Her (2013)

Zu Beginn meines Osterurlaubs hatte ich mir vorgenommen jeden Tag einen Film zu sehen. Da ich selbst wusste, dass dies äußerst unrealistisch sein würde, habe ich die Anzahl auf die Hälfte meiner Urlaubstage reduziert: fünf Filme sollten es also werden. Am achten Abend habe ich mit „Her“ nun meinen ersten Film gesehen. So ist das eben manchmal mit den Plänen. Und selbst diese Filmsichtung stand auf wackligen Beinen, haben wir doch den ganzen Tag in einem Freizeitbad verbracht und sind alle entsprechend müde. Ich habe als einziger länger als 20 Uhr durchgehalten und konnte den Film somit entsprechend genießen. Wenn auch allein. Wie passend…

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Was für ein wundersamer Film. Eine klassische Liebesgeschichte, wie man sie schon dutzende Male gesehen hat. Eine Utopie (oder Dystopie, darüber ließe sich trefflich streiten), welche unsere heutige Kommunikationswelt konsequent in die Zukunft trägt. Dann ein formal perfekt ausgestatteter Bilderrausch, der uns mit seiner seltsam retro-urbanen Ästhetik verführt. Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) zieht einmal mehr alle Register und drückt dieser ungewöhnlichen Geschichte so gekonnt seinen Stempel auf, dass man sich keine andere Inszenierung vorzustellen vermag. Da Jonze auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt „Her“ wie aus einem Guss, was beeindruckt aber auch leicht artifiziell wirkt. Sehr passend für diese Geschichte.

Was will uns „Her“ nun sagen? Dass wir alle zu sehr unsere zwischenmenschlichen Kontakte vernachlässigen und eine Beziehung mit unserem Smartphone führen? Ich vermute nicht – und doch kann man auch diesen wenig subtilen Aspekt in der Geschichte wiederfinden. Es geht um das große Thema Liebe, die Bedeutung von Körperlichkeit und – wenn man so will – Seelenverwandtschaft. Ebenso spielt das Thema Künstliche Intelligenz natürlich eine große Rolle und es ist wahrlich erfrischend zu sehen, dass man nicht plötzlich einen allwissenden virtuellen Stalker präsentiert bekommt, der unserer Hauptfigur das Leben zur Hölle macht. Oder Skynet auf kleinerem Level. Nein, Jonze bleibt seinem Thema treu und opfert die spannende Prämisse nicht dem billigen Effekt.

Auch wenn so manche Szene befremdlich wirken mag, schaffen es Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson perfekt ihrer Beziehung einen emotionalen Kern zu verleihen. Gekonnt nimmt sich Jonze der Absurdität an und überträgt diese auch auf andere Bereiche dieser Retro-Zukunft (z.B. Theodores Beruf als Briefautor). Insgesamt wirkt „Her“ auf mich wie ein kunstvoll inszeniertes Kaleidoskop an Ideen und Ansätzen, das in eines der klassischsten Genres gegossen wurde. Ein ganz besonderer Film, der auf jeden Fall einer Zweitsichtung bedarf, damit ich auch seine wahre Wirkung auf mich entschlüsseln kann : 8/10 Punkte.

Veep – Season 3

Hatte ich mich bei der Sichtung der zweiten Staffel noch gefreut, dass es zwei Episoden mehr als im ersten Jahr gab, muss ich nach „Veep – Season 3“ nun feststellen: 10 Episoden sind einfach viel zu wenig für diese Serie! Da hat man sich gerade warm geschaut und muss auch schon wieder Abschied nehmen. Warum die Serie so gut funktioniert, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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US-Wahlkampf in all seiner Absurdität. Welches Thema könnte aktueller sein? Auch wenn es die Serie tatsächlich nicht schafft, an den Irrsinn der realen Situation heranzureichen, so gibt sich das Team rund um Vizepräsidentin Selina Meyer doch alle Mühe. Mit dem beginnenden Wahlkampf um das Präsidentenamt nimmt die Serie enorm an Fahrt auf, was sie noch spritziger macht als sie es in den vergangenen Jahren ohnehin schon war. Mit knapp 30 Minuten Laufzeit bewegt sich die Comedy auch in einem Sweet Spot was die erzählerische Dichte und die Schlagfrequenz der Pointen angeht. Habe ich schon erwähnt, dass ich 10 Episoden pro Staffel als viel zu wenig erachte? Aber vielleicht liegt auch gerade darin das Geheimnis der durchgehend hohen Qualität begründet.

