Silicon Valley – Season 1

Aktualisierung: Inzwischen habe ich die komplette Serie gesehen. Die Besprechung von „Silicon Valley“ (Staffel 1 bis 6) findet ihr bei Klick auf den Link.

So sehr ich HBO-Serien liebe, so qualvoll ist der Veröffentlichungsrhythmus des Senders und die damit verbundene Hochpreispolitik. Kaum bin ich unglaublich angefixt, was „Silicon Valley – Season 1“ angeht, sind die kurzen acht Episoden auch schon wieder vorbei. So ging es mir auch bereits bei „Veep“ und anderen aktuell laufenden HBO-Shows. Natürlich liegt in der begrenzten Episodenzahl und exklusiven Verfügbarkeit via Pay-TV und DVD/Blu-ray auch die Qualität begründet. Und dennoch hätte ich so unglaublich gerne sofort weitergeschaut…

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„Silicon Valley“ ist das HBO-Pendant zur Amazon-Serie „Betas“: In beiden Serien stehen junge Entwickler im Mittelpunkt, die sich in der Welt der Startups behaupten müssen. „Silicon Valley“ setzt dabei deutlich mehr auf Humor und scheint noch näher am Zeitgeist dran zu sein, als die ohnehin sehr aktuell wirkende Amazon-Konkurrenz. Für jemanden, der im IT-Bereich arbeitet, ist mir auch positiv aufgefallen, wie verhältnismäßig realistisch die Serie mit IT-Themen umgeht. Überhaupt kein Vergleich zu dem, was man sonst so in Film und Fernsehen vorgesetzt bekommt. Damit haben die Autoren auch sogleich eine neue Zielgruppe für sich gewonnen, der die Darstellung von Nerds in „The Big Bang Theory“ und Co. zu weit von der Realität entfernt sein wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Team von Pied Piper, so der Name des fiktiven Startups, nicht einen bunten Strauss an verrückten Charakteren zu bieten hat.

Das Tempo der Serie ist hoch, jedoch nehmen sich die Autoren durchaus Zeit für ihre Charaktere. Zwar gibt es ab und zu ein paar Erzählstränge, die ein wenig gewollt wirken, doch insgesamt sind bereits diese ersten acht Episoden der Serie eine ziemlich runde Sache. Hinzu kommt ein sehr gefälliger Soundtrack und das Wichtigste: „Silicon Valley“ ist wirklich verdammt lustig! Umso mehr freue ich mich nun bereits auf die zweite Staffel – auch wenn ich noch einige Zeit darauf warten muss: 9/10 (8.9) Punkte.

The Big Bang Theory – Season 8

Neben den großen Serienbrocken darf auch die 20-minütige Sitcom nicht fehlen, die man mal eben noch kurz vor dem Schlafengehen einschieben kann. Nachdem mir die siebte Staffel der Serie wieder sehr gut gefallen hat, war die Sichtung von „The Big Bang Theory – Season 8“ nur die logische Konsequenz. Ob ich mit meiner positiven Meinung dazu wieder alleine dastehe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Tatsächlich empfand ich das achte Jahr rund um Leonard, Sheldon und Co. auch schwächer als die vorhergehenden Staffeln, aber noch weit davon entfernt wirklich schlecht zu sein. Auch wenn mir der wissenschaftliche bzw. popkulturelle Fokus inzwischen ein wenig fehlt, mag ich jedoch auch die meisten Handlungsstränge, die um die Beziehungen der Figuren kreisen. Hier schlägt wohl auch der Sitcom-Fan in mir durch, der mit dem Medium aufgewachsen ist und seine Wurzeln in den Shows der 90er Jahre hat. Ich mag da einfach gestrickt sein, doch beende ich meinen Tag gerne mit 20 Minuten leichter Unterhaltung. Doch nun genug der Rechtfertigungen…

Mit dem Tod von Howards Mutter schlagen die Autoren der Serie erstmals auch ernstere Töne an, was deutlich schlechter funktioniert als vergleichbare Erzählstränge in z.B. „How I Met Your Mother“. Wirklich toll fand ich erneut die Gastauftritte von u.a. Wil Wheaton und Kevin Smith, während denen die Serie zu ihren popkulturellen Wurzeln zurückfindet. Insgesamt kann jedoch auch ich als wohlwollender Zuschauer nicht verleugnen, dass die Serie inzwischen ein wenig auf der Stelle tritt. Macht aber nichts. Für den kurzen Sitcom-Snack am Abend funktioniert die Serie für mich nach wie vor sehr gut: 8/10 (7.8) Punkte.

