Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008)

Nach einer schlaflosen Nacht und einem ziemlich turbulenten Tag aufgrund eines fiebrigen und zahnenden Zappelinchens, war uns nur noch nach seichter Unterhaltung. Folglich haben wir uns Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ angesehen. Die Verfilmung des bayerischen Volksstücks hatte zwar keine sonderlich guten Kritiken bekommen, schien jedoch genau das Richtige für einen Abend, an dem es mit der Konzentration nicht mehr weit her war.

Die Geschichte um einen Büchsenmacher, der den Tod um 21 weitere Lebensjahre betrügt, ist an und für sich nett und bietet Potential für etliche komische Verwicklungen. So erwartete ich eine Komödie, welche aus dieser Prämisse ihr Kapital schlägt. Zu sehen bekam ich dagegen ein ziemlich biederes Heimatdramödchen, welches zwar mit schönen Bildern auftrumpfen kann, jedoch beständig unentschlossen zwischen Drama und Komödie hin- und herpendelt. Die Szenen im Himmel sind bestimmt lustig gemeint, doch wirken sie peinlich und als hätte man aus Versehen Szenen eines anderen Films in die Geschichte hineingeschnitten.

So schön die Naturaufnahmen anzusehen sind und so wunderbar Franz-Xaver Kroetz den eigensinnigen Brandner Kaspar verkörpert, so verpasst es das Drehbuch eine stringente Dramaturgie aufzubauen. Die Regie versagt zudem die teils durchaus komischen Szenen rund um den Boandlkramer (nach einer gewissen Gewöhnungsphase ziemlich nett gespielt von Michael ‚Bully‘ Herbig) entsprechend in Szene zu setzen. So ehrenhaft es sein mag, den Heimatfilm wieder populär zu machen, so verkrampft und humorfrei bleibt dieser Versuch leider. Dann lieber Marcus H. Rosenmüllers gelungenen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der sich einer ähnlichen Thematik bedient.

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ hat durchaus seine Momente, welche allesamt den wunderbaren Schauspielern zu verdanken sind. Leider schaffen sie es nicht gegen die dröge Inszenierung und das holprige Drehbuch anzuspielen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Schade um die netten Ansätze und die verpasste Chance diese urbayerische Geschichte einem größeren Publikum besser zu verkaufen: 4/10 Punkte.

Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich (1994)

Neben Filmen, die eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre ausstrahlen, gibt es auch Filme mit einer ebenso wunderbaren Winteramosphäre. Robert Bentons „Nobody’s Fool – Auf Dauer unwiderstehlich“ ist dabei nicht nur mein liebster Winterfilm, sondern einer schönsten Filme überhaupt.

Die Geschichte um den – auf den ersten Blick – griesgrämigen Bauarbeiter Donald ‚Sully‘ Sullivan, der sich nach Jahren seinem Sohn sowie dessen Familie annähert, und ganz nebenbei eine amerikanischen Kleinstadt am Laufen hält, ist so wunderbar gespielt, inszeniert und montiert, dass man nicht umhin kommt diesen störrischen Mann ins Herz zu schließen. Dabei ist „Nobody’s Fool“ komplett auf Paul Newman und seine Darstellung von Sully ausgerichtet, ohne jedoch das Können seiner anderen Schauspieler zu vernachlässigen. Großartig!

Der Film besitzt – schon allein aufgrund seiner schneereichen Bilder – eine äußerst melancholische Grundstimmung, welche jedoch nie zu schwer wird und stets mit ausreichend Humor durchsetzt ist. Ich kann nicht genau festmachen woran es liegt, doch dieser Film schafft es immer wieder mich tief zu berühren. Dabei drückt er nicht effekthascherisch auf die Tränendrüsen seiner Zuschauer, sondern überzeugt durch glaubhafte Charaktere und ein realistisches Setting.

Neben Paul Newman gibt es in „Nobody’s Fool“ einen fantastischen Bruce Willis, eine zuckersüße Melanie Griffith, einen dusseligen Philip Seymour Hoffman sowie die unbeschreibliche Jessica Tandy in ihrer leider letzten Rolle zu bewundern. Getragen wird die Geschichte zudem von Howard Shores wunderschönem Score, welcher der Arbeiterkleinstadt ein emotionales Fundament gibt.

