Mud: Kein Ausweg (2012)

Die letzte Woche ist unglaublich schnell vergangen. Sie war sehr turbulent und endete heute mit einem der seltenen Tage im Home Office. Morgen steht der letzte Termin meines Blockseminars auf dem Programm und doch möchte ich zu fortgeschrittener Stunde noch meine Gedanken zu „Mud: Kein Ausweg“ festhalten. Der Film stand bereits viel zu lange im Regal und ich hatte die Sichtung, aus welchen Gründen auch immer, stets aufgeschoben. Heute war es endlich soweit und tatsächlich hat sich Jeff Nichols Film als Kleinod unter den Indie-Dramen präsentiert…

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Auf den ersten Blick erzählt „Mud“ ein Jugendabenteuer, wie man es aus Klassikern wie „Stand by Me“ kennt. Sogar einer der beiden Jungschauspieler, Jacob Lofland, erinnert an River Phoenix aus Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung. Doch Nichols Werk ist komplexer und besitzt mehr Schichten, die sich dem Zuschauer erst nach und nach offenbaren. Teils hat er mich auch an das düstere Ozark-Drama „Winter’s Bone“ erinnert, was die beinahe schon dokumentarische Schilderung der Lebensumstände der Flussanwohner Arkansas angeht. Dabei bleibt „Mud“ jedoch stets hoffnungsvoll und lässt uns nie in das Herz der Finsternis blicken, auch wenn man es nach der ersten oberflächlichen Betrachtung hinter der nächsten Ecke vermuten könnte.

Nichols erzählt seine Geschichte beinahe vollständig durch die Augen seiner jugendlichen Protagonisten. Nur in wenigen Momenten wird mit dieser Perspektive gebrochen, was tatsächlich auffällt und beinahe schon befremdlich wirkt. Dies sind dann auch die Szenen, in denen „Mud“ in Richtung Kriminalfilm kippt, welche teils wie Fremdkörper in dieser ruhig und fließend erzählten Geschichte wirken. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem großartigen Film. Vielleicht hätte sich Nichols vollständig innerhalb von Ellis‘ Erzählperspektive bewegen sollen, wodurch auch die letzte Szene einen gewissen Interpretationsspielraum bekommen hätte. Vielleicht wäre dies dann auch ein ganz anderer Film geworden. Schon alleine, dass „Mud“ zu solchen Spekulationen einlädt, macht ihn sehenswert.

Neben den beiden großartigen Jungschauspielern, überzeugt vor allem Matthew McConaughey („Interstellar“ oder „True Detective“) als titelgebender Mud. Die Beziehung, die sich zwischen den drei Protagonisten entwickelt, wirkt echt, glaubhaft und ist beinahe schon anrührend. Doch es sind gerade die Lebensumstände von Ellis (Tye Sheridan), die sich in der Beziehung zu Mud und auch zu seiner Freundin Juniper (Reese Witherspoon) spiegeln. Neben all den angerissenen Themen ist „Mud“ im Kern eine Coming-of-Age-Geschichte, in der der gestrandete Mud den beiden Freunden Ellis und Neckbone als symbolhafte Vaterfigur dient – und in der sich alle anderen Beziehung in irgendeiner Form wiederfinden lassen.

Neben den inhaltlichen und schauspielerischen Stärken, überzeugt „Mud“ vor allem auch durch seine formalen Aspekte. Man fühlt sich als Teil der Wildnis Arkansas und ich hätte aufgrund der oft fast schon kitschigen Schönheit so mancher Motive den Film manchmal am liebsten pausiert. Wieder einmal habe ich viel zu lange mit der Sichtung gewartet und hätte „Mud“ schon vorher kennenlernen können. Macht nicht den gleichen Fehler und seht diesen wunderbaren Film – am besten sofort: 9/10 Punkte.

Game of Thrones – Season 5

Kaum eine zweite Serie ist derzeit so populär, wie die Adaption von George R. R. Martins Fantasy-Epos. Wenn man, wie ich, auf die Veröffentlichung für das Heimkino wartet, dann hängt man dem Hype meist um ein gutes Jahr hinterher. So weiß ich momentan auch nicht wie „Game of Thrones – Season 5“ von den Fans aufgenommen wurde. Ich selbst war sehr gespannt auf die Umsetzung, da die Vorlage „A Dance with Dragons“ viele tolle Momente bietet und gleichzeitig den bisherigen Schlusspunkt der Romanreihe bildet. Ob die HBO-Adaption auch im fünften Jahr mithalten kann?

