Oft lässt der Film den Eindruck entstehen, als wäre das Drehbuch mit der heißen Nadel gestrickt worden und die Effekte seien nur Mittel zum Zweck. Dennoch weiß der Film zu gefallen und für Freunde düsterer Unterhaltung, gibt es zumindest ein für solch einen Blockbuster ungewohnt bittersüßes Ende zu bestaunen. Sehenswert, aber oft leider zu gewollt: 7/10 Punkte.

Fluch der Karibik 2 – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“ am 31. August 2022 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nun bin ich doch schneller als gedacht dazu gekommen mir „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ erneut anzusehen. Auf dieses Erlebnis war ich ziemlich gespannt, hatte ich den Film nach der damaligen Kinosichtung doch überraschend gut bewertet. Oft ist es ja so, dass man sich von der spontanen Euphorie übermannen lässt und der Film bei genauerer Betrachtung den positiven Erinnerungen nicht stand hält. Doch trifft dies auch auf die Fortsetzung der Piratensaga zu?

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2 (2006) | © Walt Disney

Um es kurz und knapp zu machen: Ich hatte heute wieder genauso viel Spaß, wie vor fünf Jahren – unglaublich, oder? – im Kino. Der Film ist komischer als der erste Teil, um einiges düsterer und er hat mehr Schauwerte zu bieten. Die Figuren scheinen sich noch mehr gefunden zu haben und es gibt einen famosen Bösewicht. Einzig und allein die Geschichte bleibt etwas auf der Strecke bzw. man bekommt nur eine unnötig aufgeblasene Version der Handlung des Vorgängers präsentiert. Normalerweise müsste ich den Film nun abstrafen, doch feuert Gore Verbinski hier ein Feuerwerk an Actionszenen ab, dass es eine wahre Freude ist. Unterhaltungskino in Perfektion.

Schon alleine die Kannibaleninsel ist an Actionslapstick kaum zu überbieten. Herrlich überdreht und völlig absurd choreographiert bleibt hier kein Auge trocken. Überboten wird das Spektakel nur noch durch den Mühlenrad-Kampf, der ein grandioses comic timing besitzt und zu den unterhaltsamsten Filmszenen überhaupt zählt. Neben diesen lockerleichten Actioneinlagen stimmt der Film bereits ziemlich düstere Töne an, welche sich in „Fluch der Karibik 3: Am Ende der Welt“ letztendlich komplett durchsetzen werden. In diesem Teil stimmt die Mischung jedoch noch und macht das beste aus beiden Welten.

Beeindruckend fand ich auch bei der heutigen Sichtung die Effekte. Nicht so sehr den Kraken, als viel mehr Davy Jones und seine Crew. Selbst in strahlendstem Sonnenschein kann man hier keine CGIs ausmachen. Oberflächenbeschaffenheit, Licht und Animation – alles ist perfekt getroffen. Hinzu kommt, dass man den Schauspieler Bill Nighy tatsächlich hinter den Effekten erkennt. Ein lebendiger, atmender Charakter. Für mich eine der ganz großen Leistungen der VFX-Kunst.

Nun stellt sich mir natürlich die Frage, welchen Teil der Reihe ich bisher am besten finde. Der erste ist insgesamt wohl runder und erzählt die schlüssigere Geschichte. Der zweite dagegen quillt schon fast über vor fantastischen Szenen, die oft wohl auch außerhalb ihres Kontexts funktionieren würden. Unterhalten haben mich beide Filme ausgezeichnet und dabei möchte ich es auch belassen: 9/10 Punkte.

Fluch der Karibik – OT: Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003)

Aktualisierung: Ich habe „Fluch der Karibik“ am 27. August 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der aktuellste Teil der Filmreihe dürfte wohl der in den letzten Wochen am häufigsten rezensierte Film der Blogosphäre sein. Der ideale Zeitpunkt also für mich mit „Fluch der Karibik“ noch einmal den Ursprung des bombastischen Franchise unter die Lupe zu nehmen. Ich war ja schon immer ein Freund der filmischen Freibeuter und so hatte ich mich damals enorm über die Ankündigung zu Gore Verbinskis Piratenabenteuer gefreut.

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Fluch der Karibik (2003) | © Walt Disney

Nachem Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 so gnadenlos gefloppt ist, darf man es schon beinahe als Wunder betrachten, dass Disney das Multi-Millionen-Dollar-Projekt überhaupt in Auftrag gegeben hat. Dazu noch eine Idee, die auf einer Freizeitparkattraktion beruht. Insofern also nicht sonderlich erstaunlich, dass „Fluch der Karibik“ darauf getrimmt wurde für nahezu jede Zielgruppe als perfekter Unterhaltungsfilm zu funktionieren – und noch erstaunlicher: Es ist ihm tatsächlich gelungen. Abenteuer, Humor, Action, Romantik, angenehmer Grusel und eine neue Kultfigur. Ein Traum made in Hollywood – und das sowohl für die Produzenten als auch die Zuschauer.