Leider wird die bisher existierende DVD dem Film nicht im Ansatz gerecht und ich kann nur hoffen, dass sich ein Label erbarmt diese Filmperle in würdiger Qualität auf Blu-ray zu veröffentlichen. Für mich gehört „Nobody’s Fool“ zu jenen kleinen Filmen, die in Wirklichkeit größer sind als die meisten Blockbuster zusammen. Ein Schauspielerfilm, ein Charakterstück, eine zauberhafte Geschichte. Kino, wie es sein sollte: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tödliches Kommando – OT: The Hurt Locker (2008)

Zugegebenermaßen habe ich mir „Tödliches Kommando“ nur angesehen, weil es sich um den neuen Film von Frau Bigelow handelt. Der Oscar-Rummel war mir ziemlich egal und das Genre halte ich auch für überstrapaziert. Kriegsfilme erzählen doch irgendwie immer die gleiche Geschichte. „The Hurt Locker“ kann dem Thema aber glücklicherweise neue Aspekte abgewinnen.

Zunächst einmal begleiten wir eine Einheit des Kampfmittelräumdienstes, was einen neuen Blickwinkel auf die Kampfhandlungen zulässt. Diese Einheit besteht aus drei Soldaten, welche auch stets im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Endlich einmal ein Kriegsfilm, in dem nicht von Charakter zu Charakter gesprungen wird. Durch die besondere Arbeit dieser Einheit wird eine für das Genre ganz neue Art von Spannung erzeugt, welche durch die Inszenierung im Dokumentarstil noch verstärkt wird.

Normalerweise reagiere ich ziemlich allergisch auf übermäßigen Wackelkamera-Einsatz: Man hat als Zuschauer keine Orientierung und oft wird versucht dadurch Inszenierungsschwächen zu vertuschen. In „The Hurt Locker“ wird man durch diese Art der Kameraführung allerdings wirklich in die Geschichte hineingezogen. Man fühlt sich als Teil des Einheit. Man läuft selbst zur Bombe. Man ist den spontanen Angriffen selbst ausgesetzt. So intensiv habe ich wohl noch keinen Film dieses Genres erlebt. Absolut großartig.

Ebenso spannend, wie die Kriegshandlungen, ist die Entwicklung der Charaktere bzw. deren Zusammenwachsen als Einheit. Im Fokus steht Draufgänger William James (großartig gespielt von Jeremy Renner), der der Droge Krieg bereits hilflos verfallen ist. Dennoch gibt es hier keine Schwarzweißmalerei und die Figur offenbart eine Tiefe, die man ihr zu Beginn nicht zugetraut hätte.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann wohl das Ende. Es ist nicht schlecht, doch es fühlt sich an, als hätte man auch dem letzten Zuschauer erklären wollen, dass James in der zivilen Gesellschaft nicht mehr funktionieren kann. Man hätte den Film auch einfach vor dem Müsli-Regal enden lassen können und es wäre dennoch bereits alles gesagt gewesen.

„The Hurt Locker“ ist ein fantastischer Film einer großartigen Regisseurin. Ein Film, der den Hype auf jeden Fall verdient und auch von Zuschauern gesehen werden kann, die dem Genre normalerweise nichts abgewinnen können. Mitreißend, bewegend, erschreckend und dennoch unterhaltsam. Well done, Frau Bigelow: 9/10 Punkte.

(500) Days of Summer (2009)

Es gibt diese Filme. Filme, die sich einem sofort ins Herz spielen. Als wären sie schon immer Teil des persönlichen, filmischen Mikrokosmos gewesen. Marc Webbs „(500) Days of Summer“ gehört ohne Zweifel zu diesen Filmen. Gerade erst gesehen und schon das Gefühl einen neuen Freund gewonnen zu haben. Was den Film so besonders macht? Findet es heraus…

Zunächst einmal muss ich die formalen Aspekte loben: Der Aufbau des Films ist zwar nicht unbedingt brandneu, aber im Rahmen doch Genres doch wunderbar erfrischend. Aufgrund der mäandernden Darstellung der Beziehung bekommt man als Zuschauer all die widersprüchlichen Gefühle präsentiert, die eine Beziehung eben so mit sich bringt. Wunderbar. Des Weiteren ist der Film wunderschön photographiert und besitzt den besten Soundtrack seit „Garden State“ – was ich als absolutes Kompliment verstanden haben will.

