Blade Runner – Final Cut (1982)

Gestern Abend habe ich endlich Ridley Scotts Final Cut von „Blade Runner“ gesehen. Mit kaum einem Film verbindet mich mehr. Bereits bevor meine generelle Liebe zum Film ausgebrochen ist, hatte ich diesen Sci-Fi-Meilenstein ins Herz geschlossen. Damals – ich schätze um 1995 – war in meinem Freundeskreis das Rollenspielfieber ausgebrochen. Wir spielten „Shadowrun“ und machten die nahe Zukunft unsicher. Im Zuge dessen hielt ich Ausschau nach Filmen, deren Handlung in einem ähnlichen – von Cyberpunk geprägtem – Universum angelegt war. Ich fand eine VHS von „Blade Runner“ (Director’s Cut Fassung).

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Nach der ersten Sichtung war ich etwas enttäuscht, da ich mir mehr Action und mehr Cyberpunk erwartet hatte. Doch es sollte nicht lange dauern, da zog mich der Film wieder magisch an. In den nächsten Jahren folgten unzählige Sichtungen. Als ich um 1997 die Welt des Internets betrat, führten mich meine ersten Ausflüge auf Fanseiten des Films. Ich las von einem Kinocut und von ausführlichen Theorien. Las von der Vorlage und kaufte mir daraufhin Philip K. Dicks „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ – ich war begeistert. Vor allem davon, was Ridley Scott aus der Vorlage gemacht hatte. Erstmals wurde mein Interesse für Adaptionen geweckt. Für deren Kunst. Vorab kannte ich nur „Die unendliche Geschichte“ und „Jurassic Park“ als mehr oder weniger gelungene Beispiele.

Mit Einführung der DVD hat schließlich die Wartezeit begonnen. Ich wollte „Blade Runner“ in besserer Qualität sehen. Am besten inklusive Kinocut. Da bereits recht früh (um 2000) erste Gerüchte bezüglich einer restaurierten neuen Schnittfassung im Umlauf waren, beschloss ich auf die erste Veröffentlichung des Director’s Cut zu verzichten. Heute (immerhin 7 Jahre später) halte ich endlich die ultimative Fassung – inklusive Kino- und Director’s Cut – in den Händen. Ein wahres Fest für den geneigten Fan.

Nun aber zum Film: Immer noch grandios. Ich kann die meisten Dialoge noch mitsprechen und die Bild- und Tonqualität ist ein Traum. Unterschiede zum Director’s Cut konnte ich – bis auf vielleicht zwei Szenen – allerdings nicht feststellen. Aber das macht nichts, denn meiner Meinung nach war dieser bereits perfekt. Man wird in diese Welt hineingesogen. In diesen Schmelztiegel der Kulturen. Diese düstere Zukunft. Diese Welt, in der sich der Mensch zum Schöpfer erhebt. Zum Herren über Leben und Tod. Die philosophischen Ansätze sind heute aktueller denn je. Ein großer Film. Ein Film für die Ewigkeit.

Besonders herausragend ist die Inszenierung. „Blade Runner“ ist wohl einer der formal perfektesten Filme. Man merkt hier deutlich Ridley Scotts Ursprünge als Art Director und sein Talent für visuelle Gestaltung. Auch der Einfluss des berühmten Industriedesigners Syd Mead ist in jeder Einstellung vorhanden. Vangelis schafft es zudem den bombastischen visuellen Eindruck durch seinen minimalistischen und ungewöhnlichen Score zu verstärken. Bild und Ton bilden eine untrennbare Einheit. Das ist wahre Kunst.

