Mission: Impossible 3 (2006)

Nachdem ich vom direkten Vorgänger unendlich enttäuscht war, habe ich mich heute dennoch an J.J. Abrams „Mission: Impossible 3“ gewagt, den – zumindest bisher – finalen Teil der Filmreihe um Agent Ethan Hunt. Bereits nach den ersten Minuten war Aufatmen angesagt: Zwar ist auch der Abschluss der Trilogie ganz anders ausgefallen, als Brian De Palmas Erstling, doch darf man das – im Gegensatz zu Teil 2 – durchaus positiv werten.

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Ich weiß nicht, ob ich mir das nur eingebildet habe, oder ob ich aufgrund meiner Serien-Sichtungen vorbelastet bin, doch hatte ich teils wirklich das Gefühl einen „ALIAS“-Kinofilm vor mir zu haben. Schon allein die Geschichte – inklusive Handlungsklammer und Twist – scheint der Serie um Sydney Bristow entsprungen zu sein. Das IMF-Hauptquartier ähnelt vom Look zudem deutlich den Geheimdienstzentralen der Show. Die Einbindung von Ethan Hunts Privatleben – inklusive dem Aufrechterhalten seiner Geheimidentität – habe ich auch schon einmal gesehen und Simon Peggs Charakter entspricht 1:1 dem Computergenie Marshall. Zufall? Ich glaube nicht. Ebensowenig wie die Gastauftritte einiger „ALIAS“-Darsteller (inklusive Greg Grunberg).

J.J. Abrams hat das getan, was er am besten kann: Eine stimmige Geschichte packend inszenieren, sowie Handlung und Charaktere stets interessant gestalten. Also all das, was John Woo im zweiten Teil vergeigt hat. Zwar gewinnt auch hier der Plot um die Hasenpfote – dieses Mal übrigens ein echter MacGuffin – keinen Innovationspreis, doch bleiben die Aktionen des IMF-Teams stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Überhaupt liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf Teamarbeit, obwohl Tom Cruise natürlich immer noch im Vordergrund steht.

Im Gegensatz zum zweiten Teil gibt es unter J.J. Abrams Regie gute bis sehr gute Leistungen der Schauspieler zu beobachten. Philip Seymour Hoffman spielt ohne Zweifel alle an die Wand, doch auch Tom Cruise darf wieder mehr zeigen, als sein breites Grinsen. Dies kommt klar auch dem emotionalen Grundgerüst der Geschichte zugute und man ist als Zuschauer wieder wirklich an den Figuren und ihrem Schicksal interessiert.

J.J. Abrams hat mit „Mission: Impossible 3“ einen spannenden und äußerst unterhaltsamen Beitrag zur Agententrilogie geschaffen – wenn nicht sogar den unterhaltsamsten. Bei der nächsten Sichtung werde ich mich wohl auf die ungeraden Teile beschränken: 8/10 Punkte.

Spider-Man 3 (2007)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 3“ am 27. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem sich in den letzten zwei Wochen kein Termin finden ließ, habe ich den gestrigen Kinotag endlich für einen Besuch von „Spider-Man 3“ genutzt. Aufgrund der kürzlichen Sichtung des Vorgängers, sowie diverser größtenteils doch recht positiver Berichte, war die Vorfreude mehr als groß. Da der Film noch aktuell in den Kinos läuft, werde ich einmal wieder eine Spoilerwarnung aussprechen: Weiterlesen demzufolge auf eigene Gefahr.

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 3 (2007) | © Sony Pictures Entertainment

Peter Parker ist zurück – und mit ihm Spider-Man. Zu Beginn des Films befindet sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft – sowohl privat, als auch beruflich – auf einem Hoch. Wurde ja auch einmal Zeit, zudem die ganze Sache nicht allzu lange anhält. Neben privaten Problemen tauchen neue Bösewichte auf, die Spidey das Leben schwer machen. Doch damit nicht genug. Unser Held sieht sich plötzlich mit seiner dunklen Seite konfrontiert, was nicht nur sein Superheldensasein auf den Kopf stellt, sondern auch – bzw. besonders – Einfluss auf sein Privatleben hat.