Was mir dieses Mal wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Anna Chlumsky, die fantastische Darstellerin von Amy Brookheimer, ist das kleine Mädchen aus „My Girl: Meine erste Liebe“, eines meiner großen filmischen Kindheitstraumata. Diese Erkenntnis hat das Vergnügen, das ich bei der Sichtung empfunden habe, nur gesteigert. Ohnehin sind die Schauspieler allesamt famos, müssen jedoch hinter der fantastischen Julia Louis-Dreyfus zurückstehen, die mit „Veep“ schon die zweite Rolle ihres Lebens (eben nach Elaine Benes in „Seinfeld“) gefunden hat.

Ich liebe amerikanischen Politzirkus in TV-Serien – und kaum eine Serie stellt diesen so unterhaltsam dar, wie „Veep“. Auch wenn die Serie hierzulande nicht sonderlich populär ist, so kann ich sie allen auch nur annähernd Interessierten nur unbedingt ans Herz legen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht: 9/10 (9.0) Punkte.

Nicht mein Tag (2014)

Peter Thorwarth hat mit „Bang Boom Bang“ einen der besten deutschen Filme inszeniert. Auch über die Landesgrenze hinaus, zähle ich ihn nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen. Nach der Fertigstellung der Unna-Trilogie wurde es ruhig um den Regisseur – und als vor zwei Jahren „Nicht mein Tag“ ins Kino kam, war ich wirklich neugierig, ob Thorwarth seinen damaligen Erfolg wiederholen können würde. Inzwischen weiß ich leider, dass dem nicht so ist…

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Hauptdarsteller Axel Stein hat mich tatsächlich positiv überrascht. Bisher kannte ich ihn nur aus grenzdebilen Blödelfilmen und Sketch-Shows. In „Nicht mein Tag“ spielt er beide Extreme seiner Figur – vom stocksteifen Spießer bis zum ausgeflippten Rocker – sehr überzeugend. In die Rolle seines Konterparts schlüpft Moritz Bleibtreu, der souverän aber ohne Überraschungen (s)einen typischen Kleinganoven gibt. Die weiblichen Darstellerinnen Anna Maria Mühe und Jasmin Gerat haben dagegen deutlich weniger zu tun und verkommen fast schon zu Stichwortgebern.

Inhaltlich bekommt man eine 08/15-Krimikomödie vorgesetzt, die durchaus potential besitzt, aber an ihrer Konventionalität scheitert. Wieso muss es geschlagene 50 Minuten dauern, bis der Film auch nur ein wenig in Fahrt kommt? Die gesamte Exposition hätte man auch in knapp 15 Minuten erzählen können – und das ohne Charakterentwicklung oder Ähnliches zu verlieren. Nachdem der Film dann endlich Fahrt aufgenommen hat, macht er auch wirklich Spaß: Speziell der Kniff den Spießer das Leben des Gangsters durcheinander bringen zu lassen und eben nicht andersrum, hat mir sehr gut gefallen. Hier wäre noch deutlich mehr möglich gewesen, wenn das Drehbuch sich ein wenig mehr getraut hätte.

Auch wenn die Bezüge zur Unna-Trilogie mit Ralf Richter (total verschenkt) und einem Auftritt Mark Kampmanns vorhanden sind, so ist von der Spritzigkeit und vor allem Eigenständigkeit der damaligen Werke kaum noch etwas zu spüren. Thorwarth spielt auf Nummer sicher und biedert sich damit zu sehr an die typische deutsche Komödie an. Kann man durchaus mal schauen, muss man aber nicht: 5/10 Punkte.

Community – Season 5

Nachdem ich mit der ersten Staffel eine neue Lieblingsserie gefunden hatte, war ich von der vierten Staffel der Serie fast schon enttäuscht – und es sollte beinahe drei Jahre dauern bis „Community – Season 5“ den Weg in mein Programm fand. Ich erwartete mir durchaus eine Steigerung zum Vorjahr, da Showrunner Dan Harmon nun endlich wieder mit an Bord war. Ob dies die Qualität der Geschichten tatsächlich positiv beeinflusst hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ja, tatsächlich legt „Community“ qualitativ wieder deutlich zu – und das trotz des Ausstiegs zweier Schauspieler: Chevy Chase und Donald Glover sind nicht mehr dabei. Dafür ist mit Jonathan Banks (Mike Ehrmantraut, „Breaking Bad“) ein Darsteller am Start, der eine naturgegebene Präsenz mitbringt und durchaus eine würdige Ergänzung des Ensembles darstellt. Dennoch merkt man den Verlust zweier liebgewonnener Charaktere deutlich, was auch in die für die Serie typischen Meta-Erzählung mit einfließt. Als roten Faden versammelt sich dieses Mal keine Lerngruppe (schließlich sind nicht mehr alle unsere Charaktere Studenten), sondern das Save Greendale Committee – im Prinzip bleibt aber alles beim Alten und wir erleben popkulturell etablierte Szenarien, welche ins Greendale-Setting transferiert und von Studenten und Professoren nachgespielt werden.