Erwähnen muss ich auch noch die perfekt gecasteten Schauspieler. Allen voran Harrison Ford, der den Blade Runner perfekt verkörpert. Hart und verletzlich zugleich. Mit Rutger Hauer („Hitcher: Der Highway Killer“, „Split Second“) wurde zudem der perfekte Gegenspieler besetzt. Hauer schafft es den Replikanten mit einer derartigen emotionalen Tiefe zu spielen, dass ich bei seiner letzten Szene regelmäßig eine Gänsehaut bekomme. Seine bis heute beste Leistung. Des Weiteren habe ich bei der gestrigen Sichtung festgestellt, woher ich den Darsteller des mysteriösen Gaff kenne: Es ist niemand anderes als Edward James Olmos (Admiral William Adama, „Battlestar Galactica“).

Ridley Scotts „Blade Runner“ ist für mich immer noch einer der besten Filme aller Zeiten – auch im Final Cut. Die Frage ob Deckard nun ein Replikant ist wird weiterhin Generationen beschäftigen. Eine endgültige Antwort liefert auch diese Schnittversion – sieht man einmal von Ridley Scotts direkten Aussagen ab – nicht. Einer der wenigen Filme, die die Bezeichnung Meisterwerk verdienen: 10/10 Punkte.

Roy Batty: ‚I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.‘

Prädikat: Lieblingsfilm

Rom – Staffel 1 & 2 – OT: Rome – Season 1 & 2

Einige Zeit nach dem mit der deutschen TV-Ausstrahlung der ersten Staffel verbundenen Hype, habe ich die Sichtung von „Rome – Season 1 & 2“ abgeschlossen. Die bis dato teuerste TV-Serie stellt in so mancherlei Hinsicht eine Besonderheit in der Serienwelt dar und zeigt, dass das Prinzip von Brot und Spiele heute aktueller ist denn je.

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Von „Rome“ hatte ich eine – im Vergleich zu anderen Serien – sperrigere Handlung erwartet. Historienfilme sind meist etwas weitschweifiger und weniger direkt als ihre zeitgenössischen Pendants. Doch mitnichten. Die Serie ist absolut zugänglich was Handlung, Sprache und Inszenierung angeht. Dagegen war HBOs „Carnivàle“ verkopftes Kunstkino. Was „Rome“ von anderen Serien abhebt ist ganz klar die bombastische Ausstattung. Unglaublich wie detailiert Kostüme und Sets gestaltet sind. Ein deutlicher Mehrwert gegenüber anderen Serien.

Was die reine Handlung angeht, so muss sich „Rome“ anderen Serien jedoch klar geschlagen geben. Geschichte wird hier nur stark komprimiert gezeigt. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander stehen klar im Vordergrund. Historie wird mit Fiktion bunt vermischt. Es kommt zu plötzlichen Zeitsprüngen, Entfernungen scheinen keine Rolle zu spielen und manche Handlungen wirken einfach beliebig. Die historischen Personen wirken teils wie aus einem überzeichneten Cartoon und allein die perfekt gecasteten Schauspieler wissen ihnen Leben einzuhauchen.

„Rome“ ist letztendlich nichts mehr als eine perfekt ausgestattete Seifenoper, die ihre Zuschauer mit Sex und Gewalt bei der Stange hält. Sicher war die damalige Zeit grausam und die Moralvorstellungen lassen sich nicht mit den heutigen Vergleichen – doch kommt so manche Sex- oder Gewaltszene nicht über den Selbstzweck hinaus. Besonders im Kontrast zu den etwas soapig angelegten Handlungssträngen komme ich nicht umhin zu denken, dass solche Szenen einfach nur der Befriedigung der Sensationsgier dienen. Brot und Spiele eben.

