Die Tiefseetaucher – OT: The Life Aquatic with Steve Zissou (2004)

Bei manchen Filmen fragt man sich unweigerlich, wie sie es schaffen auf die große Leinwand zu kommen. Zu diesen gehört Wes Andersons „Die Tiefseetaucher“ – und das meine ich absolut positiv! Ein Film über einen schrulligen Ozeanographen, der den Jaguar-Hai sucht, welcher seinen besten Freund gefressen hat? Ein Film über eine komplexe Vater-Sohn-Beziehung? Ein Film mit Piraten? Dem Look von 70er Jahre Dokus? Mit surrealen Stop-Motion-Meereswesen? Dazu noch R-Rated und mit einem Soundtrack, der vornehmlich aus portugisischen Coverversionen diverser David Bowie-Hits besteht? Wer auch immer das produziert hat, beweist Mut und gibt mir den Glauben an die Filmindustrie zurück.

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Es ist anfangs zugegebenermaßen nicht einfach sich in den Film einzufinden. Ich wusste wirklich nicht, ob ich gerade den größten Schwachsinn vor mir habe, der je gedreht wurde oder ein Meisterwerk unglaublichen Einfallsreichtums. Glücklicherweise habe ich den Film letztendlich als Letztgenanntes wahrgenommen. Ich bin mir jedoch sicher, dass es da draußen unzählige Zuschauer gibt, die absolut nichts mit diesem skurrilen Humor, den verschrobenen Charakteren, den kulissenhaften Sets sowie der Geschichte an sich anfangen können – und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Ein klarer Fall von lieben oder hassen.

Deutliches Vorbild für den Film war Jacques-Yves Cousteau, dessen Lebensgeschichte eindeutig das Grundgerüst für die Hauptfigur Steve Zissou bildet. Samt roter Wollmütze und allem was dazu gehört. Man könnte Wes Anderson nun unterstellen eine reine Parodie abgeliefert zu haben. Allerdings könnte nichts ferner von der Wahrheit entfernt sein. Die Charaktere sind komplett eigenständig und handeln – innerhalb der Grenzen ihres Universums – absolut glaubwürdig und ernsthaft. Die Gefühle sind echt und der reichliche Humor ist – wenngleich ich auch ein paarmal laut lachen musste – eher leise und hintergründig.

Grandios ist natürlich das Ensemble. Allen voran Bill Murray, dem man den verrückten Meeresforscher sofort abkauft. Auch Owen Wilson hat mich sehr positiv überrascht. Eine ganz andere Rolle für ihn. Cate Blanchett überzeugt einmal wieder auf ganzer Linie und Willem Dafoe hat als das deutsche Besatzungsmitglied namens Klaus Daimler die meisten Lacher auf seiner Seite. Von Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Michael Gambon etc. will ich gar nicht erst angfangen. Neben der Besetzung sticht vor allem das fantastische Produktionsdesign hervor. Ungewöhnlich, doch perfekt zum Inhalt des Films passend.

„Die Tiefseetaucher“ ist kein Film für jeden Zuschauertyp. Ich könnte nicht einmal sagen für welchen. Man sollte offen für außergewöhnliche Ideen sein und sich leicht in fremde Welten einfinden können. Wenn man zudem noch in der richtigen Stimmung ist und der richtige Nerv getroffen wird, dann erlebt man mit Steve Zissou ein wahrlich fantastisches Abenteuer: 9/10 Punkte.

Lucky Number Slevin (2006)

Nach langer, langer Zeit bin ich heute nun endlich dazu gekommen „Lucky Number Slevin“ bzw. „Lucky#Slevin“ nachzuholen. Ein Film, dem sein Ruf bereits seit der nicht gewährten Kinoauswertung vorauseilt. Ein gehypter Film. Dazu noch im Genre des Gangsterfilms, in dem der Begriff Kultfilm – besonders in der Post-Tarantino-Ära (siehe „Smokin‘ Aces“) – doch stark strapaziert wurde. Zeit also mir selbst ein Bild zu machen. Spoiler sind zu erwarten.