Auch inhaltlich ist der Film ganz groß. Selten habe ich solch eine natürliche Chemie zwischen zwei Schauspielern erlebt. Großartige Leistungen von Joseph Gorden-Levitt („Brick“, „Inception“) und Zooey Deschanel. Auch die Drehbuchautoren haben ihren Teil zum Gelingen der Geschichte beigetragen, wirken die Dialoge doch wunderbar aus dem Leben gegriffen. Gewürzt mit unzähligen popkulturellen Referenzen und der stilsicheren Inszenierung ergibt sich ein ganz besonderer, kleiner Film. Ein Film der es leicht unter meine Lieblingsfilme schaffen könnte.

Müsste ich einen Kritikpunkt nennen, dann eventuell die Erzählstimme, die doch ab und zu an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder auch die TV-Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Glücklicherweise wird sie in „(500) Days of Summer“ nur sehr gezielt eingesetzt und auch die anderen inszenatorischen Kniffe wirken nicht aufgesetzt, sondern fügen sich relativ nahtlos in die Geschichte ein.

Marc Webbs „(500) Days of Summer“ hat etwas in mir berührt, wohin es nur wenigen Filmen gelingt vorzudringen. Bereits nach ein paar Minuten fühlten sich die Charaktere wie alte Bekannte an. Vermutlich ist der Film aber nicht für jeden Zuschauertyp geeignet. Man muss wohl – zumindest zu geringen Teilen – ein Träumer oder zumindest mit britischer Popmusik aufgewachsen sein. Fantastisch: 9/10 Punkte.

Oben – OT: Up (2009)

Aktualisierung: Ich habe „Oben“ am 21. Mai 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Gestern habe ich meinen ersten Film gesehen seit das Zappelinchen in unser Leben getreten ist. Der erste Film seit sieben Wochen. Ich glaube das ist ein neuer Rekord. Was lag also näher, als mit „Oben“ einen kinderfreundlichen (dazu später mehr) Pixarfilm zu sichten? Im Kino hatte ich das Werk meiner liebsten Animationsschmiede leider verpasst und somit war die Vorfreude auf die Heimkinopremiere umso größer.

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Zunächst einmal muss ich den audiovisuellen Genuss herausstellen, den dieser Film bietet. Ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus. Allein dafür hat sich die Anschaffung eines Blu-ray-Players gelohnt. Die Detailverliebtheit Pixars ist abermals unglaublich und ich hätte den Film am liebsten alle paar Minuten angehalten, nur um die Bilder zu bestaunen. Tatsächlich habe ich das auch getan, was allerdings weniger dem Film, als dem Töchterchen geschuldet ist. Filmschauen mit einem nicht schlafen wollendem Kind im Nebenzimmer ist eine ganz neue Erfahrung.

Nachdem mich der Film ästhetisch auf jeden Fall schon für sich gewinnen konnte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Inhalt und diesbezüglich hat „Oben“ durchaus gemischte Kritiken bekommen. Alle Kritiker sind sich jedoch einig, dass die ersten zwanzig Minuten des Films das Anrührendste sind, was man je in einem Animationsfilm zu sehen bekam. Auch ich war zutiefst ergriffen und musste die eine oder andere Träne verdrücken. So unglaublich schön. Ich gehe sogar noch weiter und attestiere der gesamten ersten Filmhälfte unwahrscheinliche emotionale Reife, denn auch – oder sogar besonders – nach der Rückblende kann man für Carl Frederickson einfach nur tiefste Verbundenheit empfinden.

Auch die Reise gehört für mich unabdingbar zu den wichtigen Elementen des Films. Das Abenteuer steht für eine tiefe Sehnsucht und treibt unseren Helden unablässig voran. Für mich kam der Bruch mit dem Erscheinen der sprechenden Hunde. Ähnlich wie in „WALL·E“ fällt die zweite Filmhälfte etwas ab, da die neuen Handlungselemente doch etwas fremd in dem bisher eher emotional geprägten Film wirken. Doch nach einer gewissen Zeit machen auch diese Ansätze durchaus Sinn, wenngleich ich mir hier oft eine etwas dezentere Inszenierung gewünscht hätte. Die Szenen in denen Carl die fehlenden Seiten in Ellies Abenteuerbuch entdeckt und er endlich loslassen kann, sind dann einfach wieder nur zutiefst ergreifend.