Trotz meiner kritischen Anmerkungen muss ich zugeben, dass das Konzept funktioniert. Man lässt sich von der Handlung einlullen, nur im im nächsten Moment wieder von Sex und/oder Gewalt überrascht zu werden. Das ist wahrlich unterhaltsam und durch die fantastische Inszenierung auch wirklich nett anzusehen. Die Geschichte bietet zudem genügend prominente Figuren und Gegebenheiten, die einen Wiedererkennungswert bieten. Alles in allem ein äußerst unterhaltsames Serienpaket – wenngleich auch weit davon entfernt wirkliche Substanz oder Langzeitwirkung zu bieten: 8/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS1)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Neben „Die Feuerzangenbowle“ und „Ist das Leben nicht schön?“ gehört das Griswold-Abenteuer „Schöne Bescherung“ wohl zu den unbestrittenen Klassikern der Weihnachtsfilms. Als Kind verging für mich kaum ein Jahr ohne ein Wiedersehen mit Clark Griswold im vorweihnachtlichen Stress. Seitdem ich die DVD mein Eigen nenne, sind die Besuche im Hause Griswold auch heute wieder regelmäßiger geworden.

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Im Gegensatz zur letztjährigen Sichtung, habe ich mich dieses Mal wieder für die synchronisierte Variante entschieden. Es mag daran liegen, dass mir so manche Szenen doch recht platt vorgekommen sind. Doch das hat dem Film keinen Abbruch getan. So sind sie eben, die Griswolds. Albern, tollpatschig, sympathisch und stets mit einem Funken erschreckendem Realismus versehen. Die Tücken der Vorweihnachtszeit werden gnadenlos auf die Spitze getrieben und mit einem Hauch Schwachsinn garniert. Diese Mischung trifft dann auch ziemlich genau das, was mir in dieser angeblich so besinnlichen Zeit öfter durch den Kopf geht: Die Menschen scheinen noch einen Tick verrückter geworden zu sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Schöne Bescherung“ ist immer noch bzw. immer wieder ein perfekter Weihnachtsfilm. Trotz all der aufgezeigten negativen Seiten wird eine angenehm wohlige Weihnachtsatmosphäre verbreitet – und ist es nicht das, was wir uns alle insgeheim von einem Weihnachtsfilm erwarten? Immer wieder schön: 9/10 Punkte.

Dexter – Season 2

Mit „Dexter – Season 2“ kehrt eine der besten TV-Serien der letzten Jahre auf den Bildschirm zurück. Anders als bei Sichtung der ersten Staffel hatte ich dieses Mal ganz bestimmte Erwartungen. Erwartungen, die erfüllt und teils sogar übertroffen wurden. Darkly dreaming Dexter is back!

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Erneut steht ein Serienkiller im Zentrum der Handlung. Dieser wurde auf den schönen Namen Bay Harbour Butcher getauft. Konkurrenz für Dexter? Ein neuer Freund? Mitnichten. Die Resultate von Dexters düsterem Treiben wurden entdeckt und unser Held hat alle Hände voll zu tun, seine geheime Identität auch geheim zu halten. Verwicklungen gibt es zudem auch auf privater Seite, da sich Dexter mit einer durchgeknallten Verehrerin konfrontiert sieht. Dexters geordnetes Leben droht somit mehr als einmal aus den Fugen zu geraten.

Qualitativ gibt es nahezu keine Abstriche im Vergleich zur ersten Staffel. Darsteller, Inszenierung und Montage sind sowieso über jeden Zweifel erhaben. Alles wirkt noch eine Spur wertiger, als bei vergleichbaren Serien. Überrascht hat mich jedoch die Qualität mit der die Geschichte um den sympathischen Serienkiller fortgeführt wird. Absolut konsequent und mit einer teils kaum auszuhaltenden Spannung. Leider bricht der Spannungsbogen in den letzten beiden Episoden ein. Das Finale wirkt dadurch zu einfach. Zu unspektakulär. Besonders im Vergleich zu den fantastischen vorhergehenden Episoden.

Die zweite Staffel von „Dexter“ ist erneut absolut hochwertige TV-Unterhaltung. Gäbe es die Abstriche in den letzten Folgen nicht, dann hätte mir die aktuelle Handlung beinahe noch besser gefallen, als die der ersten Staffel. So komme ich leider nicht umhin eine geringe Abwertung vorzunehmen: 9/10 Punkte.

Nie wieder PayPal!

