Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt – Director’s Cut (1979)

Meist fasse ich mit meinen Einträgen rudimentär die Gefühle zusammen, welche ich nach der Sichtung eines Films habe. Bei einigen wenigen Filmen versuche ich bestimmte Punkte abzuhandeln, die mir besonders am Herzen liegen. Dann jedoch gibt es Filme, die das Bedürfnis in mir wecken der ganzen Welt mitzuteilen, um was für ein bahnbrechendes Meisterwerk es sich handelt. Ridley Scotts „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ gehört ohne Zweifel zu letztgenannter Kategorie. Nicht nur Meilenstein für das Kino, sondern ganz besonders für meine persönliche filmische Entwicklung.

Meinen ersten Kontakt mit „Alien“ hatte ich im zarten Alter von vielleicht 12 oder 13 Jahren. Es war der Geburtstag meines Vaters und während meine Eltern feierten, hatte ich mit ein paar Freunden den alten Fernseher im Keller belagert. Ich weiß heute noch, dass der Film um 22 Uhr auf ARD oder ZDF lief und ich bereits während der Eröffnungstitel sichtlich nervös war. Damals hatte ich noch keinen Kontakt zu Horrorfilmen und es war in mehrerer Hinsicht eine Premiere. Den Film habe ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht zu Ende gesehen, öfter das Zimmer verlassen und mich abgelenkt. Es sollte jedoch eines der prägendsten Filmerlebnisse meiner Jugend werden.

Wann ich „Alien“ dann zum ersten Mal komplett sah, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich weiß jedoch, dass es mich große Überwindung gekostet hat, mich zu einer Sichtung durchzuringen. Auch heute noch gibt es kaum einen zweiten Film, der mich trotz unzähliger Sichtungen die Spannung körperlich so sehr spüren lässt, wie Ridley Scotts bahnbrechender Sci-Fi-Horror. Neben unzähligen TV-Ausstrahlungen, ist die „Alien“-Tetralogie wohl auch die einzige Reihe, welche ich bei einem Videoabend komplett an einem Stück gesehen und von der ich bisher alle erhältlichen DVD-Fassungen besessen habe. Allein dies sollte den Stellenwert der Filme – und besonders des ersten Teils – für mich deutlich machen.

Zum Thema Schnittfassungen sei gesagt, dass mir beide Versionen nahezu gleich gut gefallen. Der Kinocut ist mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen und demnach kann ich nichts mehr daran kritisieren. Er ist perfekt. Ridley Scotts 2003er Director’s Cut habe ich bisher erst zweimal gesehen und er erscheint mir heute moderner und mitreißender. Einige Straffungen machen durchaus Sinn und ich liebe manche der neuen Szenen, wenngleich ich andere lieber nicht in dem Film gesehen hätte. Wie man es auch dreht und wendet: Der Film funktioniert in beiden Fassungen und keine lässt den Film komplett anders wirken. Ich für meinen Teil freue mich über die Abwechslung und entscheide mich vor jeder Sichtung aufs Neue.

Noch mehr als bei den vorhergehenden Sichtungen, ist mir gestern der perfekte Aufbau des Films aufgefallen. Von der ersten Sekunde an wird Ellen Ripley als rational handelnder Charakter eingeführt, der weiter denkt als alle anderen, eher emotional getriebenen Charaktere. Nicht nur hat Ridley Scott in „Alien“ somit einen weiblichen Actionhelden etabliert, es wurde zudem noch mit der typischen Rollenverteilung gebrochen: Hätte Ripley die Crew überzeugen können, Kane nicht an Bord zu holen, wäre die Situation gleich zu Beginn entschärft worden und es hätte keinen Alienangriff gegeben.