In ihrem fünften Jahr bietet die Serie ein paar Episoden, die sich absolut auf der Höhe befinden und denen der ersten drei Staffeln in kaum etwas nachstehen. Leider gibt es auch immer wieder ein paar durchschnittliche Folgen, die nur nett sind und eher an das vierte Jahr erinnern. An dieser Stelle möchte ich euch jedoch die Highlights vorstellen: In „Basic Intergluteal Numismatics“ gibt es großartige Parodie auf typische Krimi-Procedurals zu bewundern. Meine Lieblingsepisode dürfte wohl „Geothermal Escapism“ gewesen sein, die ganz Greendale in eine postapokalyptische Welt à la „Mad Max: Fury Road“ versetzt und qualitativ nahe an die prägenden Paintball-Episoden der ersten beiden Staffeln heranreicht. Ebenso großartig ist die Episode „App Development and Condiments“, in der wir eine dystopische Zukunft mit ganz eigenen Regeln kennenlernen – wirklich unglaublich, was die Autoren in gerade einmal 20 Minuten Laufzeit an Ideen unterbringen.

Auch bekannte Erfolgsformeln werden wieder aufgegriffen: In „Advanced Advanced Dungeons & Dragons“ dürfen wir erneut einem Rollenspiel-Abenteuer beiwohnen, was abermals ein großes Vergnügen ist. Mit „G.I. Jeff“ werden audiovisuell wieder alle Register gezogen und man findet sich in einem 80er Jahre Cartoon samt Werbeclips wieder. Herrlich! Das Finale gibt sich abermals ganz meta und es steht die Zukunft Greendales im Mittelpunkt. Inzwischen wissen wir, dass Greendale bzw. die Serie von Yahoo! Screen tatsächlich gerettet wurde. Juhu!

Trotz langer Abwesenheit von „Community“ hatte ich viel Spaß mit der fünften Staffel der Serie. Man merkt manchen Episoden deutlich an, dass Dan Harmon wieder mit an Bord ist – und dennoch schafft es die Serie nicht mehr ganz zu alter Form aufzulaufen. Pierce und Troy fehlen der Serie sehr, doch ich hatte das Gefühl, dass das Beste aus der Situation gemacht wurde: 8/10 (8.4) Punkte.

Guardians of the Galaxy (2014) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Guardians of the Galaxy“ am 18. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Vor knapp eineinhalb Jahren hat mich „Guardians of the Galaxy“ im Kino komplett umgehauen. Bis auf den fehlenden Originalton hatte ich für 120 Minuten das perfekte Filmerlebnis. Seitdem war ich umso gespannter auf die Zweitsichtung und ob James Gunns Sci-Fi-Actioner im Marvel-Universum auch mit Langzeitwirkung funktionieren würde – speziell im Vergleich zum jüngsten „Star Wars“-Abenteuer, das ja im selben Haus produziert wurde…

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Guardians of the Galaxy (2014) | © Walt Disney

Eigentlich kann ich meine damalige Besprechung des Films 1:1 übernehmen, denn er hat mir auch dieses Mal wieder unglaublich viel Spaß gemacht. Natürlich fehlt der audiovisuelle Bombast des Kinobesuchs, doch das war dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Inhaltlich besitzt der Film keine großen Überraschungen, so dass ich auch in dieser Hinsicht kaum Abnutzungserscheinungen feststellen konnte. Dennoch hat „Guardians of the Galaxy“ ein wenig eingebüßt – und ich kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, woran das liegt. Am ehesten habe ich die typische Marvel-Action in Verdacht, die immer aus unzähligen fliegenden Helden gegen unzählige fliegende Gegner zu bestehen zu scheint. Da fehlen tatsächlich etwas die großen Kämpfe unserer Helden gegen ebenbürtige Bösewichte, wie sie tatsächlich gerade „The Force Awakens“ zu bieten hat. Der Feind bleibt hier doch leider recht blass.