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Puh, es passiert wieder ganz schön viel in nur 10 Episoden, speziell da in der vierten Staffel nicht alle Handlungsstränge aus „A Feast for Crows“ verarbeitet wurden und nun ein Jahr weitergerutscht sind. Die Handlung der Vorlage wurde abermals deutlich gerafft, was ich aber nicht als großen Nachteil empfinde. Durch die Konzentration auf weniger Figuren wirkt die Geschichte stringenter und fokussierter. Andererseits lässt sie dadurch auch ein wenig die komplexe Epik vermissen, die der Roman so wunderbar von den Geschehnissen in dieser fremden Welt zeichnet. Auch wenn ich mich an vieles nur noch bruchstückhaft erinnern konnte, so ließen sich einige Lücken in der Erzählung doch durch die Kenntnis der Vorlage auffüllen. Die Unterschiede sind mir teils deutlich aufgefallen. Zudem treten Charaktere, die im Buch eine eigene Erzählperspektive hatten, hier nur als Nebenfiguren auf. Manches fand ich im Buch gelungener, doch die Adaption hat mich in diesem Jahr tatsächlich mehr mitgerissen.

Während die Geschichte zu Beginn eher bedächtig voranschreitet, was ich ganz famos fand, nimmt die Handlung über die letzten drei Episoden enorm an Fahrt auf. Auch wenn die schockierenden Szenen nicht so geballt kommen wie beim Red Wedding der dritten Staffel, so ist das fünfte Jahr der Serie an vielen perfiden Einzelszenen nicht zu überbieten. Speziell in der zweiten Hälfte der Staffel kommt man selbst mit Kenntnis der Vorlage oft nicht aus der Schockstarre heraus, zumal es auch Todesfälle gibt, die so nicht im Buch vorkommen. Am Ende der finalen Episode saß ich fast schon gelähmt auf dem Sofa und konnte einfach nicht glauben, dass es das gewesen sein soll. Gerade war ich so richtig von dieser Welt und ihren unzähligen Geschichten gefesselt – und nun wieder ein Jahr warten? Ich kann nur wieder die zukünftigen Zuschauer beneiden, die nach Abschluss der Serie eine Komplettsichtung vornehmen können.

Die imposanteste Szene war wohl tatsächlich der Kampf in der Arena in der Episode „The Dance of Dragons“. Ich liebe ja ohnehin Drachen im Film und was hier im wahrsten Sinne des Wortes abgefeuert wird, ist einfach ein großes Vergnügen. Doch auch neben den aufwendig inszenierten Kampfszenen, wie sie zum Beispiel auch „Hardhome“ oder „Mother’s Mercy“ zu bieten hat, überzeugen vor allem die kleineren Dialogszenen und hinterhältigen Attacken, mit denen uns die Autoren stets aufs Neue überraschen. Am meisten Platz nehmen die Schauplätze Castle Black und Meereen ein, was jedoch nicht bedeutet, dass in King’s Landung, Dorne und Winterfell weniger für die Handlung Relevantes passiert.

Auch wenn ich es nicht gedacht hätte, so hat mich die fünfte Staffel von „Game of Thrones“ bisher am meisten beeindruckt – vielleicht auch, weil sich die Serie langsam aber sicher immer weiter von der Vorlage entfernt. Nach diesen zehn großartigen Episoden kann ich nun gar nicht fassen, dass ich nun wieder ein Jahr auf die Fortsetzung warten muss, zumal das ganze Netz wieder explodieren wird. Und dieses Mal kann ich mangels Vorlage auch gespoilert werden. Es wird ein hartes Jahr. Vielleicht sollte ich mich einfach einschließen und noch einmal die ersten fünf Staffeln sehen, denn darauf hätte ich tatsächlich große Lust. Ein großes Kompliment für eine großartige Serie: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Con Air (1997)