Weiterhin bemerkenswert ist die Tatsache, dass man das von H. R. Giger perfekt gestaltete Alien nie wirklich zu Gesicht bekommt. Zumindest fast nie. Vor dem Angriff auf Brett sieht man es allerdings für ein paar Sekunden in voller Pracht, ohne jedoch zu wissen, dass man es überhaupt sieht. Eine wahrlich meisterhafte Einstellung, die belegt, dass manche Filme tatsächlich mit jeder Sichtung wachsen. In die gleiche Kerbe schlägt das Finale: Ripley – und somit auch der Zuschauer – hat alles überstanden und fühlt sich dementsprechend sicher. Sie zieht ihren Kampfanzug aus und steht, verletzlicher denn je, in ihrer Unterwäsche vor uns. Das Adrenalin ist aus der Blutbahn verschwunden und was folgt ist beinahe schon apathische Entspannung – doch plötzlich bricht das unbeschreibbare Grauen in diesem Moment der größten Verletzbarkeit über Ripley (und somit den Zuschauer, der sich nun ebenfalls in Sicherheit wähnt) herein. Wohl eines der mitreißendsten finalen Szenen der Filmgeschichte.

Ich könnte nun noch stundenlang über Jerry Goldsmiths eindringlichen Score, die prägnanten Soundeffekte, das zeitlose Set- und Kreaturendesign sowie die schauspielerischen Glanzleistungen (insbesondere von Sigourney Weaver) schreiben. Doch weiß ich, dass bestimmt 99% meiner Leser den Film bereits kennen und ebenso lieben, wie ich selbst. Dem übrig gebliebenen 1% kann ich nur sagen: Geht raus und kauft euch die fantastischen Blu-rays. Ihr werdet ein Filmerlebnis haben, das ihr nie vergessen werdet: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Transformers (2007) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Transformers“ am 5. März 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer arbeitsreichen Woche hatte ich gestern Abend Lust auf einen furiosen Actionfilm, bei dem man – wie man so schön sagt – sein Gehirn an der Kasse abgeben kann. Trotz der großen Auswahl an ebensolchen Filmen, ist meine Wahl auf Michael Bays „Transformers“ gefallen – und das obwohl ich von der Verfilmung Hasbros erfolgreicher Spielzeugreihe bei der ersten Sichtung doch etwas enttäuscht war.

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Transformers (2007) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Ich weiß auch nicht woran es liegt – vielleicht wirken die hektischen Schnitte auf dem heimischen Bildschirm weniger anstrengend, als auf der großen Kinoleinwand und vielleicht klingen die Dialoge im englischen Originalton nicht ganz so dämlich, wie in der Übersetzung – doch ich hatte gestern wirklich Spaß mit dem Film. Vermutlich spielt auch die Erwartungshaltung eine große Rolle, denn dieses Mal wusste ich ja auf was ich mich einlasse: Eine lächerliche Rahmenhandlung, welche mit enormen Schauwerten umgesetzt wurde.

Der Handlungsstrang um Sam Witwicky (Shia LeBeouf) wirkt – besonders zu Beginn – immer noch recht albern, was aber durchaus zur Grundstimmung des Films passt. Michael Bays Militärfetisch ist – wie in all seinen Filmen – perfekt inszeniert, jedoch übertreibt er es in „Transformers“ damit doch etwas. Den dritten Handlungsstrang – rund um die Aufdeckung der Invasion – empfand ich dieses Mal als durchaus ansehbar. Die Zusammenführung der drei Kerngeschichten am Hoover-Damm ist schließlich noch einmal ein audiovisuelles Highlight.

Fazit

Wenn man sich an der flachen Geschichte nicht weiter stört, der bombastischen Inszenierung etwas abgewinnen kann und – im Idealfall – als Kind tatsächlich mit den titelgebenden Actionfiguren gespielt hat, dann dürfte man mit „Transformers“ durchaus seinen Spaß haben. Ich habe mich gestern tatsächlich ziemlich gut amüsiert, weshalb sich der Film eine Aufwertung verdient hat: 7/10 Punkte.