Aufgrund seines Themas muss ich mich über die Freigabe des Films doch stark wundern. Kein Kind unter 6 Jahren wird die emotionale Tragweite des Films begreifen, geschweige denn verkraften können. Für mich ist „Oben“ – sieht man einmal von den sprechenden Hunden ab – bisher der reifste Film Pixars. Auch der Gewaltlevel hinterlässt bei jüngeren Kindern bestimmt Eindruck, da die bösen Hunde durchaus bedrohlich wirken und auch der Antagonist des Films dieses Mal – im Gegensatz zu den meisten anderen Animationsfilmen – nicht ungeschoren davon kommt.

Fazit

Insgesamt reiht sich „Oben“ für mich nahtlos in die makellose Filmographie Pixars ein. Einige Szenen haben sich sofort in mein Herz gespielt und zählen ab sofort zu meinen Animationsfavoriten. Daneben wirkt der Film teils etwas inkonsequent inszeniert, was jedoch dem Gesamtwerk kaum schadet. Wieder einmal ganz großes Kino: 9/10 Punkte.

Absolute Giganten (1999)

Der Film war eine meiner ersten DVDs. Ich weiß auch nicht genau, warum ich ihn mir damals gekauft habe. Vermutlich war er einfach günstig. In den ersten Jahren habe ich „Absolute Giganten“ schließlich so oft gesehen wie keinen zweiten Film. Teils nur im Abstand von Monaten. So sehr berührte mich Sebastian Schippers Ode an die Freundschaft.

Es ist fantastisch wieviel diese kleine Film in seinen knapp 80 Minuten zu erzählen weiß. Man kennt seine Figuren ganz genau. Ihre Gefühle, ihre Wünsche und ihre Ängste. Man lebt, lacht und leidet mit ihnen. So als wäre man selbst dabei in dieser einen letzten Nacht. Als würde man selbst Abschied nehmen. Ich kenne keinen zweiten Film, der das Gefühl der Melancholie so wunderbar herzzerreißend einfängt, wie „Absolute Giganten“. Nicht durch große Dialoge, nicht durch eine voranpeitschende Handlung. Nein, allein durch Atmosphäre. Durch den wundervollen Score, durch Blicke und durch die magischen Bilder dieser wundervollen Stadt.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, doch Sebastian Schipper („Ein Freund von mir“) ist mit seinem Debütfilm etwas ganz Besonderes gelungen. Die Charakatere wirken einfach echt. Ihre Welt wirkt echt. Nicht unbedingt realistisch, aber echt. Vor allem von einem emotionalen Standpunkt aus gesehen. Schippers nächtliches Hamburg ist bevölkert von skurrilen Figuren, welche den Stellenwert dieser letzten Nacht unterstreichen. Irgendwann vergessen unsere Helden, was sie ziel- und ruhelos umtreibt. Sie werden in letzte Abenteuer verstrickt, doch irgendwann sind auch diese überstanden und es graut unausweichlich der Morgen.

Neben einem fantastisch inszenierten Kickerspiel und der wohl besten Tanzchoreografie der Filmgeschichte, bietet „Absolute Giganten“ das poetischste Filmende, das mir jemals untergekommen ist. Wer da keine Träne verdrückt war wohl noch nie an einem Wendepunkt in seinem Leben gestanden, musste noch nie Freunde zurücklassen und hat wohl so einiges verpasst in seinem Leben.

Für mich ist „Absolute Giganten“ ein ganz besonderer Film. Nur wenige Filme schaffen es, etwas so tief in einem drin zu berühren. Obwohl ich ihn bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen habe, hat er keine Unze seiner Wirkung verloren. Allen da draußen, die nun skeptisch sind, weil es sich um einen deutschen Film handelt, weil sich der Film nicht richtig einordnen lässt oder weil ihr ihn gerade nicht griffbereit habt, sei gesagt: Geht und schaut euch diesen Film an! Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dann schaut ihn euch noch einmal an, bis auch euer perfekter Moment hängen bleibt. Es lohnt sich: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Fanboys (2009)

Zum 30. Jubiläum von „Star Wars“ wurden zwei Filme angekündigt, die sich dem Thema aus Sicht der Fans annehmen sollten. Der erste war Patrick Read Johnsons – bisher immer noch unveröffentlicher – „77“ (ehemals „25-5-77“) und der zweite Kyle Newmans „Fanboys“, welcher eine äußerst turbulente Entstehungsgeschichte hinter sich hat. Sieht man diese dem Film an?