Nachdem ich heute bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr meinen Samstag vor knapp 20 Studenten verbracht habe, ist nicht nur meine Stimme weg, sondern auch die Energie. Somit habe ich meinen Feierabendlauf auf morgen vertagt und mit „Con Air“ einen Film eingelegt, der zu den alten Bekannten meiner Jugend zählt. Inzwischen hatte ich ihn bestimmt schon 10 Jahre lang nicht mehr gesehen und somit freute ich mich durchaus auf ein Wiedersehen mit dem langhaarigen Nicolas Cage…

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Ach, was ist der Film herrlich albern und 90er Jahre durch und durch. Angefangen beim Schnitt, dem Score und Soundtrack sowie Schauspielern und Inszenierung. Für mich war „Con Air“ stets der kleine Bruder von „The Rock“, doch letztendlich nehmen sich die beiden Jerry Bruckheimer-Produktionen nicht viel, was übertriebene Action angeht. Simon Wests Regiearbeit ist geradliniger und setzt noch ein wenig mehr auf den reinen Effekt. Wirklich unglaublich, was hier an purer Zerstörungskraft freigesetzt wird – und das (größtenteils) wunderbar altmodisch mit echten Explosionen. Herrlich!

Wie auch „The Rock“ hatte „Con Air“ damals den Status des besonders harten Actionfilms inne, immerhin war er mit FSK 18 freigegeben und wurde im TV stets geschnitten. Heute kann man beinahe nur noch darüber schmunzeln, sieht man doch in jeder mit FSK 16 freigegebenen TV-Serie härtere und häufigere Gewaltszenen. Da wird einem erst einmal wieder bewusst, wie sehr sich das Sehverhalten verändert hat. Vielleicht ist der mildere Eindruck aber auch der unfreiwilligen Komik geschuldet, denn der Film trägt oft ganz schön dick auf und speziell Nicolas Cages Voice-over während der Gefägnismontage ist, zusammen mit seiner Frisur, wahrlich schwer ernst zu nehmen. Dem Unterhaltungswert tut dies aber keinen Abbruch, im Gegenteil…

Auch wenn ich wirklich sehr, sehr müde war, so hat es „Con Air“ doch geschafft mich am Ball zu halten. Der Film mag objektiv nicht sonderlich gut sein, doch schon alleine die überbordende Action und das Auflaufen an hochkarätigen Schauspielern (u.a. John Malkovich, Steve Buscemi, John Cusack, Monica Potter) machen den Film zu einem echten Klassiker des 90er Jahre Actionkinos. Ich hatte tatsächlich sehr großen Spaß auf diesem Flug: 8/10 Punkte.

Zoolander (2001)

Nachdem mir der Film schon seit geraumer Zeit ans Herz gelegt wird, habe ich heute endlich eine der großen Lücken meines Filmwissens geschlossen – und was soll ich sagen? Ben Stillers „Zoolander“ ist wahrlich ein ganz spezielles Werk. Normalerweise verzichte ich beim Filmschauen auf Alkohol, doch hier hat das Bier vermutlich geholfen und eine größere feuchtfröhliche Runde hätte dem Erlebnis gut getan. Doch auch alleine (meine bessere Hälfte hat irgendwann das Heil im Schlaf gesucht) hatte ich erstaunlich viel Spaß mit diesen männlichen Supermodels…

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Wenn ich „Zoolander“ in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre dies: albern. Und das ist nicht einmal negativ gemeint. Mich hat der Film an ein anderes Werk Stillers erinnert, nämlich „Tropic Thunder“, das ähnlich überdreht inszeniert ist. Feine Satire sollte man hier nicht erwarten, wenngleich die Modewelt auch treffsicher aufs Korn genommen wird. Die Autoren nehmen ihren Film und seine Figuren zu keiner Sekunde ernst und verarbeiten selbst brisante Themen, wie Kinderarbeit oder Bulimie, zu plattesten Gags. Das alles könnte gehörig nach hinten losgehen, doch ist die Großfamilie Stiller (neben Ben spielen auch sein Vater Jerry Stiller und seine Frau Christine Taylor tragende Rollen) dabei so unglaublich sympathisch, dass man über so manche Albernheit hinwegschaut und sich ganz der debilen Geschichte hingibt.