Inception (2010)

Gestern Abend haben wir unser Zappelinchen zum ersten Mal in treusorgende Hände gegeben, um einmal wieder einen Abend in trauter Zweisamkeit zu genießen. Was lag da näher, als mit Christopher Nolans „Inception“ einmal wieder den Zauber der großen Leinwand zu spüren? Nicht nur das große Medienecho hatte mich neugierig gemacht. Was ist also dran am neuen Überfilm des gefeierten Regisseurs?

Natürlich ist bei solch einem Hype immer Vorsicht geboten, besonders wenn man sich erst bei dessem Abflachen seine eigene Meinung bilden kann. Mich jedoch hatte „Inception“ bereits in seinen Bann gezogen, als die ersten Informationen über die Handlung an die Öffenlichkeit drangen. Ein weiterer Traumfilm. Endlich! Dazu ein mehr als nur fähiger Regisseur und ein großes Budget. Ich mochte ja schon Tarsem Singhs unterbewerteten Bilderrausch „The Cell“ und Bernard Roses „Paperhouse“, in dem ein Kind durch düstere Albtraumlandschaften durchstreift.

„Inception“ geht das Thema Traum sehr technisch an. Es wird ein komplexes Regelwerk aufgebaut, an das sich unsere Helden halten müssen, um ihren Auftrag – ein mehr oder minder simpler Heist – zu erfüllen. Im Gegensatz zu den zuvor von mir genannten Filmen gibt es in Nolans Traumlandschaften keine surrealen Elemente. Selbst die jetzt schon berühmte Faltszene entspringt eher einem technischen Hintegrund: Traumarchitekten bauen Traumlabyrinthe und genau so mechanisch, wie man sich das vorstellt, sieht das letztendlich auch aus. Auch wenn ich gerne weitere Traumeigenschaften (spontane Zeit- und Ortswechsel usw.) gesehen hätte, so hat der eher realistische Traumstil doch auch zur Stringenz der Geschichte beigetragen, denn wie sagte Cobb so schön? Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually strange.

Die Handlung des Films macht wirklich Spaß. Man ist immer am Ball und gespannt, was wohl als nächstes passieren mag. Als der Film zu Ende war hatte ich zudem nicht das Gefühl zweieinhalb Stunden im Kino gesessen zu haben, doch Traumzeit vergeht eben viel schneller. Überhaupt nicht verstehen kann ich allerdings, wie man den Film als zu komplex wahrnehmen kann. Sicher gibt es am Ende vier Handlungsebenen, doch diese sind in der Montage so klar voneinander getrennt, dass es eigentlich überhaupt nicht zu Missverständnissen kommen kann. Mitdenken schadet natürlich nicht, doch wer „Inception“ schon zu kompliziert findet, der sollte tunlichst die Finger von Cronenberg, Lynch und Co. lassen.

Über die Originalität der Geschichte kann man sich natürlich streiten. Wie bereits mehrfach in der Blogosphäre zu lesen war, gibt es die Grundidee von „Inception“ bereits in Don Rosas „Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden“ zu lesen. Genauer gesagt in der Geschichte „Lebensträume“, in der die Panzerknacker mithilfe eines Geräts von Daniel Düsentrieb in die Träume von Onkel Dagobert eindringen und versuchen seine Safekombination in Erfahrung zu bringen (die gesamte Geschichte gibt es hier nachzulesen). Was das nun bedeutet? Was ich schon immer wusste: Die Duck-Comics – insbesondere Carl Barks‘ und Don Rosas Werke – stecken voller famoser Ideen, die auch auf der großen Leinwand Bestand hätten.