Davon abgesehen liebe ich die knallbunte Optik, die unterschiedlichen Charaktere der zusammengewürfelten Crew sowie den wunderbaren Humor. Im O-Ton funktionieren die Dialoge gleich noch einmal besser und ich hätte mir wahrlich mehr Szenen gewünscht, in denen unsere Helden tatsächlich nur Wortgefechte zu bestehen haben. Darin und in den großartig abenteuerlichen Schauplätzen liegt das wahre Potential von „Guardians of the Galaxy“. Mit James Gunn ist auch der richtige Mann am Start, um noch einen Tick weiterzugehen, was im starren Marvel-Konstrukt wohl nicht ganz einfach ist.

Fazit

Lange Rede, kurzer Sinn: „Guardians of the Galaxy“ bietet auch beim zweiten Durchgang beste Unterhaltung für alle, die auch nur annähernd etwas mit knallbunter Sci-Fi-Action anfangen können. Für mich nach wie vor der beste Marvel-Film knapp vor „The Avengers“. Da stellt sich mir nur noch die Frage, ob wir in ein paar Jahren, wenn sowohl das MCU als auch „Star Wars“ ausreichend ausgeschlachtet sind, nicht doch ein Crossover beider Franchises zu sehen bekommen? Bis es soweit ist, freue ich mich erst einmal auf das zweite Abenteuer der Guardians: 8/10 Punkte.

Entourage: The Movie (2015)

Was für eine Woche. Ich habe das Gefühl mich mit letzter Kraft ins Wochenende geschleppt zu haben. Normalerweise würde ich jetzt bei einem Glas Whisky Entspannung suchen, doch faste ich dieses Jahr auch Alkohol. Das nächstbeste Erlebnis ist natürlich einen Film zu schauen – und was könnte dazu besser geeignet sein als „Entourage: The Movie“? Bereits die Serie bot Eskapismus par excellence und so schloss ich mich abermals Vinnie Chase und seiner Entourage an, um ins wilde Nachtleben Hollywoods abzutauchen…

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Machen wir uns nichts vor: „Entourage“ ist in Filmform nichts weiter als eine dreimal so lange Episode der TV-Serie. Bereits diese war hochwertig produziert und konnte mit etlichen Gaststars sowie Einblicken in die Glitzerwelt Hollywoods aufwarten. Auch wenn die Kinoversion noch besser aussieht, ist es kein wirklich großer Sprung. Der Film schließt nahtlos an die finale Staffel der Serie an und bekommt sogar eine angepasste Version des fantastischen Vorspanns spendiert. Ich habe mich auch sofort wieder zu Hause gefühlt und hatte viel Spaß dabei die Gang und Ari Gold bei dem Kampf um ihren großen Erfolg zu begleiten. Wie eben bereits unzählige Male zuvor.

Auch inhaltlich gibt es keine Neuerungen und auch keine Weiterentwicklung. Die Charaktere verhalten sich noch genauso kindisch wie immer, es geht nur um Frauen, Filme, das große Geld – und eben Freundschaft, was die Serie bzw. nun den Film trotz aller Oberflächlichkeit doch wieder sympathisch macht. Der Star dieser Welt ist erneut Jeremy Piven, der als zum Studio-Boss aufgestiegener Schauspielagent Ari Gold abermals allen anderen die Show stiehlt – selbst wenn er seine besten Szenen bereits in der ursprünglichen TV-Serie hatte.

Letztendlich ist „Entourage: The Movie“ ein Film für die Fans der Serie. Allen anderen dürften die Figuren zu nichtssagend sein. Ich für meinen Teil hatte großen Spaß noch einmal mit den Jungs um zu Häuser zu ziehen, selbst wenn die besten Zeiten schon hinter ihnen liegen. So ist das eben manchmal. Ein spaßiger Besuch der popkulturellen Vergangenheit. Macht es nun gut Jungs: 7/10 Punkte.

Unnütze Trivia am Rande: Der Charakter Turtle wohnt in demselben Strandhaus, in dem auch das Finale der TV-Serie „Fear the Walking Dead“ spielt.