John Dies at the End (2012)

Eine aufregende Woche geht zu Ende und wollte mit einem mindestens ebenso aufregenden Film abgeschlossen werden: „John Dies at the End“ steht schon länger bei mir im Regal und schien genau den richtigen Mix aus Horror und Komödie zu bieten, um mich aus dem Alltagstrott zu reißen. Und tatsächlich ist das dem Film bzw. Regisseur Don Coscarelli gar fabelhaft gelungen…

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Auf dem Cover prangt groß der Vergleich zu „Donnie Darko“ und in gewisser Weise transportiert der Film tatsächlich dieses WTF-Gefühl, das auch Richard Kellys Film innewohnt. Man weiß als Zuschauer nie, was denn im nächsten Moment geschehen mag. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei  Freunde, die übernatürliche Phänomenen nachgehen. Dann taucht plötzlich eine mysteriöse Droge auf. Und Insektenwesen aus einer anderen Dimension. Und sprechende Tote. Auto fahrende Hunde. Und noch viel mehr seltsame Dinge. Eine weitere Zusammenfassung der Handlung spare ich mir an dieser Stelle. Interessanterweise musste ich während der Sichtung auch öfter an „Odd Thomas“ denken, der eine ähnliche Atmosphäre heraufbeschwört, letztendlich aber viel mehr im Mainstream verankert ist.

Trotz seiner sprunghaften Erzählweise ist „John Dies at the End“ kein Film, den man nicht verstehen kann. Am Ende fügt sich alles recht plausibel zusammen, auch wenn nicht jedes Detail erklärt wird. Die Inszenierung schwankt zwischen experimentell und trashig und zeigt klar Coscarellis Vorliebe für absurden Humor, den er ja auch schon mit „Bubba Ho-Tep“ bewies, in dem ein schrumpeliger Elvis Presley und ein schwarzer John F. Kennedy eine seelensaugende Mumie jagen. Nur ist sein jüngster Streich noch viel abgefahrener wie z.B. ein Monster, das sich aus tiefgefrorenem Fleisch und Wurst zusammensetzt, beweist.

„John Dies at the End“ dürfte die Gemüter spalten. Mich hat der Film an selige Nachmittage erinnert, an denen man sich irgendwelche Genre-Filme aus der Videothek ausgeliehen hat und gar nicht so recht wusste, auf was man sich da eigentlich einlässt. Ein bunter Mix aus Horror, Komödie, Sci-Fi und Mystery. Und mittendrin Paul Giamatti. Ein herrlich abstruses Erlebnis: 8/10 Punkte.

Alpha House – Season 1 & 2

Nachdem ich mit der dritten Staffel von „Veep“ so viel Freude mit Comedy im politischen Zentrum der USA hatte, habe ich mich direkt im Anschluss der von Amazon produzierten Serie „Alpha House – Season 1 & 2“ zugewandt. Da die Episodenzahl begrenzt ist und eine dritte Staffel leider eher unwahrscheinlich erscheint, bekommt ihr gleich die Besprechung der gesamten Serie in einem Artikel…

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Im Mittelpunkt der Serie stehen vier republikanische Senatoren, die in Washington, D.C. in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben. Soweit die grundlegende Prämisse, die übrigens eine reale Vorlage besitzt – nur dass sich in der Realität demokratische Senatoren zu einer WG zusammengeschlossen haben. Während der ersten Staffel konnte ich eine interessante Beobachtung machen: Mir ist aufgefallen, dass die Geisteshaltung der Autoren eher der demokratischen Sichtweise entspricht. Den Witzen über die republikanische Senatoren fehlt somit ein wenig der Biss bzw. es wirkt beständig so als würden sich die Drehbuchschreiber nicht so richtig trauen oder nur auf Stereotype zurückgreifen. Bei „Veep“ hingegen wird stets in die Vollen gegangen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Demokraten nehmen sich selbst und den gesamten Politzirkus auf die Schippe. Hier jedoch scheint es so, als hätte man sich bewusst nicht zuweit vorgewagt.

