Burn After Reading (2008)

Eine aktualisierte Besprechung des Films habe ich am 29. Dezember 2009 veröffentlicht.

Gestern relativ spontan im Fremdsprachenkino gewesen und „Burn After Reading“ gesehen. Schlappgelacht. Zuvor wusste ich von dem Film nur, dass es das jüngste Werk der Coens ist und dass es sich wohl um eine schwarze Komödie handelt. Man muss eben doch nicht immer perfekt informiert sein, um großartig unterhalten zu werden.

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Die Geschichte um einen gefeuerten CIA-Agenten (John Malkovich), dessen Memoiren Washington, D.C. auf den Kopf stellen, ist zu komplex, um sie hier auch nur annähernd wiederzugeben. Möchte ich auch gar nicht, denn wie hier unterschiedliche Handlungsfäden zusammenlaufen und wie sich die Geschichte entwickelt macht einen großen Teil des Unterhaltsungswertes des Films aus. Vom Aufbau her erinnert die Geschichte etwas an die früheren Coen-Werke, wie „Fargo“ oder „The Big Lebowsky“ – was als absolutes Kompliment zu verstehen ist.

Besonders großartig ist die Besetzung gelungen. Ob Brad Pitt als Fitnessjunkie, ein sexsüchtiger George Clooney, ein manischer John Malkovich oder Francis McDormand, die sich nach der großen Liebe (und unzähligen Schönheitsoperationen) sehnt – das zündet! Da sitzt jede Dialogzeile, das Timing ist perfekt und die 90 Minuten vergehen wahrlich wie im Flug. Der Humor ist dabei oft wirklich tiefschwarz, aber nur selten subtil – und spätestens wenn George Clooneys Charakter sein Heimwerkerprojekt enthüllt, bleibt wirklich kein Auge trocken.

Mit „Burn After Reading“ ist den Coens eine fabelhafte Komödie gelungen, die mich wohl öfter laut lachen ließ, als die letzten alle anderen Komödien des letzten Jahres zusammen. Ein kleiner, feiner Film. Absolut stimmig und mit prefektem comic timing inszeniert: 9/10 Punkte. In diesem Sinne: What a clusterfuck!

Doomsday (2008)

Bereits bei der Kinoauswertung hatte ich mich für Neil Marshalls Endzeitschocker „Doomsday“ interessiert, doch da die deutsche Kinofassung – wie so oft in letzter Zeit – geschnitten war wollte ich auf die DVD warten. Da diese nun auch nur verstümmelt auf den Markt geschmissen wurde, bin ich letztendlich auf die australische Fassung ausgewichen.

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Neben der Tatsache, dass „Doomsday“ der neue Film von Neil Marshall – Regisseur des äußerst gelungenen „The Descent“ – ist, hat mich besonders die Endzeitatmosphäre gereizt. Bereits beim Trailer wurden äußerst angenehme Erinnerungen an „Mad Max“ und „Escape from New York“ wach. Umso gespannter war ich, womit Marshall nun den bunten Mix noch aufgepeppt hat.

Der Einstieg ist sehr stimmungsvoll inszeniert und erinnert an aktuelle Kracher wie „28 Days Later“ – selbst Versatzstücke von „ALIENS“ ließen sich finden. Versatzstück beschreibt den Film sowieso ganz gut. Nach der atmosphärisch dichten Einführung von Ausgangssituation und Charakteren wird in ein „Mad Max“ ähnliches Szenario gewechselt, das lauter und bunter kaum sein könnte. Danach geht es sofort weiter in eine Mittelalterwelt, nur um am Ende „Mad Max 2: The Road Warrior“ zu huldigen. Dazwischen gibt es einige Abstecher in eine Verschwörungsgeschichte, die nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Betrachtet man den Film als Hommage an das 70er/80er Jahre Actionkino, wird man seine Freude haben. Es gibt viel Gewalt, viel Action und nur wenig Handlung. Die Atmosphäre ist meist äußerst gelungen und ab und zu schleicht sich sogar ein selbstironischer Witz in die Dialogzeilen. Alles in allem war es das auch. Eine nette Hommage, die sich jedoch nie zur Eigenständigkeit aufschwingen kann.