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Der Film beginnt ungewöhnlich. Ungewöhnlich ruhig. Ungewöhnlich erzählt. Dem Zuschauer werden Ereignisse präsentiert, die für die spätere Handlung keine Rolle zu spielen scheinen. Nebensächlichkeiten. Doch dem geübten Zuschauer ist klar, dass der Epilog noch einmal aufgegriffen werden wird. Dazu später mehr. Zunächst lernen wir Slevin (Josh Hartnett) kennen, der vom Pech verfolgt scheint und welcher sich von einem Moment auf den anderen mitten in einem Mafiakrieg befindet.

Die nun folgende Stunde erleben wir, wie Slevin immer weiter in diese ihm fremde Welt hinein schlittert. Er meister dabei die schwierigsten Situationen mit viel Witz und einem Mut, der fast schon selbstmörderische Tendenzen aufweist. Hier macht der Film auch am meisten Spaß. Die Figuren sind größer als die Wirklichkeit und fügen sich nahtlos in das Gangstermärchen ein. Das Produktionsdesign – diese Tapeten! – passt wie die Faust auf das Auge (bzw. die Nase) und unterstreicht die leicht comichafte Atmosphäre.

Da ich als Zuschauer durch die Struktur der Geschichte zwangsläufig mit einer Wendung rechne, mache ich mir so meine Gedanken. Dass Slevin letztendlich der Junge vom Anfang ist war nicht weiter schwer zu erraten. Die anderen Puzzleteile waren danach nur noch einleuchtend. Einleuchtend und irgendwie enttäuschend. Zwar ist die Geschichte nett und intelligent konstruiert, doch gibt sie nicht so viel her, wie uns der Film glauben machen will. Die nun folgende Auflösung ist viel zu lang und detailliert. Spätestens nach der Aufdeckung von Slevins Identität weiß auch der langsamste Zuschauer, welches Spiel hier gespielt wird. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich – wie bereits bei „Smokin‘ Aces“ – die Änderung in der Stimmung. Plötzlich werden die beiden Gansterbosse ins Zentrum gerückt und ihre dunkle Vergangenheit wird bestimmend. Zu diesem Zeitpunkt (der Zuschauer ist an der letztendlichen Auflösung interessiert) wirkt das nur ablenkend. Weiter geht es mit der Vollstreckung der Rache: Brutal und eiskalt. Nicht mehr larger than life. Ein Bruch in der Stimmung des Films.

Die ersten zwei Drittel von „Lucky#Slevin“ haben mir ausgezeichnet gefallen. Die Wendung verkommt dann leider etwas zum Selbstzweck. Der Film hat mich wirklich gut unterhalten und vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet. Nach dieser Sichtung springen leider nicht mehr als 7/10 Punkte raus. Vielleicht relativieren sich manche Eindrücke nach einer Zweitsichtung.

Smokin’ Aces(2007)

Der zweite Film des gestrigen Abends war Joe Carnahans „Smokin‘ Aces“. Wieder ein Film, dessen Trailer mich wirklich heiß auf das finale Werk gemacht hat. Wieder ein Film, der einige grandiose Schauspieler vereint. Die Erwartungen waren folglich immens hoch. Leider wurden sie nur im Ansatz erfüllt.