Zum Hintergrund: Kurz bevor der Film veröffentlicht werden sollte, wurde dieser von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company umgeschnitten und um einen der Haupthandlungsstränge erleichtert. Nach schlechter Publicity aufgrund dieser Kürzung wurde letztendlich entschieden eben diesen gekürzten Handlungsstrang doch wieder in den finalen Schnitt des Films aufzunehmen. Ob mit der aktuellen Version nun ein echter Director’s Cut vorliegt oder nur eine annähernd rekonstruierte Fassung scheint jedoch niemand so genau zu wissen. Ob es das Drama überhaupt wert war?

In meinen Augen nicht. Ich kann durchaus verstehen, warum den Weinsteins der Handlungsstrang um die tödliche Krebserkrankung nicht ins Konzept passte. Er fügt sich einfach nicht in den restlichen Film ein. Emotional passiert da nichts. Die Geschichte geht im restlichen Klamauk völlig unter und man hätte die Schwerpunkte von Grund auf anders verteilen müssen. Dann jedoch wäre der Film in Richtung emotionales Drama gekippt und so wie „Fanboys“ vermarktet wurde, wäre dies wohl auch keine Lösung gewesen. Ich möchte die Praktiken der Weinsteins hiermit nicht gutheißen – und offensichtlich war deren nachbearbeitete Version noch inkonsistenter – doch hier haperte es einfach bereits am Drehbuch.

Abgesehen von der Unstimmigkeit in der Prämisse (man hätte wahrlich irgendeinen Grund zwischen tödlicher Krankheit und reiner Schnapsidee finden können) bietet der Film teils wirklich fantastische Unterhaltung. Die Gags werden zwar oft mit der Brechstange präsentiert, doch treffen sie fast immer ins Schwarze. Die Helden sind genau so nerdig, wie sie eben sein müssen und werden zudem von einer wunderbaren Kristen Bell („Veronica Mars“) unterstützt. Herrlich sind ebenso die Cameos, allen voran William Shatner.

Am Ende lässt mich der Film – obwohl ich im Mittelteil wirklich viel Spaß mit ihm hatte – doch etwas unbefriedigt zurück, was zum größten Teil an der emotional unstimmigen Rahmenhandlung liegt. Auch wenn der Film für echte Fanboys durchaus den einen oder anderen Blick wert ist, hätte ich mir insgesamt irgendwie mehr erwartet: 6/10 Punkte. Nun wäre es an der Zeit, dass „77“ einmal zeigt, wie man es besser macht…

Watchmen (2009)

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Trotz fehlender Kenntnis der Vorlage stand Zack Snyders Verfilmung von „Watchmen“ seit dessen Kinoauswertung auf meiner Liste der zu sehenden Filme. Auch den Comic wollte ich stets lesen, jedoch bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, was vielleicht auch der Grund ist, warum mich der Film ziemlich ratlos zurück lässt.

Nach den ersten Minuten und der berauschend schönen Titelsequenz war ich davon überzeugt ein Meisterwerk zu sehen. Hyperreal gefilmt, mitreißend inszeniert und straff erzählt. Man könnte sich daraus wahrlich jedes Einzelbild an die Wand hängen. Snyder greift seinen Inszenierungsstil aus „300“ wieder auf, um einzelne Comicpanels in Zeitlupenästhetik auf die Leinwand zu bringen. Doch ist dieser äußerst artifizielle Stil auch das richtige Mittel um wirklich jede Geschichte zu erzählen?

Ich hatte teils so meine Probleme damit. Die eher ruhigen und charakterbildenden Szenen hielten mich durch die kühlen Bilder seltsam auf Distanz und die Actionszenen waren mir nach einer gewissen Zeit zu berechenbar. Noch eine Zeitlupe? Wirklich? Trotz allem möchte ich den visuellen Stil von „Watchmen“ als durchaus schön anzusehen bezeichnen, doch empfand ich ihn insgesamt als zu anstrengend und abgehoben, um mich wirklich eine Verbindung zu den Charakteren und der Geschichte aufbauen zu lassen.