Einen weiteren Vergleich muss sich „Inception“ nun von mir gefallen lassen – und zwar den Vergleich zu Martin Scorseses jüngsten Film. Wenn ihr euch nun fragt, was der simple Thriller „Shutter Island“ – Leonardo DiCaprio einmal außen vor gelassen – denn mit Christopher Nolans gepriesenem Meisterwerk zu schaffen haben soll, dann schaut einmal genau hin: Beide Filme handeln von nicht verarbeiteten Schuldgefühlen, in beiden Filmen flüchtet sich die Hauptfigur deshalb in eine Traumwelt und beide Filme enden äußerst ambivalent. Und die vielleicht wichtigste Parallele: Beide Filme haben bei mir ähnliche Emotionen hervorgerufen. Denkt einmal darüber nach.

Um mit meinen Ausführungen zu einem Ende zu finden, muss ich noch festhalten, dass ich „Inception“ zwar unglaublich mitreißend und unterhaltsam fand, jedoch den Hype um den Film nicht so recht verstehen kann. Doch das ging mir bereits bei Nolans „The Dark Knight“ so. So gut „Inception“ auch ist, er ist nicht Nolans bester Film. „Memento“ war innovativer und „The Prestige“ einfach faszinierender, doch das ist vielleicht nur meine Meinung. So oder so lohnt es sich auf jeden Fall diesem Traumlabyrinth einen ausführlichen Besuch abzustatten: 9/10 Punkte.

District 9 (2009)

Vor ein paar Jahren bin ich über einen Kurzfilm namens „Alive in Joburg“ gestolpert, der mich tief beeindruckt hat. Eine unglaubliche Atmosphäre und teils wirklich verstörend anzusehen. Als ich mitbekam, dass Regisseur Neill Blomkamp mit „District 9“ eine Spielfilmversion seines Kurzfilms plant, kannte meine Begeisterung keine Grenzen. Wie es leider jedoch immer öfter der Fall ist, habe ich den Film im Kino verpasst und musste nun auf die Blu-ray zurückgreifen.

Wow. Was für ein beeindruckender Film. Schon lange habe ich nichts mehr so Außergewöhnliches gesehen. Einen Film, der sich in keine Schublade stecken lässt. Unterschiedlichste Genres und Inszenierungsstile werden hier zusammengewürfelt, nur um am Ende ein absolut beeindruckendes Gesamtbild zu schaffen. Schon alleine dafür muss man „District 9“ eigentlich lieben. Neill Blomkamp hat die Prämisse seines Kurzfilms einerseits erweitert, andererseits aber auch auf gewisse Elemente fokussiert, was der Kinoversion einen etwas anderen Drall gibt.

„District 9“ setzt sich in meinen Augen aus drei Segmenten zusammen. Das erste Drittel des Films ist ziemlich nahe am Kurzfilm und zeigt uns eine bitterböse Satire auf die Apartheid, welche teils urkomisch, oft aber einfach nur erschreckend nahe an der Realität ist. Im zweiten Drittel schwenkt die Handlung auf ein zutiefst menschliches Drama à la „Die Fliege“ (1986) um und lässt den Jäger zum Gejagten werden. Dieses Mittelstück hatte für mich ein paar Längen und Logikfehler, wenngleich es sich in seiner Gesamtheit wunderbar in den Film einfügt. Das letzte Drittel zeigt uns schließlich eine actionhaltiges Buddymovie im Sci-Fi-Setting, welches ziemlich zur Sache geht und wirklich fantastisch aussieht.

Neill Blokamps Film ist nicht immer leichte Unterhaltung. Teils ist es fast schon anstrengend dem Springen zwischen den Genres zu folgen und einen Überblick über den Wechsel zwischen Mockumentary und klassischen Spielfilmszenen zu behalten. Lässt man sich aber auf dieses ungewöhnliche Erlebnis ein, dann wird man mit einem der intensivsten und spannendsten Filme der letzten Jahre belohnt. Nicht perfekt, nicht immer rund, aber stets mitreißend. Ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Das sollte es definitiv öfter geben und somit kann ich nur eine zwingende Empfehlung für alle Filmfreunde aussprechen: 9/10 Punkte.