Trotz des nicht allzu bissigen Humors, macht die Serie wirklich viel Spaß, besonders da mir die Charaktere speziell in der zweiten Staffel auch sehr ans Herz gewachsen sind. Man kennt ihre Eigenheiten und es gibt auch eine glaubwürdige Weiterentwicklung. Die Serie hat sich über ihren Verlauf also wirklich gemacht und ich finde es sehr schade, dass es im Moment nicht so aussieht, als würde Amazon noch eine dritte Staffel in Auftrag geben. Somit wird es vermutlich bei diesen beiden bleiben:

  1. „Alpha House – Season 2“ (8.3 Punkte)
  2. „Alpha House – Season 1“ (7.4 Punkte)

Solltet ihr Amazon Prime nutzen und Gefallen an US-Politik haben, dann kann ich euch die Serie trotz eines etwas holprigen Einstiegs nur ans Herz legen. John Goodman ist großartig und auch der restliche Cast (u.a. Clark Johnson, bekannt aus „The Wire“) überzeugt auf ganzer Linie. Reinschauen lohnt sich: 8/10  (7.9) Punkte.

Zoolander (2001)

Nachdem mir der Film schon seit geraumer Zeit ans Herz gelegt wird, habe ich heute endlich eine der großen Lücken meines Filmwissens geschlossen – und was soll ich sagen? Ben Stillers „Zoolander“ ist wahrlich ein ganz spezielles Werk. Normalerweise verzichte ich beim Filmschauen auf Alkohol, doch hier hat das Bier vermutlich geholfen und eine größere feuchtfröhliche Runde hätte dem Erlebnis gut getan. Doch auch alleine (meine bessere Hälfte hat irgendwann das Heil im Schlaf gesucht) hatte ich erstaunlich viel Spaß mit diesen männlichen Supermodels…

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Wenn ich „Zoolander“ in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre dies: albern. Und das ist nicht einmal negativ gemeint. Mich hat der Film an ein anderes Werk Stillers erinnert, nämlich „Tropic Thunder“, das ähnlich überdreht inszeniert ist. Feine Satire sollte man hier nicht erwarten, wenngleich die Modewelt auch treffsicher aufs Korn genommen wird. Die Autoren nehmen ihren Film und seine Figuren zu keiner Sekunde ernst und verarbeiten selbst brisante Themen, wie Kinderarbeit oder Bulimie, zu plattesten Gags. Das alles könnte gehörig nach hinten losgehen, doch ist die Großfamilie Stiller (neben Ben spielen auch sein Vater Jerry Stiller und seine Frau Christine Taylor tragende Rollen) dabei so unglaublich sympathisch, dass man über so manche Albernheit hinwegschaut und sich ganz der debilen Geschichte hingibt.

Neben Ben Stiller als titelgebender Derek Zoolander überzeugen vor allem Owen Wilson als Gegenspieler Hansel sowie Will Ferrell als Bösewicht Mugatu. Dazu kommen unzählige Gastauftritte (u.a. David Bowie), woraus der Film auch einiges an Unterhaltungswert zieht. Die Geschichte selbst ist unglaublich platt, doch nicht frei von komischem Potential. All das fügt sich zu einer absurden Mischung zusammen, die irgendwie funktioniert. Und wem das noch nicht reicht, der darf sogar Donald Trump bei einem Gastauftritt bewundern.