Wie man sieht gibt es auch in „Spider-Man 3“ die bekannten Zutaten: Der allzu menschliche Held kämpft nicht nur gegen neue Feinde, sondern hat mit Alltagsproblemen, seiner Vergangenheit und sich selbst zu kämpfen. All das wirkt – besonders in Bezug auf die Vorgänger – nicht mehr sonderlich neu und innovativ. Glücklicherweise lebt der Film – meiner Meinung nach – eher von den kleinen, charakterbezogenen Szenen, die mir immer noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können. Peter Parkers Wechsel zur dunklen Seite ist wirklich urkomisch und herrlich übertrieben inszeniert. Der Auftritt von Bruce Campbell ist göttlich und viele andere Details (z.B. Marschkapelle spielt Theme der TV-Serie) machen den Film wieder einmal wirklich sehenswert.

Die Haupthandlung hat dieses Mal mit drei Bösewichtern zu kämpfen. Meiner Meinung nach wäre hier weniger mehr gewesen. Zwar gibt es einige spektakuläre Kampfszenen zu bewundern, doch fühlt sich der Film hier zu vollgestopft an. Die Vorgänger wirken in der Haupthandlung somit um einiges harmonischer. Ein weiterer Kritikpunkt ist die übertriebene Rührseligkeit, welche mir zumindest zuvor nicht so negativ aufgefallen ist. Allerdings habe ich hier etwas die Synchro im Verdacht, die – besonders in gefühlvollen Szenen – öfters einmal zu versagen scheint.

Fazit

Alles in Allem ist „Spider-Man 3“ ein wirklich gelungener Abschluss. Tolles Popcornkino, das sich – und seinen Helden – selbst nicht zu ernst nimmt. Die Geschichte wirkt nun abgeschlossen und ich weiß nicht, inwiefern ein vierter Teil neue Aspekte zum Spinnendasein beitragen könnte. Sam Raimi hat mit den drei Teilen – meiner Meinung nach – die bisher unterhaltsamste Superheldentrilogie der Filmgeschichte geschaffen. Allen Freunden von Spidey sei der dritte Teil hiermit noch einmal ausdrücklich ans Herz gelegt: 8/10 Punkte.

Gremlins 2: Die Rückkehr der kleinen Monster – OT: Gremlins 2: The New Batch (1990)

Oft sind Fortsetzungen nur ein müder Abklatsch des Originals. Manchmal – besonders bei persönlichen Klassikern – ist die Fortsetzung dem Original aber auch ebenbürtig. So wie „Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster“. Joe Dante konnte wieder das gesamte Team des ersten Teils versammeln und hat sich bei der Geschichte und Inszenierung auf die Stärken des Vorgängers konzentriert.

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Das neue Setting scheint anfangs ungewohnt, doch durch die bekannten Figuren lebt man sich relativ schnell in der Großstadt ein. Das Clamp Center scheint anfangs auch etwas übertrieben dargestellt, doch passt dieser fast schon satirische Tonfall ausgezeichnet zur „Gremlins“-Atmosphäre. Es gibt hier unzählige Filmanspielungen (u.a. „King Kong“, „Dracula“) und der schwarze Humor wurde ich Vergleich zum Vorgänger noch einmal gesteigert. Zwar wiederholt sich die Geschichte aus Kingston Falls nahezu 1:1, doch wirkt alles noch eine Spur größer, böser und unterhaltsamer. Zudem haben sich die bekannten Charaktere konsequent weiterentwickelt und durch Daniel Clamp, Forster und Doctor Catheter gibt es genügend Frischfleisch für die kleinen Monster.

Auffällig sind in „Gremlins 2“ besonders die verbesserten Effekte. Die Bewegungen wirken noch eine Spur runder und glaubwürdiger. Gizmo noch knuddeliger. Die platzenden Gremlins noch ekliger. Auch technisch macht die Fortsetzung folglich einen deutlichen Schritt nach vorne.

Hätte sich auch der zweite Film um die kleinen Monster nicht schon längst einen Platz in meinem filmischen Herzen gesichert, würde ich die – teilweise – Ideenlosigkeit der Fortsetzung vermutlich strenger beurteilen. „Gremlins 2“ macht jedoch auch heute noch genauso viel Spaß wie früher und erscheint mir keinen Deut schwächer als der Vorgänger: 9/10 Punkte.