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Der Trailer suggerierte abgefahrene, absurde Profikiller-Action, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Ein Feuerwerk an skurrilen Dialogen. Satte Action. Grandiose Schauspieler. In der ersten Filmhälft gibt es dann auch so ungefähr das, was man erwartet. Nur alles eine Spur kleiner. Braver. Unispirierter. Aber dennoch sehr unterhaltsam. Zudem man immer noch auf das große Finale hofft: The Clash of the Titans. Die große Anzahl an bekannten und liebgewonnenen Darstellern in ungewohnten Rollen trägt zudem sehr zur Steigerung des Spaßfaktors bei: Jeremy Piven („Entourage“) spielt das kaputte Ziel der Serienkiller, Jason Bateman („Arrested Development“) ist als abgehalfterter Anwalt zu sehen, Ryan Reynolds („Two Guys and a Girl“) spielt einen toughen FBI-Agenten, Matthew Fox („Lost“) ist unter seiner Maske kaum zu erkennen usw. Ein wahres Fest für Film- und Serienfreunde.

Die Action am Ende kracht dann auch ziemlich und macht erneut wirklich Spaß. Doch dann schwenkt der Film um und entwickelt sich zu einem handfesten Cop-Drama. Samt überraschender Wendung und allem, was dazu gehört. Ab hier wirkt die Handlung wie aus einem anderen Film. Sicherlich gab es davor auch ernstere Szenen, auf denen die Wendung aufbaut, doch plötzlich steht das Drama im Raum und scheint nicht so recht zu wissen, ob es auf der richtigen Party ist.

Ich möchte nicht sagen, dass der zweite Teil des Films unbedingt schlecht ist. Er passt nur nicht zum ersten. Mir kommt es etwas so vor, als hätte Carnahan nach „Narc“ erneut einen harten Cop-Thriller geschrieben, den er nun aus einer Laune heraus in tarantinoesques Actionkino umgestaltet hat. Warum auch immer. Beide Teile funktionieren für sich recht gut, sind aber dafür nicht konsequent genug umgesetzt worden. Man hat Abstriche gemacht, um aus den Versatzstücken einen einheitlichen Film zu schaffen – und das ist letztendlich leider ziemlich in die Hose gegangen.

„Smokin‘ Aces“ hätte ein großer Film werden können. Nun wirkt er leider wie ein typisches Artefakt der Post-Tarantino-Ära und reiht sich damit in die lange Schlange mit Werken wie „3000 Miles to Graceland“ und „Running Scared“ ein. Alle sicherlich optisch interessant und mit einer vielversprechenden Prämisse, doch leider stolpern all diese Filme über ihre vermeindliche Coolness. Diese Filme sind durchaus unterhaltsam und audiovisuell ansprechend, doch es fehlt das Wichtigste: Eine durchdachte Geschichte. Enttäuschend, aber immerhin nett anzusehen: 6/10 Punkte.

Dein Ex – Mein Albtraum – OT: The Ex/Fast Track

Endlich Wochenende und somit Filmzeit. Als erstes gab es gestern Abend „Dein Ex – Mein Albtraum“ – ein wahrlich albtraumhafter Titel, wenngleich man im Hinterkopf behalten sollte, dass man sich nichtmal auf einen eindeutigen Originaltitel festlegen konnte. So ist der Film sowohl unter „The Ex“, als auch „Fast Track“ bekannt. Das sowie die Tatsache, dass dem Film hierzulande eine Kinoauswertung verwehrt geblieben ist, verheißt nichts Gutes.

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Mich dagegen hat der Film schon mit dem Trailer auf seiner Seite gehabt. Zack Braff („Garden State“, „The Last Kiss“) und Jason Bateman („Arrested Development“) in einem Film. Da kann doch gar nicht so viel schief gehen. Kann es auch nicht. Der Film lebt von seinen Darstellern und diese spielen ihre Rollen auch mit viel Freude und vollem Engagement. Die beiden männlichen Hauptdarsteller werden von Amanda Peet („Studio 60 on the Sunset Strip“) unterstützt, die wohl den undankbarsten – weil langweiligsten – Part hat.