Die Geschichte an sich ist wirklich sehr interessant. Ein paralleler Zeitstrang zu unseren 80er Jahren, in dem Superhelden zum Alltag gehören. Wirklich eine fantastische Idee, welche auch im Film schön umgesetzt wurde. Sei es nun durch den Soundtrack, Einbeziehung von popkulturellen Referenzen (Andy Warhol malt nicht Marylin Monroe, sondern eine Superheldin usw.) oder politischen Verwicklungen. Doch neben der Rahmenhandlung erscheint der Haupthandlungsstrang leider viel zu zerfahren.

Es wird wild durch verschiedenste Zeitebenen gesprungen, Superhelden tauchen ohne weitere Erklärung auf und die Motivation der Charaktere lässt sich oft einfach nicht greifen. Richtig problematisch wird es dann, wenn die ruhigen Szenen eher langweilig und unfreiwillig komisch wirken (z.B. die Sexszene zwischen Night Owl II und Silk Spectre II) und die Actionszenen beliebig eingestreut werden. Es mag sein, dass dieser äußerst sprunghafte Erzählstil im Comic funktioniert, der Film erscheint dadurch jedoch wie ein buntes Mosaik ohne stringenten Handlungsaufbau.

Trotz meiner Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich „Watchmen“ durchaus fasziniert hat. Da ist etwas in der Geschichte, das wert ist erzählt zu werden. Zeit also, dass ich mich an die Vorlage heranwage. Bereits Alan Moores „From Hell“ bot ja ungeahnte Tiefen im Vergleich zur Verfilmung. Was Zack Snyders Adaption angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, jedoch erschien mir der Film bereits im Kinocut viel zu lang und doch lückenhaft. Interessant, aber leider nicht wirklich packend und somit letztendlich leider ziemlich enttäuschend: 6/10 Punkte.

State of Play (2009)

Was wurde dieser Film in den Himmel gelobt. Kaum ein Blogeintrag oder Filmpodcast des letztes Jahres, in dem keine Lobeshymnen auf Kevin Macdonalds „State of Play“ gesungen wurden. Umso gespannter war ich folglicherweise, was die Mischung aus Polit- und Verschwörungsthriller wirklich zu bieten hat.

Kevin Macdonalds („Der letzte König von Schottland“) Remake einer englischen Miniserie aus dem Jahr 2003 fängt stark an und weiß den Zuschauer von der ersten Minute an zu fesseln. Der Film besitzt alles, was einen guten Verschwörungsthriller ausmacht: Eine mysteriöse Mordserie, zwielichtige Politiker, militärische Großkonzerne und eine sympathische Identifikationsfigur, die den Drahtziehern der Verschwörung auf den Fersen ist. Die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend.

Leider jedoch spielt Kevin Macdonald die Klaviatur des Genres beinahe schon zu perfekt. Die Geschichte läuft ziemlich so ab, wie man sich das als geübter Kinogänger erwarten würde. Überraschungen gibt es kaum und ich hatte den Eindruck als würden gewisse Punkte (z.B. Beseitigung des Zeugen im Krankenhaus) einfach nur abgehakt werden. All dies ist allerdings wunderbar inszeniert und herrlich gespielt. Auch wenn Russell Crowe sonst nicht zu meinen Lieblingsschauspielern zählt, war ich doch mehr als begeistert von seiner Darstellung des schnoddrigen Investigativreporters Cal McAffrey.

Nachdem ich dachte, der Film hätte gar keine Überraschung mehr zu bieten, kam der große Drehbuchtwist. Wow. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Was für eine Schnappsidee. Einer der klischeehaftesten Hinweise – ‚Woher konnte sie das wissen?‘ – deckt eine der uninteressantesten Verschwörungen der Filmgeschichte auf. In meinen Augen verpufft die Wirkung des Endes völlig und lässt die vorangegangenen zwei Stunden beinahe schon überflüssig erscheinen. Da wäre wirklich mehr drin gewesen. Eine Wendung um der Wendung willen.