Brick (2005)

Gestern Abend gab es wieder einmal einen Film, der mich bereits im Kino sehr interessiert hätte: Mein diesjähriges Ostergeschenk „Brick“. Rian Johnsons Kinodebut hatte mich bereits mit seinem wunderbaren Trailer gefangengenommen. Mysteriös und anders. Ungewöhnlich und fremd – und doch irgendwie vertraut. Umso gespannter war ich bei der gestrigen Sichtung, wie denn wohl der Film hinter dem Trailer aussehen wird, den ich bereits unzählige Male gesehen hatte.

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„Brick“ ist eine klassische Detektivgeschichte. Ein Film noir par excellence. Sprache, Lichtstimmung, Kameraführung. Alles scheint der Hochzeit der Schwarzen Serie entsprungen. Doch „Brick“ ist anders. Die Handlung ist an einer amerikanischen Highschool angesiedelt. Hauptfiguren sind allesamt Schüler. Rian Johnson gelingt hier das Unglaubliche: Er schafft es beide Elemente mit einer Ernsthaftigkeit zu verbinden, die ihresgleichen sucht. An einigen wenigen Stellen droht der Film in die Parodie zu rutschen (z.B. Mutter von Pin), doch der Film reißt sich stets im letzten Moment zusammen und kriegt die Kurve. Die Atmosphäre, die der Film verbreitet, ist wirklich grandios. Muss man gesehen haben.

Die Geschichte selbst hätte ohne Probleme in die Erwachsenenwelt verlagert werden können. Entfernt man die inszenatorischen Feinheiten und die besondere Situation, bleibt letztendlich eine typische Film noir Kriminalgeschichte übrig. Diese ist stets interessant, doch letztendlich weit weniger mysteriös und überraschend, wie uns der Film das teils glauben machen mag. Hier war ich gegen Ende beinahe etwas enttäuscht, wenngleich Johnson natürlich seiner Linie treu geblieben ist und auf neumodischen Schnickschnack weitgehend verzichtet wurde.

„Brick“ ist wahrlich faszinierend. Auch was seine Entstehungsgeschichte angeht: So hat der Regisseur sein eigenes Drehbuch verfilmt. Das Geld dafür hat er von Verwandten und Bekannten zusammengekratzt. Letztendlich sind ca. 500.000 Dollar zusammengekommen. Wirklich grandios, dass solch ein kleines Meisterwerk für diesen Betrag entstehen kann. Meine Hochachtung an Rian Johnson. Man merkt dem Film sein niedriges Budget zu keiner Zeit an. Es gibt bekannte Schauspieler zu sehen: Joseph Gordon-Levitt kennt man evtl. aus „Hinter dem Mond gleich links“ (OT: „Third Rock from the Sun“), Nora Zehetner aus „Heroes“ und Emilie de Ravin aus „Lost“. Auch der Score ist fantastisch und beschwört eine ganz eigene Atmosphäre herauf. Audiovisuell ist der Film wahrlich eine Pracht.

Ich kann „Brick“ nur weiterempfehlen. Es ist ein ungewöhnliches Erlebnis. Kann man sich allerdings darauf einlassen, wird man garantiert belohnt werden. Es sollte mehr solcher Filme geben, die vom Mut, dem Engagement und der Kreativität seiner Macher zeugen: 9/10 Punkte.

Spider-Man 2 – Extended Version (2004)

Aktualisierung: Ich habe „Spider-Man 2“ am 20. Mai 2023 zusammen mit den Kindern erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Kurz vor dem Kinostart des dritten Teils, habe ich gestern meine Erinnerungen an „Spider-Man 2“ – dieses Mal in der erweiterten Fassung – etwas aufgefrischt. Mit Comicverfilmungen konnte ich lange Zeit nichts anfangen. Bevor sich meine große Filmleidenschaft entwickelt hat, fand ich die alten „Superman“-Filme zwar ganz nett, aber zu altbacken. Burtons „Batman“ war mir zu düster und artifiziell. Schumachers „Batman“ einfach zu billig. Die neue Superheldenwelle brachte schließlich „X-Men“ und „Hulk“. Beides interessante Filme, doch sie haben mich nicht wirklich mitgerissen. Mit Sam Raimis „Spider-Man“ kam 2002 schließlich der Film in die Kinos, der mir neue und alte Comichelden wieder zugänglich gemacht hat. Für mich ein – dieses Genre betreffend – wahrer Türöffner.