Die Geschichte um den verrückten Ex, der dem jungen Paar – bzw. hauptsächlich dem Ehemann – das Leben zur Hölle macht ist sicherlich alles andere als originell. Trotz böser Spitzen bleibt der Witz meist recht brav und die Wendungen sind überschaubar. Ich als überzeugter Fan von Zack Braff, der zudem Jason Bateman sehr gerne sieht, kann dem bunten Treiben doch sehr viel mehr abgewinnen. Zwei grandios aufgelegte Schauspieler in einer netten Komödie, die sich ausnahmsweise einmal nicht in Fäkalhumor-Regionen begiebt. Mehr braucht es manchmal auch gar nicht. Gern gesehene Nebendarsteller wie Donal Logue („Grounded for Life“) oder Paul Rudd („Friends“) tun ihr übriges, um den Film bei mir nach vorne zu bringen.

„The Ex“ ist ein sehr netter Film, den ich allen Fans der Hauptdarsteller wirklich ans Herz legen kann. Wer nicht zuviel erwartet kann durchaus positiv überrascht werden. Macht Spaß: 7/10 Punkte.

Timeline (2003)

Da mir die momentane Arbeit als Freelancer einmal wieder einen spontanen freien Tag beschert hat, habe ich die Zeit genutzt und mir die Verfilmung von Michael Crichtons „Timeline“ angesehen. Es ist durchaus interessant so zeitnah zum Lesen des Romans dessen Leinwandadaption hinterher zuschieben. Bei aktuelleren Werken muss man zunächst auf die Produktion des Films warten und hat demnach bereits etwas Abstand zur Vorlage gewonnen. Hierbei konnte ich nun den direkten Vergleich anstellen.

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Die Geschichte wurde nahezu 1:1 übernommen. Weggefallen sind – wie zu erwarten – die pseudowissenschaftlichen Details, sowie etliche Szenen, die nicht zwangsweise dem Weiterkommen der Geschichte dienen. Die Figurenkonstellation wurde soweit beibehalten, doch wurden einige Nebenrollen erheblich verändert. Alles Punkte, die ich erwartet hatte, da man ein gut 600 Seiten starkes Buch anders nicht auf Spielfilmlänge reduzieren kann. Die Änderungen machen – in Bezug auf die Restriktionen einer Adaption – größtenteils auch Sinn, wenngleich sich häufig die Grenzen der Machbarkeit (in Bezug auf die Kompression der Geschichte) zeigen.

Die Mittelalterszenen funktionieren an sich tadellos. Hier war in der Vorlage sowieso viel Füllmaterial enthalten, wodurch sich die Kürzungen am wenigsten bemerkbar machen. Schade finde ich das Wegfallen einiger meiner Lieblingsszenen (Turnier, Flucht aus der Mühle etc.) sowie das Fehlen der eruptiven Gewalt. Crichtons Buch strotzte nur so vor der grausamen Realität dieser dunklen Zeit. In Richard Donners Version bleibt davon leider nicht viel übrig. PG-13 sein dank. Doch auch dies war bei solch einer großen Hollywood-Produktion nicht anders zu erwarten.

In der Gegenwart gibt es mehr narrative Mängel zu beobachten: Durch den Wegfall der pseudowissenschaftlichen Basis verkommen die Szenen rein zu schmückendem Beiwerk. Zwar müssen diese – aufgrund der Nähe zur Vorlage – irgendwie gezeigt werden, doch Sinn ist nicht mehr groß zu erkennen. Eigentlich schade, da mir dieser Teil der Geschichte im Roman recht gut gefallen hat.

Insgesamt kann man „Timeline“ als durchaus gelungene Adaption bezeichnen. Die grundlegende Atmosphäre bleibt erhalten, die Charaktere sind ähnlich gezeichnet wie in der Vorlage und die Inszenierung macht wirklich Spaß. Durch die Einschränkungen kommt der Film allerdings nicht wirklich an das gute Buch heran. Was unter dem Strich bleibt sind zwei unterhaltsame Stunden im 14. Jahrhundert. Wie die Vorlage kein Meisterwerk, aber auf jeden Fall gut konsumierbar: 7/10 Punkte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – OT: Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ am 13. Dezember 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach der kürzlichen Sichtung des ersten Teils, habe ich mich heute an „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ gemacht. Aufgrund der verstümmelten deutschen Schnittfassung habe ich – bis zum Erhalt der schweizer Version – weitgehend auf den Film verzichtet, was die Abnutzungserscheinungen um einiges geringer hält, als beim Vorgänger.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002) | © Warner Home Video