Neben Ben Stiller als titelgebender Derek Zoolander überzeugen vor allem Owen Wilson als Gegenspieler Hansel sowie Will Ferrell als Bösewicht Mugatu. Dazu kommen unzählige Gastauftritte (u.a. David Bowie), woraus der Film auch einiges an Unterhaltungswert zieht. Die Geschichte selbst ist unglaublich platt, doch nicht frei von komischem Potential. All das fügt sich zu einer absurden Mischung zusammen, die irgendwie funktioniert. Und wem das noch nicht reicht, der darf sogar Donald Trump bei einem Gastauftritt bewundern.

Auch wenn ich das Kultpotential von „Zoolander“ noch nicht komplett verstehe, so wurde ich über knapp 90 Minuten doch ziemlich gut unterhalten. Das Timing sitzt meistens und die Gags zünden größtenteils. Der Film wirkt zudem noch sehr in den späten 90ern bzw. frühen 2000ern verankert, was ihn aus heutiger Sicht – immerhin 15 Jahre später – doch sehr sympathisch macht. Durchaus den einen oder anderen Blick wert: 7/10 Punkte.

Her (2013)

Zu Beginn meines Osterurlaubs hatte ich mir vorgenommen jeden Tag einen Film zu sehen. Da ich selbst wusste, dass dies äußerst unrealistisch sein würde, habe ich die Anzahl auf die Hälfte meiner Urlaubstage reduziert: fünf Filme sollten es also werden. Am achten Abend habe ich mit „Her“ nun meinen ersten Film gesehen. So ist das eben manchmal mit den Plänen. Und selbst diese Filmsichtung stand auf wackligen Beinen, haben wir doch den ganzen Tag in einem Freizeitbad verbracht und sind alle entsprechend müde. Ich habe als einziger länger als 20 Uhr durchgehalten und konnte den Film somit entsprechend genießen. Wenn auch allein. Wie passend…

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Was für ein wundersamer Film. Eine klassische Liebesgeschichte, wie man sie schon dutzende Male gesehen hat. Eine Utopie (oder Dystopie, darüber ließe sich trefflich streiten), welche unsere heutige Kommunikationswelt konsequent in die Zukunft trägt. Dann ein formal perfekt ausgestatteter Bilderrausch, der uns mit seiner seltsam retro-urbanen Ästhetik verführt. Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) zieht einmal mehr alle Register und drückt dieser ungewöhnlichen Geschichte so gekonnt seinen Stempel auf, dass man sich keine andere Inszenierung vorzustellen vermag. Da Jonze auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt „Her“ wie aus einem Guss, was beeindruckt aber auch leicht artifiziell wirkt. Sehr passend für diese Geschichte.

Was will uns „Her“ nun sagen? Dass wir alle zu sehr unsere zwischenmenschlichen Kontakte vernachlässigen und eine Beziehung mit unserem Smartphone führen? Ich vermute nicht – und doch kann man auch diesen wenig subtilen Aspekt in der Geschichte wiederfinden. Es geht um das große Thema Liebe, die Bedeutung von Körperlichkeit und – wenn man so will – Seelenverwandtschaft. Ebenso spielt das Thema Künstliche Intelligenz natürlich eine große Rolle und es ist wahrlich erfrischend zu sehen, dass man nicht plötzlich einen allwissenden virtuellen Stalker präsentiert bekommt, der unserer Hauptfigur das Leben zur Hölle macht. Oder Skynet auf kleinerem Level. Nein, Jonze bleibt seinem Thema treu und opfert die spannende Prämisse nicht dem billigen Effekt.

Auch wenn so manche Szene befremdlich wirken mag, schaffen es Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson perfekt ihrer Beziehung einen emotionalen Kern zu verleihen. Gekonnt nimmt sich Jonze der Absurdität an und überträgt diese auch auf andere Bereiche dieser Retro-Zukunft (z.B. Theodores Beruf als Briefautor). Insgesamt wirkt „Her“ auf mich wie ein kunstvoll inszeniertes Kaleidoskop an Ideen und Ansätzen, das in eines der klassischsten Genres gegossen wurde. Ein ganz besonderer Film, der auf jeden Fall einer Zweitsichtung bedarf, damit ich auch seine wahre Wirkung auf mich entschlüsseln kann : 8/10 Punkte.

