96 Hours – OT: Taken (2008)

Zu Beginn der Feiertage habe ich mir mit Pierre Morels „96 Hours“ – oder „Taken“ wie der Originaltitel lautet – einen nicht gerade friedfertigen Film ausgewählt. Die Produktion aus dem Hause Luc Besson macht keine Gefangenen und bietet einen Adrenalinrausch, wie ich ihn auf dem heimischen Bildschirm schon lange nicht mehr erlebt habe.

Die Geschichte ist simpel: Die Tochter eines Ex-Agenten wird entführt, woraufhin sich dieser auf die Suche macht und nach Rache sinnt. Während der relativ ausführlichen Exposition lernt man die Charaktere ziemlich gut kennen und kann somit dem Schmerz und die Wut des Vaters bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für einen effektiven Selbstjustizthriller gegeben, der sich glücklicherweise nicht mit Moralfragen aufhält, sondern sofort zur Sache kommt.

Sicher kann man den Film als reaktionäre Gewaltfantasie mit offen propagiertem Fremdenhass sehen, doch dann dürfte man sowieso nicht zur Zielgruppe gehören und seit den 80er Jahren jeden Actionfilm gemieden haben. Ein Film braucht nun einmal Bösewichte. Hier sind hat es eben Albaner, Franzosen und Araber getroffen und das nicht zu knapp, womit ich auch zum nächsten Punkt kommen möchte: Liam Neesons Bryan Mills. Der Mann, der rot sieht. Blutrot. Selten habe ich solch einen kompromisslosen und übertriebenen Rachefeldzug gesehen. Jegliche Diskussion moralischer Fragen hätte die treibende Handlung völlig zerstört. Kritik dieser Art schießt für mich völlig am Ziel vorbei, zudem es sich um eine französische und eben keine US-Produktion handelt.

Für Actionfreunde ist „Taken“ eine kleine Offenbarung. Hart, dreckig und unglaublich treibend inszeniert. Pierre Morel sollte man sich als Genrefan wahrlich merken. Auch Liam Neeson („Rob Roy“) hat mich endlos begeistert. Sicher verliert sich die Geschichte – besonders gegen Ende – in immer phantastischeren Regionen, doch mochte mich das nicht wirklich stören, denn schließlich ist dies ein herrlich altmodischer Actionkracher und kein Politdrama.

Wer 90 Minuten im Zeitraffer verfliegen sehen möchte und dem Genre zudem nicht abgeneigt ist, der sollte „Taken“ dringend auf seine Liste setzen. Ein Adrenalinrausch in 24 Bildern pro Sekunde: 8/10 Punkte.

Shutter Island (2010)

Nach einem langen Arbeitstag hat es mich gestern Abend einmal wieder in unser Fremdsprachenkino gezogen. Martin Scorseses „Shutter Island“ stand schon länger auf meiner Liste und war somit die perfekte Abendunterhaltung. Irgendwo zwischen Traum und Realität. Ein diffuser Wachzustand, von dem ein unbeschreibbarer Sog ausgeht.

Martin Scorsese baut in seinem undurchsichtigen Thriller bereits in den ersten Minuten eine so dichte Atmosphäre auf, dass man sich beinahe selbst auf der düsteren Klinikinsel wähnt. Getragen wird diese Atmosphäre nicht nur durch Robert Richardsons fantastisch stimmungsvolle Bilder, sondern auch durch den irritierenden Score, welcher die allgegenwärtige Paranoia hörbar macht. Stilistisch ist „Shutter Island“ – wie nahezu alle Scorsese Filme – ein wirklich großer Wurf. Bittersüßer Zucker für Augen und Ohren.

Auch inhaltlich braucht sich „Shutter Island“ nicht zu verstecken. Als Zuschauer wird man zusammen mit Leonardo DiCaprios Charakter Teddy Daniels immer tiefer in den Strudel aus Paranoia und Wahnsinn gezogen. Schon früh zeichnet sich der Ausgang der Geschichte ab und es ist wirklich angenehm, dass der Twist nicht mit dem Holzhammer inszeniert wurde. Es steht nicht die vermeintlich große Überraschung im Vordergrund, sondern die Emotionen der Charaktere. Eine Reise ins Herz der Finsternis.