Chris Columbus zweiter – und letzter – Beitrag zur Reihe hat es meiner Meinung nach leichter, als die folgenden Verfilmungen: Die Vorlage ist relativ kompakt und bietet genug Stoff für eine gelungene filmische Umsetzung. Ganz im Stil des Vorgängers zaubert Columbus auch erneut eine recht werktreue Adaption auf die Leinwand. Durch die dichtere und erwachsenere Handlung hat der Film – trotz seiner Lauflänge – deutlich mehr Tempo, als der erste Teil, der mit Schwächen im Handlungsablauf zu kämpfen hatte.

Lange ist mir „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als unbedeutendes Abenteuer im Gesamtwerk erschienen, doch seit dessen Abschluss weiß ich es besser: Es gibt unzählige Details zu entdecken und selbst Blicke und Gesten können anders interpretiert werden. Wirklich schön. Hier zahlt sich die strikte Werktreue aus, die die Nachfolger etwas vermissen lassen.

Fazit

Für mich ist Chris Columbus zweite Zauberei wohl die – bisher! – gelungenste Adaption der Romane. Sie liefert sich demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Alfonso Cuaróns „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der andere Stärken besitzt. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Columbus noch einmal auf den Regiestuhl im Potterschen Universum zurückkehren würde: 9/10 Punkte.

Harry Potter und der Stein der Weisen – OT: Harry Potter and the Sorcerer’s Stone (2001)

Aktualisierung: Ich habe „Harry Potter und der Stein der Weisen“ am 29. Mai 2020 und am 6. Dezember 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach dem endgültigen Finale der Abenteuer des Jungmagiers hatte ich noch einmal Lust an den Anfang zurückzukehren. Somit gab es gestern Abend zum wiederholten Male die Verfilmung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Nach der ersten Kinosichtung war ich wirklich begeistert, wie werktreu Chris Columbus den Roman umgesetzt hatte. Nach ein paar weiteren Sichtungen wurde allerdings schnell klar, wie groß die Abnutzungserscheinungen dieses Prologs sind. Gestern jedoch wurde ich wieder wirklich gut unterhalten.

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Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) | © Warner Home Video

Chris Columbus hat mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ das Buch nahezu 1:1 auf die Leinwand gebracht. Dies war auch noch leicht möglich, da der Inhalt sich nahezu auf die Exposition – d.h. Vorstellung der Charaktere und ihrer Welt – beschränkt und demnach einen relativ einfachen und – im Gegensatz zu den Nachfolgern – nur wenig komplexen Inhalt bietet. Diese Szenen, in denen Harry Potter seine Zauberwelt entdeckt, sind meiner Meinung nach auch ganz famos gelungen. Mit unglaublicher Liebe zum Detail ausgestattet und und mit viel Verspieltheit inszeniert.

Der zweite Teil – die Geschichte um den Stein der Weisen – wirkt dann etwas sehr konstruiert und gehetzt. Die Aufgaben gegen Ende sind zwar nett anzuschauen, doch ist die Struktur zu geradlinig um auch beim wiederholten Anschauen eine Faszination auf mich auszuüben. Allerdings wirkte dieser Teil auch in der Vorlage noch etwas unausgegoren. Den Vorwurf – wenn man es überhaupt so nennen mag – möchte ich hier auch nicht Chris Columbus machen, der meiner Meinung nach eine vorbildliche Adaption geschaffen hat, sondern eher dem nicht ganz ausgereiften Drehbuch.