The Affair – Season 1

Da ich zurzeit ein wenig mit der siebten Staffel von „The X-Files“ hadere, haben wir spontan eine neue Serie eingeschoben. Von „The Affair – Season 1“ hörte ich erstmals im „Fortsetzung folgt“-Podcast, wo die Serie sehr positiv besprochen wurde. Weiterhin gibt es mit Dominic West einen „The Wire“-Alumni, den ich gerne einmal in einer anderen Rollen sehen wollte. Und da die ganze Affäre auch noch bei Amazon Prime in der Flatrate verfügbar ist, musste ich mich nicht zweimal bitten lassen…

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Müsste ich die Serie in einem Satz beschreiben dann würde dieser wohl lauten: Man nehme „True Detective“, reduziere die Krimi-Handlung auf ein Minimum und ergänze ganz viel Drama. Nanu, eine Verwandtschaft zu dem Krimi-Überflieger der letzten Jahre? Tatsächlich, denn auch „The Affair“ baut stark auf den unzuverlässigen Erzähler bzw. nimmt ganz gezielt zwei personale Erzählperspektiven ein. In Kombination mit der Verhörsituation liegt der Vergleich auf der Hand, auch wenn die weiteren Details der Geschichte ganz andere thematische Schwerpunkte bedienen: Im Zentrum der Handlung steht die titelgebende Affäre, die der Auslöser für eine Vielzahl an Ereignissen ist, welche sich im Laufe der Staffel entwickeln.

Letztendlich ist „The Affair“ ein Familiendrama mit gewissen Krimi-Anleihen. Man erlebt als Zuschauer abwechselnd die Perspektiven der beiden an der Affäre beteiligten Personen: Noah Solloway ist ein glücklich verheirateter Familienvater, der unter Erfolgsdruck und gewissen an ihn gerichteten Erwartungen leidet. Er wird von Dominic West gespielt, der nach „The Wire“ erneut eine absolut überzeugende Leistung abliefert. Alison Bailey ist ebenfalls verheiratet und hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich, den sie noch nicht verarbeiten konnte. Ruth Wilson ist das perfekte Gegenstück zu Dominic West. Die Chemie ist ab der ersten Szene vorhanden und bildet die Grundlage für die gesamte weitere Geschichte.

Mit Maura Tierney und Joshua Jackson (Peter Bishop, „Fringe“) sind auch die Partner der beiden Ehebrecher famos besetzt, was tatsächlich auch ein Qualitätsmerkmal der Serie ist: Es ist schwierig eine eindeutige Position einzunehmen. Natürlich ist es falsch, was Noah und Alison begonnen haben, doch in individuellen Szenen kann man es als Zuschauer gut nachvollziehen: Die Hintergrundgeschichten der Charaktere entfalten sich Folge für Folge und man weiß, wie sehr Alison leidet und versteht auch Noahs Faszination für sie. Oft ist die innere Zerrissenheit fast körperlich spürbar und speziell Alisons persönliche Geschichte hat mich oft wirklich mitgenommen. „The Affair“ ist somit keine leichte Serie, sondern ein oft schweres Drama, das in seinen schwächsten Momenten zu sehr auf emotionalen Effekt setzt, in seinen stärksten Szenen dafür unglaublich packend und mitreißend erzählt ist.

Meine Erwartungen an „The Affair“ waren hoch und tatsächlich konnten sie erfüllt werden. Die Serie ist großartig erzählt, bietet viele interessante Figuren und beinahe noch mehr Wendungen. Einzig so manche Charakterentwicklung konnte ich nicht so recht nachvollziehen (z.B. warum die Ehefrau den Mann so unbedingt zurück haben will, nachdem dieser bereits zweimal ihr Vertrauen missbraucht hat). Letzten Endes ist der Sog, den die Geschichte ausstrahlt aber so stark, dass man sich ihr so oder so nicht entziehen kann. Höchst unterhaltsames, manchmal sehr bedrückendes und zugleich spannendes Serienkino mit fantastischen Schauspielern: 8/10 (8.4) Punkte.

Dein Weg – OT: The Way (2010)

Nachdem ich heute den ganzen Tag ein Blockseminar gegeben habe, ist nicht nur meine Stimme nahezu komplett weg, es machte sich auch schon früh eine gewisse Müdigkeit bemerkbar. Auf einen Film wollte ich dennoch nicht verzichten: Die Wahl fiel letztendlich auf „Dein Weg“ von Emilio Estevez, der bereits seit mehreren Jahren auf meiner imaginären Liste der noch zu sehenden Filme steht. Ob das beinahe schon meditative Drama die richtige Wahl für solch einen müden Abend war?