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Spider-Man 2 (2004) | © Sony Pictures Entertainment

Was die „Spider-Man“-Filme für mich so zugänglich macht, ist die Ausgangssituation: Ein ganz normaler Junge stolpert in dieses Superheldenleben – ob er nun will, oder nicht. Die Alltagsprobleme bleiben jedoch bestehen. Sie bleiben für die Figur bestimmend und auch stets der Antrieb für sein Superheldendasein. Die Identifikation fällt unglaublich leicht. Zudem enthält die Welt genau den richtigen Grad an Realismus um zu funktionieren. Die Welt der alten „Batman“-Verfilmungen waren hier teils zu künstlich, bei „X-Men“ wurde teils zu sehr auf Realismus gepocht. Sam Raimi hat mit der Welt von „Spider-Man“ genau meinen Geschmack getroffen und – wie ich bereits erwähnte – damit auch die Türen zu den anderen Welten der Superheldenverfilmungen geöffnet.

Die Geschichte ist einfach und doch mitreißen. Es gibt unglaubliche Actionszenen, doch nehmen diese nicht überhand und spielen sich in den Vordergrund. Dort steht stets Peter Parker, seine Familie, seine Freunde und M.J. Dadurch wirkt die Geschichte – trotz Vorhersehbarkeit – sehr ausgewogen und schlüssig. Der Verlauf gleicht dem des ersten Teils zwar verdächtig, doch aufgrund der Figurenkonstellationen und persönlichen Probleme Parkers (Verlust von Selbstbewusstsein und damit Verlust seiner Fähigkeiten etc.) ergeben sich völlig neue Eindrücke.

Fazit

Ich freue mich nun wirklich sehr auf den dritten Teil. Sam Raimi wird die Spinne schon schaukeln. Ebenso habe ich nach der gestrigen Sichtung Lust auf „Batman Begins“ bekommen, der immer noch ungesehen im Schrank steht. Auch „X-Men 3“ wartet noch auf seine Sichtung. Man merkt: Das Superheldenfieber wurde durch „Spider-Man 2“ erneut entfacht. Perfektes Popcornkino: 9/10 Punkte.

Anmerkung zur neuen Schnittfassung von „Spider-Man 2.1“: Mir sind – außer ein paar Szenen – keine sonderlichen Veränderungen zur Kinofassung aufgefallen. Die Sichtung liegt allerdings auch schon länger zurück. Wenn man noch keine Fassung sein Eigen nennt, ist man mit der 2.1-Version sicher gut beraten. Ansonsten kann man die Scheibe getrost im Regal stehen lassen.

Sunshine

Nachdem ich schon viel darüber gelesen hatte, wollte ich mir gestern selbst eine Meinung über Danny Boyles „Sunshine“ bilden. Ich mag Danny Boyle. „Kleine Morde unter Freunden“ war ein sympathisches Kinodebut, „Trainspotting“ ein Meisterwerk und „28 Days Later“ zumindest ein wirklich unterhaltsamer Genrefilm. Meine Erinnerungen an „Lebe lieber ungewöhnlich“ sind kaum mehr vorhanden und „The Beach“ konnte mich nicht wirklich überzeugen. Schon allein aufgrund des Genres waren meine Erwartungen an Boyles jüngstes Werk gestern doch recht hoch…

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…und wie das so ist mit hohen Erwartungen, wird man schnell enttäuscht. Bei „Sunshine“ hat es allerdings etwas länger gedauert. Die Geschichte ist nicht neu. Man kennt ähnliche Ausgangssituationen bereits aus „Event Horizon“ – der selbst nur eine Ansammlung von Zitaten ist – und unzähligen anderen Filmen („2001 – A Space Odyssey“ klammere ich einmal bewusst aus). Doch das macht nichts. Aufgrund der visuellen und heizenden Kraft der Sonne, werden den üblichen Genremustern doch immer wieder neue Facetten abgewonnen. Hinzu kommt ein – in Anbetracht der Grundprämisse – realistisches Setting und gute Schauspieler.