Auch wenn ich das Kultpotential von „Zoolander“ noch nicht komplett verstehe, so wurde ich über knapp 90 Minuten doch ziemlich gut unterhalten. Das Timing sitzt meistens und die Gags zünden größtenteils. Der Film wirkt zudem noch sehr in den späten 90ern bzw. frühen 2000ern verankert, was ihn aus heutiger Sicht – immerhin 15 Jahre später – doch sehr sympathisch macht. Durchaus den einen oder anderen Blick wert: 7/10 Punkte.

Veep – Season 3

Hatte ich mich bei der Sichtung der zweiten Staffel noch gefreut, dass es zwei Episoden mehr als im ersten Jahr gab, muss ich nach „Veep – Season 3“ nun feststellen: 10 Episoden sind einfach viel zu wenig für diese Serie! Da hat man sich gerade warm geschaut und muss auch schon wieder Abschied nehmen. Warum die Serie so gut funktioniert, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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US-Wahlkampf in all seiner Absurdität. Welches Thema könnte aktueller sein? Auch wenn es die Serie tatsächlich nicht schafft, an den Irrsinn der realen Situation heranzureichen, so gibt sich das Team rund um Vizepräsidentin Selina Meyer doch alle Mühe. Mit dem beginnenden Wahlkampf um das Präsidentenamt nimmt die Serie enorm an Fahrt auf, was sie noch spritziger macht als sie es in den vergangenen Jahren ohnehin schon war. Mit knapp 30 Minuten Laufzeit bewegt sich die Comedy auch in einem Sweet Spot was die erzählerische Dichte und die Schlagfrequenz der Pointen angeht. Habe ich schon erwähnt, dass ich 10 Episoden pro Staffel als viel zu wenig erachte? Aber vielleicht liegt auch gerade darin das Geheimnis der durchgehend hohen Qualität begründet.

Was mir dieses Mal wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Anna Chlumsky, die fantastische Darstellerin von Amy Brookheimer, ist das kleine Mädchen aus „My Girl: Meine erste Liebe“, eines meiner großen filmischen Kindheitstraumata. Diese Erkenntnis hat das Vergnügen, das ich bei der Sichtung empfunden habe, nur gesteigert. Ohnehin sind die Schauspieler allesamt famos, müssen jedoch hinter der fantastischen Julia Louis-Dreyfus zurückstehen, die mit „Veep“ schon die zweite Rolle ihres Lebens (eben nach Elaine Benes in „Seinfeld“) gefunden hat.

Ich liebe amerikanischen Politzirkus in TV-Serien – und kaum eine Serie stellt diesen so unterhaltsam dar, wie „Veep“. Auch wenn die Serie hierzulande nicht sonderlich populär ist, so kann ich sie allen auch nur annähernd Interessierten nur unbedingt ans Herz legen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht: 9/10 (9.0) Punkte.

Shameless (US) – Season 4

Nach viel zu langer Zeit, habe ich mich endlich „Shameless – Season 4“ zugewandt. Wieder einmal war ich erstaunt, wie unglaublich unterhaltsam die Serie doch ist. Egal wie müde ich bin, bei den abstrusen Abenteuern der Familie Gallagher bin ich noch nie eingeschlafen. Und auch wenn sich das meine jugendlicheren Leser vermutlich nicht vorstellen können, ist dies inzwischen tatsächlich ein Qualitätskriterium. Macht euch aber keine Illusionen, auch für mich wäre es früher ein echtes Armutszeugnis gewesen, abends um 21 Uhr auf dem Sofa einzuschlafen – so ändern sich die Zeiten… 😉

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„Shameless“ ist eine Serie, der ich mich eigentlich überhaupt nicht widmen wollte. Nicht mein Thema, nicht mein Humor. So meine völlig unreflektierte Einschätzung vor der Sichtung der ersten Staffel. Inzwischen gibt es kaum eine Serie, die ich lieber schaue – und das Beste: Die Qualität der Drehbücher hat sich bisher konsequent gesteigert. Auch in dieser vierten Staffel jagt ein völlig abstruser Moment den nächsten. Und gerade wenn man als Zuschauer aufgrund des unterhaltsamen Wahnsinns losgelöst mit den Charakteren (und manchmal auch über sie) lacht, dann wirft die Serie den Gallaghers und uns Zuschauern solche Knüppel zwischen die Beine, dass man erst einmal nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. In solchen Momenten gelingt es „Shameless“ die Drama-Karte perfekt auszuspielen und man leidet mit den Figuren, die einem über die letzten drei Staffeln – egal wie verrückt sie sich manchmal verhalten – doch sehr ans Herz gewachsen sind.