Auch wenn „Shutter Island“ unspektakulärer erscheint, als die meisten anderen Filme des Regisseurs, so darf man jedoch nicht den Fehler machen ihn zu unterschätzen. Besonders für Genrefreunde bietet der Film großartige Unterhaltung und muss sich hinter verwandten Produktionen, wie „Angel Heart“ oder „The Machinist“ absolut nicht verstecken.

Wer einmal wieder einen mitreißenden, großartig gespielten und kunstvoll inszenierten Thriller sehen möchte, der kann zurzeit wohl keine besseren Film im Kino sehen, als „Shutter Island“. Mich wird diese Insel wohl noch länger verfolgen: 9/10 Punkte.

Verblendung – OT: Män som hatar kvinnor (2009)

Meist liegt bei mir zwischen dem Lesen eines Romans und der Sichtung dessen Verfilmung ein gewisser Zeitraum. Nötiger Abstand um das Gelesene zu verarbeiten. Insofern stellt die Sichtung von Niels Arden Oplevs „Verblendung“ eine kleine Premiere für mich dar. Nur einen Tag nach dem Beenden der Vorlage hatte der Film somit eine ganz eigene Wirkung. Eine wahrlich seltsame Erfahrung.

In den ersten Minuten des Films tat ich mir teils schwer mich von Stieg Larssons wunderbarer Vorlage zu lösen. Beständig suchte ich nach Abweichungen und verglich die Bilder meines Kopfkinos mit Niels Arden Oplevs Inszenierung. Doch schon bald gelang es dem Film mich auf seine ganz eigene Art gefangen zu nehmen, was nicht zuletzt an seinen grandiosen Darstellern liegt. Besonders Noomi Rapace als Lisbeth Salander ist eine kleine Offenbarung.

Oplev gelingt es wahrlich famos die düstere und eiskalte Atmosphäre in äußerst bedrückenden Bildern festzuhalten. Besonders Lisbeths Geschichte wird nahezu 1:1 aus der Vorlage übernommen und ist teils wirklich hart anzuschauen. Drastisch, brutal und dabei sehr europäisch. Die Gewalt dient – wie bereits in Larssons Roman – der Geschichte und besonders der Charakterisierung und nicht, wie so oft in amerikanischen Thrillern, dem reinen Selbstzweck.

Im Vergleich zur Vorlage lässt die Verfilmung natürlich viele Details aus. Wie könnte es auch anders sein? Immerhin werden hier 700 Seiten in knapp zweieinhalb Stunden gepackt. Trotz seiner für einen Thriller langen Laufzeit wirkt der Film zu keiner Zeit langweilig und als Kenner der Vorlage hätte ich mir sogar noch mehr Zeit für gewisse Handlungsstränge gewünscht. Besonders die letzte halbe Stunde rund um die Auflösung von Harriets Verschwinden wirkt viel zu gehetzt und nebensächlich erzählt. Im Buch hatte mich ihre Geschichte wirklich erschüttert, im Film dagegen ist nur ein Bruchteil der beklemmenden Intensität zu spüren.

Trotz leichter Schwächen im Finale ist „Verblendung“ eine absolut gelungene Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller, welche sowohl Kennern der Vorlage als auch Neulingen gefallen dürfte. Ich war besonders angetan von der unterkühlten Bildsprache und den herausragenden Schauspielern. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Königreich der Himmel – Director’s Cut – OT: Kingdom of Heaven (2005) (WS1)

Bei einem spontenen Videoabend habe ich gestern zum zweiten Mal Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ im Director’s Cut gesehen. Dank Blu-ray war diese zweite Sichtung ein audiovisueller Hochgenuss. Ohne Frage herausragendes Kino. Inhaltlich konnte mich der Film jedoch nicht so sehr begeistern, wie noch beim ersten Mal.