Gegen Ende steigt die Spannung, doch da das anscheinend nicht genug war, gibt es den – für die letzten Boyle-Filme fast schon obligatorischen – Einbruch in der letzten halben Stunde der Geschichte. Es wird ein Spannungsmoment geschaffen. Ein unnötiges Spannungsmoment. Ein nicht spannendes Spannungsmoment und somit ein retardierendes Moment zum unpassendsten Zeitpunkt. Wirklich schade, denn hier wurde enorm viel Potential verschenkt. Was hätte man nicht alles machen können? Sich mehr auf den Vergleich Mensch/Icarus fliegt zu nah zur Sonne, verbrennt sich die Flügel etc. stützen. Mehr auf das Drama zwischen den Figuren verlassen oder auch einfach nur weitere sonnenbezogene Katastrophen schaffen. Mit dem Bruch in der Handlung konnte ich leider fast nichts anfangen. Visuell durchaus stark und interessant inszeniert, doch was hilft das, wenn die Geschichte Schaden nimmt?

„Sunshine“ ist ein guter Film. Ein sehenswerter Film mit toller Optik. Leider kann die Geschichte nicht das halten, was ich mir von ihr erwartet hatte. Schade drum. Mit etwas mehr Feinarbeit am Skript (das geht an Sie, Mr. Garland!) hätte „Sunshine“ durchaus das Zeug gehabt sich einen Platz unter den Sci-Fi-Klassikern zu sichern. So leider nicht: 7/10 Punkte.

Master and Commander: Bis ans Ende der Welt – OT: Master and Commander: The Far Side of the World (2003)

Manche Filme wecken das Interesse. Allerdings nicht genug. Zu diesen zählt Peter Weirs „Master and Commander: Bis ans Ende der Welt“. Die DVD steht nun bestimmt schon ein Jahr ungesehen im Regal. Ich hatte sie schon oft in der Hand, habe mich jedoch stets für einen anderen Film entschieden. Doch gestern war es endlich soweit. Und wie das oft ist mit Filmen, deren Sichtung man immer wieder verschiebt, wurde ich überrascht – und das durchaus positiv!

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„Master and Commander“ ist ein klassischer Historienfilm. Leider wird er nie mit den sonstigen (modernen) Genregrößen („Gladiator“ etc.) genannt. Dabei hätte er es wirklich verdient. Der einzige Unterschied zu den anderen großen Epen: Der Handlungsraum wird auf ein Segelschiff begrenzt. Das Leben auf diesem wird akribisch genau dargestellt. Es ist dreckig, ungemütlich und fordernd. Die Crew ist bunt zusammengewürfelt und wird nur durch ihren Captain zusammengehalten. Dieser wird von Russell Crowe meisterlich verkörpert. Crowe ist einer der Darsteller, mit denen ich eigentlich nichts anfangen kann. Sicher macht er seine Sache meist gut, aber er ist mir weder sympathisch, noch fand ich seine Leistungen bisher besonders herausragend. Für die Rolle des Capt. Jack Aubray ist er aber eindeutig die perfekte Wahl. Sein Gegenpart – Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin – wird ebenso grandios von Paul Bettany verkörpert. Beide Figuren harmonieren auf eine interessante Art und Weise. Die Beziehung bildet das Zentrum des Films und stellt die Bindung zum Zuschauer her.

Die Geschichte ist simpel: Die Surprise soll die französische Fregatte Acheron abfangen und unschädlich machen. Leichter gesagt als getan, denn die Acheron ist das deutlich stärkere Schiff. Nach der beeindruckenden Anfangssequenz beginnt eine Jagd auf Leben und Tod, während der sich weitere Handlungsstränge entwickeln, die das Leben auf dem Schiff beschreiben und teils doch von essentieller Bedeutung für die Haupthandlung sind. Schön gemacht. Stets interessant und nie beiläufig erzählt.

Inszenatorisch ist der Film eine Wucht. Man wähnt sich teils wirklich auf dem Schiff und fühlt das Meer um sich herum. Auf Spielereien verzichtet Peter Weir glücklicherweise, denn die klassiche Inszenierung trägt den Film perfekt. Durch die feine Chrarakterarbeit ist die Identifikation stets gegeben. Trotz der enormen Anzahl an Figuren auf dem Schiff wird es für den Zuschauer nie unübersichtlich oder uninteressant. Eine Tatsache, die nicht jeder Historienfilm von sich behaupten kann.