Der Schwarze Falke – OT: The Searchers (1956)

Kürzlich hatten wir es auf der Arbeit über Western und dass viele Kollegen – mich eingeschlossen – noch nie einen Western mit John Wayne gesehen haben. Daraufhin hat sich ein großer Fan des Dukes vorgenommen, diesen untragbaren Umstand zu ändern und mich sowie fünf weitere Kollegen zu einem Westernabend inklusive standesgemäßem Essen (lecker Grillfleisch und Bohnen mit Speck) einzuladen. Nach einem kurzen Abriss über die Bedeutung des Films, waren wir schon gespannt, ob „Der Schwarze Falke“ seinem Ruf als bester Western John Fords und John Waynes gerecht wird und uns auch 60 Jahre später noch zu überzeugen weiß…

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Der Western und ich

Im Vorfeld der Besprechung muss ich den Hinweis geben, dass die Stimmung doch eher ausgelassen war und somit manche aus heutiger Sicht unfreiwillig komische Szene noch zusätzlich an Humor gewonnen hat. Die Umstände der Sichtung haben den Film bestimmt anders wirken lassen, als die ursprüngliche Intention vorgesehen hat – und doch glaube ich, dass ich mir insgesamt ein recht gutes Bild von „Der Schwarze Falke“ machen konnte, zumindest nachdem die Zwischenbildberechnung ausgeschaltet war, was nur wieder mich zu stören schien. Danach aber konnte John Fords epochaler Western zumindest visuell überzeugen, denn die auf Blu-ray gebannten VistaVision-Bilder sind auch heute noch sehr beeindruckend und lassen schnell vergessen, dass man einen Film aus dem Jahr 1956 sieht.

Western ist ein Genre, das mich meist nicht sonderlich lockt, auch wenn mit „Die glorreichen Sieben“ ein nur vier Jahre nach „The Searchers“ entstandener Genrekollege zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Auch John Fords legendärer Western zählt für viele Kritiker und Filmschaffende (u.a. Martin Scorsese und John Milius) zu den besten Filmen aller Zeiten. Dies hatte ich bei der Sichtung im Hinterkopf – und auch wenn ich so manch spannenden Ansatz erkennen konnte, wollte mich der Film nicht so wirklich mitreißen. Das mag einerseits an den Umständen der Sichtung liegen, doch auch darüber hinaus werden John Ford, John Wayne und ich vermutlich keine allzu engen Freunde. Die simple Handlung wird oft unnötig umständlich erzählt und ein Gefühl für den langen Zeitraum (immerhin über 5 Jahre), den unsere Suchenden unterwegs sind, mag sich kaum einstellen.

Licht und Schatten im Monument Valley

Ich war wirklich erstaut wie unsympathisch der Held aus heutiger Sicht gezeichnet ist: wortkarg, eindimensional und ohne jegliche Empathie. Ob das damals genauso wahrgenommen wurde? In ausgewählten Szenen kann man als Zuschauer tatsächlich hinter die Fassade blicken – und in diesen Momenten konnte mich der Film tatsächlich packen. Teils hatte ich auch das Gefühl eine Entmystifizierung des Westernhelden zu sehen: Während der 5-jährigen sinnlosen Odyssee geht das restliche Leben weiter und Martin Pawley (Jeffrey Hunter) hätte beinahe seine große Liebe an einen anderen Mann verloren. Die endlich ausgeübte Rache an Scar wirkt wenig kathartisch und für unseren Helden scheint es auch kein glückliches Ende zu geben – ruhelos zieht er weiter. Eine Deutung von „Der Schwarze Falke“, mit der ich mich wirklich anfreunden könnte. Leider jedoch wirkt John Fords Film in anderen Szenen äußerst eindimensional erzählt und bekräftigt fragwürdige Stereotype. Den Rassismusvorwurf muss sich Ford aus heutiger Sicht an manchen Stellen gefallen lassen, doch offenbart „The Searchers“ auch für die damalige Zeit durchaus progressive Ansichten, wie das offene Zeigen der Auswirkungen eines Massakers an den Ureinwohnern. Insofern befindet sich der Film eher in einer Grauzone als in einem der beiden Lager, welche von der Filmkritik so gerne eingenommen werden.

Rein formal ist „The Searchers“ bemerkenswert. Gerade in den Szenen, die auf einem Set spielen, gelingt Ford ein Deep Staging mit ungeahnter Tiefenschärfe, was bei uns Zuschauern oft den Eindruck hervorruft eher ein Theaterstück als einen Film zu sehen. Im direkten Kontrast dazu stehen die weiten, offenen Einstellungen des Monument Valley, die wirklich famos anzusehen sind. Max Steiners Score ist mir dagegen leider kaum im Ohr geblieben, was ich schade fand, da z.B. Elmar Bernsteins Score zu „The Magnificent Seven“ zu meinen Lieblingsfilmmusiken zählt und Ennio Morricone im Italowestern geradezu Großartiges geleistet hat.