Der in Frankreich spielenden Epilog hat mir erneut ganz ausgezeichnet gefallen. Hier wird eine sehr intensive Stimmung durch den beständigen Schneefall sowie die in kalte Farben getauchte Landschaft erzeugt. Ebenso stark fand ich das Zusammenspiel von Liam Neeson und Orlando Bloom, welche den Zuschauer in einer klassischen Meister/Schüler-Beziehung für sich einnehmen. Umso tragischer fand ich deshalb erneut das frühzeitige Ableben von Neesons Charakter, was andererseits inhaltlich natürlich Sinn macht.

Die Reise nach Jerusalem hätte in meinen Augen durchaus noch abenteuerlicher sein können, besonders wenn man „Königreich der Himmel“ in erster Linie als Abenteuerfilm vor historischem Hintergrund sieht. In Jerusalem selbst sind mir wieder Rhythmusprobleme in der Erzählstruktur aufgefallen: Zu viele Figuren mit ähnlicher Motivation, zu viel Fokus auf unwichtige Nebencharaktere, zu wenig Zeit für die echten Probleme. Hier hätte es meiner Meinung nach einer stringenteren Erzählung bedurft. Und nein, ich meine damit nicht, dass der Film zu lang geraten ist.

Auch die finale Schlacht hätte nicht in dieser Ausführlichkeit gezeigt werden müssen. Ich hätte mir hier eine wesentlich stärkere Fokussierung auf die Religionsproblemtik sowie Balians Charakterentwicklung gewünscht. Doch leider bekommt man im letzten Drittel nur eine weitere bombastische Leinwandschlacht zu sehen. Audiovisuell großartig, doch inhaltlich leider viel zu nichtssagend.

Auch wenn sich diese Kritik nun viel negativer liest, als sie eigentlich gemeint ist (bitte auch noch einmal meinen Ersteindruck des Films nachlesen), ist Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ immer noch ein fantastisches Filmerlebnis. Es wird eine interessante und höchst aktuelle Geschichte erzählt, welche einfach nur wunderschön anzusehen ist. Auch wenn etwas weniger Pathos und etwas mehr Inhalt wünschenswert gewesen wäre, kann ich dennoch nur meine dringendste Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.

GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)

Kurz bevor meine Sichtung von „The Sopranos“ in die letzte Runde geht, habe ich mit Martin Scorseses „GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia“ noch einen echten Klassiker des Genres zwischengeschoben. Die letzte Sichtung liegt inzwischen Jahre zurück und somit war ich überrascht wie viele Parallelen es zwischen den beiden Ganstersagas doch gibt.

Für mich ist „GoodFellas“ seit jeher der Inbegriff des modernen Gangsterfilms. Auch heute noch kann ihm sein Alter nichts anhaben. Der Film hat Stil. So unglaublich viel Stil. Was Martin Scorsese zusammen mit Michael Ballhaus hier auf die Leinwand gezaubert hat, ist wahrlich ein Augen- und Ohrenschmaus. Elegant und dennoch authentisch. Bilder für die Ewigkeit der Kinogeschichte.

Die Verfilmung der Lebensgeschichte von Henry Hill mitreißend zu nennen wäre – zumindest für Freunde des Genres – wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Man wird hineingesogen in die Welt des organisierten Verbrechens und es gibt kein Zurück mehr. Die Mischung aus Coming-of-Age Drama und knallharter Mileustudie besitzt eine unglaubliche Dynamik und Energie, der man sich nur schwer entziehen kann. Scorsese ist der perfekte Gegenentwurf zu Coppolas „Der Pate“ gelungen und steht somit sinnbildlich für eine neue Generation der Mafia.

Sowohl inszenatorisch, als auch inhaltlich muss man bei der Sichtung von „GoodFellas“ zwangsläufig an „The Sopranos“ denken. Seit der gestrigen Sichtung war mir nie bewusst, wie sehr der Film David Chase bei der Entwicklung seiner Serie beeinflusst haben musste. Neben inhaltlicher Parallelen erinnern selbst manche Figuren an das große Vorbild. Ich denke hier nur an Joe Pantolianos Ralph Cifaretto, für den ohne Zweifel Joe Pescis Tommy DeVito Pate gestanden hat.