„Master and Commander“ ist ganz großes Kino. Interessant und unterhaltsam. Audiovisuell eine Bombe. Ich bin schwer beeindruckt von der Leistung aller Beteiligten: 9/10 Punkte.

Mission: Impossible (1996)

Nach einem ziemlich stressigen Tag, habe ich gestern Abend gegen 21:30 Uhr beschlossen, mir doch noch einen Film anzusehen. Leider war ich dann doch so müde, dass ich beinahe eingeschlafen bin. Dennoch habe ich durchgehalten, was nur für die Qualität von Brian De Palmas „Mission: Impossible“ spricht. Ein Film, den ich bereits etliche Male gesehen habe und der mich trotzdem jedes Mal wieder gut unterhält.

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Ich muss voraus schicken, dass ich die zugrunde liegende Serie nicht kenne und somit keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Am ehesten erinnert mich der Agententhriller heute an J.J. Abrams Erfolgsserie „Alias“. Vielleicht hat man Abrams aufgrund des ähnlichen Sujets auch die Regie für den dritten Teil angeboten. 1996 gab es noch kein „Alias“. Auch der übertriebene Inszenierungsstil von Michael Bay war noch eher dezent („The Rock“). Insofern war „Mission: Impossible“ 1996 äußerst modern und mit unvorstellbaren Actionsequenzen gespickt. Heute dagegen wirkt der Film beinahe angenehm ruhig und klassisch inszeniert. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Zeit ändert.

Die Geschichte ist für diese Art von Film angenehm komplex, wenngleich einige Logikfehler nicht vermieden werden können und der Twist sehr vorhersehbar ist. Der Höhepunkt des Films ist eindeutig die Einbruchssequenz, die spätestens durch unzählige Parodien ihren Weg in die Filmgeschichte gefunden hat. Einfach perfekt inszeniert. Der zweite Höhepunkt (Helikopter im Tunnel) wirkt dagegen schon fast plump, hat aber damals schon gezeigt, in welche Richtung sich die Actionsequenzen der höher budgetierten Filme entwickeln werden.

Die Darsteller sind alle recht solide, wenngleich es keine besonders herausragenden Leistungen zu vermerken gibt. Tom Cruise macht seine Sache gut – nicht mehr und nicht weniger. Zudem fällt auf, dass er wirklich einmal der jugendliche Sunnyboy war, den er heute mehr als zwanghaft zu verkörpern versucht.

Insgesamt ist „Mission: Impossible“ immer noch bestes Unterhaltungskino, wenngleich erste Alterungserscheinungen nicht zu verleugnen sind. Aber das macht den Film aus heutiger Sicht fast noch sympathischer. Ich bin nun gespannt, was John Woo und J.J. Abrams aus dem Stoff gemacht haben. An den ersten Teil werden sie wohl nicht herankommen: 8/10 Punkte.

The Cave (2005)

Aktualisierung: Ich habe „The Cave“ am 11. Juni 2009 und am 15. August 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es gibt Filme, die sieht man sich trotz unzähliger schlechter Kritiken im Vorfeld an. Manchmal kann das lohnend sein, manchmal nicht. Bruce Hunts Höhlenabenteuer mit dem einfallsreichen Titel „The Cave“ gehört glücklicherweise zur sich lohnenden Gattung.

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

The Cave (2005) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Der Film hat mein Interesse allein durch die thematische Verwandschaft zu Neil Marshalls Horrorhit „The Descent“ geweckt. Im Vorfeld wurde „The Cave“ häufig als Plagiat verschrien, doch ging diese höherbudgetierte Version der Geschichte früher in Produktion, als Marshalls Film. Beide Varianten des Höhlenthemas müssen sich allerdings den Vergleich mit Jeff Longs Roman „Im Abgrund“ (OT: „The Descent“) gefallen lassen, der für beide Filme ziemlich wahrscheinlich als Inspirationsquelle gedient hat und der selbst nach einer Verfilmung schreit.