Was mir in dieser Staffel besonders aufgefallen ist, war die Charakterentwicklung der einzelnen Figuren. Fiona und Lip scheinen die Plätze getauscht zu haben, was für eine ganz neue Dynamik innerhalb der Familie Gallagher sorgt. Man möchte Fiona anschreien und wachrütteln. Sie war doch immer der Fels in der Brandung. Ihr seht, die Staffel bietet starke Emotionen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Auf der anderen Seite steht Frank, dessen Leben am seidenen Faden hängt. Es kann einfach nicht gut ausgehen. Das ist bei diesem verachtenswerten Charakter nicht weiter schlimm? Natürlich ruft die Serie gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, ein gewisses Mitgefühl für Frank hervor – aber nicht, ohne auch diesen Handlungsstrang mit extrem schwarzem Humor zu würzen. Welches Schicksal am Ende Frank erwartet? Das müsst ihr wohl selbst schauen…

Neben den großen Hauptgeschichten überzeugt die Staffel auch durch wunderbar runde Nebenschauplätze: Debbies erste Verliebtheit wird sehr einfühlsam und doch auf typische „Shameless“-Art erzählt. Nicht minder toll ist die Beziehung zwischen Ian und Mikey, die mit dem Coming-out Mickeys endlich einen großen Schritt nach vorne macht. Auch Carl erlebt die erste Liebe und stolpert damit sogleich in ein „Bonnie & Clyde“-Setting – und am Ende wird ihm natürlich das Herz gebrochen. Im Zentrum der Staffel stehen jedoch Frank, Fiona und Lip – und auch wenn ich hier nicht ins Detail gehen möchte, so ist das Schicksal dieser drei Charaktere so eng miteinander verwoben, dass das Konzept Familie, so kaputt es in diesem Fall auch sein mag, auf eine harte Probe gestellt wird.

Die letzten Einstellungen der Staffel sind dann, so episch sie auch inszeniert sein mögen, wie ein Schlag in die Magengrube, da sie die aufkeimende Hoffnung im Kern ersticken – und natürlich ist es genau das, was wir in der fünften Staffel sehen wollen. Weiterhin überrascht eine Post-Credit-Szene, die direkt an einen Handlungsstrang der dritten Staffel anknüpft. Schon lange habe ich keine so gelungene und absolut runde Serienstaffel mehr gesehen. Viel besser kann es nun nicht mehr werden und ich bin jetzt schon auf Entzug, zumal es auch noch dauern wird, bis die fünfte Staffel zu einem angemessenen Preis erhältlich ist. Aber was ist schon angemessen für solch famose TV-Unterhaltung? Absolut großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Nicht mein Tag (2014)

Peter Thorwarth hat mit „Bang Boom Bang“ einen der besten deutschen Filme inszeniert. Auch über die Landesgrenze hinaus, zähle ich ihn nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen. Nach der Fertigstellung der Unna-Trilogie wurde es ruhig um den Regisseur – und als vor zwei Jahren „Nicht mein Tag“ ins Kino kam, war ich wirklich neugierig, ob Thorwarth seinen damaligen Erfolg wiederholen können würde. Inzwischen weiß ich leider, dass dem nicht so ist…

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Hauptdarsteller Axel Stein hat mich tatsächlich positiv überrascht. Bisher kannte ich ihn nur aus grenzdebilen Blödelfilmen und Sketch-Shows. In „Nicht mein Tag“ spielt er beide Extreme seiner Figur – vom stocksteifen Spießer bis zum ausgeflippten Rocker – sehr überzeugend. In die Rolle seines Konterparts schlüpft Moritz Bleibtreu, der souverän aber ohne Überraschungen (s)einen typischen Kleinganoven gibt. Die weiblichen Darstellerinnen Anna Maria Mühe und Jasmin Gerat haben dagegen deutlich weniger zu tun und verkommen fast schon zu Stichwortgebern.