Als Verbraucher hat man leider nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftstaktiken großer Firmen. Man kann keinen seinen Unmut zwar kundtun, doch ändert man damit nicht wirklich etwas. Wenn es hoch kommt erntet man das Schulterzucken eines Service-Mitarbeiters – und ist um eine Erfahrung reicher.

Meine aktuell gesammlte Erfahrung möchte ich mit meinen Lesern teilen. Vielleicht lassen sich dadurch noch ein paar Weihnachtsgeschenke retten:

Ich hatte ca. 2 Wochen vor Weihnachten einen Artikel bestellt. Warenwert ca. 400 Euro. Da mir eine schnelle Abwicklung der Transaktion wichtig war, habe ich mich für PayPal als Zahlungsmittel entschieden. Ein Fehler. Die Idee dahinter: Der Händler erhält sein Geld sofort und kann die Ware zeitnah versenden, damit ich den Artikel zu Weihnachten verschenken kann. Eine Utopie.

Das Geld wurde auch sofort von PayPal von meinem Konto abgebucht. Doch was muss ich sehen?

Ihre Zahlung wird zurzeit noch einer Sicherheitsprüfung unterzogen. Die Überprüfung dauert 4-7 Tage.

Im Klartext bedeutet das, dass PayPal mein Geld 4-7 Tage lang zur Verfügung hat ohne dass dies vor Durchführung der Transaktion von mir genehmigt wurde. Der Händler muss nun 4-7 Tage auf sein Geld warten und kann die Ware somit nicht versenden. Am Ende stehe ich ohne Weihnachtsgeschenk da.

Diese üble Geschäftstaktik macht alle Vorteile zunichte, die PayPal evtl. geboten hätte. Dieses Problem wird in diversen Foren auch schon ausgiebig diskutiert. Bei mir handelt es sich also nicht um einen Einzelfall.

Für mich bedeutet diese zweifelhafte Vorgehensweise: Nie wieder PayPal! Und ich kann jedem, der eine schnelle Transaktion wünscht, nur dazu raten die Finger von PayPal zu lassen.

Edit: Nach ca. einem Jahr habe ich PayPal mit einigen kleineren Beträgen eine neue Chance gegeben und bin dabei stets um die sogenannte Sicherheitsprüfung herumgekommen. Zwar werde ich bei zeitkritischen und größeren Bestellungen weiterhin auf PayPal als Zahlungsdienstleister verzichten – doch für kleinere Schnäppchen sehe ich aktuell kein Hindernis mehr.

Die Feuerzangenbowle (1944)

Manche Filme gehören einfach in bestimmte Jahreszeiten. So auch „Die Feuerzangenbowle“ (1944). Zwar besitzt der Film für mich keinen Eventcharakter, doch waren wir gestern bei Freunden eingeladen, die den Film jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit Glühwein und Wunderkerzen an ihrer Uni gesehen hatten. Somit bin auch ich nach einigen Jahren einmal wieder in den Genuss dieses Komödienklassikers gekommen, der mir aus meiner Kindheit noch recht gut im Gedächtnis war.

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Zum Inhalt muss ich hier wohl keine großen Worte verlieren. Ich vermute jeder Leser kennt die Geschichte um Doktor Johannes Pfeiffer mit drei F (Heinz Rühmann), der noch einmal die Schulbank drückt um dort verpasste Erfahrungen nachzuholen. Die Handlung wird entsprechend einfach erzählt und es gibt keine Überraschungen oder sonstige Auffälligkeiten. Der Film lebt von seinem Charme, seinen tollen Darstellern und seinem – wie ich finde – unglaublich guten comic timing. Da könnte sich so manch aktuelle Komödie einige Scheiben von abschneiden.

„Die Feuerzangenbowle“ (1944) ist übrigens ein Remake des 1934 entstandenen Films „So ein Flegel“ – ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Man sieht also: Bereits damals waren gute Geschichten nicht davor gefeit noch einmal erzählt zu werden – manchmal sogar mit großem Erfolg.