Auch bei meiner inzwischen dritten (vielleicht auch vierten) Sichtung hatte ich wieder enorm viel Spaß mit Captain Jack Sparrow und Co. Dieses Mal ist mir besonders aufgefallen, wie zielstrebig der Film darauf abziehlt möglichst viele Knöpfe bei seinem Publikum zu drücken. Keine Szene wirkt nebenbei erzählt oder überflüssig. Das Timing stimmt, die Charaktere sind ausformuliert, als hätte man sie bereits auf dutzenden von Abenteuern begleitet und die Handlung ist kompakt und mitreißend zugleich. Hinzu kommt Klaus Badelts unverkennbar aus der Schmiede Hans Zimmers stammender Score, der wohl die meistverwendeten Musikstücke der jüngeren Zeit geliefert haben dürfte.

Kritikpunkte gibt es zwar ein paar, doch insgesamt schmälern sie den ungemeinen Unterhaltungswert des Films kaum. So sind mir die Kampfszenen etwas zu dominant in die Handlung eingebaut. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Weiterhin hätte man dem Film ruhig ein wenig mehr Ecken und Kanten geben können, doch dann wäre vielleicht nicht genau diese Art Film dabei herausgekommen, was auch irgendwie schade gewesen wäre.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Natürlich „Monkey Island“ – ein paar Szenen scheinen wie aus dem Spiel übernommen (das sich wiederum ebenso bei Disneys Freizeitparkattraktion bedient hat), doch letztendlich ist ein Will Turner eben kein Guybrush Threepwood und Captain Jack Sparrow steht sowieso auf einem anderen Blatt. Insofern wäre ich einer Verfilmung der originalen Computerspielreihe immer noch nicht abgeneigt (dann aber bitte mit dem originalen LucasArts-Score).

Wie bereits geschrieben, dürfte nahezu jeder Zuschauer gefallen an Gore Verbinskis Auftakt zu seiner Piratensaga finden. Nicht umsonst begann damit eine der größten Erfolgsgeschichten des vergangenen Kinojahrzehnts. Ich für meinen Teil freue mich nun auf die Wiederholungssichtungen des ersten und zweiten Sequels und hoffe, dass ich damit durch bin, bis der vierte Teil die Heimkinos erreicht. Nach wie vor ein bunter, lauter und vor allem sehenswerter Piratenspaß: 9/10 Punkte.

The Road (2009)

Ich liebe postapokalyptische Filme. Ihnen wohnt eine Art von Abenteuer inne, das es erst noch zu erleben gilt. Zombiefilme und Weltuntergangsszenarien sehe ich selbst als Unterart des Genres. Neben Klassikern wie „Mad Max“ gibt es unzählige Varianten des immer gleichen Szenarios (u.a. den ebenso aktuellen, aber ungleich schwächeren „The Book of Eli“). John Hillcoats „The Road“ ist anders. Kein Abenteuer, keine Hoffnung, kein Erbarmen. Wohl einer der beeindruckendsten Filme, die ich bisher gesehen habe – auf jeden Fall einer der deprimierendsten. Spoiler sind zu erwarten.

Auch ich hatte vor der Sichtung einige Meinungen über den Film gehört und gelesen. Er sei schwer zu verdauen, düster und hoffnungslos. Was für eine Untertreibung. „The Road“ packt einen da, wo es weh tut. Er rüttelt auf und lässt einen nicht mehr los. Man wir durch die oft schon hypnotischen Bilder hineingesogen in diese immergraue Welt. Dieses leblose Etwas, das einmal voller Leben war. Doch die ungenannte Katastrophe samt ihrer unheilvollen Hinterlassenschaften ist eigentlich nur Beiwerk. Der Film ist eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Geschichte über Menschlichkeit und Verlust derselben. Ein Film über das Leben und den Tod.

Die dominierenden Themen des Films geben den Rhythmus vor. Bleibst du, stirbst du. Keine Frage. Und wie in dem Film gestorben wird. Die letzten 15 Minuten haben mir zugesetzt, wie schon lange kein Film mehr. Auch jetzt, da ich daran denke, fühle ich mich wie benommen. Doch schon vor dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Finale, hält „The Road“ unzählige Szenen bereit, bei denen ich schwer schlucken musste – und sei es allein, wie der Junge sein Stofftier stets bei sich trägt. Hier mag der (zumindest noch relativ) frischgebackene Vater aus mir sprechen, doch ich habe selten etwas Herzzereißenderes gesehen.