Inhaltlich bekommt man eine 08/15-Krimikomödie vorgesetzt, die durchaus potential besitzt, aber an ihrer Konventionalität scheitert. Wieso muss es geschlagene 50 Minuten dauern, bis der Film auch nur ein wenig in Fahrt kommt? Die gesamte Exposition hätte man auch in knapp 15 Minuten erzählen können – und das ohne Charakterentwicklung oder Ähnliches zu verlieren. Nachdem der Film dann endlich Fahrt aufgenommen hat, macht er auch wirklich Spaß: Speziell der Kniff den Spießer das Leben des Gangsters durcheinander bringen zu lassen und eben nicht andersrum, hat mir sehr gut gefallen. Hier wäre noch deutlich mehr möglich gewesen, wenn das Drehbuch sich ein wenig mehr getraut hätte.

Auch wenn die Bezüge zur Unna-Trilogie mit Ralf Richter (total verschenkt) und einem Auftritt Mark Kampmanns vorhanden sind, so ist von der Spritzigkeit und vor allem Eigenständigkeit der damaligen Werke kaum noch etwas zu spüren. Thorwarth spielt auf Nummer sicher und biedert sich damit zu sehr an die typische deutsche Komödie an. Kann man durchaus mal schauen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

Community – Season 5

Nachdem ich mit der ersten Staffel eine neue Lieblingsserie gefunden hatte, war ich von der vierten Staffel der Serie fast schon enttäuscht – und es sollte beinahe drei Jahre dauern bis „Community – Season 5“ den Weg in mein Programm fand. Ich erwartete mir durchaus eine Steigerung zum Vorjahr, da Showrunner Dan Harmon nun endlich wieder mit an Bord war. Ob dies die Qualität der Geschichten tatsächlich positiv beeinflusst hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ja, tatsächlich legt „Community“ qualitativ wieder deutlich zu – und das trotz des Ausstiegs zweier Schauspieler: Chevy Chase und Donald Glover sind nicht mehr dabei. Dafür ist mit Jonathan Banks (Mike Ehrmantraut, „Breaking Bad“) ein Darsteller am Start, der eine naturgegebene Präsenz mitbringt und durchaus eine würdige Ergänzung des Ensembles darstellt. Dennoch merkt man den Verlust zweier liebgewonnener Charaktere deutlich, was auch in die für die Serie typischen Meta-Erzählung mit einfließt. Als roten Faden versammelt sich dieses Mal keine Lerngruppe (schließlich sind nicht mehr alle unsere Charaktere Studenten), sondern das Save Greendale Committee – im Prinzip bleibt aber alles beim Alten und wir erleben popkulturell etablierte Szenarien, welche ins Greendale-Setting transferiert und von Studenten und Professoren nachgespielt werden.

In ihrem fünften Jahr bietet die Serie ein paar Episoden, die sich absolut auf der Höhe befinden und denen der ersten drei Staffeln in kaum etwas nachstehen. Leider gibt es auch immer wieder ein paar durchschnittliche Folgen, die nur nett sind und eher an das vierte Jahr erinnern. An dieser Stelle möchte ich euch jedoch die Highlights vorstellen: In „Basic Intergluteal Numismatics“ gibt es großartige Parodie auf typische Krimi-Procedurals zu bewundern. Meine Lieblingsepisode dürfte wohl „Geothermal Escapism“ gewesen sein, die ganz Greendale in eine postapokalyptische Welt à la „Mad Max: Fury Road“ versetzt und qualitativ nahe an die prägenden Paintball-Episoden der ersten beiden Staffeln heranreicht. Ebenso großartig ist die Episode „App Development and Condiments“, in der wir eine dystopische Zukunft mit ganz eigenen Regeln kennenlernen – wirklich unglaublich, was die Autoren in gerade einmal 20 Minuten Laufzeit an Ideen unterbringen.