Dieser deutsche Filmklassiker überzeugt heute noch genauso, wie vor Jahren und wie er weiterhin überzeugen wird. Ein Film für die Ewigkeit, der eine besser restaurierte DVD-Veröffentlichung verdient hätte. Absolut sehenswert: 9/10 Punkte.

Die fetten Jahre sind vorbei (2004)

Es gibt wenige Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich als Patriot sehe. Film gehört definitiv dazu. Meiner Meinung nach ist der deutsche Film weit besser, als sein Ruf. Es fehlt oft einzig und allein an Geld und Mut – zwei Faktoren, die leider untrennbar miteinander verknüpft sind. Das Ergebnis sind daher meist uninspirierte Komödien oder zu schwere Dramen. Umso mehr freue ich mich daher über Filme, wie Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Filme, die Mut beweisen. Die anders sind. Die aktuell und aufwühlend sind – und sich in kein vorgegebenes Genre pressen lassen. So sollte der junge, deutsche Film aussehen.

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ handelt im Grunde von einer Idee. Zwar verpackt in Revolution, Freundschaft und Liebe. Letztendlich bleibt nach dem Film aber vor allem eines bestehen: eine Idee. Ein Gedanke. Ein Anstoß. Der Film präsentiert keine Lösung. Er ist nur in zweiter Instanz als Kapitalismuskritik zu verstehen – wenn überhaupt. Es werden hier Argumente für beide Parteien präsentiert. Es entsteht ein Dialog. Ideen werden ausgetauscht. Ideale vehement verteidigt. Hier liegt auch die wahre Stärke von Weingartners Film. Der Zuschauer wird zum Mitdiskutieren eingeladen. Zum Finden seines Standpunkts. Zum aktiven Denken. Am Ende bleibt eine Idee. Eine Vorstellung. Zumindest mich hat der Film immer noch nicht losgelassen.

Auch vom inszenatorischen Standpunkt her gesehen, fand ich den Film sehr gelungen. Durch die Verwendung von digitalem Video und Handkameras fühlt man sich mittendrin. Unmittelbar dabei. Ein sehr gelungenes Beispiel für die Art der dokumentarischen Inszenierung. Ebenso frisch und lebensecht wirkt das Spiel der Darsteller. Das Ensemble (Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg und Burghart Klaußner) ist grandios und vermittelt die verschiedenen Stimmungen absolut glaubwürdig. Auch die Musikuntermalung kann voll und ganz überzeugen. Der Einsatz von HALLELUJAH – in der schönen Cover-Version von JEFF BUCKLEY – mag etwas berechnend erscheinen, doch letztendlich passt der Song hier wie die Faust aufs Auge. Man wird die Szenen der inneren Umbrüche nicht so schnell vergessen.

Kritik muss ich etwas am Ende üben. Es war zu losgelöst. Zu aufgesetzt. Zu einfach. Ich hätte es vermutlich am besten gefunden man wäre a) mit Eintreten der Türe aus dem Film gegangen – auch wenn hier die Charaktere der Erziehungsberechtigten etwas gelitten hätten – oder b) mit dem Auffinden der letzten Botschaft. Variante b) stellt übrigens das Ende der internationalen Fassung (Titel: „The Edukators“) dar. Das deutsche Ende ist erst in einem Nachdreh entstanden, den ich – zumindest meiner Meinung nach – als unnötig erachte.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ ist sicherlich einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahre. Ich bin nun neugierig auf die weiteren Werke Hans Weingartners geworden und werde meine Augen nach „Das weiße Rauschen“ offen halten. Ein – trotz nicht perfektem Ende – wahrlich beeindruckender Film: 9/10 Punkte.

The Weakerthans – Reunion Tour

reunion_tour.jpgVier Jahre nach RECONSTRUCTION SITE und 10 Jahre nach dem Debüt FALLOW steht mit REUNION TOUR endlich wieder ein Album von THE WEAKERTHANS in den Plattenläden. Bereits nach den ersten Klängen hatte ich wieder ein Lächeln auf den Lippen. Unverkennbar. Einfach. Schön.