Ob ich nun enttäuscht bin? Vielleicht etwas. Nach „The Descent“ hätte ich wohl mehr von Neil Marshall erwartet. Doch Spaß macht auch „Doomsday“ auf jeden Fall, man wird in einigen Jahren jedoch kaum mehr von dem Film sprechen – denn wer braucht schon eine Ansammlung von Versatzstücken, wenn die Originale nicht weniger bieten? Für Fans des Genres aber durchaus sehenswert: 7/10 Punkte.

Die Legende von Beowulf – Director’s Cut

Als ich von Robert Zemeckis Verfilmung von „Die Legende von Beowulf“ hörte, war ich einerseits angetan und andererseits abgeschreckt. Nach „Der Polarexpress“ also erneut ein Film, der komplett auf die Performance-Capture-Technik setzt. Dennoch hatte ich mir vorgenommen den Film im Kino (IMAX 3D) zu sehen, was mir leider durch akuten Zeitmangel jedoch nicht gelang.

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Nun habe ich nach langem Zögern doch noch zur DVD gegriffen, die – nach dem Wegfallen des 3D-Erlebnisses – wenigstens den Director’s Cut enthält. Von der Handlung her hatte mich der Film noch nie so richtig interessiert und nach dem eher flachen „Der Polarexpress“ hatte ich in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich viel erwartet. Umso überraschter war ich folglich, dass es neben den auf 3D getrimmten Actionsequenzen auch einige ruhige Szenen gab und der Geschichte doch eine tragische Düsternis innewohnte. Insofern konnte mich der Film inhaltlich schon einmal überzeugen.

Die technische Seite ist natürlich wieder ein ganz anderes Kapitel. Seit der 2004er Weihnachtsgeschichte hat sich die Technik noch einmal extrem weiterentwickelt. In manchen Szenen kann man wirklich nicht mehr sagen, ob man eine Animation oder reale Aufnahmen vor sich hat. Unglaublich beeindruckend. Dennoch ist die Gradwanderung zwischen Realismus und Animation immer noch nicht wirklich so perfekt, als dass man von ihr nicht abgelenkt würde. Besonders Handbewegungen und die Ganzkörperanimation in den Totalen wecken Erinnerungen an die Cartooncharaktere aus „Shrek“ und nehmen demnach einen großen Teil der wirklich gelungenen Atmosphäre.

Doch trotz technischer Mängel ist der Film weit mehr als eine beeindruckende Technikdemo: Die Figuren besitzen wirklich Leben und besonders die Actionszenen sind unglaublich beeindruckend! Der erste Angriff von Grendel muss in der IMAX 3D-Version wirklich atemberaubend gewesen sein. Man sieht hier auf jeden Fall gut, in welche Richtung sich das digitale Kino mit großen Schritten bewegt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Ich kann den Film jedem Technikfreak, der etwas für blutrünstiges Fantasykino übrig hat nur empfehlen. Man darf kein Meisterwerk erwarten, doch der Film ist weit besser als sein Ruf: 7/10 Punkte.

The Color of Magic: Die Farben der Magie & Das Licht der Phantasie (2008)

Als wohl letzten Film meiner filmreichen Urlaubswoche habe ich mir gestern Abend „The Color of Magic“ nach den beiden Terry Pratchett-Romanen „Die Farben der Magie“ und „Das Licht der Phantasie“ angesehen. Im Gegensatz zur Verfilmung von „Hogfather“ kenne ich dieses Mal die Vorlage, wenngleich ich zugeben muss, dass ich mich nicht mehr an allzu viel erinnern konnte.