Serenity (2005) (WS1)

Nachdem ich die letzten Tage notdürftig mit den Comics „Those Left Behind“ und „Better Days“ überbrückt habe, war es nun an der Zeit mit „Serenity“ einmal wieder Abschied von meinem Lieblingraumschiff zu nehmen. Abschied von meinen Lieblingscharakteren, Abschied von meinem Lieblingsuniversum. Doch bestimmt nicht zum letzten Mal.

Wie bereits bei der letzten Sichtung von „Serenity“ muss ich auch dieses Mal wieder das zu viel zu schnelle Voranschreiten der Geschichte bemängeln. Im Vergleich zur Ursprungsserie „Firefly“ kann es sich Joss Whedon leider nicht mehr erlauben sich mit den kleinen, aber feinen Details seines Universums aufzuhalten. Er hat eine Geschichte zu erzählen. Schließlich wollen neue Zuschauer auf den aktuellen Stand gebracht werden und auch die Brücke zum großen Finale gilt es zu schlagen. Kein einfaches Unterfangen.

Für mich wirkt die Struktur des Films folglich auch etwas unausgegoren, was besonders im Mittelteil auffällt. Wie toll wäre es doch gewesen diese Geschichte noch über mindestens eine Staffel zu strecken. Doch im mag mich gar nicht beschweren, denn schließlich ist besonders das letzte Drittel des Film ein absoluter Hochgenuss. Düster, hart, schnell und einfach mitreißend. Zudem durchsetzt von einer seltsam anmutigen Endzeitpoesie. Für Freunde der Serie wirklich erfgreifende Minuten.

Inzwischen sieht es so aus, dass „Serenity“ tatsächlich das unumstößliche Ende dieses Minifranchise darstellt – zumindest in den Bewegtbildmedien. In Comicform dürfen wir uns wohl noch bald auf „The Shepherd’s Tale“ freuen, welches uns endlich den Hintergrund von Shepherd Book offenbart. Immerhin. Wie auch schon „Object’s in Space“ lässt mich „Serenity“ immer etwas wehmütig zurück. Ein Gefühl, das auch wunderbar zum Ende dieses außergewöhnlichen Films passt. Sehr sehenswert: 9/10 Punkte.

Star Trek (2009)

Auch wenn ich als Jugendlicher unzählige Episoden der ersten beiden TV-Serien gesehen habe, würde ich mich nicht als Fan, geschweige denn Trekkie oder Trekker bezeichnen. Dennoch habe ich mich sehr auf J.J. Abrams Neuinterpretation von „Star Trek“ gefreut. Zum einen weil ich Abrams Art Geschichten zu erzählen mag und zum anderen, weil es sowieso viel zu wenig gelungene Space Operas da draußen gibt.

Wenn ich an „Star Trek“ denke, dann sehe ich Pappkulissen, Mr. Spocks Ohren und Uhuras kurzen Rock. Jede Episode war nahezu identisch aufgebaut, doch bereits damals wusste ich den trashigen Charme der Serie zu schätzen. Was hatte man in den frühen 90ern auf für eine Wahl? Mein letztes Zusammentreffen mit der Crew der Enterprise dürfte bei einem der Kinofilme gewesen sein, doch die Erinnerungen daran sind bestenfalls schemenhaft. Trotz – oder gerade wegen – meiner nur rudimentären Kenntnisse des „Star Trek“-Universums konnte ich die Neuauflage wirklich genießen.

Zunächst einmal muss ich Abrams für die Besetzung der Hauptrollen loben. Zachary Quinto (bekannt als Sylar aus der TV-Serie „Heroes“) ist wirklich die perfekte Besetzung des jungen Mr. Spock, was sich besonders im Zusammenspiel mit Leonard Nimoy offenbart. Chris Pine gibt einen rebellischen James T. Kirk und ist in meinen Augen ein guter Ersatz für William Shatner. Auch der restliche Cast ist perfekt gewählt, wobei mir natürlich besonders Simon Peggs („Shaun of the Dead“) Scotty ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Auch wenn die Geschichte an sich nicht sonderlich innovativ oder wendungsreich ist, liegt in dieser die wahre Genialität von Abrams Neuinterpretation. Durch einen kleinen, aber umso geschickteren Kniff gelingt es ihm seine Version von „Star Trek“ sowohl bei Hardcorefans als auch Gelegenheitszuschauern zu etablieren und die Reihe dennoch offen für völlig neue Geschichten zu halten. Fabelhaft!