Als Einstieg in die Welt des Harry Potter ist der erste Teil der Filmreihe auf jeden Fall gelungen. Die liebevolle Inszenierung zieht den geneigten Zuschauer in die Welt und bereitet ihn darauf vor, was noch kommen mag. Schwächen in der Struktur der Geschichte und teils unausgereifte VFX trüben den Spaß nur bedingt. Ein durchaus netter Anfang: 7/10 Punkte.

Transformers (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Transformers“ am 14. November 2010 und am 5. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine Besprechung der  Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern Abend habe nun auch ich endlich den potentiellen Sommerblockbuster des Jahres gesehen: Michael Bays „Transformers“. Als Kind habe ich das Spielzeug geliebt. Man konnte die Figuren verwandeln! Damit konnten sich die futuristischen Roboter – dank ihrer Vielseitigkeit – bei mir direkt hinter LEGO platzieren. Ich hatte damals sogar den großen, verwandelbaren Optimus Prime auf den ich monatelang gespart hatte. Auch die Comics, die Zeichentrickserie sowie Hörspielkassetten haben mir viel Freude bereitet. Folglicherweise waren meine Erwartungen nicht gerade niedrig.

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Ich schicke gleich einmal vorweg, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die Roboteraction war grandios, die Effekte herausragend. Auch Schauspieler und Inszenierung gingen voll in Ordnung. Doch leider gibt es da auch noch das Drehbuch. Nun hatte ich hier auch wirklich nicht viel erwartet. Schließlich handelt es sich hierbei um die Verfilmung einer Spielzeugreihe. Die laue Geschichte geht demnach auch noch irgendwie in Ordnung. Auch mit den Teenagern als Identifikationsfiguren konnte ich mich anfreunden. Doch leider, leider hat man die eigentlich Hauptfiguren – die Transformers – nicht ansatzweise ernst genommen. Die Dialoge sind teils so haarsträubend, dass ich angenommen hatte, man hat einfach ein paar spielende Kinder als Vorbild genommen: ‚Ich bin Optimus Prime, ich komme um euch zu retten!‘ oder ‚Ich bin Megatron, ich komme um euch zu zerstören!‘ sind da noch die Highlights. Wirklich schade.

Die – bei einem Film von Michael Bay – zu erwartende Militärhandlung hat mich auch extrem genervt. Diese ganze Verschwörungs- und Signalgeschichte war einfach nur überflüssig, da man als Zuschauer ja bereits genau wusste, was es mit dem Signal auf sich hat. Zudem wurde diese Storyline mit nichtssagenden Charaktern unnötig aufgeblasen: Was sollte die blonde Analytikerin? Was der Rapper-Hacker? Nervig und ablenkend. Das hätte es nicht gebraucht. Hinzu kommt noch, dass der Film ohnehin mindestens eine halbe Stunde zu lang ist – und damit meine ich nicht die noch ganz nette Charaktereinführung zu Beginn, bei der teils deutlich der Einfluss Spielbergs durchblitzt.

Doch es gibt auch positives zu berichten: Die Actionszenen sind – trotz absolutem Übermaß – einfach beeindruckend. Die Effekte sind grandios. In hellstem Sonnenlicht tanzen hier die Roboter teils in Zeitlupe und interagieren mit realen Figuren und Sets. Unglaublich, was ILM hier geleistet hat. In solchen Szenen kann der Film dann auch wieder voll und ganz überzeugen – wenngleich ich auch denke, dass etwas weniger hier manchmal mehr gewesen wäre. Die für Bay typische Inszenierung (Hubschrauber vor Sonnenuntergang, extreme Zeitlupen und Farbfilter etc.) weiß auch zu gefallen. Man kann über den Regisseur sagen, was man will. Seinen visuellen Stil hat er gefunden. Auch die Schauspieler haben mich teils positiv überrascht. Allen voran Shia LaBeouf, der tatsächlich eine ganz gute Figur macht, was mich in Bezug auf „Indiana Jones IV“ hoffen lässt. Megan Fox geht als Eyecandy auch in Ordnung und Schauspieler wie Jon Voight oder John Turturro sehe ich sowieso immer gerne – wenngleich ihre Leistungen hier eher zu vernachlässigen sind.