Eine weitere Bestätigung des Einflusses von Scorseses Meisterwerk ist die unglaubliche Anzahl an Schauspielern, die in die Mafiaserie übernommen wurden. So ist Michael Imperioli (Christopher Moltisanti) als Handlanger Spider zu sehen, Lorraine Bracco (Dr. Jennifer Melfi) spielt an der Seite von Ray Liotta die weibliche Hauptrolle, Tony Sirico (Paulie Gualtieri) und Tony Lip (Carmine Lupertazzi) sind in kleineren Nebenrollen zu sehen und Frank Vincent (Phil Leotardo) gibt eine denkwürdige Vorstellung als Billy Batts. Zudem bin ich mir sicher auch irgendwo Vincent Pastore (Pussy Bonpensiero) gesehen zu haben.

Für Freunde des modernen Gangsterfilms gehört „GoodFellas“ ganz klar zum Pflichtprogramm. Doch auch abseits der Genregrenzen ist Martin Scorsese ein beeindruckendes Kunstwerk gelungen, das jeder Filmfreund gesehen haben sollte. Ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Outlander (2008)

Gestern Abend habe ich mir, obwohl es eigentlich viel zu spät und ich viel zu müde war, Howard McCains „Outlander“ angesehen und trotz erschwerter Rahmenbedingungen hat der Film enorm viel Spaß gemacht. Insofern schade, dass dem Film der Sprung auf die Kinoleinwand verwehrt wurde.

Auf „Outlander“ hatte ich mich schon seit längerer Zeit gefreut. Endlich einmal wieder ein Monsterfilm. Endlich wieder Wickinger. Endlich wieder Sci-Fi. Gleich drei Wünsche auf einmal. Nach den ersten Minuten wurde meine Euphorie dann deutlich gedämpft, da bereits der Einstieg viel zu holprig und belanglos inszeniert war. Da hätte ich mir wahrlich mehr erhofft. Leider schafft es der Film über die gesamte Laufzeit nicht ganz diesen unausgegorenen Charakter loszuwerden. Doch glücklicherweise kann er im weiteren Verlauf durch andere Stärken überzeugen.

Vielleicht habe ich den Film – aufgrund des für solch eine Geschichte doch recht hohen Budgets – zu ernst genommen. Das darf man natürlich nicht. Schon bald eröffnete sich mir jedoch der leicht trashige Charme dieses überteuerten B-Movies und ab diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich Spaß damit. Es geht ordentlich zur Sache und das Blut spritzt meterweit. Hinzu kommt ein toll designtes Monster („Das Relikt“ lässt grüßen) und jede Menge Wikinger. Neben dem reinen Unterhaltungswert bietet „Outlander“ dann sogar immer mal wieder eine grandiose Einstellung, welche beinahe schon zu perfekt für diesen Film wirkt.

McCains Interpretation von „Die Legende von Beowulf“ richtet sich ganz klar an Genrefreunde. Alle anderen werden mit diesem Sci-Fi-Monster-Wikingerfilm wohl nur wenig Freude haben. Trotz offensichtlicher Schwächen hat mir dieser Mix sehr viel Spaß gemacht und ich kann mir durchaus die eine oder andere Wiederholungssichtung vorstellen. Mit eineinhalb zugedrückten Augen gibt es von mir 7/10 Punkte.

Inglourious Basterds (2009)

Es gab eine Zeit, da musste nur der Name Tarantino irgendwie mit einem Film in Verbindung stehen und es gab für mich kein Halten mehr. Heute sehe ich die Sache gelassener, dennoch ärgere ich mich nun „Inglourious Basterds“ nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Der Film hätte es wahrlich verdient gehabt.