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Auf der Scheibenwelt ist er wohl meine Lieblingsfigur. Die Rede ist von Rincewind, dem glücklosen Zauberer. Nicht nur habe ich die Scheibenweltromane, in denen er eine tragende Rolle spielt, regelrecht verschlungen – ich habe ihm auch schon bei zwei Abenteuern zur Seite gestanden: „Discworld“ und „Discworld II: Missing Presumed…!?“ gehörten damals zu meinen Lieblingsadventures und haben meine Vorstellung von Rincewind maßgebend geprägt. Insofern war es anfangs schwierig sich den doch schon etwas in die Jahre gekommenen David Jason in der Rolle des chaotischen Rincewind vorzustellen.

Die Wahl Sean Astins für die Rolle von Twoflower hat mir dagegen sofort zugesagt. So und nicht anders habe ich mir den ersten Touristen der Scheibenwelt stets vorgestellt. Ebenso wunderbar wurde Zweiblums Truhe in Szene gesetzt. Da habe ich mich sofort heimisch gefühlt. Einfach wunderbar! Mit der Zeit ist mir auch David Jasons Interpretation von Rincewind ans Herz gewachsen und als dann noch Cohen der Barbar aufgetaucht ist, war ich endlich komplett auf der Scheibenwelt angekommen.

Wie bereits erwähnt, kann ich mich an die Vorlage nicht mehr sonderlich gut erinnern und demnach nur schwerlich eine Aussage in Bezug auf die Qualität der Adaption treffen. Für sich genommen funktioniert der Film allerdings tadellos. Trotz seiner Lauflänge von gut 3 Stunden erscheint er teils vielleicht etwas gehetzt, aber dennoch gibt es genug Zeit für satirische Spitzen und liebenswerte Details – ich denke hier allein an den Picture Imp oder den Bibliothekar.

Etwas zu knabbern hat der Film an seinem begrenzten TV-Film-Budget, welches die Effektszenen (Drachen, Troll usw.) leider etwas billig erscheinen lässt. Darüber kann man allerdings wirklich hinwegsehen, denn der Rest des Films ist absolut stimmig inszeniert und man kann die Achtung vor der Vorlage in jeder Szene spüren. Ich würde mir wirklich weitere Verfilmungen wünschen. Gibt es diesbezüglich schon irgendwelche Informationen?

„The Color of Magic“ ist wohl der wahrgewordene Traum aller Scheibenwelt-Reisenden. Endlich kann man Rincewinds Abenteuer auch in Bewegtbildern verfolgen. Mich hat die Verfilmung noch weit mehr begeistert, als dies bereits „Hogfather“ konnte. Also macht es wie Twoflower und begebt euch nach Ankh-Morpork! Ihr werdet es nicht bereuen: 9/10 Punkte.

Texas Chainsaw Massacre (2003)

Da die DVD nun schon seit Jahren auf ihren großen Auftritt wartet, habe ich mir heute endlich einmal Michael Bays Remake von Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ angesehen. Eine durchaus interessante Erfahrung, besonders wenn ich die Wirkung des Films mit der des Originals vergleiche.

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Ich kann nicht sagen, dass Tobe Hoopers Horrorklassiker zu meinen Genrefavoriten zählt – dafür kenne ich ihn zu wenig. Ich sah den Film damals auf einem Videoabend. Ein verrauschtes VHS-Band zeigte uns die verstörenden Bilder eines Films mit dem wunderbaren deutschen Titel „Blutgericht in Texas“ – ein Titel, der entsprechende Erwartungen schürte. Letztendlich wurde der Film sehr gemischt aufgenommen. Die meisten fanden ihn zu langweilig und überhaupt zu altmodisch. Ich jedoch war überrascht, wie stark mich der psychologische Horror dieses kleinen Filmchens mitgenommen hatte.

Etliche Jahre und unzählige Horrorfilme später kann ich mich immer noch gut an bestimmte Szenen erinnern. Szenen, die ich mit größter Spannung auch im Remake erwartet hatte – sie kamen jedoch nicht. Alles was den Film inhaltlich so beängstigend machte (u.a. die verstörte Famile, das Ritual am Essenstisch) wurde nicht mit in die 2003er Version hinüber gerettet. Was also bleibt? Ein 08/15-Slasher. Nur eben mit Kettensäge.