Fazit

„Transformers“ lässt mich nun sehr zwiespältig zurück. Einerseits wurde ich schon recht gut unterhalten, andererseits habe ich mich auch oft unglaublich geärgert. Vielleicht geht es mir wie Sergeant Murtaugh und ich bin einfach zu alt für den Scheiß. Nicht der erwartete Kracher, aber auch kein totaler Reinfall. Nur nette Unterhaltung: 6/10 Punkte.

A Scanner Darkly (2006)

Mit „A Scanner Darkly“ habe ich gestern einen der beeindruckendsten Filme meines bisherigen, persönlichen Filmjahres gesehen. Richard Linklater ist ja bekannt dafür nicht auf ein Genre festgelegt zu sein – wie er mit „Dazed and Confused“, „Before Sunrise“ oder „School of Rock“ bewiesen hat. Seine Philip K. Dick-Adaption fällt dennoch aus der Reihe – und das nicht nur durch den außergewöhnlichen visuellen Ansatz.

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Dennoch ist es – auf den ersten Blick – vor allem der Look des Films, der ihn von der Masse abhebt. Die Technik nennt sich Rotoscoping und wird bereits seit Jahren genutzt. Ralph Bakshis Version von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ist wohl einer der bekanntesten Vertreter dieses Subgenres des Animationsfilms. „A Scanner Darkly“ treibt diese Technik jedoch auf die Spitze: Klar definierte Linien. Harte Farbübergänge. Reduzierte Details. Und dennoch: Die zugrunde liegenden Darsteller sind stets eindeutig zu erkennen. Die Performance bleibt erhalten. Die Realität weicht allerdings den Zeichnungen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung, die künstlerisch absolut zu überzeugen weiß. Grandios. Besonders wenn man den Arbeitsaufwand bedenkt: Jeder Frame musste per Hand nachgezeichnet werden. Jeder. Wenn man bedenkt, wieviel Aufwand es alleine ist, eine exakte Maske über ein paar Frames hinweg zu zeichnen, bleibt mir nur den Künstlern meine Hochachtung auszusprechen: Das Ergebnis ist wahrlich famos!

Nun zum Inhalt: Philip K. Dick-Adaptionen gibt es wie Sand am Meer. Wenige können die Atmosphäre ihrer Vorlage einfangen (bestes Beispiel: „Blade Runner“) und noch wenigeren gelingt eine werkgetreue Umsetzung der Geschichte. „A Scanner Darkly“ funktioniert erstaunlich gut. Anfangs hatte ich etwas befürchtet, der Film würde sich (so wie teils „Fear and Loathing in Las Vegas“) in reinen Drogenepisoden verlieren. Doch es steckt mehr dahinter. Das Ende ist zudem erschreckend schlüssig. Typisch Philip K. Dick. Überhaupt kommt die düstere Atmosphäre Dicks recht gut rüber, was sich weniger in der Inszenierung und Farbgebung äußerst, sondern hauptsächlich durch Schauspiel, Dialoge und Stimmung transportiert wird – umso beeindruckender bei einem Film, der oberflächlich betrachtet besonders durch seine Optik hervorsticht.

Ich bin schwer begeistert von „A Scanner Darkly“. Ich hätte mir einzig einen etwas größeren Schwerpunkt auf den titelgebenden Scannern gewünscht und dafür ein paar weniger Drogenszenen. Trotz dieser kleinen Einschränkung, kann ich den Film dennoch jedem empfehlen, der sich auch einmal auf außergewöhnliche Seherfahrungen einlässt – auch inhaltlich, denn auch dort ist „A Scanner Darkly“ alles andere als Mainstream: 9/10 Punkte.