Fazit

Eine Bewertung fällt mir nun wirklich schwer. Einerseits konnte ich mich während der Sichtung nicht so komplett auf den Film einlassen, wie er es verdient gehabt hätte, und andererseits habe ich genug gesehen, um zu wissen, dass „The Searchers“ für mich nicht die große Offenbarung des Western ist, die er für viele Fans und Kritiker gerne sein würde. Die Präsenz John Waynes hat mich beeindruckt, gerade weil er einen ungewöhnlich unsympathischen Heldentypus verkörpert und die Inszenierung John Fords fand ich famos. Dem gegenüber stehen eine unausgegorene Rachegeschichte und eine aus heutiger Sicht fragwürdige Charakterzeichung. Filmhistorisch relevant, doch keiner dieser Klassiker, die auch heute noch wie eine Offenbarung wirken. Dennoch bin ich sehr froh, die Möglichkeit bekommen zu haben den Film zu sehen: 6/10 Punkte.

Star Wars: Das Erwachen der Macht – OT: Star Wars: The Force Awakens (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ am 26. Januar 2018 und am 30. September 2022 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Unglaublich, aber wahr: Ich habe es tatsächlich noch geschafft, mir „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ im Kino anzusehen. Leider konnte ich aufgrund des späten Zeitpunkts der Sichtung keine Vorstellung im Originalton mehr ausfindig machen. Somit bin ich immerhin in den Genuss einer IMAX-Projektion in 3D gekommen. Das volle Programm also. Vermutlich war das in diesem speziellen Fall auch ganz gut so, denn ich hatte die Nacht zuvor nur drei Stunden Schlaf abbekommen – ein langer Firmen-Event am Vorabend und Kinder im Faschingsrausch ab 4:30 Uhr haben ihren Tribut gefordert – und wurde somit alleine durch die audiovisuelle Wucht wachgehalten. Ob mich der Film auch inhaltlich begeistern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015) | © Walt Disney

Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015) | © Walt Disney

Was mir „Star Wars“ bedeutet

Tatsächlich stelle ich mit Erschrecken fest, dass dies der erste Eintrag zu „Star Wars“ auf meinem Blog ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich in den letzten 10 Jahren keinen „Star Wars“-Film mehr gesehen habe. Wow. Dabei ist die Filmreihe doch ein inhärenter Bestandteil meiner popkulturellen Identität. Auch wenn ich die Original-Trilogie bereits als Kind unglaublich beeindruckend fand, so hat gerade die Sichtung der verhassten Special Editions im Kino ab 1997 den Wert der Filme für mich enorm gesteigert. Entsprechend gespannt war ich auch auf „Star Wars: Episode I“ und habe den damals kursierenden Screener geflissentlich ignoriert. Der Kinobesuch war Event und Enttäuschung zugleich. Über die kommenden Jahre habe ich jedoch – antizyklisch zur filmischen Netzgemeinde – meinen Frieden mit den Prequels gemacht. Auch wenn ich mich sehr auf „Episode VII“ gefreut habe, ist der große Hype bei mir ausgeblieben. Dennoch hätte ich mich sehr geärgert, wenn ich nicht mehr im Kino gewesen wäre. Nach diesem kurzen Exkurs wende ich mich nun direkt „The Force Awakens“ zu:

Mit J. J. Abrams steht beim „Star Wars“-Relaunch ein Mann hinter den Kulissen, den ich sehr schätze. Nicht nur aufgrund seines „Star Trek“-Reboots oder des wunderbar nostalgischen „Super 8“, sondern vor allem aufgrund seiner TV-Serien „Lost“ und „ALIAS“ sowie des hierzulande weniger bekannten, aber umso sehenswerteren Coming-of-Age-Dramas „Felicity“. Schon alleine die Tatsache, dass Abrams nun die zwei größten Sci-Fi-Franchises unter seinen Fittichen hat, ist bemerkenswert. Ich war somit recht guter Dinge, dass er mit diesem bedeutenden Werk seiner und all unserer Jugend kein Schindluder treiben würde – und nach George Lucas‘ letzten Bemühungen konnte dieses Vorhaben gar nicht so schief gehen, oder etwa doch?