War Tobe Hoopers 1974er Film wie eine Dokumentation aufgezogen und hat in verwackelten Handkamerabildern das Grauen unmittelbar eingefangen, so ist Marcus Nispels Adaption der Geschichte typisch Hollywood. Man muss sich nur einmal das Bild der Hauptfiguren (siehe oben) ansehen und schon bekommt man einen guten Eindruck von der Optik des Films: Durchtrainierte, schwitzende Körper in Jeanswerbung-Ästhetik. Ebenso werden die Schauplätze dargestellt. Alles ist dreckig und ekelhaft, aber eben überstilisiert. Vom Licht, über die Kamera bis hin zum Setdesign. Da ist nichts dem Zufall überlassen. Perfektes gestyltes Grauen.

Ich kann nicht behaupten, dass diese durchkomponierten Bilder keinen Eindruck auf mich gemacht haben. Wie Jessica Biel in atmosphärischem Licht durch den Wald rennt hat durchaus Schauwerte. Selbst die abstoßenden Bilder haben eine gewisse Ästhetik, der man durchaus gerne zusieht – und genau das ist das Problem: Bei Tobe Hoopers Original wollte man wegsehen, weil man den Terror kaum noch ertragen konnte. Hier? Sicher! Zeigt mir ruhig mehr davon! Nur leider bleibt gerade aufgrund der ansprechenden Bilder der Horror völlig auf der Strecke.

Letztendlich hat Marcus Nispel mit seiner Interpretation von „Texas Chainsaw Massacre“ einen durchaus brauchbaren Film geschaffen. Man sollte nur in keinster Weise einen Vergleich zum Original ziehen – weder inhaltlich noch ästhetisch. Einzig die perfekte Besetzung von R. Lee Ermey als sadistischer Sheriff weiß so etwas wie Unbehagen zu erzeugen. Horrorfans, Freunde von schönen Bildern sowie Jungs die nicht genug von Jessica Biel in nassen T-Shirts bekommen können dürfen ruhig einmal einen Blick riskieren: 5/10 Punkte.

American Graffiti

Gestern Abend habe ich einmal wieder eine filmische Wissenslücke schließen können. George Lucas‘ „American Graffiti“ zeigt – wie so viele Filme nach ihm – den letzten wichtigen Abend an der Grenze zum Erwachsenwerden. Simpel in der Handlung. Simpel in der Aussage. Umwerfend in seiner Ausführung.

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Bei der Sichtung hatte ich stets das Gefühl, den Film doch schon irgendwie zu kennen. Die unterschiedlichen Charaktere. Das beinahe schon magische Gefühl dieser letzten bedeutenden Nacht. Die Musik. Die Autos. All das hat sich bereits so in der Popkultur festgesetzt, das man kaum glauben kann hier nun endlich das Original zu sehen. Allein wenn man an den exakt 20 Jahre später entstandenen „Dazed and Confused“ von Richard Linklater denkt, sind die Parallelen unübersehbar. Wahrlich ein Meilenstein für diese Art von Coming-of-Age-Film.

Der Verlust der Unschuld – im übertragenen Sinne – ist in nahezu jeder Szene zu spüren. Der Umbruch macht sich dabei nicht nur bei den Charakteren bemerkbar, sondern auch in der Welt, in der der Film spielt. Vietnam steht vor der Tür und das naive Lebensgefühl der 50er Jahre ist bereits dabei zu verblassen. Die nostalgische Stimmung wird auf den Zuschauer perfekt durch kleine, persönliche Geschichten übertragen. Selbst in der heutigen Zeit kann sich wohl jeder noch an solch unbeschwerte Nächte erinnern. Die letzten Nächte der eigenen Jugend.

Für Filmfreunde ist es famos diverse Schauspieler in ihren ersten größeren Rollen zu sehen: Richard Dreyfuss, Ron Howard, Charles Martin Smith und Harrison Ford sind nur einige der bekannten Gesichter. George Lucas und Francis Ford Coppola haben hier wahrlich ein geschicktes Händchen bei der Besetzung bewiesen. Ebenso bei der Auswahl des Soundtracks, der hier wichtiger ist als in kaum einem zweiten Film.