Zurück zu „The Cave“: Man sollte den Film nicht mit „The Descent“ vergleichen. Hunts Version ist mehr Abenteuer- denn Horrorfilm. Die Erforschung und die visuellen Wunder des ausladenden Höhlensystems stehen klar im Vordergrund. Die Bilder sind teils wirklich grandios. Besonders die Aufnahmen am und im Wasser können überzeugen. „The Cave“ ist durch die tollen Bilder sehr atmosphärisch, schafft es aber nie ein wirkliches Gefühl von Klaustrophobie zu erzeugen. Allerdings habe ich das auch gar nicht sonderlich vermisst, da der – für einen Höhlenfilm – recht offene Inszenierungsstil recht gut zur Handlung passt.

Die Handlung ist dann auch der Knackpunkt. Weder sonderlich innovativ, noch besonders spannend oder außerordentlich wendungsreich. Trotzdem habe ich mich wirklich gut unterhalten. Bis auf das Finale und den Schlussgag gab es für mich auch keine größeren Ausreißer in den qualitativen Keller. Nett anzusehen und mit einem stets präsenten Hauch von Abenteuer. Die Figuren waren genau so klischeehaft, wie man es in solch einer Art Film erwartet. Dies trifft übrigens auch auf die Monster zu.

Fazit

Alles in Allem kann „The Cave“ hauptsächlich durch sein Setting und die tollen Bilder Punkten. Nette Szenen, wie im unterirdischen See nach dem Wasserfall, bringen den Film auch noch einmal nach vorne. Erwähnenswert ist für „Lost“-Fans zudem die Teilnahme von Daniel Dae Kim (Sun Kwon) an der Expedition. Wer ohne großartige Erwartungen an den Film herangeht und etwas für Höhlen übrig hat, wird bestimmt gut unterhalten: 7/10 Punkte.

Syriana (2005)

Gestern Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir Stephen Gaghans „Syriana“ anzusehen. Der Film hat mich hauptsächlich aufgrund seiner Thematik interessiert, wenngleich auch seine Präsenz bei den Acadamy Awards 2006 zum gesteigerten Interesse beigetragen hat.

Im Vorfeld waren viele Stimmen zu hören, die den Politthriller als langweilige Kopie von Soderberghs „Traffic“ dargestellt hatten. Sicherlich ist eine gewisse strukturelle und inszenatorische Verwandschaft nicht zu leugnen. Gaghan hat schließlich die Drehbücher zu beiden Filmen geschrieben. Zudem handelt in beiden Fällen um Politthriller, die ähnlich wie Robert Altmans Klassiker „Short Cuts“ aufgebaut sind. Dennoch ist „Syriana“ weit davon entfernt eine Kopie zu sein. Geschweige denn langweilig.

Den Inhalt hier wiederzugeben, würde wohl den Umfang des Eintrags sprengen. Zudem muss ich zugeben, bei der gestrigen Sichtung bestimmt nicht alle Details der komplexen Korruptionsgeschäfte mitbekommen zu haben. Der Film ist komplex. Sehr komplex. Man muss wirklich aufpassen, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt eine Vielzahl an Figuren und noch mehr Hintermänner, die nur kurz in Erscheinung treten und doch von äußerster Wichtigkeit für die Handlung sind. Dabei bleibt „Syriana“ über weiter Strecken dennoch übersichtlich, spannend und erschütternd.

Die Geschichten gipfeln in einem Höhepunkt, der von den Figuren in den vorangehenden beinahe zwei Stunden detailliert vorbereitet wird. Welten treffen aufeinander. Ideologien. Letztendlich geht es jedoch um Geld und Macht. Die Stärke von „Syriana“ ist, dass die Figuren dem Zuschauer doch ziemlich schnell ans Herz wachsen. Sicherlich ist das bei der Vielzahl an Charakteren und der begrenzten Laufzeit nur bedingt möglich, doch gerade unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen, zeigt sich die wahre Stärke des Films. So hat mich der Tod des Jungen doch sehr berührt und auch die Folter des CIA-Agenten fand ich in seiner Intensität weit grausamer, als die gesamten Folterszenen in „Saw III“.

„Syriana“ ist ein wirklich toller Film, der zum Nachdenken anregt. Trotz seiner Komplexität schafft er es zu unterhalten und mitzureißen. Wer etwas für Politthriller – und insbesonders „Traffic“ – übrig hat, dem wird auch Gaghans Film über das korrupte Ölgeschäft gefallen: 9/10 Punkte.