Fred: ‚What does a scanner see? Into the head? Into the heart? Does it see into me? Clearly? Or darkly?‘

Flags of Our Fathers

Gestern Abend habe ich endlich den ersten Teil des Filmprojekts von Clint Eastwood gesehen, das die Schlacht um Iwo Jima thematisiert und mir der vielversprechendste aktuelle Beitrag zum Kriegs- bzw. Antikriegsfilm (die Grenze ist teils schwer zu ziehen) zu sein scheint: „Flags of Our Fathers“. Nach der Sichtung bin ich nun etwas ernüchtert und setze meine ganze Hoffnung auf „Letters from Iwo Jima“, in dem die Schlacht aus japanischer Sicht erzählt wird.

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Generell finde ich Krieg doof. Ich könnte mir – als überzeugter Zivi – auch nie den Dienst an der Waffe vorstellen. Dennoch hat die Geschichte gezeigt, dass es anscheinend nicht ohne globale Auseinandersetzungen geht. Insofern braucht das Land natürlich Soldaten. Leider kann ich die Militärmentalität überhaupt nicht nachvollziehen: Strikte Befehlsketten, Aufopferung für das Land etc. All das erscheint mir supekt. Vielleicht übt der Kriegsfilm deshalb eine teils doch recht starke Faszination auf mich aus. Weil ich mir Antworten erhoffe. Antworten, die ich jedoch nie bekomme.

Auch „Flags of Our Fathers“ erfüllt nahezu jedes Klischee des Genres. Die Kameradschaft wird glorifiziert, blauäugige Jungs sterben für ihr Vaterland und trotz der klaren Verneinung des Heldentums schafft der Film selbst ebensolche: Die Helden von Iwo Jima. Schade, hier hätte ich mir – trotz gelungener Ansätze – wirklich mehr erhofft. Sowieso verstehe ich nicht, warum man immer wieder irgendwelche Schlachten nacherzählen muss. Wäre es nicht einmal viel interessanter die Auswirkungen des Kriegs auf die Bevölkerung zu zeigen? Wenn ich allein daran denke, was meine Großmutter aus der Zeit zu erzählen weiß, als sie und ihre Familie vertrieben wurde. In der europäischen Bevölkerung muss es tausende höchstinteressante Schicksale geben, doch landet das Genre immer wieder beim Soldaten. Dem Kriegshelden. Vielleicht liegt das auch daran, dass 99% aller Kriegsfilme aus Amerika kommen, einem Land das eben nur diese heldenhafte Seite kennt oder das – wie in Vietnam oder aktuell im Irak – eben aus der Ferne protestiert.

Da ich nun ziemlich vom Thema abgweichen bin, muss ich doch ein paar lobende Worte über Eastwoods Film verlieren: Er ist grandios inszeniert. Die Schlacht steht der aus „Der Soldat James Ryan“ um fast nichts nach. Das Foto als Aufhänger fand ich auch sehr gelungen. Zudem scheint man wirklich sehr an der historisch korrekten Rekonstruktion der Ereignisse interessiert gewesen zu sein. Als gespieltes Zeitdokument funktioniert der Film demnach sehr gut. Die Frage ist allerdings, ob ein Dokumentarfilm hier nicht sinnvoller gewesen wäre. Die eingestreuten Interviews wirken nämlich eher fehl am Platz.

Insgesamt hat mir „Flags of Our Fathers“ gut gefallen, aber ich hätte mehr erwartet. So reiht sich der Film etwas hinter Spielbergs „Saving Private Ryan“ und sehr viel weiter hinter „Band of Brothers“ ein. Die emotionale Kraft eines „Der Pianist“ wird in keiner Sekunde erreicht, dafür ist Eastwoods Werk zu sehr Kriegs- und zu wenig Antikriegsfilm. Als Einblick in die Geschichte hinter dem berühmten Foto jedoch sehr gelungen: 7/10 Punkte.