Für Freunde des Genres bietet „State of Play“ tatsächlich teils sehr gute Unterhaltung. Der Film ist mehr als solide inszeniert, besitzt tolle Darsteller (Russell Crowe, Jason Bateman usw.) und spielt immerhin in Washington, D.C. Das hochgelobte Drehbuch entlockte mir über weite Strecken dagegen nur ein müdes Lächeln und nach dem Finale wünschte ich mir doch zur UK-Miniserie gegriffen zu haben. Sehenswert, aber weit nicht so gut wie sein Ruf vermuten lässt: 7/10 Punkte.

In meinem Himmel – OT: The Lovely Bones (2009)

Gestern war ich endlich einmal wieder im Kino und habe mir Peter Jacksons Verfilmung von „In meinem Himmel“ angesehen. Bereits seit seiner Ankündigung habe ich mich auf den Film gefreut, wenngleich mir die Vorlage auch unbekannt ist. Ich mag Jacksons Stil und spätestens seit „Heavenly Creatures“ traue ich ihm auch ernstes Drama zu.

Die Bewertung des Films bringt mich in eine Zwickmühle. Einerseits hatte er grandiose Szenen zu bieten, welche mir auch immer im Gedächtnis bleiben werden, andererseits habe ich mich aber auch selten so über gewisse Szenen geärgert. Zu Beginn der Vorstellung war ich mir noch sicher einen der besten Filme des Jahres zu sehen, nach der Vorstellung war ich dagegen bitter enttäuscht. Heute Nacht jedoch hat mich die Geschichte selbst bis in meine Träume verfolgt, was wiederum für die emotionale Kraft des Films spricht. Doch was hat Jacksons Werk nüchtern betrachtet zu bieten?

Der Anfang des Films hat mir ausgezeichnet gefallen. Toll inszeniert, geschrieben und gespielt. Der grausame Höhepunkt war schließlich die Szene in der Susie Salmon auf ihren Mörder trifft. Ich glaube solch einen Kloß hatte ich im Kino nur selten im Hals. Wirklisch erschreckend gut gemacht. Auch die weiteren Szenen in der realen Welt haben bei mir Eindruck hinterlassen. Besonders die Spannungsszenen sind Peter Jackson famos gelungen, was wohl auch Stanley Tuccis beängstigendem Portrait des Serienkillers George Harvey zu verdanken ist.

Neben den wirklich spannenden und emotional ergreifenden Szenen gibt es allerdings noch die Szenen in Susie Salmons persönlicher Zwischenwelt. Die Szenen, die den Film eigentlich hervorheben sollten. Szenen, wie man sie noch nie gesehen hat. Leider jedoch sind gerade diese überflüssig, kitschig und mehr als nur holprig in die Gesamthandlung eingebunden. Ab und zu gibt es ein paar schöne Bilder zu sehen, doch der Rest verkommt zu brachialem CGI-Kitsch. Wirklich enttäuschend. Da hätte ich lieber nur Susies Voice-over gelauscht. Eine Erzählform, die bereits in „American Beauty“ tadellos funktioniert hat.

Neben den enttäuschenden Zwischenwelt-Szenen hat sich die Handlung auch noch einige Ausreißer erlaubt, welche für mich einfach nur unpassend wirkten. Das beste Beispiel ist hier der Kuss. Ich habe ja nichts gegen Kitsch, doch muss dieser auch angemessen in eine Geschichte integriert werden. Überhaupt hatte der Film teils das Problem die Waage zwischen Drama, Humor und Thriller zu halten. Hier hätten Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Das Ende des Films war für mich schließlich auch unbefriedigend. Zwar weiß ich, dass es aus der Vorlage übernommen wurde, doch schien mir der CGI-lastige Absturz einfach nur platt und aufgesetzt. Wirklich schade.

Letztendlich hat mich „In meinem Himmel“ wirklich enttäuscht, besonders nach der wunderbar intensiven Eröffnung. Ich bereue die Sichtung jedoch nicht, denn in seinen besten Momenten liefert der Film famoses Drama sowie beklemmende Spannung. Dazwischen wirkt der Film jedoch wie eine billige Kopie von Vincent Wards „Hinter dem Horizont“, was leider nicht als Kompliment zu verstehen ist. Schade, dass man hier das Potential der Geschichte nur ansatzweise genutzt hat: 6/10 Punkte.