Da ich die drei Vorgänger – mehr oder weniger falsch – im Schlaf mitsingen könnte, hat REUNION TOUR natürlich einen etwas schweren Stand. Ähnlich wie CHASE THIS LIGHT von JIMMY EAT WORLD (das mir inzwischen übrigens richtig gut gefällt). Dennoch fällt mir der Zugang hier etwas leichter. Vielleicht auch, weil mich die Veröffentlichung von REUNION TOUR etwas überrumpelt hat. Die wochenlange Vorfreude ist ausgeblieben.

Um jetzt schon Lieblingssongs zu benennen ist es noch zu früh. Wirkliche Ausfälle sind nach den ersten Durchgängen nicht dabei. Aber das hatte ich auch nicht erwartet. Der Stil von THE WEAKERTHANS hat sich nicht groß verändert. Es gibt ein paar Experimente. Vielleicht etwas mehr Pop. Ansonsten ist alles beim alten.

Melancholisches Herbst- bzw. Winterwetter und THE WEAKTERTHANS. Das funktioniert heute noch so gut, wie vor 10 Jahren.

Der Goldene Kompass – OT: The Golden Compass

Für Fantasy-Freunde sind seit Peter Jacksons grandioser Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie wahrlich bessere Zeiten angebrochen. Stellte das Genre für Filmstudios zuvor nur ein unkalkulierbares Risiko dar, so scheint heute jeder Fantasyfilm das große Geld abzuwerfen. Auch wenn die Qualität häufig auf der Strecke bleibt und auf ausgetretenen Pfaden gewandelt wird, so freue ich mich dennoch über jeden neuen Film des Genres. Mit „Der Goldene Kompass“  ist Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) ein überzeugender Auftakt zur Verfilmung von Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie gelungen.

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Anders als bei „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ besuchen wir in „Der Goldene Kompass“ kein klassisches Fantasy-Universum. Die Welt erinnert an das Zeitalter der Aufklärung. Große Universitäten prägen das Bild. Forschung und die Verneinung derselben sind ein zentrales Thema. Eine regierungsähnliche Einrichtung – das Magisterium – versucht den freien Willen der Menschen einzuschränken. Die Menschen in dieser Welt sind zudem anders. Ihre Seele wohnt in Dæmonen. Tieren. Vertrauten. Untrennbar verbunden.

In dieser Welt wird die Geschichte von Lyra – einem selbstbewussten, kleinen Mädchen – erzählt. Anscheinend gibt es eine Prophezeiung, die ihr einen besonderen Stellenwert in diesem Universum einräumt. Und nicht nur in diesem. Durch sogenannten Staub scheint eine Reise in Paralleluniversen möglich. Das Magisterium versucht jedoch dessen Existenz zu verheimlichen. Viel mehr Licht wird in diesem ersten Teil der Trilogie jedoch nicht ins Dunkel gebracht. Die Geschichte konzentriert sich vorerst darauf, die verschiedenen Völker der Welt vorzustellen und Lyra auf ihrer Suche nach ihren verschwunden Freunden zu begleiten.

Für mich als Zuschauer, dem die Vorlage unbekannt ist, ist es anfangs schwierig sich in der Welt mit ihren Regeln zurecht zu finden. Zudem schien mir vieles etwas gehetzt und vernachlässigt. So muss es auch dem Teil des Publikums ergangen sein, das die Vorlage zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ nicht kannte. Da ich generell jedoch empfänglich für Fantasy bin, konnte ich mir einige Zusammenhänge selbst erklären und die Lücken somit auffüllen.