„American Graffiti“ ist sicherlich nicht der spannendste oder lustigste Film. Er erzählt keine epische Geschichte. Er besitzt keine besonderen Schauwerte. Er ist ein kleiner Film. Er zeigt uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein – und das macht er perfekt. George Lucas hat hier wirklich einen der Archetypen des Coming-of-Age-Films geschaffen: 8/10 Punkte.

Zodiac – Director’s Cut (2007)

Seit langer Zeit habe ich heute einmal wieder einen Film gesehen, der mich wirklich rundum überzeugen konnte – und das bereits bei seiner Erstsichtung. Die Rede ist von David Finchers „Zodiac“ in der um knapp 5 Minuten längeren Director’s Cut Version.

Es ist wirklich erstaunlich und kaum fassbar, wie detailversessen im Film die Mordserie rund um den Zodiac-Killer nachvollzogen wird. Man fühlt sich förmlich ins Amerika der späten 60er bis frühen 80er Jahre zurückversetzt. David Fincher ist hier Großartiges gelungen. Jede Szene atmet Perfektionismus. Bereits „Sieben“ und „Fight Club“ waren nahe dran, doch „Zodiac“ sprengt hier nahezu die Möglichkeiten – und das sowohl inhaltlich, wie auch audiovisuell.

Am meisten hatte ich vor der Sichtung befürchtet, dass der Fall keine Spannung aufkommen lässt. Dass die Ermittlungsarbeiten zu trocken dargestellt werden. Dass die Authentizität um jeden Preis in den Vordergrund gerückt wird. Doch die Befürchtungen waren völlig unbegründet. Schon lange habe ich keinen so spannenden Film mehr gesehen. Man wird gepackt von diesem Mysterium. Wird hineingezogen in die Besessenheit der Ermittler. Man fühlt mit ihnen. Leidet mit ihnen. Ich bin David Fincher wirklich dankbar, dass er keine Szene dem billigen Effekt geopfert hat oder sich in der Lauflänge einschränken ließ.

Nach dem Film habe ich mich noch etwas mit den wirklich sehenswerten Extras der wunderbar gelungenen DVD – zurzeit übrigens für 7,99 € bei Müller erhältlich – beschäftigt. Erst hier wird einem noch einmal bewusst, wie nahe die filmische Interpretation Finchers an den echten Gegebenheiten sein muss. Man mag den Film nicht für eine CGI-Granate halten, doch was hier getrickst wurde, um authentische Bilder zu schaffen ist meiner Meinung nach nichts anderes als eine Meisterleistung der VFX-Technik. Die Interviews mit den überlebenden Opfern, sowie den beteiligten Ermittlern werfen übrigens noch einmal ein teils ganz neues Licht auf den Fall. Sehr sehenswert.

Nachdem ich den Perfektionismus so sehr gelobt habe, kann ich auch nur sagen: Der Film ist perfekt. Ich wüsste keinen Kritikpunkt. Toll gespielt von allen Beteiligten. Packend und visuell großartig inszeniert. Absolut spannend und mitreißend, auch auf emotionaler Ebene. Ganz großes Kino: 10/10 Punkte.

Session 9

Nach dem gestrigen Halloween-Raclett, gab es anschließend natürlich den obligatorischen Gruselfilm. Dieses Jahr ist die Wahl auf den mir noch unbekannten „Session 9“ von Brad Anderson gefallen. Bis auf den Schauplatz der verlassenen Nervenheilanstalt und das Mitwirken von David Caruso hatte ich auch noch kein Vorwissen in Bezug auf die Handlung – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gruseligen Filmabend. Spoiler sind zu erwarten.