Als ich das erste Mal von dem Film hörte war ich sehr neugierig. Besonders da ich ahnte, dass Tarantino eben nicht die oberflächlichen Erwartungen erfüllen würde. Ich bin mit „Reservoir Dogs“ darauf hereingefallen, von dem ich mir damals wilde Überfälle und actionreiche Shootouts erwartete. Was ich jedoch bekam waren endlose Dialoge und verstörende Einzelszenen. Das Davor und das Danach war wichtig. Inzwischen habe ich den Film zu schätzen gelernt und sehe die Geschwätzigkeit in Tarantinos Filmen als sein Markenzeichen an. Meist sind die Dialoge ja auch verdammt gut geschrieben. Insofern war mir bewusst, dass ich hier wohl kaum nur nazimordende Bastarde sehen würde.

Allein die Eröffnungssequenz ist großes Kino. „Inglourious Basterds“ ist wahrlich Tarantinos Beitrag zum Italowestern. Sergio Leone wäre stolz darauf gewesen. Wie so oft liegt die verstörende Bedrohung nicht in expliziter Gewalt, sondern eben in den Charakteren selbst begründet. Mit Hans Landa hat Tarantino einen so herrlich fiesen Bösewicht geschaffen, dass es eine wahre Freude ist. Ohne Christoph Waltz wäre die Figur jedoch nur halb so sehenswert. Unglaublich gut gespielt. Der Golden Globe ist in meinen Augen mehr als nur verdient.

Neben Christoph Waltz ist mir besonders August Diehl im Gedächtnis geblieben, dessen Wortgefecht mit Michael Fassbender zu meinen Lieblingsszenen des Films gehört. Diehl steht Waltz in Sachen Boshaftigkeit in nichts nach und wird wohl ebenso lange im Gedächtnis des Publikums bleiben. Übehaupt muss man sagen, dass die Wahl der Schauspieler wieder einmal famos ist. Eine wirkliche Hauptrolle gibt es nicht, man hat es eher mit einem Ensemble zu tun, welches jedoch perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Dafür hat Tarantino wahrlich ein Händchen.

Die Handlung selbst ist eher wenig spektakulär und wie die meisten Filme des Regisseurs lebt auch „Inglourious Basterds“ von seinen grandiosen Einzelszenen. Man muss sich jedoch wirklich auf den Film einlassen können, um der absurden Comicvariante des Italowestern, welcher im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, all das abgewinnen zu können, das der Film letztendlich wert ist.

Für mich ist „Inglourious Basterds“ der beste Tarantino seit „Jackie Brown“ und ich bin mir sicher, dass er mit der Zeit noch besser werden wird. Vor zehn Jahren hätte ich den Film in den kommenden Tagen wohl gleich noch ein paar Mal gesehen, heute jedoch bleibt es vorerst bei dieser einen Sichtung. Ein herrlich unkonventionelles Stück Kino, das zumindest meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt hat: 9/10 Punkte.

Der Pate – OT: The Godfather (1972)

Aktualisierung: Ich habe „Der Pate“ am 3. März 2022 erneut in der 4K-Kinoversion zum 50. Jubiläum gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, denen ein besonderer Ruf vorauseilt. Filme mit Bedeutung. Großes Kino. Klassiker. Und dann gibt Francis Ford Coppolas „Der Pate“ – wohl einer der bedeutendsten Filme seit Anbeginn des Kinos. Ein Film nach dessen Sichtung man sich unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt noch mit durchschnittlichen Filmen aufhält. Ein Meilenstein.

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Meine letzte Sichtung liegt bestimmt schon fünf Jahre zurück, dennoch konnte ich mich noch an nahezu jedes Details erinnern. Warum? Vermutlich weil ich innerhalb dieser Zeit gewisse Szenen oder Dialoge des Films auf die eine oder andere Art und Weise dennoch gesehen, gelesen oder gehört habe. „Der Pate“ hat die moderne Popkultur durchdrungen, wie kaum ein zweites Werk. Man wird sich schon anstrengen müssen, wenn man ein paar Tage Medienkonsum ohne Anspielung auf Coppolas Meisterwerk erleben möchte.