Charaktere und Inszenierung

Schon beim Opening Crawl hatte ich eine Gänsehaut. Da war es wieder: das bekannte „Star Wars“-Gefühl. Schon kurz danach lernen wir unsere neuen Hauptfiguren kennen – und was das für Figuren sind! Rey und Finn sind mir sofort ans Herz gewachsen. Auch wenn ihre Charakterisierung teils noch zu wünschen übrig lässt, so sprechen die Taten und ihr Zusammenspiel für sich. Einfach erfrischend und endlich einmal wieder eine weibliche Heldin, die keinen starken Mann an ihrer Seite braucht, um sich aus gefährlichen Situationen zu manövrieren – das Gegenteil ist der Fall. Schon bald treffen wir mit Han Solo und Chewbacca auf zwei alte Bekannte, was für einen weiteren Nostalgieschub sorgte.

Die Balance aus Altem und Neuem hat Abrams, was die Figurenkonstellation angeht, wirklich gut getroffen. Selbst Nebenfiguren aus der Originaltrilogie sind öfter mal im Hintergrund zu sehen. Da freut sich das Fanherz.  Mit Kylo Ren gibt es eine interessante Variation Darth Vaders zu sehen, der viel Potential aber auch gewisse Gefahren birgt. Wird er sich als eigenständige Figur etablieren können oder nur als Emo Vader in die Geschichte eingehen? Mit Adam Driver (Adam Sackler in der TV-Serie „Girls“) stimmt die Besetzung und ich bin mir sicher, dass sich die Figur in den kommenden Teilen noch interessant entwickeln wird. Derweil sprießen bestimmt auch die Theorien, welche bereits bekannte Figur sich letztendlich hinter Supreme Leader Snoke verbirgt. Langweilig sind diese Ergänzungen des Universum somit keinesfalls.

Ebenso famos ist die Inszenierung: teils kann man kaum glauben, dass zwischen „A New Hope“ und „The Force Awakens“ bereits 38 Jahre liegen. Seien es die Modelle, die Aliens, die HUDs der Raumschiffe oder sogar die Frisuren der Charaktere (z.B. Poe Dameron) – hier passt wirklich alles. Sehr begeistert war ich auch von der Kameraarbeit, die – bis auf wenige Ausnahmen – stets auf Augenhöhe der handelnden Figuren stattfindet, was gerade in 3D zu einer wirklich starken Immersion führt. Der perfekte „Star Wars“-Film also?

Inhaltliche Schwachstellen

Leider bietet „Star Wars: Episode VII“ inhaltlich nur einen Aufguss der Ereignisse aus „Star Wars: Episode IV“. So gibt es wieder einen Droiden mit einer geheimen Botschaft, statt der Cantina in Mos Eisley gibt es Maz Kanatas Festung und am Ende läuft alles auf die Zerstörung eines noch größeren Todessterns hinaus. Da hätte ich mir etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht, zumal es auch keinen Unterschied macht, dass das Imperium nun Erste Ordnung heißt – die Rebellen befinden sich in exakt der gleichen Position wie damals und es wirkt einfach nicht so, als hätten die Ereignisse aus „Return of the Jedi“ großen Einfluss auf die Geschichte dieses Universums gehabt. Auch wenn ich die einzelnen Schauplätze und die individuellen Szenen wirklich mochte, so wirkt das große Ganze doch bereits zu vertraut.

Fazit

„The Force Awakens“ hat es auf jeden Fall geschafft, das „Star Wars“-Fieber bei mir wieder ausbrechen zu lassen. Ich freue mich schon sehr auf die Zweitsichtung im Originalton und habe mir fest vorgenommen demnächst noch einmal „Episode I“ bis „Episode VI“ zu sichten. Trotz des exakt getroffenen Gefühls für diese Welt, wiegen die Abstriche in der Handlung zu stark, als dass ich gewillt wäre, sie einfach unter den Tisch zu kehren. Zweifellos ein sehr guter Start für das Franchise, es bleibt nur zu hoffen, dass Rian Johnson („Looper“) und Colin Trevorrow („Jurassic World“) die wunderbar bodenständige Inszenierung beibehalten und sich die Autoren auch inhaltlich mehr trauen. Ich bin sehr gespannt und voller Vorfreude: 8/10 Punkte.