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Es mag am Kaffee liegen, den ich erst zu später Stunde zu mir genommen habe, doch eingeschlafen bin ich tatsächlich nicht. Es bestand nicht einmal annähernd die Gefahr – und ich möchte dies dem Film zuschreiben, denn er hat mich gar wunderbar unterhalten. Meine langjährigen Leser wissen, dass Vater-Sohn-Beziehungen (siehe auch „Wish I Was Here“ oder „Beginners“ oder „About Time“) seit jeher einen Nerv bei mir treffen. Folglich ist es auch keine Überraschung, dass der auf zwei Ebenen mit der Vater-Sohn-Beziehung spielende „The Way“ mich berührt hat: Emilio Estevez hat die Rolle der Hauptfigur Tom für seinen Vater Martin Sheen, den ich spätestens seit „The West Wing“ liebe, geschrieben. Gleichzeitig verkörpert Sheen den Vater des auf dem Jakobsweg verstorbenen und von Emilio Estevez gespielten Daniel. Und man merkt diese persönliche Komponente in wirklich jeder Szene des Films.

Es wird viele Zuschauer geben, die den Film nicht ertragen können. Er strotzt nur so vor religiösen und spirituellen Untertönen, die letztendlich aber auch nur Untertöne sind und das Setting für vier ganz individuelle Geschichten bilden. Weiterhin passiert nicht viel in dem Film, sprich man beobachtet zwei Stunden lang Tom, wie er auf dem Jakobsweg unterschiedlichen Pilgern begegnet und sich langsam mit diesen anfreundet. Das muss man mögen. Und ich mochte es wirklich sehr. Man bekommt tatsächlich ein Gefühl für die Landschaft und die Art von Menschen, die sich auf solch eine Reise begeben. Weiterhin ist die Dynamik zwischen unseren vier Pilgern großartig und ich habe sehr gerne zwei Stunden meiner Zeit mit ihnen verbracht. „Dein Weg“ ist kein aufregender Film, aber ein kraftvoller.

Müsste ich etwas kritisieren, dann vermutlich die ein wenig beliebig wirkende Zusammenstellung des Soundtracks. Ebenso fügt sich nicht jede Episode perfekt in die Geschichte ein, doch das macht für mich auch den Reiz dieses Films aus. Spontane Begegnungen sind eben nicht immer perfekt. Am Ende war ich sogar richtig wehmütig, dass die Reise nun vorbei ist. Ich kann mir gut vorstellen, den Weg irgendwann noch einmal zu gehen: 8/10 Punkte.

Veep – Season 3

Hatte ich mich bei der Sichtung der zweiten Staffel noch gefreut, dass es zwei Episoden mehr als im ersten Jahr gab, muss ich nach „Veep – Season 3“ nun feststellen: 10 Episoden sind einfach viel zu wenig für diese Serie! Da hat man sich gerade warm geschaut und muss auch schon wieder Abschied nehmen. Warum die Serie so gut funktioniert, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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US-Wahlkampf in all seiner Absurdität. Welches Thema könnte aktueller sein? Auch wenn es die Serie tatsächlich nicht schafft, an den Irrsinn der realen Situation heranzureichen, so gibt sich das Team rund um Vizepräsidentin Selina Meyer doch alle Mühe. Mit dem beginnenden Wahlkampf um das Präsidentenamt nimmt die Serie enorm an Fahrt auf, was sie noch spritziger macht als sie es in den vergangenen Jahren ohnehin schon war. Mit knapp 30 Minuten Laufzeit bewegt sich die Comedy auch in einem Sweet Spot was die erzählerische Dichte und die Schlagfrequenz der Pointen angeht. Habe ich schon erwähnt, dass ich 10 Episoden pro Staffel als viel zu wenig erachte? Aber vielleicht liegt auch gerade darin das Geheimnis der durchgehend hohen Qualität begründet.