Neben den inhaltlichen Aspekten kann ich vor allem die bewusste und den Schauspielern Raum gebende Inszenierung hervorheben. Ruhige Bilder, lange Einstellungen und das Wissen, wann man wegblenden muss. Auch wenn die Kamera nie wirklich explizite Bilder einfängt, so ist „The Road“ härter und brutaler als jeder Horrorfilm. So bedrohlich habe ich Kannibalismus wahrlich noch nie wahrgenommen, wie er in John Hillcoats Film auf die Leinwand gebannt wurde. All diese Eigenschaften sind natürlich auch zu großen Teilen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee zuzuschreiben, die beide spielen als ginge es um ihr Leben. Fantastisch.

Wie ihr lest, hat mich „The Road“ voll und ganz gepackt. Ich weiß jetzt schon, dass der Film noch lange nachwirken wird. Kann ich ihn deshalb bedenkenlos empfehlen? Seht euch den Film nur an, wenn ihr eine gewisse Finsternis ertragt. Ich habe mir selten so sehr gewünscht, dass ein Film endlich vorbei ist. Ob ich ihn mir jemals wieder anschauen werde? Im Moment bezweifle ich es noch und so sehr sie mich interessieren würde, so werde ich mich wohl nie an die Vorlage von Cormac McCarthy heranwagen. „The Road“ ist ein großer Film, ein bewegender Film und ein menschlicher Film, doch er wird gewiss keiner meiner Lieblingsfilme werden: 10/10 Punkte.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

The Town – Extended Cut (2010)

Damals im Kino hatte mich der Trailer zu Ben Afflecks „The Town“ ziemlich umgehauen. Endlich einmal wieder ein klassischer Gangsterfilm. Wie bei den meisten anderen Zuschauern wurden auch bei mir Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ wach. Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir den Film im Kino anzusehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Heimkinoauswertung, bei der es – wie so häufig – eine erweiterte Fassung zu sehen gibt.

Ben Affleck wird gerne als Nichtskönner abgetan. Mir selbst ist er nie sonderlich positiv oder negativ aufgefallen. Einzig sein Mitwirken in einigen Kevin Smith-Filmen hat in meiner persönlichen Filmhistorie eine gewisse Relevanz. Seit seinem 2007er Regiedebüt „Gone Baby Gone“ ist er jedoch auch auf dem Radar diverser Filmkritiker aufgetaucht. Spätestens mit „The Town“ dürfte sich sein Ruf als ernsthafter Regisseur weiter gefestigt haben – auch wenn einige Kritiker meinen, den Vergleich mit „Heat“ zu Tode strapazieren zu müssen.

Im Gegensatz zu Michael Manns ikonografischem Gangsterfilm, steht bei „The Town“ nicht das Duell zweier Gegenspieler im Vordergrund. Al Pacinos und Robert De Niros Vermächtnis bleibt also unangetastet. Ben Affleck konzentriert sich in seinem Film eher auf den – wenn man es hochtrabend ausdrücken will – soziogeographischen Hintergrund seiner Charaktere und die damit verbundene Ausweglosigkeit. Daneben wird eine Liebesgeschichte erzählt, die innerhalb dieses Genres teils etwas befremdlich wirkt, aber den Film gerade deshalb außergewöhnlich erscheinen lässt.

Gesehen habe ich den ca. 30 Minuten längeren Extended Cut, der den Charakteren mehr Tiefe verleiht und die Liebesgeschichte ausführlicher erzählt. Vermutlich wirkt die Kinofassung deutlich actionreicher, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass sie dadurch an Kurzweiligkeit gewinnt. Die zweieinhalb Stunden der gestrigen Sichtung sind auf jeden Fall wie im Flug vergangen, was neben den exzellenten Schauspielern – u.a. Jon Hamm (Don Draper, „Mad Men“) und Jeremy Renner (William James, „The Hurt Locker“) – vor allem der mitreißenden Inszenierung zu verdanken ist.

Freunde von Gangsterfilmen sollten sich „The Town“ auf jeden Fall merken. Auch wenn der Film nicht den Stellenwert von „Heat“ erreichen wird, so sollte man Ben Afflecks Werk eine gewisse Eigenständigkeit zugestehen. Mit ungetrübtem Blick sind die Qualitäten leichter zu erkennen und man wird die Reise nach Charlestown, Boston auf keinen Fall bereuen. Gar wunderbar altmodisch erzähltes Gangsterkino: 8/10 Punkte.