Men at Work – Season 2

So langsam beginne ich dank Streaming Serien weiterzuverfolgen, die zuvor bereits wieder von meinem Radar verschwunden waren. Kürzlich ist mir mit „Men at Work – Season 2“ eine Serie über den Weg gelaufen, die ich nie weitergeschaut habe, obwohl ich deren erste Staffel recht unterhaltsam fand. Da ich ohnehin auf der Suche nach einer 20-minütigen Sitcom war, kam mir die Serie gerade recht…

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Was für ein Vergnügen! Wie ich nach meiner Sichtung der ersten Staffel bereits beschrieben hatte, fühlt sich „Men of Work“ wie ein Relikt aus dem TV-Programm der 90er Jahre an. Inszenierung, Charaktere und Drehbücher wirken einfach aus der Zeit gefallen. Schon die musikalische Untermalung der Schauplatzwechsel löst bei mir Flashbacks zur goldenen Zeit der klassischen Sitcom mit Lachspur aus. Kaum zu glauben, dass diese Staffel erst 2013 gelaufen ist. Dabei habe ich nicht einmal das Gefühl, den Machern wäre diese nostalgische Komponente bewusst.

Auch dieses Jahr geben wieder erstaunlich viele Gaststars ihr Stelldichein: von J. K. Simmons („Whiplash“) über Jason Lee („My Name is Earl“) bis hin zu Ashton Kutcher, mit dem Danny Masterson ja bereits in „That ’70s Show“ aufgetreten ist. Dies zeigt deutlich, dass Showrunner Breckin Meyer sehr gut in Hollywood vernetzt ist.

Mit nur 10 Episoden ist die Staffel extrem kurz, gerade für eine klassische Sitcom. Auch wenn die Handlung alles andere als innovativ ist, so hätte ich doch gerne mehr davon gesehen. Einfach sympathische Unterhaltung, die gerade aufgrund ihrer altmodischen Aspekte erstaunlich anders wirkt. Habe ich wirklich sehr gerne gesehen: 7/10 (7.4) Punkte.

Akte X: Der Film – OT: The X-Files: Fight the Future (1998)

Kaum habe ich die fünfte Staffel der Serie beendet, hat mich „Akte X: Der Film“ erneut vor den Fernseher gelockt – und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da aktuelle Mini-Serie rund um Mulder und Scully gestartet ist. Mitten im zweiten Frühling der Serie und doch 18 Jahre zu spät. Was der Film der Mythology der Serie hinzufügen kann und ob er tatsächlich mehr ist, als eine aufgeblasene Doppelfolge, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Ich weiß noch genau, dass ich 1998 nach der Sichtung des Films ziemlich enttäuscht war. Zwar war meine persönliche Hype-Phase rund um „Akte X“ schon längst wieder am abklingen – und doch wollte ich unbedingt wissen, ob der Film die Geheimnisse der Serie auflöst. Damals empfand ich, dass er sein Versprechen nicht einlösen konnte – und ließ damit auch die X-Akten im TV-Programm hinter mir. Mit knapp 18 Jahren hatte ich eben auch andere Dinge im Kopf. Somit war der Abschied eher organisch, als forciert. Nun, eben weitere 18 Jahre später, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus – und mitten in meiner Wiederholungssichtung der gesamten Serie, stellt „The X-Files: Fight the Future“ tatsächlich ein Highlight dar.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sich TV-Regisseur Rob Bowman (u.a. „Die Herrschaft des Feuers“) hier ausgetobt hat. Auch wenn es durchaus inszenatorische Parallelen zur TV-Serie gibt, so atmet „Akte X: Der Film“ tatsächlich Kino. Dabei wirkt der größere Maßstab glücklicherweise nicht aufgesetzt, sondern passend für eine Geschichte dieses Ausmaßes. Inhaltlich dagegen ist man sehr nahe an einem TV-Zweiteiler dran, wenngleich es auch tatsächlich mehr Antworten und konkretere Begegnungen mit den Gegenspielern gibt. Zudem wird jede bisher mögliche Zweideutigkeit ausgemerzt und die Kolonisierung der Erde durch Außerirdische als Fakt innerhalb der Serienwelt präsentiert. Vermutlich der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, da ich das Gefühl hatte die Mythology-Episoden verlieren so langsam die Bodenhaftung.

Die Bewertung des Films fällt mir nun wirklich nicht leicht. Als Doppelfolge innerhalb der Serie hätte er von mir auf jeden Fall 10 Punkte erhalten, doch als losgelöster Film betrachtet, wären 8 Punkte deutlich angemessener. Somit ergibt sich eine Mischwertung, die deutlich von meinem emotionalen Engagement in der Serienwelt geprägt ist. Zuschauer, die bisher noch keinen Kontakt mit „Akte X“ hatten, dürften sich mit dem Film schwer tun, doch gehören sie auch ganz klar nicht zur Zielgruppe. Zwei Stunden beste Unterhaltung für alle Fans der Serie: 9/10 Punkte.