Was mir dieses Mal wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Anna Chlumsky, die fantastische Darstellerin von Amy Brookheimer, ist das kleine Mädchen aus „My Girl: Meine erste Liebe“, eines meiner großen filmischen Kindheitstraumata. Diese Erkenntnis hat das Vergnügen, das ich bei der Sichtung empfunden habe, nur gesteigert. Ohnehin sind die Schauspieler allesamt famos, müssen jedoch hinter der fantastischen Julia Louis-Dreyfus zurückstehen, die mit „Veep“ schon die zweite Rolle ihres Lebens (eben nach Elaine Benes in „Seinfeld“) gefunden hat.

Ich liebe amerikanischen Politzirkus in TV-Serien – und kaum eine Serie stellt diesen so unterhaltsam dar, wie „Veep“. Auch wenn die Serie hierzulande nicht sonderlich populär ist, so kann ich sie allen auch nur annähernd Interessierten nur unbedingt ans Herz legen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht: 9/10 (9.0) Punkte.

Shameless (US) – Season 4

Nach viel zu langer Zeit, habe ich mich endlich „Shameless – Season 4“ zugewandt. Wieder einmal war ich erstaunt, wie unglaublich unterhaltsam die Serie doch ist. Egal wie müde ich bin, bei den abstrusen Abenteuern der Familie Gallagher bin ich noch nie eingeschlafen. Und auch wenn sich das meine jugendlicheren Leser vermutlich nicht vorstellen können, ist dies inzwischen tatsächlich ein Qualitätskriterium. Macht euch aber keine Illusionen, auch für mich wäre es früher ein echtes Armutszeugnis gewesen, abends um 21 Uhr auf dem Sofa einzuschlafen – so ändern sich die Zeiten… 😉

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„Shameless“ ist eine Serie, der ich mich eigentlich überhaupt nicht widmen wollte. Nicht mein Thema, nicht mein Humor. So meine völlig unreflektierte Einschätzung vor der Sichtung der ersten Staffel. Inzwischen gibt es kaum eine Serie, die ich lieber schaue – und das Beste: Die Qualität der Drehbücher hat sich bisher konsequent gesteigert. Auch in dieser vierten Staffel jagt ein völlig abstruser Moment den nächsten. Und gerade wenn man als Zuschauer aufgrund des unterhaltsamen Wahnsinns losgelöst mit den Charakteren (und manchmal auch über sie) lacht, dann wirft die Serie den Gallaghers und uns Zuschauern solche Knüppel zwischen die Beine, dass man erst einmal nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. In solchen Momenten gelingt es „Shameless“ die Drama-Karte perfekt auszuspielen und man leidet mit den Figuren, die einem über die letzten drei Staffeln – egal wie verrückt sie sich manchmal verhalten – doch sehr ans Herz gewachsen sind.

Was mir in dieser Staffel besonders aufgefallen ist, war die Charakterentwicklung der einzelnen Figuren. Fiona und Lip scheinen die Plätze getauscht zu haben, was für eine ganz neue Dynamik innerhalb der Familie Gallagher sorgt. Man möchte Fiona anschreien und wachrütteln. Sie war doch immer der Fels in der Brandung. Ihr seht, die Staffel bietet starke Emotionen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Auf der anderen Seite steht Frank, dessen Leben am seidenen Faden hängt. Es kann einfach nicht gut ausgehen. Das ist bei diesem verachtenswerten Charakter nicht weiter schlimm? Natürlich ruft die Serie gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, ein gewisses Mitgefühl für Frank hervor – aber nicht, ohne auch diesen Handlungsstrang mit extrem schwarzem Humor zu würzen. Welches Schicksal am Ende Frank erwartet? Das müsst ihr wohl selbst schauen…

Neben den großen Hauptgeschichten überzeugt die Staffel auch durch wunderbar runde Nebenschauplätze: Debbies erste Verliebtheit wird sehr einfühlsam und doch auf typische „Shameless“-Art erzählt. Nicht minder toll ist die Beziehung zwischen Ian und Mikey, die mit dem Coming-out Mickeys endlich einen großen Schritt nach vorne macht. Auch Carl erlebt die erste Liebe und stolpert damit sogleich in ein „Bonnie & Clyde“-Setting – und am Ende wird ihm natürlich das Herz gebrochen. Im Zentrum der Staffel stehen jedoch Frank, Fiona und Lip – und auch wenn ich hier nicht ins Detail gehen möchte, so ist das Schicksal dieser drei Charaktere so eng miteinander verwoben, dass das Konzept Familie, so kaputt es in diesem Fall auch sein mag, auf eine harte Probe gestellt wird.