Insgesamt wirkt der 2009er „Star Trek“ tatsächlich nur wie das erste Kapitel einer größeren Geschichte. Man hungert bereits beim Abspann nach mehr. So ging es zumindest mir. Die Geschichte des Films ist zu dünn, um die Zuschauer wirklich zufrieden zu stellen. Dafür gibt es ausführliche Charakter- und Actionszenen, was – wie es typisch für Abrams ist – glücklicherweise keinen Widerspruch darstellt.

Ich für meinen Teil bin äußerst zufrieden mit der Neugestaltung des Franchise. Hardcorefans werden sich wohl darüber ärgern, dass Abrams sich an „Star Wars“ angenähert hat, doch dürfte das der Reihe neue Zuschauergruppen erschlossen haben. Ich persönlich habe nun sogar wieder Lust auf die ursprüngliche TV-Serie und die Kinofilme bekommen. Ein Neustart, der unglaublich viel Spaß macht: 8/10 Punkte.

Watchmen (2009)

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Trotz fehlender Kenntnis der Vorlage stand Zack Snyders Verfilmung von „Watchmen“ seit dessen Kinoauswertung auf meiner Liste der zu sehenden Filme. Auch den Comic wollte ich stets lesen, jedoch bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, was vielleicht auch der Grund ist, warum mich der Film ziemlich ratlos zurück lässt.

Nach den ersten Minuten und der berauschend schönen Titelsequenz war ich davon überzeugt ein Meisterwerk zu sehen. Hyperreal gefilmt, mitreißend inszeniert und straff erzählt. Man könnte sich daraus wahrlich jedes Einzelbild an die Wand hängen. Snyder greift seinen Inszenierungsstil aus „300“ wieder auf, um einzelne Comicpanels in Zeitlupenästhetik auf die Leinwand zu bringen. Doch ist dieser äußerst artifizielle Stil auch das richtige Mittel um wirklich jede Geschichte zu erzählen?

Ich hatte teils so meine Probleme damit. Die eher ruhigen und charakterbildenden Szenen hielten mich durch die kühlen Bilder seltsam auf Distanz und die Actionszenen waren mir nach einer gewissen Zeit zu berechenbar. Noch eine Zeitlupe? Wirklich? Trotz allem möchte ich den visuellen Stil von „Watchmen“ als durchaus schön anzusehen bezeichnen, doch empfand ich ihn insgesamt als zu anstrengend und abgehoben, um mich wirklich eine Verbindung zu den Charakteren und der Geschichte aufbauen zu lassen.

Die Geschichte an sich ist wirklich sehr interessant. Ein paralleler Zeitstrang zu unseren 80er Jahren, in dem Superhelden zum Alltag gehören. Wirklich eine fantastische Idee, welche auch im Film schön umgesetzt wurde. Sei es nun durch den Soundtrack, Einbeziehung von popkulturellen Referenzen (Andy Warhol malt nicht Marylin Monroe, sondern eine Superheldin usw.) oder politischen Verwicklungen. Doch neben der Rahmenhandlung erscheint der Haupthandlungsstrang leider viel zu zerfahren.

Es wird wild durch verschiedenste Zeitebenen gesprungen, Superhelden tauchen ohne weitere Erklärung auf und die Motivation der Charaktere lässt sich oft einfach nicht greifen. Richtig problematisch wird es dann, wenn die ruhigen Szenen eher langweilig und unfreiwillig komisch wirken (z.B. die Sexszene zwischen Night Owl II und Silk Spectre II) und die Actionszenen beliebig eingestreut werden. Es mag sein, dass dieser äußerst sprunghafte Erzählstil im Comic funktioniert, der Film erscheint dadurch jedoch wie ein buntes Mosaik ohne stringenten Handlungsaufbau.