Auch bekannte Erfolgsformeln werden wieder aufgegriffen: In „Advanced Advanced Dungeons & Dragons“ dürfen wir erneut einem Rollenspiel-Abenteuer beiwohnen, was abermals ein großes Vergnügen ist. Mit „G.I. Jeff“ werden audiovisuell wieder alle Register gezogen und man findet sich in einem 80er Jahre Cartoon samt Werbeclips wieder. Herrlich! Das Finale gibt sich abermals ganz meta und es steht die Zukunft Greendales im Mittelpunkt. Inzwischen wissen wir, dass Greendale bzw. die Serie von Yahoo! Screen tatsächlich gerettet wurde. Juhu!

Trotz langer Abwesenheit von „Community“ hatte ich viel Spaß mit der fünften Staffel der Serie. Man merkt manchen Episoden deutlich an, dass Dan Harmon wieder mit an Bord ist – und dennoch schafft es die Serie nicht mehr ganz zu alter Form aufzulaufen. Pierce und Troy fehlen der Serie sehr, doch ich hatte das Gefühl, dass das Beste aus der Situation gemacht wurde: 8/10 (8.4) Punkte.

Wish I Was Here (2014)

Mit dem Start ins Wochenende, habe ich mir einen Film angeschaut, der schon lange auf meiner Liste steht: Zack Braffs „Wish I Was Here“ hat schon während seiner Entstehungsphase mein Interesse geweckt, in der der Autor, Regisseur und Schauspieler im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne zur Unterstützung seines Projekts aufgerufen hatte. Auch wenn ich mich nicht aktiv daran beteiligte, so war ich doch mehr als gespannt, ob mich auch das jüngste Werk Zack Braffs zu überzeugen wissen würde…

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Wie einige von euch vielleicht wissen, gehört „Garden State“ zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Seit diesem ganz besonderen Film waren 10 Jahre vergangen, in denen keine weitere Regiearbeit des aus „Scrubs“ bekannten Schauspielers folgte. Nachdem ich die ersten Kritiken las, war ich tatsächlich ein wenig skeptisch und schob die Sichtung immer weiter auf. Heute hat sich jedoch gezeigt, dass dies nicht nötig gewesen wäre, denn auch wenn sich „Wish I Was Here“ sowohl formal als auch inhaltlich durchaus an seinem Vorgänger im Geiste orientiert, so schafft er es doch eine ganz eigene Sogwirkung zu entfalten, die mich nicht nur aufgrund der verarbeiteten Themen an den wunderbaren „Beginners“ denken ließ.

Vermutlich hat der Film bei mir einen Nerv getroffen, weil abermals eine Vater-Sohn-Beziehung im Zentrum steht bzw. das automatische Erwachsenwerden, das mit dem Tod eines Elternteiles einhergeht, erzählt wird. Auch wenn mein Leben ganz anders aussieht, als das der Hauptfigur Aidan Bloom (Zack Braff), kamen mir viele Themen doch bekannt vor. Wenn man selbst Kinder hat und sich mit der Sterblichkeit der eigenen Eltern beschäftigen muss, treten unweigerlich die Erinnerungen an die eigene Kindheit in den Vordergrund. Man versucht längst vergessene Momente zu greifen und ihnen Bedeutung zu geben. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Auch wenn „Wish I Was Here“ teils etwas gewollt inszeniert wirkt, so spiegelt er die mit diesem Lebensabschnitt einhergehenden Emotionen doch wirklich gut wider.

Nein, ein zweiter „Garden State“ ist dieses Filmprojekt nicht. Ihm fehlt oft die Leichtigkeit, was ich aufgrund der verarbeiteten Themen aber nicht zu negativ bewerten würde. Emotional hat mich das Drama mich tief berührt und es ist wahrlich kein Auge trocken geblieben. Trotz des erzählten Abschieds, gelingt es dem Film seine Charaktere beständig nach vorne schauen zu lassen und voller Hoffnung zu sein. Ich mag das sehr. Für mich darf der dritte Film des talentierten Regisseurs gerne früher als in 10 weiteren Jahren kommen: 8/10 Punkte.