Gleich zu Beginn ist mir der Look des Films aufgefallen – leider nicht besonders positiv. Ich hatte schon den Verdacht, dass unsägliche Bildverschlimmbesserer à la 100 Hz am Werk sind, doch dem war nicht so. „Session 9“ wurde mit der damals jungen 24P HD Technik von Sony gefilmt, was man dem Film leider in jeder Einstellung ansieht. Dadurch konnte zwar eine große Tiefenschärfe sowie eine natürliche Beleuchtung erreicht werden – doch sieht das Ergebnis eben nicht aus wie Film. Besonders für dieses Genre der Atmosphäre nicht wirklich zutragend.

In Bezug auf die Handlung hat der Film schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufgebaut, was vor allem der grandiosen Location zu verdanken ist. Das verlassene Sanatorium wirkt wie gemacht für Horrorfilme. Besonders wenn man einen ebensolchen erwartet. „Session 9“ ist jedoch kein Horrorfilm. Nicht einmal ein Gruselfilm. Er lässt sich wohl am ehesten mit Andersons wunderbarem Nachfolgewerk „The Machinist“ vergleichen, ohne ihm jedoch auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.

Ob ich die Handlung nun komplett richtig interpretiert habe, oder nicht – was bleibt ist eine 08/15-Auflösung, die ich bereits vermutet hatte als das erste Mal von Schizophrenie die Rede war. Die berühmte Endmontage, in der es den Zuschauern wie Schuppen von den Augen fallen soll ist dann bei mir auch etwas wirkungslos verpufft. Eigentlich schade, hat der Film bis dahin doch – zumindest in einigen Szenen – eine wunderbar schaurige Atmosphäre aufgebaut.

„Session 9“ ist ein netter Mysterythriller mit gewöhnungsbedürftiger Optik und relativ schwacher Auflösung. Freunde des Genres dürfen jedoch gerne einmal einen Blick riskieren. Unterhaltsam, für Halloween aber letztendlich zu wenig echter Grusel: 6/10 Punkte.

Krabat (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Krabat“ am 10. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Krabat (2008) | © 20th Century Fox

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

Beim ersten Mal – OT: Knocked Up

Da ich heute Lust auf eine Komödie hatte, habe ich mir Judd Apatows „Beim ersten Mal“ angesehen. Anfangs noch etwas skeptisch – „The 40 Year Old Virgin“ war mir noch als ziemlich großer Reinfall in Erinnerung – doch schon bald mit wachsendem Vergnügen.

Es ist wahrlich kein feiner Humor, den man hier serviert bekommt. Die Zoten sind grobschlächtig und die Witze landen öfter als unter der Gürtellinie als die Schmerzgrenze manchmal erträgt – aber dennoch: Der Film samt Figuren und Darstellern ist einfach sympathisch. Zudem gibt es unzählige Gaststars aus bei mir beliebten TV-Serien – wie z.B. „The Office“ oder „How I Met Your Mother“ – zu sehen, was den Film für mich noch einmal deutlich aufwertet.

Die Geschichte erfindet das Rad nicht neu, ist aber doch essentiell für den Film, da sie die Triebfeder für die Charakterentwicklungen darstellt. Zudem bleibt sie über die – für eine Komödie doch recht ausufernde – Laufzeit von über zwei Stunden stets unterhaltsam. Die Balance zwischen Schenkelklopfern und leichtem Drama ist zudem recht angenehm und wirkt nicht aufgesetzt.

Warum ich „Knocked Up“ – so der passende Originaltitel – um so viele besser bewerte, als den inoffiziellen Vorgänger „The 40 Year Old Virgin“? Wahrscheinlich weil ich damals den unverzeihlichen Fehler gemacht hatte und die totsynchronisierte Fassung sah. Das soll nicht wieder vorkommen, denn der anfangs etwas eigenwillige Humor besitzt eine ganz eigene – und wirklich unterhaltsame – Komik.

In Zukunft werde ich Judd Apatow wieder in meine engere Wahl was Komödien angeht mit einbeziehen. Hiermit hat er wirklich unterhaltsame und grundsympathische Feierabendunterhaltung abgeliefert. Kann was, der Film: 7/10 Punkte.