Trotz meiner Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich „Watchmen“ durchaus fasziniert hat. Da ist etwas in der Geschichte, das wert ist erzählt zu werden. Zeit also, dass ich mich an die Vorlage heranwage. Bereits Alan Moores „From Hell“ bot ja ungeahnte Tiefen im Vergleich zur Verfilmung. Was Zack Snyders Adaption angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, jedoch erschien mir der Film bereits im Kinocut viel zu lang und doch lückenhaft. Interessant, aber leider nicht wirklich packend und somit letztendlich leider ziemlich enttäuschend: 6/10 Punkte.

Iron Man (2008)

Aktualisierung: Ich habe „Iron Man“ am 26. Mai 2012 und am 9. März 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und jeweils eine aktualisierte Besprechungen veröffentlicht.

Nachdem der Film schon viel zu lange ungesehen im Regal steht, habe ich mich gestern Abend Jon Favreaus „Iron Man“ angenommen. Obwohl ich Comicverfilmungen generell mag, konnte ich mich zuvor nicht so recht zu einer Sichtung aufraffen. Warum auch immer. Nun bin ich aber froh, es getan zu haben.

Iron Man (2008) | © Walt Disney

Iron Man (2008) | © Walt Disney

„Iron Man“ ist das Musterbeispiel eines Superheldenfilms bzw. des ersten Films einer ganzen Reihe. Wie bereits in „Spider-Man“ oder „Batman Begins“ lernt die Hauptfigur ihre neu gewonnenen Fähigkeiten hier zunächst kennen und muss sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen. Dies geschieht hier einerseits in eher düsteren Szenarion (Tony Starks Gefangenschaft), andererseits in eher komödiantischen Gefilden (Tonys Privatlabor). Eine wahrlich unterhaltsame Mischung.

Die restliche Geschichte – abgesehen vom Erfinden und Zusammenschrauben des Anzugs – ist eher belanglos. Die Darstellung von Tony Starks Lebensstil macht dank eines grandiosen Robert Downey Jr. richtig Spaß, doch die Entstehung des Bösewichts sowie der obligatorische Endkampf stammen eher aus der Klischeekiste. Nett anzusehen, aber (noch) nicht wirklich sonderlich faszinierend. Immerhin musste ich anfangs zweimal hinschauen, um Jeff Bridges (mit Glatze und Vollbart) zu erkennen.

Fazit

Mir hat der Film enorm viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, den zweiten Teil nun schneller zu sichten. Favreaus Interpretation des Marvel-Comics spielt für mich zwar nicht ganz oben unter den Comicverfilmungen mit, ist aber doch ein mehr als nur gelungener Beitrag. Als Genrefreund sollte man auf jeden Fall reinschauen: 7/10 Punkte.

Titan A.E. (2000)

Aktualisierung: Ich habe „Titan A.E.“ am 5. Oktober 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Manchmal ist es wunderbar persönliche, beinahe vergessene Filmklassiker hervorzuholen. So habe ich mich seit viel zu langer Zeit einmal wieder Don Bluths „Titan A.E.“ gewidmet. Bereits bei der ersten Sichtung im Kino hatte mich der Film unwahrscheinlich begeistert. Nerdkino in Perfektion. Darauf folgten unzählige Sichtungen auf DVD und die traurige Erkenntnis, dass der Film zu unrecht komplett in der Versenkung verschwunden ist.