Ich könnte nun unzählige Lieblingsszenen aufzählen, doch eigentlich besteht der Film nur aus Lieblingsszenen. Am meisten beeindruckt mich jedoch immer wieder die eröffnende Hochzeitssequenz. Wie geschickt Coppola hier die Figuren einführt, bedrückende Dunkelheit mit gleißendem Licht und Lebensfreude zu verbinden weiß sowie Geschäft und Familie als Grundpfeiler der Geschichte etabliert, ist Kino in Perfektion. Ich könnte dem bunten Treiben stundenlang zusehen und doch schreitet die Geschichte unerbittlich weiter und entwickelt einen solchen Sog, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann.

Dem Film wird häufig vorgeworfen, er würde ein zu romantisches und idealisiertes Bild des organisierten Verbrechens zeichnen. Ich möchte diese Vorwürfe auch gar nicht entkräften, nur mag mich diese Tatsache auch nicht stören. Man weiß ja heute, wie Michael Corleones Geschichte weitergeht. Welch gequältes Leben er doch führt. Betrachtet man diesen ersten Teil der Mafiasaga für sich, dann mag man den Vorwurf der Romatisierung jedoch zurecht treffen. Dennoch sollte man auch nicht vergessen, dass „Der Pate“ in erster Linie eine übersteigerte Form des Kapitalismus aufzeigt und somit durchaus kritischer mit gewissen Themen umgeht, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zur aktuellsten Präsentation des Films auf Blu-ray verlieren: Grandios! Absolut grandios. Das Bild des Films hat – im Vergleich zur ersten DVD-Version – nicht nur eine komplette Überarbeitung in Bezug auf Kratzer, Bildstand usw. erfahren, sondern auch eine von Gordon Willis und Francis Ford Coppola überwachte Farbkorrektur erhalten. Anfangs mag das beinahe schon sepiafarbene Bild ungewohnt erscheinen, doch schon bald erlebt man den Film in völlig neuer Pracht. Schon alleine die Szenen auf Sizilien vermitteln einem das Gefühl, als wäre man wirklich selbt vor Ort. Ein echter Zugewinn.

Über die an Perfektion grenzende Inszenierung, den erstklassigen Schnitt, die famosen Schauspieler oder den herrlichen Score könnte ich nun noch seitenweise schreiben. Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat. Für mich hält der Film seinen Status völlig zurecht: Wohl der Filmklassiker überhaupt. Ohne ihn wäre das moderne Kino heute nicht da, wo es ist. Auch die Serienwelt würde in Ermangelung eines Tony Soprano anders aussehen. Ein Film, den man einfach gesehen haben muss: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Platoon

Mit der Sichtung von Oliver Stones „Platoon“ habe ich einmal wieder eine filmische Bildungslücke schließen können. Der Film steht bei mir schon länger im Regal, doch wurde ich erst durch die Sichtung der Genreparodie „Tropic Thunder“ an ihn erinnert. Neben Coppolas „Apocalypse Now“ wohl der bedeutendste über den Vietnamkrieg.

Wie bei so vielen Kriegs- bzw. Antikriegsfilmen überrascht einmal mehr die beinahe unüberschaubare Masse an bekannten Schauspielern. Wohlgemerkt an heute bekannten Schauspielern. So taucht z.B. Johnny Depp in einer winzigen Nebenrolle auf und Charlie Sheen steht in einem für ihn aus heutiger Sicht unüblichen Genre im Mittelpunkt. Weiterhin gibt es Willem Dafoe in einer seiner beeindruckendsten Rollen zu sehen und Tom Berenger in einer seiner fiesesten. Mit John C. McGinley (Dr. Cox, „Scrubs“) und Kevin Dillon (Johnny Chase, „Entourage“) ergänzen zwei heutige Serienstars den famosen Cast, welcher durch Forest Whitaker abgerundet wird.

Da der Film auf Oliver Stones eigenen Erfahrungen in Vietnam basiert, erleben wir als Zuschauer eine recht persönliche Sicht auf die Dinge. Unterstützt wird dieser Eindruck durch sporadisch eingesetztes Voice-over der Hauptfigur. Man wird mit Chris (Charlie Sheen) in die Handlung hinein geworfen und muss sich zunächst einmal orientieren. Stupide Aktionen und langwierige Wanderungen lösen sich mit unüberschaubaren Feuergefechten ab. Besonders interessant ist die Gruppendynamik, welche für so manch beklemmende Szene sorgt.