Besonders gut hat mir diese andere Welt gefallen, die ihre ganz eigenen Regeln besitzt und so gar nicht in typische Schemas passen will. Leider jedoch ist der Aufbau des Films umso mehr nach Schema F gestrickt: Die bedeutungsschwangere Stimme, die uns in die Welt einführt. Die lange Reise. Und der obligatorische Schlusskampf. Hier hat sich New Line leider zu sehr an bekannte Strukturen geklammert. Natürlich kann das auch an der Vorlage liegen, doch hätte ich mir hier etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

Insgesamt kann ich „Der Goldene Kompass“ allen Fantasy-Freunden empfehlen. Für die kommenden Teile hege ich große Hoffnungen. Ein durchaus gelungener Auftakt: 7/10 Punkte.

Der letzte König von Schottland – OT: The Last King of Scotland (2006)

Vor einiger Zeit habe ich auf der Arbeit in irgend einem Manager-Magazin etwas über Idi Amin gelesen. Ich war zugleich fasziniert und abgestoßen. Zwar war mir die Terrorherrschaft Amins auch davor ein Begriff, doch rückte hier erstmals die Person in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Zur gleichen Zeit war die DVD von „Der letzte König von Schottland“ im Angebot, was mir als gute Möglichkeit erschien, mich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen – wenn auch nicht sonderlich zeitnah. Immerhin bin ich gestern nun endlich dazu gekommen, mir den Film anzusehen.

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Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giles Folden. Idi Amin wird hier durch die Augen eines schottischen Arztes gezeigt. Eines fiktiven schottischen Arztes, der eine fiktive Geschichte in einem nur zu realen Umfeld erlebt. Die Figur des ugandischen Präsidenten umgeben viele Legenden. Grausamkeiten. Unvorstellbare Grausamkeiten. Doch hat ihn das Volk geliebt und teils liebt es ihn auch heute noch. Der im Film gezeigte Idi Amin scheint ziemlich nah an der Realität, wenngleich einige Details seiner Persönlichkeit auch der Spekulation und der Auslegung von Zeitzeugenberichten entsprungen sind.

Inszenatorisch wirkt der Film sehr dokumentarisch, was kein Wunder ist hat Regisseur Kevin Macdonald doch zuvor große Erfolge mit den Dokumentarfilmen „Ein Tag im September“ und „Sturz ins Leere“ gefeiert. Zugleich wähnt man sich tatsächlich in den 70ern. Nicht nur Kleidung, Musik und Architektur lassen die Zeit auferstehen, auch die Inszenierung – starke Zooms, Farbgebung und Montage – sind typisch für die Zeit von Amins Herrschaft.

Neben der gelungenen Inszenierung stechen besonders die famosen Darsteller hervor. Allen voran Forest Whitaker, der hier wirklich eine herausragende Darbietung liefert. Fein nuanciert und mit einer Präsenz, die der des echten Idi Amin in nichts nachsteht. Wahrlich famos und zu Recht mit einem Oscar gewürdigt.

Probleme hatte ich – um es einmal drastisch auszudrücken – etwas mit der Erzählweise. Durch die Sicht aus den Augen seines Leibarztes (James McAvoy, „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“) wirkt die Beziehung zu Amin sehr persönlich. Fast schon zu persönlich. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Fokus auf Amin und seine innere Gedankenwelt gewünscht. Auch seine Greueltaten gehen beinahe etwas unter. Zwar werden sehr persönliche Grausamkeiten gezeigt, doch das Verbrechen am ugandischen Volk wird in ein paar Sätzen abgehandelt. Die Ausmaße seines Terrorregimes werden somit etwas abgeschwächt. Vielleicht wäre ein klassischer rise and fall Ansatz hier effektiver gewesen.

Trotz meiner Kritikpunkte ist „The Last King of Scotland“ ein äußerst sehenswerter Film, der dem Schrecken ein menschliches Gesicht gibt. Sicherlich einer der besseren Oscar-Filme. Erschreckend und faszinierend zugleich. Grandios gespielt, fantastisch inszeniert und toll erzählt: 8/10 Punkte.