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Titan A.E. (2000) | © 20th Century Studios

Die Geschichte um den vaterlosen Cale Tucker, der sich auf die Suche nach einem verschollenen Raumschiff begibt, welches die Menschheit retten soll, ist simpel aber mitreißend. Überhaupt lebt der Film eher von seinen Animationssequenzen, welche – auf für heutige Augen gewöhnungsbedürftige Art und Weise – klassische 2D-Animation mit computergenerierten Grafiken verbinden. Heute (immerhin 10 Jahre später) mag das alles etwas angestaubt wirken, doch lässt man sich darauf ein, wird man mit teils wunderschönen Szenen belohnt.

Die Atmosphäre des Films ist ziemlich dicht und auch wenn sich die Inszenierung nicht eindeutig für ein Zielpublikum entscheiden kann, so dürfte man als Jugendlicher oder jung gebliebener Erwachsener am meisten Spaß mit „Titan A.E.“ haben. Die grafische Gestaltung und die zusammengewürfelte Crew erinnern mich heute tatsächlich etwas an den grandiosen Sci-Fi-Western „Firefly“, was durch die pointierten Dialoge unterstützt wird. Man merkt hier deutlich, dass Joss Whedon am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, den ich damals rauf und runter gehört habe. Auch wenn sich mein Musikgeschmack seitdem doch weiterentwickelt hat, wurde ich bei der gestrigen Sichtung wieder davon mitgerissen. Da werden Erinnerungen wach.

Fazit

Für mich zählt „Titan A.E.“ ganz klar zu den Geheimtipps zwischen den Genres. Ein Animationsfilm abseits von Disney und Anime, den man auch als Erwachsener mit viel Vergnügen schauen kann. Schade, dass von Don Bluth („In einem Land vor unserer Zeit“) in dieser Hinsicht nichts mehr kam. Einer meiner persönlichen Klassiker: 8/10 Punkte.

Outlander (2008)

Gestern Abend habe ich mir, obwohl es eigentlich viel zu spät und ich viel zu müde war, Howard McCains „Outlander“ angesehen und trotz erschwerter Rahmenbedingungen hat der Film enorm viel Spaß gemacht. Insofern schade, dass dem Film der Sprung auf die Kinoleinwand verwehrt wurde.

Auf „Outlander“ hatte ich mich schon seit längerer Zeit gefreut. Endlich einmal wieder ein Monsterfilm. Endlich wieder Wickinger. Endlich wieder Sci-Fi. Gleich drei Wünsche auf einmal. Nach den ersten Minuten wurde meine Euphorie dann deutlich gedämpft, da bereits der Einstieg viel zu holprig und belanglos inszeniert war. Da hätte ich mir wahrlich mehr erhofft. Leider schafft es der Film über die gesamte Laufzeit nicht ganz diesen unausgegorenen Charakter loszuwerden. Doch glücklicherweise kann er im weiteren Verlauf durch andere Stärken überzeugen.

Vielleicht habe ich den Film – aufgrund des für solch eine Geschichte doch recht hohen Budgets – zu ernst genommen. Das darf man natürlich nicht. Schon bald eröffnete sich mir jedoch der leicht trashige Charme dieses überteuerten B-Movies und ab diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich Spaß damit. Es geht ordentlich zur Sache und das Blut spritzt meterweit. Hinzu kommt ein toll designtes Monster („Das Relikt“ lässt grüßen) und jede Menge Wikinger. Neben dem reinen Unterhaltungswert bietet „Outlander“ dann sogar immer mal wieder eine grandiose Einstellung, welche beinahe schon zu perfekt für diesen Film wirkt.

McCains Interpretation von „Die Legende von Beowulf“ richtet sich ganz klar an Genrefreunde. Alle anderen werden mit diesem Sci-Fi-Monster-Wikingerfilm wohl nur wenig Freude haben. Trotz offensichtlicher Schwächen hat mir dieser Mix sehr viel Spaß gemacht und ich kann mir durchaus die eine oder andere Wiederholungssichtung vorstellen. Mit eineinhalb zugedrückten Augen gibt es von mir 7/10 Punkte.