Mit dem Überfall auf ein vietnamesisches Dorf hat Stone wohl eine der bedrückendsten Szenen des Films geschaffen. Man fragt sich unweigerlich: Wie hätte man selbst wohl reagiert? Helden. Mitläufer. Wegseher. Und alles dazwischen. Die Grausamkreit des Krieges verblasst hinter der Grausamkeit der Menschen. Krieg ist nur ein abstrakter Begriff, der Mensch ist die Bestie. Stone gelingt es tatsächlich diese Botschaft zu vermitteln und am Ende des Films bleibt nur Entsetzen zurück.

Nach der Sichtung ist mir nun klar, warum „Platoon“ diesen besonderen Ruf in seinem Genre hat. Er ist einer der wenigen wirklichen Antikriegsfilme. Der Feind befindet sich in den eigenen Reihen. Was der einzelne Soldat oder selbst sein Platoon letztendlich erreicht bleibt völlig unklar. Krieg als unfassbare Größe, Soldaten als Menschen. Unbequemes, starkes Kino: 8/10 Punkte.

Stirb langsam 4.0 – OT: Live Free or Die Hard – Recut Version

Weiter geht es im Fortsetzungswahn. Len Wisemans „Stirb langsam 4.0“ ist das von Fans lange erwartete und gefürchtete Sequel zu den Actionklassikern der späten 80er und frühen 90er Jahre. Es lagen folglich Erwartungen vor, die unmöglich erfüllt werden konnten. Oder etwa doch?

Um es vorwegzunehmen: Len Wiseman ist mit seiner Modernisierung des Actionmythos ein durchaus würdiger Nachfolger gelungen. Stets unterhaltsam, mit einem herrlich aufspielendem Bruce Willis und ausreichend fetziger Action. Das eigentliche Kunstück war jedoch wohl John McClane glaubhaft in eine Bedrohungssituation zu bringen, die dem Kino des neuen Jahrtausends würdig ist und dementsprechend auch eine neue Generation von Kinogängern für den alternden Actionhelden begeistern kann.

Ich hatte wirklich befürchtet, dass die Cybercrime-Rahmenhandlung zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und vom Sujet her absolut unpassend für diesen klassischen Heldentypus. Doch die Sache funktioniert erstaunlich gut, besonders wenn man den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe bedenkt. Zwar gibt es wieder unzählige dumme Computerklischees und Logiklücken, doch abgesehen davon wirkt die Bedrohung doch recht real im heutigen Zeitalter der globalen Vernetzung.

Die Aufstellung der Bösewichte erinnert tatsächlich an die der klassischen Filme. Timothy Olyphant hat mir erstaunlich gut gefallen. Vielleicht etwas schmierig, doch insgesamt ein passender Gegenspieler im Rahmen der Handlung. Auch McClanes Sidekick Matt Farrell (Justin Long) war nicht ganz so nervig, wie ich das nach den Trailern befürchtet hatte. Dennoch hat er den Fokus von der eigentlichen Hauptfigur abgelenkt, was ich schade fand.

Die Actionszenen fand ich größtenteils klasse inszeniert, doch – wie hätte es anders sein sollen? – zu übertrieben und teils auch zu CGI lastig. Besonders der Kampf gegen den Jet hätte dann doch nicht in all seiner Ausführlichkeit sein müssen. Wenn ich so etwas sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal James Camerons „True Lies“ an.

Insgesamt bin ich mit „Stirb langsam 4.0“ durchaus zufrieden. Ich hatte zwei Stunden lang wirklich großen Spaß und habe mich letztendlich doch nicht an so vielen Sachen gestört, wie ich anfangs noch befürchtet hatte. Wer mit den Modernisierungen leben kann und keinen waschechten 80er bzw. 90er Jahre Actionfilm erwartet, der dürfte auch als Fan viel Spaß mit John McClane im neuen Jahrtausend haben: 7/10 Punkte.