Die letzten Einstellungen der Staffel sind dann, so episch sie auch inszeniert sein mögen, wie ein Schlag in die Magengrube, da sie die aufkeimende Hoffnung im Kern ersticken – und natürlich ist es genau das, was wir in der fünften Staffel sehen wollen. Weiterhin überrascht eine Post-Credit-Szene, die direkt an einen Handlungsstrang der dritten Staffel anknüpft. Schon lange habe ich keine so gelungene und absolut runde Serienstaffel mehr gesehen. Viel besser kann es nun nicht mehr werden und ich bin jetzt schon auf Entzug, zumal es auch noch dauern wird, bis die fünfte Staffel zu einem angemessenen Preis erhältlich ist. Aber was ist schon angemessen für solch famose TV-Unterhaltung? Absolut großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

The 6th Day (2000)

Vermutlich hätte ich nach dem heutigen Tag einfach gleich nach dem Abendessen ins Bett gehen sollen. Die anstrengende 6-Tage-Woche in Kombination mit einer hartnäckigen Erkältung fordert so langsam ihren Tribut. Dennoch habe ich mit „The 6th Day“ einen Film aus dem Regal gezogen, der mir zumindest die richtige Art der Unterhaltung zu bieten schien. Das letzte Mal habe ich ihn vor ca. 12 Jahren gesehen und wurde damals gut unterhalten. Komplett wach geblieben bin ich über die gesamte Laufzeit dieses Mal zwar nicht, doch kann ich das kaum dem Film ankreiden…

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Gedreht im Jahr 2000 wirkt „The 6th Day“ unglaublich stark wie ein Relikt der späten 90er Jahre. Schon alleine das Thema menschliche Klone hätte in dieser Form zu keinem anderen Zeitpunkt so umgesetzt werden können. Hinzu kommt ein Blick in die nahe Zukunft, die mit selbstfahrenden Autos und Internet-of-Things-Konzepten gar nicht so weit von der Realität entfernt scheint. Andere Annahmen dagegen, wie Sex-Hologramme oder die Entwicklung der Mode, verankern den Film eindeutig im Jahr seiner Entstehung. Dies gilt auch für die eingesetzten visuellen Effekte, die speziell was die grafischen Benutzeroberflächen angeht, unglaublich altbacken wirken. Da merkt man erst einmal, was sich seitdem auf diesem Gebiet getan hat.

Die zentrale Geschichte um einen Piloten, der erfahren muss, dass er geklont wurde und sich gegen einen mächtigen Konzern zur Wehr setzen muss, erinnert nicht von ungefähr an „Total Recall“ aus dem Jahr 1990. Selbst ein Teil des Konzerns nennt sich RePet und man erlebt erneut Arnold Schwarzenegger in einer Doppelrolle – dieses Mal sogar zeitgleich in mehreren Szenen. Aufgrund seiner Prämisse hätte „The 6th Day“ auch ein knallharter Sci-Fi-Thiller sein können, letztendlich ist es aber ein typischer Arnie-Film mit übertriebener Action, einfältigen Gegnern und strategisch geschickt platzierten Onelinern. Ein Unterhaltungsvehikel, das im Gegensatz zu Paul Verhoevens Vorbild aber auf einen jugendfreundlichen Gewaltlevel setzt.

Tatsächlich ist mir „The 6th Day“ wohl sympathischer, als es der Film eigentlich sein dürfte. Die Geschichte ist, von seiner spannenden Prämisse einmal abgesehen, äußerst vorhersehbar und bietet Action, wie man sie schon dutzendfach gesehen hat. Ich mag den doppelten Arnie speziell in seiner Verwirrungsphase und die Buddy-Movie-Anleihen in seinen Szenen mit Michael Rapaport („The War at Home“). Wenn ich nicht so unglaublich müde gewesen wäre, hätte ich vermutlich sogar noch mehr Spaß mit dem Film gehabt, so bleibt es jedoch bei einer Grundsympathie: 6/10 Punkte.